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Jüdische Rundschau · 1936-02-14 · Heft 13 (14.2.1936) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 13 (14.2.1936)
Date
1936-02-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seife 6 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 13 14. II. 1936 Mendelssohns Brautbriefe Moses Mendelsfc'n: Brautbriefe. Bücherei des Schocken- Verlages, V). 50. Zur Feier des 50. Bändchens der Schocken-Bficherei wählte sich der Verlag ein besonders anziehendes Kapitel aus der jüdischen Geistesgeschichte: die Brautbriefe Moses Mendelssohns an Fromet (Jugenheim. Die Geschichte von Mendelssohns Brautwerbung und Verlobung mit Fromet Gugenheim braucht sich nicht auf die romantische Erzählung „Wie der Weltweise seine Frau gewann" zu gründen, die wohl Bcrthold Auerbach ihre Fassung verdankt, der sie 1879 im Lessing-Mcndelssohn-t iedenkhuch veröffentlichte. Diese Geschichte ist allein schon aus ihren zeitgenössischen Quellen dargestellt ein Idyll aus der Zeit des Rokoko und darüber hinaus ein kulturgeschichtlich nicht unwichtiges Dokument aus der Sittengeschichte der Juden in Deutschland. Die Vorgeschichte dieser Verlobung hat sich wohl noch ganz im Stile der üblichen jüdischen Werbung vollzogen — der Freund Dr. Gumperz mag die erste Anregung gegeben haben, die resolute Schwiegermutter Frau Vogel (Jugenheim mag die ersten Verhandlungen geführt haben. Als der Freier endlich mit dem Schwiegervater bekannt wird, da treffen, wie es scheint, zwei Generationen hart zusammen: der Alte stellt, altmodisch und nüchtern, die Bedingung, der Verlobte der Tochter solle schriftlich niederlegen, wie er sie nach seinem Tode finanziell zu bedenken meine u. dgl. Da braust der sonst so bescheidene Mann auf und es zeigt sich, daß der Sohn des Thoraschreibers von Dessau und Lcssings Major von Teilheim in der gleichen Lebensluft atmen. Denn diese Forderungen, so meint der junge Freier ergrimmt, widersprachen seiner F h r e. Die „Braut Mamsell Fromet", wie sie am den Adressen mancher Briefe heißt, hat da wohl still die Gelegenheit wahrgenommen, vermittelnd einzugreifen; leider ist uns von ihren Braut/ed briefeit kein einziger erhalten. Aber von ihrem M.nlcbenMxn in der Veriobungs/eit erhaben wir ein Bildchen, das fn«t so reizend und so anschaulich wirkt wie tl.is bekannte I'ortr.it von 17t>7, dessen farbige Wiedergabe da-. Büchlein schmückt: wie sie dem gelehrten Hr.itttigem nahe! zukommen strebt, indem sie Shaftesbury liest und französisch zu lernen beginnt -— wie aber der weltkundige Mann selbst ein wenig Angst bekommt vor ihrem gar zu grollen Ufer: das Leinen der Frau vergleicht der Freier einmal mit Medizin — „aber zu viel Medizin verdirbt den Magen'-. . . Die l'rai.'ihi ie!e .Mendelssohns bilden in der Geschichte der ."ieti le:--e>lui i orschung ein eigenes Kapitel. Lange Zeit waren sie ganz und gar im/ug.inglich, auch nachdem sie der Hamburger M. Wer, wie Geiger vermutete, der Familie Mendelssohn übersehen hatte. Geiger selbst durfte nur eine knappe Auswahl in deutscher ' Übertragung in einem Privatdruck veröffentlichen — es bildete eines der schmerzlichsten Ereignisse seines Lebens, daß er diese menschlich so aufschlußreiche BrieUammlung tucht der Oeffcufhchkeit zuganglich machen konnte. Seitdem aber liegen in der juhiiaunis- Ausgabe von Mendelssohns Brieten sogar zwei Ausgaben dieser Bratithriefe vor: das jüdisch-deutsche Original sowie eine rein deutsche DeinTtragung, die es sich zum Ziele setzte, „durch Beibehaltung charakteristischer Wortformen und bezeichnender s\elektischer Sat/büdungeii ... etwas von der Patina zu bewahren, die den Originalen anhaftet". Die vorliegende Auswahl der Briefe hat nun einen dritten Weg gewählt: weder Original noch Uebersetzung, sondern eine getreu e U m s c h r i f t in deutsche Buchstaben, wobei die hebräischen Einschiebsel in ihrem hebräischen Wortlaut, aber gleichfalls mit deutschen Buchstaben wiedergegeben werden. Man mag über den Wert und die Möglichkeit einer solchen Umschrift, die ja auch schon von den Herausgebern der Jubiläums-Ausgabe erwogen und aus bestimmten 'Gründen abgelehnt wurde, verschiedener Ansicht sein. Vielleicht wäre es ersprießlicher gewesen, wenn man den schon früher in der Schocken-Bürherei (z. B. in Nr. 1 und 2) mit Frloig eingeschlagenen Weg gewählt hätte, einen doppelten Text zu geben,' der etwa links das jüdisch-deutsche Original und rechts eine deutsche Uebersetzung geboten hätte. Dann wäre das einheitliche Gewand der hebräischen Schriftzeichen gewahrt worden, wahrend jetzt die ein/einen Seiten einen ziemlich buntscheckigen Eindruck machen. Auch will uns scheinen, dal! der Versuch der Umschrift seihst nicht bis zum Ende dur< hgeführt worden ist; sowohl in der Orthographie, die zwischen mancherlei Schreibweisen schwankt, wie in der Umschrift selbst, die z. Ii. auf S. 102 einen ganzen hebräi-chen Satz in hebräischen Buchstaben und den nächsten, der ja nicht minder hebräische Formen enthält, in deutscheu I aa'e-i abcii wiedergibt. Störend sind auch zahlreiche I")ri!ckfe!jl>T, die eine M>t;*t in der Schocken-Bücherei ungewohnte I ,«.. heiuung darstellen. Und /um Schluß: Auch in den deutschen Anmerkungen stimmt nicht immer alles, oder ist manches umh-utHr h geblichen. So?.. B. S. 1 B (Anm. 1) „der junge 1 rankfurtcr Professor" •der aber damals schon in Rinteln war! ....... und die „Literarischen Briefe", die wohl mit den „Literatur hiiefcn" verwechselt wurden sind, aber n In von Mendel -i.'m allein herausgegeben wuribn. AUeila S bitte auf S. U7 (Anm. 1) Hennings nicht nur als „Schwär» r \>.n Reinem:-" h ze.i hnet wei den dürfen — hier ist namlk h nicht der berühmte Hermann Samuel Reiinaiti-:, der „\\ obenhu Her l 'isge rannte •, g m int, .sondern sein Nabu, der „1 >oktor" (was wohl der Mehrzahl der Leser nicht ohne weiteres bekannt war), der Bruder der Elise Reimarus. In einein kurzen Geleitwort faßt Ismar El bogen die bekannten Talsatlun dit scr Verlohungszcit klar und klug zusammen. Aber wenn er den Tcvt der Briefe zitieren will, dann . . . gruft er nicht zu der vorliegenden Umschrift, sondern zu der Uebcrsctzung der Jubilautns-Ausgabe. Trotz diesen Einwänden ist das reizend ausgestattete Bändchen mit seinen schönen Bildbeigaben eine rechte Festgabe; hoffentlich kann eine zweite Auflage recht bald die Schönheitsfehler der ersten Ausgabe beseitigen. Bertha Radf-Strauß Heine im Hebräischen Zum 80. Todestag des Dichters am 17. Februar Von S. M e i s e I s Heines Stellung zu Juden und Judentum läßt sich heute ohne sonderliche Schwierigkeit feststellen. Klar und eindeutig ist auch die Stellung der deutschen luden zu Heinrich Heine. Dagegen ist von dem Verhältnis der Ostjuden zu dem deuischen Dichter so gut wie nichts bekannt. Darüber soll hier einiges mitgeteilt werden. Heinrich Heine ist verhältnismäßig spät in die östliche „Judengasse'' eingedrungen. Die Ursache hierfür ist weniger im Dichter als in seiner Dichtung zu suchen. Die literarkundigen Juden im Osten wußten mit Heine nichts Rechtes anzulangen. Es ging ihnen mit ihm wie Moses Mendelssohn mit dem Schachspiel: er war ihnen als Witzbold zu ernst, als ernster Dichter zu witzig. Zudem war seine Schreibweise zu glatt, einfach, klar, ohne Schnörkel und Satzwindungen, die Deutungen, Glossen, Kommentare zulassen. Die Entwirrung eines Gcdankenknäuels war den talmudischen Köpfen der Judengasse unentbehrlich. Sie fanden daran Gefallen. Heine konnte man lesen; sie waren gewohnt zu „lernen". Gedichte ohne moralische Tendenz nannten sie ehemals im Ghetto „Gedichte ohne Sinn". Und den Heineschen Gedichten fehlte die moralische Nutzanwendung. Gemäß ihrer Neigung zur Grübelei und zum Moralisieren hatten auch die hebräischen Schriftsteller lange gezögert, Heinrich Heitie in das Fremdenregister der neuhebräischen Literatur einzutragen. Das erste Heinesche Gedicht, das in einer hebräischen Ucbcrtragung erschien, ist — soweit ich es feststellen konnte — „Frau Sorge" (Kochbe Jiz.chak 1853, Heft 18). Erst neun Jahre später finden wir in derselben Zeitschrift einen Sinnspruch Heines übersetzt vom philosophischen Schriftsteller Fabius Mieses (ebenda 1802, Heft 27). Bedenkt man, daß die „Kochbe Jizchak" von 1847 bis 1873 erschienen sind und daß sie zumeist von Ueberset/imgen genährt wurden, so müßte die Auslese von zwei Gedichten aus dein reichen Liedersehatz Heines ein Kopfschütteln hervorrufen, wenn die oben angeführten Gründe diese Erscheinung nicht einigermaßen erklärten. Ich finde es besonders beachtenswert, daß gerade „Frau Sorge" die Ueberselzungslust eines hebräischen Schriftstellers erregte, obwohl doch in erster Linie Heines Hebräische Melodien ins Hebräische übertragen zu werden verdienten. Man kann an der ersten Auswahl aus den verschiedensten Dichterwerken, die sie der Uebersetzung für wert befanden, das Gefühlsleben und die Gedankensphäre der damaligen hebräischen Schriftsteller kennenlernen. Bei Heine hatte es ihnen just die „Frau Sorge" angetan: Das Glück ist fort, der Beutel leer, Ich nah auch keine Freude mehr. An meinem Bett in der Winternacht Als Wärterin die Sorge wacht. Auch Max Letteris hat einige Gedichte Heines ins Hebräische übertragen. Den „Hebräischen Melodien" im hebräischen Gewände begegnen wir erst dreißig Jahre nach dem Tode des Dichters. Konstantin Schapiro lieferte eine gelungene Uebersetzung der „Disputation"". Salomon Mandelkern übersetzte „Jehuda ben Halevy" und „Prinzessin Sabbat". Mandelkern hat freilich mit dem Heineschen Gedicht geschaltet und gewaltet, als wäre es sein eigenes. Zunächst hat er die leiclitbewegten vierfüßigen Trochäen in langatmige Verse zu je vierzehn Silben umgewandelt. Dann hat er den gekreuzten Keim verwendet. Und schließlich überschritt er vollends das Maß des für einen Ucbersetzer Zulässigen, indem er sich Aenderungen, Abkürzungen, Ergänzungen und allerhand Korrekturen im Texte erlaubte. Die einleitende Strophe: Lechzend klebe mir die Zunge An dem Gaumen, und es welke Meine rechte Hand, vergaß' ich Jemals dein, Jerusalem — Max Brod: Novellen aus Böhmen. — Eine Pause zwischen seinen größeren Werken benutzt Brod, um eine Anzahl Novellen in einem Bande zu vereinigen, die von den verschiedensten Seiten das Menschliche und eine erhabene und böswillige Karikatur, das lieber- und Untermenschliche, abtasten, tun! wenn er sie aus Böhmen datiert, so verankert er sie zwar nicht durchaus in der Landschaft, sber im Geist großer Leun, die sie traten. Stifter, Comenitis Masaryk. Sein „Junge vom Lande", der zum Mörder in Notwehr wird und nach einem kurzen Genuß des Ruhms durch sein Gewissen hinsiecht, ist eine ebenso unheimliche wie klassische Figur. Und die Geschichte „Schluß mit Fräulein Slawa", Vorbereitung einer Verteidigungsrede, in der ein schier unlösbarer Kriminalfall sich dem Advokaten psychologisch durch ein eigenes Erleben löst, leuchtet tief in die Abgründe der Seele hinein. Brod hat in der letzten Zeit sich scharf und verantwortungsbewußt mit den Problemen der unmittelbaren Gegenwart auseinandergesetzt. Die Lese dicdes Buch ist ein ergänzendes Bild in die psychologische Sezierkammer, aus der die Erkenntnisse menschlichen Herzens stammen. (Verlag Albert de Lange, Amsterdam.) m. g. — eine Strophe, die doch nur mit Psalm 137, Vers 5 und 6 rückübersetzt zu werden brauchte, lautet bei Mandelkern wie folgt: 'S^a PS? 'an «18 p3"?fl D'nBf?n n^7?D ''9 i?3?? inj 'jrim 13*0 n^pp 'T9' n$v?J5 •o'^vv nan i|ti|#$ du Zu deutsch: Es klebe meine Zunge am Gaumen und es welke mein Gaumen im Schlünde, mein Mund sei in Staub gesteckt, verstummt die Lippen, vergessen sei meine Rechte, zerbrochen mein Arm wie ein Schilfrohr — \ergesse ich jemals dein, Tochter Jerusalem! Das ist weder heinisch noch sonst poetisch. Die herrlichen Verse: „Und es hat der goldene Tajo ihm sein Wiegenlied gelullet" behagen offenbar Mandelkern nicht, denn er will es besser macheu als Heine und läßt das Wiegenlied von der Mutler Haievvs singen. Er ist so freigebig, ihr ein Wiegenlied von vierunilsechzig Versen in den Mund zu legen... Ein „kleiner" Zusatz vom Ucbersetzer, um Heines Poesie poetischer zu gestalten! In einer Fußnote ist der Vermerk, daß das Wiegenlied nicht von Heine, sondern vom Ucbersetzer stammt. Für den, der auch nur ein Gedicht von Heine im Originale gelesen, war dieser Vermerk — überflüssig... Zum Schluß des dritten Kapitels fügt Mandelkern eine Strophe aus Halevys Diwan bei. Sie kommt an die Stelle des häufig erwähnten Hcineschcn Schnitzers, nämlich des Lecho-daudi- Liedes, dessen Verfasser bekanntlich nicht jehuda Halevy, sendern Salomo Alkavez. war. Die Strophe, in der der Dichter seiner Geliebten den gutgemeinten Rat erteilt, Hebräisch zu erlernen, um Gahirol, Ihn Esra und Halevy im Original lesen zu können, schließt bei Mandelkern mit den Worten: „Komm, ich unterrichte dich zu Nutz und Frommen, und zwar unentgeltlich." Es gibt noch eine zweite hebräische Hebert rahmig des „Halevy" von Salomon L u r i e, einem Ingenieur aus Mohilew. Furie hat das llcincsche Gedicht ziemlich wortgetreu und im Versmaß des Originals übersetzt und mit einigen trefflichen Anmerkungen versehen. Liebesliedcr von Heine, ebenso einige Reisebilder, sind erst in der naeh-haskalischen Zeit ins Hebräische übersetzt worden. Vom „Buch der Lieder" wurde erst in den Jahren nach dem Kriege eine hebräische Ausgabe veranstaltet. Die Uebersetzung stammt von dem hebräischen Dichter Jizchak Katzenelson. Eine Sammlung Heineschcr Lieder hat ferner S. Ben-Zion unter dem Titel „Zelilim" (Klänge) veröffentlicht. Einzelne Lieder von Heine tibersetzten auch David Frischmann und Nathan Samuely. „Heines Ausgewählte Schriften" in drei Bänden hat Hirsch Josef Pfeffermann herausgegeben. Sie enthalten die Prosasehriften: Memoiren des Herrn Schnabelewopski, Ideen, das Buch Le Grand, Nordcrnev und die Gedichte Donna Clara und Prinzessin Sabbat. Die Harzreise ist in einer Uebersetzung von David Schi m onowit z erschienen. Ist es nicht merkwürdig, daß „Der Rabbi von Bacharach" bis heute in keiner hebräischen Uebertragunr vorliegt! (In letzter Zeit wurden noch einige Gedichte Heines übersetzt, so von Tschcrnichowsky, FicTimari, Lichtenbaum u. a. — A. d. R.) Heine im Hebräischen umfaßt kaum den zwanzigsten Teil von dem Gesamtwerk des Dichters. Dennoch ist auch dem hebräischen Leser die Gelegenheit gegeben, Heinrich Heine als Mensch und Dichter näher kennenzulernen: es gibt nämlich eine Heine-Biogranhie in hebräischer Sprache. Das Buch trägt den Titel „Mimkor Jisracl" (Aus jüdischer Quelle) und sein Verfasser ist Eleasar Schulmann, ein Gelehrter und ein Mann von Geist. Schulmann sucht Heinrich Heine zu verstehen, das Verzeihen, wo es erforderlich ist, ergibt sich dann von selbst. Das Buch Schulmanns ist das schönste Denkmal, das ein hebräischer Schriftsteller dem Dichter -Heine setzen konnte. Jules Romains und das Prinzip des Romans In deutscher Sprache ist vor einiger Zeit ein neues Werk des französischen Schriftstellers Jules Romains erschienen, das wegen des kompositorischen Prinzips, das in ihm verwirklicht werden soll, unser Interesse verdient. Es sind die beiden Bücher: „Am 6. Oktober" und „Quinettes Verbrechen", die als die zwei ersten Bände der Reihe: „Die guten Willens sind" erschienen sind (Rowohlt-Verlag, Berlin, deutsch von Franz Hessel). Romains bezeichnet in einer umfangreichen Vorrede das hiermit begonnene Werk als das Hauptwerk seines Lebens und erläutert die Grundsätze, nach denen es abgefaßt ist. Wenn man diese auf eine Formel bringen will, so kann man wohl sagen, daß Romains den Versuch macht, das Leben in seiner Vielfalt, so wie es ist und wie es sich in unseren Tagen darstellt, wiederzugeben und in dem scheinbaren Chaos der Vorgänge allmählich die Leitlinien hervortreten zu lassen, die das Durcheinander letzten Endes sinnvoll ge- Sondtnlmch des Berichts der ZV/D an dtn XXV. D tl t gi tt t in-1 ag 3 «IA HR Iii ZIONISTISCHE BEWJEGUMCJ I. ÜS" »EUTSCHI^AMÖ Preis Bl 1.85 (Porto 30 Rpt) VERLAG JÜDISCH« RUNDSCHAU BERLIN W15 ME1NZKESTR. 10 stalten. Er wendet sich gegen die bisherigen Methoden der Darstellung, die „auf das Individuum zentralisiert" waren und mehr oder weniger um einen Helden kreisten, während hier der Versuch gemacht wird, das Leben seihst in seiner Vcrschlungenheit zum Helden der Erzählung zu machen. Romains weist darauf hin, daß er Ansätze zu dieser Methode bereits früher unternommen hat, z. B. auch in der gerade jetzt bei uns in einem Film gespielten Erzählung „Donogoo- Tonka", und er weist auf gewisse Zusammenhänge zwischen Film und Roman hin, die allerdings nicht so seien, daß der Roman vom Film her beeinflußt werde, sondern daß in beiden Kunstarten ein „kinematographisehes" Prinzip in verschiedener Form zum Ausdruck komme. Die beiden ersten Bände, die jetzt vorliegen, können allerdings jenes Prinzip noch nicht in vollem Umfange rechtfertigen. Wir sehen davon ab, daß vielleicht für den Leser die auf das Individuum abgestellte Darstellungsmeihode einer Epoche doch einen stärkeren Leitfaden durchs Leben bildet, als der von Romains unternommene Versuch. Romains würde einem solchen Einwand damit begegnen, daß unsere literarische Erziehung und unser Vorurteil uns daran hindern, die neuartige Methode widerstandsfrei aufzunehmen. Viel stärker ist jedoch der Einwand, daß bereits im zweiten Bande, in „Quincttes Verbrechen" der Held sehr stark im Mittelpunkt steht. Während im ersten Bande wirklich ein Tag im Pariser Leben des Jahres 1908 im Vordergrund der Schilderung liegt, spitzt sieh die Darstellung des zweiten Bandes bereits auf die merkwürdige Verknüpfung des Buchbinders Quinettc mit einem Verbrechen, an dem er gar nicht beteiligt ist, zu, durch das schließlich ein neues Verbrechen, das Quinette selbst begeht, erzeugt wird. Es entsteht so die Frage, ob nicht das Persönlichkeitsprinzip in der epischen Darstellung mehr ist als eine willkürliche Hilfskonstruktion, ob sie nicht vielmehr in der Sache selbst zutiefst begründet ist. Jüdische Motive treten in diesen beiden Bänden nur ganz sporadisch auf und sind rein lokal bedingt, wenn nämlich die Ereignisse in das Pariser Judenviertcl, das Reich der „Mauschel", wie es dort heißt, hinüberspielen. In der Darstellung ist manches, besonders in psychologischer Hinsicht, gelungen. So besonders die Abenteuer, die ein Kind in den Straiien von Paris, hinter seinem Reifen herlaufend, in seiner Scheinwelt erlebt. Manches andere aber bleibt etwas blaß, und man wird noch abzuwarten haben, wie Jules Romains uns durch das Chaos des Lebens zu denen, „die guten Willens sind", in den weiteren Bänden hinführt, wie er es in der Vorrede versprochen hat. -n. Der Schriftsteller Mordechai Ben H i 11 c 1 Hakohe n wurde anläßlich seines SO. Geburtstages zum Ehrenbürger von TeJ-Awiw ernannt

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