Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 18 (3.3.1936)
- Date
- 1936-03-03
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU NR. 18, 3. MAERZ 1936 B Juden lernen RflckblickaufdieArbeitdesJOdischen Lehrhauses Mit dem Abschluß der Donnerstag-Vortragsreihe des Jüdischen Lehrhauses hat der repräsentative Teil der Winterarbeit sein Ende gefunden, und es ist interessant, noch einmal sich zu vergegenwärtigen, was in diesem Winter geleistet worden ist. Die Hörerschaft des Lehrhauses setzt sich zusammen aus Menschen, die bereit ist, an die ihnen im wesentlichen bisher noch nicht vertrauten jüdischen Fragen mit Ernst und Verantwortung heranzugehen. In allen Diskussionen, die sich an die Vorträge anschlossen, war dieser Wille zur Erkenntnis und zum Lernen spürbar. Dennoch wäre es wohl eine falsche Fragestellung, wenn man, wie dies tatsächlich von den Hörern gefragt worden ist, ein positives Ergebnis von den Vorträgen in der Art erwarten wollte, daß nun der Hörerschaft cin fertiges, in seinen religiösen und politischen Konturen völlig feststehendes Judentum präsentiert werden könnte. Die Vorlesungen, die sich mit dem Problemkreis der Religion und der jüdischen Kultur befaßten, ließen gerade in ihrer Mannigfaltigkeit, in der Vielfalt der Übermittelten Gedanken und Anschauungen, in der Buntscheckigkeit der Definitionen jene große und problemreiche jüdische Welt vor uns erstehen, die sich trotz schärfster Analysen nicht in lctzfgültige Begriffe einfangen und nicht aut eine einfache Formel bringen läßt. Als ein typischer Ausdruck unserer Zeit ist unter den Hörern immer wieder als Einwand vorgebraclit worden, daß die Vorträge nicht in der Lage waren, den Menschen die einheitliche Idee autzuzcigen, die alle Juden über die verschiedenen Ein- Stellungen hinweg eint. In zahlreichen Vorschlägen hat die Hörerschaft versucht, sei es auf religiösem, nationalem oder ethischem Gebiete, diese verbindende Idee zu finden. Naturgemäß mußten all diese Vorschläge bei genauer Betrachtung sich als unzulänglich erweisen, weil sich eben die Welt des Judentums, ebenso wie der Lebenskreis anderer Völker, nicht in einigen herausgehobenen Begriffen konzentrieren läßt, sondern weil erst die Synthese aus der Mannigfaltigkeit der Erscheinungen zu einem wahren Leben, zu echter Kultur führt. Vielleicht haben die Hörer in ihrem Bestreben um die ״verbindende Idee“ übersehen, daß auch im Moment des Kampfes etwas Verbindendes liegt; denn die ehrliche Auseinandersetzung zwischen Menschen, die von Verantwortung getragen ist, bringt nicht auseinander, sondern führt zusammen. Der fest zusninmengewachsene Hörerkreis des Lehrhauses ist selbst ein Beweis hierfür. Als besonders wesentlich erscheint uns, daß durch die Vorträge der Donnerstag-Reihe Palästina den Hörem ln eine ganz besondere Bewußtseinsnahe gerückt worden ist. Die Problematik, um nicht zu sagen Unmöglichkeit des Aufbans einer jüdischen Kultur in der Golah wurde gerade in diesen Vorträgen, die um eine leidenschaftslose Klärung der Dinge bemüht waren, zur unumgänglichen letzten Schlußtolgcrimg. Der vorwiegend nichtzionistisch eingestellte Kreis des Lehrhauses ist dadurch in einer ganz besonderen Weise in die Auseinandersetzung mit dem nationalen Gedanken geraten, und wir sind überzeugt, daß diese Arbeit an einem eigenen Weltbild gerade bei dieser Hörerschaft, die sich so intensiv bemüht, tiefe Spuren und eine unlösliche Verbindung mit Palästina hinterlassen wird. Wenn so auch die Vorträge die Judenfrage nicht ״gelöst“ haben, so haben sie doch zumindest die Herzen gelöst, den Boden für neue Erkenntnis gelockert — das ist wohl das Positivste, was wir in dieser Zeit zu leisten vermögen. Dr. N. Eine Gruppe zionistischer Seminaristen Uns wird geschrieben: Ein Teil der Hörer der ״Jüdischen Lehrerbildungsanstalt" hat sich seit etwa einem Monat zusammengeschlossen. ln Zusammenarbeit mit der Junggruppenleitung und der Kulturabteihing der BZV. wurde die Junggruppe ״Jüdische Lehrerbildungsanstalt“ gegründet. Es waren dafür zwei Gesichtspunkte bestimmend: Zunächst der, daß eine Reihe von Seminaristen in verschiedenen Gruppen der BZV. oder anderen zionistischen Vereinigungen organisiert war, in denen solche Wissensgebiete, die speziell für den zionistischen Lehrer von besotiderer Wichtigkeit sind, nur oberflächlich behandelt werden können. Das andere maßgebende Moment für die Qrümlung der Gruppe war, einen größeren Kreis von zionistisch interessierten Hörern einen Begriff von der zionistischen Bewegung und ihrer Ideologie zu übermitteln, Die Seminaristen haben jetzt die Möglichkeit, sich Wissen anzueignen, um dadurch zum zionistischen Bekenntnis zu gelangen. Das Programm für die künftige Arbeit der Gruppe wurde am ersten Abend gemeinsam festgesetzt. Es sind dabei folgende Arbeitszyklen festgelegt worden: 1. Geschichte der zionistischen Bewegung und ihre Ideologie; 2. Einführung in die neuhebräische Literatur; 3. Kulturelle Fragen Palästinas unter besonderer Berücksichtigung des Frzichungswesens. Den Zvklus über Geschichte hat Dr. Groß, den literarischen Zyklus Dr. Borodianski übernommen. Tagung der Junggruppen der BZV. Am 29. Februar und 1. Afärz fand eine Tagung des erweiterten Aktivkreises der Junggruppcn der BZV. in Winkel statt. Seit längerer Zeit trafen sich zum erstenmal wieder die führenden Menschen der Junggruppen, um in gemeinsamer Arbeit sich auf die entscheidenden Fragen des Lebens der Junggruppen zu besinnen. Eine Feierstunde am Schabbat-Abend gab den Auftakt zur Arbeit. Am Sonntag-Vormittag berichtete Hellmut Simon nach seiner Palästina-Reise über die Situation im Lande und versuchte, die Konsequenzen und Ergebnisse dieser Reise für die erzieherische Arbeit der Junggruppen herauszusteilen. Es handle sich darum, künftighin in die Erziehung unserer Menschen auf eine immer stärkere Konkretisierung und eine engere Beziehung zu der Wirklichkeit Palästinas hinzuarbeiten. Am Nachmittag sprach Schau! Weinberg über KKL-Fragen und gab eine Reihe von ergänzenden Bemerkungen zum Vormittags-Referat. Im Schlußwort appellierte Hellnv.it Simon an die verantwortliche Haltung der Chawerim der Junggruppen und forderte, in der erzieherischen Arbeit die richtigen Antworten zu finden, die nur aus der Kraft der Gemeinschaft strömen können, Die Jüdische Winterhilfe teilt mit: Die Zahl der 1 lilfsbedürftigen hat sich in den letzten Monaten um nnhrcrc 1 aie-emi erhobt. Auch für den Monat März ist deshalb eine großzügige Verteilung von Kohlen und Lebensmitteln vorgesehen. Um diese Verteilungen sichcrzustellen, bedarf es einer besonderen Spendefreudigkeit sämtlicher Ucmeindemiiglieder. Alle Mitglieder der Gemeinde werden gebeten, ihre Spenden an die Jüdische Winterhilfe abzuführen, insbesondere wollen die Gemeindernitglieder, die zu einem regelmäßigen monatliehen Beitrag entsprechend ihrer kinkoiiuneie-ieuer aufgerulen sind, ihren Befrag für März, an die Winterhilfe der Jüdischen Gemeinde, Berlin C 2, Rosenstr. 2 —1 (Postscheckkonto Berlin 93 41h), oder auf tlie bekannten Bankkonten einzahien. Der letzte Eintopf-Sonntag der Winterhilfe fällt auf den 8. März (Purim). Die Sammler werden an diesem Tage Geldspenden mit Quittungen in Empfang nehmen, die neben dem Zeichen der Jüdischen Winterhilfe eine hellblaue Farbe zeigen. Veranstaltungen der Bezirke und Gruppen der BZV. Dienstag, den 3. Marz 20.30 Uhr BZV-Heim Neukölln, Jägerstr.6 Palästina.Monatsachau (mit Lichtbildern) Hermannplatz Dienstag, den 3. Marz 20.30 Uhr. Oberschöne weide An d. Wuhlheide 202 Dr. Edgar Rosen: Palästina im politischen Kräftespiel des vorderen Orients; anschließend Palästina-Monatsschau Oberspree Sonnabend, den 7. Marx 20.30 Uhr Orantenstroße 170 Onag Schabbat Südost Sonnabend, den 7. Mürz 20.30 Uhr BZV-Heim Kantstraße 54 Hebräischer Abend• Dr. Borodianski: *Purim in der jüdischen Folklore“ Dr. Hurwicz: *Di« Estherrolle in ihrer historischen Be* deutung“ Kulturabtellun, Sonnabend, den 7. März 20.30 Uhr BZV-Heim Rosenthaler Str. 44 Oneg Schebbat itn kriath hamegilah Chug iwri Zentrum Sonnabend, den 7. Marz 20.30 Uhr Konditorei Hansa Flensburger Str. 19 Chug iwri Hansa Mittwoch, 4. Marz, 20.30 Uhr, Mittwoch, 1t. März 1936, 20.30 Uhr, Logenhaus, Kleiststraße 10 Hackescher Hof, Rosenthaler Str. 40/41 Dr. Max Nußbaum: Zionismus — der Aufstieg einer Utopie Messlanlsche Hoffnungen / Weltfremde Projekte / Herzls Judenstaatsutopie / Gegen den Strom / Die Utopie als bewegende Kraft / Der Wandel zur Wirklichkeit BERLINER ZIONISTISCHE VEREINIGUNG Mittwoch, 11. März, 20.30 Uhr Landsberger Str.87 (BZV-Helm) S.Tschertok: Die Lehren einer nahen Vergangenheit Der Weltkrieg und seine Folgen / Emanzipation Im Osten / Ukrainisches Inferno Die Umgestaltung Osteuropas / Autonomistische Hoffnungen / Wirtschaftlicher Niedergang / Neuer Terrltoriallsmus / Krise der Emanzipation / Grundzüge der Galuth BERLINER ZIONISTISCHE VEREINIGUNO CAFE LEON Donnerstag, Sonnabend u. Sonntag, 16 u. 20 Uhr Gesellschafts-Abende Brefies Tanz-Orchester Das schönste Purlmgeschenk ist eine LuKraDhon-Schallplatte Jiddisch•, kantorale, pailSetineneieche und deutsche Aufnahmen bekannter Künstler. Verlangen Sie Liste Vertrieb: ״Lukra“, Berlin SW68 PnedrlohstraB• 106 (U- Bahn •Ausgang KoelntraB•) T«l«fon: A 2 Flora 4032 Schallplattan •ll«r Fabrikate Conditorei Dobrln KSnigatrafie י Telephon: El Berolina 5811 DIE GROSSE FRÜHJAHRS- MODENSCHAU Mittwoch, den 4. MSrz Nachmittags 4 Uhr u. abends 8*/a Uhr E. LOWINSKY-ELOW konferiert FRITZ LACHS u. eelne Kapelle aplelt Tisehbesteliungen am BDfett Eintritt SO Rpf■ Damen• iRNnr n. Untern iCnibertson) Spielgelegenheit 0 4 B#t. 4626 Mäntel MaBanh, neu« Modelle. Umart]., blll.Stoffann., Alle SchQUan.tr. 1011 Alexeaderplatx Ktoulersiimmer Perez G2 Stegl. 1920 Dienstag, 3. März, 20.30 Uhr Donnerslag, 12.März,20.30Uhr, Charlottenburger Residenzfestsäle, Landsberger Str. 3t Festsäle, Charlottenburg, Kaiser-Frledrlch-Str. 24 Dr. Joachim Prinz: Der Gestaltwandel des modernen Judentums Das ״Berliner Judentum" / Judentum als Wissenschaft und der Kreis um Zunz Judentum als Unglück und der Weg Heinrich Heines / Neoorthodoxie und Reform Prophetischer Missionismus und Fortschritt / Der Weg des Ostens: Haskalah, Chibbath Zion und Volkwerdung / Zionismus und das neue Judentum BERLINER ZIONISTISCHE VEREINIGUNG Mittwoch, 4. März, 20.30 Uhr Mittwoch, 11. März, 20.30 Uhr Hackescher Hof, Rosenthaler Str. 40-41 Logenhaus, Kleiststraße 10 Dr. Michael Traub: Auf der Suche nach Lebensraum Jüdische Not in Osteuropa / Soziale und geographische Wanderfahrten / Dreieinhalb Millionen Juden verlassen Europa / Wohin? / Uganda und Palästina / Judenproblem in Deutschland / Hilfe und Aufbau / Können wir auswandern? / Enldeckungs־ fahrten / Krise In Palästina? / Unsere Realpolitik BERLINER ZIONISTISCHE VEREINIGUNG VERMIETUNGEN Hfl Tefk jL«,k 14M 1 Erstklassig» Pension a i!1 Komfort-Privathsushftlt, auch an Ehe- I paar, zum 1.4.36. B 6 Cornelius 4128 Sommerwohnung Waitergrandatttck in Friedrichsha gen vermietet J 1 Bismarck 3544 Pension Alsen IFaianeaitrafie 77 I 11 Bismarck; 2792 ■ Vornehmes Doppelzimmer mit allem H Komfort zum 15. 3.36 zu vermieten. I Frau Alle« Cronar H Berliner's FomiHenheim Brandenburgische Str. 46,1, J 7 1255 56, Leer־Appertem«nt (2-3 Zim. m. Diele) jeglicher Komfort, f fl r Ehepaare, ErstkL Verpfl., angenehmer DauernufenthsH. 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