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Jüdische Rundschau · 1936-03-03 · Heft 18 (3.3.1936) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 18 (3.3.1936)
Date
1936-03-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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r BILD-ARCHIV DER ZVfD Die Zionistische Vereinigung für Deutschland wendet eich an alle Freunde unserer Bewegung mit der Bitte Bild- und Filmmaterial von Palästina-Reisen, Ortsgruppenveranstnltungen, Seminaren usw. zur Verfügung zu stellen. Die ZVfl) bittet geeignetes Material (möglichst Negativ und einen Abzug) zu senden an die FILMSTELLE DER ZVfD Berlin W15 — Meinekestrnße 10 Die Ein »ent! er erhalten die Unterlagen auf Wunsch unbeschädigt zurück \._._J IN ALLER KURZE Am 1. _ Januar 1936 gab cs in Deutschland nach einer Statistik, die in der ״Juristischen Wochenschrift“ veröffentlicht wird, insgesamt 18 854 Rechtsanwälte, von diesen waren 2552 jüdischer oder nichtarischer Abstammung. Die Gesamtzahl der Anwälte im Laufe des Jahres 1935 ist nur unwesentlich (um 83) gestiegen, die der nichtarischen Anwälte um 184 gesunken. Im Jahre 1934 war die Gesamtzahl um 340 gestiegen, die der nichtarischen Anwälte allein in Preußen um 214 gesunken. In der ״Deutschen Justiz“ werden die Namen von 763 Notaren veröffentlicht, die auf Grinjd des Reichsbürgergesetzes aus dem Amt ausgeschieden sind. In Berlin werden 435 Notare betroffen, in Frankfurt 61. Die Große Strafkammer Frankfurt verurteilte einen 28jährigen jüdischen Mann wegen Rassenschande 5׳u zehn Monaten Gefängnis. Der Angeklagte unterhielt Be- Ziehungen zu einer dcutschblütigen geschiedenen Frau, die er im Frühjahr 1935 in einem Vergnügungslokal kennengelernt hatte. Er mietete bei ihr ein möbliertes Zimmer. 1bwohl er am Tage der Verkündung der Nürnberger Oesetze durch den Rundfunk von diesen Gesetzen Kenntnis erhielt, setzte er die Beziehungen fort; erst im Dezember wurden sie gelöst. Die Gesellschafter-Versammlung des Bankhauses Hardv 8! C o. G. m. b. Fi. beschloß nach einer Kapitalherabsetzung auf 3 Millionen RM., das Kapital der Gesellschaft unter Bildung eines Reservefonds von 1 Million RM. um 7 Millionen R\C zu erhöhen. Die neuen Geschäftsanteile werden, wie der ״Völkische Beobachter“ meldet, an eine Gruppe übergehen, die sich ausschließlich aus arischen Kreisen zusammenseizf, Von einem jüdischen Einfluß könne nicht mehr die Rede sein. Die Herren-Ausstattungsfirma Schultz in G 1 o g a u, früher Richard Breslauer, teilt 'mit, daß sie in arischen Besitz übergegangen ist. — in der ״Essener Volkszeitung“ wird mitgeteilt, daß die nichtarische Firma A. Gr und mann, Essen, von der Böcker G. m. b. H. übernommen wurde. — Wie uns ferner berichtet wird, ist die Firma Fritz Husten in Oberhausen in arische Hände übergegangen. Die Hadassah hat bei der Aktion für die Jugend- Alijah bisher 25 000 Dollar aufgebracht. Stefan Frenkel ist eingeladen worden, auf dem kommenden internationalen Musikfest in Barcelona (April 1936) mitzuwirken. Unter anderem wird er dort das Violin-Konzert von Marcel Mihalowici spielen. Mit dem Dampfer ״Tel z\viv“ trafen u. a. folgende Passafiere in Triest ein: Herr Elicscr Kaplan, Schatzmeister er Jesvish Agency, und Herr Hoofien, Direktor der Anglo Palestine Bank, Haifa. Mit dem Dampfer ״Tel Aviv“, am 28. Februar ab Triest, trat auch die erste Chaluzim-Gruppe Ihre Ausreise nach Haifa an. Die Abenteuer der Graeia Mendez Roman von HERMANN SIN SII EI MER 9, Fort#el*ung Mendez hatte schon seinen Lachanfall zu büßen, denn er mußte schwer um Atem ringen, bevor er antworten konnte: ״Du kennst dich noch nicht, Graeia. Wie solltest du auch, da du noch so jung bist? Aber glaub mir, ich habe deinem Wesen nachgeforscht, als du mir nahe und als du mir fern warst, und ich sage dir: du bist zur Einsamkeit geschaffen und der Einsamkeit fähig, ob sie dich nur. glücklich oder unglücklich macht.“ Graeia legte die Hönde vors Gesicht und beugte den Kopf: ״Ich bin doch noch so jung, lieber Mann, ich bin doch Immer nur eine Gefangene gewesen — sollen denn die Tore nie aufspringen und mich zu den anderen entlassen, um mit ihnen ein freies Leben zu leben?“ Francisco schüttelte den Kopf. ״Graeia, dös ist das Schöne an dir, daß du dich an das dunkelste Leben heranmachst und dabei doch noch im Licht eines Traumes vom hellen Leben stehst. Bewahre dir diesen Traum, aber wisse, daß es nicht mehr ist als ein Traum. Die Einsamkeit ist ein jüdisches Erbteil, das dich auch im Gewühl der Welt nicht verlassen wird, aber du wirst doppelt einsam sein, weil du nicht eine Geführte und Gefährtin unter vielen sein kannst, sondern sein mußt und sein willst eine, die vorauszieht, eine Führerin.‘ Sie antwortete: stellst mich hoch, du stellst mich in die Höhe des s. Will ich denn aber diese Höhe?“ Francisco sagte hart: ,,Sie will dich! Sie verlangt dich als Opfer. Du hast den Hang deiner Jahre ü!)erklettert, du stehst über deiner Jugend, also mußt du auch bereit sein, einzusehen, daß du über dem stehst, was die Menschen Glück nennen, Anspruch auf Glück hat der und der und der — du nicht.“ Graeia schwieg eine Weile, wahrend ihr der Zorn auf- ■lieg. Aber sie sagte dann ohne Scharfe: ״Und wenn es so wäre, warum sagst du es mir? Hat dich deine Krankheit so hart gemacht?“ Er erhob sich im Bett und wollte nach ihren Bünden greifen, aber sie entzog sie ihm. — Darauf sagte er: ״Ich bin hart zu dir, weil ich weiß, daß du Härte ertrügst, und weil ich will, daß du dir dessen bewußt bleibst. iu5 der Rechtsprechung Gaststätten für Juden Das Stadtverwaltungsgericht Hannover hat zwei Konzessionsentscheidungen getroffen. Die ״Zionslöge“ hatte beantragt, ihr die Erlaubnis zum Betrieb der unbeschränkten Schankwirtschaft in ihren Räumen zu erteilen. Ihr Vertreter erklärte in der Verhandlung, die Zionslöge sei eine humanitäre Vereinigung, der nur jüdische Mitglieder angehörten. Die beantragte Schankerlaubnis soll sich auf die Mitglieder und deren Gäste beschranken. Ein Bedürfnis müsse deshalb anerkannt werden, weil die Juden in den öffentlichen Gaststätten nicht gern gesehen seien. Der geplante Betrieb der Zionsloge solle nach außen als Schankwirtschaft nicht in Erscheinung treten. Dadurch wolle man vermeiden, daß nichtjüdische Gäste in das Lokal kämen. Das Stadtverwaltungsgericht erteilte die Erlaubnis unter der Bedingung, daß erstens nur an Mitglieder der Synagogengemcinde und niciitarische Gäste solcher Mitglieder ausgeschenkt werden dürfe und daß zweitens die Bestimmungen der Nürnberger Gesetze bei der Beschäftigung des Personals genau beachtet würden. Voraussetzung für die Erteilung der Erlaubnis sei ferner die Zustimmung des Regierungspräsidenten, da cs sich um eine Neukonzession handele, die an sich unter die noch geltenden Spcrrvorschriften falle. Nach Meinung des Gerichtes entspreche es dem Geiste der N ii r n b e r ß c r G e s e t 7. e, w e n n die Juden eine eigene Gaststätte erhielten. Aus diesem Grunde habe man das Vorliegen eines ßediirfnisses anerkannt. Die Gefahr, daß sich staatsfeindliche Be- Strebungen dort einen Sammelpunkt schaffen könnten, womit der Polizeipräsident und der Oberbürgermeister ihre ableimende Haltung zu dem Konzessionsantrage begründet hätten, müsse durch eine strenge Aufsicht vermindert werden. In einem zweiten Falle hatte eine Frau die Erteilung der Erlaubnis zum Ausschank alkoholfreier Getränke und zur Ausübung des Bchcrbcrgungsgcwerbes beantragt. Die Wirtschaftsgruppe Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe hatte sich gegen den Antrag ausgesprochen, da kein Bedürfnis vorlicge. Alle übrigen Instanzen hatten jedoch keine Ein- Wendungen erhoben. Die Antragstellern! erklärte, ihr sei im Jul! vorigen Jahres die Erlaubnis für andere Räume bereits erteilt worden. Es handele räch nur um einen Umzug. Sie sei Jüdin und habe nur jüdische Kundschaft. Das Gerieht erteilte die Erlaubnis, besonders auch mit Rücksicht darauf, daß es sich nur um eine Verlegung des Betriebes handele. Zwangsversteigerung von Grundstücken und Auswanderung Nach § 5 der Vollstreekungssdiutz.veroi dming vom 26. Mai 1933 wird trotz unverschuldeter Notlage des Schuldners eine einstweilige Einstellung des Zwangsversteigerungsverfahrens von Grundstücken nicht vorgenommen, wenn die Einstellung dem die Zwangsvollstreckung betreibenden Gläubiger einen u n v e r 1! Ü! t n i s in ä ß i g e n Nachteil b< i1׳ gen würde. Der ״H a m b 11 r g e r Grundeigentümer“ veröffentficht einen Beschluß des Landgerichtes Altona, durch den die Frage, ob ein unverhältnismäßiger Nachteil für den betreibenden Gläubiger auch dann vorliege, wenn er ein Jude ist, der nach Palästina aus wandern will, bejaht wird. Es heißt in den Gründen des Beschlusses, daß der Schaden, den die Gläubigerin durch die einstweilige Einstellung erleiden würde, nicht bloß in dem verspäteten Empfang der Schuldsumme, sondern darin besteht, daß die Gläubigerin durch die spätere Befriedigung aller Wahrscheinlichkeit nach einen Verlust von mindestens der Hälfte der Forderungen zu gewärtigen hat. Der Auswanderung der Gläubigerin nach Palästina könne nicht deshalb die Berücksichtigung versagt werden, indem man sie als willkürlich und mutwillig bezeichnet. Die Gläubigerin sei verpflichtet, ihrem Ehemanne, der sich aus den allgemein bekannten Gründen zur Aus- Wanderung entschlossen hat, nach Palästina zu folgen; die jüdische Auswanderung werde auch behördlicherseits oder vom Volke nicht etwa mißbilligt, sondern erscheine der öffeiltliehen Meinung als wünschenswert. Die Gläubigerin habe dargelcgt, daß ihr von den Behörden gestattet worden sei, auf Grund der besonderen für die jüdische Auswanderung nach Palästina erlassenen gesetzlichen Bestimmungen, die im Warenclearing der Förderung der deutschen Ausfuhr nach —■I— II.■I ..-.■I ■mmmmmmmmmmmmmm Du bist meine Erbin, aber du bist mehr als ich. Dein Atem schwingt über die Welt hin, über die Welt der Juden und ihrer Widersacher. Ich sehe in den Tod und du ins Leben. Sollen wir an dieser Wegscheide uns gegenseitig mit weichen Worten umnebeln? Ich gehe in einen harten Tod, du in ein hartes!,eben — du wirst groß werden, Graeia, das Leben wird dich umfluten, aber wo du stehst, da wird nur eine winz.ige Insel sein,“ Nun setzte sich Graeia, die bisher auf einen Stuhl gesessen hatte, aufs Bott und nahm selbst die Hönde ihres Mannes. Sie waren kalt und leblos, sie waren fremd. Sie neigte sich über den wieder in die Kissen Zurückgesunkenen und küßte seine Stirn. Audi sie war wie Marmor, den die Sonne nicht mehr trifft. Er sprach weiter: ״Du Glücklich-Unglückliche, du ernporgeworfenes Kind, du wirst wandern. Wohin? Ueberallhin! Die Weisen haben oft das menschliche I/eben mit einer Reise verglichen, aber deines wird wirklich eine sein. Denn du hast die offene Auflehnung gegen das Unrecht in dir, sie wird dich immer weiter treiben. Und überdies werden dich die unglücklichen Juden aus der ganzen Welt rufen — nein, nein, nein, du wirst nicht sitzen und warten dürfen, du wirst, eine echte Jüdin, umhergetrieben werden.“ Dann warf er sieh hoch wie in einem Krampf: ״Ach, Gepriesener, warum hast du mir als ans Gelobte Land nur das Grab zugeteilt, die enge Grube und ein paar Bretter — und dieser hier soviel Welt, zuviel Welt!“ Graeia beschwor ihn, sieh nicht zu versündigen. Sie fuhr fort zu sprechen: ״Francisco, du sollst nicht an deinen Tod glauben, du darfst nicht Wer den Tod nicht fürchtet, der fürchtet das Leben. Aber du warst doch nie furchtsam. Du hast os mir doch ohne Worte gezeigt, du hast mich gelehrt, ohne Furcht zu leben.“ Aber Francisco war von seinen Gedanken nicht abzu- Bringen: ״Ich sterbe — das hat Gott, den ich auch dafür preise, über mich beschlossen. Ich will nicht sündigen wider seinen Willen. Aber noch mehr preise ich ihn dafür, daß er dich wei(erleben lfißt, dich und Reyna, meine zwei lieben Kinder.“ Graeia warf sich über ihn: ״Laß mich nicht allein, du Vater du! Ich fürchte mich, ich fürchte mich, wenn du nicht bei mir bist. Zuviele Mächte sind wider uns, wider uns Juden, und alle werden sie sich auf mich stürzen, weil ich reich sein werde, und werden mich erdrücken, wenn du mir nicht mehr beistehst. Deine Augen haben mir Kraft geschenkt, dein Schweigen hat Palästina dienen, ihr greifbares Vermögen nach Palästina zu überführen. Die Geldbeträge der Gläubigerin fänden dabei zum vollen Kurse oder doch nur mit einem geringen Abschlag Ver- Wendung. Fallen der Gläubigerin Geldbeträge jedoch erst nach der Auswanderung zu, so fließen diese auf sogenanntes Sperrkonto, wodurch sie einen Kursvrrhist erleiden würde. Dieser Verlust wäre aber unvermeidlich, wenn dem Schuldner die einstweilige Einstellung zugebilligt wird, weil alsdann der Abschluß des Zwangsvcrsteigerungsverfahrens voraussiebfiieh nach der Auswanderung liegen würde. Dazu komme die für die Gläubigerin immerhin eintretende Erschwerung und Verteuerung des Verfahrens zur Weiterverfolgung ihrer Ansprüche, falls das Verfahren snifer vom Allslande her noch fortgesetzt werden so!1. Verwirkung des Verkehrsrechts einer arischen Mutter In einem in der Zeitschrift ״Deutsche Rechtspflege“ vom 25. Februar veröffentlichten Beschluß vom 29. Januar hat das Amtsgericht Berlin-Lichterfelde das Recht einer geschiedenen arischen Mutter, mit ihrem Kinde zu verkehren, wegen ihrer Beziehungen zu ihrem jüdischer! Verlobten als verwirkt erklärt. Die Kindesmutter hatte am 13. Dezember 1935 vor dem Landgericht Berlin den Antrag auf Befreiung vom Ehebruchshmdeniis gestellt, um die Eheschließung mit dem jüdischen Verlobten unter Berufung auf dessen Frontkiimpfereigenschaft erneut zu erreichen. Das Gericht sali als erwiesen an, daß zwischen beiden noch heute nahe Beziehungen beständen. In den G r ü n d e n des gerichtlichen Hesel־ 11 Uss es heißt esu.a.: ־Kim,, 80 f irtu! ul ra י• •enwü Uhl h.ti! dehidc M u* 1׳ m verdient das ihr zustdu '•mle Ve! ke hrsret 'lu. am Kinde n i e ii t m e h r und hat, da sie -u ■h <׳ {־!■en f u n d a n! 0 11 t a 11 (Lu! idn.OZC des nationalsozialis! w:.:h en St aai cs vci 1; an״en hat, du; ihr Zil-U'ht •11• ic Verkehrsrecht in A nwe ■mlum■׳ de י in § 1m• 0 H׳A R. ende: -en Rechts־! in £1־t Linke! ls v e 1 w 1 r l; . ». 1 ״ ’M- < L!ich 1 hm;e 7m \ fies ׳.!ha w;1!■:!in Verkehmrct ■ms. um die S ih.wcie des \ ‘cou-K. dt? Km!<■■•!nuMer ־ zu keniizc’i ahne: 1 und dl׳'“ .'r d:i8 StndAi ndi-c ih! e- Ve! haken.-, vor Aumm zu iiih! ren. י’ Bei d ieser Sach! a״e i .st eine Eine1 uvhiku nden Vt 1 k׳'h׳ -rechts nirht allst ri־'hn ־,() L־1■ 1 B־־i dem i׳ner!1; ׳aisaim n der Kindesnmner 11׳i t B. nt< in ahz Urt'hen i--t, w arm e he.,־ L eziei,linken ein Ende finden. '! um Si ■hin /.׳■■ den Kindes 5 or art׳, Iremde r iKein! in- -unu׳ ist. viclmel 1r di e v ö llo; : ׳״Tuiunii! -ein .n Mu ter und Kind erforderlich und auah Rh kיi׳ h! "auf diiä Int cm;.. -e des Kindesraters, wel eher allein so!m ,Ihme>'h' it i t, Itter! i!׳t Das K ind seih- •t ha! n.U'h!d;nih Indier Aneal >e des Vaters ■niemals nach der Mu•: er Mf'ir.iyd uiu 1 nie m;» 1 s einen Wunsch nach einem Zu sintiiK ־nknmmcii mi* ihr LH'allf'ort Nach § 16S0 BGB, verwirkt der Vater die elterliche Gewalt, wenn er wegen eines an dem Kinde verübten Verbrechens oder vorsätzlich verübten Vergehens zu Zuchthausstrafe oder zu einer Gefängnisstrafe von mindestens sechs Monaten verurteilt wird._ Vom Rabbinerssohn zum Mlnenmaenaten. Wie uns aus Johannesburg (Südafrika) geschrieben wird, starb dort vor einigen Wochen der Minenmagnat Sir George Albu. Ais Sohn eines deutschen Rabbiners geboren, hatte er seihst nur lose Beziehungen zum Judentum; seine Tochter heiratete den anglikanischen Bischof von Pretoria. Trotzdem hat er für seine Person aus einer Art von Stolz die Verbindung mit dem Judentum nicht formell gekäst, weil ilnn das als ״Fahnenflucht“ erschienen wäre. Er unterstützte auch jüdische cliaritative Werke, hielt sich aber von jedem Hervortreten in der jüdischen Oeffentlichkeit streng zurück. In der deutschen Gesellschaft Südafrikas spielte Sir George eine große Rolle, und der Deutsche Club in Johannesburg hat anläßlich seines Todes halbmast geflaggt. In der ״Deutschen Afrika-Post“ wurden in einem Nachruf seine Verdienste um das Deutschtum hervorgehoben. Dabei wird u. a. berichtet, daß in den letzten Jahren (nach 1933) deutsche Damen bei Geklsammjungen für deutsche Zwecke nicht mehr an Albu herantraten, er jedoch sich freiwillig bei ihnen meldete und größere Summen für deutsche Einrichtungen spendete. — Dieser Berieht aus Johannesburg enthüllt ein merkwürdiges jüdisches Einzelschicksal und zeigt die kuriose Vcrschlungeiihcit der Wege, die über die Emigration manchmal zwar zu Wohlstand, aber auch oft aus dem Judentum iieransführen. mich umgeben wie ein Zeit bei Unwetter. Jetzt weiß ich es, daß ich nichts mehr sein werde, wenn du nicht mehr bist“ Ueber Franciseos Gesicht zog ein Lllcbeln: ״Du Kind, rlu sprichst vom Nichtmciirsein wie von etwas Gewaltigem, leb aber habe mich mit dem Tod vertraut gemacht und weiß, daß er etwas ganz. Kleines ist, von uns aus gesehen. Was er von der anderen Seite her bedeutet, das wissen wir nicht., das stellt in des Höchsten Ermessen. Vermesse dich deshalb nicht, meinen oder irgendeinen Tod zu überschätzen, solange noch ein Mensch auf Erden ist, der den göttlichen Willen Vollstreckern kann. Solange jener Mensch noch lebt,!ehe ich mit ihm. Denn er ist meines Geistes. Mit dir, mein Kind, werde ich leben und in dem Kinde Reyna. Ihr seid nicht allein.“ Francisco war erschöpft. Sein Kopf lag in den Kissen, wie wenn er aus!.oder wäre. Der Kranke atmete in kurzen Stößen.• Schweiß trat ihm auf die Stirn und auf die Hände, die gelb auf der Decke lagen. Die Augen waren geschlossen, aber die Lider zilterton. Graeia hatte sieh erhoben und sah nun auf ihren Mann wie auf einen Toten. Sie fühlte zuerst ihren Rücken, dann den ganzen Körper kalt; werden. Aber sie stand fest auf ihren Beinen und meinte, sie müßte und könnte lcich von diesem Bott weg ihre Wanderung beginnen. Sie Heb stellen wie angewurzelt. Der Mann begann, ohne die Augen zu öffnen, zu sprechen. Die Worte tropften leise von seinen weißlichen Lippen: ״Graeia, wenn du fort gehst, aus Portugal, nimm mich mit Hier werde ich als Christ, der ich nicht bin, in die Erde gelegt. Hol mich wieder heraus und gönn mir eine Ecke aut dem Schiff, auf dem du übers Meer fährst Das versprichst du mir doch?“ Er öffnete die Augen und sah sie an. Sie nickte leise. Dann fuhr er wieder mit geschlossenen Augen fort: ״Ich danke dir, mein gutes Weib. Noch einen Wunsch habe ich. Laß meine sterblichen Reste in deiner Nähe, solange du. wanderst, laß sie mit dir wandern. Wenn du aber deine Heimat gefunden hast, wenn der Allmächtige, gepriesen sei er, dir ein Land und ein Dach zugewiesen hat, in denen da zu leben und zu sterben gedenkst, dann laß mich dorthin bringen, wo unsere Vater groß und glücklich waren. Begrab mich in Zion! Mein Leib soll in die heilige Erde eingehe«. Wirst du mir dazu verhelfen?“ Wieder öffnete er die Augen, wieder empfing er das stumme Versprechen Gracias. Dann sprach er leise einen Psalm vor sich hin. Graeia konnte nicht mit ihm beten, sie war selbst matt wie eine Sterbende. (Fortsetzung folgt)

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