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Jüdische Rundschau · 1936-02-14 · Heft 13 (14.2.1936) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 13 (14.2.1936)
Date
1936-02-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 13, 14. V. 1936 Eine merkwürdige Frau unserer Zeit Zum Tode von Flora Sassoon In Nora Sassoon ist am i'J. Teweth hohem Alter eine der bedeutendsten und brauen von uns gegangen, die unser Volk neu besessen hat. Aus der ham-Gubbay stammend, die (II. Januar) in merkw breiigsten seit (ieneratioalten Bagdader Familie Abraeinerseits mit der Familie Silin ekh (;is der der berühmte (iclchrte Chacham Abdallah hervorgegangen ist), andererseits mit der Familie Sassoon verwandt ist, hat sie ihren Verwandten Solitnan David Sassoon geheiratet, der zeitweise die bekannte Firnin David Sassoon '(■•■ Co. leitete. In Bombay, w i sc v«»i Jugend an lebte, verlor sie frühzeitig ihren (iatten, war dann selbst eine Zeitlang in der Firma tätig; aber auch nach ihrem Austritt hat man von allen Seiten ihren geschäftlichen Rat in Anspruch genommen, und führende englische Kreise wie auch Maharadschas mit ihren Gattinnen haben den Verkehr mit dir in Indien sowohl wie später in England gepflegt. Aber so sehr Flora Sassoon Dame der groben Welt war, und so sie an i,.;ct in ihrem ch, neben Furo; Sajuum übei legen Tafel und Ion, wo s den um < >; i t11 I' i ahei Ra-sen und Rcligi* ni.ii e.nden, zu leiten .Mittelpunkt ihres gesucht. Sie war Kellnerin des jüdis Frau unserer Zeit. S Vorsitz in einer Vci> (des zentralen V bei der der damaligi wurde sie selbst, ab nun etwa SOjährigcn des aut dem jährlichen „Speec die reich \>. ar an 1;ti:innii-.c ncn und die den l'ie Immiw zu Lebens eine hen Seh lon vor mmlu'ig ibincrscmin Chiet K erste Fotu: Art luv repräsentieren verstand: den hat mc in anderer Riehhiiig " Ii o r a g e lehrte und eine Uttums wie wohi keine zweite etwa 30 Jahren hatte sie den des Jews' College in London nmars des englischen Fmpires), Rabbi einen Vortrag hielt; H)2l und bisher einzige Frau in der hulite dieses College, berufen, i l)ay" die Vorlesung zu halten, ich Bemerkungen und Diskussiojudistlun Wissens in unserer Zeit tief beklagte. (Dieser Vortrag ist unter dem Titel Sefath perach schoM-han - Anspielung auf ihren Namen im Hinblick attt Könige I, Kap III, 2U - in Oxford erschienen). Auch während der Mahlzeiten au ihrem Tisch konnte es geschehen, daß sie in der Diskussion mit einem ihrer Gäste über ein halachisches oder agadisehes Thema sich von ihrem Fnkel einen Tahmidfoliantcn holen lieb, um in einem der Kommentatoren eine Stütze für ihre Auffassung zu finden. Das jüdische Religionsgesetz, wurde von ihr und in ihrem Hause peinlichst innegehalten, darüber hinaus aber auch die besonderen Aiinhagim des sephardisclien und speziell bagdadischen Juden; am Schabbatmittag rezitierte sie persönlich mit ihrem Sohn und ihren Enkeln den Wochenabschnitt im Original und in der arabischen Ueberset/nng. Dies ist nur ein kleiner Zug für die patriarchalische oder vielmehr matriarchalische Art, in der sich das Leben auch in ihrem Wohnsitz im Londoner Westend abspielte, wo sie seit mehr als zwanzig Jahre mit Kindern und Enkeln gelebt hat. Ihr einziger Sohn ist der bekannte Forscher und Handschriftensammler David S. Sassoon, der sieh durch seine Veröffentlichungen über die jemenitischen Juden und verwandte Themen, durch die Herausgabe der von ihm entdeckten Gedichte von Samuel llaunagid und vor allem durch den mit umfassenden Forschungen versehenen Katalog seiner einzigartigen Mamiskri; ' isamnihiiig einen Namen gemacht hat; von den Töchtern Flora Sassoons ist die eine verheiratet mit Sir David } zra in Kalkutta, während die andere ein frühes Grab auf dem Gelberg bei Jerusalem gefunden hat. Die Kinder und ebenso die Fnkel haben die jüdische Linie iuneg,■halten und zeichnen sich durch jüdische, i taliuiiilisclie Kenntnisse aus. Bei alledem war Sassoon die unumschränkte und bei Familien inbest: ittene Herrscherin des Hauses. Mit der- , mit der sie die judisch-wissenschafttete, beherrschte sie das Gespräch mit der Mutter speziell auc aber Flora und Gästen Selben Ueherh ge liehe Konversatio: den Gästen aus der englischen Society und aus den Fürstenhäusern Indiens und gab sie ihrem Personal die Weisungen in Englisch, Arabisch und Hindustanisch. Gespeist wurde an ihrem Tisch nach indischer Art, unter Berücksichtigung der jüdischen Gebräuche Bagdads, und ein großer Teil der Rohstoffe für die Kiuhe kam direkt aus Indien und China in ihr Haus. Unermelllich war die Zahl derer, die schriftlich oder mündlich ihren Rat oder ihre Flilfe suchten, und ihre freigebige Hand für Finzelhilfe wie namentlich für die Unterstützung von wohlt igen und Unterrichtsanstaltcn in England wie im Orient war allgemein bekannt. Speziell war sie für die einheimischen und für die als Besucher kommenden sephardisclien Juden Londons das Zentrum, an das man sich in großen und kleinen Angelegenheiten wandte. Flora Sassoon ist zunächst auf dem sephardischen Friedhot in London beigesetzt worden. Sie soll später auf dem Oelberg begraben werden, im Angesicht der Heiligen Stadt, wo viele jüdische Institutionen für ihre Wohltätigkeit und ihre Hingabe an jüdische Forschung und Erziehung zeugen. A. F r a e n k e 1, Jerusalem * Der Name Sassoon ist nicht nur durch das bemerkenswerte Leben der eigenartigen Frau, über die Professor Frankel hier berichtet, bekannt. Der vorletzte Leiter der indischen Firma Eduard Sassoon, der vor vierzig Jahren starb, ist bereits Barone* geworden, und dessen So'ui. Sir Philipp, ist der gegenwärtige Unterstaatssekretär für Luftfahrt in der englischen Regierung. Den Namen Sassoon führt z. B. das grobe Krankenhaus in Bombay, in dem 1Q23 der damals tödlich erkrankle Mahatma (iliandi gesund gepflegt wurde. In der literarischen Welt ist Siegfried Sassoon, jetzt SCjährig, zuerst mit Kriegsgedichten berü'.im' geworden, die von starker Humanität zeugen. Fr hat auch als kultivierter Prosaschriftsteller einen Namen. Mehrere seiner Bücher erschienen auch in der Tauchnitz-Edition. Dr. Carlebach, Altona, Oberrabbiner von Hamburg. Der Deutsch-Israelitische Synagogenverband in Hamburg berief den bisherigen Oberrabbiner von Altona und Schleswig- Holstein, Dr. Josef Carlebach, zum Nachfolger des vor i leinhalb Jahren dahingeschiedenen Oberrabbiners Dr. Spitzer, i berrabbiner Dr. Carlebach hat diese Berufung angenommen, "voraussichtlich wird er schon zu Peßaeh sein neues Amt antreten. Rabbinische Lehranstalt „Jeschiwa", Frankfurt a. M. Das Sommersemester beginnt am 2'3. April. Anmeldungen müssen bis spätestens 1. April eingereicht sein. — In die Vorbereitungsklasse werden schulentlassene Knaben aufgenommen, die nur geringe Vorkenntnisse in den jüdischen Fächern besitzen. Anmeldungen mit Zeugnissen über jüdische Vorbildung und religiöse Lebensführung an das Kuratorium der Rabbinischen Lehranstalt „Jeschiwa", Frankfurt a. M., Theobald-Christ-Straßc 6. Palästina fordert sorgfältige Vorbereitung und gründliches Wissen Die amtliche Broschüre des Palästina-Amts JHLiLX JJHLH erfüllt diese Forderung durch umfassende u. zuverlässige Information über alle wichtigen und wissenswerten Fragen der Auswanderung und Einordnung 180 Seiten RM 1.35 Mit einer großen farbigen Palästina-Landkarte Herausgegeben vom Palästina-Amt Berlin Frühjahr 1936 Zu beziehen durdi die einschlägigen Buchhandlungen oder durch die Verlagjabteilung der ZVfD., Berlin W15, MeinekeKr. 10 (Porto: Inland 40 Rpf., Ausland 65 Rpf.) IN ALLER KÜRZE Die 17. Große Strafkammer des Landgerichts Berlin verurteilte einen 29 Jahre alten jüdischen Angeklagten wegen Verstoßes gegen das Oesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und drei Monaten. Der Angeklagte hatte seine rassenschänderischen Beziehungen zu einem arischen Mädchen, seiner früheren Verlobten, auch noch nach Inkrafttreten des gesetzlichen Verbots aufrechterhalten. Ein 27 Jahre alter Angeklagter aus Augsburg, der jüdischer Abstammung ist, wurde von der Großen Strafkammer des Landgerichts Augsburg wegen Rassenschande zu einer Gefängnisstrafe von zehn Monaten verurteilt. Das Modewarengeschäft „K r o n e n 1 a d e n" in Reutlingen ist in arischen Besitz übergegangen. Das Modehaus Geschwister Aisberg in Köln und die Kölner Korsetifabrik Rosenberg & Hertz sind in arischen Besitz übergegangen. Am 27. Februar findet in Warschau eine Konferenz der jüdischen territorialistischen Vereinigung „Freiland" statt. In der letzten Sitzung des polnischen Sejm wurde ohne Debatte ein Gesetz angenommen, das die Rechtsverhältnisse der K a r ä e r in Polen regelt. Im Frühjahr soll in Melbourne ein Reiterstandbild des verstorbenen Oberbefehlshabers des australischen Armeekorps im Weltkrieg, General Sir John Monash, der Jude war, aufgestellt werden. Bis jetzt wurden in Amerika für das Hadassah- Hospital 55(1000 Dollar aufgebracht. Alexander Korda reist demnächst nach Transjordanien, um die Aufnahmen »zum Film über den Oberst Lawrence auf dem Schauplatz der einstigen Kriegstaten des Oberst zu leiten. Korda wird vom Oberst Stirling begleitet, der an der Seite von Lawrence gekämpft hat. Dr. Paul Moses, Mitbegründer und bisheriger erster Vorsitzender des Jüdischen Kulturbundes Rhein-Ruhr in Köln, hav eine Berufung an ein Medizin-College in Kalifornien erhalten. Dr. Moses ist Spezialist für Kehlkopfleiden. Dieser Tage sind die beiden letzten Bände der von Jehoasn besorgten ersten modernen Bibelübersetzung ins Jiddische in New York erschienen. Kurz vor Vollendung seines 100. Lebensjahres ist in Paris der Rabbiner der dortigen orthodoxen jüdischen Gemeinde, Moritz W e i s k o p f, gestorben. Bcatrice Waghalter wurde zu Konzerten nach Prag, Wien und Luxemburg sowie zu einer Tournee nach Jugoslavien verpflichtet. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten übersendet uns einen Bericht über die Sitzung der Vorsitzenden der Landesverbände und der Bundesleiturig, die am 0. Februar in Berlin stattfand. Der Vorsitzende des Bundes, Dr. L o e w e n s t c i n, erklärte in seinem Referat, daß der RjF. als Vertreter der Frontgeneration einen maßgeblichen Anteil an der Führung der jüdischen Gemeinschaft verlange. In einer Entschließung wurde der Führung des Bundes das Vertrauen votiert und erklärt, daß der RjF. „in Disziplin, Einsatz und Opferbereitschaft der jüdischen Gesamtheit dient" und „die Bildung einer innerlich gefestigten jüdischen Gemeinschaft in Deutschland fördert". jüdisches Vermögen in Deutschland. Im Rahmen eines Aufsatzes über Außenhandelsfragen befaßt sich „Der deutsche Volkswirt" in seiner Nr. 18 mit der Frage, in welcher Weise die Kapitalabwanderung von Nichtariern auf den Außenhandel einwirke. Die Schwierigkeiten, die Ausfuhrerlöse hereinzuholen, seien dauernd im Wachsen begriffen. Dabei spiele die Kapitalsflucht von Nichtariern mittels Warenausfuhr eine Rolle. Die jüdischen Vermögen in Deutschland würden noch auf 10 bis 12, von anderer Seite sogar auf 20 Milliarden Reichsmark geschätzt. Weiter sei der noch verbleibende Devisenbedarf für die Befriedigung von nichtarischen Auswanderern aus dem Saargebiet nach dem römischen Abkommen auf ungefähr einige zehn Millionen Reichsmark zu schätzen. Ich bin Käufer von I. und auf Berliner Hausen I. Hypotheken Werner Pinn er, Bankgeschäft Berlin NW 7, Unter den Linden 40-41 A6 Merkur 5126 Kinder, denen sie die Freiheil schuldete, so wie sie rillen Jüdin hen Kindern ncschuidet war. Francisco möge handeln, Fram isco miKse führen, es gebe keinen neben ihm, der dazu bestimmt sei. Sie batst eines erreicht: Der Gedanke an den Aufbruch, der Plan einer Att.svMimicrung war lebendig, wach und wirksam — nicht nur im Ilau^o Mendt'/., sondern auch in vielen anderen I! ,:iu-,eni, wo Mammen wohnten. Kiner empfing den Gedanken und Plan vom anderen, alle aber wußten und glaubten zu wissen: Das Hans Mendez. wird auswundern — damit hielten sie das Schicksal der Mamillen in Portutjnl für entschieden und ließen sieh von Francisco und seinem Erkundungsreisenden berichten, wohin man, Portugal aufgebend, sich wenden könne. Noch beurr in der Familie und im Bankhaus Mendez das Geringste geschehen war, verließ schon der oder jener das Land. Rom und Genua. Venedig und Ferrara, Antwerpen und Amsterdam, Konstant inopel und Saloniki waren das Ziel. Einige wandten sich auch den neu entdeckten Gebieten zu, der amerikanischen und indischen Küste, wieder andere suchten das Heilige Land auf. Vom Hause Mendez, bisher der Hort der Ruhe und Zuversieht, iring nun die Unruhe aus und das Mißtrauen. Wer wundern wollte und kein Geld hatte oder keine Gelegenheit, heimlich zu entkommen, dem wurde von Francisco un.l Gratia geholfen. Den Verfolgern und Peinigern wurden die Opfer über Nacht und unmerklich aus den Händen genommen. Wie Schatten, die der Haß der anderen warf, flüchteten sie aus dem Lande — die heimlichen Juden als heimliche Aus« o-'lcrer. So aber wollten es jene andern nicht haben, sie wollten strafen, quälen, vernichten und — erben. Sie wollten im mißbrauchten Namen ihres Gottes Richter und Rächer sein. Man begann, wie wenn die Inquisition schon rechtens wäre, heimliche .luden im ganzen Land zu verhaften und unter Anklage zu stellen. Die Gefängnisse füllten sieh mit ihnen, erst mit Dutzenden, dann mit Hunderten. Dieser habe, wurde gesagt, den Heiland beschimpft, jener habe Gott seihst gelästert, der dritte eine Hostie geschändet, ein vierter gar ein Christenkind geschachtet — alle aber hatten sie, und das stimmte in den meisten Fällen, heimlich judaisiert und sich den I lei'sw ahrheiten der Kirche \erschlossen. Man verhaftete ganze Familien, angeblich um den christlichen Glauben voihnen zu schützen. Gracia schrie vor Empörung, Francisco verzehrte sieh in dem Bewußtsein seiner Ohnmacht, Rabbi Isaak mahnte zum Aufbruch, Eilboten fuhren nach Rom, aber ein Breve des Päpstlichen Stuhles, das Duarte erwirkte, fruchtete nichts. Die Müßiggänger und Beutesucher der Straße machten sich wieder an die Arbeit, Ihr Eifer erstreckte sieh auch wieder auf das Haus Mendez. Es gab Ansammlungen, Katzenmusiken, Verhöhnungen und Bedrohungen. Man verwüstete den Garten, sehlug Fenster ein, warf Todesurteile in die Zimmer. Man schlug die Diener und Dienerinnen, man verunreinigte Straße, Haus und Garten. Das verwüstete Vorderhaus wurde nochmals verwüstet. Und eines Nachts drang schließlich auch eine bewaffnet« Bande in das mittlere Haus ein. Graeia und Francisco mußten mit dem Kind in die Burg fliehen. Die auf Beute lauernden Angreifer setzten ihnen nicht nach. Auch ihr Lärm verstummte, als sie in das Haus eingebrochen waren und die wertvolle Einrichtung sahen. Sie trugen fort, was fortzutragen war. Sie taten stille und ganze Arbeit. Es wimmelte im Haus und im Garten von eiligen Burschen, die an sich rissen, was sie für wertvoll genug hielten. Sie hatten stundenlang zu tun, um ihr Werk zu vollenden. Niemand störte sie. Gracia lag auT einem Ruhebett in der Burg und gab ihr Kind nicht aus dem Arm. Sic wimmerte, weinte, schrie, Ihre Schwangerschaft war bereits bis zum siebenton Monat gediehen, ihr Körper daher schwer und reizbar von dem Kind. Francisco und Isaak, dessen Schlafraum in der Burg war, versuchten sie zu beruhigen. Die Versuche mißlangen, Gracia fiel in Krämpfe, so daß man ihr die kleine Reyna wegnehmen mußte. Vor der Tlir stand die Dienerschaft. Die alte Sarah, die kaum noch auf ihren müden Beinen stehen konnte, nahm das schreiende Kind. Um so entsetz!Hier schrie drinnen die Mutter. Gegen Morgen setzte bei ihr, trotz aller Gegenmittel, die Isaak anwandte, der Geburtsakt ein. Es kam ein totes Knäblein zur Welt. Eine schwere Wolke hing über dem Haus Mendez. Stumm sahen sich Gracia und Francisco an. Jene war nun so schwach, daß sie keinen Laut mehr von sich geben konnte. Ein Fieber kam über sie und entführte sie auf Wochen ihrem Bewußtsein. Sie delirierte vom Meer und von fernen Küsten. Francisco bewegte sich stundenlang nicht von ihrem Lager weg und sprach lagelang kein Wort. Er konnte nicht klagen und nicht weinen. Er konnte auch nicht denken und arbeiten. Er nahm sein Kind in die Arme und trug es in der Burg herum. Isaak sorgte dafür, daß das Wohnhaus eine neue Einrichtung bekam. Sie stand an Wert und Prunk hinter der ersten weit zurück. V. Die Familie wohnte schon wieder in dem mittleren Haus, es fehlte ihr an nichts als an Ruhe und Glück. Gracia saß in den Stuben herum und hütete Reyna, das Kind. Sie war blaß und schmal geworden, sie sah aus und benahm sich, als ob sie eine Hälfte ihrer selbst verloren hätte. Und in der Tat hatte sie diese Hälfte eingebüßt, denn eine sorgfältige und wiederholte Untersuchung durch Ralibi Isaak und einen zweiten berühmten Arzt hatte ergeben, daß ihr Leib durch die Früh- und Fehlgeburt untauglich geworden sei, nochmals zu gebären. Das war der Tod, der in sie eingedrungen war und ihrem Schoß vielfältiges ungeborenes Leben genommen hatte. Worte fielen ihr ein, halbvergessene schon, die einst Francisco in seinem sachlichen, damals aber feierlich gehobenen Ernst zu Porto an sie gerichtet hat: „Wir wollen uns fortpflanzen und vermehren, Donna Gracia, nicht mit diesem oder jenem Kind, sondern mit einer ganzen Schar von Kindern, die unser Blut und unsern Geist ins Leben und in die Welt tragen sollen — vielleicht wird eines darunter sein, gebenedeit wie einst Joseph unter den zwölfen." Aus dem wahrsten Grund ihres Wesens hatte sie dem Mann damals zugestimmt und sich bereitgehalten, den Kindersegen zu empfangen. Nun war es vorbei damit. Nun hatten sie zu zweien ein einziges Kindlein, ein Mädchen, das einmal ein anderer fortführen und dem Namen und dem Haus Mendez entfremden wird. Gracia sah sich alt werden in der Einsamkeit neben ihrem Mann, der niemals würde die Anklage gegen sie unterdrücken können, daß sie in jener Nacht nicht tapfer und fest geblieben sei und dem Unglück nicht standgehalten habe. Gracia vergrub sich in ihren Schmerz. Wirklich war es nichts a—' ./es als eine Grube untl fast ein Grab, worin sie saß und trauerte. (Fortsetzung folgt)

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