Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 13 (14.2.1936)
- Date
- 1936-02-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13 14.11. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 3 Landwirtschaft in Südamerika Die Jufen in Südamerika (IV> Von Dr. Arthur Ruppin Vgl. die Artikel in der „jüdischen Rundschau" Nr. 7, 11, 12 Etwas Statistik Nach dem Berichte der ICA für 1934 waren in ihren argentinischen Kolonien Ende 1934 3106 Kolonisten, nämlich größte Kolonien: in der Provinz Entre Rios 1633 Lucienville, Clara m n » Santa ti 641 Moisesville und Moatefiore ■ n m, Buenos Aires und in Mauricio, Governacion Las Pampas 810 Baron Hirfch n » » Santiago del Estero 22 Dora Zusammen mit Angehörigen zählten die Kolonisten 17 712 Seelen. Außerdem wohnten in den Kolonien 1435 jüdische Familien mit 8054 Seelen, die n i c Ii t von Landwirtschaft lebten, und in den Städtchen, die inmitten oder neben den Kolonien entstanden waren, 17 291 Personen, davon etwa die Hälfte Juden. Von dem Boden waren 224 693 ha freies Eigentum von 1538 Kolonisten, 159 005 ha waren bei 1569 Kolonisten in Pacht (mit Kaufrecht), 222 883 ha waren bei der ICA in Reserve. Die Ernte des Jahres 1933/34 hatte ergeben (in argeut. Pesos; IS Pesos 1 £) brutto: Feldfrüchte im Werte von 4 782 510 Milch und Milchprodukte im Werte von 481 890 Geflügel und Eier 619 300 Vieh-Verkauf 750 000 Sonstige 80 000 6 713 700 Die Nettoeinkünfte von den Feldfrüchten waren allerdings nur 1 812 963 Pesos. Auf jeden Kolonisten entfiel hiernach durchschnittlich ein Betrag von 2160 Pesos 120 £ brutto oder 1200 Pesos (= 07 £) netto. Der Wert der Gebäude und des lebenden und toten Inventars in den Kolonien (ohne den Wert des Bodens) wurde auf 18 819 379 Pesos (1 OSO 000 £) geschätzt, d. h. auf zirka 310 £ pro Kolonist. Im Jahre 1934 haben 63 Kolonisten die Kolonien verlassen, dagegen werden 41 neue Kolonisten angesiedelt. Der größte Teil des heute besiedelten Bodens ist bereits vor dem Weltkriege besiedelt worden. Nach dem Kriege hat die Kolonisationstätigkeit der ICA nachgelassen; das geht daraus hervor, daß die Zahl der Kolonisten, die 1913 2655 betrug, in den 20 Jahren bis zum Jahre 1933 nur auf 312S stieg, und im Jahre 1934 auf 3106 zurückging. Die Feldfrüchte, die angebaut werden, sind Weizen (30 o/o der Fläche, Flachs 15 o/o, Mais 12 «/<>, Hafer und andere Körnerfrüchte (8 "/o), Alfalfa (5 ">), Sudengras, Gemüse und sonstige Kulturen (30 o/o). Die landwirtschaftliche Kooperation ist — wie in Palästina — in den jüdischen Kolonien stark entwickelt. Ihr Hauptzweck ist der gemeinschaftliche Einkauf und Verkauf. Im Jahre 1931 zählten die Kooperativen in den landwirtschaftlichen Kolonien 2106 Mitglieder und besaßen ein eigenes Vermögen von etwa 700 000 Pesos (40 0:» £). Vergleich mit Palästina Meine Zeit erlaubte mir nicht, mich eingehend mit der jüdischen landwirtschaftlichen Kolonisation zu beschäftigen. Ich konnte nur einige Kolonien in den Provinzen Santa Fe (in der Umgebung von Moisesville) und Entre Rios (Lucienville) besuchen und von den Verwaltern der ICA, die mich auf meinen Besuchen begleiteten, und von einzelnen Kolonisten Auskünfte einziehen. Ich kann deshalb im folgenden nur einige Eindrücke wiedergegeben, die sich mir bei einem Vergleich der argentinischen mit der palästinensischen Kolonisation aufdrängen. 1. Einen gewaltigen Vorteil hat Argentinien vor Palästina voraus: unbegrenzte Boden flächen sind zu niedrigen Preisen (50—300 Pesos pro Hektar, je nach Güte des Bodens und Nähe zur Stadt, d. h. 28 Piaster bis 1,70 £ pro Dunam) für die jüdische Kolonisation zu kaufen. Die iCA selbst hat, wie erwähnt, noch 200 000 ha in Reserve. Wie schwer und wie teuer ist dagegen der Erwerb von Boden in Palästina, wo ein Dunam von 5 bis 30 £ kostet! 2. Die meisten jüdischen Kolonien in Argentinien liegen in Gegenden, wo genügend Regen das ganze Jahr hindurch fällt, wo also die Felder und Weiden keinerlei künstliche Bewässerung bedürfen. Die Wiesen, die ohne künstliche Bewässerung mit grünem Halfalfa bedeckt sind, würden das Entzücken jedes palästinensischen Kolonisten erregen. — Allerdings sind Jahre der Dürre häufig und haben besonders in den letzten Jahren den Kolonisten großen Schaden zugefügt. Zur Zeit meines Besuches fiel Regen, aber die Ernte war infolge der voraufgegangenen langen Dürre bereits verloren. 3. Argentinien ist nach seiner klimatischen Eigenart ein Getreide- und Weideland. Für solch eine form der Landwirtschaft braucht der Kolonist einen großen Bodenkomplex. Die ICA gab im Anfang jedem Siedler 12) ha (= 1250 Dunam), in den Pampas 150 ha, und ging später bis auf 75 ha herunter. Manche Kolonisfeusfellen sind später durch Verteilung unter mehrere Erben oder Verkauf verkleinert worden; umgekehrt haben manche Siedler später Boden von Nachbarn zugekauft. Nach Angaben, die ich Herrn Administrator Hurwitz m Besavilbaso verdanke, besaßen von den 361 Kolonisten in der Kolonie Lucienville: 13 Kolonisten weniger als 10 Kolonisten 56 Kolonisten 86 Kolonisten 48 Kolonisten 12 Kolonisten 136 Kolonisten trug diesem wirtschaftlichen Erfordernis Rechnung und siedelte jeden Kolonisten einzeln auf seinein Boden an. Zwar bemüht? sie sich, immer vier Kolonisten in einem Block zu Nachbarn zu machen, aber es blieb doch eine Isoliertheit der Siedler, welche die Bildung eines sozialen und kulturellen G e m c i n d e 1 e b e n s e r s c h w e r t, das für den Juden und für die Erhaltung der jüdischen Tradition unentbehrlich ist. In einigen von mir nicht besuchten Kolonien hat die ICA eine Kompromißlösung eingeführt; sie gibt den Siedlern je 5 ha in geschlossener Dorflage und läßt sie im Dcrfe wohnen, den übrigen Boden bekommen sie entfernt vom Dorfe. Vielleicht ist diese Lösung der relativ beste Ausweg. — In Palästina, wo die Siedler nur 2 -10 ha Boden bearbeiten, können die Siedler zusammen in einem Dorfe wohnen und doch in der Nähe ihres Bextens bleiben. Dadurch sind die Siedler und ihre Kinder imstande, ein reges soziales und kulturelles Leben zu führen und leiden nicht unter der Isoliertheit, die dem Wesen des Juden nicht zusagt. 4. Die argentinischen Siedlungen sind von den großen Städten ziemlich weit entfernt. Sic haben deshalb keinen nahen Markt für die Produkte der intensiven Landwirtschaft wie Milch, Gemüse, Hühner, Eier; diese werden vielmehr von anderen nahegelegenen Dörfern in die Städte geschickt. Die jüdischen Kolonisten müssen deshalb beim Getreidebau und Viehzucht (Schlachtvieh) für Exportzwecke bleiben. Hier sind sie von den Weltmarktpreisen, d. h. von der Konkurrenz aller anderen Getreide und Vieh produzierenden Länder abhängig, und der Rückgang der Preise in den letzten Jahren hat» sie schwer getroffen und viele ruiniert. — In dem kleinen Palästina liegen fast aile Siedlungen ganz nahe zu einer Stadt und können dorthin Milch, Gemüse, frische Eier schicken, worin ihnen das Ausland nicht so leicht Konkurrenz machen kann. Die große Einwanderung nach Palästina in den letzten Jahren hat zudem die Nachfrage nach diesen Produkten so vergrößert, daß sie hohe Preise erzielen. In der Orangenkultur hat Palästina zwar die Konkurrenz anderer Länder, hat aber durch die besonders gute Qualität der Jaffa-Orange eine bevorzugte Stellung. 5. Die Kosten der Ansiedlung sind in Argentinien niedriger als in Palästina. Zwar kosten 75 ha Boden mittlerer Lage und Qualität, die als ausreichend angesehen werden, etwa 7500 Pesos, d. h. 420 £, was gegenüber den Kosten der Aiisiedlungsfläche in Palästina keinen erheblichen Unterschied bedeutet. Aber der argentinische Kolonist braucht keinen Stall. Die Baukosten für sein Haus befragen kaum ein Viertel soviel wie in Palästina, lebendes Inventar noch weniger, so daß 200—300 £ für die Errichtung einer Wirtschaft ausreichen, während es in Palästina doppelt und dreifach soviel kostet. 6. In Argentinien haben viele Siedler in den guten Jahren von 1920 bis 1930 ihre Schulden an die ICA abgezahlt und den Boden, der dadurch ihr freies Eigentum wurde, bei der staatlichen Hypothekenbank hypotheziert, um mit dem Gelde neuen "Boden — in spekulativer Absicht — zuzukaufen. Heute ist dieser Boden noch nicht die Hälfte des damaligen Kaufpreises wert, seine Bearbeitung bringt infolge der gesunkenen Preise wenig ein, während die Hvpothekenzinsen den Siedler schwer belasten. Vorläufig hat die argentinische Regierung die Zwangsversteigerung landwirtschaftlicher Grundstücke wegen nicht gezahlter Hypothekenschulden untersagt, sonst wäre es in vielen Fällen zur Subhastation gekommen. Die „kleinen'" Siedler, welche ihre Schulden an die ICA noch nicht abzahlen und ihren Boden nicht hypofhezieren konnten, 10 ha, 10-30 ha, 50 ha, 75 ha, 100 ha, 125 ha, von 125—200 ha. Die durchschnittliche Größe dieser Parzellen macht es außerordentlich schwierig, die Siedler in Dörfern tu konzentrieren, weil sie dann von ihren Böden zu weit entfernt wärenvielmehr ist das — vom Nachbargehöft etwa 1000 m entfernte — Einzelgehöft, bei dem jeder Siedler auf seinem Boden sitzt, vorn wirtschaftlichen Gesichtspunkte das gegebene. Die ICA sind heute viel besser daran als die „grollen". In Palästina ist bei den gemischten Wirtschaften auf JNF.-Boden eine Hypr-thezierung und ein Bodeuzukauf in spekulativer Absicht immöglich. Ich habe vielfach sagen hören: Wieviel besser es für die Lage der Kolonisten in Argentinien gewesen wäre, wenn für sie von Anfang an das Erbpacht-Prinzip des Keren Kajcmeth gegolten hätte! 7. In gewissen Provinzen (Entre Rios, Santa Fe) leiden die Siedlungen fast jedes Jahr unter Heuschrecken, die im Durchschnitt ein Drittel der Feldfrüchte auffressen, und die bei den ungeheuren Entfernungen schwer zu bekämpfen sind. Sie machen die Anpflanzung von Bäumen, besonders Obstbäumen, unmöglich. In Palästina tritt diese Plage nur einmal in Jahrzehnten auf. Wichtigkeit der Hachscharah 8. Die Siedler in Argentinien gingen an die landwirtschaftliche Arbeit, ohne dafür irgendwie vorbereitet zu sein. Sie kannten weder die einfachsten landwirtschaftliche:' Handgrilfe, noch waren sie an körperliche Arbeit gewöhnt. In noch höherem Maße gilt das für die Frauen der Kolonisten. Deshalb war der Prozentsatz derjenigen, welche sich nach erfolgter Ansiedlung für die Landwirtschaft nicht als geeignet erwiesen, ein außerordentlich hoher. Sie verließen entweder ihre Wirtschaft, wodurch das von der ICA für sie aufgewendete Kapital fast immer verloren ging, oder sie suchten sich innerhalb der Siedlung oder außerhalb derselbe!' im Handel Beschäftigung und führten ihre Wirtschaft im Nebenberuf durch (christliche) Lohnarbeiter, die zu niedrigen Löhnen zu haben sind. Die Beschäftigung von billigen Lohnarbeitern (zu einem Monatslohn von etwa 3 £) ist überall, selbst bei den besten Kolonisten, üblich und verständlich. Der Kolonist und oft auch seine Söhne, in seltenen Fällen auch die Töchter, arbeiten aber in der Wirtschaft mit. Die kleinen Städtchen, die in der Nähe der jüdischen Kolonien entstanden oder durch sie entwickelt wurden, führen ihren Ursprung auf die Kolonisten, die ihre Wirtschaft verließen oder nur zum Schein behielten, zurück und erhielten später Zuzug durch neue Einwanderer, die sich von vornherein dem Handel widmeten. — Neuerdings verlangt die ICA von neuen Kolonisten, daß sie vor der Ansiedlung mindestens ein Jahr hindurch von einer kleinen Fläche von 5 — 10 ha, die sie ihnen zusammen mit einer Wohnbaracke zur Vcrfü Hing stellt, und von landwirtschaff'ieher Lohnarlvit leben und sieh hierbei bewähren. Da sie — in Konkurrenz mit den billigen christlichen Arbeitern — bei privaten Siedlern nur selten Lohnarbeit*) finden, gibt ihnen die ICA bei ihren eigenen Arbeiten Beschäftigung. ARxMUT Elijahu sprach zu Bar He He, andere sagen, zu Rabbi Elasar: Was bedeutet dasSchriftworf: „Wohl, idi habe dich geschmolzen, aber nicht wie Silber, ich habe dich geprüft im Schmelzofen der Armut" Qessja 48,10)? Das lehrt, dafe der Heilige, gesegnet sei er, alle guten Eigenschaften prüde, um sie Israel zu geben, doch als die beste fand er: ArmutI b. Chagiqa 9 b (liebeltetzt von N. A. GMzet) Palästina hat den Vorteil, daß hier eine große Zahl von jüdischen landwirtschaftlichen Lohnarbeitern vorhanden ist und daß aus diesem Reservoir die Kandidaten fiir die Ansiedlung genommen werden können. Auch die Frauen der Kolonisten haben zu einem großen Teil vor der Heirat eine land- und hauswirtschaftliche Ausbildung in Kwuzoth, landwirtschaftlichen Mädchenfarmen und Schulen durchgemacht, was die Erfolgschancen des Siedlers außcroideiitich erhöht. 9. Das Verwaltungssystem der ICA in Argentinien beruhte auf Subordination der Kolonisten unter die Anordnungen der Verwaltung, das Verwaltungssystem der nationalen Kolonisation in Palästina auf Kooperation zwischen der Kolonisationsinstanz und den Kolonisten. Das letztere System ist besser geeignet, die Siedler zu einem Maximum von Hingabe an ihre Arbeit zu bringen. 10. Aber nach all diesen klimatischen, wirtschaftlichen, technischen und administrativen Unterschieden ist es ein psychologischer Unterschied, der alle andern an Bedeutung überwiegt: das Maß der Anhänglichkeit und des Enthusiasmus der Siedler für ihren Beruf. Er ist bei der nationalen Kolonisation in Palästina sehr groß und in Argentinien sehr klein. Bleibende und Gehende Statistische Daten darüber, wievieie Kolonisten in Argentinien nach den ersten (5 oder 10) Jaluen ihre Wirtschaft verlassen und sich anderen Berufen zugewendet haben, konnte ich nicht erhalten. In der Kolonie Lucienville gehören nach Mitteilung des Administrators Hurwitz von 361 Kolonisten 152 der ersten Generation, 175 der zweiten Generation, 4 der dritten Generation an, wahrend 3!> ihren Buden verkauft haben. Aber diese dreißig steilen nicht alle diejenigen vor, welche die Landwirtschaft autgegeben haben; denn den Boden verkaufen konnten nur diejenigen, die alte ihre Schulden an die ICA abgezahlt hatten. Zu den 30 muß die nicht genau bekannte, aber wahrscheinlich viel größere Zahl derjenigen hinzugezählt «erden, die (noch nicht Eigentümer, sondern nur) Pächter bei der ICA waren und deren Boden, wenn sie ihn verließen, durch die IGA mit andern Pächtern besetzt wurde. Erfreulich ist an diesen Zahlen, daß in Lucienville — wie es in anderen Kolonien ist, konnte ich persönlich nicht feststellen, doch soll in eleu Kolonien Mauricio, Baron Hirsch, Nareisse Leven die Abwanderung viel größer sein — immerhin etwa die Hälfte der Kolonisten schon der zweiten (und dritten) Generation angehört. Kann das Verbleiben dieser Hälfte bei der Landwirtschaft als einigermaßen sicher angesehen werden? Leider kann diese Frage durchaus nicht bejaht werden. Ich habe zwar unter den Kolonisten und ihren Frauen manche getroffen, die jeder Kolonisation Ehre machen würden, die sich wirklich bereits mit dem Boden verwachsen fühlen und sich bemühen, ihre Kinder zur Landwirtschaft zu erziehen. Merkwürdigerweise waren gerade diese sehr häufig Zion isfen; sie führen eine Art von Doppelleben, indem sie sich körperlich in Argentinien, seelisch aber in Palästina fühlen. Aber viel grüßer schien mir die Zahl derjenigen, denen die landwirtschaftliche Arbeit keine seelische Befriedigung gibt und die bereit sind, sie mit einem anderen Berufe zu vertauschen, sobald sich ihnen dazu eine Gelegenheit gibt. Bei der jetzigen Jugend in den Kolonien ist keinerlei Enthusiasmus für die Landwirtschaft erkennbar, im Gegenfeil ein Streben nach einem städtischen (kommerziellen oder akademischen) Beruf. Einige Kolonisten, die mit dem Herzen bei der Landwirtschaft sind, beklagen sich, daß sie ihre Söhne nicht bei der Landwirtschaft halten konnten, ganz zu schweigen von den Töchtern, bei eignen eine ausgesprochene Neigung zur Stadt besteht. Aassichten für die Zukunft Zur Beurteilung der zukünftigen Entwicklung der jüdischen landwirtschaftlichen Kolonisation in Südamerika ist es notwendig, einige allgemeine Bemerkungen über jüdische landwirtschaftliche Kolonisation vorauszuschicken. Die Juden sind in den 2000 Jahren der Diaspora als Stadtbewohner und Händler in hohem Maße „vergeistigt" (geistig hochgezüchtet) worden. Vielleicht haben sie eine Veranlagung dazu schon aus Palästina mitgebracht, denn die anderen vorderasiatischen Volker, wie die Syrer und Armenier, sind ihnen darin ähnlich. Für sie hiingt die Kopfarbeit verhältnismäßig weniger l'nlustgvfuhl mit sich als die Handarbeit. Daraus ergibt sich, daß sie die — in erster Linie körperliche Arbeit erfordernde - Landwirtschaft gegenüber anderen Berufen nur dann als Beruf in Betracht ziehen werden, a) wenn sie direkt oder indirekt dazu gezwungen werden; Beispiel: Befreiung vorn 25jährigen Militärdienst für Kolonisten unter Zar Nikolaus I. („Zwangslandwirte"), b) wenn die anderen hauptsächlich auf geistige Arbeit gegründeten Berufe (wie z. B. Handel) ihnen verschlossen sind oder geringere Einkünfte geben als die Landwirtschaft („Notlandwirte"); c) wenn die Juden die Landwirtschaft in solchen Formen tietreiben können, daß darin die körperliche Arbeit gegenüber der geistigen (kommerziellen) an Bedeutung zurücktritt. Das ist z. B. der Fall bei Gärtnern oder „Milchigem" an der Peripherie der Städte, die ihre Produkte direkt an Konsumenten verkaufen und einen großen *) Der Vorsitzende des Hilfsvereins deiitschsprechender Juden, Herr Adolfo Hirsch in Buenos Aires, hat kürzlich mit dem Versuch begonnen, etwa 10 junge jüdische Einwanderer aus Deutschland auf seiner Farm Choele Choel in Landwirtschaft (hauptsächlich Obstbau) auszubilden. stemm M 108 durch Ausbildung im: ZuHunMhrer Kinder Landschulheim Florenz Höhere Schule und Internat 1. Schulbildung bis zum Abiturium 2. Für Knoben und Mädchen von 6-18 Jahren 3. Unter Leitung bewährter Pädagogen 4. Studienberechtigung in fast allen Staaten 5. Werkunterricht, Landarbeit, Haushaltkunde c. Vorbereitung für Palästina 7. Aerztiiche Ueberwochung, individuelle Förderung 8. Schönste Umgebung, gutes Klima, Sport 9. Erstklassige Verpflegung 10. Zeitgemäße Preise — keine Transferschwierigkeiten Auskünfte und Prospekte durch die Leitung: Qberreg.-ftot Dr. Werner peiser Dr. m. eoidstem Florenz, Villa Pazzi, Pian dei Guillari Neuaufnahmen zum 1. III. und 1. IV. 1936