Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 15 (21.2.1936)
- Date
- 1936-02-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JOD IS T MP RUNDSCHAU Nr. 15, 21. H. 1936 Die Zukunft der südamerikaniscken Juden Von Dr. Arthur Ruppin Mit diesem Artikel gelangt die Serie von Dr. Ruppin über seine Reise nach Südamerika (vgl. Nr. 7, 11, 12, 13) zum Abschluß. (Red.) Die k&oftlge Einwanderung Es ist deshalb nicht leicht, die Prognose der rukfmftigen Entwickln!'׳; der siidamerikanischen Judcnhcit zu stellen, weil ein wesentlicher Faktor dieser Entwicklung, nämlich der Umfang der zukünftigen jüdischen Einwanderung nicht feststeht. Er hängt nicht von den Juden, sondern von den Regierungen der siidamerikanischen Länder ab. Diese wiederutn werden sich in ihrer Entschließung, ob, wann und in welchem Maße sie die Einwanderung und speziell die jüdische Einwanderung aus Osteuropa, die jetzt nur 60Ü0 bis 7000 jährlich beträgt, wieder in größerem Umfange erlauben werden, von wirtschaftlichen und politischen U m s t ä »den in ihren eigenen Ländern und in fremden Ländern leiten lassen. Wie diese aber nach einem Jahrzehnt, ja sogar nur nach einigen Jahren sein werden, ist nicht v o r a u s z u s c h c n. Nur soviel läßt sich sagen, daß^ in vielen siidamerikanischen Ländern die wirtschaftliche Krisis, welche der Anlaß zu den Einwanderungsbeschränklingen war, i!1 den Jahren 1033 bis 1035 abjjeflaut oder sogar über w u n d e n ist. Es w׳äre also an sich durchaus logisch, wenn mit der Ursache auch die Folge wegfiele und die Einwanderungsbeschränkungen gelockert würden. Länder, die so dünn bevölkert sind wie die Länder Südamerikas, braueben eine Einwanderung, um die Dynamik ihrer Wirtschaft zu verstärken. Allerdings werden auch im besten!״'alle die Ziffern der Einwanderung im Vergleich zu den Riesenziffern der jüdisehen Einwanderung in die Vereinigten Staaten in der Vorkriegszeit klein bleiben. Im Jahrzehnt 1021--1030, d. h. in der ״guten" (Vorkrisen-) Zeit, betrug die durchschnittliche jährliche Einwanderung von Juden nach Argentinien 8000 und nach den anderen siidamerikanischen Ländern 5000, zusanimen 1 s!100. ln diesen Zahlen sind einige Lander nicht enthalten, die erst seit 1031 angefangen haben, 1000—2000 jüdische Einwanderer jährlich aufzunehmen. Auf ()rund diescr Ziffern durften 15 000 jüdische Einwanderer als das jährliche M n x i m n m für das nächste Jahrfünft oder Jahrzehnt an/1!ep|1en sein. Wirtschaftliche Aussichten Wenn wir mit allem Vorbehalt diese Ziffern zur Grundläge nehmen, so sind die wirtschaftlichen Aussichten für die neuen Einwanderer und für die bereits in Südamerika befindlichen Juden, durchaus gute.!5000 neue jährliche Einwanderer weiden in der sich entwickelnden Wirtschaft der siidamcrikani-elien Länder in derselben Weise ihren Platz finden können wie ihre Vorgänger. Der Hausierhandel und das Abzahlungsgeschäft werden nicht ewig ihre Hauptbeseliäftigung sein, aber sie sind eine ausgezeichnete Vorschule für den Großhandel. Der Hausierer, der ״Klapper“ und der Ab- Zahlungshändler muß sich auf seine Kunden in höchstem Maße einstellen; anders als der Inhaber eines Ladengeschäftes, zu dem die Kunden bereits mit Kaufabsicht kommen, muß er in dem Kunden erst die Kaufabsicht wecken. In den Vereinigten Staaten kam der Einwanderer, der als Arbeiter in die sweal-shops ging, fast nur mit Juden in Beruhrung und hatte eine einförmige Arbeit, die seiner Initiative keinen Anstoß gab. Der jüdische Einwanderer in Südamerika muß in seinem Berufe viel mehr Initiative und Klugheit entfalten. Das hat auf den ganzen Geisteszustand der Juden einen Einfluß. Man findet nicht die geistige Stumpfheit, die man so häufig bei den niederen jüdischen Schichten in Osteuropa — und sogar in den Vereinigten Staaten — antrifft. Ich war oft erstaunt, mit weichem Interesse Hausierer und kleine Händler den Dingen dieses Lebens und besonders jüdischen Dingen zugewandt sind, und mit welcher Sicherheit und Höflichkeit sic sieh benehmen. So wie die deutschen Juden, die von 1850 bis 188t) in die Vereinigten Staaten ciinvainlertcii, vom 1 lausierhandei zu Großkauflcuten, Bankiers und Industriellen aufge-tießon sind, so haben die Juden in Südamerika bereits diesen Aufstieg begonnen und sie werden ihn, m; sch׳ int mir, in schnellem Tempo fortsetzen. I )er R e lebt u m 8 ii d a m c r i k a s an allen wichtigen Rolistoficn ist unermeßlich; er ist bisher nur zum kleinsten Teile aiisgenut/t. ln der Zukunft wird Südamerika sicher in der Weltwirtschaft eine viel größere Rolle spielen und die Juden werden daran, in Großhandel und in der Großindusfrie, ihren Teil haben. Daß sie in größerer Zahl in die L a n d Wirtschaft oder in die industrielle Arbeiterschaff übergehen werden, ist wenig wahr scheinlieh, solange’ sie mit ihrer kaufmännischen Fähigkeit im Handel ein beul finden. Die Assimilation Weniger optimistisch sind wir in bezug aut die Frage, ob die Kräfte, welche die Juden Südamerikas der Assirui 1 a t i o n vidgegenitellen, bei einer jährlichen Finwanderting von 15 000' imstande sein werden, sie über die dritte orler vierte Generation hinanals Juden zu erhalten. Die beste Watfe in dem Kampf gegen die Assimilation ist die jüdische 1' r a d i! i o n, welche die Einwanderer aus Osteuropa mitbriiigcn, die intensives jüdisches Leben dort noch mitgelcbt haben, Ls sind deshalb diese Einwanderer und nicht ihre in Südamerika geborenen Kinder, auf deren Schultern heut das Judentum in Südamerika ruht. Würde man die Südamerikanischen Juden in zwei Teile teilen, in die als Erwachstne Lingcwanderteii einerseits und ihre Kinder andererseits, so würde sich, zeigen, daß von den ersten fast ein jeder, von den letzte•! nur ein kleiner Prozentsatz ein lebendiges Interesse an jüdischen Dingen nimmt. Jedes Jahr, in dem mehr und mehr von der ״alten Garde“ aussterhen, verändert das Gesicht des siidamerikanischen Judentums in der Richtung der Assimilation. Zur Zeit besteht wahrscheinlich noch die Mehrheit der siidamerikanischen Juden aus Personen, die. selbst als Erwachsene nach Südamerika gekommen sind. Aber dieser Prozentsatz vermindert sich von Jahr zu Jahr. Im Jahre 103-1 wurden in Südamerika etwa 8000 jüdische Kinder geboren, während etwa 2000 Einwanderer der alten Generation starben. Die Zahl der Erwachsencn unter den neuen Einwanderern im Jahre 1934 betrug höchstens 4000. Die Bilanz ist also, daß die Juden sicli um 8000 traditionslose Kinder, aber nur um 2000 traditionstreuc Erwachsene vermehrt haben. Und wenn gar eine drifte Generation hcraufkommt, die schon im Lande geboren und von Litern erzogen ist, die selbst jüdische Tradition nicht mehr in Osteuropa eingesogen, sondern nur in sehr verblaßter Form in Südamerika selbst empfangen haben — dann gilt das Gesagte natürlich in potenziertem Maße. Alle Erscheinungen, die wir in West- und Mitteleuropa als Folgen der Assimilation sehen, nämlich religiöse Indifferenz, Mischehen, Taufen, treffen wir auch in der zweiten Generation der jüdischen Einwanderer in Südamerika an. Zahlen darüber sind leider nicht erhältlich. Ich mußte mich auf allgemeine Angaben kompetenter Beobachter verlassen. Retardierende Faktoren Der Prozeß der Assimilation würde natürlich langsamer verlaufen, wenn die Einwanderung die von uns angenommene Zahl erheblich übersteigen würde. Dann würden an die Stelle derjenigen, die sterben oder abfallcn, ebenso viel oder mehr neue jüdisch-erfüllte Menschen treten. Die Assimilation würde dadurch zwar nicht aufiiören, aber sie würde nicht den Bestand der siidamerikanischen Judenheit gefährden. Wir haben bei dieser Prognose zwei andere Faktoren außer Betracht gelassen, die auch von Bedeutung sind, näinlieh den Antisemitismus und den Zionismus. Wir glaubten, daß die Darstellung klarer sein würde, wenn wir wie der Physiker die Wirkung jedes einzelnen Faktors für sich allein betrachten, obwohl natürlich im sozialen Leben nicht ein Faktor allein, sondern alle Faktoren zusammen wirken. Der Antisemitismus Der Antisemitismus war in Südamerika vor dem Weltkriege unbekannt. Er ist eigentlich erst im letzten Jahrzehnt bemerkbar geworden und besonders in den drei Jahren seit der nationalsozialistischen Revolution in Deutschfand Durch die letztere ist die Jitdenfrage auch in den südamerikanischen Zeitungen zu großer Publizität gelangt und eine einsetzende Propaganda hat die Anfänge einer antisemitiischcn Bewegung ms Leben gerufen. In gewissem Maße war der Boden dafür durch das Anwachsen der Juden unter den Studenten und Akademikern und durch die Konkurrenz, der Juden im Handel vorbereitet. Erst kürzlich haben z. B. die christlichen Juweliers in Buenos Aires in einem Aufruf sich darüber beklagt, daß ihnen viele Kunden abgefangen würden Das Wort ,,Jude“ oder sogar ״Russe“ (Rtiso) war darin nicht enthalten, aber es war klar, daß es sich gegen die jüdischen Hausierer und ״Klapper“ wandte. Besonders scharf reagieren, wie das auch in Europa der Fall ist, die A k a - demiker gegen die aufkommende jüdische Konkurrenz. Die Regierungen verhalten sich zu dieser Bewegung neutral, sie respektieren die gesetzliche Gleichberechtigung der Juden, aber bei Beamtenernennungen usw. ist die jüdische Religion kein Vorteil. In das eigentliche Volk, d. h. die Landwirte und Arbeiter, ist der Antisemitismus noch nicht gedrungen; er ist auf den städtischen mittleren Bürgerstand und die Akademiker beschränkt. Mit Rasse-Antisemitismus hat der südamerikanische Antisemitismus freilich keine Aehnüchkcif. Ein Rasscnthcorefiker, der nach Brasilien kommt, würde sich wundern, wie Brasilien (und ähnlich auch die anderen südamerikanischen Staaten) die Rassenfrage gelöst hat: auf dem Wege völliger Gleichheit und Gleichwertigkeit der weißen und der farbigen Rasse, die etwa V« der Gesamtbevölkerung ausmacht. Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten gibt es hier keinerlei fesellschaftlichp Zurücksetzung der Neger. Sie sind in allen heatern. Pcs4׳nr:'"‘־. Cafes mit und neben den Weißen zu finden. Auf den Straßen sieht man weiße und schwarze Schulmädclu-n unfe; ׳;efaßt spazieren und beobachtet verschiodenrassige Pärchen heim Flirt. Nirgends das geringste Zeichen, daß die Weißen sich besser dünken als die Schwärzen. Mischehen sind häufig; man sagt den Portugiesen nach, daß sie sich mit besonderer Vorliebe mit Mulattinnen verheiraten. Das Resultat dieses friedlichen und freundlichen Zusammenlebens ist eine Zunahme der Mulatten-Bevölkerung. Der allergrößte Teil der Neger hat schon heute weißes Blut in sich. Dem Europäer, der Neger zum erstenmal in größerer Zahl aut den Straßen sieht, kommen viele von ihnen, besonders die Frauen, abschreckend häßlich und die Flirts zwischen ihnen und weißen Männern schwer begreiflich vor. Es hängt aber anscheinend hier sehr viel von der Gewohnheit ah. Inwieweit hier auch der Umstand mitspricht, daß in Brasilien die Weißen hauptsächlich aus Südeuropa (Spanien, Portugal, Italien), in den Vereinigten Staaten aus West- und Mitteleuropa stammen, ist schwer zu sagen. Ich habe versucht, Meinungen über das Resultat der Rassenmischung zu sammeln. Im allgemeinen hat man mir versichert, daß der Mulatte die gesunde körperliche Konstitution des Negers mit der größeren Intelligenz und Aktivitat der Weißen vereinigt und in die höheren kulturellen und wirtschaftlichen Schic!’,teil aufrückt. Das bekannte Sprichwort ״Gott hat den Weißen erschaffen, Gott hat den Neger erschaffen, aber der Teufel den Mulatten“ hat sich hier nicht bewahrheitet. Das Gesagte gilt in noch viel höherem Grade von Weißen iin Verhältnis zu Indianern. Die meisten Weißen in den Oststaaten Südamerikas haben Indianerblut in sich. Wenn also Rassentheorien sich in Südamerika schwer durchsetzen lassen, so hat der Antisemitismus doch aus wirfschaftlichcn Motiven, wie oben erwähnt, Aussicht auf immer mehr Nahrung. Die jüdischen Organisationen Argentiniens haben sich, als nach 1933 der Antisemitismus in Argentinien stärker wurde, zu einem Verband ״Delcgacion de Instituzioncs Israelitas Argentinas“ ziisatnrnengeschlossen, um dem Antisemitismus entgegenziitreten. Das Anwachsen der antisemitischen Welle kann die Assimilation der Juden verlangsamen. Denn Assimilation gedeiht am besten dort, wo freundliche soziale Beziehungen zwischen den Juden und ihrer Umgebung bestehen, ist der soziale Verkehr durch Antisemitismus gehemmt, findet das Assimilationssfreben der Juden auf der anderen Seite keine Gegenliebe, so ist der Jude gezwungen, in seinem Lager zu bleiben. Dar Zionismn■ Ein anderer Faktor, der der Assimilation entgegenwirken kann, ist der Zionismus. Die meisten Einwanderer haben aus Osteuropa die Liebe zu Palästina mitgebracht und viele haben sie auch in Argentinien nicht verloren. Es ist rührend, wie alte Kolonisten, die seit 30 oder 40 Jahren in den Ict-Siedlungcn den Boden Argentiniens bearbeiten, noch mit der Hoffnung leben, eines Tages nach Palästina zu gehen, und mit welchem Interesse sic den Aufbau Pa- Fästlnas verfolgen. Sie erinnerten mich an die Juden des Mittelalters, welche das diesseitige Leben nur aushielten, weil sie an ein jenseitiges Leben glaubten. Man kann behaupten, daß fast die ganze ältere Generation zionistisch gestimmt Ist. Anders ist es bei den Jungen. Sie sind meist vom argentinischen Leben mit seiner Vorliebe für Sport und weltliche Vergnügungen angezogen und stehen den Dingen, die nicht zu ihrer Zer- Streuung oder ihrem Fortkommen dienen, gleichgültig gegenüber. Von denjenigen aber, die sich darüber hinaus höhere Interessen erhalten haben, findet ein Teil den Weg zum Zionismus. Wenn der zionistische Gedanke durch die wachsende Bedeutung Palästinas neue Impulse erhält, wird er die Jugend auch in Südamerika in höherem Maße ergreifen und ihr jüdisches Bewußtsein so stärken, daß sie der Assimilation besser widerstehen können. Der Zionismus ist auch für die jungen Juden das bei weitem wirksamste Mittel gegen eine Infektion durch den Kommunismus, der in fast allen Staaten Südamerikas viele offene und geheime Anhänger besitzt, und gegen den auch die Juden nicht immun sind, wenn sie nicht durch ein eigenes großes Ideal, wie der Zionismus es darstellt, gebunden sind. Es ist eine werdende Welt, die sich in Südamerika vor uns auftut. Neben den eigentlich jüdischen Problemen melden auch allgemeine Menschheitsprobleme ihre Ansprüche an. Aber die Entwicklung scheint auch hier die Regel zu bestätigen, daß Juden unter einer Verfassung, die ihnen Gleichberechtigung gewährt, dem Strom der Assimilation auf die Dauer unterliegen, wenn niciit Gegenkräfte — Antisemitismus im negativen oder Zionismus im positiven Sinne —׳ wirksam werden. Hier liegt die große Bedeutung Paläst in as für das Schicksal des Weltjudentums. Ministerpräsident KoscialkowskI gegen Antisemitismus Warschau, 18. Februar. HTA.) Im Verlauf der Budget- De batte im pol 11 i selten Sejm hielt Minister- Präsident Koscialkowski eine Rede, in der er sich scharf gegen den Antisemitismus in Polen aussprach. Der Antisemitismus, erklärte der Ministerpräsident, verletze die Autorität der Regierung und untergrabe die Grundlagen des Staates. Die Regierung werde nicht zögern, die antisemitische Kampagne ebenso zu unterdrücken wie die Tätigkeit der Kommunisten. Sie werde dafür sorgen, daß die Sicherheit der Bürger ohne Unterschied der Nationalität und des Bekcnntiiisses gewahrt bleibe. Der Vorsitzende des Jüdischen Parlamentsklubs, Abg. Dr. Emil Sommerstein, richtete eine scharfe Anklage gegen die Duldung der judcnfeindlichcn Kampagne und wies auf die zahlreichen judenfeindürhen Ausschreitungen der letzlen Zeit hin. Er übte scharfe Kritik an der Regierung, die es verabsäume, der judenfeindlicheii Presse Scliranken aufzuerlegen. Dieser von der Regierung geduldete Pressefcld/ug sei es, durch den die Ausschreitungen hervorgerufen werden. Der Abgeordnete sprach sodann über den Wirt- Schaftsantisemitismus in Polen und die damit verbundenen Bo ykotthestreb ungen, die sich immer mehr verstärken. Die Unruhen an den Hochschulen seien zu einer chronischen Krankheit geworden; man bestrafe aber nicht diejenigen, die diese Unruhen hervorrufen, sondern die jüdischen Studenten, die gegen die ihnen widerfahrene Unbill Protest erheben. Den Kampf gegen die S c 11 e c 11 i t a brandmarkte Dr. Sommersfein als den Versuch einer Attacke auf die jüdische Religion. Gegen das Schächtverbot in Polen Warschau, 17. Februar. (JTA.) An der von der Waischaucr Jüdischen Gemeinde einherufenen Protest- Kundgebung gegen die geplante Einführung eines Schacht- Verbotes in Polen haben 250 führende Persönlichkeiten des polnischen Judentums, unter ihnen die Vertreter der Großgemeinden Warschau, Lodz, Lemberg, Krakau, Wilna, Kalisz, Lublin usw., sowie die Repräsentanten der großen Wirtschaftliehen und gesellschaftlichen Verbände teilgenommen. Mit Ausnahme des Vorsitzenden der Krakauer Gemeinde, der krankheitshalber verhindert war, an der Kundgebung teiizunehmen, und die Rabbiner Eisenstadt und Kornitzer mit seiner Vertretung betraut hatte, waren die Vorsitzenden der Großgemeindcn persönlich mit einer großen Zahl von Mitgliedern der Gemeindevorstände erschienen. Ansprachen hielten der Warschauer Oberrabbiner Prof. Dr. .Moses S c h o r r, die Abgeordneten Rabbiner Ruhinstein und M i 11 7. b e r g, Senator Trockcnhcira und der S o c 11 a c z o w e r R a b b i. Es wurde eine Resolution gefaßt, in der schärfster Protest gegen das geplante Verbot der Schcchita erhoben und an die Regierung und die öffentliche Meinung Polens der Appell gerichtet wird, diese Verletzung der jüdischen Rechte niciit zuzulassen. Die Tagung setzte ein aus 50 Mitgliedern bestehendes Aktionskomitee mit einer lSgliedrigen Exekutive zur Führung des Abwehrkampfcs gegen die Gefährdung der Sehechita ein. Antisemitische Literatur in Südamerika Im Zusammenhang mit dem in der ״J. R.“ veröffentlichten Bericht Dr. R u p p i n s über die Juden in Südamerika, worin er auch das Umsichgreifen einer antisemitischen Bewegung besonders seit 1933 darstellt, interessiert ein Aufsatz von Dr. Johann von L e e r s, der in der Mannheimer Zeitung ״I lakcnkreuzbaniicr“ abgedruckt ist. Der Verfasser berichtet darin über einen Roman 0״ r 0“ (״Gold“) von Don Hugo Wast, Mitglied der Argentinischen Akademie des Schrifttums. In dem Roman wird, gemäß dem erwähnten Artikel, in etwas phantastischer Weise der ״Aufstieg des Judentums als goldbesitzcndc Händlerschicht“ dargestellt, die dann durch eine Art alchimistischer Wundertat eines Juden, die das Gold wertlos macht, zum Zusammenbruch geführt wird und die Taufe nimmt. Dr. van Leers schreibt im Verlauf seiner Besprechung: ״In den Roman hiiicingoarbcitet ist eine außerordentlich genaue Kenntnis der jaden gegnerischen Literatur sowohl Frankreichs wie Deutschlands. Der Verfasser ist, trotz gelegentlicher kleiner Irrtiimer, ein wirklicher Kenner jüdischer Pläne. Er zitiert den Talmud, den Schulchan Arurh, kennt von den französischen Judengegnern den alten Edouard Drumont und das eigenartige Werk: ״Hinter den Kulissen der Revolution“ von I, e o n de Pmtcini. kennt die ״Protokolle der Welsen von Zion“, die er übrigens auch für in den Grundzügen historisch halt, bringt eine große Anzahl von Zitaten, wie sie sich im ״Handbuch der Judenfrage“ von Fritsch finden, aus dem ihm mindestens übersetzte Auszüge zugänglich gewesen sein müssen.“ Zum Schluß betont Dr. v. Leers, daß man in Südamerika mit seiner rassisch gemischten Bevölkerung die Rassenfrage anders beurteilt als z. B. in Deutschland, aber die Judenfrage sei dort als Frage erkannt, dafür sei dieser Roman ein Zeichen. ״Sollte er“ — so schließt Dr. v. Leers — ״der Anfang davon sein, daß das tüchtige, begabte spanische Volkstum in der Welt den Kampf gegen Juda wieder aufnimmt, der einst der Ehrentitel der großen Könige, Ritter und Mönche jenes Reiches Karls V. war?“ י׳ üas MODEPARFUM• KOPFWASSER ״״<״״״״,״, C/EAU DE COLOGNE* BADESALZ־•