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Jüdische Rundschau · 1936-02-14 · Heft 13 (14.2.1936) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 13 (14.2.1936)
Date
1936-02-14
Page
– (sequence 14)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 13, 14. II. 1936 Damaskus — Kairo — Jerusalem dem auch vielleicht sogar hauptsächlich als Politika. Aber cs ist nicht einzuseheti, warum es unmöglich sein soll, einen Teil der Schatzreserven der Ankurbelung der Wirtschaft dienstbar zu machen, denn schließlich wird bei einer sich ausbrei- ♦enden Krise nicht nur der jüdische Sektor, sondern das ganze Land leiden, so wie das ganze Land von der jüdischen Prosperity profitiert hat. Und zum Schluß — jede Aktion, welche auch immer es sei, muh sofort, muß bald erfolgen. Jede Woche, die ״ohne Aenderung auf dem Arbeitsmarkte“ verstreicht, verschärft die Situation. Die Ankurbelung verlangt immer stärkere Kräfte, je länger sie hinausgeschoben wird, auch wenn die Zahl der Arbeitslosen nicht sprunghaft ansteigt. Eine Aktion zur rechten Zeit kann viel Unglück vermeiden und spätere größere Geldinvestitionen der öffentlichen Hand unnötig machen. Die Histadruth-Konferenz T e 1 - A w i w, 10. Februar. (JTA.) Unter Beteiligung zahlreicher Delegierter aus dem ganzen Lande wurde die Jahreskonferenz der Histadruth Haowdim eröffnet. Als die Hauptaufgabe der Konferenz bezeichnete David Remez in seinem einleitenden Referat die Bekämpiung der Arbeitslosigkeit Der Redner erklärte, man verlange von den Mitgliedern der Histadruth nicht, daß sie üeldsammlungcn zugunsten der Arbeitslosen eröffnen. Der richtige Weg sei vielmehr der, monatlich einen Tageslohn dem Arbeitsloscnfonds zuzuführen. Einen Bericht über die Lage auf dem Arbeitsmarkt erstattete F r 11 n! 1< i n. Die wirtschaftlichen Erschütterungen der letzten Zeit ließen es als notwendig erscheinen, daß die Regierung eine großzügige Aktion durchführe, durch die einer erheblichen Zahl jüdischer Arbeiter Beschäftigungsmöglichkeit geboten werden konnte. Der Arbeitslosent o n d s d e r Histadruth vertilge jetzt über 35 000 Pfund. Die Leitung des Arbeitslosenfonds habe Pläne ausgearbeitet, die die Beschäftigung von 2300 jiidKchcn Arbeitern schon in der nächsten Zeit ermöglichen. Außerdem werde jetzt eine besondere Institution mit einem Kapital von einer Viertelmillion Pfund geschaffen, die eine größere Zahl von Mictshäusern errichten und damit vielen Arbeitern Beschäftigung geben wird. An der Finanzierung dieser Institution werde sich auch dif Jcwish Agency beteiligen. In der zweiten Sitzung der Konferenz hielt der Leiter des Finan/deparienients der Jcwish Agency, Eliescr Kaplan, ein ausführliches Referat über die Wirtschaftslage Palästinas. Er erklärte 11. a.: Wir können feststellen, daß der Jischuw in wirtschaftlicher Hinsicht stärker ist, als man es erwartet hatte. Der Jischuw kann und muß das Arbeitslosen- Problem aus eigener Kraft losen, indem er Arbeitsmöglichketten in Landwirtschaft und Industrie schafft. Die Exekutive der Jcwish Agency tut alles, was in ihren Kräften steht, um eine Entwicklung in dieser Richtung zu ermöglichen. Der Führer des Transportarbeiterverbandes, Aba C h u schi, Haifa, schlug vor, die Konferenz solle für die Einführung der S1 :tägigen Arbeitswoche in Palästina eintreten. Eingehend befaßte sich der Redner mit der Ausbaufähigkeit des Innenmarktes, wobei er insbesondere die Propagierung des Tozeret-Haarez-Gcdankens durch Wort und Tat forderte. Aba Chuschi wies darauf hin, daß jährlich Millionen für ausländische Waren ausgegeben werden, die ebensogut im Lande selbst hergestellt werden könnten. Andere Redner forderten Maßnahmen, um die Diskrepanz zwischen dem Lohnniveau in Stadt und Iäorf zu verringern. Es wurde daraut hingewiesen, daß diese Unterschiede der Lohnhöhe für das ganze Land, besonders aber für den Jischuw selbst und seine wirtschaftliche Verwurzelung, eine schwere Gefahr bedeuten. Die Konferenz ist nach Annahme einer Reihe von Resolutionen, in denen Wege zur Ueberwindung der Gefahren der Wirtschaftskrise gezeigt werden, geschlossen worden. Als Mittel gegen eine Krise werden bezeichnet: die Mobilisierung aiier Arheitsmöglichkcitcn in den jüdischen Kolonien, die Durchführung öffentlicher Arbeiten, die Stärkung des Arbeitsloscnfonds, die Aufrechtcrhaltung des gegenwärtigen Lohnniveaus und die Förderung des Verbrauchs einheimischer Produkte. Die Konferenz beschloß einstimmig, die Arbeiter zu verpflichten, im Laufe des Jahres eine Lolmsumme, die dem Verdienst von 12 Tagen entspricht, zur Schaffung neuer A r b e i t s m ö g I i c 11 k e i t e n hei/usteuern. Ferner sollen die bisherigen Beiträge der Arbeiter zum Arbeitslosen-! o n d s erhöht werden. Palästinensische Jugend auf dem Lande Im vergangenen Monat erschien die erste Nummer der Zeitschrift ״Bamachane“ (״Im Lager"). Sie ist das Organ der palästinensischen M i 11 e I s e h u I e r, die seit einigen Jahren als neues Element in der Bewegung der genossenschaftlichen Landarbeit mul Siedlung aufgetreten sind. Sie sind meist im Lande geboren, jedenfalls aber hier erzogen, stammen aus bürgerlichen Kreisen und aus den Städten, und nehmen mm teil an der ('.lialuzhewcgung, die die ganze Gola erfaßt hat. Gleichzeitig dient die neue Zeitschrift den Interessen der neucniwandernden Jugend, soweit sie aufs Land gegangen ist. Die Veröffentlichung enthält ideologische Aufsätze, aber auch Beuchte der jungen Leute aus allen Teilen des Landes über ihre organisatorische und praktische Arbeit, wie auch Stimmungsbilder und Skizzen aus ihrem täglichen Leben. So berichtet ein Mädchen aus Naane: ״Zu Beginn der Regenzeit kam ich zum ersten Male mit den Arbeitern der Kolonie zusammen unter sehr schwierigen Arbeitsbedingungen. Auch ich mußte mich dem Arbeitgeber fügen, sonst wäre ich entlassen worden. Ich sprach auch mit den anderen Arbeiterinnen über die Arbeitsbedingungen: ״Wie kann ein Mädchen mit 3>', Pfund im Monat auskommen?״ Eine antwortete mir ergeben: ״Es fällt mir nicht schwer. Ich habe ein ganz kleines Zimmer für ein halbes Pfund im Monat, das Essen koche ich mir selbst, und Kleider habe ich genug. Bücher entleihe ich aus der Bibliothek gegen Bezahlung von sechs Pinstern im Monat. Es genügt mir.“ ״Und wenn du erkrankst:-״ •‘׳Dann fahre ich zu meiner Schwester nach Pardess C.hanna,“ Lin Junge schreibt aus Raanana: ״Hier ist cs Sitte, daß der Neuankömmling am ersten Tag nicht arbeitet, sondern herurngeht, um sich zu ״akklimatisieren“. Man wies mich in eine Baracke zu noch drei anderen Jungen, jeder kommt aus einem anderen Lande. Ich selbst bin Palästinenser, einer von ihnen stammt aus Deutschland. Bei der Arbeit sprechen wir nicht miteinander, nur während der Mahlzeiten und nach der Arbeit. Zweimal in der Woche haben wir Heimabende (Ssichoth) unter der I.eitung eines erfahrenen Mitgliedes der Kwuzah. Die Kleider sind hier alle Eigentum der Gemeinschaft, und jeden Freitag erhält ein jeder, was er braucht. In einigen Kibbuzim behält jeder seine eigenen Kleider, und das erinnert mehr an die Lebensform in der Stadt,“ Ein Mädchen berichtet aus Giwath Brenner: ״Hier sind wir mit zwei Arten von Juden zusammengekommen, aus Deutschland und aus Litauen. Diese Begegnung hat viel zur Erweiterung unserer Kenntnisse über Der arabische Streik Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. Tel-Awiw, 2. 2. 1936 Palästina verfolgt seit Wochen mit gespanntem Interesse die Vorgänge in den Nachbarländern: die Kämpfe der arabisehen nationalen Bewegung in Aegypten mit den Englänländern, in Syrien mit den Franzosen. Den Demonstrationen in den ägyptischen Städten mit ihren Toten und Verwundeten, der Wiedereinführung der Konstitution und den Vorbereitungen für neue Verhandlungen zwischen London und Kairo folgte der Generalstreik in Syrien mit den Demonstrationen, die Menschenopfer forderten. Die arabische Bewegung in Palästina fühlt sehr genau, daß die Ereignisse jenseits der Landesgrenzen ihren starken Einfluß auf die Situation im Lande nicht verfehlen. Ein Sieg des Wafd in Aegypten wird von der arabischen Führung gefeiert, Telegramme zwischen Jerusalem und Kairo gehen hin und her, zur Stützung des syrischen Streiks und seiner Unabhängigkeitsziele Frankreich gegenüber werden Sympathieaktionen beschlossen und der extrem nationalistische Block von Nablus hat einen Streik zugunsten der syrischen Sache proklamiert, der auch die anderen Parteien zu einem gleichen Sehritt veranlaßt hat. Trotz der bestellenden Landesgrenzen wirken die arabischen Entwicklungen in den einzelnen Territorien stark aufeinander ein. Die Verbindung zwischen Kairo, Jerusalem, Bagdad, Damaskus, Mekka sind lebendig, auch wenn keinerlei formale Einigkeit in der Politik besteht. Die englische Administration verfolgt mit größter Aufmerksamkeit die Strömungen in den Nachbargebieten und sie trifft alle Vorkehrungen, um das Feuer der Unruhen, das in Kairo und Damaskus aufgeflackert ist, nicht auf Jerusalem übergreifen zu lassen. In Amman, der Hauptstadt Transjordaniens, das etwas weiter vom Schuß liegt, wurden Sympathiekundgebungen für Syrien zugelassen. In Westpalästina hat die Administration bisher größere Aktionen in dieser Richtung nicht aufkommen lassen, bis auf kleinere Veranstaltungen, die als Ventil für sonst gefährliche Spannungen dienen können. Der Streik, der zuerst von den nationalistischen Extremisten proklamiert wurde, während sich die anderen Parfeien erst in letzter Stunde dazu entschlossen, ist in allen Städten des Landes in voller oder beschränkt«■ Form durchgeführt worden. Er war — das ist charakteristisch für die Lage — besondere schlagkräftig in den Städten mit rein Hypothekenbank und Baupolitik Von W. Düsterwald, Tel-Awiw Der soeben veröffentlichte Rechnungsabschluß der Allemeinen Hypothekenbank (General Mortgage ank Ltd.) spiegelt deutlich die Wellenbewegungen wider, denen die palästinensische Wirtschaft im Jahre 1935 unterworfen war. Gleichzeitig beweist die Entwicklung dieses zentralen Institutes, wie stark noch immer die Auftriebskräfte, die Aufbatrtendenzen im Wirtschaftsleben des Landes wirksam sind. Vor allem aber läßt sich aus den Ziffern und Darlegungen dieses Berichtes erkennen, wie weit es möglich ist, die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas planmäßig in eine bestimmte Richtung zu leiten und £ie damit wenigstens teilweise den äußeren Einflüssen sowie den Rückschlagsgefahren des bloßen Zufalls zu entziehen. Der Geschäftsumfang der Hypothekenbank hat sich im Berichtsjahr genau verdoppelt. Die Gesamtsumme der ausgeliehenen Hypotheken und Bauvorschüsse stieg von 0,92 auf 1,90 Millionen £P, der Pfandbriefumlauf von 0,87 auf 1,53 Millionen und das eingezahlte Aktienkapital von 181 795 aut 350 000 £P. Schon diese Ziffern zeigen eine gewisse Aenderung in den Arbeitsbedingungen des Institutes. Die Bank hat fast eine Million £P an neuen Hypotheken und Bauvorschüssen ausgczahlt, obwohl sie durch die bloße Ausgabe neuer Pfandbriefe nur knapp drei Viertel Millionen neue Mittel hereinbekommen hat. Die Differenz wurde im wesentlichen aus zwei Quellen gedeckt: 100 000 £P entnahm sie den im Vorjahr besonders reichlich aufgespeicherten Barmitteln; der Bilanzposten Kasse und Bankguthaben ermäßigte sich um einen entsprechenden Betrag. Den Rest hat sich das Institut rechtzeitig durch die bekannte hrhöhung des Eigenkapitals, die Ausgabe neuer Stamm- und Vorzugsaktien verschafft. Mit anderen Worten: Obwohl der Pfandbriefabsatz im Zusammenhang mit der Herbstkrise zeitweilig ins Stocken geriet, konnte die Bank alle Hypotheken und Bauvorschüsse, die sie einmal zugesagt hatte, restlos auszahlen und ihre monatlichen Ausleihungen das ganze Jahr hindurch auf ziemlich gleicher Höhe halten. Berücksichtigt man, daß mehr als ein Drittel aller neuen Hypotheken zunächst in Form von Bau Vorschüssen gegeben und erst nach Fertigstellung des Baues in richtige langfristige Hypotheken umgewandelt wird, so erkennt man, wie wichtig es gerade in diesen kritischen Zeiten ist, daß die Hypothekenbank eine stetige Beleihungspolitik treiben kann. Das gilt um so mehr, als während der Krise die privaten Geldgeber sich fast ganz vom Hypothekenmarkt zurückgezogen hatten und alle Darlehensgesuche bei der Hypothekenbank zusammenliefen, die diese gesteigerte Nachfrage freilich nicht voll befriedigen konnte. In jüngster Zeit haben sich die Verhältnisse sowohl am Pfand', .■■.!markt wie am Hypothekenmarkt wieder ziemlich arabischer Bevölkerung, wie Nablus, Hebron und den Orten im äußersten Süden. Dann folgten Haifa und Jaffa, wo jedoch bereits ein starker Druck der Jugend und der Politiker notwendig war, um eine sichtbare Demonstration nach außen zu erzielen. Und Jerusalem war wie oft in den letzten Streiks, recht lau. Der Streik war begleitet von Protestier- Sammlungen mit Reden gegen den Imperialismus in Syrien und in Palästina, und die arabischen Zeitungen!machten scharfe Artikel über die politische Lage und Bilder der führenden Persönlichkeiten, der Demonstrationen in Kairo und in Damaskus und der kürzlich von der Polizei getöteten Terroristen. Die Polizei war in Bereitschaft, aber es wurden keinerlei ernstere Zusammenstöße gemeldet. Nicht nur die vorsichtige Politik der Engländer hat bi*• her Palästina vor ähnlichen Vorgängen wie den ägyptischen und syrischen bewahrt. Noch andere Faktoren sind hierfür verantwortlich. Die arabische Führung hat trotz all« politischen Aktivität der letzten Monate die innere Spaltung zwischen den einzelnen Parteien nicht überwinden können. Die Koalition, die zu Beginn dieses Winters entstand, brach auseinander und konnte nicht mehr geflickt werden. Ehe palästinensische arabische Bewegung entfaltet heute nicht die Stoßkraft wie die syrische oder ägyptische. Die Verhandlungen über den Legislative Council gehen Hoffnung, noch dies oder jenes Zugeständnis durch Verhandlungen zu erlangen. Und schließlich wirkt die jüdische Kolonisation, so stark sie auch nationale Gegnerschaft erweckt, doch andererseits 1'n gewissem Maße beruhigend auf die Massen, da sie von ihr durch verschiedene Kanäle wirtschaftlich profitieren und deshalb nicht so leicht zu großen politischen Aktionen zu bringen sind. So erklärt die Spaltung In der palästinensischen arabische« Führerschaft, die wachsame Politik der Engländer, der Einfluß der jüdischen Geld« auf die arabischen Massen die Tatsache, daß Palästina zwischen den Feuerherden von Syrien und Aegypten bis heute relativ ruhiggeblieben ist. Es war jedoch von Beginn an ersichtlich, daß diese beiden Unruheherde einen starken Einfluß auf Palästina ausüben, und der Sympathiestreik, der gestern das normale Wirtschaftsleben der Araber unterbrach, ist ein neuer Beweis dafür. Von Damaskus und Kairo strahlt heute eine starke Antriebskraft in die arabische Bewegung in Palästina über; und die englischen Stellen in Jerusalem und London sind sich dessen bewußt und handeln dementsprechend mit erhöhter Vorsicht. normalisiert, wenn auch die früheren Rekordumsätze noch nicht wieder erreicht worden sind. Um auch von sich aus das Vertrauen zum Pfandbrief, einem der wichtigsten Anlagepapiere auf dem nalästinensischen Kapitalmarkt, zu stärken, hat die Bank in Verbindung mit der Anglo-Palestine ein Konsortium zur Kurspflege geschaffen, das dem Pfandbrief-Inhaber auch in Zeiten schlechter Börsenkonjunktur eine gewisse Wertbeständigkeit seines Besitzes sichern soll. Eine weitere, in ähnlicher Richtung wirkende Maßnahme besteht darin, daß die neuen 5 0/rigen Pfandbriefe für eine Reihe von Jahren unkündbar sind. Wie erinnerlich, hatte die Bank Anfang 1935 ihre 6- und 7 ׳,״eigen Pfandbriefe zu einem großen Teil zu vorzeitiger Rückzahlung aufgerufen mit dem Ziel, den Standardzins für Hypotheken allmählich auf Trio und entsprechend den Pfandbriefzins auf 5 °/0 zu senken. Heute entfallen bereits zwei Drittel des ganzen Pfandbrief- Umlaufs auf den 5 ®■׳oigen Typ. Wenn auch das damit erstrebte Ziel einer Verbilligung des Hypothekar- und Baukredits als voll berechtigt anzuerkennen ist, so hat doch die plötzliche Zinssenkung bei einem Teil der Pfandbriefinhaber eine gewisse Verstimmung ausgelöst. Um solche Miß- Verständnisse für die Zukunft auszuschließen, werden die neuen Pfandbriefe jetzt durch ausdrückliche Zusicherung für eine bestimmte Zeit vor neuen Konvertierungen geschützt. Sehr gut bewährt haben sich auch die vorsichtigen Beleihungsgrundsätze sowie die sorgfältige Auswähl der finanzierten Bauten. Trotz des verdoppelten Geschäftsumfanges waren die Rückstände auf Zins- und Tilgungszahlungen der Schuldner Ende dieses Jahres niedriger als im Vorjahr. Sie betrugen weniger als 3 pro Mille der esamten Darlebenssumme, ein glänzendes Zeichen auch für ie überdurchschnittliche Zahlungsmodi und Zahlungsfähigkeit des palästinensischen Hypothekenschuldncrs. Abgesehen von den Gesichtspunkten der Arbeitsbeschaffung und der finanziellen Sicherheit spielen auch die Forderungen einer gesunden Siedlnngs- und Baupolitik eine wichtige Rolle bei der Auswahl der Beleihungsobjekte. Wird auf der einen Seite mit Rücksicht auf den Arbeitsmarkt der Neubaukredit — nötigenfalls sogar auf Kosten der Beleihung alter Häuser — besonders gepflegt, so werden unter den Neubauten die billigen Kleinwohnungen, die durch die Art ihrer Grundrißlösung und ihrer Bauweise den Erfordernissen einer gesunden Baupolitik Rechnung tragen, bewußt bevorzugt. Im Zusammenhang damit ergab sich, daß bei den neuen Ausleihungen des Jahres die Stadt Tel-Awiw, auf die freilich noch immer mehr als die Hälfte der gesamten Hypothekensumme entfällt, ein wenig zugunsten der Vorstädte und Land- Städtchen, wie z. B. Ramat Gan, Recliowoth, Petach Tikwah, Chederah und Rischon Ie Zion zurücktreten mußte. Außerdem arbeitet die Bank nur noch in Haifa, Jerusalem und Tiberias. Wie bekannt, werden nach Auffüllung des Reservefonds auf £P 20000 wieder 7 ׳״« Dividende auf die Stamm- und 61/2 rio auf die Vorzugsaktien verteilt. die Diaspora und zur Vertiefung unseres Verständnisses für sie beigetragen. Unsere Beziehungen zu den litauischen Juden waren zu schwach, als daß wir sie hätten richtig kennen und von ihnen lernen können. Demgegenüber waren unsere Be- Ziehungen zu den Juden aus Deutschland näher. Wir begegneten Mitgliedern der Jugendbewegung in Deutschland und ihren Führern, und sie lehrten uns die jüdisch-deutsche Jugend verstehen. Die Verbindung zwischen den Jugendorganisationen im Ausland und in Palästina ist äußerst wichtig, denn nur durch sie können wir erfahren, wie wir die jungen Einwanderer in unsere Bewegung und in den Kibbuz einfügen können. Unter der Leitung unserer Freunde aus Deutschland kamen wir in Beziehung zu den Schätzen der europäischen Kultur. Den Juden aus Deutschland ist zwar die jüdische Kultur ganz fremd, aber demgegenüber haben sie ein ernstes Verhältnis zur Kunst und zur Musik. Viele Dinge, die uns die palästinensische Jugendbewegung nicht bescherte, haben wir uns hier erworben.“ Beilegung der Krise in Tel-Aviv Der Tel-Awiwer Vizebürgermeister Israel Rokcach hat seine Demission zurückgezogen, nachdem eine Vereinbarung zwischen den Parteien des Stadtrats über die Kontrolle der städtischen Finanzen getroffen worden war. Schwester Oberin Beate Berger, die Leiterin des Kinderheims Ahawah in Haifa, wird dieser Tage 50 Jahre ait. Ein großer Teil der jüdischen Erzieher in Deutschland ist durch ihre Schule gegangen und hat durch sie eine neue Auflassung des Erzieherberufs empfangen. Es ist und war nie leicht, ihren Anforderungen zu genügen, dieselbe Hingabe, die sie unerbittlich auch heute noch von sich verlangt, fordert sie auch von den Mitarbeitern. Diese Frau duldet bei sich und den anderen kein Stillestchcn, kein Zufriedensein mit dem einmal Erreichten. Die zionistische Ideenwelt war ihr von jeher selbstverständlicher Lebensraum, der Aufbau des Ahawah-Heimes in Kirjath Bialik ist darum eine logische Konsequenz ihrer Arbeit, eine Krönung ihres Lebens- Werkes. Das Wundervolle ist, daß diese energiegeladene, zielsichere Frau vor allen Dingen ein unendlich lebendiger, mit allen Lichtern des Humors und Witzes begnadeter Mensch ist; daß sie auch im Aesthetischen und Künstlerischen von einer fast nachtwandlerischen Sicherheit des Urteils ist; daß ihr unbestechlicher Blick sofort das Echte vom Unechten unterscheidet; daß ein geradezu vulkanisches Temperament alles um sie herum erwärmt und manchmal überheizt. An ihrem 50. Geburtstage vereinen sich alle ihre Hunderte von jetzigen und ehemaligen Zöglingen, Mitarbeitern und Frcunden in innigsten Wünschen für ihr Wohlergehen und weiteres Wirken. E. B. Gr.

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