Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 20 (10.3.1936)
- Date
- 1936-03-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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dadurch bci/ukommen, daß er eine Reihe von Handels- und Industriezweigen monopolisierte, und *war gerade solche, ln denen die Juden eine große Rolle spielten. Daneben wurde In anderen Wirtschaftszweigen das Genoiiensehaftawcsc« •ehr gefördert, das schon itn alten Russisch.Polen ausgesprochen «ntijüdiache Tendenzen hatte um) diese nunmehr weiter entwickelte. Der Staat selbst gewann Einfluß auf erhebliche Oebiete der Wirtschaft, die er in eigener Regie betreibt, und restringierte andere Zweige besonders des Handels durch einen unmäßig hohen Steuerdruck, der zum Ruin zahlreicher Existenzen führte. Von dieser Entwicklung, dem sogenannten ״Etat Ismus“, wurden die Juden besonders stark betroffen, zumal sie auch auf dem Cu■ biete der Finanzpolitik durch den Einfluß des Staates auf das Kreditwesen ins Hintertreffen gerieten. All dies zusammengenoinnien hat zu einem Zusammenbruch der jüdischen Wirtschaft in Polen geführt, von dessen Ausmaß man sieh Im einzelnen nur schwer eine Vorstellung machen kann. Die Pauperisierung der jüdischen Massen in Polen, ihre völlige Arbeits- und Mittellosigkeit bieten ein erschreckendes Bild, urul cs ist nicht ab/uaelien, mit weichen Mitteln man dieser Erscheinung beikommen soll, solange die allgemeinen politischen Verhältnisse die Entwicklung noch fördern, Daran kann auch die Tatsache nichts lindern, daß die Regierung selbst den judenfcindlichcn Exzessen entgegentriit, während die oppositionellen Kräfte eine weit schärfere «ntijüdische Politik in ihr Zukunfisprogramm aufgenommen haben. Man muß daher die Frage aufwerfen, ob die im Jahre 1U31 von I)r. R t« p p i!1 in seiner Soziologie gestellte Prognose richtig ist, wonach die Situation trotz ihren Schwierigkeiten auf lange S i c 111 gesehen nicht hoffnungslos ist, da die polttischen Gefahren, die die judenheit Polens heute bedrohen, eine weitere erhebliche Verschärfung ihrer ökonomischen Lage befürchten lassen. Aus diesem Grunde erscheint es uns dringend geboten, unser Augenmerk noch mehr als bisher auf diese Zusammenhänge zu richten, Es kann ja nicht ansbleiben, daß der Druck, der auf den jüdischen Massen Polens lastet und die Gefahr ihrer physischen Verelendung bedeutet, auch für die Haltung andeier Teile der Judenheit Bedeutung gewinnt. Wir selb-d nnio.eii dabei bemüht sein, die rieh» tigen Proportionen ein/uliaiten, da sonst »ehr leicht der i all cintreten kann, daß die Best!ebungen konstruktiver Hilfe im jüdischen Volk durch ein Wettrennen der Intercssentcn zunichte gemacht werden. Eine voraussebauende Haltung erfordert jedenfalls heute, daß wir die tiefgehenden Wi!klingen auf alle 'Teile der judenheit erkennen, die vom polnischen Judentum bei einer weiteren Verschärfung seiner Lage ausgehen müssen. — Man könnte die Entwicklung dieses Problems auch noch an der Lage der Judenheit anderer Linder deutlich machen. Wir wollen uns dies versagen, weil die großen Entwicklungsgesetze, die an dem polnischen Beispiel deut* lieh wurden, auch anderswo zutage treten. Kaum weniger schlecht ist die Lage der litauischen Juden, nur wenig besser diejenige der rumänischen, und wir sehen in letzter Zeit, wie sich 1. B, in U n g a r n neue Gefahren, die das ungarische Judentum ja bereits einmal durchzumachen hatte, zeigen. Nur ganz kurz soll in diesem Zusammenhange auf die Verhältnisse in den Vereinigten Staa• ten hingewieseu werden. Arlosoroff hat, als er im Jahre 1020 Amerika besuchte, eine sehr interessante Arbeit Über das amerikanische Judentum geschrieben, die auch in dem jüngst erschienenen deutschen Bande seiner Schriften enthalten ist. Er erkannte dort ganz klar, daß die von detl Juden bearbeiteten Wirtschaftszweige Amerikas Positionen sind, die von den zentralen Wirischaftsfaktoren dieses Laudes weit entfernt sind, so daß sich hierin kein Unterschied zu den Ländern Osteuropas finden Läßt, Er schildert sodann den Abstieg der jüdischen Selbstarbclt in Amerika, der für die Führer der jüdischen Gewerkschaften ein schweres Problem darsfeili. Schließlich beschäftigt er sich mit dem schweren Kampf, den die jüdischen Einzelh 8 11 d 1 e r mit den Keitenhidcnkon/ernen zu führen haben, die* eine Form der Burokratisk nmg der Wirtschaft sind und das Schicksal des indischen Mittelstandes bedrohen. Hier zeigt es sich, daß /war die 1 nge der Juden Amerikas heute noch auf einem ganz ander־־!! Niveau steht als die der Juden des europäischen Osten;., daß aber gewisse ökonomische Gesetze, die wir im ()-teil finden, auch dort wirken und in sich die (icfaiireiihealc bergen, die wir etwa für Polen als charakteristisch be/cichneteii. Es fragt sieh, wie wir Juden uns in dieser Situation 1 u verhalten haben. Grundsätzlich kann man sagen, daß cs ein ücnerairezept gegen die Sorgen nicht gibt, warn war davon alisehen, daß wir eine klare Erkenntnis der Tatsachen, Zusammenhänge und Wirkungen als Vorau-sctzung jeder Aktion verlangen müssen. Es gilt jedoch heute, einer vordringlichen Gefahr zu bfi* gegnen. In der Welt machen »ich Tendenzen bemerkbar, die Judenfrage dadurch zu lösen, daß man die Juden gleichsam ״abschiebt“. Das geht nicht an! Die Weit ist für grolle Elnwimderermassen verschlossen, und durch Wanderung in größtem Stile wird die Judenfrage in den Ländern ihrer Massensiedlung wenigstens ln der allernächsten Zeit nicht zu lösen sein. Man muß daher an die Behandlung diese# Problems dort herangehen, wo die Juden sind, und kann nicht etwa, wie cs unlängst im polnischen Senat geschehen ist, die Lösung des Problems einer anderen Regierung aufbürden. Dagegen muß man sowohl vom Gesichtspunkt der Moral wie von dem des politischen Verstandes aus protestieren. Wo sollten wir hinkommen, wenn auf diese Weise ein Element der Beunruhigung in das Leben der Völker hineingetragen würde, das schon an sich durch zahlreiche Probleme übermäßig belastet ist! Wenn wir also von der Voraussetzung ausgehen, dal! eine Behebung der dringendsten Nöte in erster Linie dort geschehen muß, wo die Juden heute leben, so ist die Voraussetzung hierfür, daß auf beiden Seiten, bei den Juden wie bei den Nichtjuden und ihren Regierungen die Erkenntnis wach ist, daß etwas geschehen muß. Keinem Staat ist damit genützt, wenn auf »einem Territorium eine verelendete und verzweifelte Bevölkerung lebt, und die Judenheit keines Landes wird auf die Dauer in den Lebensformen weiter existieren können, in denen sie in der Vergangenheit zu leben gewohnt war. Der Kampf um das Schächtverbot Von uns«r«m Berichterstatter a. Warschau, 5. Mär* Die mit großer Spannung erwartete S i t z u n g der A d m i n i s t r a t i 0 n s k o m m i s s i 0 1! des polnischen Sejm hat heute mit sämtlichen Stimmen der polnischen Mitglieder gegen die Stimme des einzigen jüdischen Kommissionsmitglieds, Abg. Som!11 c rstefn, und der zwei ukrainischen Vertreter das Gesetzprojekt über ein Schächtverbot angenommen. Der Eindruck, den dieser — für manche unerwartete — Beschluß auf jüdischer Seite hervorgerufen hat, ist nicht zu beschreiben. Seit den frühen Morgenstunden waren heute die jüdischen Gebethäuscr mit tastenden und betenden Juden überfüllt. AI« ln den Nach• mittagsst linden der verhängnisvolle Beschluß der Sejmkommission bekannt wurde, bemächtigte sich eine tiefe Trauer der jüdischen Bevölkerung. Man sah Juden weinen und schluchzen. Große Empörung herrscht in sämtlichen jüdischen Kreisen, die ohnmächtig und verzweifelt in die Zukunft schauen. Alle Bemühungen der jüdischen Parlamentarier, Rabbiner und Gemeinde Vertreter waren vergebens. Der Verlauf der Kommissionssitzung bewies, wie einhellig die polnische Gesellschaft diesen antisemitischen Vorstoß approbiert und unter welch starkem Druck die polnische Regierung sich befindet. Der Vorsitzende der Kommission drang unzweideutig aut schnelle und positive Verabschiedung des Gesetzentwurfes und brachte sämtliche Verteldigungsanträge des Abg. Somm erst ein zu Fall. Nachdem der Vorsitzende außer dem Abg. Rabjj. Rubinstein als Experten in Fragen der jüdischen Religion den römisch-katholischen Theologen Trzeciak Ungeladen hatte, lehnte es Abc, Rubinstein ab, auf einen Disput in Fragen des jüdischen Ritus mit einem Vertreter eines anderen Glaubens im Parlamente einzugehen. Obwohl der Konunissionsvorsitzende später den christlichen Theologen als Sachverständigen in der Schächtfrage vom ,,humanitären, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Standpunkt״ bezeichnet«, hielt es Abg. Rubinstein für unangebracht, seine Haltung zu ändern. Die Verteidigung des jüdischen Standpunktes und die Abwehr der nolnisclierseits vorgehrachten Argumente gegen das rituelle Scliiichtsystem oblagen dem einzigen jüdischen Mitglied, Abg. Sommerstcin, der. mit heroischer Anstren• gung, mit dem stärksten Aufwand seiner großen juristischen Begabung und tiefer Ueberzeugung von der Ungerechtigkeit und Gesetzwidrigkeit des eingebraciiteu Entwurfes auf seinem Posten standhielt, jedoch gegen die eiserne Wand der Gegner nichts auszurichten vermochte. Das religiöse, von dem Geistlichen Trzeciak vorgebrachte Argument, das Schächtgebot sei kein Prinzip der jüdischen Religion, war auch für die Nichtjuden kaum überzeugend. Aber der von der Antragstellerin, Frau Abg, P r y s t o r, er• Itobene Vorwurf der Unhumanität der Sehecliita und die zwar falsch konstruierte, aber demagogisch benutzte These von den vielen Millionen Schaden, die die Schechita dem polnisehen Landwirt und Stadtkonsumenten bringe, wirkten trotz der gutfundierten jüdischen Darlegungen überzeugend, und der Antrag wurde angenommen. Diese Beschlußfassung ist um so bemerkenswerter, als auch der anwesende Vizekultusminister bestätigte, daß durch dieses Gesetz die polnische Verfassung verletzt werde. In derselben Sitzung aber haben Vertreter des Agrar- und Handelsministeriums den Ge*etzesentvvurf verteidigt, und der Vorsitzende der Kommission erklärte, daß Ihm gegenüber der Innenminister das Desinteressement der Regierung in dieser Frage geäußert habe. Es ist also klar, daß die polnische Regierung hier sämtliche Parteien befriedigen wollte. Das letzte Wort hat noch das Parlament zu sprechen und das Gesetz $011 erst am 1. April 1037 in Kraft treten. Aber es ist sehr zweifelhaft, ob es den Juden gelingen wird, eine Acnderung herbeizuführen■ * Warschau, 6. März. (JTA.) Nach der Annahme de* Schächtverbotsantrages durch die Verwaltungskommission des Sejm hielt das Komitee zur V e r t e i d i g 11V? g d e r Schcchita eine dringende Sitzung ab, die sieh bis .in dje späten Nachtstunden hinzog. Die jüdischen Parlamentarier efstatteten einen ausführlichen Bericht über den Verlauf cter Debatte ln der Sejmkommission und die erste Abstimmung־ über die Scheclütafragc, Es folgte eine Beratung über die nunmehr zu unternehmenden Schritte. Hierbei wurden weit* gellende Forderungen erhoben, darunter die, die jüdischen Geschäfte im ganzen Lande zu schließen und die jüdischen Abgeordneten zum Verzicht auf ihre Mandate zu veranlassen- Da die Mitglieder des Komitees angesichts der aufs äußerste zugespitzten Lage nicht mehr bereit waren, die volle Verantwortung für die nunmehr zu ergreifenden Maßnahmen zu übernehmen, wurde beschlossen, für den 11. März eine Versammlung der Vertreter aller jüdischen Gemeinden des Landes und aller Rabbiner einzuberufen. Dieser repräsentativen Versammlung 8011 die Ent- Scheidung über weitere Abwehrniaßnahmen überlassen sein. Warschau, 8. Miirz, (JTA.) Wie die Jüdische Telegrapiien-Agcntur erfährt, hat die polnische Regierung zur Schächtfrage noch nicht Stellung genommen. Nur das Kultusministerium hat bisher festgestellt, daß seiner Ansicht nach der Gesetzentwurf in seiner jetzigen Form der verfassungsmäßig gewährleisteten Gewissensfreiheit widerspricht und darum in dem Sinn abgeändert werden müßte, daß der jüdischen Bevölkerung das Recht gewahrt wird, Tiere für ihren eigenen Konsum zu Schächten. Es hat den Anschein, daß dieser Standpunkt auch vom Oesamtkabinett geteilt werden wird. Inzwischen hat das Innenministerium, von dem der Vor״ sitzende der Verwaltungskonunission des Sejm behauptet hatte, es sei an der Schächtfrage desinteressiert, diesen dazu veranlaßt, in der nächsten Kommikslonssitzung eine Erklärung abzugeben, die einen Widerruf der während der Schächtdebatte gemachten Mitteilung bedeutet. Per Innenminister hatte keineswegs das Desinteressement seines Ministeriums oder des Kabinetts bekanutgegeben, sondern lediglich erklärt, daß zu der Frage noch nicht endgültig Stellung genommen worden sei. In Lodz drangen Schächtgegner in ein dortiges GeflügelschächthauB ein und erzwangen die Einstellung des Betriebes. Sie behaupteten, das Schlichtverbot sei bereits in Kraft und erstrecke sieb auch auf das Schlachten von Geflügel. Das Joint Foreign Committee des Board of Peput i c s und der A!1 g 1 o J e w i s h Association hat gemeinsam mit dem Oberrabbiner des britischen Reiches Dr. J. H. Hertz Schlitte unternommen, um den polnischen Behörden die tiefe Besorgnis zum Ausdruck zu bringen, die die gesainte englische Judenheit angesichts der Bedrohung 3er Sehecliita in Polen empfindet. Studenten Exzesse in Warschau Warschau, 8. Miirz. (JTA) Im Anschluß an eine Kundgebung für die Herabsetzung der Studicngcbühren ist es an der Warschauer Landwirtschaftlichen Hochschule zu judenfeindlichen Ausschreitungen gekommen. Der Vorsitzende des akademischen Vereins für gegen» seifige lliife hielt eine Ansprache, in der er die Studentenschaff aufforderte, die Koilcgiengelder nicht einzuzahle», solange die Regierung eine Ermäßigung der Gebühren nicht bewilligen würde. Er behauptete, daß die jüdischen Studenten eich geweigert hatten, mit den Übrigen Studenten solidarisch vorzugehen und die Koilcgiengelder einge/aliit iiätten. Daraufhin wurden die wenigen jüdischen Hörer der Hochschule überfallen und mißhandelt. Der Rektor hat die Ein- Stellung der Vorlesungen des ersten Jahrganges angeordnet. Eine Anzahl von Teilnehmern an pogromartigen Ausschreittmgen in dem Städtchen P s z i s 11 a (Kreis Radom) wurde zu Freiheitsstrafen von verschiedener Dauer verurteilt. Zwei Angeklagte erhielten Gefängnisstrafen von je 13 Monaten, drei von Je einem Jahr, drei von je 10 Monaten und acht von je 6 Monaten. Berufliche Umschichtung, Kredithilfe,Ausbau der Sc 1 b s t h i 1 f e e i n r i c h t u n g e n, bessere Ausbildungsmöglichkeiten für die Jugend und anderes mehr können ein konstruktives Hilfsprogramm darstellen, das von uns Juden selbst durchgeführt werden muß, aber auch der aktiven, materiellen und moralischen Unter- Stützung seitens der Regierungen bedarf. Wir können nicht aufiiören, diese Forderungen zu erheben, sowohl vor der Welt wie vor den Instanzen jedes einzelnen Landes, um das es sich handelt. Daß im jüdischen Kreise aus der Einsicht in die Gefahren, die große Teile, unseres Volke« bedrohen, der Wille wach werden muß, unter Hintansetzung aller Differenzqjj und Prcstigcgesichtspunkte konstruktive Arbeit zu leisten, sei hier nur angemerkt, Das gilt sowohl für die Teile der judenheit, die in der Lage sind, materielle Hilfe zu leisten, wie auch für diejenigen, die diese Hilfe brauchen. Neben diesem Programm steht naturgemäß unsere Hoffnung und unser Wunsch, das Ventil der Auswan derung wieder stärker zu öffnen. Es gibt heute bereits eine Reihe von Lände״!, die für die Aufnahme von Einwanderern geeignet sind und deren Wirtschaft durch Ein- Wanderung befruchtet werden könnte. Sie haften ihre Tore noch immer verschlossen, Eine der großen Fragen menschhcitlieher Politik ist es, diese Territorien für neue Ein- Wanderung zu öffnen, um so nicht nur für das jüdische Volk, sondern auch für andere Nationen den Weg wieder frei zu machen und einen Ausgleich mit den übervölkerten Gebieten herzusteilen. Die Diskussionen hierüber in der englischen O e f f c n 11 i c h k c i t ׳״׳'gen uns, wie brennend diese Frage auch für andere Völker ist, wie schwierig allerdings selbst dort eine Lösung ist, wo eine mächtige Regierur.g den Wunsch nach Auswanderungsmöglichkeiten innerhalb des eigenen Imperiums vertritt. Diese Frage muß gewiß als eine politische Angelegenheit behandelt werden, aber man darf ihre moralische Bedeutung nicht verkennen und sollte alle wohlmeinenden Kräfte der Welt in dieser Richtung einset/.en. Und Palästina? Wir hoffen, daß es auch in den kommenden Jahren eine möglichst große Zahl jüdischer Einwanderer aufnehmen kann. Es wird damit eine wichtige Funktion bei der Erleichterung der Judennot in aller Weit erfüllen. Dabei wird es darauf ankommen, die Einheit- 1 i c h k e i t der Arbeit zu gewährleisten, sowohl was die finanzielle und organisatorische Seite anbelangt wie auch iifi Hinblick auf die Auswahl und Zusammensetzung der Ein- Wanderer, Dennoch darf man niemals verkennen, daß dieses Land seine Bedeutung weniger aus seiner Fähigkeit der Hilfeleistung zieht als aus der Tatsache, daß auf seinem Boden der Versuch gemacht wird, eine Zelle der Erneuerung des Volkes zu bilden, die — soweit es um das Wirtschaftlidie geht — jenen verhängnisvollen Kreislauf beseitigt, in dem der wirtschaftende Jude der Welt gefangen ist. Durch eine Normalisierung der gesellschaftlichen Pyramide soll dem jüdischen Volk in Palästina ein neuer Start und neue Sicherheit des Lebens gegeben werden. Auch dieser Versuch ist mit großen Schwierigkeiten verknüpft, nicht zuletzt deshalb, w׳eil Palästina heute zugleich ein Asyl für Zelmtausende daritellt, die aus Europa verdrängt werden, ohne daß sie die Fähigkeit radikaler Umstellung besitzen. Dennoch glauben wir, daß die Kraft der z I o - ni»tischen Idee stark genug . sein wird, um einen wachsenden Teil zumindest der jungen Generation zu einer Erneuerung ihrer gesellschaftlichen Grundlagen zu veranlassen, damit aus Palästina nicht ein Ableger der Ggluthjudenheit wird, sondern das wirkliche Zentrum des Volkes, das auf eigenem Boden seine Zukunft gründet. Generalmajor NeUl Malcolm ln Genf Genf, 9. Februar. (JTA.) Der Välkerbundsoberkommissar für Auswandererfürsorge, Oeneraln1ajor Neili Malcojm, hält sich in Genf auf, um die zwischenstaatliche Konferenz von Regierungsvertretern vorzubereiten, bei der der Rechtsstatus der Ausgewanderten aus Deutschland geregelt werden soll. General Neili Malcolm hat zu diesem Zweck bereits Besprechungen mit dem General* Sekretär Avenol und anderen Mitgliedern des Völkerbundssekretariats abgcbalten. Wie der JTA.-Vertreter erfahrt, ist es unw'ahrscheinlich, daß die Konferenz vor Mai oder Juni 1936 zusammentreten wird. Es verlautet, daß General Malcolm demnächst eine Reise nach den! Nahen Osten unternehmen und voraussichtlich auch Palästina besuchen wird. Hauptschriftlcit«! Dr. Robert Walt *oh, Berlin Charlottenbwg 8 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter 1 Kurt Loe we liste in. Berlin \V 15. An»׳igenk׳iter und verantwort-!ich für de» Inhalt der Arnuigcn; flerimum F i 11!1, llerUn W 15. Gültig Antcigcij-FreMiaie 4 vom 13. Oktober 1935. Vorlag und Anlelgcnvcrwalumg: Jüdische Runduchau. Berlin W 15. Mrinckcyr 10, D.-A. Februar 36 837. — Drock; Siegfried Schalem, Bln.-Schöneberg.