Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1936-03-03 · Heft 18 (3.3.1936) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 18 (3.3.1936)
Date
1936-03-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2653922-2653941--28368-2689847
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite TO JODIS״׳mp RUNDSCHAU Nr. 10, 3. ffl. 1936 würde, könnten interessante Belege gerade aus der letzten Zeit beigebraclit werden.) Aber neben diesen Monutnentalfragen der Apparatur gibt cs eine lulle von Details, die ohne große Beschlüsse gebessert werden könnten. Eine der Ocncralplagcn des palästinensischcn öffentlichen Lebens, die in allen Institutionen wüten, sind die endlosen und zahllosen Sitzungen, in die jeder einzelne der Prominenten verstrickt ist. Es soll nicht geleugnet werden, daß es in dieser Beziehung in den letzten Jahren bereits besser geworden ist. Ist doch die Zeit, in der vierstündige Reden auf Konferenzen und normale Sitzungen, die ganze Nachte in Anspruch nahmen, heute setion fast als mythisch zu betrachten, (!nmerhin würde eine Statistik, die feststem, wieviel Arbeitsstunden der führenden Leute auf Sitzungen draufgehen, eine geradezu erschreckende Bilanz ergeben. Vielfach geht es nach dem bekannten Satz: ״Und da man nichts mehr wußte zu beschließen, beschloß man, einen Ausschuß auszuschießen“ und ungefähr in der Proportion, in der sich die Sitzungen mehren, mindert sich die Arbeitsleistung des einzelnen. Vielfach liegt dieser Sit/ungswut eine — oft falsch verstandene — Idee von kollegialer Zusammenarbeit zugrunde. Es scheint aber keineswegs bewiesen, daß dadurch diese kollegiale Zusammenarbeit gefördert wird. Und der Zeit- und Kraftverlust dieser Methoden ist unübersehbar. Die Sache wäre noch anders, wenn es Regel wäre, sich in all diesen Beratungen auf das Notwendigste zu beschränken, Wiederholungen zu vermeiden, sich größte Zurückhaltung aufzuerlegen. In der Regel ist cs jedoch genau umgekehrt und die Resultate des Systems sind dementsprechend böse. Um das Bild ׳licht zu verzeichnen, muß man freilich zugeben, daß sich vieles in •der Organisation der Apparate bereits stark g c b e s s e r t hat. .Schon die erwähnten großen Notizbücher sind ja ein Fortschritt, weil heute Besprechungen, die stattfinden sollen, eben eingetragen werden. Und es gibt auch mancherlei Anstrengungen zur Modernisierung der Apparaturen. Sie sind jedoch gelegentlich mechanische Uebertragungen äußerer Vorbilder. So erklärte neulich der Mitarbeiter eines Büros, das gerade!unorganisiert wurde: ,,das Ideal der neuen Administration ist, daß mail den Tod eines Mitarbeiters erst aus dem ,1 'mlauf‘ erfährt11 — eine nicht üble Charakteristik der rem mechanisierenden Tendenzen... Der Stab Einen Ausweg aus den Schwierigkeiten könnte man nur dadurch finden, das man für eine bestimmte Zeit bestimmten Menschen bestimmte Dinge überträgt und dann nach einer gewissen Spanne aus den Resultaten ersieht, ob sie geeignet sind oder nicht, und ob sie die gegebenen Direktiven einhalten. Die Möglichkeit, fScauftragte ab/uberufcii und ihnen von Zeit zu Zeit neu angepaßte Richtlinien zu geben, würde Usurpationsgeluste wirksam eindammen. Und weiterhin muß eine Besserung dadurch erzielt werden, daß man die leitenden Persönlichkeiten in einem viel größeren Maße als bisher von Kleinarbeiten entlastet. Heute erschöpft sich vielfach die Aktivität leitender Körperschaften in ״Beschlüssen“, auf die ja in unserer Atmosphäre ungebührlicher Wert gelegt wird. (Man denke nur an die endlosen Massen von Rcsolutionen, die jeder Kongreß und jede Konferenz, annimmt, um sie dann zu einem grollen Teile in die Archive zu versenken.) Die Ausführung der Arbeiten aber stößt immer wieder auf die vielen Teufel der Technik, und hier muß jede Reform ansetzen. Es muß sich in allen unseren Apparaten ein verläßlicher Stab bilden, dem die Ausführung von Arbeiten übergehen werden kann, so daß von der! leitenden Stellen nur die Initiative und Ueberwacliung auszugehen braucht. So wie jedoch die Dinge jetzt liegen, müssen sich gerade die tüchtigen und führenden Kräfte vielfach auch um alle möglichen Details kümmern und das Resultat ist lieberlastung, ein Vergrabensein in den täglichen Aufgaben und die Unfähigkeit, sielt mit den großen Fragen, die bei unseren beispiellosen Situationen fast jeder neue Tag bringt, in Ruhe zu beschäftigen. Will man in Palästina heute neue Pläne prüfen, die Spitzen des öffentlichen Lebens dafür interessieren, die Initiative in idfenUithen Fragen auf neue Projekte gerichtet «lasen, so s-tUfjt man vielfach auf die Unmöglichkeit, jemanden in Ruhe zu sprechen, die notigen Leute zu den nötigen ,>it/u!1gen‘‘ /u-an1111e11/11hekom111e1i und schließlich auf die trauiige IVr-pcktive, daß wieder einmal eine neue Regung;11 Memoranden, Kommissionen und Briefen begraben wird. .Man glaube nur nicht, daß alle diese Erscheinungen auf die leitenden .Apparate beschrankt seien. Sie sind im (iegenteil ein Charakteristikum des lieutigen Palästina. Es ist bekannt, daß alle technischen Dinge im Lande sehr viel schwerer zu bewältigvn sind als in Europa oder Amerika. Soweit es wdt dabei um Phänomene handelt, die mit dein K 0 Ion! s a i i o 11 - 1 a!1 d Palästina /iisammenhüiigen, sind sie berechtigt. Die Siedhitigsbewtgutig ist dazu da, zivilisatorisi.he Bedingungen zu :•! e 11 a f f e 11 und sie kann nicht btaii- Sprüchen, >ie sJn>!1 v o r 1 u f i 11 d e 11. Aller auch in den bereits ,,/iwii-iei ten״ liegenden, in den Städten, die sich ja heute alle Mühe gi her!, sich europäisch zu gebmien, finden wir dieselben Komplikationen. Ueberall läuft der Apparat, ob t׳s -;..ו!׳ um die Abfertigung in den Büros der Munizipalität oder der .Agency oder in den Autobussen von Tel-Awiw oder der 1 icfenmg von I landwerkcrn oder Finnen handelt, mit Selmeckcngesdiwindigkcit, so daß Nerven, Zeit und Kräfte in ungebührlichem Maße beansprucht werden. Es handelt sich also liier um eine Frage, die eigentlich alle und alles angeht und daher von i m m e n s e r Bedeutung für die Entwicklung des Landes und das Wohlbefinden seiner Bewoimer ist. Die Technik — ein geistiges Problem Was liegt mm dieser holpernden Technik zugrunde? Nur zu einem beschränkten Maße ״technische“ Momente. Was wirklich den Ausschlag gibt, ist eine gewisse, nicht leiciit zu definierende G c i s t c s h a 11 u n g. Ein Apparat, der kleinste wie der größte, kann nur funktionieren, wenn zwei Voraussetzungen erfüllt sind: er muß zweckentsprechend gebaut sein und er muß mit Verständnis und Vorsicht bedient werden. Daß unsere Apparate nicht oder nicht immer zweckentsprechend gebaut sind, darf bei den schwierigen und außerordentlichen Bedingungen unserer Arbeit nicht Wunder nehmen. Es muß sich erst einmal die Erkenntnis in voller Schärfe durchsetzen, daß sie geändert werden müssen und es dürfte dann nicht unmöglich sein, zweckcnfsprechendere Gebilde zu schaffen. Aber der zweite Punkt ist vielleicht noch bedeutsamer: er muß mit Verständnis und / Von der Gesellschaft ״Nir“ Privat-Kapital und Kollektivsiedlung Auf der Suche nach neuen Wegen der Siedlungs-Finanzierung in Erez Israel traten in letzter Zeit zwei Aufgaben in den Vordergrund. Einmal galt es, auch das private Kapital stärker als bisher für unmittelbar produktive Aufbauzwccke hernnzuziehen und damit die Sicdhmgstatigkeit zu befruchten. Auf der anderen Seite ergab sich daraus eine Verpflichtung diesem privaten Kapital gegenüber, die größtmögliche volkswirtschaftliche Produktivität mit der größtmöglichen privat wirtschaftlichen Sic 11 e r 11 e 11 und wenigstens einem gewissen Maße von Rentabilität zu vereinigen. Einen besonders interessanten und aussichtsreichen Beitrag zur Lösung dieses Problems stellt die Nir Limited dar, eine Aktiengesellschaft, die schon eine Reihe höchst ermutigender Erfahrungen gesammelt hat. Die Struktur der Geschäftstätigkeit der Gesellschaft ״Nir“, die bekanntlich ein Institut der Arbeiterschaft ist, läßt sich vielleicht am besten durcli eine Bilanzanalyse verdeutliehen. Die Bilanzsumme der Nir Ltd. beträgt heute etwa £P 250 000. Da das Unternehmen seine Tätigkeit als Aktiengesellschaft erst am 1. Januar 1935 aufgenommen hat, liegt eine Jahresbilanz noch nicht vor. Es gibt aber einen Z w 1 - schcnstatus per 30. Juni, der zwar durch die stetige Entwicklung der Gesellschaft schon etwas überholt ist, aber die Struktur des Geschäftes zutreffend widerspiegelt. Das eingezahlte Aktienkapital, das heute bereits rd. CP 90000 beträgt, erscheint darin noch mit rd. £P 61 000. Davon entfallen 5000 auf die Grunderaktien, die ihren Inhabern einen maßgebenden Einfluß auf die Verwaltung gewähren und damit die Stetigkeit der Geschäftsführung sichern, 18 000 aut die Stammaktien, die sich im Besitz von nationalen Institutionen und von Verbänden der Arbeiterschaft befinden, und CP 38 000 auf die 5 "'eigen Vorzugsaktien, die im Publikum untergebracht worden sind. Neben diesem Eigenkapital von £P 6t 000 stehen als Fremdkapital im wesentlichen rund £P 87 000 Anleihen zur Verfügung, und zwar £P 12 000 mit einer Laufzeit von 10 Jahren und CP 75 000 mit einer Laufzeit von 15 Jahren. Von den sonstigen Passivposten kann — mit Ausnahme des gewöhnlichen Kreditorensaldos von CP 15 000 — abgesehen werden, da es sich um reine Durchgangs- und Verrechnungskonten handelt, die auf beiden Seiten der Bilanz erscheinen. Wie sind mm diese Mittel angelegt? Den weitaus größten Aktivposten bilden die Darlehen an landwirtschaftiiche Betriebe, Siedlcrgrupnei! und Institutionen mit zusammen £P 147 000, davon £P 55 (XX) mit einer Laufzeit bis zu 5 Jahren, £P 86 000 mit einer Laufzeit bis zu 12 Jahren und der Rest kurzfristig. In dieser Summe stecken wieder einige Uebergangsposten, die außer Ansatz bleiben könneu. Außerdem sind CP 45 000 Kassenbestand und Bankguthaben sowie ein Wechselportefeuille von*£P 11000 vorhanden. Für den Investor ist es vor allem wichtig, dieses Bilanzbild unter dem Gesichtspunkt der Kreditsicherheit und der Rentabilität zu prüfen. Abgesehen von der Tatsache, daß die im Status aufgeführte 15jährige Anleihe mit einer Teilgarantie der Arbeiterbank ausgestattet wurde — ist zunächst zu beachten, daß die ausgeliehenen Gelder durchweg 7 Jahre früher zur Rück- Zahlung fällig werden als die von der NIR Ltd. aufgenommenen Anleihen. Hier besteht also eine Spanne, die Stokkungen ausschließt. Außerdem kann man nach dem Bild der Zwischenbilanz sagen, daß ein sehr erheblicher Teil der durch die Anleihen aufgenomtnenen Gelder in flüssigen *) Siehe auch den Bericht hierüber in der Rubrik ״Arbeiterbewegung“ der Umschau in Nr. 9. Atitteln erster Ordnung, nämlich in Kasse und Bankguthaben, bereit liegt. Der entscheidende Gesichtspunkt für die Kreditsicherheit ist aber natürlich die Auswahl der Schuldner und der Verwendungszweck der Gelder. Als Geldnehmer kommen ausschließlich landwirtschaftliche Betriebe mit ge* mischter Wirtschaft in Frage, also Betriebe, die vor den Rückschiagsgefahren des Orangenbaus oder anderer Monokulturell sicher sind. Da die gesamte Produktionskapazität der gemischten Landwirtschaft in Palästina erst einen Bruchteil des Inlandsbedarfs ausinacht, kann die jüdische Land- Wirtschaft Palästinas für absehbare Zeit mit gesicherten Absatzmöglichkeiten rechnen. Außer der Bonität der Schuldncr werden aber noch zusätzliche Sicherheiten gefordert: Wechsel, Hypotheken und Verpfändung gewisser Forderungen, so z. 13. der Forderungen an die Tenuvah für Ab- Lieferung der Erzeugnisse der Wirtschaft. Wesentlich für die Kreditsicherheit ist auch die Kredit- Verwendung. Die Darlehen sind zumeist Zusatzkredit^ für Wirtschaften, deren Grundlage bereits finanziert ist. Diese Zusatzkredite werden mit ausdrücklicher Zweckbestimmung gegeben, so für die Entwicklung neuer Produktionszweige, für Anlagen zur Intensivierung des Betriebes oder für Einrichtungcn, die der Wirtschaft die Aufnahme neuer Siedler ermöglichen. Mehr als ein Drittel der Darlehnssumme ist nicht an einzclne Wirtschaften gegeben worden, sondern an kapitalstarke Zentralinstitutionen, die ihrerseits diese Gelder ztt kolonisatorischen Zwecken verwenden. Bis zu einem gewissen Grade hängt von dieser Kredit- Sicherheit auch die Rentabilität ab. Die reinen Verwaltungsspesen können bei diesem Unternehmen als unerlieblich außer Betracht bleiben. Dagegen müßte es selbstverständlich die Rentabilität beeinflussen, wenn die Gesellschaft etwa mit Ausfällen und Rückständen beim Eingang der Zinsen und Tilgungsraten zu rechnen hätte. Auf diesem Gebiet liegen bereits Erfahrungen vor. Gerade in der Mitte dieses Jahres waren besonders große Zins- und Tilgungsraten fällig. Der Zahlungseingang war so, daß praktisch von einer hundertprozentigen Kreditsicherheit gesprochen werden kann. Die Zinsspanne ist ausreichend, um dem Eigen- und Fremd-Kapital einen angemessenen Ertrag zu sichern. Die Zinsverpflidituiipcn der Gesellschaft setzen sich zusammen aus dem laufenden Zinsauspruch der 4prozentigen Obligationeu und dem kumulativen Dividendenanspruch der 5prozenti״ en Vorzugsaktien. Die Stammaktien dagegen, die sich in den landen gemeinnütziger Institutionen befinden, können bd dieser Berechnung außer Ansatz bleiben. Auf das Gesamtkapital umgerechnet, beträgt also der Zinsanspruch durchschnittlich 4 0/0. Auf der anderen Seite sind aber die Aus* leihungen der NIR Ltd., also die Zinseinnalimen, auf einem Diircbseliniftssaiz von 7 ״ö aufgebaut. Vom Standpunkt der Landwirtschaft aus ist dieser Zinsfuß als außerordentlich hoch zu bezeichnen. Er wird aber dadurch tragbarer, daß die NIR nur den Spitzenbedarf der Wirtschaften deckt, daß aber die entscheidende Grundfinanzierung der landwirtschaftlichen Betriebe zu wesentlich besseren Bedingungen erfolgt. Innerhalb der Gesamtverschuldung des einzelnen Kreditnehmers spielt also der teuere NIR-Kredit nur eine verhältnismäßig unbedeutende Rolle. Noch ein weiterer Gesichtspunkt ist in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen. Das Verhältnis zwischen Eigen- und Fremdkapital ist gesund, auch wenn man in Betracht zieht, daß ein offener Reservefonds vorläufig noch nicht besteht und statutengemäß erst im Laufe der Zeit aus den Gewinnen gebildet werden soll. Aber die Rolle eines Reservefonds spielen gewissermaßen die Stamm- und Gründeraktien. Diese haften vor den Vorzugsaktien, und die Vorzugsaktien wieder vor den Obligationen. W. Düsterwald, Tel-Awiw. Vorsicht bedient werden. Dazu gehört vor allem die Bemühung, jede Arbeit, welche es auch immer sei, wirklich gut auszuführen. Es gehört das Bewußtsein dazu, daß man die Arbeit nicht nur tut, um sie irgendwie fertig zu machen und sich so seinen Lebensunterhalt zu verdienen, sondern um der Gesamtheit damit zu diene n. (F)ie Losung des ״Dienst am Kunden“ in der kapitalistischen Gesellschaft oder des ״Dienstes an der Gemeinschaft“ nach sozialistischer Auffassun.g sind ideologische Mittel zu diesem Zweck.) Bei allen Funktionen, die Menschen mit dem Publikum in Verbindung bringen, wird diese Einstellung des Dienstes an der Gesamtheit zu einer Grundbedingung für das Funktionieren eines Apparates. Der Beamte, der dem Publikum am Schalter gegenübersteht, kann sich zu einer Plage auswachsen, wenn er nicht in diesem Geist erzogen ist; weder Ministerien noch der einfachste Postdienst können ohne diese Grundlage existieren. Und so werden alle Eigenschaften, die wir im Umgang unter erzogenen Menschen voraussetzen, Disziplin, Rücksichtnahme, Höflichkeit, Sclbstbcschränkung, zu Ventilen der öffentlichen Apparate. Sind diese Grundbedingun״en vorhanden und die Apparate nur einigermaßen ihren Funktionen angcpalit und besteht nicht völlige Unfähigkeit bei den sie Bedienenden, so wird sich schließlich der Großteil der Reibungen eliminieren lassen. Man denke nur daran, was Rücksicht, Disziplin und Selbstbcschränkung zur Kürzung von Sitzungen beitragen würden; wie stark diese Eigenschaften das Benehmen des kleinen Beamten hinter den vielen Schaltern ändern würden, der heute vielfach hinter der schützenden Barriere seine Machtgelüste befriedigt, statt sich um das Publikum 7.u kümmern; wie die selbstverständliche Höflichkeit und Rücksichtnahmc den Umgang im geschäftlichen Leben auf den verschiedenen Gebieten erleichtern, wie bei diesen Voraus- Setzungen und einigermaßen gutem Willen beider Seiten sich die sich häufenden Mißverständnisse und Schwierigkeiten des Tages ohne viel Anstrengung lösen würden. Gerade weil die Frage des Apparates keine rein technische Frage ist, weil in ihr viel von dem Problem der seelischen Haltung, des öffentlichen Bcnehmens, der Verantwortung vor der Arbeit und Leistung, der Disziplin und der Dienstbereitschaft für andere enthalten ist, verdient dieses Problem des Ausbaus und der Verbesserung der Apparate das allgemeine Interesse. Die technische Vervollkommnung der Apparatur, angefangen bei Büroeinrichtungen und beendet bei einer Verfassungsreform der Zionistischen Organisation, ist letzten Endes eine Sache der Fachleute. Und man könnte sic ihnen überlassen, wenn man nur sicher wäre, daß ihnen überhaupt der Auftrag übergeben würde, etwas zu verbessern, zu reparieren oder neu aufzubauen. Aber die schönsten Technika werden uns nichts helfen, wenn zu beiden Seiten der sichtbaren und der unsichtbaren Barriere, in allen öffentliehen Diensten und auch beim Publikum nicht das Ver•, ständnis dafür zu wecken ist, daß Technika mehr sind als Technika, daß sie nur bei entsprechender Einstellung aus einer Plage zu einem nützlichen Instrument umgewandelt wer• den können. Heute ist in Palästina alles im Fluß und der ״Grüne“ mit seiner löblichen Leidenschaft, ein Palästinenser zu werden, übernimmt zuerst einmal auch die Fehler in Bausch und Bogen und lernt bald die vollkommen unsinnige Entschuldigung, die man nie gelten lassen sollte: das ist nun einmal so in Palästina. Mit diesem Wort ist in den letzten Jahren das böseste Unheil angerichtet worden. Es enthält heute nicht mehr den lächelnden Gleichmut der ersten Siedler, die damit Fieber und Hunger aufnalimen, 8011• dern viel von einer verächtlichen Einstellung, die dieses und jenes, falsche und schlechte Einrichtungen, Störungen im Getriebe, einfach als ״Palästinensisch“ bezeichnen, weil man sie im Ursprungslande nicht gekannt hat. Diese Art von ״Assimilation“ ist gefährlich. Sie führt dazu, Mißstände an zun eh men, statt sie zu bessern, sich mit einem schlechten Apparat zu begnügen, wo man einen guten haben könnte. Und man lasse sich nicht dazu verleiten, einen Apparat als etwas nebensächliches zu betrachten. Er ist nicht nur der Maßstab für technisches Können — auch das ist wichtig genug —, sondern auch für den Geist seiner Er• bauer und derer, die ihn bedienen. Wir sollten dazu kommen, den b e s t funktionierenden Dienst, eine glatt funktionierende Exekutive, eine gut besetzte Stadtverwaltung — und sogar höfliche Chauffeure zu bekommen. Dann wird sich — oh ersehnter Tag — auch das Publikum diesem Apparat an• passen und Technika werden nicht mehr eine Plage, sondern — das ist durchaus möglich! — auch ein Vergnügen sein. Arbeitskonflikt in Jaffa Arabische Arbeiter stellten in Jaffa rings um drei im Ban befindliche Rcgierungsschulen, die vom Baubüro der Hista• druth errichtet werden,!,fahle als Protest dagegen auf, daß nur 40 Ko arabische Arbeiter bei dem Bau beschäftigt werden. Nach Verhandlungen erklärte sich die Histadruth bereit, 50 ״/o arabische Arbeiter bei diesen Bauarbeiten zu beschäftigen. Die Bauarbeiten bei den Rcgierungsschulen in Jaffa gehen ohne weitere Störung weiter, obwohl arabische Posten noch vor den Gebäuden stehen. Die Arbeiter werden polizeilich geschützt. Berichtigung, ln dem Aufsatz ״Hypothekenbank und Baupolitik“ in Nr. 13 ist ein Druckfehler unterlaufen. Es muß heißen, daß die Rückstände ״weniger als 0,3 pro Mille“, nicht 3 pro Mille der gesamten Darlehnssumme betragen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.