Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 15 (21.2.1936)
- Date
- 1936-02-21
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr 15, 21.11 1936 JO Dl SC H E RUNDSCHAU Seite 17 izftoDiiA KOHcaoftia 1 11 '.'®יAA hrn nritut riTimr. BÜRO DER REUULEITU .mW 3*#* lissfcMK I.JCaMaM Letzte Vorbereitungen (Von unserem Sonder-Berichterstatter) t n. Banska Bystrica, 16. Februar Et schnelt , . . Es schneit. Seit heute früh fällt ununterbrochen ein feiner, trockener Schnee, der liegen bleibt. Man sollte jeden Wintersportbericht damit beginnen, vom Schnee zu reden; denn er spielt in den Gemütern aller Beteiligten die erste Rolle. Seit Tagen zerbrechen sich hier die Mitglieder der Organisationskomitees den Kopf darüber, auf welchen Strecken der Schnee am besten fahrbar ist. Die Skiläufer, die etwa ein halbes Dutzend Arten von Harsch und mindestens gleichviele Sorten von Schnee unterscheiden, haben gerade festgestellt, wie sie sich und ihre Skier auf den Schnee, der nun schon seit langer Zeit unverändert auf den Bergen liegt, präparieren sollen, und nun sind alle Berechnungen über den Hauten geworfen: denn es schneit. Aus der Schleierwand des dichtfalienden Schnees ragen in der beginnenden Dunkelheit gespenstisch die von Scheinwerfern angestrahlten bizarren Türme der Burg und der Kirche, die immer über der Stadt stehen, woher man auch aut sie zukommt. Und das ist das Zweite, worüber man sprechen sollte: die Stadt Banska Bystrica, eine kleine slowakische Gebirgsstadt von etwa 10 000 Einwohnern, die jetzt im Festschmuck steht. Immer wieder sammeln sich neugierige Einwohner am Bahnhofe vor dem gleichfalls von bunten Scheinwerfern erleuchteten Urpin, einem Waldhügel, den eine kleine Kapelle krönt, um die Makkabim zu begrüßen, die meist in den Abendstunden eintreffen. Schon sind die Mannschaften aus Deutschland, der Tschechoslowakei und Oesterreich, aus Jugoslawien, Polen und Ungarn, aus Rumänien, der Schweiz und Danzig, aus Lettland, Norwegen una Bulgarien eingetroffen. Sie verlieren sich schnell in ihren Quartieren, in den Gassen der Stadt, die an fast allen Häusern Fahnenschmuck tragen, um alsbald hinauf in die Berge zu fahren, in die Hütte des Makkabi in der Hohen Tatra oder auf die glitzernde Schneefläche der Kriäna, auf der die Abfahrtsläufe stattfinden werden. Wo sie sich aber in der Stadt sehen lassen, werden sie immer wieder von den slowakischen Bauern in ihren buntgestickten Schaffelljackcn begleitet, und morgen wird die ganze Stadt ihrem ersten Treffen zuschauen: Dem Fackelzuge, bei dem sämtliche Teilnehmer in den großen Saal des Narodny Dom geführt werden, wo sie die Begrüßungsansprachen der Vertreter der tschechisch-slowakischen Behörden, der zionistischen ,Organisationen und der Verbände des Makkabi entgegennehmen und ihren Treueschwur ablegcn werden. Die Aussichten ftlr die Kämpfe Am Dienstag früh werden dann die Wettkämpfe mit dem Staffellauf 4 x 10 km beginnen. Die Auslosung zu allen Wettkämpfen ist bereits vorgenommen, aber noch ist es schwer, über die Chancen der Teilnehmer Gewisses zu sagen. Als Favoriten für den S t a f f e 11 a u f, für den acht Mannschäften ausgelost sind, g.!er. die Makkabim aus Polen, aber die Mannschaften aus der Tschechoslowakei und Oesterreich haben gule Leute im Rennen. Die Mannschaft des Deutschen Makkabikreises, die wahrscheinlich mit Bloch, Löw, Matzner und Ottensosser startet, wird einen schweren Stand haben. Erheblich günstiger sind nach den Trainingseindrücken unsere Aussichten im Abfahrtslauf (95 Teilnehmer). Bloch, der die günstige Startnummer 15 gelost hat, wird von allen Gegnern beachtet; aber auch Löw, Kahn und Ottcnsosser haben ihr Können in der letzten Zeit sehr verbessert. Als Favoriten gelten die tschechischen Makkabim, obwohl ihr bester Läufer Zemmanek in der letzten Woche den Fuß gebrochen hat. Von den Makkabi aus Oesterreich gilt Löwy als sehr gut, auch von Schapira wird viel erwartet. Von der starken Mannschaft des polnischen Makkabi sowie von den Teilnehmern der übrigen Kreise weiß man noch nicht viel. Viele halten es mit dem Schweizer Sternlicht, dem Meister der eidgenössischen Turnerschaft, der es jedoch noch schwer hat, sich an die völlig veränderten Schnceverhältnisse zu gewöhnen. Fast die gleichen Wettbewerber starten im Slalom (86 Teilnehmer). Im Langlauf der Herren (30 km mit 22 Teilnehmern; 18 km auch für die Kombination mit 00 Teilnehmern) gelten, wie in den Staffeln, die Makkabim aus Polen als Favoriten. Freilich werden sie einen besonders schweren Gegner in Jaffd (Makkabi Norwegen) finden, für den nicht nur sein Herkunftsland, sondern auch die von ihm ange- Feierliche Eröffnung t. n. Banska Bystrica, 18. Februar Am Montag nachmittag wurden die Skiläufer aus ihren Quartieren in den Bergen nach Banska Bystrica zurückgerufen. Am Abend sammelten sie sich vor dem Kreisgericht. In dichten Dreier-Reihen marschierten die tschechischen und deutschen Makkabi-Sportler auf. Die Oesterreicher trugen ihre Fahnen, die sie ohne Stange hielten. Kleine Vertretungen, wie die des Makkabi Norwegen, Lettland, Ungarn marschierten in einer einzigen Reihe hinter dem Schild mit dem Namen ihres Landes. Hunderte von Pechfackcin erleuchteten den langen Zug, an dessen Ende man schon nicht mehr die Musik der Kapelle vernahm, die die Spitze bildete. Auf dem Marktplatz bildeten die Einwohner der Stadt in dichten Reihen Spalier. In der Mitte loderte ein mächtiges Feuer, das die umliegenden alten Häuser hell erleuchtete. Der lange Zug wurde mit den Fahnen der verschiedenen Makkabikreise in den großen Fechtsaal des Narodny Dom, des großen Hotels von Banska Bystrica, geführt. Punkt 9 Uhr abends begann die Eröffnungsfeier der Spiele, an der außer den aktiven Teilnehmern mehr als 2000 Zuschauer teilnahmen. Die Bühne, auf der die Vertrefer des Organisations-Komitees und der Makkabikreise Platz genommen hatten, war durch eine weiße Leinwand mit dem blauen Magen David abgeschlossen, die sich um 9 Uhr hob und den Blick auf eine Militärkapelle freigab, die zunächst die tschechische Nationalhymne und alsdann die Hatikwah spielte. Es folgte die lange Reihe der Begrüßungsansprachen, die durch Ra'dio übertragen wurden (s. den Berieht auf Seite 2 der heutigen Nummer). gebenen Leistungen sprechen. Eine ganze Reihe von Teilnehmern stellen hier auch die Makkabim aus Rumänien und Jugoslawien. Der Deutsche Makkabikreis wird in erster Linie von den Mitgliedern seiner Staffel gut repräsentiert werden. Ueber das Springen ist noch nicht viel zu sagen. Jaffe ist schon über 60 m gesprungen, doch ist seine Teilnähme ungewiß. Von den übrigen 14 Springern weiß man noch nichts, um so weniger, als die Schanze bisher noch nicht zum Training freigegeben ist. Aus Deutschland werden Granat, Matzner und Ottensosser am Start sein. Im Abfahrtslauf der Damen (35 Teilnehmerinnen) gelten die tschechischen Makkabim in erster Linie als An- Wärterinnen aut die Medaille. Besonders Walii Abeies und Lilii Löwi machen im Training einen vorzüglichen Eindruck. Freilich wird auch Beck (Makkabi Oesterreich) ein ernstes Wort mitsprechen, auch Zigaloff (Makkabi Schweiz) verdient Beachtung. Unter den 35 Teilnehmerinnen im Abtahrtslauf sind als Vertreterinnen des Deutschen Makkabikreises Loni Guttniann als 5. und Lotte Einhorn als 19. ausgelost. Während jedoch hier und im Slalom (24 Teilnehmerinnen) die Chancen der Makkabioth aus Deutschland ncht allzu rosig sind, wird im Langlauf (19 Teilnehmerinnen) jedenfalls Lotte Einhorn aller Voraussicht nach in die Entscheidung eingreifen. Auch hier sind die Damen aus der Tschechoslowakei und Polen die ernstesten Gegner. Während so die Skiläufer ihrem ernsten Training in den Bergen nachgehen, treffen sich auf der Eisbahn im alten Park mitten in der Stadt die Eishockeyspieler und Kunstläufer. Der alte Internationale Herbert Brück ist der Kopf der Mannschaft ans Deutschland. Er hat, wie man sehen kann, in dein jungen Dresdner Hirschberger, in Bloch- Frankfurt a. M. und in Samucl-Bcriin begabte Mitspieler, die seinen Anregungen folgen können. Obwohl unsere Mannschaff noch nie gemeinsam ein Wettspiel ausführen konnte, dart man ihrem Treffen selbst gegen die vielfach erprobteil Mannschaften des Hagibor Prag und der Hakoah Wien zuversichtlich entgegensehen. Noch gar nicht zu übersehen ist der Ausgang im Kunstlaufen, da hier bis heute noch über die Teilnahme einiger bekannter Läufer nicht entschieden ist. Aufsehen erregt im Training die elfjährige österreichische Juniorenmeisterin Lissy König, die nach der! Aussagen ihrer Wiener Trainer den guten Kräften der berühmten Wiener Schule schon ebenbürtig ist. Einen ausgesprochenen Favoriten gibt es dagegen in den Sc hncllaufwcttbe werben, in denen Windter (Makkabi Ungarn) seinen Konkurrenten deutlich überlegen sein dürfte. Während die Wettkämpfer ihre letzten Vorbereitungen treffen, arbeiten die Organisatoren in der Stille fieberhaft weiter. Stets wieder gehen neue Ankömmlinge Quartier- Probleme auf, und immer weiter fällt der Schnee, so daß zu überlegen ist, ob man nicht schon Start und Ziel in die Stadt verlegen kann. Die Veranstaltungen der Abende sind vorzubereiten, die Vorführungen der Akademie, an der auch der ungarische Weltmeister Sarkany seine Turnkünste zeigen wird, müssen überarbeitet werden. Morgen nachmittag um 5 Uhr wird unter dem Vorsitz des Präsidenten der Hato, Bein hacke r, eine Besprechung stattfinden, und dann werden alle Wege für die Spiele geebnet sein, die Montag abend um S Uhr mit dem Fackclzug durch die Stadt beginnen. Der Beginn der Wettkämpfe t. n. Banska Bystrica, 19. Februar Am Dienstag morgen stand ein großer Teil der Anwesenden hoch auf den Bergen auf dem weißen Schnee-Plateau, auf dem Fahnenstangen und Zelte errichtet waren. Es war klares Sonnenwetter. Die von Schnee glitzernden Waldberge gaben der Veranstaltung einen schönen Hintergrund. Dr. März sprach noch einmal kurze Worte der Begrüßung. Dann wurde die tschechische Staatsfalme gehißt, und ein Grammophon, dessen Musik in der weißen Stille weithin getragen wurde, ließ die beiden Nationalhymnen, die tschechische und die jüdische, erklingen. Dann waren die Spiele eröffnet Die 4x10 km-Slaffel Der erste Wettkampf war die 4 X!0 k m - S t a f f el Als Favoriten gingen die polnischen Makkabim ins Rennen. Zur Ueberraschung erschien jedoch nach der ersten Strecke die 1. Mannschaft des tschechischer! Makkabi in 48:6 Min. mit geringem Vorsprung vor der 2. Mannschaft des tschechisehen Kreises. Vor den polnischen Makkabim kamen sogar die Makkabim aus Jugoslawien von der Strecke zurück, die in Achterform angelegt war, so daß alle Wechsel im Schnittpunkt der 8 am Start und Ziel lagen. Von nun an wurden die polnischen Makkabim besser und besser, ln den nächsten drei Läufen hatten sie auf ihrem Streckenabschnitt die beste Zeit, Die Ueberraschung der zweiten Teilstrecke war jedoch der junge Kauders, den der Makkabi CSR. trotz seiner Jugend für die 2. Mannschaft eingesetzt hatte und der mit einem Vorsprung von fast einer Minute vor den jugoslawischen Makkabim von der Strecke zurückkam, während die 1. Mann״ schaff des Makkabi CSR. zuriickgeiaiieii war. Die übrigen Mannschaften hatten jetzt schon einen Rückstand von einer Viertelstunde bis 20 Minuten gegenüber der Spitze. Bloch, der beste Mann der Makkahi-Manrisdiaft aus Deutschland, Das Dcbcrschri flshiltl rechts o hert stellt eine Szene aus dem Eishockey-Kampf des Deutschen gegen den Tschechisehen Makkabi dar. Die Mannschaft des Deutschen Makkabi bedroht das gegnerische Tor, t'oto;!!?rben Sconcnfdd Die Eröffnungsfeier in Banska Bystrica l.mks: tiiicu auf aie teilnehtnermussen — Mitte oben: Ein tschechischer Makkabi leistet den Schwur für die. aktiven Teilnehmer — Mitte unten: Die Militärkapelle spielt die Hatikwak — Rechts oben: Blich aufs Podium; in der Mittet dis Vertreter, der. Makkqbi-Landeskr&ise. — Rechts, mim; Ehrengäste, 11, a. Landespräsident Orssagh und Landesmilitärkommandant Votruba Fotos; Herbert Sonnenfeld TA▼ HBMBS^.SgSB$sr 1