Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 15 (21.2.1936)
- Date
- 1936-02-21
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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*ז 1001s־׳MC ״UKinsfffA« Hr. 15, 21. H. 193» lUMt'IIMJ Soziale Fürsorge / Marg. Turnowsky Ein sozialpolitischer Versuch Ke Haifaer Ortsgruppe des Noar-Haowed — die der palästinensischen Arbeiterschaft beigeordnete Berufstuid Erziehungs-Organisation Jugendlicher Arbeiter, die eine große Zahl von Jungen aus den ärmsten, z. T. orientalischjüdischen Kreisen mitumfaßt —, wandte sich an die Weizmannsche Meiallfabrik in Akko mit dem Vorschläge, eine Gruppe von geeigneten Arbeitskräften unter einem Vorarbeiter einnisteilen, und sie iri einer Wohngemeinschaft in Akko unterzubringen. Die Firma ging auf den Vorschlag ein und stellte dem Noar- Haovved ein Wohnhaus unentgeltlich zur Vcrfiigung. Noar-Haowed übernahm die Einrich• tung des Hauses und besorgte aus seinem Hclfcrkrcisc eine Heimleiterin. Füiifumlfünf/ig junge Arbeiter im Alter von 13 bis 17 Jahren, die bisher arbeitslos oder in niedersten Arbeiten in Haifa beschäftigt waren, wurden in Akko eingestellt und erfüllen bisher ihre Arbeit zur Zufriedenheit der Fabrikleitung. Ein Teil von ihnen konnte bereits aus der ungelernten Arbeit zu Präzisionsarbeiten übergehen, so daß sich ihr ursprünglich mit zwölf Piaster angesetzter Tagcs'ohn auf fiuifmid/wanzig bis dreißig Piaster steigerte. Für den Lebensuiner.ialt im Jugendheim bezahlen die Jungen je fünf Piaster täglich. Den ihnen verbleibenden Lohn müssen sie fast ganz ihrer; Familien abgehcri. die auf frühzeitiges Verdienen der Kinder angewiesen sind und ihnen s(>n>i die Erlaubnis zum Fortgehen vcrweigert halten. Trotzdem bedeutet eins Leben in der Jiig.-mlgemeinsehnit für diese aus engsten Wohn- und 1 .ebeiisverhiiltn'ssen kommenden Knabe׳! eine seelische und körperliche Befeeiung. Durch einen von N'oar-Haowcd gcstellten Lehrer wird eine weitere geistige und handwerkliche Ausbildung und die Schaffung eines wirklichen Gemeinschaftslebens versucht. Ein dem Wohnhaus ,•!׳!geschlossener Gemüsegarten und 1 lühiurstall, die die Wirtschaftsledern! /us,minien mit drei I humhaltsscinderinnen bewirtschaftet, dienen zur ferneren Beschäftigung und Erziehung in den Freizeiten und zur l'iiterstut/ung der Heimwirtschaft. Dieser Verwich verdient große Beachtung. Fr berührt das Problem billiger und doch jüdischer Arbeit ־־ (man wird an Einrichtungen der japanischen Wirtschaft erinnert) — und er greift die so wichtige Frage an, wie wenigstens Teile der ztikuuffslos anfwachsendcn palästinensisciicn Jugend im Rahmen der bestellenden Wirtschaft zu einer glücklicheren Entwicklung gebracht werden können. Eine Anklageschrift Vor wedgen Wochen erschien tn Jerusalem eine Schrift, die von einem Kreis von Funkttonären der jüdisch-orientalischen Jerusalemer Gemeinden herausgegeben wurde und dc-11 Titel trägt ״ln dem niedergehenden Geschlecht‘‘. Die hierin gesammelten Aufsätze enthalten eine heftige Anklage gegen die Jeru* Salem er sephar.lische Gemeinde, die heute ebenso auf geistigem, wie auf politischem, pädagogisehem und sozialem Gebiet versage. Die östlichen Gemc'-ulcn l Bucbaren, Jemeniten, Perser, Kurden,!Marokkaner usw.) werden aufgerufen, s ch von der Vorherrschaft der sephardischcn (iemeimle zu befreien und sich zu einem starken ״Rat der östlichen Gemeinden Jerusalems" zusammen,/.!!schließen. Die Schrift enthält ungewöhnlich aufschlußreiches Material über die Geschichte der orienfaliscttut t!nippen und über Wesen und Tätigkeit der «׳•p'iardl-.chen Gemeinde. In diesem Zusammenhang interessiert speziell der Abschnitt 11 her das soziale Hilfs w e r k. Fast sämtliche ״rlenlali ׳cb-.ndibchc Gemeinden jerusalems leben — wie ein Blick auf ihre Wohnviertel beweist — in Armut und in schied!- testen Miud.iren Veiiiältnisseii. Sie bilden die Volksgruppe!:, die am .-!iirksten einer sydematischeu sozialen Hilfe bedürfen. Diese Hilfe h 1! b e!1 s i e n i c 11 t von d e n bephar• d! m, s 1! ס d c r ה fast a 1! s s e h 1 i e I! 1 i c h v o!1 d e 11 A -!• 11 k c n a s 1 ffl b e k o m m e n. Die Schritt wird hier ebenso zu einer Lob- und 1 )eiiksehritt an die Asehkenasim wie zu einer Aiik'agesdirii't gegen die Scphardun: das Sanitätswerk der I iadassah und Kupath Cholim, die Bikkur-t -itolim und Scheare-Zedek, — das f lilfs-.vcrk der Sozialen Abteilung beim Waad Lcumi und der Wizo — das zentrale SchtiKverk de:- Waad Eetmii — das Werk der Jugend־!•׳,■ ehung im Noar-Haowed und in den verschiedensten Jugendorganisationen — all diese und viele andere wichtige Einrichtungen ward,en von Aschkenasin! geschaffen und den orientalischen Juden mitgeöffnet. Von dem Budget der sozialen Abteilung in Jerusalem gehen, nach der Berechnung der Schrift, 80 "<» an die Mitglieder östlicher Gemeiuden; das allgemeine Schuhvcrk umfaßt zu einem Drittel östliche Schüler. Di« sozialen Erziehungsanstalten, wie das Heim von Dr. Lovy, von Dr. Dukas, das Psychopathenheim von Gaster, die Blindenschule usw. sind zu einem wesentlichen Teil oder ausschließlich von orientalischen Kindern belegt. Vor allem aber ist nur von aschkenasischer Seite aus überhaupt mit einer grundlegenden, die Gesamtfamilie und -gruppe erfassenden, aufbauenden sozialen Arbeit begonnen worden. Was die Sephardim tun, stammt aus einer früheren Zeit. Es gibt da Werte: das sephardische Waisenhaus, das Krankenhaus in der Altstadt, das sephardische Altersheim und eine Reihe von Lehrstätten. Aber die heutige Generatfon hat an dem zu eng gewordenen Alten nichts weitergebaut, und ihre Hilfsgclder werden systemlos, ohne Untersuchung der Situation, nach sentimentalen und persönlichen Gründen ausgefeilt. Schülerklubs In diesen Wochen eröffnet« die Jerusalemer Gruppe der W1 z o zwei neue Schülerklubs. Die Erzichungsabtcilung des Wand Lcumi hat sich an der Einrichtung der Klubs beteiligt und wird diese gemeinsam mit der Wizo beaufsichtigen. Der eine der Klubs äst der Jerusalemer Knabenschule unter Leitung des Direktors Mejuchas, der zweite der Mädchenschule in der Altstadt unter Leitung von Frau Glicklich angeschlossen. Ein dritter, schon seit einem Jahre bestehender entsprechender Klub gehört zu der von Frau Helene Barth geleiteten Mädchenschule. Die zwei letztbegründeten Klubs werden von den Schülern der Obcrklassen, der Klub an der Schule von Frau Barth von den Schülerinnen der niederen Klassen besucht. Diese in Palästina als Klub (Moadon) bczeichliefen Einrichtungen entsprechen den deutschen Kinder- und fugendhorten. Sie werden in den schulfreien Stunden freiwillig von den Kindern besucht. Unter der Leitung eines Pädagogen wird hier gespielt, handwerklich gearbeitet oder die häusliche Arbeit für die Schule erledigt. Die Leiter erzählen, wie Kinder, die ohne jede Freude, vernachlässigt und bedruckt henmigingen, in der geordneten und freien Umgebung des Horts auflcben. Die Mittel für die Erhaltung der Horte (die, wenn sie ihren Zweck ganz erfüllen sollen, auch für eine erhebliche Erweiterung der Schul- Speisungen sorgen müssen) will die Jerusalcmcr Gruppe der Wizo einmal durch eine verstärkte Erfassung der bemittelteren Kreise auf dem Wege der Schnceball-Tces bekommen. Daneben hat sie, ebenfalls in Verbindung mit der Erzichungsabtcilung einen erfreulichen neuen Versuch unternommen: die guten Sänger sämtlicher Jerusalemer Schulen sind zu einem Schülerchor zusammengeschlossen worden, der unter Leitung des Dirigenten Lampe! probt und durch eine Reihe von Konzerten das für die Klubs nötige Geld aufbringen soll. Die ersten derartigen Versuche für verelendete Kinder sind im Buch arischen Viertel und in Nach lat h Achim vor einiger Zeit erfolgreich von der Organisation arheitender Mütter unternommen worden. Daneben besteht der kleine private Klub für straffällige Knaben bei Dr. Stark. Es wird momentan durch Wizo iimi Gemeinde versucht, einen entsprechenden Klub in weiterem Rahmen zu errichten. (Die Zahl der unter Uebcrwachung der sozialen Abteilung in Jerusalem stellenden jugendlichen Straffälligen beträgt zur Zeit 80.) Ucber die in diesem Semester neu aufgebauteil und nocli im Ausbau begriffenen Schulkiubs bei sämtlichen Volksschulen Tel- A w i w s wird später berichtet werden. Neue soziale Aemter Als Frau Szold im Jahre 1931, trotz aller ihr entgegentretenden Widerstande, die soziale Abteilung beim Waad Lcumi begründet hatte, richtete sic in den drei Hauptstädten, Jerusalem, Haifa und Tel-Awiw, zentrale Fürsorgestellen der Gemeinden ein. Unter Leitung eines von den Gemeinden eingesetzten Ausschusses begannen in diesen Orten geschulte Fürsorgerinnen mit einer systematischen und umfassenden sozialen Arbeit. Ls gelang ihm 11, Zentren für die offene Fürsorge zu werden und damit auch einen Zusammenhang zwischen den vielfältigen Wolilfahrfsvereinen und fnstitutionen zu schaffen, die im Laufe der letzten Jahrzehnte von privaten Stellen errichtet wurden, und die bisher ohne Uebcrwachung durch die üeffentiidikeit und ungeordnet nebeneinander arbeiten. Es gelang ihnen weiter, die palästinensische Gemeinschaft von dem Wert zu überzeugen, den die Fürsorgearbeit für das Leben des Volkes hat. Die erfolgreiche Arbeit der Aemter in Haifa und Jerusalem ebnete den Weg für den Ausbau des Werks. Der starke Zustrom von Mensehen aus allen Ländern nach Beginn der deutsehen Einwanderung stellte die Fürsorge vor neue Aufgaben, führte ihr aber auch neue Hilfskräfte zu. So wurden im Mai 1935 drei weitere soziale Aemter bei den Gemeinden Petach-Tik w a h, R c c h o w o t h und R i - schon- Lezion eingerichtet, im Laufe des Jahres folgten weitere Aemter in T1 b e r i a s, Ramath-Gan und Herzliah. Zur Zeit wird die Neuerrichtung eines Amtes in Cheder ah vorbereitet. Das Amt in Ramath-Gan bildet das Zentrum für die Arbeit in elf bcnachbart liegenden Orten (u, a. in Scheehunath- Borochow und Bene-Berak), von denen jeder einen eigenen Ausschuß für das soziale Hilfswerk ernannt hat, aber von der beamteten Fürsorgerin in Ramath-Gan mitbearbeitet wird. Auf Grund des günstigen Resultats bei diesem neuen Versuch, wird Herzliah entsprechend als Zentralstelle für das Scharon und Chederah für das Schomron fungieren. Gleichzeitig haben die Aemter in Jerusalem und Haifa ihren Umfang vervielfacht. Nur in T el-Awiw ist es trotz vieler Bemühungen noch immer nicht zu einer befriedigenden Lösung der organisatorischen Probleme gekommen. Aus dem Budget der hürsorgestellen Seit dem Juni vorigen Jahres gibt die soziale Abteilung beim Wand Lcumi ein monat- I ich c s ־ B u 11 e t i n heraus, in dem über den Fortschritt der Arbeit im Lande berichtet und über wesentliche Probleme diskutiert wird, lin 6. Heft dieser Blätter wird ein Rechenschaftsbericht über Einnahmen und Ausgaben der Fürsorgestellen gegeben. Dabei wurden die erst in den letzten Monaten des Jahres 1935 entstanden en Stellen in Tiberias, Ramath-Gan und Herzliah naturgemäß noch nicht berücksichtigt; dafür kommen zu den obengenannten Gemeindeämtern die Fürsorgesfelle der Stadt- Verwaltung Tel-Awiw zur sozialen Betreuung des Kindes und das spezielle Amt zur Bctreuung der deutschen Einwanderer in Tel- Awiw. (lieber die Gesamtordnung des Hilfs- Werks für die Einwanderer aus Deutschland wird hier noch berichtet werden.) Eine Reihe der in dem Budgetauszug gemachteil Angaben sind von allgemeinem Interesse. Bei den Einkünften fällt zunächst der winzige Betrag auf, den die Gemeinde Jerusalem, im Gegensatz zu den übrigen Gemeinden seiner Fürsorgesfelle für Hilfszwecke zugewiesen hat (C 175 im Jahre). Die im ganzen nicht unbeträchtliche Einnahme des Jerusalemer Amtes (K, 2163־) stammt z. T. aus Sonderfonds des Waad Lcumi, zur Betreuung der Einwanderer aus Deutschland; zur Betreuung sonstiger Einwunderer; zur Unterbringung vernachlässigter Kinder usw., zum weiteren Teil aus privaten Spenden und aus Beteiligungen der Kollels und Gemeinden, denen die Betreuten angehören. Das Jahr 1935 36 wird den Anteil der Gemcinde erhöhen. Die bisherige Regelung vcrlangte von der leitenden Fürsorgerin einen fest jede Kraft übersteigenden Energieaufwand. Der der Tel-Awiwer Kinderfürsorge von der Iriah zugewiesene Befrag belief sich auf K 5335, unter Zurechnung der aus Anleihen zurückerhaltenen Beträge hatte die Stelle C 6651 zur Verfügung. Der speziellen deutschen Abteilung in Tel-Awiw wurden £ 275! ztigcwiescu. Deutlicher wird das Bild bei Betrachtung der Ausgabenseite: Dabei ist zu beachten, daß es sich hier nur um Beträge aus der offenen Fürsorge, nicht um Aufwendungen für die Er- Haltung von Anstalten handelt. Nur eine minimale bunitno geht unter der Rubrik: Unter- Stützung lokaler Anstalten. Unter den Ausgaben fällt zunächst der außerordentlich geringe Spesensalz der Aemter von noch nicht 10 0״ auf, ein Betrag, dem allerdings noch einige Sachleistungen der Gemeinden und Zu- Weisungen aus Spczlalfontls der Frau Szold zuzurechnen sind, die der ersten Durchsetzung und Ingangbringung von Aemtern dienen. Ferner ist auffällig, daß der für die Augenblickshilfe beim Tel-Awiwer Gemeindeamt verwandte Betrag prozentual weit größer als der eiltsprechende Betrag in Jerusalem und Haifa ist, wo stärkere Ausgaben für produktive Zwecke gemacht wurden. Die Gesamtsumme der durch die sozialen Aemter gegangenen Hilfsgclder beträgt gegen £ 20000. Mehr als die Hälfte dieser Summe ist für Zwecke der Kinderfürsorge ausgegeben worden. Wenn noch irgendwo Bedenken gegen den produktiven wert der sozialen Arbeit bestehen sollten, wird diese Tatsache sie entkräften können; die Fürsorge für das Kind, seine Betreuung in Fällen von Verlassenheit, Vernachlässigung und sonstiger Gefährdung wird immer eine der vornehmsten Aufgaben der Gemeinschaft bleiben. Hebräische Literatur / ji*ra«f k o h e n ״Isdiim“, von Nahum Sokolow Im ״Stybcl-Vcrlag“ erschienen 3 Bände von Nahum Sokolow unter dem Titel ״Ischim" (Gestalten), die größere und kleinere Essays über Schriftsteller, Politiker und andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens enthalten, mit denen der Autor in Berührung kam. Nahum Sokolow ist ein Phänomen innerhalb der hebräischen Literatur. Einzigartig ist er in dem Reichtum seines Schaffens und einzigartig in der Form seiner Gestaltung. Nur wer ein Gedächtnis hätte wie Sokolow selbst, könnte eine Gesamtdarstellung aller seiner Schriften geben. Seine erstaunliche Lebendigkeit ist auch itt den Bänden ״Isehiin“ spürbar. Hier finden wir eine Galerie vcrschicdenster Persönlichkeiten, deren Leben von Interesse für die breite Oeffcntlichkeit ist. Offenbar entspricht das Thema ״Iscliim“ in ganz besonderem Maße der Neigung des Schriftstellers Sokolow. Hier hat er Gelegenheit, in großzügiger Weise Figuren zu formen, Fäden aus Ereignissen und Charakterzügen zu spinnen und einen angemessenen und klugen Oebrauch von dem reichen Schatz seiner persönlichen Erinnerungen und schriftstellerischen Erfahrungen zu machen. Die Darstellung ist so leicht und brillant, daß der Leser fast glaubt, er höre eine sprühende Unterhaltung, wo die Historien, Gedanken, Ideen einander ablösen. Jedes Essav, das der Form nach eine einzelne Persönlichkeit zum Gegenstand hat, wird unter der Feder Sokolow« zu einer lebendig bewegten Mensehen- und Milieuschilderung, zu einem Kapi• tel Geschichte aus der jüngsten Vergangenheit. Man liest das Essay über Frischmann oder Äfft* Perez und erlebt die ganze Epoche, in der jene gelebt und gewirkt haben. Aus Details, Milieuschilderungen und Ereignissen ersteht die Vergangenheit mit der ihr eigenen Atmosphäre und ihrem Kolorit, ln diesen Büehern finden sich Essays (z. B. über Bornstein, Max Nordau, die Rathenaus, Bergson usw׳.), die mustergültig zeigen, wie eineCha* rakteristik bedeutender Männer zu schreiben ist. Wir wissen nicht, worüber wir staunen sollen: über die Beobachtungsgabe und das gewaltige Gedächtnis oder über den Farbenreiehtum und die Schönheit der Schilderung oder über den Menschen Sokolow, der sein Leben lang ein Sammelpunkt, ein Brennpunkt der Kontakte mit Persönlichkeiten größeren und kleineren Formats war. Und wenn die Skizzen auch eine durchaus persönliche Note haben, dialektisch und als Ergebnis subjektiver Eindrücke gegeben sind, so drängt sich doch nirgends die eigene Person störend in den Vordergrund. Alles erscheint klar und selbstverständlich. Zuweilen glaubt man, diese drei Bände seien nur geschrieben, um zu beweisem, daß eine Urharmonie die Ordnung dieser Welt und ihre Bewohner umfange. Denn obgleich sich dem Leser ein buntes Panorama an Gostalten und Nebenfiguren auftut, so vereint sic doch am Ende alle der Geist der Einheit und der Versöhnung. Nur einiges sei hervorgehoben. Zum Epos wird das Essay über Jcchiel Bornstein, wo er das Wesen des jüdischen Autodidakten schildert, jenes Judentyps, der, den Talmud und den Schulchan Aruch im Kopfe, ins Leben hinaustritt. und wissensgierig sich unterfängt, alle Zweige der Wissenschaft, der Theorie und der Praxis, im Sturm zu nehmen; der die neu erworbenen Wahrheiten mit dem gleichen Faiiatismus verteidigt, wie er zuvor sich für die alten Wahrheiten eingesetzt hat. Der jüdische Autodidakt ist ein Mensch, der־ für die Wissenschaft auf den Scheiterhaufen steigt. Ein prächtiges Denkmal ist hier jener Generation gesetzt, die aus eigenem sich die Wissenschaft erobern mußte. Da ist das Porträt von Joseph Israels. Sokolow offenhart sich uns hier selbst als Maler. Niemand wird diese Charakterschilderung lesen, ohne den Maler Joseph Israels leibhaftig vor sich zu sehen. Und nicht nur ihn selbst, sondem seine Kleidung, seinen Gang, seinen Arbeitsraum, seine Art zu reden und mit den Leuten um/ugehen. Ja, und den Haag und seine Straßen, den Pförtner, die Blicke der Passanten, die auf den Juden weisen, der aussieht, wie ״ein hebräisches Gimal". Dieses Essay ist wie ein Gemälde, das würdig ist, den Gemälden Joseph Israels selbst an die Seite gestellt zu werden. Es ist wohl das Schönste in diesen Bänden. Sokolows Sprache sprüht Reiehtum und Lebemiigkeit. Er bringt verborgene Schätze ans Tageslicht, schafft neue Worte und Wetidun-?' ,, vom Tenach zum Talmud, von Jehuda Halevy zu Llieser Hakalir, vom Chassidismus zu den Mitnagdini und zur Haskaiah. Die 3 Bände ״Iscliim" sind ein klassisches Werk, vorbildliche Essays, aus denen viele lernen werden, Kultur, Esprit, Erfahrung und schöpferische Phantasie sind in ihnen konzenfriert literarische Notizen S c h rn u e 1 D a j a n, früher Chawer In Deganiah, jetzt einer der Siedler ir! Nahalal und ein Führer der Moschawim-Bewegung, hat ein Buch über Deganiah herausgegeben. In diesem Buch sind viele Dokumente Und Belege gesammelt und geordnet, die in den Büros zahlreicher Institutionen verstreut waren. Di« Bedeutung des Buches liegt vor allem darin, daß wir eine Schilderung Deganinlis aus der ersten Zeit erhalten. Die beigegebenen Bilder aus den verschiedenen Perioden liefern eine gut« Illustration zum Text. Dr. J. Schipper, der bekannte Nationalökonoin, gibt im ״Stybel-Verlag“ eine ״Jüdische Wirtschaftsgeschichte״ heraus. 2 Bände sind bereits erschienen. Sie beginnen mit dem Ausgang des Altertums und führen bis ins Mittelalter. Im ״Stybcl-Verlag“ erschien eine Erzählung von S. L. Blank mit dem Titel ״Moschawa“ (Kolonie). Dieser Schriftsteller hat bereits eins Reihe von Erzählungen geschrieben, die da* Leben jüdischer Bauern in den Dörfern Bes9■ arabiens schildern. Auch dieses Werk behandelt das gleiche Thema. (Schluß des Palästina-Teils) Margraf & Co., Juwelen - Gold - Silber 0. M. I. H. JtUFt •AMMELNUMMKR A* FLORA •9*1 Die schönsten Oeschenkartikel in reichster Auswahl / Auch Ankauf UNTER DEN LINDEN 6 laden im hotel sristol / TAUENTZIENSTR. 10A rcki nürnumi« str, / KANONIERSTR. B ENGROSABTEILUNG