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Jüdische Rundschau · 1936-03-10 · Heft 20 (10.3.1936) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 20 (10.3.1936)
Date
1936-03-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 20, 10. III. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAÜ Seife 11 ffloHat cUi■ 2i&M$tiscUe4i Oityatiisaiian■ Die Zionistische Vereinigung für Deutschland Die ZyfD. beruht organisatorisch auf dem Grundsatz der p e rsön liehen Mitgliedschaft jedes einzelnen Zionisten in einer Ortsgruppe oder Arbeitsgemeinschaft. Es gibt also hier nicht eine dem Schekel entsprechende Einrichtung; die persönliche Beitrittserklärung und Beitragsleistung allein macht erst den Zionisten. Der Gedanke des Zionismus als einer Volksbewegung, der auf Grund der Anerkenntnis des Basler Programmes vermöge der Schekel- Zahlung jeder Jude sich ansehließen kann, ist deswegen in Deutschland nicht aufgegeben worden; bei den Schekel- Aktionen wendet sicli die ZVfD. regelmäßig an die jüdische Allgemeinheit und wertet deren Beteiligung an dieser Vorbereitung des Zionisten-Kougresses als ein Zeugnis der Sympathie mit den zionistischen Bestrebungen. In der Einsicht jedoch, daß das Werk der nationalen Wiedergeburt und des Palästina-Aufbaus nur von einer geschlossenen Organisation überzeugter Zionisten getragen werden kann, hat die ZVfD. seit jeher eine Ausweitung ihres organisatorischen Rahmens durch Hcreinnahme etwa aller Schekelzahler abgelehnt. In einer Zeit, in der eine gedankliche Entscheidung zum Zionismus innerhalb der jüdischen Volksgruppe Deutschlands noch erheblich schwerer zu erreichen war als heute, bedeutet das den Entschluß, die ZVfD. unter Verzicht auf eine oberflächliche Breitenwirkung zu einer Kerntruppe von Menschen zu gestalten, die sich ohne Rücksicht auf sonstige jüdische Beziehungen als unbedingte Zionisten emplanden. Es hat, besonders vor dem Kriege, an Versuchen nicht gefehlt, durch eine politisch-gedankliche Abscliwäcluing organisatorisch eine gewisse Ausdehnung zu erzielen. Die Auftassung des Zionismus als einer dem bisherigen Zustande des jüdischen Lehens zutiefst entgegengesetzten Nationalbewegung, die in der Galuth auf die Dauer keine Möglichkeit wirklicher Erneuerung des jüdischen Volkstums sieht und deshalb alles von dem werdenden Erez Israel erwartet, setzte sich in Deutschland seit 1905/00 immer mehr durch. Das Statut der ZVfD. hat keine Einrichtungen, die von denjenigen amlerer Landesverbände sich unterschieden. Delegiertentag, Land svorstand, Geschäftsführender Ausschuß, alle diese Organe gingen und gehen auch in der ZVfD. aus dem allerorten üblichen Schema von Wahlgängen hervor. Die Gliederung innerhalb des Landesverbandes nach Gruppenverbänden bewirkte oftmals, vor allen Dingen nach 1933, eine außerordentliche Steigerung der Leistungskraft. Aber es ist ein Irrtum anzimehmeii, daß die organisatorische Stärke der zionistischen Bewegung in Deutschland lediglich oder auch nur vor allem auf eine büromäßige Geschicklichkeit zurückzuführen sei. Neben einer lebhaften Empfindung für die Ertorderiiehkeiten der Disziplin hat sie ihren Grund in der, spezifischen Ausprägung, die die zionistische Idee in Deutschfand in bestimmten geschlossenen Kreisen erhielt. Studentische Vereine und Korporationen, aus denen erst verhältnismäßig spät das Kartell Jüdischer Vcrbindüngen (KJV.) hervorging, waren die Keimzellen der Zionistischen Organisation in Deutschland überhaupt. In naher Berührung mit russisch-jüdischen Studemen, die liier ihrer akademischen Ausbildung sich widmeten, entwickelten sie zuerst den Gedanken eines Zionismus, der mehr sein wollte als Philanthropie für andere Juden. Die Zusammenschlüsse der Jugend auf den Hochschulen wirkten als Vorbild dann auch aut Menschen anderer Lebens- und Berufskreise, die neben den allgemeinen zionistischen Ortsgruppen eine stärkere erziehcrische Einwirkung des Zionismus ermöglichen wollten. Die ״jüdische Turnerschaf t“, aus der der jetzige ״Deutsche Makkabikreis“ hervorgegangen ist, verdankte der initiative solcher Männer ihr Entstehen. Der ״H e r 7.1 - Club“ (HC.) leistete für die jüngeren kaufmännischen An- 'gestellten ähnliches wie das KJV. für die Studenten. Im ,,V erbaad Jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina“ fanden sich Zionistinnen zu besonderer Arbeit zusammen, und aus allen diesen Verbänden kamen die Menschen, die späterhin in der ZVfD. die führenden Stellungen einnalimen. So war der Zionismus dieser Männer und Frauen allezeit mehr als die Anwendung einer Theorie der Judenfrägc; er war stets eine lebensgestaltende Kraft, die aus einem bestimmten Milieu als persönliche Verpflichtung erwachsen war. Das bot natürlich auch gewisse Nachteile für das Leben der Organisation. Die Ortsgruppen und ihre Tagungen wirkten gelegentlich nur als Wiederholungen von ähnlichen Zusammenkiinften, die im Rahmen jener besonderen Kreise stattgefunden hatten. Das zionistische Leben pulsierte nicht selten nur in diesen Gruppen, nicht aber in der Gesamt- Organisation, die dach mehr sein muß als nur ein Rahmen. Es ist als ein besonderes Positivum der jüngsten Entwicklung zu betrachten, daß in ihr die ZVfD. als solche den Rang wieder erworben hat, der ihr zu kommt: daß ihre Verbände und Ortsgruppen wieder die hauptsächlichsten Träger der zionistischen Arbeit wurden, daß sie in ihrem Bereich auch die Erziehungs- und Schulungsarbeit wieder übernahmen, und daß das zionistische Leben der Sonderverbände die Gesamtorganisation bereichert, nicht aber aushöhlt. Daß dieses auch in Zukunft so bleibt, wird ein Gegenstand unserer Bemühungen sein müssen. Der ״Monat der Zionistischen Organisation“ soll durch seine E i n g 1 i c d c - rungs-Aktion gerade diesem Ziele dienen. Auch der Makkabi-Sportler, die Wizo-Frau, der Chawer des Hechaluz, des Brith Chaluzim Datiim und der Jugendbünde, der religiösgesetzestreue Zionist, der im ״Misrachi“ seine engere zionistische Heimat sieht, sie alle müssen in den Ortsgruppen der ZVfD. sich vereinigen; die Kraft des Zionismus muß an einer Stelle sich sichtbar manifestieren; die Zionistische Organisation ist der vornehmste Zusammenschluß der Zionisten. Die Dimensionen der zionistischen Bewegung in Deutsch-!and haben sich erheblich geändert. Die Auseinandersetzungen von einst, ob nicht eine Vergrößerung der Organisation zu einer Verflachung der zionistischen Erkenntnis, zu einer Veräußerlichung des zionistischen Lebens führen müßte, sind auch noch heute lehrreich; aber sie sind vergangene Theorie monat der Zionistischen Organisation Veranstaltungen im Reich: Hilfe durch Aufbau - Die Antwort des Zionismus 10. Mürz Clogau: Dr. David Schlossbcrg ־ Berlin 11. Mürz Wiirzburg: Clalz: Dr. Hans Friedenthal - Berlin Dr. David Schlossbcrg - Berlin 12. Miirz Neil/c: Schweinfurt: Dr. David Sclilossberg - Berlin Dr. Hans Friedenthal - Berlin 14. März Zwickau: Schweidnitz: S. Goldsdimidt- Berlin Dr. David Schlossberg - Berlin 15. Mörz Braunseliweig: Dr. Alfred Bahau-Berlin Nürnberg: Dr. Hans Friedenthal-Berlin Unser Kampf umVollc und Land Das Werk des Zionismus in Palästina 12. März. Düsseldorf: Trier: Walter Tempel-Berlin Adolf l’ollak -Jerusalem 14. Miirz Dortmund: Bonn: Begensburg: Adolf Pollak-Jerusalem Walter Tempel-Berlin Dr. Hans Friedenthal-Berlin 15. März Hagen: Bochum: Adolf Pollak-Jerusalem Walter Tempel-Berlin 16. März Essen: Oberhausen: Adolf Pollak-Jerusalem Waller Tempel-Berlin Auf der Suche nach Lebensraum 16. März Frankfurt-M: Dr. Michael Traub- Berlin Zionistische Vereinigung rarOeutschiand in einer Zeit, in der das Werk des Zionismus allenthalben die Geister überzeugt und die Menschen seiner Organisation gewinnt. Die Organisation muß sich bemühen, dem äußeren Wachstum eine entschiedene Verstärkung ihrer erzieherischen Anstrengungen an die Seite zu stellen. Auch eine Volksbewegung bedarf besonders geschulter Kerngruppen, und die Schaffung von Intensiv-Krcisen, Chugim Pnitniim und älmlicher Gruppen muß den Platz ausfüllcn, den ehedem KJV., Herzl-Club und andere Gruppen innehatten. Das Kernstück der Bewegung ist naturgemäß die Zionistische Vereinigung für Deutschland. Sie umfaßt zur Zeit in 12 Gruppenverbänden 135 Ortsgruppen 11 net 75 Arbeitsgemeinschaften, außerdem noch ca. 100 Stützpunkte. Die Zahl der in ihnen organisierten Mitglieder beträgt 22 500; hierunter befinden sich kaum mehr als 5000 Menschen, die noch in anderen zionistischen Verbänden organisiert sind. Der Deutsche Makkabikreis zählt 18 000 Turner und Sportler in 81 Vereinen, der Verband Jüdischer Frauen fiir Palästina-Arbeit, der als deutsche Föderation der Wizo (Women’s International Zionist Organisation) angeschlossen ist, 50 Ortsgruppen mit 4000 Frauen, der Landesverband des Hechaluz 15 00() Menschen in 138 Snifim, der Brith Chaluzim Datiim 1000 Mitglieder; hinzu treten die Jugendbiinde: Habonim Noar Chaluzi mit 4705, Haschomer Hazair mit 850, Jüdischer Pfadfinderhund Makkabi Hazair mit 5300, Werkleute mit 1200, Zeire Misrachi und Brith Hanoar mit 6000, Brith Hajehudim Hazcirim mit 6000 Menschen. Die Schekel-Aktion des Frühsommers 1035 erfaßte etwas über 57 000 Menschen, d. 11. — da im allgemeinen nur ein Schekel pro Familie gezahlt, wurde —- etwa ein Drittel der gesamten in Deutschland ansässigen Judenheit. Der Prozentsatz der Zionisten unter der Jugend ist noch erheblich höher. Schon diese Ziffern drücken ans, welch gewaltige Aufgäbe dem Zionismus in der jüdischen Volksgruppe Deutschlands gesetzt ist. Stärkung seiner Organisation ist die erste Vorbedingung für ihre Erfüllung. Dr. Walter Groß Ein Tag im Monat der Zionistischen Organisation gehört der Frau. An ihm soll dokumentiert werden, welchen wichtigen Faktor die Mitarbeit der Frau in der gesamten zionistischen Bewegung darsfellt. Ls gibt eine große Anzahl spezifisch weiblicher Arbeitsgebiete, für die die Frauen-Arbciisgemeinschaft für Palästina (Wizo) ihre Mitglieder zu schulen und einzusetzen sucht. Die betrachtet es darum als ihre Aufgabe, den Frauen eine geistige lind körperliche Hachscharah zu vermitteln, um sic fiir das Leben einer arbeitenden und für das Gemeinwohl verantwortlichen Frau in Palästina tauglich zu machen,!)er ״Tag der jiidischen Frau“ soll im ganzen Reich staUfindcn. Fiir Berlin ist eine Ausstellung geplant, die am Donnerstag, dem 26. März, 8 Uhr, im Logenhaus, Kleiststraße, eröffnet und bis zum 20. März dauern wird, die eine Ucbersicht über die geistige una praktische Ausrüstung der brau für Palästina bieten soll. Von der hebräischen Grammatik bis zum Moskitonetz wird alles zu sehen sein, was fiir die Ucbcrsiedlung nach Palästina von Wichtigkeit ist. Und darüber hinaus soll ein umfassendes Bild dessen gegeben werden, was die Wizo drüben an pädagogischer und sozialer Frauenarbeit leistet. Eröffnet wird die Ausstellung mit einer großen Veranstaltung, bei der Frauen aus eigener Erfahrung über die verschiedenen Lebensformen in Stadt, Dorf und Kibbuz in Palästina berichten werden und bei der auch das kirnstlerische Schaffen der Frau zur Darstellung gelangen wird;׳ Wiener Brief Von unserem Berichterstatter J. R. Wien, 3. März Nach vielen Jahren hatten die Wiener Zionisten Gelegenheit, Kurt Blumenfeld begrüßen zu können. Blumcnfcld, der sich jetzt der Propaganda für die Hebräische Universität in Jerusalem widmet, Kam als Gast des Vereins der Freunde der Hebräischen Universität nach Wien, wo er einen Vortrag über die Entwicklung und die Bedeutung der Jerusalemer Universität hielt. Es gelang den fesselnden Ausführungen Blumenfelds, einen außerordentlichen Eindruck zu hinterlassen, der sich sicherlich im gewünschten Sinne auswirken wird. Der Vortrag Blumenfelds war für alle Zuhörer ein erlesener Genuß. Dieser Tage hat eine Delegation der ״Agudas Jisroel“ unter Führung des Kopyczynczer Rebbe, Abraham Osias H e s c h e i, beim polnischen Gesandten in Wien vorgesprochen, um gegen das drohende Schächtverbot in Polen zu intervenieren. In Abwesenheit des Gesandten wurde die Delegation vom Geschäftsträger empfangen, der ihr versprach, ihre Wünsche nach Warschau weiterzuleiten. Unabhängig von dieser Intervention haben in der gleichen Angelegenheit Vertreter der ״Adas Jisroel“ bei der polnischen Gesandtschaft vorgesprochen. Der Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland teilt mit: Hierdurch weisen wir darauf hin, daß die letzten Gruppen für die Ausstellung des Arbeitsbuches nunmehr aufgerufen sind. Wir fordern daher alle aktiven Mitgiiedet des Reichsverbandes (Künstler) auf, sich tun die Erteilung eines Arbeitsbuches zu bemühen, da der Besitz Voraussetzung fiir jede Anstellungs- resp. Beschäftigungsmöglichkeit sein wird. Die Formulare sind hei den Arbeitsämtern und in Papierhandlungen erhältlich. Nach Ausfüllung dieser Formulare müssen sic von dem für den Wohnsitz zuständigen Polizeirevier abgestempclt und dem zuständigen Arbeitsamt eingereicht werden. Kosten entstehen nicht. Verbot von Pseudonymen Der Reichsverband der Jüdsichcn Kulturbünde in Deutschland teilt mit: Der Herr Reichsministcr für Volksnufklärung und Propaganda (Reichskulturkammer) hat folgende An- Ordnung erlassen: ,Ich sehe mich veranlaßt, erneut darauf hinzuweisen, daß es den Mitgliedern des Jüdischen Kulturbundes untersagt ist, sogenannte Künstlernamen (Pseudonyme) zu führen. Ich ersuche Sie, diese Anordnung Ihren Mitgliedern nochmals bekannt/.ugeben und weise gleichzeitig darauf bin, dah ein Zuwiderhandeln gegen diese Anordnung das sofortige Berufsverbot und den Ausschluß aus dein Reichsvcrband nach sich ziehen würde. 1111 Auftrag: ge/. Hinkel.‘ Wir bringen diese Anordnung n a c h d r 11 c k I i e h s t zur Kenntnis aller aktiven Mitglieder des Reichsverbamies.“ Der Hilfsverein der Juden in Deutschland fordert in einem Aufmt zum Eintritt in seine Reihen auf, in dem cs 11. a. heißt: ״Was tut der Hilfsverein, lim der! Anforderungen gerecht zu werden? Ein Netz, von Korrespondenten in aller Welt unterrichtet ihn schnellstens über alle Wandlungen der Wivtsehaftsläge und der Einwandcriiiigsbestimmungen. Durch Korrespondenzblättcr macht er die ()Öffentlichkeit mit der neuesten Entwicklung vertraut. Durch Rundschreiben gibt er etwaige Existeii/.niöglichkeitcn bekannt. Um die Beratungmnüglu hkeit zu verstärken, sind in letzter Zeit elf neue Zweigstellen im Reiche errichtet worden. Seit April 1933 sind etwa 140 000 Menschen vom Hilfsverein beraten und vielfach vermöge seiner geldlichen Unterstützung zur Auswanderung gebracht worden. Zur Vorbereitung der Auswanderer hat der 1 lilfsverein Sprachkurse und Vorträge über Landeskunde der Lin- Wanderungsstaaten eingerichtet; er sorgt in der Presse für aufklärende Informationen und die Bekämpfung unvcrantwörtlicher Projekte.“ ZUSAMMENFASSUNG DER KRÄFTE An dis Zionistische Vereinigung tür Deutschland Berlin W15, Meinekestraße 10 Zersplitterung ist unser Unglück. Der Einzelne vermag nichts. Das Schicksal geht Uber ihn hinweg. Aber gesammelte Kraft meistert auch das schwerste Geschick! Die unvergängliche Tat Theodor Herzls war die Schöpfung der Zionistischen Organisation. In ihr verkörpert sich der Lebenswille des jüdischen Volkes. Darum schließe auch Du dich der Zionistischen Organisation an! Sie ist die Trägerin unserer Zukunft. Ich schließe mich der zuständigen Zionistischen Ortsgruppe und damit der ZionistischenVereinigung für Deutschland an Name*___Genaue Adresse: .. ....

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