Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 13 (14.2.1936)
- Date
- 1936-02-14
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU NR, 13,14. FEBRUAR 1936 PALÄSTINA-BLATT Die Arbeitslosigkeit Fritz Haber ־ Bibliothek in Rechowoth Diskussion unter der Arbeiterschaft Von unserem palästinensischen Korrespondenten. gl. Tel-Awiw, 3. Februar 1936 Mit der anhaltend gespannten Situation auf dem Arbeltsrrtarkt entwickelt sich in den' Kreisen der Arbeitcrorganisation eine ausgedehnte Diskussion über die Mittel zur Bekämpf ung der Arbeitslosigkeit. Die Arbeiterräte in den Städten und auch in den großen Kolonien beraten, die Institutionen der Arbeiterschaft sammeln Informationen über den ihnen zugehörigen Arbeitssektor, liefern Material für die allgemeine Auseinandersetzung und es bilden sich größere und kleinere Projekte für die Behebung der Arbeitslosigkeit. Das Arbeiterblatt ״Dawar“ veröffentlicht Vor- Schläge und Beiträge zur Diskussion. Es ist interessant, daß die übrigen, die liberalen und rechtsstehenden Blätter bisher zu diesen Beratungen nur sehr wenig beigetragen haben. Auch die Jewish Agency, die sich angelegentlich mit der Frage beschäftigt, hat sich offiziell nicht dazu geäußert. Es entstellt daher der etwas kuriose Eindruck, als ob die Lage auf dem Arbeitsmarkte eine Angelegenheit der Arbeiterschaft sei und von dieser die ganze Last nicht nur der ökonomischen Sehwicrigkeiten, sondern auch der wirtschaftlichen Aktionen zur Besscrung der Lage getragen werden soll. Die Versuche der Arbeiterräte in den Kolonien, die Lage dadurch zu erleichtern, daß sie von den Pflanzern eine stärkere Beschäftigung von Juden in den Pflanzungen verlangen, sind zum größten Teil ohne Erfolge geblieben. Die Pflanzer, die ohnedies in diesem Jahre in Sorgen sind, weil die Orangenpreisc nur eine schmale Profitrate übrig lassen, sind nicht so leicht dazu zu bringen, statt des billigeren und dozileren Arabers Juden einzustellen, die größere organisatorische und finanziehe Ansprüche haben. Es ist jedoch ganz klar, daß die Arbeiterschaft weder verpflichtet noch imstande ist, das Problem der Arbeitslosigkeit aus eigenen Kräften zu lösen. Im Verhältnis zur Gesamtzahl der Beschäftigten im jüdischen Wirtschaftssektor ist die Zahl der Arbeitslosen immer noch nicht bedeutend. Sie wird sich auf 8—10 °/0 der Gesamtzahl belaufen. Gemessen an europäischen Verhältnissen ist dieser Zustand noch keineswegs als schlecht zu bezeichnen. Die Lage der Betroffenen ist jedoch nichtsdestoweniger vielfach sehr prekär und es ist dringend notwendig, unverzüglich einzugreifen. Was ist bisher geschehen? Wenn man sich Rechenschaft darüber geben will, was bisher geschehen ist, um die Lage zu erleichtern, so finden sich nur einzelne Teilaktionen beschränkten Umfanges. In Jner Sitzung des Tel-Awiwer Arbeiterrates, die sich mit er Arbeitslage beschäftigte, wurden diese Bemühungen zusammengefaßt: Es wurde versucht, die Arbeit so zu verteilen, daß nicht ein Teil die ganze Woche arbeitet und andere ganz ohne Beschäftigung bleiben, sondern daß die existierenden Arbeitstage gestreckt werden; mehrere öffentliche Arbeiten, der Beginn der Kanalisation in der Stadt und der Bau eines neuen Wohnblocks wurden beschleunigt; eine Anzahl von Arbeitem wurden bei der Regierung und als Träger im Hafen untergebracht; die Propaganda für den Kauf der Landes- Produkte wurde verstärkt, um die Beschäftigung der Industriearbeiter zu sichern. Aehnlich wie in Tcl-Awiw ist die Aktion auch an den anderen Orten. Und es braucht nicht vieler Erläuterungen, um zu verstehen, daß diese Versuche nur eine geringe Teilhilf« bringen können. Weitere Plane Die Pläne, die von der Arbeiterorganisation für die nächste Zukunft gemacht werden, gehen jedoch in der gleichen Riehtung, nur daß man den Rahmen der Aktionen ausweiten will. Sie sind charakterisiert durch zwei Tendenzen: einerseits wird der Versuch gemacht, die vorhandene Arbeit ״gerecht“ zu verteilen, also nicht eine Schicht in Voilarbcit zu lassen, während die andere arbeitslos ist, sondern allgemein eine Woche von vier oder fünf Arbeitstagen einzuführen. Wo das aus technischen Gründen nicht möglich ist, soll der Arbeiter den Ertrag seines weiteren Verdienstes einer öffentlichen Kasse zuführen. Andererseits sollen aus den Kreiser! der Arbeiter- Schaft selbst größere Mittel aufgebracht werden, die für Be- Schaffung von Arbeiten verwendet werden. Es besteht bereits seit einiger Zeit ein Arbeitslosenfonds, für den unter den Arbeitern eifrig gesammelt worden ist und der einige Z'ehntauscnde von Pfunden enthält. Er ist bisher in größerem Maße nicht angegriffen worden. Nur an besonders bedrohten Stellen, in Kolonien, wo starke Arbeitslosigkeit herrscht und die Reserven der Betroffenen sehr gering sind, werden durch Leihkassen und ähnliche Institutionen kleine Anleihen ausgegeben, die die einzelnen Familien mit einem Minimum über Wasser halten. Dieser Arbeitslosenfonds soll jetzt als Kern für eine weitere Geldsammlung dienen. Ein Plan sieht die Abgabe jedes Beschäftigten von einem Arbeitstag im Monat vor, wodurch Wieder eine erhebliche Summe Zusammenkommen soll. Diese Gelder sollen dann durch Kredite soweit vergrößert werden, daß Arbeiten in entsprechendem Umfange unternommen werden können. Mit einer stärkeren Inanspruchnahme der Regierungsarbeiten durch Juden und die schon vorher erwähnte Strekkung der Arbeitstage hofft man dann die Situation zu meistern. Alle diese Projekte leiden an zwei Unzulänglichkeiten. Es Werden nur die Arbeiter seihst in den Rahmen der Aktion gezogen. Diese sollen erstens die Arbeit unter sicli verteilen und dadurch strecken und zweitens außerdem noch große Summen aufbringen, um zusätzliche Arbeiten einzuleiten. Es ist fraglich, ob die Arbeiterschaft diese doppelte Last so ohne weiteres tragen kann, und es ist auch nicht einzusehen, warum die an deren Kreise des jischuw nicht in gleichem Maße zur Aktivität und zur Geldaufbringung herangezogen werden sollen. Zweitens aber muß bei allen diesen Vorschlägen immer im Auge bchal- Die Eröffnungsfeier Wie schon kurz, gemeldet, wurde im Daniel S i e f f - Institut in Rechowoth eine chemische Bibliothek eröffnet, deren Grundstock die Bibliothek des verstorbenen Chemikers Geheimrat Fritz H aber bildet und die seinen Namen trägt. Fritz Haber, der berühmte Forscher und Nobel-Preisträger, war bekanntlich früher am Kaiscr-Wilhelm-Institut für Physikalische Chemie in Berlin-Dahlem tätig. Seine bedeutendste Erfindung war die künstliche Gewinnung von Ammoniak aus Stickstoff und Wasserstoff, eine Erfindung, die sowohl im Frieden (für die Landwirtschaft) als auch im Kriege von großer Bedeutung war. Haber war zwar jüdischer Abstammung, aber getauft, und ohne ihm nahczutrolen, darf man wohl sagen, daß er sich für jüdische Dinge nicht interessiert hat. Es müssen also außerordentliche Umstände hinzutreten, wem! im Lande des Jüdischen Nationalheims seine Persönlichkeit in dieser Weise geehrt wird; denn ein jüdisches Institut hat wohl nicht bloß die wissenschaftliche, sondern auch die jüdische Bedeutung icht bl-Tl in der jüdische! Abstammung Habers liegen; vielmehr tritt der erst bei dieser Feier einer größeren ()Öffentlichkeit bekanntgewordene 11111stand hinzu, daß der Gelehrte am Ende seines Lehens sich mit der Absicht trug, in Palästina in den 1) i e n s t d e s Aufbaus und der Wissenschaft zu treten. Diese Rückkehr eines gänzlich Entfremdeten zum jüdischen Volk war wohl durch das äußere Schicksal veranlaßt; die Feier in Rechowoth beweist aber, daß das jüdisebe Volk bereif ist, einen Rückkehrer in Ehren aufz.unehmen. An der Feier in Rechowoth nahmen Vertreter der jüdischen nationalen und kulturellen Institutionen, sowie der Sohn und die Schwester Prof. Habers teil. Die Eröffnungsrede hielt der Leiter des Daniel Sieff-fnstifuts für Chemie, Prot. Wcizmann, der gleichzeitig Präsident der Jewish Agencv ist. Nach Begrüßung der 'Gäste führte I)r. Weizmann aus: Es wird der Tag kommen, wo die Lebensgeschichte Prof. Habers zum Andenken für künftige Geschlechter geschrieben ten werden, daß durch die Streckung der Arbeit und die Aufbringung von Geldern innerhalb der Arbeiterschaft wohl die Last gleichmäßiger verteilt und die Schaffung einer Arbeitslosenschicht gegenüber einer Schicht von Beschäftigten vermieden wird, aber eine Ankurbelung der Wirtschaft in größerem Maße nicht durchgesetzt werden kann. Denn die Kaufkraft, die der entscheidende Faktor der Prosperity im Lande war, wird durch die genannten Maßnahmen kaum erhöht, es werden keine großen zusätzlichen Arbeitsmöglichkeiten geschaffen, der Konsum wird in seinem Gesamtmaß eingeschränkt, die Dynamik der Wirtschaft wird kaum verstärkt. Die von der Arbeiterschaft in Erwägung gezogenen Mittel könnten in einem großen umfassenden Projekt, das alle Kreise des Jischmv heranzieht und genügende zusätzliche Arbeitsplätze schafft, eine wichtige Rolle spielen; allein sind sie jedoch nicht genügend, um die Lage zu meistern und belasten die Arbeiter schwerer als die anderen Schichten. Eine andere Situation als 1926 Es liegt nahe, die Situation mit dem Anfang der Krise von 1926 zu vergleichen, wenn auch überall zugegeben wird, daß heute die Dinge sehr viel günstiger liegen, weil die jüdische Wirtschaft unterdes viel breiter und fundierter geworden ist und das Ausmaß der Arbeitslosigkeit dieses Mal proportional viel geringer ist. Bei einer Beurteilung der Sachlage und bei den Forderungen, die an den Jischuw zu stellen sind, muß man sich aber nicht mir über die ökonomischen Wandlungen des letzten Jahrzehnts׳, sondern auch über die p s y c h o 1 o g i s c h e Umstellung klar sein. Wenn man auch unter den ,,Alten״ von vor zehn Jahren über die damals einströmende ״vielte Alijali“ schon gelegentlich die Nase rümpfte und die goldenen Zeiten von 1920 oder gar von 1903 als vorbildlich in der geistigen Haltung hinstellte, so war doch auch noch 1926 der ideologische Zusammenhalt und die zionistische Erziehung des Jischuw sehr viel stärker als sie heute ist. Die Eimvamlerung der Prosperity-Zeit hat Massen ins Land gebracht, die unter rein utilitaristischen Gesichtspunkten kamen und jetzt, wo eine Periode der Schwierigkeiten kommt, eigentlich nicht recht wissen, wozu sie sich plagen sollen. Sie verstehen nicht viel von den nationalen und sozialen Zielen, die die Ar-' bcitslosen des Jahres 1926 mit einer oft geradezu erstaunlichen stoischen Ruhe alles hinnehmen l'.eße-i. Und es gehört doch fraglos sehr viel Disziplin, sehr viel Verständnis für die allgcmeine Lage dazu, um bei Arbeitslosigkeit, die man noch dazu heute ohne Unterstützung durchmachen muß, nicht den Kopf zu verlieren oder zu verzweifeln. Dabei muß man noch bedenken, daß die Lage gerade unter den neuen Einwanderern PALÄSTINA IM LICHTBILD Lichtblldstralfen über die aktuellen Vorgänge in Palästina mit ausgearbeiteten Begiaitvorträgen: Monatsbildbericht Nr. 3.= 55 Bilder RM 4.SO Monatsbildbericht Nr. 4 SO Bilder RM 4.50 Die arbeitende Frau in Erez Israel =105 Bilder RM 6,— Choleh, ein Bildbericht von dem neuen Kolonisationsgebiet. . . . ~ 50 Bilder RM 4.50 Zu beziehen durch: KEREN KAJEMETH LEJISRAEL, Berlin W15 Melnekestraße 10 / Postscheckkonto Berlin 26247 werden wird. Sie ist ein Symbol für die Lage des jüdischen Volkes überhaupt. Wcizmann schilderte dann die wissenschaftliche Bedeutung Habers und erzählte von seinen mehrt,iclien Zusammenkünften mit dem Verstorbenen, mit dem er als Facl1genos.se in reger Wissenschaftlichcr Verbindung stand. Nachdem Haber Deutschland verlassen hatte, begann er in Cambridge zu arbeiten, aber eine solche Gastrolle entsprach nicht seiner Art. Bei seiner letzten Zusammenkunft mit Wcizmann habe ihm Weiznnnn zugeredet, zu seinem Volk und zum Land seiner Väter zurückzukehren. Wcizmann schilderte die Freude Prof. Habers, als er von der Aufbauarbeit Palästinas näheres erfuhr. Er nahm den Vorschlag au, aber als er auf der Fahrt nach Palästina kurze Zeit in der Schweiz verweilte, überraschte ihn der Tod. Sein letzter Wille war es, daß seine ungewöhnlieh wertvolle wissenschaftliche Bibliothek nach Palästina überführt wird, und dieser Wunsch wird jetzt erfüllt. Ein Teil der Bibliothek und der Instrumente Prof. Habers befindet sich noch in Paris und Cambridge und wird von dort nach Palästina überführt werden. Der Soli» Prof. Hähers erzählte (in englischer' Sprache) über die Absicht seines verstorbenen Vaters, sich’ in Palästina nicder/ulas cn und (hart zu arbeiten. Das Schicksal habe gewollt, daß er das großartige Institut in Rechowoth nicht mehr mit eigenen Augen sehen konnte. Die Familie des Verstorbenen, so betonte der Sohn, erfrille mit Begeisterung den Wunsch Habers und freue sich, die-,cs große Werk im Lande unserer Väter zu sehen. Der Rektor der Universität, Prof. Hugo Bergmann, überbrachte die Grüße der Universität Jerusalem und würdigte die wissenschaftliche Bereicherung des Landes durch diese Bibliothek. Er betonte in seiner Rede die Wichtigkeit des von Wcizmann stets verfochtenen Prinzips, daß die Wissenschaft nicht w e 11 f 1׳ e m 11 sein dürfe, sondern mit dem Volk und dem Lehen des Landes verbunden sein müsse. Weiter sprachen Agr. W i 1 k a 11 s k y für die Versuchs- Station, Prot. F 0 d o r für die chemische Fakultät der Universität, Prof. Farkas von der Universität Jerusalem, der aut Grund eines Briefes Habers vor seinem Tode über dessen Arbeitspläne in Palästina berichtete, Rabbi Fischmann namens der Jewish Agencv, Mosche S 111 i I a n s k y, der die Wichtigkeit der chemischen Wissenschaft für die Entwicklung der Landwirtschaft behandelte, Dr. B c r g in a 11 n (Sohn des ehemaligen Berliner Rabbiners l)r. Juda Bergmann), Assistent im Sieff-Institut, der die Fähigkeit Habers, seine wissenschaftliehe Erkenntnis für praktische Zwecke nutzbar zu machen, würdigte. Hierauf erklärte Wcizmann die Haber- Bibliothek für eröffnet. vielfach komplizierter ist als unter den Eingesessenen. Sie kennen sich nicht so gut aus, sie werden gelegentlich auch benachteiligt, weil sie nicht alle Wege auszunützen verstehen, sie sind vielfach ohne die nötigen Verbindungen, ohne entsprechende Kredite. Damit bildet sich so etwas wie ein Gegensatz zwischen Alten und Neuen, der schon in normalen Zeiten besteht, in .Perioden wirtschaftlicher Schwierigkeiten noch psychologische Komplikationen schafft. Ein weiterer erschwerender Umstand muß erwähnt werden. Vor zehn Jahren gab es unter den palästinensischen Juden nur relativ geringe Unterschiede in der Lebenshaltung. Die Armen waren sehr arm, der Standard des Arbeiters war sehr bescheiden, alicr auch die Reichen waren nicht reich, lehten ohne viel Luxus, unter provinziellen Verhältnissen, einfach in Kleidung, Wohnung und Vergnügungen. Dieses hat sich in den letzten Jahren grundlegend geändert. Der allgemeine Standard hob sich, aber damit erwuchs zugleich eine Schicht der gehobenen Arbeiter, die ganz anders lebte als der Ungelernte und eine gewisse Mittel- Standskaste, die einen für Palästina bisher imgekannten Komfort mitbraihtc. Damit s'rrd Standardunferschiede geschaffen worden, die in Krisenz.eiten ihre psychologische Wirkung nicht verfehlen, und auch sie müssen bei allen Erwägungen und Aktionen berücksichtigt werden. Fs erscheint als die Aufgabe der Stunde, daß die führenden Institutionen einen umfassenden Plan zur Schaff 11 11 g g e!1 ü g t n 11 f ז neuer A r b e i t s m ö g! i c h k e i t c n entwerfen. Dieser Plan muß die finanzielle Last für die Be- Schaffung der Mittel auf alle Kreise des Jischuw verteilen. Innerhalb dieses Projekte;, werden dann die Bemühungen der Arbeiter, die Arbeit richtig zu Verteilern und auch aus ihrer Mitte entsprechende Mittel aufzubringen, eine wichtige Rolle spielen. Sie allein werden jedoch nicht genügen, um der Wirtschaft die Ankurbelung zu geben, die uns aus der Periode der Stagnation von neuem in eine aufsteigende Linie führt. Die Aufgabe der Regierung Bei der Suche nach Geldmitteln, die den öffentlichen Stellen zur Verfügung stehen, bietet sich ein großer Fonds, der bisher noch unzugänglich zu sein scheint: die Ueberschüsse der Regierung. Die Einnahmen des palästinensischen Schatzamtes in den letzten Jahren sind geradezu sprichwörtlich geworden und ein Ueberschuß von 6 Millionen Pfund ist in der Tat für ein Bändchen wie Palästina eine sehr beträchtliche Reserve. Mit einem Bruchteil dieser Reserve könnte heute die Ankurbelung erfolgen, auf die die palästinensische Wirtschaft wartet. Oeffcntliehe Arbeiten, die dem Fortschritt des Landes und der Basicrung seiner Wirtschaft dienen, in konzentrierter Form und mit dem Ziel ausgeführt, die Lage unter den Juden zu erleichtern, könnten in kurzer Zeit die gegenwärtige Stagnatiou beheben. Die Regierung würde damit nicht nur den Juden Hilfe leisten, sondern auch ihren eigenen Finanzen, denn es ist klar, daß ihre Einnahmen bei gemindertem Import sinken werden, so wie sie sich in der Zeit der Prosperity gehoben haben. Die für Bekämpfung der Arbeitslosigkeit investierten Gelder würden sich also, auf lange Sicht gesehen, auch für den Staatsschatz rentieren. Bisher haben die Juden der Regierung kein derartiges Projekt größeren Stiles vorgelegt. Es ist ja in der Regel auch nicht einfach, derartige Budgetierungen durchzusetzen, «-׳eil sie nicht — besonders bei der gegenwärtigen verzwickten politischen Lage — als reine Oekonornika behandelt werden, son- Pro/. I'rilz Haber Foto : Archiv zu werte:!. Dies» kann ater