Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 21 (13.3.1936)
- Date
- 1936-03-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 21 13. III. 1936 JÖDISCHE RUNDSCHAU Seife 3 Briefe von einer Orient-Reise Von C. Z. Klötzel, lerusälem / Vgi. die Reisebrie/e in Nr. 97, 700, 702/793S, Nr. 7, 2 und 76 da./. VII. Juden aus Deutschland in Indien Bombay, im Januar Seit einiger Zeit ist Indien das Ziel einer kleinen, aber stetig wachsenden Zahl jüdischer Auswanderer aus Deutschland geworden. Es sind zum größten Teil Aerzte, die den Versuch gemacht haben, dort eine neue Existenz zu finden; erfreulicherweise ist ihnen dies zum größten Teil gelungen. Da hierbei zum Teil exceptionelle Verhältnisse eine Rolle gespielt haben und andererseits die Gefahr besteht, durch Unkenntnis dieser Verhältnisse eine Chance zu verderben, die vielleicht noch einer Anzahl jüdischer Emigranten-Aerzte gegeben werden könnte, soll hier in einiger Ausführlichkeit davon gesprochen werden. Vorher möchte ich aber einige Persönlichkeiten erwähnen, die, aus Deutschland kommend, schon seit einer Reihe von Jahren in Indien leben und dort zum Teil bedeutende Stellungen einnehmen. in erster Linie ist hier Professor Rudolf Samuel zu nennen, der seit 1931 den vom Nizam von Haiderabad gestitteten Lehrstuhl für Physik an der Universität Aligarh innehat, den ,,mohammedanischen Oxford“. Samuel wird den Zionisten Deutschlands noch gut in Erinnerung sein als einer der intimsten Freunde von Chajim Arlosoroff und einer der Mitbegründer des Hapoel Hazair. Er hat in Oöttingen bei Prof. J. Franck, dem Nobelpreisträger, promoviert, und ist der Begründer einer neuen Theorie über chemische Bindungen, die von der Fachweit nach anfänglichem Widerstand jetzt mehr und mehr anerkannt wird. Ich hatte die Freude, Samuel nach langen Jahren in Bombay wiederzutreffen und Erinnerungen aus dem zionistisehen Leben Deutschlands, der Zeit unmittelbar nach dem Kriege, auszutauschen. Die Gelegenheit war bezeichnend: Samuel nahm an der Sitzung der Indischen Akademie der Wissenschaften teil, die unter dem Vorsitz des berühmten indischen Physikers Professor Raman stattfand. Unter den wenigen wissenschaftlich-schöpferischen Arbeiten, die Raman in seiner Adresse ausdrücklich nannte, befanden sich die von Prof. Samuel. Es ist nicht ohne einen gewissen Reiz, daß Samuel, der Zionist, seit Jahren an einer mohammedanischen Universität lehrt, wo er sich der größten Schätzung erfreut, obwohl er aus seiner zionistischen Ueberzcugung nie ein Hehi gemacht hat. Er unterhält nach wie vor die lebhaftesten Be- Ziehungen zu Erez Israel und sein Sohn wird in Erez Israel erzogen. Wenn man von Zionisten in Indien spricht, so liegt einem sofort der Name Leser auf der Zunge. Herr Leser ist in Galizien geboren, hat aber viele Jahre in Deutschland gelebt, bevor er vor fast einem Jahrzehnt nach Bombay ging, wohin ihn ein großer britischer Konzern berief. Das Haus dieses bescheidenen, liebenswürdigen Mannes mit der großen hebräisch-jüdischen Bildung und dem warmen jiidischeu Herzen ist ein Mittelpunkt des europäisch-jüdischen Kreises in Bombay geworden. Auf seine •Initiative ist auch die Gründung eines ״jüdischen Hilfsvereins“ erfolgt, der überaus dankenswerte Arbeit auch im Interesse einer Anzahl von Einwanderern aus Deutschland geleistet hat. Herr Leser hat im vergangenen Jahre Erez Israel besucht und sich dort angekauft; seine Freunde im Lande hoffen, ihn recht bald dort wieder begrüßen zu können. Neben den Zionisten zwei Nichtzionisten deutsch-jüdisehen Ursprungs, die seit längerer Zeit in Indien leben. Frau Gerda Philipsborn, älteren deutschen Zionisten aus ihrer Tätigkeit am Berliner ״Jüdischen Volksheim“ bekannt, leitet heute ein Heim der mohammedanischen Anhänger der indischen Kongreßpartei in Delhi. Leopold Weiß, ehemaliger Orientkorrespondent der ״Frankfurtur Zeitung“, der zum Islam übertrat — und einer der schärfsten Gegner des Jüdischen Nationalheims ist —, befindet sich seit längerer Zeit in Kaschmir, wo er eine alte islamitische Handschrift herausgibt, die er mit eigener Hand — sehr schön, wie man narr sagte — auf einer Handpresse druckt. Die ärztliche Einwanderung Es befanden sich in Indien zur Zeit meines Dortseins etwa ein Dutzend jüdische Aerzte aus Deutschland, außerdem etwa ein halbes Dutzend Zahnärzte. In Karachi, Ahmmedabad, Kalkutta, Madras befinden sich je ein bis zwei deutschjüdische Aerzte. Eine kleine Anzahl von Medizinern, die in verschiedene andere indische Städte gehen wollen, waren als im Anmarsch befindlich gemeldet. In Bombay geht es einigen wenigen Aerzten ausgezeich- »et, die meisten haben ihr Auskommen, einige haben zu kämpfen. Persönliche Qualitäten spielen bei diesen Unterschieden natürlich •eine gewisse Rolle, viel stärker aber wirken •ich gewisse objektive Bedingungen aus. Die Ankunft in Deutschland ausgebildeter Aerzte, die in Indien allgemein einen besonders guten Ruf haben, erweckte schnell Befürchtungen, sowohl bei den englischen wie bei den indischen Aerzten, die sich in einer ziemlich heftigen Diskussion in der Presse Luft machten. Das hatte eine verbluffende, von den eingesessenen Aerzten weder vorausesehene noch gewünschte Folge. Die Zeitungen, in denen iese Diskussion geführt wurde, erhielten zahlreiche Zu- Schriften aus dem Publikum, in denen — um die genaue Adresse der neuen Aerzte gebeten wurde. Insbesondere aus den Kreisen der sehr wohlhabenden und tonangebenden Parsis in Bombay begann ihnen die erste Klientel zuzuströmen, und da sie ihrem Ruf durchaus Ehre machten, verbreitete sich die ״Mode“, zu den ״Neuen“ zu gehen, schnell. Die eingesessenen Aerzte, Engländer und Inder, griffen mm zu dem einzigen Mittel, das ihnen zur Verfügung stand, um diese vielleicht fühlbare, aber keineswegs bedrohliche Konkurrenz zu bekämpfen. In Indien herrscht an sich Kurierfreiheit. Die Aerzte mit englischem oder indischem Examen sind aber in den großen Städten in sogenannten ״Medical Corporation*“ zusammengefaßt, denen natürlich auch die Aerzte der städtischen und der Regierungskrankenhäuser angehören. Diese Corporations haben nun erklärt, sie würden die fremden Aerzte ohne englische bzw. indische Examen nicht aufnehmen. Das bedeutet, daß sie mit den ״Neuen“ nicht konsultieren und daß die städtischen Krankenhäuser ihnen ihre Operationssäle nicht zur Verfügung stellen. Infolgedessen haben es aus rein technischen Gründen Chirurgen, Frauenürzte usw., die auf Kliniken und Operationssäle angewiesen sind, sowie aut die Ueberweisung von Patienten durch die Kollegen der allgemeinen Praxis, schlechter als Internisten und solche Spezialisten, die ohne die Inanspruchnähme von Operationsräumen auskommen. Es gibt zur Zeit in Bombay an jüdischen Aerzten aus Deutschland: einen Chirurgen (Prof. Wezdriner. f über Lankwitzer Krankenhaus), einen Dermatologen (Prof. Gans, früher Universität Frankfurt), einen Frauenarzt (Dr. Kahn), zwei in gemeinsamer Praxis arbeitende Internisten (Dr. Berger und Weingarten), einen Hals- und Nasenspezialist (Dr. Laemmle). All diese Aerzte praktizieren seit mindestens ein bis zwei Jahren in Bombay, daneben gibt es einige Neuankömmlinge, über deren Erfolge noch nichts gesagt werden kann. in Kalkutta gibt es bisher nur einen eingewanderten Arzt (Dr. Treu), die Verhältnisse sind dort nicht so gut wie in Bombay. Erstens gibt es dort erheblich mehr englische Privatärzte als in Bombay, wo die Privatpraxis zum größten Teil ein ״Nebenerwerb“ der hohen Militärärzte ist. Ferner kommt hinzu, daß fast die gesamte europäische Angestelltenschaft — auch die leitenden Beamten — durch die Vertrauensärzte der Firmen behandelt werden, ein Ersatz für die fehlenden Krankenkassen, — und diese Vertrauensärzte sind natürlich Engländer. Drittens fehlt völlig das Element der Parsis, die in Bombay zum Erfolg der Aerzte mit deutscher Ausbildung entscheidend beigetragen haben. Viertens aber sind die Bengalen außerordentlich stolz auf ihre eigenen indischen Aerzte und bevorzugen sie weitaus vor jedem europäischen Arzt, welcher Herkunft auch immer. In Madras praktiziert seit zwei Jahren ein deutscher Zionist, Dr. Appel, mit ausgezeichnetem Erfolg; ein zweiter jüdischer Arzt hat sich dort vor einigen Wochen niedergelassen. Madras ist die einzige größere Stadt, in der die eingesessene Aerzteschaft nicht der Versuchung erlegen ist, aus kleinlichem Konkurrenzneid den Einwanderern Schwierigkeiten zu machen und sie in ihre Corporation aufnimmt. Im übrigen hörte ich, daß die indische Regierung beabsichtigt, einen Druck auf die Corporation in Bombay und Kalkutta auszuüben, um sie ebenfalls zu veranlassen, die ״Neuen“ aufzunehmen, ja, sie soll angeblich sogar bereit sein, geeigneten Zuwanderern Regierungsstellen zu geben. Kann man nun jüdischen Aerzten aus Deutschland empfehlen, nach Indien zu gehen? Das ist nicht mit einem glatten Ja oder Nein zu beantworten. Zweifellos kann man nicht anraten, in die Städte zu gehen, wo bereits jüdische Aerzte sich niedergelassen haben, es sei denn, man habe einen so berühmten Namen, daß man — nicht nach Indien zu gehen braucht. Andererseits scheint es mir nicht zweifelhaft, daß sich die Zahl der Aerzte- Immigranten ohne jeden Schaden vervielfachen ließe, wenn diese Einwanderung vernünftig geleitet würde und eine gute Auswahl der betreffenden Kandidaten stattfände. Die ausnahmsweise glänzende Praxis, die der eine oder andere Einwanderer-Arzt in Bombay gewonnen hat, hat einerseits die Aussichten in Indien als viel zu günstig erscheinen lassen — in der Tat aus ihm ein durchaus nicht existierendes ״Aerzte-Eldorado“ gemacht —, während gleichzeitig weit bescheidenere, aber in viel größerer Zahl vorhandene Chancen übersehen worden sind. Ich bin der Ueberzeugung, daß gute praktische Aerzte, die noch nicht zu alt sind, um die Anstrengungen, Unbequemlichkeiten und nicht zuletzt die — Vereinsamung einer Kolonialpraxis auf sich zu nehmen, in einer ganzen Reihe von mittleren indischen Städten ein Auskommen finden würden, das ihnen gestattet, ohne jeden Luxus doch das Leben eines Europäers zu führen und etwas für ihre alten Tage zu erübrigen. Welche Voraussetzungen müßten erfüllt werden? , Die betreffenden Aerzte müßten zunächst einmal wirklich erprobte Aerzte sein, und keine Kandidaten der Medizin, die eben erst ihr Doktor-Examen gemacht haben. Wenn sie Spezialisten sind, so sollten sie doch unbedingt auch eine allgemeine Praxis zu führen imstande sein. Es sollten Leute von Takt sein, aber mit entschiedenem Auftreten. Oute Chaneen haben Ehepaare, in denen beide Partner Mediziner sind, da sowohl Mohammedaner wie gewisse Hindu-Kreise ihre Frauen nur äußerst ungern durch einen männlichen Arzt untersuchen und behandeln lassen. Andererseits muß mit Nachdruck darauf hingewiesen werden, daß Kinder in schulpflichtigem Alter ein schweres Problem in Indien darstellen, da sie dort nicht die Schule besuchen können — was absolut deklassierend für sie und die Eltern wäre —, sondern nach Europa geschickt werden müssen. Es war bezeichnend, daß sehr viele Gespräche mit jüdischen Arztfamilien, die icli in Indien führte, der Frage galten, inwieweit die Schulen in Erez Israel zur Lösung dieser Frage beitragen können. Daß für die Tätigkeit in einem tropischen Lande gewisse gesundheitliche Voraussetzungen gegeben sein müssen, braucht man Aerzten nicht erst zu sagen. Daß man wenigstens soviel Englisch können muß, um sich den Patienten verständlich zu machen, bedarf wohl auch kaum der Erwähnung. Endlich aber die Geldfrage! Ich glaube, daß drei- bis vierhundert Pfund genügen, um eine Praxis einzurichten; dieser Betrag dürfte auch hinreichen, um jedes Bedenken hinsichtlich der Einreise-Erlaubnis zu zerstreuen. Im Uebrigen: je besser ein Arzt, der nach Indien geht, mit Insirumentarien (Röntgeneinrichtung usw.) versehen ist, um so besser! Schwierig ist für die einzelnen die Frage zu beantworten, wohin sie gehen sollen, in welchen Teil Indiens, in welche Stadt. Hier glaube ich, böte sich die Gelegenheit, neben dem vielen Geld, das für alle möglichen Enqueten zugunsten der Auswanderer ohne jeden praktischen Erfolg ausgegeben worden ist, einmal ein paar hundert Pfund wirklieh nutzbringend zu verwenden, ln etwa zwei Monaten könnte ein Fachmann — ein englisch-jüdischer Arzt wäre am empfehlenswertesten — sämtliche mittleren Städte in Indien besuchen und ein Verzeichnis über die Erfolgsaussichten, die Lcbensbeclingiingen, Kosten usw. aufstcllen, Wenn sich dann die in Bombay bereits niedergelassenen Kollegen zu einer Beratungszentrale Zusammenschlüssen, die insbesondere ״Doppelbesetzungen“ verhindern müßte, so ist es wohl nicht zu optimistisch, zu glauben, daß zwanzig bis dreißig ausgewanderten Aerzten eine bescheidene Existenz in ihrem Beruf verschafft werden kann. Sie dürften freilich nicht von der Art jenes, den weitesten Kreisen unbekannten Mannes sein, der nach Bombay schrieb, er wolle nach Indien kommen, es käme für ihn aber nur eine leitende Stelle an einem großen Krankenhaus in Betracht. . . . Künstler und Kaufleute Für freie Berufe sind die Aussichten in Indien durchaus schlecht, desgleichen für Kaufleute, sofern sie nicht ganz spezielle Qualitäten haben. So fand ich in Bombay eine jüdische Chemikerin aus Wien, die viel Geld verdiente durch die Neuorganisierung chemischer Fabriken — aber das war natürlich nur eine vorübergehende Tätigkeit. Für An gestellte sind die Chancen gleich null, da es ein riesiges indisches ״Stehkragen-Proletariat“ gibt und kaufmännische Beamte mit Landes- und Sprachkermtnissen für ein Gehalt zu haben sind, für das kein Europäer arbeiten kann. Zwei jüdische Künstler haben in Indien Fuß gefaßt. Der bekannte Kunsthistoriker Dr. Cohn-Wiener ist Leiter des Museums der Oekwars von Baroda, einer durchaus annehmbaren Bildergalerie. Und in Bombay ist auf Initiative einiger musikbegeisterten jüdischen Familien die ״Bombay Chamber Mmsic Society“ gegründet worden, die wöchentliche Kon- Zum Schabbat, den 14. März 1936 Ihr aber. Berge Jlsrnels, bringen sollt ihr euer Gezweig, tragen sollt Ihr eure Frucht für mein Volk Jlsrael, denn sie sind nah am Kommen. Denn, wohlan, ich will zu euch, ich wende mich zu euch, beackert werdet ihr und besät. Ich mehre Menschen aul euch, alles Haus Jlsrael allsamt, besiedelt werden die Städte und die Oednisse auferbaul. Ich mehre auf euch Mensch und Vieh, sie sollen sich mehren und fruchten. Ich besiedle euch neu wie ln eurer Vorzeit, Ich iue euch Gutes noch Über eure Frühe, dann werdet ihr erkennen, dah ICH es bin. Menschen lasse ich Ober euch gehen, mein Volk Jlsrael, sie erben dich wieder, du wirst ihnen zum Eigentum• machst sie nicht wieder kinderlos. fcdicskicl 36, 3-72 Verdeutscht von Martin Bubet zerte eines kleinen, recht guten Orchester': veranstaltet, das von Walter Kaufmann geleitet wird, einem Schüler von Schreker und Schnabel und späteren Assistenten von Bruno Walter, dessen Kompositionen u. a. in Berlin, Dresden, Leipzig, Wien und Prag gespielt worden sind. Als ich den Mitgliedern dieser Gesellschaft von dem überaus regen Interesse erzählte, das der High Commissioner von Palästina allen musikalischen Ereignissen entgegenbringt, seufzten sie: ״Ach, wenn er doch üouverneur von Bombay würde . . .“ (Fortsetzung folgt.) Prof. Dr. Ludwig Blau, Budapest״! j Knapp vor seinem 75. Geburtstage ist am Purimfest der emeritierte Rektor des Budapester Rabbinerseminars, Prof. Dr. L. Blau, nach längerem Leiden gestorben. In P u t n o k, einer streng konservativen Gemeinde Überungarns, geboren, in Jeschiboth vorgebildct, galt der kaum 26jährige Jüngling) schon als anerkannter Talmudist, als er 1S87 zum Dozenten an das durch das Gelehrtentrio Bacher, Bloch, Kaufmann berühmte Rabbinerseminar in Budapest berufen wurde. Nach dem Ableben Bachers wurde er 1913 von der ungarischen Regierung zum Rektor derselben Anstalt ernannt. Seit einigen Jahren befand er sich im Ruhestand, ohne seine wissenschaftliche Tätigkeit bis zum Ende zu unterbrechen. Blaus Lieblingsstudium war der Talmud, den er unter geistesgeschichtlichen und kulturbistorischen Gesichtspunkten durchforschte, um die Parallelen zwischen ihm und dem Gehalt und Milieu der antiken Kultur festzustellen. Grundlegend waren seine Untersuchungen über ״Das althebräische Buch“, ״Das alt jüdische Zauberwesen“, ״Den jüdischen Scheidebrief (Gct)“, ״Die aramäischen Papyrusse aus Assuan und Elephantinc“. Aber auch als Bibelforscher, Folkiorist, Philologe stand Blau unter den anerkanntesten und produktivsfen Gelehrten seines Zeitaiters; die Zahl der von ihm in mehreren Sprachen veröftentlichten Abhandlungen übersteigt 700. Als vor einigen Jahren seine Idee, die organische Zusammenfassung der europäischen jüdischen Hochschulen sich scheinbar einer Verwirklichung näherte, wurde Blau in Breslau zu deren Vorsitzendem vorgeschlagen. Seine verblüffende, vielseitige Belesenheit befähigte Blau dazu, in seinem hebräischen Organ ״Ha zofe“, in dem von ihm begründeten und zum Großteil redigierten ״M a g y a r Z s i d 6 S t e in 1 e“, sowie in den Zeit- Schriften des Auslands an 150(1 Buchbesprechungen zu veröffentlichen, in denen er sozusagen die ganze zeitgenössische Fachliteratur einer kritischen Untersuchung unterzog, sie aber stets mit eigenen positiven Anmerkungen und Anregungen bereicherte. In Ungarn hat sicli Professor Blau nicht bloß als ״Rabbiner der Rabbiner“, sondern auch als Mitbegründer uno Ehrenpräses der J M J T (Isr. Urig. Literaturgesellschaft) sowie als Herausgeber der ungarisch-jüdischen Bibeliiber- Setzung Verdienste erworben. Dr. A. F. Fote Archiv Im 54. Lebensjahre starb m Prag Prof. Oskar Lieben, der eine führende Persönlichkeit im jüdischen und insbesondere im zionistischen Leben Prags gewesen ist. Als Obmann des Jüdischen Schul Vereins hatte er sich besonders um das jüdische Schulwerk verdient gemacht. Eine Trauerfeier für den vor kurzem verstorbenen Direktor der Versicherungsgesellschaft ״Phönix“, Dr. Berliner, land in den Räumen des Wiener Keren Kajemcth statt. Der Präsident des österreichischen Keren Kajemcth, Adolf Böhm, sowie Dr. Zweig vom Hauptbüro Jerusalem hoben in ihren Nachrufen für den Verstorbenen seine großen Verdienste um den Keren Ka‘jemeth hervor. Unter außerordentlicher Beteiligung der orthodoxen Wiener Judenheit fand die Ueberführung des in Wien verstorbenen Dwinsker Raw Joseff Rosen in seine Heimatstadt stat^ Die Beisetzung erfolgte in Dü na bürg. Zu dem Begräbnis־ waren Rabbiner aus allen Städten und Städtchen Lettlands erschienen.