Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 17 (28.2.1936)
- Date
- 1936-02-28
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2653922-2653940--28348-2689826- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 17, 28. II. 1936 JOCHSCHP (?UN05CHAU Seife 15 K unst in Tel-A wiw Gottes Siegel Von Hugo Bergmann Der Rektor der Hebräischen Universität Jerusalem, Pro• fessor Dr. Hugo Bergmann, hielt bei der Entlassungsfeier für die Univcrsilätsabsotvenlen atn 19. Sehwat 5696 (12. Februar 1936) folgende Rede: Jeder einzelne von uns Lehrern der Universität hat den Wunsch, Ihnen, die Sie heute die Universität nach jahrelangem Studium verlassen, seinen Segenswunsch mit auf den Weg zu geben. So habe auch ich im Oedankenschatz unserer Väter nach einem passenden Segenswort gesucht und bin auf zwei Sätze gestoßen, die ich Ihnen als ״Wegzehrung“ mitgeben möchte. Sie lauten: ״Gottes Siegel — das ist die Wahrheit“ und ״Liebe das Vielleicht“. Wir leben heute in einer Zeit, da der Glaube an die Wahrheit verloren gegangen ist. Auf allen Gassen schreit man: Es gibt nicht die eine Wahrheit; jede Partei, jeder Stand, jedes Volk hat seine eigene Wahrheit; die Wahrheit ist nur etwas Relatives, nur eine Waffe im Kampf der verschiedenen Menschengruppen, ob das nun Klassenkampf, Völkerkampf oder Rassenkatnpf sei. Die eine Wahrheit, die allen Menschen gemeinsam ist und die sie miteinander verband, scheint nicht mehr zu existieren. Gegenüber dieser Lehre, die heute die Menschheit vergiftet und ihre Einheit zerstört, sagen wir: ״Gottes Siegel — das ist die Wahrheit“, eine Wahrheit für alle Geschöpfe, und diese Wahrheit ist nicht, wie schon Spinoza meinte, ein stummes Ding wie ein Bild auf einer Staffelei, sondern eine Kraft, die größte Kraft in der Welt. Ohne den Glauben an die Kraft der Wahrheit, ohne das Vertrauen auf das ״vincit veritas“ wird die Wissenschaft zu einem Spiel, und zu einem gefährlichen Spiel. Wenn Ihr bisheriges Studium und künftiges Forschen einen Sinn haben soll, dann nur den, daß Sie an die Wahrheit und ihre Kraft glauben, gegen alle, die sic aus Skeptizismus, Schwäche oder Triebvergötzung anfeinden. Und nun der zweite Satz: ״Liebe das Vielleicht!" Die absolute Wahrheit ist Gottes, sie ist das Wegziel der Menschheit. Uns, die wir auf dem Wege und fern vom Ziele sind, ist nicht die Wahrheit gegeben, sondern nur die M ö g 1 i c h k eit, uns ihr zu nähern, das ״Vielleicht“. Je mehr wir uns daran gewöhnen, ״Vielleicht“ zu sagen, je vorsichtiger wir im Urteil werden, sowohl in unserem Privatleben gegen unsere Nächsten, wie in unserem Leben als Lernende und Forscher, um so näher werden wir der Wahrheit kommen. Der starke Glaube an die göttliche Wahrheit und ihre endliche Herrschaft auf Erden, die bescheidene Vorsicht gegenüber der eigenen Wahrheit — dieses doppelte Wort möchte ich Ihnen, wenn Sie erlauben, heute sagen, da Sie aus den Toren der Universität ins Leben treten. Auf einer Hauptstraße in Tel-Awiw... Auf einer der Hauptstraßen von Tel-Awiw. Fünf Uhr nachmittags. Die Läden sind voll, die ersten Lichtreklamen flackern aut, die Autobusse, die Lastwagen, die Privatautos drängen sich in langen Ketten über den Asphaltdamm. Dazwischen Kamelzüge und ein paar furchtsame Eselchen und auf den Gehsteigen eine sehr laute, sehr eilige, sehr beschäftigte und temperamentvolle Menge. Vor einem Cafe, das seine Tischchen und Stühlchen weit aufs Trottoir vorgeschoben hat, um den dichtgedrängten Besucherscharen Raum und Luft zu geben, halten die Passanten zu einem schnellen Imbiß oder auch zum Zeitunglesen, zum Plaudern, zu geschäftlichen Besprechungen. Hier ist eines der Neueinwandererlokale, und wenn man auch hier und da schon jemanden sich tapfer durch die punktierten Berichte des ״Haoleh“ hindurchbuchstahiercn sieht, so zieht es doch die Mehrheit noch vor, ihre Palästina-Kenntnisse aus der ״Jüdischen Rundschau“ zu beziehen. Der Kaffee duftet gut, es gibt frische Erdbeeren und große Mengen von Schlagsahne, es sieht — kurz, gesagt — alles sehr friedlich und modern und europäisch aus. Und dann spielen sich im Laufe einer Viertelstunde hintereinander eine Reihe von Szenen ab, von den meisten wohl kaum beachtet, die jedem Nachdenklichen den Genuß von Erdbeeren und Kuchen, an der bewegten Straße und der guten Ordnung verderben können. Zuerst kommt ein kleines Mädchen, vielleicht acht Jahre alt, mit langen schwarzen Haaren und sehr nachdenklichen Augen und bietet Schokolade an. Sie läßt sich nicht abweisen, legt gleich ihre Ware auf den Tisch, versucht es mit Hebräisch, Deutsch, Gebärdensprache und verschwindet schließlich auf dem Weg zum nächsten Lokal. Sofort erscheint ein alter Mann mit Bart und Brille, der irgendwelche!’ostkarten verkaufen will und es auf ähnliche weise wie das Mädchen versucht. Liinter ihm erscheint ein kleiner Junge, höchstens fünf Jahre alt, beide kleinen schmierigen Fäuste voll brauner und schwärzer Schuhsenkel, der nicht einfach bittet, sondern für das Wort Schnürsenkel einen schwingenden und hallenden Siiigrhythmus erfunden hat. Der Alte mit den Bildern, der einerseits Konkurrenz nicht gern hat und andererseits seine Nerven schont, bedroht den Kleinen mit dem Stock, wenn er so viel Lärm macht. Aber der lacht nur und singt weiter. Ein alter jemenitischer Bettler mit einem phantastischen Bart und ebenso phantastischen Lumpen geht einfach mit einem lauten Sehalom und ausgestreckten Händen von Tisch zu Tisch. Dicht liinter ihm kommt ein Mann, der einen Kasten mit Zigaretten umgehängt hat und verkaufen will. Ein junges Fellaehenmädchen, mit langem blauen Kleid und hennagefärbten Nägeln bittet um die Zuckcrstiickchen, die auf den Tischen liegen bleiben, und um die Zigarcttcnstummel aus den Aschenbechern. Und drüben auf der anderen Seite der Straße, an einen der Bäume gelehnt, sitzt eine alte Frau auf dem Boden, ein Kind im Schoß. Beide schlafen. Und die Hand der Frau ist noch im Schlaf bettelnd ausgestreckt. Der Kaffee schmeckt plötzlich nicht mehr, und die Erdbeeren verlieren die Farbe. Es ist reichlich unangenehm, unter solcher Begleitung seine guten Sachen zu verzehren. Aber wohl noch nicht unangenehm genug. Sonst würde sich die Tel-Awiwer Bevölkerung doch schließlich mit aller Energie aufraffen und sieh nicht damit begnügen, den Bettlern ihre Kupfermünzen in den Hut zu werfen oder ihnen ihre Schnürsenkcl abzukaufen, anstatt eine geordnete Sozialfürsorge durchzuführen, die die Alten in Altersheime, die Kinder in Schulen und Werkstätten schickt... W. K, Palästinensische Komödie: ״Chanah Gitel sucht Arbeit“ Tel-Awiw, Anfang Februar 1936 fm Programm befindet sich der Vermerk: ״Zum erstenmal geht über eine palästinensische Bühne eine Komödie, deren Stoff dem Leben des Landes entnommen ist, geschrieben in der Sprache des Landes“. Das ist wahr —- wenn man die mehr Kabarettartigen Darbietungen des ״Matate“ nicht in Betracht zieht —, und mit dieser Feststellung bcschämt dieses kleinste und jüngste palästinensische Theater seine älteren Schwestern. Wenn eien palästinensischen Dichtern, die hebräisch schreiben, überhaupt ein Forum geschaffen wird, dann wird sich — nach vielleicht mehreren Mißgriffen — auch der Erfolg einstellen. Aus diesem Anfang könnte sich ein sehr wünschenswertes Experimenticr-Theater entwickeln. Lieber das Stück Jizchak Landsbergs ist zu sagen, daß es sicher mit viel ehrlichem Willen geschrieben ist, una sich bemüht, sowohl sprachlich wie durch seine Gestalten einen Abglanz palästinensischen Lebens einzufangen. Ein Kunstwerk ist es deswegen noch nicht. Chanah• Gitel, nicht lange und noch ohne Zertifikat im Land, möchte ״legal“ werden, durch Heirat mit einem ihr möglichst sympathischen Mann. Von drei in Frage kommenden Kandidaten, einem Rechtsanwalt, einem Postbeamten und dem Bauarbeiter Simclia, ist der letzte Favorit, hat jedoch — aus reiner Gefälligkeit — schon eine andere junge Irnmigrantin gechelicht. Am Schluß des dritten Aktes sind alle Schwierigkeiten beseitigt und Simclia bekommt seine Chane. Der Titel des Stückes ließ anderes erwarten und hat keinerlei Verbindung mit dem tatsächlichen Geschehen. Daß die Heldin arbeiten möchte, erzählt sie so nebenbei, so etwa, wie sie davon spricht, daß sie ihre hebräischen Kenntnissc vervollständigen will. Das reicht nicht aus. Auch im Rahmen einer Komödie können Probleme aufgezeigt werden. Der Autor weicht dem aus, obwohl gerade Neu-Einwanderer über ihr Vorhandensein ihm hätten berichten können. Bleiben nur: Drei Männer um ein Mädchen und ein happy end. Die handelnden Personen sind nicht gestaltet, sie sind ״typisiert“, 11m nicht zu sagen karikiert. Alles genau wie es im Buche steht: das nette Mädel, der kesse (hier Tel- Awiwer) Junge, der sentimental-verliebte Postbeamte, der noch zuzahlcn will, wenn er Chane-Gitel in Hebräisch unterrichten darf, der geckenhafte Advokat mit unlauteren Absiebten (warum gerade ein Sepharde?), der Vater, ein gewesener Chasan, die schwatzhafte Zimmervvirtin und die Die neue Aufbauschule bei Jagur Dieser Bericht aus Jagur wird viele Leser in Deutschland um so mehr interessieren, als gerade die Reichsi'erlrctung der Juden Deutschlands die Förderung des ,Jlandwerktiehen Fjzhrzentrumx zum Gedächtnis von F.udwig Tielz“ in Jagur beschlossen hat. (Red.) Es gibt wohl kaum ein Schulkind in Erez Israel, das am 15. Schwat nicht mit eigener Hand ein Bäumchen gepflanzt hätte. Die oberen Klassen einiger Haifaer Schulen zusammen mit Gruppen der Arbeiterjugend waren diesmal nach Jagur eingeladen worden zum Bäumepflanzen und zum Einweihungsfest einer Schule besonderer Art, die hier vor wenigen Monaten gegründet wurde. Diese Schule ist eine Aufbau schule, und diese Be- Zeichnung hat in diesem Falle einen doppelten Sinn. Sie ist einmal ein ״Aufbau“ auf die achtklassige Volksschule — eine Fortsetzung ihres Lehrgangs —, jedoch nicht in der Stadt, sondern draußen auf dem Lande, und der Zweck der'Schule ist die Ueberleitung städtischer Jugend in die Landwirtschaft. Denn neben den wissenschaftlichen Unterrichtsstunden am Vormittag haben die Kinder nachmittags die Möglichkeit, in allen Zweigen der Landwirtschaft des Meschek Jagur (einer Plugah des Kibbuz Hameuchad) zu arbeiten. Und in einem anderen Sinn ist diese Schule eine ״Aufbau- Schule“, weil nämlich diese Kinder ihre Schule von Anbeginn selbst aufbauen: sie zimmern selbst die Möbel für ihre Klassenzimmer, die Schränke für ihre Küche, sie sammeln die Bücher für ihre Schulbibliothek, sie stellen ihre Apparate für physikalische und chemische Versuche selbst her, sie hauen mit eigenen Händen ihre Straße vom Schulhaus zur Haupt- Chaussee, sie legen auf dem Stück Land, das bisher brach lag, Gemüsefelder an, und an diesem 15. Sehwat luden sie ihre Kameraden aus der Stadt ein, um mit ihnen zu beiden Seiten ihrer Straße eine schöne Baumallee zu pflanzen. Der zweite Teil des Tages war der Einweihung des Hauses gewidmet, Im Namen der Arbeiterschaft (Histadruth Haowdiin), zu deren Erziehungsdepariment die Schule gehört, wurde der Schule die Fahne übergeben; den Abend füllten Lieder, Ansprachen, eine lebende Zeitung und eine sehr lebendige, lernperamentvolle Aufführung der Schüler: zwei Szenen vorn 15. Schwat: im Glieder und in Erez Israel. Die Bühnenbeleuchtung bestand aus schwachen Petrolciimluxlampcn, und die beiden kleinen Klassenzimmer faßten kaum die vielen Mensehen, die sich eingefunden hatten, um das Fest mitzufeiern. Alle empfanden, daß bei aller Primitivität des Anfangs hier etwas sehr Wesentliches geschieht: eine Jugend wird erzogen zu dem Wichtigsten, was dieses Land braucht: zum Aufbau. ׳ Käte Baer-Freyer, Haifa Bannfluch gegen Graetz Aus Tel-Awiw wird uns geschrieben: Der Historiker Heinrich Graetz besuchte Jerusalem im Jahre 1872. Dieses Ereignis erregte Widerstände gegen den ״Aufklärer“, die zum Bannfluch gegen ihn führten. Darüber berichtet P. Graj e w s k i im ״Dawar“: ״Zur Zeit, als Graetz Jerusalem besucht e, gab es dort noch keine jüdischen Hotels, und Graetz mit seinen Begleitern wohnte im Hause von Dr. London, der Arzt am jüdischen Krankenhaus war. Am Schabbat gingen sie in die große Synagoge. Zu Ehren des Gastes war dort eine große Anzahl der angesehendsten Einwohner Jerusalems versammelt. Als der Vorbeter schon begonnen hatte, stürzte plötzlich einer der extremistischen Eiferer, ein Ungar, nach vorne. Es war ein großer stattlicher Mann; er trug einen seidenen Kaftan und einen Gürtel, darüber einen weißen Mantel und auf dem Kopfe einen Streimel. Er stieg zu dem erhöhten Pult hinauf und verlas den Bannfluch. Mit lauter Stimme rief er: ״Dr. Graetz ist ein Gottesleugner und Ketzer und hiermit ist er in den Bann getan...“ Viele der Anwesenden waren erregt und erzürnt und wollten ihm entgegentreten. Aber sie Immigrantin aus Deutschland, die kein Wort Hebräisch versteht (zur Information sei dem Verfasser ein Besuch der Tel-Awiwer Abendschulen empfohlen!). So gerade steilen wir uns die neu-hebräische Dramatik nicht vor. Immerhin werden erst weitere Proben ein abschließendes Urteil über die Qualitäten des Autors zulassen. Die ״Palästinensische Komödie“ tat gut daran, die Regie in die Hände eines professionellen Bühnenvogts zu legen, nachdem ihre wiederholten Versuche, die Einrichtung von Stücken durch Mitglieder des Ensembles besorgen zu lassen, nicht sehr befriedigen konnten. Alfred Wolf gelingt cs, dem Ganzen so etwas _ wie Atmosphäre und dem Dialog dieses reinen Konversations- Stückes natürliche Färbung zu geben. Zvi Hermann als Simclia bietet darüber hinaus eine wirklich gute una geschlosserie Leistung, während Rachel M a r c 11 s diesmal ein wenig enttäuscht. Sie lächelt nicht, sie ,״setzt ein Lächeln auf“,' sie weint nicht, sie ״bricht in Weinen aus“. Freitag als sentimentaler Postbeamter mul L e v a v i als Antwalt sind zwei an sich gute Typen, die jedoch in Haltung und Ton nicht sehr variantenreich sind. Lena Man, Antigone Bing und Michael Gor ergänzen das Ensemble. Svmplionickonzerte Das Tel-Awiwer Orchester macht unter Michael Taube weiter außerordentliche Fortschritte. Im ersten Konzert der Abonnements-Serie hörte man die palästinensische Uraufführung einer Dolittlc-Suite von Erich Walter Sternberg (über die bereits im letzten Musikbrief aus Jerusalem berichtet wurde — Red.), fm Anschluß daran hörte man Mozarts A-l)ur-Kon/ert für Violine und Orchester, in dem Sascha Par nes, der Konzertmeister des Ensembles, sich wiederum als ausgezeichneter Solist erwies, der über einen besonders schonen Ton verfügt. Großen Beitall erntete Haydns (i-l)ur-Syniphouie Nr. 88, in dem das Finale durch Taube zu hervorragender Wirkung gesteigert wurde. Das Programm des zweiten Abends war Beethoven gewidmet. Dieses Konzert darf wohl als das gelungenste der Saison bezeichnet werden. Be-omlcrs fein dilferen/iert der erste Satz der zweiten Symphonie. Im ('-Moll-Konzert Nr. 3 für Klavier und Orchester konnte die Solistin, Frau A r b e r -Burst ein, einen starken Erfolg für sich buchen. Ihr Spiel ist überaus sympathisch, frei von jeder Manieriertheit oder unsachlichen Kunsfstückchen. Den Schluß (fieses Abends bildete die Ouveriure l.conore HL, die für hiesige Verhältnisse als Glanzleistung zu bezeichnen ist. Manfred Geis Eine Versuchsschule ln diesem Studienjahre hat die Universität Jerusalem zum ersten Male die akademische Lehrerbildung in ihren Aufgabenbereich gezogen. Unter Leitung von Dr. Alexander M. Dushkin aus Chikago, der schon unmittelbar nach dem Kriege zwei Jahre als Lehrer am Hebräischen Lehrerseminar und als Mitarbeiter im Erziehungsdepartment der Zionistisehen Organisation in Palästina verbracht hat, wurde eine pädagogische Abteilung eröffnet, die allmählich ausgebaut werden soll. Schon jetzt fanden Vorlesungen und Uebtmgen statt, in denen außer Dr. Dushkin einige Lehrer des neu cröffneten ״U e b u n g s g y m n a s i u in s“ beteiligt sind. Dieses Gymnasium, gemeinsam von der Universität und der Erziehungsabteilung des Waad Letimi errichtet, befindet sieh im Gebäude des Lehrerseminars Bcth Hake rem bei Jerusalem und soll sowohl den Schülern dieses Seminars wie den Studenten der Universität pädagogische Anschauung und Betätigungsmögiichkcit bieten. Die Schule baut auf sechs Klassen Volksschule auf, um so das Ideal der ״Einheitsschule“ soweit wie irgendmöglich zu verwirklichen. Sie hat vorläufig drei Klassen und soll allmählich auf sechs Klassen amvachsen, die mit dem Abitur abschheßen. Die IJuterriehtspriuzipien tragen den gesicherten Ergebnissen der wissenschaftlichen Pädagogik Rechnung. Nur die Kernfäeher, die vormittags unterrichtet werden, sind obligatorisch; außerdem sorgen musische oder praktische Wahlfächer, die an den Nachmittagen unterrichtet werden, für die Ausbildung von Sonderbegabungen und die Vorbereitung auf solche Berufe, die mit dem Aufbau des Landes unmittelbar Zusammenhängen. Dem gleichen Ziel dient auch der enge Zusammenhang, den die neue Mittelschule mit den verschiedensten Fachschulen des!.;indes erstreb,(, in die der 11ehergang nach zweijährigem Besuch der Schule ohne weiteres möglich sein wird. Die pädagogische Zielsetzung, die (u■samtpersöulichkeit der Kinder und jungen Leute zu erfassen, äußert sich auch in den allwöchentlichen Schulfeiern, mit denen die Arbeitswoche am Freitag jeweils schließt 11ml die ganz, wesentlich von der Aktivität der Schüler und ihrer ve!sehiedenen Arbeitsgruppen gesta.ltet werden. Sie komm' ferner darin zum Ausdruck, daß in den — nur zweimal jährlichen - Zeugnissen die ״allgemeinen Zensuren״ durch eine individuelle, auf psydialogischer Beobachtung beruhende < Juiaklenstik der Schiller ersetzt sind, in die auch der Befund der Sduilär/tiu eingebt. An der Spitze der Schule stehen I >r. Alexander 1)11 shkin als Vertreter der Universität; Dr. Eliescr R i e g c r als Vertreter der Erzichmigsabtcilung der Jewish Agency. wagten es nicht wegen der Heiligkeit des Tages und der Weihe des Orte-. Einige, die ihn hcniiiterdrängeu wollten, vermochten es nicht, denn seine körperlichen Kräfte entsprachen seiner Erscheinung. Das Gitter des erhöhten Pultes, an dem er sich festhielt, verbog sich, aber er selbst blieb auf dem Platze stehen, bis der Gast mit seinen Begleitern die Synagoge verlassen hatte. Die Gäste hielten sich danach nicht länger in Jerusalem auf, sondern reisten gleich ab. Natürlich erregte dieses Ereignis in der ganzen gebildeten jüdischen Welt unliebsames Aufsehen, hn ״Hamaggid“ erschien ein Beschwerdebrief, den einer von Graetz’ Begleitern eingesandt hatte, zusammen mit einer Antwort des ungarischen Kolel in Jerusalem und des Rabbiners der aschkenasischeu Gemeinde, die den Bannfluch verteidigten. Graeiz selbst veröffentlichte einen scharfen Artikel in dieser Sache, der sehr großen Eindruck machte und die Urheber des Bannfluches zu einer neuen Veröffentlichung und Verteidigung ihres Standpunktes zwang. Lange Jahre noch lastete der Brauch der Bannflüche gegen Andersgesinnte auf dem Lehen der Juden in Jertisalern, bis sich unter den Rabbineri die Ansicht durchsetzte, daß sie nach dem Religionsgesetz kein Recht haben, sich dieser Waffe in solcher Weise zu bedienen.“ Kreditverein für Handel und Gewerbe e.G.m.b.H. Die Bank des jüdischen Mittelstandes / Berlin N 24, Oranienburger Straße 3 / Ausführung sämtlicher bankmäßigen Geschäfte