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Jüdische Rundschau · 1936-02-18 · Heft 14 (18.2.1936) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 14 (18.2.1936)
Date
1936-02-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU PALÄSTINA-BLATT NR. 14,18. FEBRUAR 1936 Die Bestimmungen der neuen Bankenverordnungen Jerusalem, 12. Februar. (JTA.) Die neue Bankenver- Ordnung für Palästina, durch die ein Bankenkontrolleur eingesetzt wird, ist in der Absicht erlassen worden, nicht so sehr die Zahl der schon bestehenden Banken einzuschränken, als vielmehr eine abnorme Zunahme der Banken in Palästina zu verhüten. Ein weiterer Zweck der Verordnung ist es, der Palästina-Regierung die Möglichkeit direkter und indirekter Kontrolle und Leitung des Bankwesens in Palästina zu geben. Die Verordnung bestimmt, daß jede Bank und jede Kreditgenossenschaft eine Q e - nchmigung des High Commissioner für ihre Transaktionen besitzen muß. Diese Genehmigung kann vom High Commissioner entzogen werden. Er kann auch die Gründüng neuer Banken ohne Angabe von Gründen verbietcn. Das Gesetz sicht die Ernennung eines Bankkontrolleurs durch den High Commissioner vor. Dieser Kontrolleur erhält das Recht, unangekündigte Revisionen der Buchführung der Banken vorzunehmen. Die Banken sind verpflichtet, dem Bankprüfer der Regierung seine Arbeit in jeder Weise zu erleichtern, widrigenfalls Geldstrafen bis zu 50 Pfund über sie verhängt werden. Wie bereits gemeldet, hat die Regierung F. G. Hotwill von der Westminster Bank zum Bankprüfer ernannt. Mr. Horwill hat seine Arbeit bereits aufgenommen. Die Lage auf dem Haifaer Arbeitsmarkt ln den letzten Tagen fand in Haifa eine Sitzung der lokalen Leitung der Histadruth unter Beteiligung einer großen Anzahl von Vertretern der Berufsverbände statt. Bei der Sitzung wurde die Lage auf dem Arbeitsmarkte besprochen. Der Leiter des Arbeitsamtes der Histadruth in Haifa teilte mit, daß sich in den letzten Tagen eine Besserung der Situation auf dem Arbeitsmarkte bemerkbar mache. Besonders spürbar sei die Besserung im Bereiche der lndustrie. In der letzten Zeit hätten die jüdischen Fabriken Haifas die Zahl der von ihnen beschäftigten Arbeiter um 300 erhöht; die jüdischen Industrieunternehmungen in Akko und die intensive Wirtschaft Naharias (bei Haifa) hätten 300 neue jüdische Arbeiter aufgenommen; bei Regierungsarbeiten hätten zur selben Zeit 350 neue jüdische Arbeiter Beschäftigung gefunden. Jetzt sei man im Begriff, eine Reihe von neuen Straßen auf dem Har Hakarmel, Hadar Hakarmel und in Kiriat-Chaim anzulegen und einige große genossen schaffliehe Arbeitersiedlungen zu errichten; diese Arbeiten würden einigen hundert jüdischen Arbeitern Beschäftigung geben. Trotzdem würden in Haifa infolge des Rückgangs der gesamten Baubewegung noch ca. 600 jüdische Arbeiter beschäftigur.gslos bleiben. — In der Debatte wurde unterstrichen, wie notwendig es sei, die Aktion für Tozeret H a a r e z zu verstärken. (Palcor.) Promotionsfeier an der Jerusalemer Universität Jerusalem, 12. Februar. (Palcor.) Im Beisein von Führern des Jischuw und Regierungsvertretern fanden die Promotions-Feierlichkeiten der naturwissenschaftlich-mathematiscben Fakultät an der Hebräischen Universität Jerusalem statt. Dr. Magnes hob in seiner Eröffnungsrede hervor, daß zum erstenmal in der jüdischen Geschichte Biplogic und Naturwissenschaft in hebräischer Sprache gelehrt werde. Nach Verteilung der Diplome hielt Sir Arthur wauchopc eine Ansprache, in der er erklärte, daß Palästina Wissenschaftler ebenso nötig brauche wie andere Arbeiter, damit im Jüdischen Nationalheim eine feste Grundläge für die kulturelle Entwicklung der kommenden Geschlechter gelegt werde. Die Schlußansprache hielt der Rektor der Universität, Dr. Hugo Bergmann. Dr. Wcizmann, der an der Feier gleichfalls teilnehmen sollte, konnte infolge eines starken Sturmes nicht von Rechowoth nach Jerusalem kommen. Wissenschaftliche Literatur in hebräischer Sprache Aus Tel-Awiw wird uns geschrieben: Der ״Dawar“ beklagt den fühlbaren Mangel an Wissenschaftiicher Literatur in hebräischer Sprache. Die Veröffentlichung wissenschaftlicher Bücher auf Hebräisch erfordert heute noch große finanzielle Opfer, die kein Verlag ohne Subventionen bringen kann. Ein solches Buch kann nur mit einer sehr beschränkten Zahl von Käufern rechnen, und so findet die Privatinitiative, die sich der hebräischen schönen Literatur mit Erfolg angenommen hat, hier kein Betätigungsfeld. Manches ist natürlich schon geschehen, aber eine wirklich fühlbare Hilfe kann der wissenschaftlichen Literatur nur mit Unterstützung öffentlicher Institutionen werden. Der Verfasser des Artikels im ״Dawar“ denkt an die Universität, für deren vornehmste Aufgabe er es hält, wissenschaftliche Literatur im hebräischen Original und Uebcr- Setzungen ins Hebräische zu veröffentlichen. Die Universität hat auch in der Tat schon mit solcher Arbeit begonnen und eine Anzahl philosophischer Klassiker in hebräischer Ueber- Setzung herausgebracht. Aber parallele Veröffentlichungen für die Naturwissenschaften fehlen gänzlich. Selbst Rechenschaftsberichte über die Arbeiten in den Laboratorien der Llniversität erscheinen nicht auf Hebräisch. Auch naturwissenschaftliche Zeitschriften in hebräischer Sprache fehlen gänzlich. Aut vielen Wissensgebieten gibt cs noch nicht einmal Lehrbücher für die Mittelschulen. Ebenso fehlen populärwissenschaftliche Bücher für die Naturwissenschaften. Die wenigen Arbeiten, die auf solchen Gebieten in hebräischer Sprache gedruckt wurden, sind nicht als besondere Bücher erschienen. Ueber die Relativitätstheorie zum Beispiel kann man sich auf Hebräisch allein in der vorwiegend literarischen Zeitschrift ״Hatekufa“ orientieren, wenn man die betreffenden Bände auftreibt. Der Verfasser wünscht die Errichtung eines besonderen Instituts für hebräische wissenschaftliche Literatur, das die dringendsten Bedürfnisse feststellen, einen festen Arbeitsplan aufstellen und die nötigen Kräfte mobilisieren soll. Sobald ein solches Institut existiert und wirklich arbeitet, werden sich auch die nötigen Mittel unschwer finden. Der ״gesamtpalästinensische Aspekt‘1 ״Great Britain and the East“ Ober die englische Palästina-Politik Die Londoner Zeitschrift ״Great Britain and the East“ äußert sich im Leitartikel ihrer letzten Nummer über die Ziele der englischen Palästina-Politik. Der Lauf der Zeit — so heißt es in dem Artikel — mildert viele Probleme, aber die seit der Einsetzung der englischen Zivilverwaltung in Palästina verflossenen fünfzehn Jahre haben für die schwer arbeitenden Beamten, deren Pflicht es ist, die Grundsätze des Mandats zu verwirklichen, keinerlei Ruhepause gebracht. Verdächtigung, Mißverstehen und Schmähung der Motive und Handlungen in der Mandatarmacht herrschen heute so frei wie jemals; auch das Mißtrauen zwischen Arabern und Juden hat nicht abgenommen. Unter den unparteiischen Beobachtern, die das Heilige Land besuchten und in sein wirkliches Leben tief eingedrungen sind, besteht Uebereinstimmung darüber, daß in keinem Teil der Welt, wo englische Verwalter für die Wohlfahrt der ihnen anvertrauten Völker arbeiten, ein Problem vorhanden ist, dessen Lösung zweifelhafter wäre als in Palästina. Vereinigung zu einem ״Organischen Ganzen“ Dennoch hat die Ungewißheit der Endlös an g — und es wird von Anhängern verschiedener, häufig gegensätzlicher Anschauungen eine Menge von Lösungen vorgeschlagen — die Mandatsbehörde keineswegs verzweifeln lassen; ihre Hoffnung bleibt die gleiche wie seit jeher, nämlieh die, daß die verschiedenen Völker des Heiligen Landes unter der unausgesetzten Formung durch englische Unparteilichkeit und Logik sich vielleicht zu einem organischen Ganzen vereinigen werden mit einem weder spezifisch arabischen noch spezifisch jüdischen, sondern einfach palästinensischen Ausblick. Es wäre indiskret, zu sagen, in welchem Ausmaß diese Hoffnung zu tatsächlichem Glauben gereift ist. Jedenfalls steht fest, daß diese Hoffnung keinen unermüdlicheren Für- Sprecher hat als den gegenwärtigen High Commissioner Sir Arthur Wauchope, der allerdings, nachdem er während der ersten fünf Jahre seiner Amtszeit von dem Lob seitens der Zionisten und infolgedessen dem Mißfallen der ״politisehen“ Araber begleitet war — wenn auch dieses Mißfallen keineswegs persönliche Beziehungen beeinträchtigte —, jetzt, während seiner zweiten Amtsperiode, anscheinend von der Mißbilligung derjenigen Kreise begleitet sein wird, von denen Lobeshymnen auszugehen pflegten. Der Legislative Council Im Mittelpunkt der jüdischen Kritik der Palästina- Regierung steht im Augenblick der geplante Legislative Council mit den angeblichen Aenderungen der Ein- Wanderungsbestimmungen und der Bedingungen für jüdischen Bodenkauf als zusätzlichen oder alternativen Zielen. In bezug auf all dies kann jedoch die Palästina- Regierung leicht verteidigt werden, nicht nur weil sie im besten Interesse einer bestimmten Gemeinschaft handelt, sondem mehr noch, weil sie die allgemeine Wohlfahrt des ganzen Landes im Auge hat. Wenn es jemals ein bestimmtes Versprechen an die Bevölkerung Palästinas gab, so war es in bezug auf diesen Legislative Council der Fall. Dieser Plan, der in dem Weißbuch von 1930 angekündigt und drei Jahre später von dem Sprecher der Palästina-Regierung vor dem Völkerbund in Gent wiederholt wurde, mußte in Angriff genommen werden, sollte nicht das Wort der Mandatarmacht als ein Fetzen Papier behandelt werden. Und anzunehmen, daß der ״Mann an Ort und Stelle“ die Zeit für die Durchführung des Planes schlecht gewählt hat, daß er durch seine Bemühung, ihn zu verwirklichen, den Interessen des Heiligen Landes entgegenhandelt, heißt etwas anzunehmen, was die Gesamtheit des englischen Volkes nicht für berechtigt halten wird. Die Nachkriegsmelhoden der Diplomatie unterscheiden sich sehr von denjenigen vor der Einführung der Mandate. Aber noch immer gibt es freundliche Achtung für den ״Mann an Ort und Stell c“. Wir vertrauen jedenfalls darauf, daß die Antwort, die in Palästina selbst gegeben werden wird, es dem High Commissioner ermöglichen werde, seinen Plan eines Legislative Council fortzuführen. Auch zweifeln wir trotz der gegenwärtigen Erscheinungen nicht an einer späteren jüdischen Beteiligung. Wir wagen die Vermutung, daß die Zionisten, sobald sie gesehen haben werden, wie der Strom fließt, ebenso wie das Wasser von Ras el Ain endlich doch die Heilige Stadt erreicht hat, dazu werden gebracht werden, Schulter an Schulter mit ihren arabischen Landsleuten in förderlicher Beratung zusammenzusitzen. Einwanderung und Bodenkaut Was die weit verbreiteten Gerüchte, aber inoffiziellen Veröffentlichungen über Aenderungen der Bestimmungen für Einwanderung und Boden kauf betrifft, so ist es klar, daß die Palästina-Regierung in verantwörtlicher Kenntnis aller Tatsachen sich auf keinerlei Aendcrungen einlassen wird, außer im Hinblick auf das Wohl des ganzen Landes. Die wirtschaftliche Lage Palästinas kann nur von denjenigen als zufriedenstellend angesehen werden, deren Urteil aut Grund von Zahlen oberflächlich ist. Es ist offenkundig■, daß die wirtschaftliche Grundlage Palästinas bei einem sogar die wesentlichen Lebensbedürfnisse umfassenden Import, der den Export so bedeutend übertrifft, den ernsten Versuch einer gründlichen Acnderung von oben bis unten erfordert. Ihre schwache Struktur wurde durch die kleine ״Panik“ in Bankkreisen im letzten Herbst illustriert. Die aus dieser Episode zu ziehende Lehre war für die Palästina-Regierung keineswegs verloren, deren Festhalten an einem Ueberschuß von 6 Millionen Pfund der zustimmenden Aufmerksamkeit von Anhängern einer gesunden Finanzwirtschaft nicht entgangen ist. Was immer die Regierung aut dem Weg der Acnderung von Einwanderungsbestimmungen tun sollte, wird mit dem Ziel geschehen, die wirtschaftliche Stabilität des Landes im allgemeinen und damit des ״Jüdischen N a t i o n a 1 h c i in s“ zu festigen. Und was immer sie tun sollte, um ein Bodeniuinimnm für den arabischer! Bauern zu erhalten, wird In ähnlicher Absicht und damit zum Wohl der arabischen Bevölkerung geschehen. Weder in dem einen, noch in dem anderen Fall kann jedoch die Palästina-Regierung auf Popularität aus sein. Denn sowohl die Araber als die Juden wollen, wenn sie Gerechtigkeit fordern, Bevorzugung; und gerade das ist es, was die Regierung, eher! auf Grund der Bestimmungen des Mandats, nicht gewähren kann. Bedeutsamere I landlungcn der Verwaltung können nicht an sich, sondern nur in ihrem weiteren Aspekt beurteilt werden. Würde die Regierung sich aut die Diskriminierung ciniassen, würde sic ihren Sinn für Gleichgewicht aufgeben, dann würde sie ihre raison d'etre verlieren und verdientermaßen zum Sturz kommen. Nur dadurch, daß sie es ablehnt, das Gleichgewicht zu stören, kann sie ihre Verpflichtungen erfüllen; diejenigen, welche — von welcher Seite immer — einen Druck dahin auszuiiben versuchen, daß sie von dieser Stellung abgehe, dürften eine Enttäuschung erleiden. Aenderungen des englischtransjordanischen Vertrages Jerusalem, 13. Februar. (JTA.) Die transjordänische Regierung hat im Amtsblatt folgende Aenderungen des Vertrages zwischen England und Transjoraanien veröffentlicht, die jetzt in Kraft treten: 1. England anerkennt das Recht der transjordanischen Regierung, in den Nachbarländern Konsuln zu bestellen. 2. Die Ausgaben des britischen Residenten in Amman werden künftighin nicht mehr von Transjordanien, sondern von England gedeckt. 3. Die Pflicht, englischen Beamten im Emirat kostenlos Wohnungen zur Verfügung zu stellen, wird abgeschafft. 4. Die transjordanische Regierung erhält Autonomie auf dem Gebiet der Zollpolitik. Diese Zugeständnisse sind das Ergebnis langjähriger Verhandlungcn, die auch wahrend des vorjährigen Besuches Emir Abdullahs in London fortgesetzt worden sind. Die arabische },resse weist darauf hin, daß die Abänderung des cnglisch-transjordanischen Vertrages nach der Bekanntgabe des Projektes, in Palästina einer! Legislative Council einzusetzen, vorgenommen wurde und ein Glied in der Kette der englischen Bemühungen bilde, mit Rücksicht auf die allgemeinen politischen Verhältnisse im Nahen Osten die Sympathien der Araber zu gewinnen. Der Keren-Kafemeth-ttoalevard wird mit Baumen bepflanzt; je drei Kinder pflanzen einen Baum ״n m, Chamisdia Assar B’sdiwat in Tel-Awiw ך ״י ״- ■■ י - —————— י — ——י———י־--זיmr■‘ ' fit Santen. Gießhannen und Banmsehößlingen bewaffnet, marschieren die Kinder zum Pflanzen der Bäume .. ,.״״ D1־״״״ i* ׳§ יו %s -%»!» .:, ■ v׳־' 4 »

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