Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 14 (18.2.1936)
- Date
- 1936-02-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAü Nr. 14, 18. II. 1936 Die ״Südafrikanische Union“ als Einwanderungsziel Ein jüdischer Rechtsanwalt aus Deutschland, der sich längere Zeit zu Studienzwecken in Südafrika auf hielt, sendet uns aus Johannesburg die nachstehende Darstellung, die sich auf die wirtschaftlichen Bedingungen beschränkt, ohne die — gleichfalls sehr wichtigen — jüdisehen und gesellschaftlichen Verhältnisse zu erörtern. (Red.) Die ״Südafrikanische Union“ ist, insbesondere seit etwa einem Jahre, für viele, die sich mit dem Oedanken der Aus- Wanderung befassen, in den Vordergrund gerückt. Die nachstehenden Ausführungen sollen auf Orund eingehender, an Ort und Stelle getroffener Feststellungen dartun, welche Aussichten sich in der ״Union“ für Einwandcrungslustige bieten. Vorweg sei schon gesagt, daß die ,,Union“ keineswegs als die allen Arbeitswilligen winkende Zufluchtsstätte angesehen werden kann. Das ganze Land, das mehrfach so groß wie Deutschland ist, zählt etwa 13/! bis 2 Millionen weiße Bewohner, die Zahl der Farbigen wird auf 6 Millionen geschätzt. Von den Weißen gelten wenigstens 400000 als ״poor whites“ als ״arme Weiße“, die ihren Lebensunterhalt nur ganz knapp und dürftig finden. Arbeitslose oder solche, die nur zeitweilig Arbeit haben und dann wieder nach neuer Beschäftigung Ausschau halten müssen, gibt es auf fast allen Gebieten. Die Zahl derjenigen, die seit 1933 aus Deutschland ins Land gekommen sind, schätzt man auf wenig mehr als 2000, eine Zahl, die im Verhältnis zur Gesamteinwohnerzahl nicht hoch ist. Der weitaus größte Teil ist in erträglicher Weise untergekommen. Dabei ist aber zu beachten, daß einerseits jede, auch noch so schwache Beziehung verwandtschaftlicher Art von den Eingewamlcrten ausgenutzt ist und daß andererseits in den ersten zwei Jahren auch durch die Komitees in anerkennenswerter Weise viel und gute Arbeit geleistet ist. Ganz naturgemäß aber hat die Intensität dieser Arbeit nachgelassen, wie durch die Dauer der Zeit seilest, so auch — was nicht verschwiegen werden darf — dadurch, daß manche Eirigewanderte den Komitees Enttäuschungen bereitet haben. Besonders tätig war das Komitee in Kapstadt (Capetown), das den meisten Einwanderern der erste Landungsplatz war und ist. Man hilft und berät auch beute noch, so gut es geht. Praktisch aber kann heute durch diese Stellen nur noch in vereinzelten Fällen geholfen werden, insbesondere dann, wenn es gilt, Facharbeiter unterzubringen oder ganz junge Leute, die bereit sind, auf dem Lande, also nicht in den größeren Städten zu arbeiten. Solche jungen Leute können — wenn auch in recht beschränkter Anzahl — auf dem Lande dort eingestellt werden, wo meist nur ganz wenige Weiße wohnen. Sie werden dort von den Inhabern der Geschäfte gegen Wohnung, Verpflegung und ein geringes Gehalt bzw. Taschengeld — etwa £ 5 — beschäftigt, lernen Land, Leute und Sprache — englisch und afrikaansch — kennen, arbeiten sich ein und haben dann meist in nicht allzu langer Zeit Gelegenheit, entweder in besser bezahlte Stellungen aufzurückcn, als Reisende itn Lande tätig zu sein oder sich gar — hei besonderer Tüchtigkeit — selbständig zu machen; sie können bald auch, jetzt landes- und sprachkundig, leichter in der Großstadt Unterkommen. Um sich selbständig machen zu können, werden sie sich gern nach einem — schon erfahrenen — Partner umschen, der nicht schwer zu finden ist. Jedes Eingehen einer Partnerschaft — und das gilt für alle derartigen Teilhaberschaften — sollte jedoch mit allergrößter Vorsicht behandelt werden: ln vielen Fällen haben Leute, die Geld mitgebracht haben, dieses durch die ihnen überlegenen, eingesessenen Teilhaber verloren oder der Eingewanderte ist, wenn er einen Betrieb in mühsamer Arbeit hochgebracht hatte, von seinem Partner hinausgedrängt worden und hat so diesem die Früchte seiner eigenen Arbeit überlassen müssen. Die hiesigen Gesetze lassen ein solches Vorgehen dann erleichtert zu, wenn ein Partner zu weniger als 50 ״/o beteiligt ist. Die Ein wand er ungs Bestimmungen können hier nur kurz gestreift werden. Es wird das sogen. Vorzeigegeld und die Gewähr dafür verlangt, daß die etwaige Rückreise gesichert ist. Dafür reichen insgesamt ca. £ 100 aus. Eine Erhöhung dieses Betrages, der allgemein genügt, ist nicht erfolgt. Die bereits ini Herbst 1935 nach dieser Richtung in Deutschland wiederholt gehörten Ansichten — z. B. generelle Erhöhung auf C 250 — sind nicht zutreffend. (Ob und wann eine Erhöhung einmal eintrift, läßt sich natürlich nicht sagen. Es wird aber m. E. vorerst nicht dazu kommen, schon weil mau damit rechnet, daß die Ein- Wanderung von selbst abflaut.) Das Vorzeigegeld kann einmal «dadurch ersetzt werden, daß für den Einwanderer die ״form of undertaking“ in genau vorgeschriebener Form — nur auf amtlichem Formular gültig! ~ vorliegt, was das Bestreben eines Anstellungsverträges voraussetzt, zum anderen durch eine Bürgschaft von seiten eines Dritten, der die südafrikanische Staatsangehörigkeit besitzt. In der Vergangenheit haben auch die Komitees bzw. einzelne Herren, die diesen angeboren, solche Bürgschäften, und zwar in ziemlich großer Zahl, übernommen. ■Jetzt wird das nur noch in vereinzelten Ausnahmcfällen geschehen, wenn es sich nämlich um einen guten Facharbeiter handelt, der mit größter Wahrscheinlichkeit schnell in Stellung und Verdienst kommt. Hat der Einwanderer die Schranken des Immigration officers passiert, so ist er ein grundsätzlich freier Mann, der beginnen kann, was er will, und der in keiner Weise behelligt und belästigt wird, solange er sich nicht gegen die Gesetze vergeht. Es gibt keinen Mefdezwang, nietnand — auch z. B. im Hotel nicht — verlangt auch nur das Vorzeigen des Passes oder dergleichen: Der Einwanderer ist sich selbst überlassen; er hat entweder Glück und kommt unter — oder nicht, (ln Parenthese sei bemerkt, daß jeder Mann sich davor zu hüten hat, irgendwelche Beziehungen zu einer Farbigen anzuknüpfen, wenngleich ihm unter Umständen leicht Gelegenheit dazu geboten wird. Er würde sich nicht nur der Gefahr völliger gesellschaftlicher Aechtung, sondern auch schwerer Bestrafung — ähnlich der Zuchthausstrafe, evtl, verbunden mit Prügelstrafe — aussetzen. Es wäre sicher schon manches Unheil verhütet worden, wenn auf diese Verbote schon an den Landungsplätzen durch entsprechende Anschlage hingewiesen würde!) Zu den Aussichten für einzelne Berufszweige wäre kurz folgendes zu sagen: Handwerker wie tüchtige Facharbeiter fast jeder Art dürften schnell ihren Arbeitsplatz finden. Besonders gilt das für tüchtige Schreiner, Maurer, Mechaniker, Installateure, Dekorateure, Metzger u.s. f. Oanz besonders gute Aussichten haben Friseure und vor allem Damenfriseure und Friseusen, die allein schon in den Zeitungen täglich In großer Zahl gesucht werden. (Diese Aulzählung kann natürlieh nicht erschöpfend sein.) Für Akademiker ist die Lage schwierig. Es wird verlangt, daß — je nach der Fakultät verschieden — eine Anzahl von Semestern nachstudiert wird und daß dann Examina gemacht werden. Das gilt für den Mediziner, den Zahnarzt, den Anwalt wie den Ingenieur. Der Arzt und Zahnarzt muß mit drei Jahren rechnen. Unterzieht er sich dem — z. Zt. tun das allein in Johannesburg acht Herren —, so hat er allerdings als deutscher Arzt recht gute Aussichten. Der Ingenieur wird mit zwei Jahren auskommen. Gelingt es ihm, dann auch noch das sogen, rote ticket, ein Oesundheitszeugnis, zu erhalten, so kann er, dann für alle Tätigkeit aut und in den Minen geeignet, zu den besten Stellungen und Einkommen gelangen. Für den Anwalt liegen die Dinge in jedem Falle ziemlich hoffnungslos: Wie in England, so ist auch hier im Lande die Scheidung zwischen dem solicitor und dem vor Gericht verhandelnden Vollanwalt vorhanden. Der letztere tritt kaum in direkte Beziehungen zu seiner Klientel, sondern nur zum solicitor, der also die Beziehungen zum Publikum unterhält. Für den früheren deutschen Anwalt wird es — von seltenen Ausnahmen abgesehen — schwierig sein, entweder als solicitor genügend Beziehungen zum Publikum oder als Vollanwalt solche zu einer genügenden Zahl von solicitors zu bekommen. Landwirtschaft. Hierfür werden nur ganz wenige Einwanderer in Frage kommen. Einmal ist die Lage der Farmer alles andere als rosig — sie werden vielmehr von der Regierung unterstützt — und neue Stellen werden nur selten geschaffen, zum anderen aber läßt der Farmer seine Arbeiten durchweg durch Kaffern verrichten, mit denen er Weiße nicht zusammen arbeiten lassen wird und die außerdem für einen Lohn arbeiten, der für keinen Weißen annehmbar wäre. Die wenigen Stellen als Aufseher über die Kaffern setzen völlige Kenntnis der englischen und afrikaanschen Sprache voraus. Kaufmännische Berufe. Abgesehen von den oben behandelten jungen Leuten, die auf das Land gehen und dort in den kleineren Betrieben arbeiten wollen und können — für Aeltere oder Verheiratete scheidet das aus, weil man sie nicht einstellt —, sind die Chancen als recht schlechte zu bezeichnen. Kaufmännische Angestellte sind kaum unterzubringen, es sei denn, daß ihnen verwandtschaftliche oder Be- Ziehungen zu Freunden zur Seite stehen. Der Beruf ist eben überfüllt: Man sagt z. B., daß in Cape-Town auf einen Käufer sechs kaufmännische Angestellte kommen. Das ist auch ein Grund dafür, daß von denen, die kamen, mancher das Land schon wieder verlassen hat. Wer sich selbständig machen will, muß Geld haben, und zwar durchweg viel Geld, andernfalls wird er nicht konkurrenzfähig sein oder wenigstens nicht den für Der Schächtverbot-Antrag in Polen Der von dem Abgeordneten Prystör im polnischen Sejm eingebrachte Antrag auf Erlassung eines Schacht- Verbots ist veröffentlicht worden. In der Begründung des Antrags wird behauptet, die Schechita sei kein Ritualgesetz. Es genüge, das Fleisch zu reinigen, um es koscher zu machen. Der Antrag fordert, daß es den jüdischen Gemeindevorständen verboten werde, Einkünfte aus der Schechita zu beziehen. Die erste Lesung des Gesetzentwurfes soll in der nächsten Sitzung des Sejm stattfinden. Dann soll das Projekt der Verwaltungskommission zugewiesen werden. Eine Abordnung der Agudat Harabonim (Rahbinerverband) sprach beim Innenminister vor und überreichte ihm ausführliches Material über den religiösen Charakter der Schechita. Warschau, 16. Februar. (JTA.) Die anläßlich der Einbringung eines Gesetzentwurfs gegen die Schechita am 13. Febniar nach Warschau einberufene allpolnische Rabbinerkonferenz, an der 70 führende Rabbiner aus dem ganzen Lande teilnahmen, legte feierlich Verwahrung gegen dieses Gesetzprojekt ein. Kardinal Inniizer über die Judenfrage Von unserem Berichterstatter J. R., Wien, 16. Februar Im Rahmen des Paulus-Werkes, das unter der Leitung des Paters B i c h l m a i r steht und den Zwecken der katholischen Judenmission in Wien dient, hielt aus Anlaß der Einweihung neuer Räume Kardinal-Erzbischof Dr. Innitzer eine Rede, in der er auch zur Judenfrage Stellung nahm. Kardinal Innitzer erklärte u. a.: ״Gewiß läßt sich die Judenfrage auch vom kulturellen, nationalen und ökonomischen Standpunkt aus betrachten. Wir werden deshalb auch für gewisse Notwendigkeiten für unser Volk nicht blind sein. Aber zunächst werden wir die große Parole: Gerechtigkeit und Liebe vor Augen haben.“ Die gesamte Wiener Tagespresse unterstreicht fet der Rede des Kardinals die auf die Judenfrage bezugnehmenden Ausführungen. Kein Verkehr mit Jaden ״Der Neue Tag“ in Köln veröffentlicht einen Aufsatz ״Stoßtrupp deutscher Kunst“, in dem jnitgeteilt wird, daß unter dem Namen ״Die Westfront“ Anfang November vorigen Jahres durch den Reichskultursenator Gaukulturwart Kelter, Essen, eine Arbeit*- und Ausstellung«• gemelnschaft westdeutscher Künstlergruppen geschaffen worden ist, der n a. die ״Rheinische Sezession“ m Düsseldorf, ״Die Schanze“ in Münster, die ״Wesder Kunstfreunde“, die ״Mannschaft“ in Essen, sowie andere Künstler gruppen und Künstlemersönlichkeiten angeschlossen sind. Der Vorsitzende der ״Westfront“, Direktor Mankopf, machte in einer Pressebesprechung über die Zwecke und Ziele der ״Westfront“ und über eine im Sommer geplante Aus- Stellung Mitteilung. Neu in der Geschichte der Kitasti«'■ Vereinigungen sei neben der weltanschaulichen Grundlage der Vereinigung im Sinne des Nationalsozialismus die an die Mitglieder statutenmäßig gestellte Forderung, jeden persönlichen, gesellschaftlichen und auch geschäftlichen Verkehr mit Juden und Judenstimmliagen zu unterlassen. das hier in weitem Umfange herrschende Abzahlung®- und Pumpsystem erforderlichen langen Atem haben. Geschäfte aller Art bestehen hier allerorts in einer Größe und Aufmachung, von der sich der nicht eingeweihfe Europäer kaum eine richtige Vorstellung macht. Nur wer mit einer vielleicht noch nicht vorhandenen — aber natürlich schwer zu findenden — Spezialsache starten will und kann, kommt mit weniger Kapital aus, ohne ein dürftiges Krämerdasein tristen zu müssen. Wer mit einer aussichtsreichen Sache kommt, findet auch unschwer einen Geldgeber oder Partner, wobei die erwähnte Vorsicht geboten ist. Das alles gilt wie für den Detaillisten im verstärkten Maße für den Grossisten, den wholesaler oder Wholesale dealer. Der kaufmännische Vertreter wird, wenn die Waren der vertretenen Firmen überhaupt abzusetzen sind, möglichst an den Grossisten zu verkaufen suchen, der am besten gemäß den Wünschen der Lieferfirma aus eigenen Mitteln oder mit Hilfe eines sogen. Shippers zahlt. Kann aber der Vertreter seine Ware nicht beim Grossisten unterbringen, so bleibt die Möglichkeit, einzelne besonders aussichtsreiche Artikel auf eigene Rechnung einzukaufen und sie dann vom eigenen Lager zu verkaufen. Das bringt Risiko mit sich, erfordert auch Kapital und macht cs evtl, nötig, sich eines Shippers zu bedienen, der dann die Zahlungen gegen angemessene Vergütung — meist 3—5 0/0, je nach der Länge der Darlehnsdauer — leistet. Den Shipper wird er aber nur finden, wenn seine eigene Bonität bis zu einem gewissen Grade feststeht oder wenn er eine Bürgschaft von ausreichender Güte bringt. Die zu überwindenden Schwierigkeiten erhellen aus all dem. Die Erlaubnis, Handel zu treiben, hängt von der Lizenz ab, die aber ohne weiteres für den selbständigen Kaufmann gegen Zahlung von £ 5, für den Vertreter überseeischer Firmen für £ 25 gewährt wird. Ein Wort noch über die einzelnen Städte: Außer Johannesburg und Kapstadt kommen erfahrungsgemäß die übrigen größeren Städte des Landes für Ein- Wanderer aus Deutschland nur in recht wenigen Fällen in Frage, nämlich Pretoria, Durban, Port Elizabeth, East London, Städte, die meist schon wegen des heißen Klimas nicht gesucht sind und in denen auch das geschäftliche Leben nicht so pulsiert wie in Cape-Town und vor allen Dingen in Johannesburg. Unter diesen beiden letzteren wird Cape- Town klimatisch und landschaftlich vorzuziehen sein, die Aussichten sind aber dort nicht so günstig wie in Johannesbürg, das, ca. 2000 tn hoch gelegen (etwa wie Arosa), auch recht erträgliches Klima hat, die Zentrale des Landes ist und eine im amerikanischen Tempo weiter wachsende Riesenstadt mit ungeheurem Geschäfts- und Verkehrsleben ist, aut das jetzt bereits die im Herbst 1936 beginnende große Ausstellung, die Empire Exhibition, ihre Schatten vorauswirft. Die Steuerlasten sind erträglich. Umsatzsteuer gibt es nicht, Einkommensteuer ist erst von einem Betrage an zu zahlen, der etwa 5000 RM. entspricht und auch von da ab sehr mäßig. Den H aus f r auen sei noch gesagt, daß die Lebensmittelpreise niedrig, in Johannesburg etwas höher, aber gegenüber den Preisen in Deutschland immer noch günstig liegen. Ferner, daß die Wohnungen, besonders in Johannesbürg, in modernster Aufmachung in Hülle und Fülle zu haben und durchweg mit Badeeinrichtungen, Beleuchtungskörpern, elektrischen und Gasherden, Frigidaire usw. ausgestattet sind. Die Preise, nach Lage und Größe verschieden, sind ertraglieh — wenn entsprechendes Einkommen vorhanden ist. Der Abgeordnete M i n z b e r g hat sich vergeblich bemüht, eine Vertagung der Gesetzesvorlage herbeizuführen. Die erste Lesung wird am Montag stattfinden. Die Warschauer Jüdische Gemeinde hat eine Konferenz der größten Gemeinden, der jüdischen Parlamentarier und der Vertreter der jüdischen Parteien und Wirtschaftsorganisationen zwecks Beratung von Maßnahmen zur Abwehr der Bedrohung der Schechita nach Warschau dnberufen. Warschau, 16. Februar. (JTA.) Die bei der jüdischen Bevölkerung Polens herrschende Erregung über den Gesetzentwarf gegen die Schechita ist durch die Nachricht gesteigert worden, daß noch vor Gesetzwerdung dieses Projektes der Stadtpräsident von Posen, Oberst Wienckowski, aui Grund des in Posen noch geltenden allgemeinen preußisehen Verwaltungsgesetzes ein Verbot der Tierschlachtung ohne vorangegangene Betäubung erlassen hat. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde Posen und das Rabbinat haben eine außerordentliche Beratung ahgehalten, in der beschlossen wurde, daß eine Abordnung der Gemeinde und des Rabbinats zum Minister für Kultus und Unterricht entsandt werden soll, um ihm eine Petition in dieser Angelegenheit zu überreichen. ProL Philipp Lenard und die Judenfrage Dl« ״Nationalsozialistischen Monatshefte“ vom Februar 1936 veröffentlichen unter der Ueberschrift ״Philipp Le• nard als deutscher Naturforscher“ eine Rede, die der Präsident der Physikalisch-Techn. Reichsanstalt und der Deutschen Forschungsgemeinschaft I. Stark zur Einweihung des Philipp-Lenard-lnstituts in Heidelberg am 13. Dezember 1935 gehalten hat. Eine darin wiedergegebene, von Lenard selbst verfaßte Kundgebung hebt u. a. hervor, daß der jüdische Formalismus in der Naturforschung unter allen Umständen zu verwerfen sei. An späterer Stelle der Rede heißt es u. a.: ״Als in den Jahren nach der jüdisch-marxistischen Revolte das Judentum die Regierungen und die Straße beherrschte, da hat Lenard in dem übermächtigen Einfluß des Judentums die entscheidende Ursache für das Unglück des deutschen Volkes gesehen, und er hat diese Erkenntnis nicht für sich behalten, sondern auch ausgesprochen. Als am Tage der Bestattung des erschossenen Juden Rathenau alle staatlichen Betriebe Deutschlands feiern sollten, hat er instinktiv von dieser Anordnung keine Kenntnis genommen und sich der Gefahr der Vergewaltigung durch eine marxistische Bande unter jüdischer Führung ausgesetzt, und wenig hätte gefehlt, so wäre er damals in den Neckar geworfen worden. Er hat sich aber durch diese Vergewaltigung nicht abschrecken lasset, auch später seine Stimme gegen de» jüdischen Einfluß, vor allen an der Heidelberger Universität, za erheben. Er war fest überzeugt, daß der jüdische Uebermut einmal za Fall kommen müsse. Mit Vergnügen erinnere ich mich noch heute an ein Gespräch, das ich in den Jahren 1928 oder 1929 mit Lenard hatte. Ich legte mit besorgter Miene dar, wie mächtig der jüdische Einfluß im Handel, in der Wirtschaft, in der Politik, m der Presse and m der Wissenschaft sei. Da flammten die Augen Lenard* auf und «nt« dem Hoch- und Niederreißen des Annes sagte m ״Und darum müssen die Juden erst recht Ws zum Mittelpunkt der Erde versenkt werden!“ _ Der Warschauer Stadtrat hat beschlossen, eine Straße nach Rabbi Berisch Meiseis im Gedenken an seine Verdienste beim polnischen Aufstand im Jahre 1863 zu b©■ nennen.