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Jüdische Rundschau · 1936-02-25 · Heft 16 (25.2.1936) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 16 (25.2.1936)
Date
1936-02-25
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 njotsrni Rum5st״tf au l%.H »tlw» Pald«iina .4m4 Berlin »IR. 3SWISH A6ENCY FOtL »AIBITINI W 15; Meinekestr. IQ. Telephon: J1, Bismarck 7165/70. Anmeldung von Umzugsgut Bei Mitnahme von IJmzugsjrut ist darauf zu achten, daß die hierfür vorgesehene Zollbefreiung nur dann in Anspruch genommen werden kann, wenn innerhalb von sieben Tagen nach Ankunft in Palästina bei der Zollbehörde «ne Zollerklärung abgegeben wird. Dieser Zollerklärung ist eine Liste beizufügen, aus der der Inhalt des Umzugs gut es ersichtlich ist. Das Umzugsgut selbst muH innerhalb von 90 Tagen, vom Tage der Ankunft des Inhabers au gerechnet, in Palästina eintreffen. Bei nachträglicher Legalisierung von Touristen gilt entsprechendes, wobei der Tag der Legalisierung dem Tag der Ankunft eines Neueinwanderers gleichgesetzt wird. Juden und Jüdisches im Rundfunk Dienstag, 25. Februar: Wien (506), 12: 11. a. Rubin stein: 14: Schallplanen Moritz Ko-cn!hal. — Hilversum II (302), 16.55: U. a. Mendelssohn. — Prag (470). 17.20: u. a. Milhaad. — Luxembürg (1304), 22.30: 11. :1. Orfenbaeh. Mittwoch, 26. Februar: \\.,; ,..11 (1339). 12.15: u. a. Händel: Judas Maccabaus; 16.20: u. a. K1>rn:y>ld. — Toiilousc-Pyicrke22 .(386) ,־: Straviniky: Psalmen-Symphonie. — London (342), 22.15: u. a. Mendelssohn. onnefitag, 27. Februar I ״ Nrnibfir^ (1304 ), 3.15 Srhnllplatipn, u. a. \v»-L1!: Drei׳> ..:״h1'!:oy r. ״׳ ■■■■ Ferommisfi-r (5411). 13.10: Ha lew: Die Jüdin —- H ilvm Mim H 502!, In.40: Hibeivorlrsiinc. — llilver- 511m! (1675), 20.00: Km /•!׳: Dir. ID־ W ר>1!1 11• er. 11. a. Mahler. — f.i x׳ inhiiry (1304 1.05: JrOPfylrvv mit Miriam H.trrr. — Renne- (2301, tfi: n. :1. I .ml n.1U1,. — Fans P.T. T. (432), 19: in 3, ג 11 1ule1 -•'1*1:1. rcltag, 28. Februar: k lim ר. Iborp (1.263). 20.10: Riihmstein: Sonate Ki.n.rr 1־-M .11. — Hilv-osum II. (302), 20.45: Ilmln.-, <h,o־s!;u:n von Moi.lossj!:!!. . Tour Ihucl (206), 22: u. a. McvcrK e:. Sonnabend, 29. Februar: l.u<enT׳׳urn (13n4). 8.15: Schallplatten, u. a. Will: D״1׳״r׳•״oi.'ivr. ~ sfiafoHrj,!349!. 13: 11. a. Saint Farns: Sanifon!md P.rhla. W״n (ö6:׳i. 1.3.15׳ Soh.111;1;!י ffori: Hundert. Jihrc Mr\ <-!Iiccrr H>!!•׳”׳r-■ Kahm 1'״>rg (1203), 15: u. a. Mn־.;k׳v,1 »,kl. — B׳!־׳׳.1״T (!1:0119.15 ,'322 ..!׳: u. a. Paul Dukas. -״״- Bari (283). 19,25: X,־» in :.׳tuen sn fremden Sprachen, darunter Hehr,!!eh. Persönliches. Zahnarzt [>r, Konrad Cohn in Berlin vollendete am 24. Februar sein 70. Lebensjahr. Sein 1892 erschienenes Hauptwerk ״Kursus der Zahnheilkunde“ wird auch jetzt noch als Standardwerk gebraucht. In den großen wissenschaftlichen und standcspolitischen Vereinen war er im Vorstand und redigierte oft die von diesen herausgegebenen Zeitschriften. Grundlegende Arbeiten über die Zahnpflege in den Schufen brachten ihn an die Stelle des General- Sekretärs der Organisation für Zahnpflege in den Schulen. Seine internationale Bedeutung zeigte sich in seiner Stellung als Sekretär der F. D. I. (Federation international dentaire). Bis 1933 war er Dozent an der Berliner Universität für das Fach ״Soziale Zahnheilkunde“, das von ihm als erster gelesen wurde. Seit 1933 ist f)r. Cohn Vorsitzender der Beratungsstelle für jüdische Zahnärzte. Alle Ihre Bücher von der Buchhandlung am Zoo Fritz Ring Charlottenburg, joachimsthaler Straße 43-44 Mitglied der nidisrhen Gemeinde Telefon Ri*m«rrh?.!nemlun? midi allen Stadtteilen Aus dem Reich Von unseren Berichterstattern Bamberg. Im Jugendheim sprach am 17. Februar Dr, Hans Capell über den IJelegiertentag. Fritz Stern rief zur Mitarbeit in der Ortsgruppe auf. Essen. Im Rahmen der TÜldungskursc sprach Georg Gut h mann am 18. Februar über Fragen der Palästina-Bodenpolitik. Frankfurt am Main. Per Kulturbund läßt detp Schaffen zeilgcnössischer jüdischer Komponisten möglichste Förderung zuteil werden. Wilhelm Steinberg führte mit seinem Orchester die Suite zu .,Priel Aeosta“ von Karol Rat 11 aus auf, die mehr vom Handwerkliehen her als durch originelle Erfindung fesselte. Emmv Joseph- I-ußheimcr vermittelte feingeformte, sensible Lyrik vor! Max Kowalski und Gesänge des Karlsruhers Richard Fuchs. Alice Rosenbaum setzte sich für die gehaltvolle Klaviersuite op. 34 von Bernhard S ekles ein. Außerdem bi achte Steinberp ältere Musik zu Gehör, wobei sich zum Kulturbund-Quartett Heinrich Zimmerma an als fähiger Klarinettist gesellte. Als Chopin- Spielerin außergewöhnlichen Formats stellte sich Rosa Etkin vor (F-moll-Konzert). Sehr zu Dank verpflichtet war man dem Kulturbund für einen Opernabend mit Ottenbach-Einaktern. Steinbergs anfeuernde nuisikaüsehe Leitung, Willi Arons überlegene Regie, Spiel und Gesang guter Solokräfte (Edith Eisenheimer, Käte Etl- 1 i n g e r, Bert Bär, Herbert Heß, Walter Rieß) sicherten den vollen Erfolg. — Ab Schauspiel-Aufführung wurde Schnitzlers ״Eiebelci“ von einem Hamburger Ensemble geboten. ■— Aus der weiterer! Arbeit sei eine Trio-Darbietung von Lilly Schwarz- Mayerhofer, Theo Rattler und Rudolf D ö b 1 i n erwähnt, sowie ein K!si.po-i׳i<ms-Abend von Ro?y Getger-Kullmann, an dem mdten Opernfragmenten aus einer vierhändigen Klavier-Suite die beachtenswerte Kantate ״Ruth und Boas“ (nach Text von Alfred Auerbach) uraufgcfiihrt wurde. Die Kontpomstin besorgte selbst die Klavierbegleitung; sollstischc Helfer waren Kiite Ettlinger, Paula Levi, Hedwig Bergmann, Herbert Heß und Hans Asscnhcim. Herne. Am 13. Februar gab in der ZOG. I)r. J. Feuerstein einen Bericht uircr den Delegiertentag. Kassel. In der ZOG. sprach Erwin Sitten fei d über: ״Vorbcreitung zur Clialuziuth“. — Am 9. Februar fand ein zionistischer Kreistag für Kurhessen statt, auf dem Dr. Po me ranz und Dr. Hertha Lieber, Frankfurt am Main, .sowie Hans Sei den borg und Erwin Sittenfeld, Kassel, referierten. — In einer Kundgebung hielt Dr. Pomcranz ein Referat über die zionistische Konzeption unserer Zeit und die notwendigen F'olgerungen. — Hilde Feblowicz, Karkur, sprach über den Sinn der Kwuzah, Kleve. Am 16. Febr. veranstaltete die ZOG. einen Vortragsnachmittag, mit dem sie den ״Monat der Zionistischen Organisation“ und die II. Biich-sertleerung des KKL einlettetc. Es sprach Georg Guthmann, Düsseldorf, über das Thema ״Palästina als Einwanderungslanci“. Kfiln. Unter Hans Wilhelm Stein bergs Leitung gestaltete das Kulturbttndorehesler Rhein-Main die zarte Ouvertüre zu ״Iphigenie in Aldis“ meisterhaft. Mozarts ״Kleine Nachtmusik“ wollte sich klanglieh nicht, so recht in einen Synagogenraum einfiigen, während die 2. Svmphonie (C-Dur) von Schumatm starken Eindruck hinterließ. Ferner veranstaltete der Kulturbund Rhein-Ruhr einen Liedcr-Abend, der von Alexander Kipnis bestritten wurde. Der Sänger wurde von Ella C o h ti (Conrad) begleitet. —• Die Jüdische Kunstgcmeinschaft brachte einen Offcnbach-Abcnd mit Dr. Martin F r i e dl a n d, der üher das Leber! und Schaffen des in Köln geborenen Komponisten orientierte. Emtny Merkel (Sopran), Dr. Josef Carlebach (Tenor) und Artur Düring (Klavier) spendeten musikalische Kostproben. Ferner hörte man das Trio Alice Kricgcr-Isaac (Klavier), Prof. Hans Basscrmann (Geige) und Ary Schuyer (Violoncello), das sein frisches Musizieren bei dem Haydnschen Werk in C-Dur Nr. 3 gliickliohst bestätigte. Magdeburg, Die zionistische Ortsgruppe hat durch den Tod von Wolf Sedcnheuud einen schweren Verlust erlitten. Der Verstorbene, der im 71. Lclrcnsjahr stand, war stets ein aktives Mitglied der Ortsgruppe, deren Vorsitz er auch einige Jahre geführt haue und der sein kluger Rat und seine stete Hilfsbereitschaft und Tatkraft unentbehrlich geworden waren. Wolf Scclcntreund stand insbesondere auch der chalttzischcn Jugend nahe, und es zeigt seinen Weitblick und seine zionistische Voraussicht, daß er bereits wenige Jahre nach dem Kriege unter erheblichen finanziellen Opfern eine Tischlereiwcrkstatt zur Ausbildung von Chaluzim begründet hat. Per Verewigte, der sich der größten Wertschätzung ir! der gesamten jüdischen Ocffcntlichkeit Magdehurgs erfreut hatte, war auch Mitglied des Vorstandes der Magdeburger Jüdischen Gemeinde. H. L. Ankündigungen Bamberg. ZOG. 2. März, Sitzung der Vorstandschaft. Anträge zu stellen an den geschä ft »führenden Vorsitzenden. —. 9. März Purimfeicr. — Breslau. ״Rcichsverband Lr. Schwerhöriger (Risch) E. V.“ Monatsvcrsammlung, 3. März, abds. 8 Uhr, im Gemeindehaus II, Schweidnitrcl־ Stadtgraben 28. Dr. Pasch spricht über: ״I'it Ent- Stellung und Pflege der Sprache“. — Duisburg. Am 26. Febr., Theodor-Lautcr-ffaus, Kuhlcmvall, 20.30 Uhr, Vortrag Dr. Sehloßberg, Berlin: ״Hilfe durch Aufbau — die Antwort des Zionismus“. — Herne. Im Rahmen des ״Monats der Zion. Organisation“. Am 1. Mär* Veranstaltung mit Rahb. Dr. Philipp, Wuppertal. ■— Karlsruhe. Am 26. Febr. Wizo: Bildstreifen ״Die arbeitende Frau m Palästina“, 18 Uhr, Carl-Friedrich-Loge, Kriegsstr. 154. Familien-Nachrichten Herr Albin Hirsch, Augsburg, Früängerstr, 10, begeht am 2. März den 70. Geburtstag. Frau Therese Kahn, Eschwege, begeht am 26. Februar den 80. Geburtstag. Herr Moritz Kaufmann, Tricr, Saarstr. 23, begebt am 27. Febr. den 75. Geburtstag. Herr Carl Lecker und Frau Frida, geb. Kreisel, Magdeburg, Otto-von-Gucrickc-Str. 44 a, begehen am 28. Februar die silberne Hochzeit. Herr Ludwig Windmann, Duisburg, Sonnenwall 72, begeht am 9. März den 60. Geburtstag; seine Ehefrau Ernestine geb, VVillinger begeht am 29. März den 60. Geburtstag. Bar Mizwah-Termine Am 29. Februar (0. Sehwat): Walter Siegfried Levie, Sohn von Rose Levie, geb. Mühlfclder, Meiningen (Thür.). —■ Am 7. März (13. Adar): Hanns-Werner Friediändcr, Sohn von Siegmar Fricdländcr, Brieg, Bez. Breslau, Miihlstr. 18/19. LEIPZIGER!HESSE-VERANSTALTUNG Dienstag, den 3. März, 20.30 Uhr, Battenberg-Theater, Tauchaer Str. 32-34 (3Min.v. Hauptbahnhof) Dr. David schioBDorg - Berlin HILFE UHD AUFBAU das Zionismus Dl• auswärtigen Mssssbstuchsr sind zu disssr VsrsnstaHung frsundl. ■Ingslsden. Rechtzeitige Kartenbestellung im Büro der ZVL, KellstraBe 4 (Ruf 10211) erbeten. JUBILÄUMS - KUNDGEBUNG des Keren Hajessod Sonntag, den 1. MSrz, 20.15 Uhr, in der Synagoge, Saarbrücker Str, 3 DORTMUND Dr. FRIEDRICH BRODNITZ - Berlin Dr. HANS POMERANZ - Frankfurt/M. IS Jahre neuer Aufbau In Palästina Seine Bedeutung für die Juden in Detftiohlend Jüdische Religionsgemeinde Dortmund, Leo Jonas Ortskomitee d.Jawlsh Agency, Dr.Hoffmann, Hugo Moser zweig, jede Unternehmung vertraut. Er hatte Einfalle und neue Ideen, denen reine Beredsamkeit den suggestiven Glanz verliehen. Er lag dein Onkel Francisco ständig damit in den Ohren und machte sich ihn so nicht gerade zum Freund. Fr,׳!). Cisco, der Ruhige und Hrhnrrlic'tc, litt unter dein Ungestflir! des jungen Mannes, für den es keine Landes grenzen, keine Furcht vor Verfolgungen oder gar vor zu großen Risiken gab. Auch versi hwammen ihm die Unterschiede zwischen Geschäft und Politik, zwischen gewinnbringender und charitativer Betätigung. Lr war wie ein Motor, der arbeiten, wirken und Erfolge erzielen wollte. Er wollte den Namen Mendez über alle anderer! Namen erhöhen. Gracia machte dieses ungezügelte Tem!>eramcnt für ihre Zwecke nutzbar. Sie hatte erreicht, daß Joäo rasch Hebrflisch sprechen und schreiben )ernte, ihr einen großen Teil ihrer Korrespondenz ahnahm und sich so in ihrem Netz der Hilfe und Wohltätigkeit von selbst verfing. Hier waren seinem Betätigungsdrang keine Grenzen gezogen. Er konnte dem Namen Mendez und damit seinem eigenen Namen internationalen Klang und Glanz geben. Und dies tat er so vielfältig, so allseitig, daß man ihn oft jenseits der portugiesischen Grenzen für Gmeins Mann und für den Chef des Bankhauses Mendez hielt. Er wurde berühmt unter den Juden der Erde. Dabei brachte er es zuwege, auch in dem judenfeindliehen Lissabon eine Rollo zu spielen. Er galt als einer der schönsten Jünglinge der Hauptstadt, auch als einer der elegantesten, und die betont feine Art, wie er sich benahm, machte bei seinen Altersgenossen Schule Reiten, Fechten, Schießen, — auf alles verstand er sich wie kein Zweiter. Er kannte die neuesten Witze, wußte die neuesten Geheimnisse, hatte die letzten Ankömmlinge in der Residenz zu Bekannten. Man suchte seinen Umgang, man hörte ihm .gern zu. Denn er besaß auch die Kunst, zu überreden und za überzeugen. Kaum dem Knalienalter entwachsen, war er schon der interessante Mann, gegen den die anderen Männer nicht viel einzuwendon und für den die Frauen viel ilbrig hatten. Man sprach auch schon von seinen kleinen Liebesabenteuern. Reyna, die Gleichaltrige, hätte sich ihm, dem ja ihre erste kindliche Liebe gegolten batte, gern angeschlossen. Aber ohne sie etwa, »einen Hochmut fühlen zu lassen, blieb er doch im Grunde unnahbar, was sich in der immer gleichen und glatten Höflichkeit ausdrücktc, mit der er sie behandelte. Sie war, aus dem Gefühl des Trotzes und der Einsamkeit, in einen Briefwechsel mit Duarte dar Paz eingctrelen. Dem Riesen gehörte immer noch ihre Liebe, und dieser er* innert« sich, je mehr ihn die Strudel der großen Welt der Stadt Rom verschlangen, desto bereitwilliger des kleinen Mädchens, seiner ״kleinen Schwester“ die er, des Ablaufe» der Jahre vergessend, immer noch als spielerisches Kind sah. Das bewiesen auch die Briefe, die er ihr schrieb. In ihnen stand nichts von Politik, nichts von Inquisition und Verfolgung, um so mehr aber vom Leben und Treiben der römischen Gesellschaft, von ihren Liebhabereien und Vergnügungen, von kuriosen Erscheinungen auf den Straßen und in den Salons der Stadt. Natürlich verschwieg Duarte auch nicht, eine wie glänzende Rolle er selbst in diesem glanzvollen Trubel spiele. Reyna hatte bald heraus, daß Duartes Briefe an sie den Vetter Joäo Über alles interessierten. Sie ließ es ihn wissen, sobald wieder ein Schreiben angekommen war. Gleich war er da und bereit zu hören, was Duarte schrieb. Er hatte es längst durchgesetzt, daß er auch dessen offizielle Berichte, deren Adressat Francisco oder eigentlich die Firma Mendez war, zu lesen bekam. So wurde es ihm, dem von zwei Seiten Informierten, aisbald möglich, auch die zwei Seelen zu erkennen, die in Duarte lebten. Er wurde sich klar darüber, wo die diplomatische Kunst und Mission des Riesen aufhörte und sein Hang nach Abenteuern und seine unbeherrschte Spielernatur einsetzten. Joäo, wiß- und lernbegierig, machte eine hohe Schule der Diplomatie und der hintergründigen Lebenskunst durch. Wo er erkannte, unterschied und sich ein Urteil bildete, da begnügte sich sein rundlicher Bruder Salomo mit glühender Bewunderung. Auch er durfte Duartes Briefe kennen lernen. Die Folge war, daß er in dem Commendntore das Ideal eines Mannes erblickte. Die Folge war aber auch, daß er Reyna bewunderte und beneidete, eines solchen Mannes Vertraute zu sein. Sich selbst zu ihrer Vertrauten zu machen, war daher sein Ziel. Er erreichte es ohne Mühe. Reyna zog, da Joäo aus seiner Zurückhaltung nicht heraustrat, den Jüngeren und, worüber sie nicht im Zweifel war, Dümmeren an sich und beherrschte ihn. So wie nach ihrer Meinung leider, leider Gracia den schönen, gescheiten und eleganten Joäo egoistischer Weise allein beherrscht«. Die Eifersucht Reynas auf ihre Schwester war nicht gering. Die beiden gingen sich in schweigendem Einvernehmen aus dem Weg. Salomo aber genoß außer dem Vertrauen Reynas auch das Wohlwollen Francisco», seines Chefs. Dieser sah in der Gutmütigkeit und Schwerfälligkeit Salomos ein Gegengewicht gegen Joäo» überhitzt«.» Stürmer- und Drängerlum. Er gab sich jede Mühe, den nichts weniger als faulen Jungen anzuspornen und ihn in seine zukünftigen Obliegenheiten einzuweisen, und er fand in ihm einen überaus dankbaren und schließlich auch gelehrigen Schüler. Salomo wurde Francisco» Sekretär, so wie Joäo der Sekretär Gracias war. Aber es konnte nicht ausbleiben, daß aus diesen zwei Paaren Im Laufe der Zeit zwei Lager wurden. Da Reyna mit Salomo verbündet war, standen ihre Sympathien auch bei ihrem Schwager, um so mehr als sie ja die Schwester um ihren Einfluß auf Joäo glühend beneidete. Francisco und Salomo sagten: Erst sich langsam von Portugal ablösen und dann auswandern! Gracia und Joäo meinten: Vor der Auswanderung schon die Welt erobern! Diese kühne Formulierung stammte natürlich von Joäo. Aber Gracia hieß sie gut, weil sie ihren wenn auch nicht auf Eroberung abgestelllen Zwecken diente. Reyna, wie gesagt, war Parteigangerin der beiden Bedächtigen, aber ihre Sehnsucht ging eigentlich nach der anderen Seite. Auch Rabbi Isaak und die alte Channah konnten sieh diesen Gegensätzen nicht entziehen. Wie es aber meistens das Schicksal dienender Menschen ist, war es ihnen nicht gegeben, Partei zu ergreifen. Sie hielten es für richtig und auch für wichtig, eine Vermittlerrolle zu spielen. Mochte es den Rabbi auch noch so stark außer Landes drängen, er mißtraute dem übergeschäftigen Joäo so sehr, daß er sich mit seinen Bedenken fast immer auf die Seite Franciscos stellte. Und mochte Channah die bedächtig fromme Weisheit Franciscos noch so hoch schätzen, sie sah in Gracias jüdischer Entflammtheit so deutlich und so freudig die Frucht ihrer eigenen Erziehung, daß sie nicht anders konnte, als dazu Ja und Amen zu sagen. Die Ehe zwischen Francisco und Gracia bestand nur noch der äußeren Form nach. Gracia hatte allen Sinn für Privat- und Familienleben verloren. Das Männliche hatte wieder von ihr Besitz ergriffen als das Element, das für ihr ganzes Wesen bestimmend war. Sie lebte weder mit, noch für Francisco. Mit dem Schwinden der Hoffnung auf weitere Nachkommenschaft war auch ihr Frauenglück dahingeschwunden. Sie führte ein großes Geschäft, sie war eine Weltfirma geworden, wenn auch deren Zweck und Ziel nichts anderes war als andern zu helfen. Diese frauliche Tätigkeit aber wurde von Gracia mit männlichem Geist erfüllt. Francisco versank vor dieser Enttäuschung, an der er in seiner Gerechtigkeit nicht einmal Gracia die Schuld geben konnte, in immer trübere Gedanken. Er sah sein Leben als vollendet an. Und dies bewirkte, daß es ihm wie ein Schatten dahinschwand. Er kränkelte. Eine schon früh aufgetretene Anlage zu Asthma verstärkte sich und verwehrte ihm den Schlaf. So wurden ihm nach den Tagen auch die Nächte zur Quak Er wurde ein müder, welkender Mann und sah mit immer finsterer Stirne auf seine junge Frau, deren Kraft und Temperament sich in Geschäften und Geschäftigkeit austoben konnten. Er dagegen mußte sogar im Bankhaus öfters das Wichtigste dem Rabbi Isaak und dem Neffen Joäo überlassen. Er hatte mit seinem kranken Körper zu tun und gegen seine kränkelnde, vereinsamt* Seele zu kämpfen. (Fortsetzung folgt)

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