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Jüdische Rundschau · 1936-03-03 · Heft 18 (3.3.1936) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 18 (3.3.1936)
Date
1936-03-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 18 3. III. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU 3 ״1‘״5 Holland und die Einwanderung ״Deutsche und jüdische Physik“ Ein Reisebericht K. Amsterdam-Den Haag, Ende Januar 1936 . Wer, die Grenze überschreitend, den Wohlstand dieses kleinen Landes, seinen Fleiß, seine Unternehmungslust hewundert, gibt sich oft nicht sofort Rechenschaft, daß hinter der Außenseite eines unerschiitterten Wohlstandes Holland zur Zeit mit schweren, noch ungelösten Krisenproblemen zu kämpfen hat. Die Schatten einer stagnierenden Industrie, einer wachsenden Arbeitslosigkeit, die heute mehr als 5«.! der Bevölkerung umfaßt, verdüstern das Bild. In Holland scheint der Tiefstand der Krise noch nicht überwunden zu sein. Aber diesen Krisensorgen stellt das holländische Volk in seiner Mehrzahl seinen unerschütterlichen Optimismus und seinen ruhigen Arbeitswillen gegenüber. Seiner großen Tradition ist Holland trotz der eigenen Nöte auch in der Behandlung der Frage der jüdischen F.in- Wanderer treu geblieben, die in den Jahren 1933 bis 1936 aus Deutschland nach Holland gekommen sind. Kein Zweifel, daß die Einordnung von Tausenden von Einwanderern angesichts der akuten Wirtschaftssorgen in Holland ein besonders schwieriges Problem darstellte. Eine restlose Einordnung dieser Einwanderer, deren Zahl auf 8000 bis 10 000 geschätzt wird, ist daher nicht möglich gewesen, und man kann annehmen, daß für mehr als die Hälfte von ihnen Holland nur eine Durchgangsstation gewesen ist. Die warme Aufnahme, die die Einwanderer fast ohne Ausnahme hei der holländischen Bevölkerung gefunden haben, sollte bei dem jüdischen Volk unvergessen bleiben. Gewiß, auch in Holland sind unnötige Härten vorgekommen, aber sie sind niemals zum System geworden und wurden durch das Eingreifen der hohen Verwaltungsstellen bald wieder ausgrglichen. Wenn die Behörden zwar den Versuch unternahmen, die Belastung des Arbeitsmarkfcs durch die Emigranten mögliehst zu verhindern, so haben sie sich der Einsicht nie verschlossen, daß die vielen wertvollen Kräfte unter den Ein- Wanderern eine Bereicherung des intellektuellen und wirtschaftliciien Lebens in Holland mit sich brachten. Die sachgemäße Behandlung des Einwandcrcrproblerns in Holland ist natürlich nur möglich gewesen, weil das lioiländische Judentum selbst den Schutz und die Vertretung der notleidenden Stammesbrüder in die Hand genommen hat. Die Entwicklung in Holland zeigt deutlich, daß die Aufnahme der jüdischen Einwanderer aus Deutschland in jedem Lande entscheidend von dem Verhalten der eingesessenen Juden bestimmt wird. Die holländischen Juden haben — anders als z. B. die Mehrzahl der französischen Juden — in der Zeit der Not ihre Brüder nicht verleugnet. Nicht weniger als eine Million Gulden sind in Holland zugunsten der Einwanderungshilfe aufgebracht worden, ein für die relativ geringe Zahl der in Holland lebenden Juden (ca. 110 000) sehr erheblieber Betrag. Wenn naturgemäß der größte Teil der Gelder zur Linderung der unmittelbaren Not verwandt wurde, so ist andererseits festnistellen, daß das holländische Hilfskomitee eins der wenigen gewesen ist, das von vornherein große Beträge für produktive Eliichtlingshilfe zur Verfügung gestellt hat. Nicht nur ist in Holland in großem Maßstabe die Um- Schulung (Winringen) gefördert worden, sondern ein weiterer Teil der Gelder wurde von Anfang an als Darlehen für die Existenzgründung der Einwanderer zur Verfügung gestellt. Es besteht zur Zeit der Plan, diese Art der produktiven Hilfe in Form einer Darlehnskasse zusammenzufassen. Man darf ferner nicht die große und fruchtbare Hilfe vergessen, die seitens der holländischen Juden gerade den intellektuellen Arbeitern unter den Einwanderern geleistet wurde. Die Erfolge dieser planvollen Hilfsarbeit in Holland stellen eine der positivsten Seiten des im ganzen recht trostlosen Schicksals der jüdischen Auswanderer dar. Auf der anderen Seite ist festzustellen, daß die Erfolge der holländischen Hilfsarbeit sehr wesentlich durch die Struktur der jüdischen Emigration nach Holland erleichtert wurden. Diese Einwanderung nach Holland bestand in ihrem überwiegenden Teil aus unpolitischen Personen, unter denen sich außerdem zahlreiche vermögende befanden. Dies hat nicht nur den holländischen Juden die Verteidigung der Hilfsarbeit gegenüber Angriffen erleichtert, sondern hat zu gleieher Zeit die Einordnung der mittellosen Einwanderer erleichtert. Ein erheblicher Prozentsatz der letzteren konnte in neugegründeten Betrieben der Emigranten neben den holländischen Kräften Beschäftigung finden. Der Erfolg der Gründungen von Ernigrantenbetrieben in Holland wird im allgemeinen recht günstig beurteilt, soweit diese Gründungen von vornherein mit ausreichenden Kapitalien unternommen wurden. Kleinkapitalisten haben dagegen auch in Holland oft ein bitteres und unwiderrufliches Lehrgeld zahlen müssen. Die gesellschaftliche Einordnung der deutschen Juden aus Deutschland stellt jedoch noch am Anfang. Die Aktion der holländischen Juden zugunsten der Einwanderer ist von den besten Traditionen jüdischer Wohltätigkeit getragen worden. Aber andererseits sind auch in Holland Anzeichen einer gesellschaftlichen Verschmelzung der eingesessenen und der eingewanderten Juden nicht zu erkennen. Die tiefgehenden Milieu-Unterschiede sind noch nicht iiberbrückt worden, und die jüdischen Einwanderer aus Deutschland sind in der großen Mehrzahl gesellschaftlich isoliert geblieben. Neben den Schwierigkeiten, die sich wohl der Einordnung jeder Einwaudcrungsschicht enlgcgenstcllen, kompliziert in Holland der religiöse Gegensatz zwischen Eingesessenen und Ein- Wanderern den Vcrsclunelzungsprozeß. Während die Mehrzahl der Einwanderer aus Deutschland nur noch lose religiöse Bindungen hatte, bestenfalls der religiös-liberalen Richtung angehörten, steht die Mehrzahl der holländischen Juden auf orthodoxem Boden. Ihnen erscheinen daher die Einwanderer als ״schlechte Juden“, und die Tür des holländisch-jüdischen Hauses bleibt ihnen verschlossen. Diese bisher unüberbriiekte Distanz zwischen den eingesessenen und den eingewanderten Juden hat vielfach die merkwürdige Folge einer ״Entjudung“ der Einwanderer, die sich — da sie keinen moralischen und gesellschaftlichen Rückhalt im holländischen Judentum finden — an die nicht-jüdische Umwelt assimilieren. Diese ״Neuassimilation“ von jüdischen Menschen, die durch ihr Schicksal eben erst zum Bewußtsein ihres Judentums zurückgeführt worden waren, stellt die jüdische Erziehungsarbeit in Holland vor wichtige Aufgaben. Selbst m den zionistischen Kreisen ist eine Sondcrgruppierung der eingewanderten Z10nisten aus Deutschland zu verzeichnen. Die bisher relativ zufriedenstellende _ Lösung des Ein- Wandererproblems in Holland darf aber nicht den Eindruck einer unbegrenzten Aufnahmefähigkeit Hollands erwecken. Holland ist ein kleines Land und seine Kapazität ist dazu im Augenblick der Wirtschaftskrise geringer als in Vor einigen Wochen berichteten wir über den Aufsatz eines Studenten im ״Völkischen Beobachter“, der sich mit dem Unterschied zwischen deutscher (anschaulicher) Denkweise und jüdischer (abstrakter) Denkform beschäftigte (vgl. ״J. R.“ Nr. 9 vorn 31. Jan. 1936). fn diesem Aufsatz war auch der bekannte nichtjüdisehe Physiker Prof. Heisenberg unter den Gelehrten genannt worden, die in jüdischer Art Physik treiben. Im ״V.» B.“ vom 28. Februar nimmt nun Prof. H e i s c n b e r g zu diesen Ausführungen Stellung und legt die Bedeutung der theoretischen Forschung für die naturwissenschaftliche Erkenntnis dar. Die Redaktion des ״V. B.“ erklärt dazu, daß sie sich mit Heisenbergs Ansichten ״in keiner Weise einverstanden erklären“ könne und darum Prof. Stark zu einer Erwiderung aufgefordert habe. Prof. Heisenberg schreibt: ..Pas Ziel der Nalmforschung ülx-rhatipl Pt nicht nur die läo!) a 1• i! t 11 11 g der Natur, ,sondern letzten Endes das Ver. 5 t ä 11 d n i s ihres g e s c t z m ä ß i ״ c n Z. u s a m m c n h a n g c s. Pa di.1 genaue tbeorcMsche Vorhersage eines lic-stimmten Phänomens ott dien unhesterhlirhsten Prüfstein für das errephte 's e äcndni.s bildet, so wild in der Pltvök die m;1t henuiß-ehe EonnmP!mg der Nattngesctze als die von allen Unklarheiten gereinigte I'Whi! Iretraeleet. in der unser Verständnis vier Natur dinge,teilt werden .soll. Aber für den eigentliehen Inhalt unserer Natmerkeimtnis Pt diese matla!11:1' s s, he Eornt zu mlieh unwe.-enlheh, enteheldend iür diesen Inhalt sind vielmehr, als Endresultat vieler Beobin runngen, die Begriffssysteme, mit denen wir uns in der Natur zurechtfinden können.“ Unter diesem Gesichtspunkt verteidigt Heisenberg die Quantentheorie und die Relativitätstheorie gegen die in jenem Aufsatz, unter Berufung auf Lcnard (den bekannten Heidelberger Physiker und Verfasser des Buches ״Deutsche Physik“) gegen sie gerichteten Angriffe. Nach einer Darlegung der Bedeutung der Quantentheorie heißt es bei Heisenberg: . ln ähnlicher Weise gilt aiit'h die Relativität.,- theorie als die seib.iverdändUche Grundlage weiterer For-chung, weil sie sieh in allen Experimenten, in denen sie niK'hg.prüft werden kann, bis in alle Einzelheiten bewährt hat. Im Krfahrungsmaterad vier Spektroskopie z. B. findet sich ein reicher S.hatz, von Tatsa. hen, die eist durch die Verbindung von Quamcntheode und Rrdabvitatstheone versbvndlirh und!xdiandelhar geworden sind (Mnlnph'U'buktur der Spektrallimen). Die Existenz eitles wichtigen l'.lcnK'iitaib.m tein,, des ,.Po-itrons“, ist auf Grund der Relativität,theorie und der Qmmtenthcoiic schon vor seiner experimentellen Entdeckung vorausge*-agt worden.“ Heisenberg weist schließlich darauf hin, ״um dem Vorwurf zu entgehen, es sei diese Ansicht über die prinzipielle Bedeutung der Physik aus einer in der Nachkriegszeit popuiären Uebcrschät/ung der physikalischen Theorie entstanden“, daß schon im Jahre 1909 Max Planck diese üedankengäuge vertreten habe, und meint abschließend: ״Die Wcilcrfiilirung dieser Entwicklung, von der vielleicht noch die stärksten Einflüsse auf die Struktur unseres ganzen Geisteslebens au-gehen werden, ist eine der vornehmsten Aufgaben der deutschen wissenschaftlichen Jugend.“ Der Ansicht Heisenbergs tritt Prof. Dr. J. Stark entgegen, der schreibt, der Aufsatz Heisenbergs sei geeignet, ״bei Ee״crn, welche nicht physikalische Fachleute sind, den Eindruck zu erweckbn, als ol> die ״roßen Entdeckungen der Physik in den letzten Jahrzehnten eine Leistung der Theorie und womöglich gar der jüdischen Theorie seien. In Wirklichkeit ist die Theorie an ihnen nur in ganz geringem Umfange beteiligt. Sie sind fast ausschließlich hervorgegangen aus der sorgfältigsten Beobachtung und Messung der Experimental p hysikc r“. Stark weist daun auf eine Reihe physikalischer Ergehnisse hin, an deren Erforschung die Theorie nicht beteiligt sei, und er fügt hinzu: ״Selbst die an und für sich anerkennenswerte theorclischc Leistung der Entdeckung der Plancksehen Konstante ist nicht ohne die entscheidende Vorarbeit der Experimentalphysik erfolgt.“ Was schließlieh Einstein betrifft, schreibt Prof. Stark: ,,Einsteins Relativitätstheorien werden von kernein ftuelubarem Expenmentalphvdker irgendwie zürn Ausgangspunkt von Arbeiten gemacht und alle ihre Behauptungen -sind noch heute experirnenteH umstritten oder sogar als unzutreffend erwiesen.“ günstigeren Jahren. Auf der anderen Seite sind die verantwörtlichen holländisch-jüdischen Kreise der Ansicht, daß für eine beschränkte Anzahl von Einwanderern nach wie vor Möglichkeiten für einen Existenzaufbau in Holland vorhanden sind. Es ist hier vor allein an Einwanderer gedacht, die über einige Kapitalien verfügen und in der Lage sind, sich entweder selbständig zu betätigen oder in bestehende Unternchmungen einzutrctcii. Für mittellose Einwanderer sind die Eitiordmingsmöglichkcite/1 erheblich geringer, insbesondere erschwert die neue holländische Arbeitsgesetzgebung die Besetzung von Arbeitsstellen, die evtl, von holländischen Arbeitsloser! ausgefüllt werden könnten. Sorgfältige vorherige Prüfung der Einordnuiigsniöglichkeiteii ist datier t׳ie unentbehrliche Vorsichtsmaßregel, die jeder, der die Absicht hat, nach Holland einzuwandern, erfüllen muß. Seitens der holländischen Hilfskomitees kann er auf sorgfältige und wohlwollende Prüfung aller Möglichkeiten rechnen. Benoit-Levy über ״Land der Verheißung“. Jean Benoit- Levy, der Schöpfer des französischen Films ״La Matern c II e“, bemerkt in einem Brief über den Film ״Land der Verheißung“ 11. a.: ״... Dieser Film zeigt den beispiellösen Kraftaufwand, den man aus Erzählungen und Berichten über Palästina wohl ahnte, den aber erst der Film in seiner ganzen Wirklichkeit und Wucht offenbart. Dies ist ein Hymnus zum Ruhme der energischen Pioniere, die diese Erde erneuert haben. Ein Beispiel, was die Energie des Menschen vermag, wenn sie von einmütigem Wollen und Handeln gelenkt wird. Und darum glaube ich eben, daß man die Wirkung dieses Films nicht abschwächen soll, der eine Botschaft an alle Menschen ist. Am Tage, da diese Botschaft verstanden und befolgt wird, wird der göttliche Wille verwirklicht sein: ,Es wird nur ein Volk auf Erden geben‘.“ Prof. Stark fährt dann fort (im ״V. B.״ gesperrt gedruckt): ״Tfeisenf*.\rg־ vertritt in seinem Artikel auch heute noch die G r u n d e i t! s t e 11 u n g der jüdisch <:■ n P 11 v s i k. ja, er erwartet. .xngar, daß die jungen Deutschen 1Uי ' Grundem-tellung sich zu eigen machen und sich Einsicht und de--en Gtno-sen zttru wissenschaltiichen Vorbild nehmen. Er sieht nämlich die Quelle der physikalischeu Erkenntnis und auch ihr Ziel in ״Bt'giiticystcmen“ und spricht von einem Sieg der neuen Begriffs wä eine.“ Stark betont weiter, daß die Quelle der physikalischen Erkenntnis die Erfahrung auf Grund von Beobachtungen und Messungen ist; demgegenüber müsse ״die so anmaßend auf Ire: ende Theorie in ihre Schranken / <1 1 ii : k v!■ r vv! c 5 e n vv e r!1 e n mit der Feststellung, daß die Theorie in der 1‘hvrik nur eine Methode, ein rechneri.sdie.s und dar- .stellcrisäiex Hüfsmiltel ist, und es muß gefordert weiden, daß die Art von l’hv-ik, dir die .T h llekenberg einwt/.t, nicht weiter wie bisher einem inaßgeixinden Eintiuß nehmen darf aut die ]Besetzung der physikalischen Lehrstühle.“ Prof. Stark schließt seinen Aufsatz: ״Der Artikel von dem S:udicumden Menzel Et ein erfreu- 1 i c h e s /,ei e h c n d a i ü r. d aß s i e 11 d i e j u n g e n Deuts c h c n d e m E i n f 1 u li d c r j ü d i .-> e h e n I' 11 v י '. k entziehen und in demjenigen (.eiste Phe-ik siutheien wollen, aus dem Lenard in seinem küi/’e h ei'-riurneiwn 1,ohrbuche ״Deutsche Phvsik“ die phv-äkalErhc WnkbchM it ohne dis1 ״n! urn Begriffs- Systeme“ darstelh.“ Zu demselben Gegenstand bringt das ״Berliner Tageblatt“ vom 1. Mar/ einen Aufsatz von Robert W i e m a n 11 über ״Die Rechte der Physik“, in dem stell der Verfasser g c g e 11 11 e 11 V e r s 11 c 11 einer S e h c i d u 11 g 7 xv i s c 11 e 11 j ü d i s c 11 e r u n d <1 e u i s e 11 e r Physik wendet. Die modernen Theorien hätten sich keinen Einlaß in die Wissenschaft verschaffen können, wenn nicht die Narb- Prüfungen günstige Ergebnisse gezeitigt hätten. ״Der Aufbau der Phvsik ist keine Sache des Glaubens, er vollzieht sieh in hartem Ringen um Erkenntnisse, bei dem jede! 1 ortschritt willkommen ist. Cur den Naturwissenschaftler i-4 allein maßgellend, ob eine Theorie richtig oder falsch ist. Gewiß kann inan auch ein Physikbuch schreiben, ohne du sc Theorien zu berücksichtigen, nämlich wem! man vor malen I oischungen die Augen verschließt. Die neuen 1 iieorien der Physik sind weit davon entfernt, endgültig zu sein. Aber ein Verzieht aut sie wäre, ohne bessere an ihre Stelle zu setzen, ein Ruckschritt zur Primitivität.“ ♦ ln die w i s s c n s c h a f 11 i c h e I hkkussion über die riehtige Grundlegung der Phvsik können Niehtwissciiscliaftlcr selbstverständlich nicht emgreikn. Die Frage, um die es sich hier handelt, ist aber eine viel weitergreifende, die in ähnlicher Form auch außerhalb des Rahmens der Physik auftritt. Es handelt sieh um den Gegensatz von ״Anschauung״ und ״Begriff“, um die Gegenüberstellung von konkret und abstrakt, von Erkenntnis aus Erfahrung und Erkenntnis aus Denken. Dieser Gegensatz durchzieht die Geistesgesehichte aller Volker und Jahrhunderte und ist imseres Erachtens nicht auf die Formel einer Gegenüberstellung von ״deutschem“ und ״jüdischem“ Denken zu bringen. Wir finden schon in der Philosophie der alten Griechen diese beiden Elemente und damit verbunden die beiden Typen menschlichen Geistes. In der heutigen Zeit glauben wir sagen zu können, daß auch viele Juden die Bedeutung von Anschauung und Erfahrung voll würdigen und sogar das Konkrete gegenüber dem Begrifflichen stark betonen. Auf der anderen Seite beweist schon die Stellung von so bedeutenden niditjüdischen Gelehrten wie Planck und Heisenberg, daß die Theorie keineswegs ein jüdisches Monopol ist. Ohne die Bedeutung der nationalen und blütgemäfkn Komponente für die Besonderheit eines Deukers oder Forschers zu leugneu, möchten wir vom jüdischen Standpunkt der Meinung Ausdruck geben, daß cs sich bei der hier angeschnittenen Kontroverse um eine sehr wichtige I rüge handelt, die aber nicht durch das Auftreten einer spe/ifisch ״jüdischen“ Denk form erzeugt wurde. Gegen Belästigung jüdischer Kaufleute in London London, 27. Februar. (JTA.) In der Sitzung des Unterhauses vom 27. Februar fragte der Abgeordnete von Bethnal Green, Dan ß 11 .ו t e r, den Innenminister, ob er die Polizei beauftragen wolle, vorbeugende Maßnahmen gegen die B e I a s t i g u n g tt!1 d V e r f o 1 g 11 n g j ü d i - scher Kaufleute in dem Wahlkreis bethnal Urcesi durch faschistische O r g a!1 i s a! 1 o 11 c1 n zu tt eilen. Innenminister Sir John S i in <« 11 antwortete, er schenke dieser Angelegenheit größte Aufmerksamkeit und Italic sich darüber mit dem Poli/eikommissar der I laupMadt beraten. Wenn es auch schwer sei. manchmal den Ursprung der Angriffe zu entdecken und die Angreifer zu fassen, so könne es doch nicht geduldet werden, daß irgendein Teil der Bevölkerung solchen Methoden ausgesetzt sei. Der Abgeordfiele könne versichert sein, daß die Polizei alle er f Orderliehen Schritte unternehmen werde, um solchen Methoden in diesem Lande ein Ende zu iiiacheri. Aut eine Frage des Abgeordneten W a t k i r! s, ob diese Antwort sich nicht nur auf Bethnal Green, sondern auch auf g a n z London und insbesondere auf 1 lackncy beziehe, antwortete Sir John Simon, es handele sich um einen allgemeinen Grundsatz. Die Londoner Polizei hat nach den im Unterhaus abgegebenen Erklärungen energische Maßnahmen getroffen. Der Londoner Poiizeichef hat bekanntgegeben, daß jedermann, der antisemitische Reden halten würde, verhaftet werden wird. Diese Ankündigung erfolgte im Zusammenhang mit der Vernehmung des Propagandaleiters der British Union of F a s c i s t s, der wegen judenfeindlichcr Aeußerungen bei einer Versammlung in Nordost-London verhaftet wurde. April bis Juni 1. und 2, Klasse V. Sonderfahrten der ״KARLi 1 CA MARI JA“ (17 500 To.־Luxusdampfer) IN DEN FRÜHLING NACH PALÄSTINA 507. 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