Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 14 (18.2.1936)
- Date
- 1936-02-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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S4TS10 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 14, 18. fl. 1934 Kleine Haifaer Chronik Haifa, Anfang Februar 1. Tozereth Haarez ist erfreulicherweise immer wieder eine zugkräftige Parole für den Jischuw. Zur Zeit ist eine kleine Ausstellung von palästinensischen Erzeugnissen der jüngsten jüdischen Industrie in einem größeren Zimmer des Technikums zu sehen, und schon ist in den ersten Tagen ein Besuch von über 2500 Erwachsenen und 2000 Schülern zu verzeichnen. Enggedrängt liegen die Ausstellungsgegenstände von 35 Firmen nebeneinander. Der zur Verfügung stehende Kaum verhindert jede besondere Sorgfalt bei der Anordnung und eine gefällige Aufstellung. Kosmetische Artikel stehen neben Schuhen, Stahlmöbel neben Schokolade, aber Enge stört auch hier, so wenig wie sonst in Palästina (niemand nimmt z. B. Anstoß daran, wenn in einem Zimmer drei verschiedene Sitzungen zugleich stattfinden), das Publikum ist zufrieden und beifallsfreudig. Man merkt jedem den Stolz über die Fortschritte der palästinensischen Industrie an. Auf dieser Ausstellung ist das Bier aus der neu eröffneten Brauerei von Rischon (d. h. man sieht nur die Flaschen, Kostproben gibt es nicht), hier sind zum erstenmal die Primusse (die palästinensischen Kochapparate) von ״Tuval“, die man bis jetzt aus dem Auslande einführen mußte, die ersten Garne von Kfar Ata, die Badeöfen von Kremener, die Farben von Marberger und vieles andere schon bekannte, wie die Seifen von Schemen, die Schokoladen von Elite und Lieber usw. Die Einwanderer aus Deutschland sind unter den Besuchern noch nicht so zahlreich vertreten wie es wünschenswert wäre, sie haben überhaupt noch nicht so stark den Gedanken der Förderung von ״Tozereth Haarez“ aufgenommen wie der alte Jischuw. Die HOG. hat einige Nummern ihres Mitteilungsblattes dieser lebenswichtigen Frage gewidmet, aber es gibt auch auf diesem Gebiete noch viel zu lehren und zu lernen. 2. Calvary feiert 60. Geburtstag. Zu einer besonders schönen Feier hatte die Ahawa, Calvarys jetzige Wirkungsstätte, einige Gäste eingeladen. Man mußte das Fest noch in dem jetzigen provisorischen Heim in Naveh Shaanan begehen, da das neue Heim in der Haifa Bay noch nicht ganz fertiggestellt ist. Aber wie in der Ahawa üblich, wohltuend empfundene Gastfreundschaft und liebevolle Vorbereitung der Feier schufen sofort die Atmosphäre, in der man ein solches ״Familienfest“ feiern muß. in Aufführungen der Kinder und Jugendlichen von ״Szenen aus dem Leben Calvarys“ und insbesondere einer großen Bildfolge, die mit der Vertreibung seiner Ahnen aus Spanien begann, rollte Calvarys Leben vor den Augen der Zuschauer ab. Aus dem Scherz der Darstellung, der Bilder und Verse, hebräischer und deutscher, war noch ersichtlich, daß in diesem Leben Kampf für das als richtig Erkannte und persönliches Einstehen das ausschlaggebende waren und sind. Besonders nett war eine Szene, die in Homburg spielte. Es war in den ersten Jahren nach dem Kriege. Calvary sprach in Homburg mit seinem Jungen hebräisch, in I)cutschland damals wohl der einzige Fall außer der Familie Heinrich Löwe. Ein anderer Gast des Kurortes trat an Calvary heran und begann mit ihm ein hebräisches Gespräch, wobei beide betonten, daß es doch außerordentlich sonderbar wäre, daß der andere hebräisch spreche. Zum Schluß stellten sie sich vor. ״Mein Name ist Mosche Calvary.“ ״Mein Name“ erwiderte der andere, ״ist Chaim Nachman Bialik.“ 3. Haifaer Theater. Allgemein herrscht in Haifa das Empfinden, daß die Stadt auf geistigem Gebiet noch Provinz ist und hinter Jerusalem mit seinem intensiven Musikleben und Tel-Awiw mit seinen zahlreichen Vortragskursen, seinem Museum und seinem Theater zurücksteht. So sind theaterfreudige Kreise der Stadt daran gegangen, das ״TI1 catron iwri“ zu gründen, dessen Premieren in Haifa stattfinden sollen. Leiter ist Richard Rosenheim, früher in Königsberg, und Benno Frankel, früher Hamburg, der als Leiter der palästinensischen Kammeroper mit ihren sehr netten Auffülirungen schon bekannt ist. Man bereitet als erstes Stück ״Othello“ vor, Anfang März soll die Premiere sein, und das theaterliebende Publikum sieht der Aufführung voller Spannung entgegen. Erfreulicherweise hat Haifa im Armon einen schönen Theaterraum. Man sah in dieser Saison dort schon verschiedene Aufführungen von hohem Niveau. Leider kann man Haifas allerneuestem Theaterbau, dem Theater der Histadruth ״O r a h“ in der Herzl-Straße, kein uneingeschränkt tes Loh spenden. Es ist nicht recht verständlich, wie die Arbeiterschaft diese spielerische Außen■ und Innenarchitektur, die einen schon in Europa überlebten Stil einer kleinen bürgerlichen Oberschicht wiederholt, für ihr Gebäude wählen konnte und sich die Gelegenheit entgehen ließ, an dieser wichtigen Stelle etwas von dein Aufbauwilten einer neuen Gemeinschaft formal zum Ausdruck zu bringen. 4. Die Hitachduth Olef Germania hielt am 5. Febr. ihre Generalversammlung ab. hier gute Besuch — es waren über 300 Menschen anwesend — bewies, wie stark im letzten Jahre das Interesse der Einwanderer aus Deutschland an dieser ihrer eigenen Organisation gestiegen ist. in einer lebhaften Diskussion wurden verschiedene Wünsche für die Zukunft geäußert und einige Aktionen des Vorstandes kritisiert. Im ganzen wurde dem Vorstand, dein Sekretariat und insbesonriere der Sekretärin für Kulturarbeit, Frau Dr. Sternberg- Pinner, die Zufriedenheit für die geleistete Arbeit ausgesproeben. Es wurde ein engerer Vorstand von 5 Personen und ein erweiterter Vorstand von 16 Personen gewählt. 5. Miss Henrietta Szold traf am 5. Febr. mit dem Schiff ״Tel Aviv“ in Haifa ein und wurde von Dr. Katzenelson für den Waad Leumi, von Dr. Senator für die Agency und von zahlreichen Personen aus allen Kreisen des Haifaer Jischuw und einer Kindergnippe aus dem Jugenddort Schfeja empfangen. Auf einer improvisierten Zusammenkunft im Hotel Zion hezeichnete Miss Szold die Aussichten für die zionistische Arbeit in Amerika als günstig und erklärte, daß sic mit frischer Kraft ihre Tätigkeit in Palästina wieder aufnehmen würde. Dr. Albert Bier, Haifa Eine neue Zeitschrift. Die Autobuskooperative ״H a m a a w i r“, die 218 Mitglieder zählt und über 137 Auto- Busse verfügt, hat begonnen, eine eigene interne Zeitschrift herauszugeben. Diese Zeitschrift soll eine engere Verbindung zwischen den Mitgliedern schaffen, die aus den verschiedensten Kreisen stammen und von denen zwei Drittel (150) erst während der letzten drei Jahre in die Kooperative eingetreten ist. Ein großer Teil dieser neuen Mitglieder ist neucingewandcrt und muß erst über das palästinensische Leben unterrichtet und ihm angepaßt werden. Die neue Zeitschrift bringt Mitteilungen ihre Ziele und ihre 10 Mitglieder der Kooperative. Für die neu eingewanderten Aerzte unterhält die lernsalemer Zweigstelle der ״Jüdischen ärztlichen Gesellschaft“ jetzt ein Informationsbüro, welches über alle Fragen, die die Aerztcschaft betreffen, Auskunft erteilt. Das Büro ist geöffnet: Sonntag, Dienstag, Donnerstag, von 12—1 Uhr, und befindet sich in der Wohnung von Dr. Druyan, Jaffa Road, gegenüber der Ecke King George Avenue. und Aufsätze über die Kooperative, Zukunft. Von den U Mitarbeitern »lud Die Araber in Palästina Von M. K a p e I j 0 k In dem folgenden Aufsatz setzen wir unsere in Nr. 8 begonnene Artikelreihe über Leben und Sitten der palästinensischen Araber fort. Diese Artikelreihe beabsichtigt, die Juden Palästinas, die erfahrungsgemäß häufig über die einfachsten Ge• brauche des mit ihnen im Lande zuaammenlebenden Volkes nicht orientiert sind, in großen Zügen über einige der wichtigsten Tatsachen zu informieren. Denn es besteht kein Zweifel, daß durch die Unkenntnis der Sitten, des An• standsgefühls und der ethischen Vorstellungen des Nachbarn häufig Mißhelligkeiten entstehen, die sich leicht vor•' meiden lassen würden. (Red.) 2. Die Kleidung An der Kleidung kann man erkennen, zu welcher Schicht und welcher religiösen Gemeinde ein Araber gehört. In der Stadt sind zwei Trachten zu unterscheiden: die europäische und die national-traditionelle, in beiden Fällen wird der rote ״Tarbusch“ getragen, der als nationale Kopfbedeckung angesehen wird. Der Ursprung dieses randlosen roten Hutes mit der schwarzen Troddel ist europäisch. Die Türken brachten ihn aus Bosnien mit, als sie Palästina eroberten. Auen die europäisch Gekleideten — und zu ihnen zählt fast die ganze Jugend und ein großer Teil der Be gilt erten, die Beamten usw. — tragen den Tarbusch, der die einzige national« Note in ihrem Anzug bildet. Di« typische traditionelle Kleidung des städtischen Arabers besteht in weiten Hosen, die im Arabischen ״Sirwal“ heißen und einer kurzen gestickten Weste über einem langen gestreiften Kleid, das mit einem Stoff- oder Ledergürtel zusammengchalten wird. In der so gekleideten Masse gibt es verschiedene Typen: Arbeiter und Handwerker tragen an Stelle des Tarbusch eine schwarze, oben spitze und unten breite Kappe. (Die Kappen, die auch verschiedene Farben haben können, zeigen auch an, aus welchem Dorf oder welchem Städtchen der Träger ist oder was er für ern Handwerk betreibt.) Unter den Städtern findet man als Kopfbedeckung auch die ״Leffe“, ein weißes Tuch, das in mehreren Streifen um den Tarbusch gewunden wird. Die ״Leffe“ und der ״Oubbah“, ein langer weiter Mantel, machen den Träger als mit dem geistlichen Stande verbunden kenntlich: als ״Mufti“ (Lehrer), ״Kadi“ (geistlicher Richter), als einen der religiösen moslemischen Geleimten oder als einen Diener in der Moschee. Alte Leute umwinden ihren Kopf mit einem weißen oder farbigen Tuch als Zeichen ihrer Gottesfurcht und Frömmigkeit. Auch die Mekkapilger der alten Generation benutzten ein Kopftuch als Zeichen, daß sie eines der wichtigsten Gebote des Islam erfüllt haben. Auch findet man verschiedene farbige (in der Regel grüne) Tücher als Zeichen der Zugehörigkeit zu einem der religiösen Orden (Derwische). Die ältere Generation lehnt die Tendenz der Jugend ab, den nationalen Anzug mit dem europäischen zu vertauschen. Sie sehen darin einen Verrat der nationalen Tradition und der religiösen Bräuche. Sie sind nicht nur gegen die Abschaffung des ״Tarbusch“ und den europäischen Hut, sondern auch gegen die ״Sadarah“ oder ״Taisaliah“, die neue irakische Kopfbedeckung, wie sie der verstorbene König Faisai von Irak trug. Bis heute ist der Tarbusch, nicht nur bei den Moslems, sondern auch bei den arabischen Christen, die verbreitetste Kopfbedeckung geblieben. Die Nationalisten propagieren den Tarbusch gegen den europäiseben Hut, während ein Teil der zum ״Lstaklal“ gehörenden nationalen Extremisten die ״Faisaliah“ tragen, als das Symbol Faisals, der für die arabische Freiheit kämpfte und einen neuen arabisch,«! Staat gründete. Die städtische Araberin bedeckt — im Gegensatz zur Fellachin und Beduinin — ihr Gesicht mit einem Schleier. Das moslemische Mädchen muß ihn schon in der ersten Jugend anlegen. Eine moslemische Frau ist bereits bei Betreten ihrer Türschwelle gezwungen, den Schleier herunterzulassen. Wenn keine fremden Männer zugegen sind, darf sie ihn aufschlagen, sobald sich jedoch ein Mann zeigt, wird das Gesicht wieder verhüllt. Der Schleier ist nicht nur ein religiöses Gebot, sondern wurde im Laufe der Zeit auch zu einer geheiligten Tradition. Seit Jahrzehnten kämpfen die Aufgeklärten und die Reformer unter den Arabern gegen den Schleier, der die Frau zur dunkelsten Abgeschlossenheit verurteilt. Der Kampf hat sich in letzter Zeit verschärft. In Aegypten wird die Zahl der Frauen, die in der Oeffentlichkeit "unvcrschieiert erscheinen, immer größer. Dasselbe gilt für Persien, ln der Türkei ist der Schleier unter dem modernen kcmalistischen Regime abgeschafft worden. Vor einigen Jahren versuchte eine Gruppe von Frauen in Jaffa, unversciileiert auf die Straße zu gehen, nachdem sie einen Vortrag gegen den Schleier gehört hatten, aber sie konnten nichts durchsetzen, weil ihre Verwandten sich der Neuerung mit allen Kräften widersetzten. Eine arabische Frauendeiegation jedoch, die den früheren High Comniissioncr nach den Unruhen von 1920 besuchte, trat ihm ohne Schleier gegenüber. Im Gegensatz zu den umgebenden Ländern wird in Palästina der Kampf gegen diesen Brauch nicht in der Oeffcntlichkcit geführt, aber die Frage wird dennoch diskuiiert: vor einigen Wochen erschienen in der streng moslemischen, in Jaffa erscheinenden Zeitung ״El Dschamiah el Arabieh“ (Pan-lslam) Aufsätze für und gegen den Schleier. Die städtischen Araber sind rasiert und tragen dabei einen Schnurrbart, der als Zeichen der Männlichkeit betrachtet wird. Unter den arabischen Schwüren lautet einer: ״be’chiat Schawarabi“ (״beim Leben meines Schnurrbarts“). Der Fellache trägt als Kopfbedeckung die ״K 0 f 1 j a h“, ein großes, in der Regel weißes Tuch, das er ganz um den Kopf bindet, und zwar in verschiedener Weise, je nach seinem Heimatort. Viele Fellachen bedecken den Kopf auf dieselbe Weise wie der Beduine: das Tuch, das nach beiden Seiten herabfällt, wird nach Junten zurückgenommen, ln der Mitte des Kopfes sitzt der ״Adjal“, eine Art dicker schwarzer Strick, der zwei- bis viermal um den Kopf gewunden wird. Die Fellachen tragen ein langes, kleidähnlicnes Hemd, das ein Gürtel zusammenhält. Auch sie gehen rasiert, wenn auch bei ihnen dieser Brauch nicht so allgemein ist wie bei den Städtern. Wenn sie alt werden, lassen sie sich häufig einen Bart wachsen, der kurz geschnitten das Gesicht umrahmt. Unter dem Kim! wird der Bart rasiert. Zwischen dem Anzug des Fellachen und der Fel- I a c h i n ist kein großer Unterschied. Beide tragen die langen kleidähnlichen Hemden. Geht die Fellachin aus dem Hause, 90 wickelt sie sich in ein großes Tuch, eine Art von Laken aus weißer Leinwand, das vom Kopf bis zu den Füßen reicht. Sic geht in der Regel barfuß. Der Fellache benutzt dagegen gelegentlich grobe schwere Halbschuhe. Strümpfe sind im arabischen Dorf so gut wie unbekannt. Die Fellachin hat eine große Vorliebe für Schmuck, für Perlen, Ringe und Armbänder. Sie behängt damit die Arme, die Beine, den Hals und die Ohren, ln den arabischen Dörfern findet man vielfach Frauen mit tätosvierten Gesichtern und Händen, mit Zeichnungen von Pflanzen, Tieren, Geräten usw. Auch die Fellachen tätowieren vielfach ihren Körper. Am meisten ist diese Sitte unter den Beduinen verbreitet. Sowohl die städtischen Frauen als auch die Fellachinneit färben ihre Augen mit einer blauen ״Kachle“ genannten Farbe; für Hand- und Fußnägel wird rote Farbe verwandt, die ״Huine“ (Henna) genannt wird. Sie wird aus der im Hohen Lied genannten Pflanze ״esehkol Hakofer“ hergestellt (Hohe l.ied 14, 1). Das ״Huine“ ist in! arabischen Dorf die restfarbc. Bei Hochzeiten und anderen Festen färben sich die jungen Fellachen ihre Handflächen damit. Den Beduinen erkennt man an seiner hohen Gestalt, seinen wild wachsenden Haaren und seiner leichten Kleidüng: Hose und Hemd und darüber die ״Abajah“, eine Art wollener Mantel. Die lange und breite Abajah ist das wichtigste Kleidungsstück des Beduinen. (Die Abaiah in ihrer verschiedenen Form wird auch von den Fellachen und gelegentlich sogar von den Städtern benutzt, aber lange nicht so allgemein wie bei den Beduinen.) Der Beduine benutzt die Abajah zu den verschiedensten Zwecken, er schläft darauf, er deckt sieh damit zu, er breitet sie auf Büschen oder Stöcken als Schutzdach gegen die Wüstensonne aus. Als Kopfbedeckung kennt der Beduine nur Kofijah und Adjal. Die Beduinin und 'die Fellachin trägt keinen Schleier (arabisch chfgaw), aber statt dessen den ״Burka“, eine Art schweres Gehänge aus arten Münzen, Goldstücken, Perlen und Muscheln. Der ״Burka“ ist schwer und bedeckt einen Teil des Gesichts, vor allem Mund und Nase. 3. Das Niveau der Bildung und Kultur Das Analphabetentum unter den moslemischen Arabern ist sehr weit verbreitet. Nach der Zählung von 1931 konnten nur 75 659 von 693 159 Moslems in Palästina lesen und schreiben, das sind weniger als 11 % der Gesamtzahl. Der Rest — über 89 0/0 — sind völlige Analphabeten. Unter den Christen ist der Prozentsatz, der lesen und schreiben kann, höher: 48 0/0 der Gesamtzahl. Unter den moslemischen Frauen können weniger als 3 <0'י lesen und schreiben (im ganzen 8948 von allen moslemischen Frauen des Landes). Unter den Christinnen ist der Prozentsatz größer: 37 0/0. Jedoch vermehrt sich die Zahl der Araber, die lesen und schreiben können, von Jahr zu Jahr, wenn auch das Tempo des Fortschritts nicht schnell ist. Die englische Regierung tut — verglichen mit dem früheren türkisch«! Regime — viel, um das Analphabetentum unter den Arabern zu be• kämpfen. Während es zur türkischen Zeit nur wenige arabische Schulen Im Lande gab, bestehen heute mehr als 300 in Palästina. Die Regierungsschulen reichen jedoch nicht aus, um das heute unter Arabern sehr starke Biidungshediirfnis zu befriedigen. Es bestehen daneben zwei Arten von Privatschulen.• solche von relativ modernem Aufbau und solche nach altem traditionellen Muster, die dem jüdischen ״Cheder“ ähneln (arabisch ״kuttäb“ genannt). Nach dem letzten Regierungsbericht sind während eines Jahres 43 neue moslemische private Schulen gegründet worden. (Die Christen benutzen vielfach die verschiedenen Missionsschulen. Gelegentlich werden sie auch von Moslems besucht) Im Jahre 1932 lernten in den Regierungsschul«! 24 514 moslemische Schüler, in Privaischulcn der Moslems 9205 Schüler. Abendkurse für Arbeiter und Angehörige der armen Schiebten existieren nicht. Es gibt im Lande keinen einzigen arabischen Verlag, kein Theater, keine Schule für Musik oder Malerei. Es gibt auch keine literarische Wochen- oder Monatsschrift. Es bestehen 5 Tageszeitung«! (4 erscheinen in Jaffa, 1 in Jerusalem). Daneben existiert eine Anzahl von Blättern, die ein- oder zweimal in der Woche erscheinen und nur geringe Bedeutung haben. Für die kulturellen Bedürfnisse (Journale, Magazins usw.) sorgt Aegypten und gelegentlich auch Syrien. (Von dort kommen Truppen von Schauspielern, Sängern und Tänzerinnen.) Zum Tode von Lutz Fellchenfeld. Lutz Feilchenfeld, der erste Führer der religiösen Jugend-Alijahgruppe in Kibbuz Rodges, ist nach langer und schwerer Krankheit am 5. Schwat fn Davos gestorben. Ein Enkel des bekannten Posener Raws, besuchte er nach Absolvierung der Universität das Berliner Rabbinerseminar. Längere Zeit hindurch war er der Bundeslciter der religiösen Jugendbewegung Esra. Nach dessen Teilung nahm er führend an der Arbeit des Brit Chaluzim Datiitn teil, ging selbst auf Hachscharah, und mit der ersten religiösen Jugend-Alijahgruppe kam er nach Erez Israel. Aus der praktischen Arbeit, mit der er mit seiner ganzen Person verbunden war, riß ihn die tückische Krankheit heraus, die ihn zuletzt zu einem — wie er hoffte, vorübergehenden — Verlassen Erez Israels zwang. — Das hervorstechendste Merkmal seiner Persönlichkeit war die selbstverstündliche Jüdischkeit, die sein ganzes Leben umfaßte und der er einen außerordentlich lebendigen Charakter zu geben wußt?. Das gesamte Erbe der Vergangenheit, die Liebe zu Erez Israel Und unsere Aufgaben als arbeitende Menschen in Erez Israel wußte er zu einer Einheit zu verschmelzen und verwirklichte in seiner Person wie nur wenige die Ideale der religiös-chaluzischen Bewegung. Eine unbändige Liebe für Thora und Erez Israel sprach aus allen seinen Worten und Taten, veranlaßte ihn, nach Erez Israel zu gehen, um dort Chaluzim der Thora und des Landes za erziehen. Diese Begeisterung gestaltete jeden Schiur, jeden Oneg Schabbat bei ihm zu einem außerordentlichen Erlebnis, und darum konnte er eine tiefe Wirkung auf die Jugend ausüben. Auch in Erez Israel begnügte er sich nicht mit dem Vorhandenen, in der Jugendalijah sah er die Möglichkeit, eine Gemeinschaft der religiösen chaluzischen Jugend zu schaffen, die ihr Leben ohne Kompromisse ganz im Geiste der Thora aufzubauen gewillt ist. Die Bewegung des Bachad und besonders die Jugend in Rodges wird sein Wirken als Vermächtnis ehren. Erich Rosenblüth, Kibbuz Rodges Araber, die unbefugt den den Arbeitssicdlungen bei Karkur gehörenden Boden zu pflügen begannen, sind von der Polizei entfernt worden, bis die eingereichte Beschwerde verhandelt wird. Ihre Zelte blieben auf dem Boden stehen. Die hebräische Presse hebt hervor, daß die meisten dieser Araber in jüdischen Pflanzungen beschäftigt sind. Der durch ein Attentat unbekannter Täter verletzte Rechtsanwalt Elia sh in Jerusalem befindet sich auf dem Wege der Besserung, Unter den zahlreichen Besuchern, die dem Verletzten ihre Sympathie zum Ausdruck brachten, waren auch die höchsten englischen Beamten des palästinensisehen Justizwesens. Die. polizeiliche Untersuchung hat noch keine Ergebnisse gehabt