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Jüdische Rundschau · 1936-02-28 · Heft 17 (28.2.1936) · page 16

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 17 (28.2.1936)
Date
1936-02-28
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 1Ä jOD1S<״Mfs RUNDSCHAU Nr. 17 28. II. 1936 UMSCHAU noch nicht zeigt hat. das notwendige Verständnis ge- Geistiges Leben / Escha Schot e m Wissenschaftliche Arbeiten In einem Lande, das ganz in dem Zeichen der Einwanderung steht, dessen geistiges Go sicht sich mit jedem Jahre verändert, je nach den Menschen, die ins Land kommen, kann natürlich von einer stetigen geistigen Bcwegung in einem überkommene» Sinne kaum die Rede sein. Zu viele Kreise, zu viele Ueberlieferungen, zu viele Sprachen kommen hier auf engem Raume zusammen, und darum ist es nicht ztt verwundern, wenn geistige Bcwegung — sei sie nun sozialer oder literarischer, künstlerischer oder religiöser Art — siel! auf gewisse Kreise beschränkt und das Land oder den Jischuw als Ganzes nicht erfaßt. Nur auf dem Gebiete der Wissenschaft, wo das Herkunftsland und die überkommene Kultur des Einwanderers keine so entscheidende Rolle spielen, werden zunächst Versuche, geistige Arbeit zusammen/ufassen und einheitlich zu gestaltcn, gelingen können. In letzter Zeit konnte in mehrfacher Weise ein derartiges Zusammenwirken und eine Organisation geistiger Arbeit auf wissenschaftlichem Gebiete festgestellt werden. Wissenschaftliche Kongresse Zu Cliaruikkah fanden in Jerusalem in den Räumen der Universität zwei umfassende wissenschaftliche Veranstaltungen statt. Ein Kongreß der Chemiker, zu dem mehrere hundert Chemiker gekommen waren und der ein beträchtliches Niveau hatte und eine Konferenz der Botaniker. Zusammenkünfte dieser Art sind auch von den Zoologen Und den Geologen geplant. Ein interterritorialer jüdischer Aerz.tekongreß soll im Frühling in Tel-Awiw stattfinden. Man vergesse nicht, daII vor ganz wenigen Ja irren, vielleicht vor einem Jahrzehnt, Palästina kaum ein wissenschaftliches Leben kannte. Höchstens dal! die Archäologie — zum größten Ted durch nieht-jüdi«chc Wissenschaft-!er und Institute - hier gepflegt wurde. Bei den Arabern gibt es bi־ heute keine Wissenschaftliehe Institution. Aber ,»uh unter den Juden gal! es vor wenigen Jahren noch nur eine sehr beschränkte Anzahl von Gelehrten, die liier wirklieh ihrer wissenseliaftiiehen Arbeit iehten. l!nd unter welchen Schwierigkeiten haben Menschen wie Luncz oder Ben jehnda ihre wissenschaftliche Arbeit im Lande geleistet, ohne Bibliotheken, ohne Wissenschaftliehe Atmosphäre, die dem Forscher so notwendig ist.!)ab jetzt nach so kurzer Zeit wissenschaftliche Kongresse und Konferenzen, wisscuscha t i he Organisationen und Fachvereine im Lande möglich sind, ist ein weiteres bis heute noch wenig beachtetes Zeichen der Umwandlung des geistigen Gesichts Palästinas. Volksbildungsbestrebungen Den hohen Spezialleistungen auf der einen Seite entspricht leider nicht eine Hebung des Niveaus der Bildung breiterer Schichten. In dieser Beziehung ist eher ein Rückgang während des letzten Jahrzehnts fcstzustcllcn. Freilieh lagen vor zehn Jahren die Verhältnisse einfacher, der neue Jischuw war damals kleiner und homogener. Aber die Zahl der Menselten, die für die Volksbildung in Betracht kamen, war damals sehr gering und doch wurde diese Arbeit damals mit einem Elan betrieben, der später verloren ging und nicht wieder erreicht wurde. Neuerlich will die Arbeiterscliaft 71!s,immen mit der Hebräischen Universität einen Versuch machen, die Erwachseiienbikliuig wieder mehr zu pliegen. Das Kulturdezeinat der Arbeiterorganisation hat die Universität aiitgcturdert, l.elukräfte zur Verfüguiig zu stellen, welche in den Ferien einige Tage oder Woehen in den verschiedenen Siedje halte: Plus bringe, das zur l'rberwindung aller Öko nomisciien Schwierigkeiten notwendig und geeignet sei. Hatte Brutzkus versucht, in großen Zügen ein zentrales Problem durch eine ganze Epoche hindurch zu verfolgen, so konzentrierte sich die Antrittsvorlesung Professor Köbners auf ein streng utnrissenes Sonderproblem seilies Faches, der allgemeinen Geschichte, dessen weitreichende Bedeutung allerdings allen Hörerit zum Bewußtsein kam. Es handelte sich um Thomas Sprats ״History of the Royal So cicty“ — einem auch von Goethe in seinen Materialien zur Geschichte der Farbenlehre gelobten Buch, an dem Kühner den l'cbergatig vorn englischen Puritanismus zur eug'ischeu, ja europäischen Aufklärung darlegte. Die immer wieder aufgelegte und auch mehrfach ins Frau- 7ösische übersetzte ״Geschichte“ jener naturforschenden Gesellschaft, die sich nach Bestätigung durch Karl II. Roval Societv nennen durfte, gibt, wie Kühner zeigen konnte, wohl das erste Beispiel einer kultursoziologisdien Betrachtung der Zusammenhänge zwischen Religion, Wissenschaft und wirtschaftlicher Ent- Wicklung. Der Optimismus des zukunftsgläubigen Aufklärers, der, an Bacon anknüpfend, später die großen Franzosen von Voltaire bis Saint Simon erfüllt hat, lebt in Sprats Buch: die empirische Naturwissenschaft hat nicht nur den Geist befreit, sondern sie dient auch unmittelbar dem ״Reichtum der Nation“, wie man später sagte, dem Aufstieg der Mittelklasse und ihrer Verbindung mit den unteren Schiebten iles Adels. Sprats Christentum aber, eine schon beinahe deistische ״Religion der Verminft“ ist gern in diesem Bunde der!Dritte, So gab dieser Vortrag einen Einblick in engliselie Geistesgeschichte, eine wi'lkommcne Er- Weiterung des Horizonts palästinensischer Intelligenz. _ Gesundheitswesen /Fritz Noack. Touristik in das östliche Mittelmcerbecken zu ersticken droht. Dasselbe gilt für Kanada und England. Eine jüdische Touristik aus Europa ist für das Frühjahr zu erwarten. Insbesondere durch Abhaltung der Levant Fair wird der Frühjahrstouristik ein Ans!>or11 gegeben. Die Abhaltung der Messe ist die Hoffnung für alle w erliingcn leben und dort Vortr. den. M.111 will kon/Cntiierte Kurse über vorsdiiedeiK• (iegen-Himie organisieren. Der Vor- Sil'ia" hat unter den Lehrern der Universität Star ki-11 An!.laug gefunden, und eine größere Anzahl v<m I ehrkjalten hat sieh bereits für diese Arbeit zur Verfügung gestellt. Zwischen Purim iniu Peßach werden die ersten Kurse beginnen und es ist sehr zu whusche!!, daß sie Erfolg haben, nicht nur im Interesse der sehr zahlreichen lern- und wissenshcgierigeii Menscheu auf dem Fände, sondern auch im Interesse der!.einer, für die ein engerer Kontakt mit dem arbeitenden Palästina eine Bereicherung ihres Lebens und Wirkens bedeuten wird. . erztetagungen Die Jahresversamm’ung der Aerzteorganisaticm tagte vor einigen Wochen in Tel-Awiw und beschäftigte sich in besonderem Maße diejcn!״c״ Wirtschaftszweige in Palästina, die Lage, die durch die große dcr Touristik direkt und indirekt verbun- ,Magen David Antrittsvorlesungen In den beiden letzten akademischen Jahren sind zwei überaus wichtige Fächer neu geschaffen und zum ersten Male besetzt worden: das der Agrarökonomie durch Professor Dr. Boris Brutzkus, der einen vom Keren Kajemetli Lejisrael gestifteten Lehrstuhl innehat, und das der Neueren Geschichte durch Prof. Dr. Richard Kühner. Beide Herren, die ihre Lehrtätigkeit schon vor längerer Zeit aufgenommen haben, hielten kürzlich im Laufe eines gemeinsamen Festaktes ihre öffentlichen Antrittsreden. Professor Brutzkus behandelte die Geschichte und Problematik der jüdischen Landwirtschaft. Er zeichnete zunächst die Wirtschaftsstruktur des östlichen Judentums, wie sic sich aus den Tatsachen des Ghetto'.ebens ergeben hat, berührte dann die staatlichen Rcforminaßnahmen des 19, Jahrhunderts und charakterisierte ihre assimilatorische Tendenz, untersuchte die Mo״ live der Umschichtungsbestrcbungen, die aus der jüdischen Masse selbst hervorgegangen waren, und berührte zum Schluß die jüdische Koloiiisalioi; oißjiik der Sowjetregierung, der er durchaus pessimistisch gegenübersteht. Demgegenüber wurde die jüd sc ne Landw irtschaft Palästinas von Professor Brutzkus als zukunftverheißend gewertet, zumal sie allein dem jüdisehen Bauern jenes ideale und psychologische Landesorganisation Adom“ In der Chanukkahwoche fand in Tel-Awiw die Grumiungst!gung der Landesorganisation des ״Magen David Adom“ (״Roter Magen David״) statt. Wer weiß, welche Bedeutung die Organisationen des ״Roten Kreuzes“ im Gesundheitswesen der europäischen Länder und im internationalen Gesundheitswesen haben, wird an diese neue Organisation große Hoffnungen knüpfen, und das um so mehr, als es sich hier nicht um eine künstliche, von oben erfolgte Gründung handelt, sondern um den Zusammenschluß vorhandener Gruppen, die auf der freiwilligen Dienstleistung von Hunderten von Mitgliedern beruhen. Es gibt bisher Kolonnen des ״Magen David Adom" in Tel-Awiw, Jerusalem und Haifa, die über eigene Krankenautomobile verfügen und die erste Hilfeleistung bei Unglikksfäi'en organisiert haben. Die Kolonne in Tel-Awiw hat gleichzeitig mit der Gründung der Land cs- Organisation ihr eigenes Gebäude eingoweiht, in dem Unfallstation, Unterrichts- _ und Uebungsräume, Garage vereinigt sind. Die Er- Öffnung neuer Gruppen im ganzen Lande steht bevor. Die Landesorganisation hat beschlossen, außer den! Rettungsdienst auch den Unfallschutz in ihr Arbeitsprogramm aufzunehmen. Gesundheitsfürsorge Die Verhandlungen über die Uebertragung der Gesundheitsfürsorge der Hadassah _ aut den Waad I.etimi sind in der letzten Zeit insofern weitergekommen, als beide Partner dem Man grundsätzlich zugestimmt haben. Zur Zeit wird noch über die Höhe der von der Hadassah in den nächsten Jahren zu zahlenden Beihilfe und über die zukünftige Organisation verhandelt. Ohne Zweifel ist der Uebergang dieser Einrichtung auf die Gesamt- Organisation des Jischuw eine Ta1-a״!!c von großer Tragweite; sie ist ein Beweis für das Vertrauen in die Tragfähigkeit der Organisation. Allerdings darf nicht übersehen werden, dal! der Waad l.eumi damit die Verantwortung für ein Budget von zirka CP 22 000 übernimmt, das zwar für die nächsten Jahre als gesichert betrachtet werden kann: da aber die Hadassah ihre Beihilfe von Jahr zu Jahr vermindern wird, andererseits die Bedürfnisse des Jischuw wachsen, so muß der Waad Lcumi ein Finanzicriingssystcm entwickeln, das diese Institute dauernd sichert. Tuberkulose Die Ausbreitung der Tuberkulose im Lande ist eine Erscheinung, die die ernste Sorge aller an der Gesundheit der Bevölkerung intercssierten Kreise hervorgerufen hat. Die Regicrung hat einen besonderen Rcgierungsarzt mit einer Untersuchung über diese Frage beauftragt, deren Ergebnisse jetzt bekanntgeworden sind. Danach scheint es, daß die Tuberkulose unter der arabischen Bevölkerung nicht weniger verbreitet ist als unter der jüdischen und daß diese Krankheit wahrscheinlich schon lange im Lande endemisch ist. Die Entwickhmg des Netzes der Fiirsorgestellcn und die Schaffung neuer Heilstätten ist eine dringende Notwendigkeit. Die jüdischen Stellen haben diese Notwendigkeit schon lange erkannt. Die bestellenden Heilstätten in Safed und Jerusalern genügen allerdings in keiner Weise den Bedürfnissen. Vor einem Jahre hat die ״Liga zur Bekämpfung der Tuberkulose“ eine Sa mmlung begonnen, um die Mittel für ein Sanatorium bei Kirjath Anawim zu beschaffen. Es ist aber bisher nicht gelungen, das Geld aufzubringen. Es ist anzunchmen, daß die Regicrung sich nunmehr aktiver an der Bekämpfung der Tuberkulose beteiligen wird; aber es muß auch gesagt werden, daß der Jischuw in der Aufbringung der Mittel für die gesundheitlichen Einrichtungen bisher mit der schwierigen Einwanderung von Aerzten vor dem Erlaß des Gesetzes über die Niederlassungsbcschränkungen entstanden ist. Es wurde verlangt, daß die öffentlichen Institute und besonders die Krankenkasse mehr Aerzte anstcllen. Es ist zweifellos richtig, daß sowohl in den Krankenkassen wie auch in der öffentlichen Gesundheitspflege noch eine gewisse Anzahl von Aerzten Beschäftigung finden können (wenn man sich davon auch keine übertriebenen Vor- Stellungen machen sollte), aber natürlich sind auch dafür gewisse Geldmittel erforderlich, von denen nicht erkennbar ist, wie sie aufgebracht werden können. Vielleicht wird der große Aerztekongreß, der für Ende April d. J. vorbereitet wird, sich mit dieser Frage beschattigen. Es wäre eine schöne Aufgabe für die jüdischen Aerzte in denjenigen Ländern, in denen sie in wirtschaftlich guter Situation sind, Mittel für die Schaffung neuer Stellen für Aerzte in Palästina aufzubringen. Arzneimittelindustrie Es ist erfreulich, fcstzustcllcn, daß die Er- Zeugnisse der jungen Arzneimittelindustrie von der Acrztcschaft gut aufgenonunen werden und sich durch ihre Zuverlässigkeit bereits eine geachtete Stellung verschafft haben. Dies kommt auch darin zum Ausdruck, daß die Aerzteorganisation ihre Mitglieder verpflichtet hat, die im Lande hergestellten Arzneimittel nach Möglichkeit zu verwenden. Diese Industrie wird sich aber nur dann weiter entwickeln können, wenn sie durch die wissenschafüichc Forschung im Lande Förderung erfährt. In erster Linie ist eine pharmakologische Forschungsstellc an der Univcrsi ät erforderlich, die auch als Piüfungs- und Begutachtungsstelle fungieren kann. Im Zusammenhang mit den Plänen zum Ausbau der medizinischen Fakultät sollte die Schaffung einer solchen Steile nicht versäumt werden. Zeitschrift Seit Januar 1936 erscheint die medizinische Zeitschrift ״Harefuah“, herausgegeben von der jüdisch-medizinischen Ge- Seilschaft Palästinas unter der Redaktion von Prof. S. Adler, Dr. L. Heilperin, LDr, A. Friedmann, Dr. J. L. Rokach, Dr. Josef Stein. Die Zeitschrift bemüht sich jetzt um ihre Ausgestaltung im Einklang mit den gesteigerten Bedürfnissen des Landes. (Abonnemcntsnreis: 12 Hefte 4 Dollar, Tel-Awiw, P.O.B. 126.) den sind, gen Lage Touristik / Werner Bloch Die Reisebedingungen [Die letzten Jahre brachten regelmäßig einen großen Touristenstrom nach Palästina. Entscheidend für die sprunghafte Aufwärtsent- Wicklung waren aber nicht nur die nropagandistischen Losungsworte Palästinas für Juden und Nichtjuden, sondern die Verbesserung der Reisewege nach Palästina und die Verbcsscrung der Reisebedingungen im Lande. IDer ausgebaute Hafen in Haifa läßt die großen Mittelmecr-Cruises regelmäßig in Haifa anlegen.!Die englische Regierung hat für ein gutes Straßennetz in Palästina gesorgt, und der Auto- und Autobusverkehr ist ungewöhnlich stark im Verhältnis zur Kleinheit des Landes ausgebildet worden. Das Hotelwesen hat in allen Städten Palästinas einen großen Aufschwung genommen. Besonders das ״King David Hotel“ in Jerusalem hat dazu beigetragen, daß dem reichen Touristen jeder Luxus in Palästina geboten wird, den er von den besten ägyptischen Hoteis verlangt. Einige Zahlen Gemäß der Regierungsstatistik haben in den ietzten Jahren einige hunderttausend Touristen Palästina besucht. 1932: 62253; 1933: 79S33; 1931: 96 823; 1935: 106 823. Die Zahl der jüdischen Touristen, die 1935 nach Pa׳ Mit der gegenwärtigen schwieri- und mit Voranschlägen für eine Verbesserung der Touristik hat sich auf der letzten Generalversammlung die ״Tourist Development Association of Palestine“ beschäftigt. ״Tourist Development Association of Palestine״ Diese Institution wurde 1932 nach, dem Vor* bild einer derartigen Organisation in Aegypten gebildet. Sie ist eine Zusammenfassung der an der Touristik interessierten großen internationalcn Reisebüros und bedeutenden Hoteis, Die palästinensische Eisenbahn entsendet ebenfalls einen Vertreter in das Komitee. Das Komitee besteht zur Zeit aus 9 Mitgliedern (7 Nichtjuden, 2 Juden). Da die Touristik in den letzten Jahren so stark .war, daß das Problem mehr in der Bewältigung des Besucherstroms als in einer Propaganda für Palästina-'i ouristik lag, so hatte diese Organisation kaum eine Bedeutung, und nur die Veröffcntliciiung einiger kleiner Broschüren machte ihre Tätigkeit aus. Zu Beginn dieses Jahres bemühte sich die Tourist Development Association bei der Regierung um einen Beitrag aus der Regierungskasse, den sie für Propagandazweeke im Auslande im Interesse der Förderung der Palästina-Touristik verwenden will. Die Regierung hat für diesen Zweck AiP 500 bewilligt. Es ist das erste Mal, daß die Regierung für die Förderung der Touristik nach Palästina Geld ausgibt, ja, daß sie sich überhaupt für dieses Arbeitsgebiet interessiert. Der Erfolg der Tourist Development Association of Palestine zeigt deutlich, daß die Regierung diese Institution als eine quasi offiziöse Steile für die Förderung der Touristik betrachtet. Die Stadtverwaltungen von Jerusalern und Tel-Awiw haben ebenfalls je £P 50 bewilligt. Wenn man die Beiträge der. Mitglieder der Tourist Development Association hinzunimmt, so verfügt diese Institution für dieses Jahr über einen Fonds von fast £P 1000. Bis heute ist noch kein Plakat und keine Drucksache dieser Institution erschienen. Tourist Department der Jewish Agency Bei Verteilung der neuen Ressorts unter die Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency nach dem Luzerncr Kongreß übernahm . Dr. W. Senator das Ressort Touristik.. Bis jetzt war für dieses Arbeitsgebiet kein Mitglied der Exekutive besonders verantwortlich. Jewish Agcncv, K. H. und KKL hatten vor 12 Jahren gemeinsam das Zionistische Informationsbüro Für Touristik gegründet, das nur über ein kleines Büro in Jerusalem verfügte. Dr. Scna* tor begann seine Arbeit mit Besprechungen mit den verschiedensten an der Touristik intercssierten Wirtschaftszweigen. Er hatte Beratungen mit den Schiffahrtsgesellschaften, mit den großen jüdischen Reisebüros, mit den Hoteliers und mit der Leitung der Stadt Tel- Awiw und der von der Stadt eingesetzten Kommission für Touristik. Diese ersten Beratiingen trugen klärenden Charakter. Es wurden viele Anregungen gegeben, um die Touristik nach Palästina zu fördern und die Organisierung der Touristik im Lande selbst zu verbessern. Die Touristenabteiiung der Jewish Agency hat ihre Arbeit erst vor kurzem begönnen, und die Einrichtung dieses besonderen Departements sei heute nur registriert Hotelverband Die jüdischen Hoteliers haben sich zu einem Landesverband zusammengeschlossen. Die Statuten des Hotclverbandcs werden jetzt ausgearbeitet. Dieser Hotelverband muß Mittel und Wege finden, um alle jüdischen Hotels zu erfassen und zu organisieren. Dann wird es möglich sein, daß wir in Palästina zu festen Hotelpreiscn während und außei halb der Saison kommen. Der Hotelverband muß sofort an die Herausgabe eines ״Hotelführer für Palästina“ KiiOO jiidischc Toitrislen 0־״.־l• HS״Ä «ÄTWStS 1 a n d. Bei diesen Ziffern muß betont werden, daß der größte Teil der nichtjüdischen Tonristen nur wenige Tage 1'm Lande bleibt. Es handelt sich um die Teilnehmer der großen Mittelmecr-Cruises, die zirka 3 Tage in Palästiua bleiben. Im Jahre 1935 haben 33 große Schiffe den Hafen von Haifa angelaufen und derartige Landausflugs-Programme durchgeführt. TroFz aller Bemühungen ist es bis heute so gut wie kaum gelungen, das jüdische Siedlungswerk in die Reiseprogramme dieser Gruises mit einzubeziehen. In dieser Richtung ist noch ein großes Arbeitsfeld für die dafür zuständigen Instanzen der Jewish Agency gegeben. Wenn man 100 000 Touristen für das Jahr 1935 rechnet und nur annimmt, daß jeder Tourist bei seinem Palästina-Aufenthalt CP 10 i!n Lande ausgibt, so bedeutet das für das Jahr 1935 einen Kapitalimport von £P 1000000 durch die Touristik, zum teilweisen Ausgleich der passiven Handelsbilanz. Die JJussichten in diesem fahre Der italicniscli-abessinlsche Konflikt und die unsichere internationale politische Lage haben starke Schatten auf die Touristik nach Palästina geworfen. Die christliche Weihnachtstouristik, die in jedem Jahre Tausende von Touristen nach Palästina gebracht hat, ist fast ganz ausgcblieben. Die großen Schiffahrt*■ gescllschaften haben die Reiserouten ihrer Vergnügungsdampfer geändert und besuchen fast überhaupt nicht aas östliche Mittelmeer־ bccken. Bis jetzt weiß man nur von vier Mittelmeer-Cruises für dieses Jahr, die vorläufig ihrem Programm nach den Hafen von Haifa anlaufen sollen. Besonders in U, S. A. herrscht eine Stimmung, die fast hundertprozentig eine Aufenthalt in "Palästina kostet. Auch die Sorge für den Standard der Hotels fällt dann dem Hotclverband zu. Es wird nicht leicht für ihn sein, ohne Regierungsunterstützung und Regicrungskontrolle die Forderungen zu erfüllen, die man an einen solchen Verband in europäischen Ländern stellt, wo die jeweilige Regierung F"י׳״־י׳' ־׳ und kontrollierend Einfluß nimmt. Die nächsten Mo״* Daß das ״Zionistische Informationsbüro für Touristik“ neben dem Jerusalemer Büro (Julians Way) ein zweites Büro in Tel-Awiw (Hcrzlstraße 10) eingerichtet hat und die Er- Öffnung einer Filiale in Haifa bevorsteht, wurde in der ״J. R.“ bereits berichtet. Dem Tourist Department der Agency ist es gelungen, bei den großen Schiffahrtsgesellschäften bedeutende Fahrpreisermäßigungen für Palästinareisen zu erwirken. Die Levant Fair hat mit einer großzügigen Propaganda für den Besuch der Messe, eingesetzt. Das Zionistischc Informationsbüro für Touristik hat an alle zionistischen Landesverbände, nationale Institutionen und jüdische Reisebüros im Auslande ein werbendes Zirkular verschickt und eine zionistische Initiative für die Arrangierung von Gruppenreisen in diesem Frühjahr nach Palästina verlangt. Noch sind wenige Touristen im Lande, aber Ende Februar kommt eine größere Gruppe aus Südafrika, und für die Monate März, April, Mai liegen viele Anmeldungen und Anfragen vor. Gibt es keine neuen internationalen Verwicklungen, so kann man noch mit einer recht guten Frühjahrstouristik rechnen. (Schluß des Palästina-Teils)

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