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Jüdische Rundschau · 1936-02-14 · Heft 13 (14.2.1936) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 13 (14.2.1936)
Date
1936-02-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 13, 14. H.1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 5 00 Außere Gefahren — innere Entwicklungen Betr. Altersversorgung Wir wsisen darauf hin, daß Sie sich in allen Fragen der eigenen oder der Versorgung Ihrer Familienangehörigen zwecks kostenloser und für Sie unverbindlicher Beratung an uns wenden können. Wir machen Ihnen, wenn Sie uns genaue Altersanga.jen und Ihre Wünsche mitteilen, sorgfältig ausgearbeitete Vorschläge für Leibrente,i Versicherungen. Nehmen Sie unsere Beratung durch erste Fachleute unverbindlich in Anspruch. Familienschutz E.V. Beratungssteile für Altersversorgung BerlinW8,Taubenstr.35 A" Fora 4417 4418 Brief aus Polen Von unserem Berichterstatter s. Warschau, 6. Februar Emi^rationsdrane; und Zionismus Die immer stärker um sieh greifende Judenfeindschaft in Polen, die tätlich Opfer an (int und Leben der jüdischen Bevölkerung verursacht, hat anscheinend die Tätigkeit der zionistischen Parteien und Institutionen lahmgelegt. Dies ist aber nur rein äußerlich so. In Wirk'.i/hkeit sind Zionismus und Palästina-Idee gerade jetzt die stärksle'i Potenzen im jüdischen Leben. Die Erleb-isse jüdischer Menschen, die bisher ganz abseits standen, sind so gewjitig, de- Druck von außen so nachhaltig, daß der Ziomriius es nicht m *hr nötig hat, Propaganda zu treiben. Die Wirklich* :it Pa'iis has hat auch die größten Skeptiker unter den polni;che:i Juden eines Besseren belehrt, und so ist eine Palästinabewegung entstanden, die weit über den Ra'ime i siim ic'tezionistischer Parteien hinausrei-ht u:;d zur mächtigsten Bewegung im polnischen |uden<nm wurde, der auch die orthodoxe „Agudah" auf der einen u id der sozia islis'-'te „Bund" auf der anderen Seite kaum standzuhalten vermögen. Der Emigrationsdrang der jüdischen Massen Polens, die nicht nur ökonomisch verelendet, sondern — wie es die Ereignisse der letzten Monate zeigen — auch in ihrer physischen Existenz bedroht sind, ist noch mehr gewachsen, und schon diese Tatsache schafft ein Band zwisclvn Ercz Israel und Polen. Steht doch Polen auf dem ersten Platz in der paiä• 'ir.ensischen Einwände; ungsfabe'.lc. Im Jahre 1035 emigrierten aus Polen nach Palästina 20 107 Juden, also 53,1 »ii der gesamten A'ijah dieses Jahres st m nte aus Polen. (Die Oesamtzahl der jü lischen und nichtjüdischen Auswanderer aus Polen im Jahre 103) betrug gegen 50 013). Was bedeutet aber diese an sich ansehnliche Zahl gegenüber dem Bedürfnis der po'ni c'ten |udenh"if, deren ältere Generation im Elend verkümmert und deren tatkräftige, schaffensfreudige und arbeitsuchende Jugend zur Verzweiflung gebracht wird? Kein Wunder also, daß die letzten Ereignisse in Palästina die jüdische Volksmasse in Polen zutiefst aufgewühlt haben. Durch das ganze Land ging ein Proteststurm gegen die geplante Einführung des Legislativen Rates und gegen die Alijahbegrettzungen. Diese Protestaktion bedurfte keiner Propaganda. Ein Volk in Not, das nur e i n e Hoffnung und eine Sehnsucht hat, gab seinen Gefühlen einen natürlichen Ausdruck. KH.-Arbei Die Kcrcn H aj e s s od - Aktion erfaßt unter der energischen Führung Leib Jaffes immer weitere Kreise. In Warschau, Wilna, Bia'istok, Czenstocnau, Krakau gelang es Jaffe, die Ergebnisse der früheren Jahre — trotz verschlechterter wirtschaftlicher Lage — zu vergrößern. Die Ankunft des Misrachiführers Rabbiner Gold gab auch der Keren Hajcssod-Arbeit in manchen Orten und Kreisen neue Stoßkraft. Nach dem Muster Palästinas begann in den letzten Tagen eine planmäßige Propaganda des K'-e-i Hajessod auch unter den jüdischen Arbeiterschichten in Polen. Um den Territorialverband Als die Koalition auf dem XIX. Kongreß zustande kam (die sich auch für Polen als segensreich erwies), schien es selbstverständlich, daß die Konzeption des Territorialverbandes jetzt verwirklicht werden wird. Es war nun zu erwarten, dal! man in Polen so rasch wie möglich an diese Sache herantreten würde. Leider sind Monate verstrichen und der Kongrelibeschluli blieb unausgeführt. Es war deshalb ein richtiger Schritt seitens der Exekutive, daß sie im \origen Monat F. Bernstein aus Rotterdam nach Galizien delegierte, um in der dorfigen zionistischen Oeffentlichkeit die Situation klarzustellen. Bernstein hat Krakau. Lemberg, Stanislau und Przemvsl besucht, Versammlungen und Konferenzen abgehalten und wurde überall mit großer Aufmerks; mkeit empfangen. Die in dieser Materie vorhandenen .Meinungsverschiedenheiten wurden aus diesem Anlaß präzisiert, jedoch nicht überbrückt. Auf das Weiterbestehen der einzelnen Parteien wollen die einen, auf ihre vollständige Auflösung wollen die anderen nicht eingehen. Der Weg aber zu einer allmählichen Lösung ist durch den Kongreßentwurf gegeben, und es ist bedauerlich, daß keine der größeren Parteien diesen Weg zu beschreiten gewillt ist. Der Willen aber zur Konsolidierung innerhalb und außerhalb des zionistischen Lagers bricht durch. So kam vor einigen Tagen in Warschau die Wiedervereinigung der seit drei Jahren gcsna'tcnen H i t a c h d u t h gruppen zustande, und zwar auf Omn i des Eintritts der „Hitachduth" in den Weltverband der arbeitszionistischen Parteien, der in Danzig geschaffen wurde. Allerdings behält sich die Hitachduth vor, innerhalb des Wcltverbaudcs für den Gedanken der Hebraisierunn in der Gallith und der Koalition mit allen Volksschichten zu kämpfen. Die zionistische Oeffent'ichkeit in Polen hat diesen Akt mit großer Zufriedenheit aufgenommen. ZusammenschluObetrachttragen Die innerpoütische Lage brachte eine Annäherung derjenigen Parteien, die seinerzeit den Jüdischen Nationalrat in Polen gebildet haben. Um innerhalb dieser Körperschaft geschlossen auftreten zu können, gehen die bisher noch drei Tcrritorialgruppen bildenden Al'gemeinen Zionisten Ost- und Westgaliziens sowie Kongreßpolens daran, sich zu vereinigen, was hoff entlieh j'dzt angesichts der drohenden inneren Gefahren gelingen wird. Der Auswanderungsdrang aus Polen In den „D anz. iger Neuesten Nachrichten" lesen wir: ..Die ,l)ako' meldet aus Warschau: Ans Triest wird berichtet, daß der Lloyd T r i o f l i n o kih/hVli einen Kontrakt von der polnischen Scl-.'i.)!) dos Zioni-ti chc:i Vollzugsausschusses gesichert habe, für den Transport von 80000 jüdischen Ansiedlern, welche Kuiopa in diesem Jahre verlas.en wollen, in der Absicht, ein neue, l.elxm in dem Lande ihrer Vorväter. Palästina, zu beginnen. Umfangreiche Vorarbeiten für die (Jeher führung em«r solch großen Menge von Passagieren sind vom Llovd Triestino noch zu leisten. P e^rs (".cchäft wird von der lokalen italienischen Presse als außerordentliches Krcignis betrachtet, das bisher unerreicht in der <;!■-'-].', e!er i'.ili. ni rhen 1 landcKmance On^teht." Die Nachricht ist in dieser Form unglaubwürdig, da ja von einer Ueberführung von 80 000 Auswanderern in einem Jahr aus Polen allein leider keine Rede sein kann. Die übertriebene Darstellung zeigt aber, wie stark der Auswanderungsdrang ist. Wirtschaftsantisemitismus in Polen In der „Deutschen Tageszeitung in Polen", Leszno, findet man folgende Meldung: „Im „Dom Kupiedwa Polskiego" hat dieser Tage eine Versammlung des „Skowarzyszenie Kupzow Ohrzescijati" stattgefunden, auf der die Frage der Entjudung des polnischen Handels eingehend besprochen wurde. Nach einer lebhafte,! Au.sspra:he beschloß man, eine Liste der christlichen und jüdischen Fabriken aufzustellen, um als Orientierung bei Einkäufen zu dienen. Zugleich soll diese Liste den Gewerbetreibenden die Industriestädten aufzeigen, aus denen die Juden zu verdrängen wären. Ein weiterer Beschluß lautet dahin, daß jedepol tische Kaufmann, der jüdische Ware zu nehmen gen it " sei, die Ware nur durch polnische Vermittler kaufen sn\ . ..■ merkenswert ist ferner die Schaffung einer zinslosen Li c';:iskassc für Krtid'cde, die sich in Osten des Landes niederlassen, um dort die Entjudung des Handels wirksam zu betreiben." Um das Schächtverbot Aus Polen werden über die Motive des Antrages auf Sc Ii ä c Ii t v c r b o t in verschiedenen Zeitungen, z. B. auch der Londoner „Times" Berichte verbreitet, denen wir nachstehende Darstellung entnehmen: Im Sejm wurde von der parlamentarischen Landwirtschaft-gruppe durch die Sejmabg. Frau P r y s t o r, die Gattin des früheren Ministerpräsidenten Oberst Prystor, ein Gesetzentwurf eingebracht, wonach die jüdischen R i - t u a I s c h 1 a c h t u n g e n in Polen ab 1. Januar 1937 verboten werden sollen. Sol'te diese- Auf rag, der die orthodoxen Massen der polnischen Juden auf das schwerste bedroht, durchdringen, dann würde auf dem Gebiete des Viehhandels und der Schlachtungen eine grundsätzliche Neuerung eintreten. Denn, abgesehen von den religiösen Momenten, bedeuteten die Rituaischlachttingen für die Juden eine Monopolstellung im Hinblick auf die Viehverwertung in Polen. Da die Schlachtungen nur von eigens durch die Rabbiner bestimmten Schlächter erfolgten, lag auch der gesamte V i e h a n k a tt t in jüdischer Hand. Andererseits sind auf diese Weise nicht nur den Produzenten, die sich des jüdischen Zwischenhandels bedienen mußten, sondern auch den christlichen Fleischverbrauchcrn die Preise diktiert worden. Die jüdischen Religionsgemeinschaften hatten auf diese Weise große Einnahmen, die letzten Endes eine Art indirekter Steuer darstellten. Schon aus diesem Grunde sei die Opposition gegen das Schächten in christlichen Kreisen Polens seit langer Zeit vorhanden. Der j ü d i s c h e W i d e r s t a n d gegen den Gesetzentwurf, der zweifellos bis zum äußersten gehen wird, beruht jedoch, wie der „Timcs"-Korrespondcnt betont, auf religiösen und nicht auf ökonomischen Gründen. Warschau, 11. Februar. (JTA.) Sätr.tTche jüdischen Deputierten und S e n a t o r e n haben beim Kultusminister Swietoslawski vorgesprochen und ihn auf die Gefahr aufmerksam gemacht, die der im Sejm eingebrachte Antrag, das ritin'lle Schächten in Polen zu verbieten, für die polnische Judenheit bedeutet. Die jüdischen Parlamentarier wiesen darauf hin, daß ein Schächtverbot eine Verletzung der in der Verfassung gewährleisteten Gewissensfreiheit darstellen würde. Kultusminister Swietoslawski versprach, das einschlägige Material sorgfältig zu studieren. Der Verband der orthodoxen Rabbiner Amerikas hat an den polnischen Geschäftsträger in Washington telegraphisch einen Protest gegen den dem Sejm vorgelegten Antrag, die Schechita in Polen zu verbieten, gerichtet. Nationaldemokratische Sprengstoff- Attentäter vor Gericht Warschau, 12. Februar. (JTA.) Vor dem Kreisgericht in Kattowitz. begann der Prozeß gegen 21 Mitglieder der nationaldemokratischen Partei, die beschuldigt sind, am 9. September 1035 Sprengstoffattentate gegen die Kattowitz e r Große S y n a g o g e und eine Reihe anderer in jüdischem Besitz befindlicher Gebäude verübt zu haben. Sämtliche Beschuldigten sind geständig, behaupten aber, die Tat nicht auf Weisung der nationaldcmokratisch.cn Partei, sondern aus eigenem Antrieb begangen zu haben. Zahlreiche Zeugen bestätigten die Feststellungen der Anklageschrift. Der Staatsanwalt verurteilte schärfsten* das Vorgehen der Angeklagten, die den guten Ruf Polens geschädigt hätten. Er beantragte eine Gefängnisstrafe von fünf Jahren für den Haupfangeklagten Jakubowski, für die ü'vigen Angeklagten Gefängnisstrafen von zweieinhalb bis zu vier Jahren. Das Urteil im Lodzer Prozeß Warschau, 11. Februar. (JTA.) In dem Prozeß, der in Lodz gegen eine Reihe von Angeklagten geführt wurde, die beschuldigt waren, zahlreichen Juden, die illegal nach Palästina einwandern wollten, unter dem Vorwand, ihnen dazu verhelfen zu können, Geldbeträge herausgelockt zu haben, ist das Urteil gefällt worden. Der I lauptangeklagte, Chanachowicz, wurde zu drei Jahren, der Kapitän des Schiffes „Wanda", das die Opfer des Betruges nach dreitägiger Fahrt statt nach Palästina wieder in den Hafen (Idingen zurückbrachte, zu acht Monaten Gefängnis und Schadenersatz verurteilt. Abraham S t a v s k y und zwei weitere Angeklagte wurden freigesprochen. ~3udapester Brief Von unserem Berichterstatter Budapest, 11. Februar Ein jüdisches Begräbnis, wie es Budapest seit dem Tode des Minister Väzsonyi nicht gesehen hat, war die Beisetzung Paul Sändors. 7000 bis S000 Menschen, unter ihnen Vertreter der Regierung, der Hauptstadt, aller konfessionellen und wirtschaftlichen Vereinigungen, nahmen an ihm teil. Als Nachfolger Sändors wurde auf Grund der hauptstädtischen Listenwahlen der Minister a. D. Gustav Gratz ins Abgeordnetenhaus berufen, ein Vertreter der Deutschen in Ungarn, der erste Nichtjude, der seit dem Ausgleich von 186? die sogenannte Leopoldsstadt vertritt. Gratz legt Wert aut die Feststellung, daß er kein Antisemit ist. Der junge Abgeordnete Johann Väzsonyi hatte vor Wochenfrist eine Interpellation an die Regierung angemeldet, „in Angelegenheit der sich in neuerer Zeit in öffentlichen Reden> Briefen, Plakaten ständig wiederholenden und die Rechtsordnung störenden konfessionellen Agitation im Lande". Nun erklärt er in seiner Zeitschrift „Dcmokrata Ujsäg", er halie mit Rücksicht auf die große Bedeutung und Tragweite der Frage, von der der Ministerpräsident Götnbös schon im Vorjahre erklärt hatte, sie dürfte nur mit größter Objektivität und Vorsicht angegriffen werden, von der Einbringung der Interpellation vorläufig Abstand genommen. Dr. A, F. Neue UnrtT-esi in Syrien DNB. meldet aus Jerusalem über die Zustände in Syrien: Die Lage im Generalstreik hat sich verschärft. Man erwartet die offizielle V e r k ii n d u n g des Kriegsrechts über ganz Syrien. Das englische Konsulat in Damaskus hat eine Militärwachc erhalten, da die .Wenge über englische Rtmdfunknachrichtcn empört ist. In den Meldungen war behauptet worden, die Streikenden trügen sich mit Plünderungsabsichten. Am Sonntag kam es in Damaskus wiederum zu Zusammenstößen. Auf beiden Seiten gab es Verwundete. Zwölt Personen wurden festgenommen. Die Hausbesitzer sollen beschlossen haben, die Ladenmieten für die Dauer des Streiks zu erlassen. Am Sonntag wurde auch in der Stadt Tripolis gestreikt. Man befurchtet ein Ucbergrcifcn des Aufstandes auf das L i b a n o n - G e b i c t. Der Präsident der syrischen Kammer hat ein Protesttelegramm an den Völkerbund und an das französische Außettamt gerichtet, in dem er Verwahrung wegen des Blutvergießens in Horns und in Haina einlegt. Not unter den Juden Damaskus, 9. Februar. (JTA.) Die jüdische Bevölkerung von Damaskus ist durch die antifranzösischen Unruhen in Syrien wirtschaftlich schwer betroffen worden. Die Juden von Damaskus sind gezwungen worden, an dem Generalstreik, der bereits über drei Wochen dauert, teilzunehmen und ihre Läden zu schließen. Denjenigen, die sich weigern sollten, der Generalstreikparole zu folgen, wurde angedroht, daß man ihre Geschäfte in Brand setzen werde. In weiten Kreisen der jüdischen Bevölkerung von Damaskus herrscht Hungersnot. Es wurde ein Hilfskomitee gegründet, dessen Wirkungskreis jedoch infolge Mangels an Mitteln sehr beschränkt ist. Die Lage der rumänischen Juden Paris, 11. Februar. (JTA.) Der rumänische Außenminister N i c o I a c T i t u I c s c u hat in P a - ris eine aus Vertretern der Alliancc Israelitc Universelle und des Komitees für die Verteidigung der jüdischen Rechte bestehende A h o r d n u n g empfangen. Die Abordnung stand unter der Führung des Deputierten der französischen Kammer und Präsidenten des Komitees für die Verteidigung der jüdischen Rechte, Paul R e y n a u d, und des Vizepräsidenten der Alliancc brachte Universelle, Georg Leven. Es gehörten ihr außerdem die Mitglieder des Zentralkomitees der Alliancc, Alfred Herl, M. L. Netter und Prof. William O u a 1 i d, sow ie der Vizepräsident des Komitees für uie Verteidigung jüdischer Rechte, Boris (i tt r c - witch, an. Die Unterredung dauerte eine Stunde. Die Lage der Juden in Osteuropa, insbesondere in Rumänien, wurde eingehend erörtert. Constantiner Pogrom vor Gericht Paris, 10. Februar. (JTA.) Line Phase aus den Ereignissen des Judenpogroms in der algerischen Stadt C o n - staut ine am 5. August 1051 bildet jetzt den Gegenstand einer Verhandlung vor dem Kriminalgerieht in Orlcansville (Algerien); es handelt sich um die E r m o r d u n g der ganzen Familie des jüdischen Kaufmanns Alphonse liaiimi durch Araber. Neun Angehörige dieser Familie wurden von einer Gruppe Araber, die in ihr Haus eindrang, mit Messern und Dolchen getötet. Der Prozeß gegen einige der Mörder, die ermittelt werden konnten, sollte schon im Juli 1035 vor sich gehen, wurde aber auf eine spätere Session vertagt, weil damals die Mauptbelastuugszeugin, Rosette Benisti, aus Angst vor zahlreichen an sie ergangenen Drohungen sich zu einer vollen Aussage nicht entschließen konnte. Rosette Benisti ist nur dadurch dem Schicksal ihrer Anverwandten entgangen, daß sie mit einer arabischen Dienerin in eine Dachkammer des Hauses flüchten konnte. Von der Terrasse aus konnte sie beobachten, wie die Mörder die Treppe heraufstiegen, sie hat genau die Personen angeben können. Vier Araber befinden sich auf der Anklagebank, unter ihnen der Rädelsführer des Massakers. Die Behörden hiben für die Dauer der Verhandlung strenge Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ordnung getroffen. Das Gericht von Orleansville hat Abid Mohammed und Benihoub Dschekki, die bei dem Pogrom in Constantine am 5. August 1934 fünf Angehörige der Familien Attali und Attal ermordet hatten, zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Ein dritter Angeklagter wurde fre gesprochen. Der Staatsanwalt hatte für alle drei Todesstrafe gefordert. Ferner wurden vier Angeklagte, die während des Pogroms an der Ermordung von neun Mitgliedern der Familien Halimi und Zerdoun beteiligt waren, zu lebenslänglichem bzw. 15jährigem, 5jährigem und 2jährigcm Zuchthaus verurteilt. Rabbiner Dr. Max Dienemann begibt sich nach Palästina, um sich mit Fragen der Gestaltung des Gottesdienstes im religiös-liberalen Sinne zu befassen.

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