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Jüdische Rundschau · 1936-03-03 · Heft 18 (3.3.1936) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 18 (3.3.1936)
Date
1936-03-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nf. 18, 3. III. 1936 erteilt, — eine unbegreifliche Haltung seitens der Re* gierung, die für Ruhe und Ordnung im Lande und für Unterbleiben von Unruhen zu sorgen hat. Gewiß lag es dem Unterstaatssekretär fern, den Arabern den Rat zu gewalttätiger Propaganda geben zu wollen; er begründete vielmehr gegenüber den Angriffen der Lords eine Maßnahme der Regierung, die jeder Unzufriedenheit und den daraus sich ergebenden möglichen Folgen (die man jetzt erst in Syrien zu sehen bekam) Vorbeugen wolle. Was aber, wenn die Araber doch nicht zufriedengestellt werden können? — und es besteht die Aus- W ie kürzlich berichtet wurde, hat Kurt Tucholsky, der auch unter den Namen Peter Panter, Ignaz Wrobei, Kaspar tlauser und Theobald Tiger in Zeitätigen und Zeitschriften (besonders in der Berliner ״Weltbühne״) schrieb und auch eine Reihe von Büchern publizierte, in Schweiler, freiwillig seinem Leben ein Ende gemacht. Wir haften gegen Tucholskys Haltung zu deutschen urtd zu jüclisehen Fragen sehr viel einzuwenden; er war für uns stets ein charakteristisches Beispiel eines durch die Assimilation zwiespältig und, bei aller satirischen und schriftstellerischen Begabung, wurzellos gewordenen Juden, dein für tiefere Zusanunciihangc von Religion, Volkstum, Geschichte das Vorstäminis und die Ehrfurcht fehlten. Seit 1933 ist Tucholsky aus der ()Öffentlichkeit verschwunden, und wir würden — insbesondere angesichts der Majestät des Todes — nicht in eine Auseinandersetzung mit ihm eintreten, wenn nicht jetzt ein Biicf von ihm hekanntgeworden wäre, der ein wahrhaft erschütterndes t!״kument nicht nur persönlicher Art ist, sondern darüber hinaus die jüdische Situation einer bestimmten judi-clten (leneratiou beleuchtet, die vor sich selbst auf der Flucht war und schließlich ihren Zusammenbruch ('tugi'-dehcii mußte. Wir wollen um; nicht dem Vorwurf aussetzen, daß wir einem «liehen Zeugnis aus dem Wege gehen. So peinlich und ];einigend für uns der Einblick in diese geistige Verfassung ist, so durfen wir an ihrer Tragik doch nicht vorüber sollen, denn nur, wein; wir unbarmherzig auch den PlKmonirmai de-, jüdischen S e I b s i 11 :ל ו s e s und •der Selb s t- 7. e r s t o r;! 11 g ins Auge sehen können, werden aus der Assimilation kommende Juden das finden, was uns nottut: den echten Lebenswillen und die Genesung durch ein Zuruckiimicii zu unserer eigenen Art.!)er Biicf '1!jcholsl.r - ist in der Berliner Zeitschrift ״Das Schwarze Korps״ vom '27. Februar veröffentlicht (eine Duelle ist nicht angegeben). Er ist au Arnold Zweig geric litet, ans Zürich vom 13. Dezember 19)5 datiert. Tucholsky schreibt darin: ..s! ׳ o׳.׳], Ih-Bt Zw,ng, ciimr der so sohnnen SrhrifisirlKr, di,’ eine Kritik so aul L׳n1011r1n1]׳ haben, wie sie gemeint gewe-eli ist, n.imlieh foaimBebai'lli■ h. I). -!0,111 möi'h!■; ich Ihnen ohva.1 schreiben, das Vmtu:z int! Ihtein WVik, viel mit Ihrer Anschauung zu tun hat — es n>!!!<׳! snl! nit h! au :׳•!ר, aht׳r ich spn.'flip zu Ihnen. Ich bin im Jahre 19JJ ״aus dem Judentum ausgetreten", und ich weiß, daß man das gar nicht kann. Sic wissen, dalli damit keine* Konjtmklurrieclicrei verbunden gewesen ist — t־m Jud<־ hatte es im Kaiserreich erträglich, ein Konlessimidoser niehl. Warum aho tat ich das? Ich habe es getan, weil ich noch aus der frühesten Jugendzeit her einen unauslöschlichen Abscheu vor dem gesalbten Rabbiner hatte ... Wendriner war damals noch nicht geboren. Doch — aber er hatte noeh keinen Namen. Als« heraus, Anii*־׳mif 1 ■imm habe ich nur in den Zeitungen zu spüren bekoimm.'m im FfF!•״ nie. Mit dein feinen Instinkt, der die Burschen aus/cirhnrt, h:d!(•!! mich sh'b־ Leute nicht für einen Juden «rehidten, was ich nu ht gm. hmeu־}ie!t nnmmko, sondern belustigt. In dreienthalb Jalm-n Miliiar!acht. Zu!<׳Ut war ich PoK/.־׳tkommisi;ar — auch nullt di•■ Spur י in-־- Ituirlms murr Idee. Ich habe mit den Kwler. im h.oi;.-׳'!'!■־י-׳־ג ׳׳.«, vm■ mir •■im* gut׳• Kenntnis d**s Milieus für spjU-r : ■־.׳■וי!:■ i!t h.ii —!?יי!• war zu spüren. 1• h spreche also hiebt;1111 11׳-"•׳ . Amh gh :!i-!1! zu d*11׳ l■1 f!mibii j 11 d 1 s c h e n Antisein 1 t i! n, i. ׳■}•,•!!’;!! ,! - I i n a 11.1 u!יי■ ich nur keinerlei!,»e* iDuf.ii:!:׳ —: L1 ׳ j k־?־.; ״• de■ \Vr’ultm-׳ü rdejit, Zwt-ierlei fallt mir aul: l>:«s Dt k'-in iu׳'1[)'11׳r >4.11,״. •?ntidcru eine englische Kolonie, in ־י 1 יr dp: Jmi!־r! -׳- w F u!1t!־r I'unlius Pdalus — eine Ie dl!‘ spn!חי. di1׳ mir nnlit schm׳.׳!•,{, und vs׳־׳!id mimehcm JuiIen do!i.!!!!!ס׳ au׳ h!?'■?:, Z־e׳i'.-io: du.: dwiitsMten Juden, di(' (FFl hat'׳ durf', :; nur!!׳,:!.־?׳׳-, m ,־•;!;! sh■ sUH ihrr*- (edd״׳- eine AhiiedüiiiZ mit h׳׳: e:-n!!.;<!•■!!. l״d d<־r Palästina mit dpu!.'<i1,T41 Waren tdc'P-ö lOV* pßbj M i! D-׳׳h d.. - > a r h e der X iui! i י len, und da ich nicht millii• , h« hm-!• h mi 1 U'tde le ׳'!!!, zu k!!i 1׳;h• r׳-n. Wohl aber darf ich Ihm ־, m " ־ Mac >h׳?׳\u1׳< h:>; i ..;er (d!!׳o (1״»־ •׳! hi ׳_׳ en ׳,u, aber nicht hosie!.־!• u I!' o. -; V!:1. Arih'ld Xw'-ij, d.r- 1-1 niidil wahr. Das J ü d e n l u m 1 > I If!■ 1 צ e h י ... und י״י Dt am 1! iim'IiI vsafir, da IS tu s׳ st J.dii 1 111 ׳ ייnl u k mp׳!!, Fk mipfl e!״ n mehl. Di•׳ Kman/.ipaleaj d׳׳r j־;l e Ff t,׳;:hl di- Wmf p'ü Jud!־n. J)F>e IF'jV* inng ist?! 11 du r!1 dur׳h dm Frati/ü-1-clie le \oiution, aFu von Nichtjud>! 1, ::י״ ׳ h■! kl w׳u:d«11׳ s|t׳ h.ih'Ui nicht dafür ׳,.׳‘kämpft. Das hat M<h l1 ׳ •׳ .a Fl . . . Mm hat 1! hm; 111״׳" i!au׳׳ »mi iaul׳׳ Frklai'ung nie gefalle*!, mit ■ I ׳ ׳ r mau »ui! ׳■:■ו• Flf 31.it: dm t;];<־ 1 \ ׳, juden im sechzehnten Jahrhundert kmiMcn ni'dits anderes, sie waren!.»cclrückt, man ließ lie ja nichts andי••! ׳ als schachern. -Nein, liebe Freunde. Ghetto ist keine Folge — Ghetto ist Schicksal. Eine Herren־ rasse wäre zerbrechen diese da ״müssen doch leben". Aber |;ä׳M!1 wir die m?n׳Ja!!«u ]irhr71 Juden — nehmen wir die von heute, die v.!n Deutschland. Der große Moment fand ein klein e s G e s e 11 i e c h t. Wie? Nicht zu begreifen, daß im Marx 1933 der Augenblick gekommen war, in umgekehrter Proportion aus/u/ichen also nicht wie heute einer auf zehn, sondern einer hätte dablciben müssen, und neun hätten gehen müssen, sollen müssen. Hat sich auch nur ein Rabbiner gefunden, der der Führer seines Volkes gewesen ist? Auch nur ein Mann? Ilattcn Sic dem Durchs( dmiltsjuderi im Jahre!?33׳ gesagt, er Hürde Dmifmldand unter Hedimcungen verlassen, wie sie ihm das Jahr 1035 ff. bit-len, er hätte Sie nusgelacht: ,Ich kann doch sicht, daß auch die weitgehenden Konzessionen Wauchopes sie nicht befriedigen werden! Wenn man das alles bedenkt, darin möchten wir fast zu der Ansicht neigen, daß die Schlußbilanz der Bewertung einer solchen Debatte für uns eher negativ als positiv ausfällt, und sollte diese Aussprache auf eine aus zionistischen Kreisen stammende Anregung zurückgehen, dann müßte einmal die Frage aufgeworfen werden, ob es richtige Politik ist, Freunde der jüdischen Sache in einer Situation einzusetz.en, in der der Schlußeffekt doch nur ein problematischer sein kann. nicht Weggehen! (und nun wie ein Spieler) .Ich bin doch ein Ver-!11*11 Was meinen Sie — mein Geschäft . . . Und jetrt schleichen sic heraus, trübi*, verprügelt, pleite, de- Geldes beraubt . . . Heroismus war hier nun auch noch das bessere Geschält. Also warum haben wir diesen Weg nicht gewählt? Mau hat eine Niederlage erlitten. Man ist so verprügelt., worden, wie seit langer Zeit keine Partei, die alle Trümpfe in der Hand hatte. )Vas ist nun zu Sun? Nun ist mit eiserner Energie Sulbsteinkehr am Platze. Nun muß, auf die lächerliche Gefahr hin, daß das ausgebeutet wird, eine Selbstkritik vorgenonuncu werden, gegen die Schwefellauge Seifemvasser ist. Was geschieht statt dessen? Statt dessen,bekommen wir Lohhudcleien zu lesen, die ich nicht mag — Loh der Juden und Loh der Sozis um! der Kommunisten — ,-ie sitzen da und hochachten einander‘, heißt es einmal im Schwedischen ... Statt einer Selbstkritik und einer Seih steinkehr sehe ich da etwas von ,Wir sind das bessere Deutschland' und solchen Unsinn. .Aber ein Land ist nicht nur das, was es tut — es ist auch das, was es verträgt, was es duldet. Es ist gespenstisch, zu wissen, was die Pariser Leute treiben — wie sie mit etwas spielen, was es gar nicht mehr gibt. Wie sie noch schielen ■— wie sie sich als Deutsche f ü h 1 e 11 — aber zum Donner, die Deutschen wollen euch nicht! Sie merken es nicht." Tucholsky erklärt dann, daß er sich von Deutschland endgültig abgewandt und ״nichts mehr damit 7.U schaffen“ habe und spricht weiter mit großer Schärfe gegen die Hait1mg der Emigranten, die nicht verstehen, daß ״das Spiel a u s" ist. Was ihn an den Emigranten so abstößt, sei folgendes: ״Es geht alles weiter, wie wenn gar nichts geschehen wäre. Immer weiter, immer weiter — sie schreiben dieselben ISiicher, sie hülle» dieselben Reden, sic machen dieseihen Gesten. Aber das ist ja schon nicht gegangen, als wir noch drin die Möglichkeit und ein bißchen Macht hatten — wie soll das von draußen gehenI Sehen Sie sich Lenin in der Emigration an: Stahl und äußerste Gedaiikenreinheit. Und die da? Doitsche Kultur. Das Weltgewissen . .. Gutu Nacht." ״Das Schwarze Korps“ versieht den Brief Tucholskys mit einem längeren Kommentar, worin Tucholskys Kritik am Judentum und an der Emigration unterstrichen wird. Zu den Aeußerungen Tucholskys gegenüber Deutsch- Land bemerkt das ״Schwarze Korps“: ״Der Haß spricht, aus Tucholskys Worten, der Haß eines verschmähten Liebhabcrs, der täglich mit der Pistole seines zersetzenden Intellekts der Geliebten auflauerte und schließlich daran zugründe ging.“ — Eine Deutung, die in der Tat etwas entscheidend Richtiges enthält. Es ist nicht immer von antisemitischer Seite klar erkannt worden, daß die negative Spanien nach den Wahlen Die Lage der Fremden Von unserem Berichterstatter ‘ Barcelona, 26. Februar Die Wahlen haben in Spanien mit einem Siege des vereinigten Linksblocks geendet. Die J u d e n f r a g e . spielte im Wahlkampf insofern eine Rolle, als einige Rechts-Zeitungen ihren Wählern für den Fall eines Wahlsiegs eine weitere Verschärfung der Maßnahmen gegen Ausländer und Juden versprachen. Die einzige Partei, die den Antisemitismus ausdrücklich in ihr Programm aufgenommen hat, die unter der Führung des Sohnes des letzten spanischen Diktators Primo de Rivera stehende Falange Lspanol, ist im neuen Parlament überhaupt nicht vertreten. Die Traditionalisten und Monarchisten, in deren Zeitungen gleichfalls wiederholt antisemitische Angriffe zu lesen sind, konnten nur 15 bzw. 17 Sitze von 162 erlangen. Die radikale Partei, die sich dem Rechtsblock angeschlossen und die in der vergangenen Wahlepoche die Mehrzahl der Minister gestellt hatte, hat durch die Bestechungsaffäre Strauß, in die fast alle radikalen Führer verwickelt waren, die Mehrzahl ihrer Wähler verloren. Da an der Spitze der neuen Regierung wieder A z a fi a steht, der auch Ministerpräsident der letzten Linksregierung vor zwei Jahren war, ist zu erwarten, daß die spanische Frcmdenpolitik wieder in .ein gemäßigtes Fahrwasser einlenken wird. Die Einstellung der neuen Regierung zur Ausländerfrage ist für die Emigration insofern von besonderer Bedeutung, als die Anträge auf Erteilung der Arbeitscrlaubnis, die im November des vergangenen Jahres eingereicht werden mußten, bisher noeh nicht bearbeitet sind. Von der Entschcidüng über diese Anträge hängt, für viele Emigranten die Möglichkeit eines weiteren Verbleibens in Spanien ab. Abgesehen von der erwähnten antisemitischen Wahl- »ropaganda beschäftigte sich die spanische Presse in der etzten Zeit weniger mit der Einwanderung nach Spanien als — so paradox es klingen mag — mit der jüdischen Ein- Wanderung nach Palästina, weil sich mit dem Wachsen der PalästinaeinWanderung auch die Gefahr der Konkurrenz der ״jüdischen Apfelsine“ für die spanische steigere. Mit Besorgnis erfüllt die spanischen Wirtschaftspolitiker weniger die augenblickliche Konkurrenz, als die ständige Steigerung der palästinensischen Produktion. F. A. Haltung mancher aus dem Judentum stammender Schriftsteiler auf die Position des ״unglücklichen Liebhabers“ zi»• rückzuführen ist. Gerade wir, die wir seit Jahrzehnten den Irrtum der Assimilation erkannt und bekämpft haben, glauben sagen zu dürfen, daß (abgesehen von Karrieristen usw.) die Motive der Assimilation subjektiv lautere waren: die Liebe zu Deutschland. Auch darin steckt eine Tragik. Man würde Tucholsky unrecht tun, wollte man diesen nicht als Aufsatz geschriebenen Brief zum Gegenstand einer eingehenden Analyse machen. Es ist nicht konsequent durchdacht, was da steht, aber es ist in seiner Art überaus aufschlußreich für die Lage des modernen Judentums. Tucholsky ist 1911 aus de m Judentum ausgetrete 11. Heute weiß er, daß man das ״gar nicht kann“, aber er weiß es nur deshalb, weil für die U m weit er Jude blieb und als Jude bezeichnet wurde. Aber noch mehr als das. Dieser ״ausgetretene“ Jude, der sich von seinem Volk und seiner Vergangenheit lossagte und dem Judentum nichts, aber auch gar nichts von seinen positiven Kräften widmen wollte, wurde für die Juden in Deutschland zu einer Belastung. Wo er abgelchnt wurde, war er der Jude, und alle Juden wurden für ihn verantwortlich gemacht. Was er, der keiner jüdischen Kontrolle unterlag und sich niemals auch nur einem jüdischen Einfluß unterworfen hätte, sagte oder schrieb, wurde nicht als Aeußcrung eines abgefallenen Juden, sondern als die ״j ii d i s c 11 c“ Meinung betrachtet und bekämpft. Tucholskys jüdischer Selbsfhaß beruhte auf dem ״Abscheu vor dem gesalbten Rabbiner“ und auf der Mißachtung des Glicttojudcn. Er verachtet die Juden, weil sie in seinen Augen ״keine Herrcurasse“ sind. Hier geht die Assimilation bis zu einer sonst von demselben Schriftsteller nicht gerad_e respektvoll behandelten Begriffswelt. Daß die Juden durch die Jahrhunderte in hcldenvollem M ä r t y r e r t u m für ihren Glauheil und ihre Art eingestanden sind, besagt einem Manne, der ״im Jahre 1911 aus dem Judentum ausgetreten" ist, natürlich wenig. Aber auch wie sich dieser Mann die ״hcro* ische“ Geste der Juden, die nach seiner Meinung 1933 notwendig gewesen wäre, vorstellt, ist sein׳ merkwürdig: Seine Parolc der ״heroischen Emigration“ ist ein Beispiel des Jong- Iierens mit Worten ohne Berührung mit der Wirklichkeit. Denn für viele Einzelpersonen seiner Art ist es gewiß leicht gewesen, sich in den Zug zu setzen und abzufahren: wie aber ein ganzer Volksteil von arbeitenden Menschen emigrieren soll, wo k e i 11 Land ihn aufneh m e n will, müßte erst noch gesagt werden. Denn das einzig e Land, das etwa für eine Großemigration in Frage gekommen wäre, nämlich Palästina, ist ja nicht nach Tucholskys Geschmack. Er findet darin einen Schönheitsfehler, daß nicht ein ״jüdischer Staat“ aus dem Boden gewachsen ist, sondern nur eine ,,englische Kolonie“. Er denkt keinen Augenblick daran, daß dieser ״jüdisclie Staat“ doch auch hätte von jemandem ge schaffen werden müssen, nämlich von der Summe all dieser jungen Menschen, zu denen der Peter Panter gehörte, der 1911 die Judenfrage für sich durch Austritt aus dem Judentum gelöst hat. So viel wir aber auch gegen Tucholskys Anschauungen einzuwenden haben und so wenig sie uns auch nur den geringsten Ausweg aus jüdischer Not .zeigen, in einem Punkte müssen wir ihm beistimmen: die Haltung weiter Kreise, die meinen, daß sich nichts geändert habe, und daß man durch eine überlegene Geste die Wirklichkeit von sich wegschieben, sich selbst in einer fiktiven Ghettowelt einspinnen und sich dort gegenseitig mit Lobhudeleien bedenken kann, wirkt wirklich wie ein Nachtgespenst. ln der neuert Welt, in der wir leben,' bedarf es auch eines neuen Judentums, eines neuen jüdischen Volkes, zu dem Tucholsky keinen Zugang finden konnte; die nationale, physische und moralische Regeneration unseres Volkes, die nicht von selbst kommt, sondern auf unsere Tat wartet, — sic allein bietet die Chance eines besseren und edleren jüdisehen Lebens für die Zukunft. י Judendebatte Im belgischen Parlament Brüssel, 28. Februar. (JTA.) Im belgischen Parlament hat zürn erstenmal seit seinem Bestehen eine Judende batte stattgefunden. Der katholische Abgeordnete Dr. Del Waide übte Kritik daran, daß Ende Januar Dr. Henri Buch als erster Jude zum Richter in Belgien ernannt wurde. Der Abgeordnete begründete seinen Einspruch damit, daß der junge Richter erst vor kurzem naturalisiert worden und deshalb ״mit der flämischen Kultur und Seele nicht genügend verbunden“ sei. Der liberale Abgeordnete Marcel Henri Jasper erklärte hierzu, es bestehe ‘zwar keine Veranlassung, auf diese Frage des Näheren einzugelicn, er glaube aber, die allgemeine Auffassung seiner liberalen Kollegen wiederzugeben, wenn er bemerke, daß diese Interpellation von einer merkwürdigen Geistesverfassung zeuge. Wir können es nicht zulassen, sagte der Abgeordnete, daß es Belgier erster und zweiter Klasse gebe. Der ehemalige Minister Carton de Wiart meinte,_ es sei trotzdem nicht zu leugnen, daß diese Ernennung in juridischcn Kreisen starke Erregung hervorgerufen habe. Der gegenwärtige Justizininister Soudan repliziere darauf: ״ln antisemitischen Kreisen, meiner! Sie!“ Abg. Jasper setzte sodann seine Ausführungen fort und schloß mit der Ver- Sicherung: ״Wir sind nicht gewillt, in Belgien eine Rassenpoütik einzuführen.“ Es sprachen noch der frühere demokratisch-katholische Wlrtschaftsmimster Hy man und der frühere Minister und jetzige Bürgermeister von Antwerpen, C. H 11 v s m a n s, der fragte, ob dies die einzige Ernennung unter solchen Umständen in letzter Zeit gewesen sei. Als der Interpellant diese Frage bejahte, erklärte Außenminister Paul Hymans zur Richtigstellung, er könne die Namen einer Reihe junger Katholiken nennen, die unter den gleichen Umständen ernannt worden seien. Hauptschriftleiter: Dr. Robert Welt sch, Berlin - Charlottenbarg S (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Loewenstein. Berlin W 15. Anrcigenkiter u. verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Hermann F i n n, Berlin-Tempelhof. Gültig: Anzcigen-Preisliste 4 von! 15. Oktober 1935. Verlag und Anzeigenvcrwalmng: lüdische Rundschau. Berlin \V 15. Mcinckcstr. 10. D.-A. Jan. 37 455. — Druck: Siegfried Scholem, Bln.-Schöneberg. Jüdische Selbstflucht Ein Brief Tucholskys über seine Stellung zum Judentum - KZuKunnihrerKinderr;:; Landschulheim Florenz Höhere Schule und Internat 1. Schulbildung bis zum Abiturlum 2. Für Knaben und Mädchen von 6-18 Jahren, Sprachenpflege 3. Leitung bewahrter Pädagogen 4. Studienberechtigung in fast allen Staaten 5. Werkunterricht, Landarbeit, Hausholtkunde 6. Vorbereitung für Palästina 7. Aerztliche Ueberwachung, individuelle Förderung 8. Schönste Umgebung, gutes Klima, Sport 9. Erstklassige Verpflegung 10. Zeitgemäße Preise — keine T ransferschwierigkeiten Auskünfte und Prospekte durch die Leitung: Oöarreg.-Rat er. Werner Peiser er. m. aoidsiein Florenz, Villa Pazzi, Plan dei Giullari Neuaufnahmen zum 1. April 1936

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