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Jüdische Rundschau · 1936-02-11 · Heft 12 (11.2.1936) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 12 (11.2.1936)
Date
1936-02-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU NR. 12,11. FEBRUAR 1936 Das Werk der Jüdischen Winterhilfe Die Jüdische Winterhilfe gab der Presse zum zweiten Male in diesem Winter Gelegenheit, sich von dem Stand ihrer Arbeit zu überzeugen; und man konnte wiederum feststellen, mit welcher Präzision dieser Apparat arbeitet. Neben der unerläßlichen Schematisicrung der Arbeit steht die mitfühlende Menschenliebe, die Menschen betreut und nicht „Fälle erledigt". Dr. Gundersheim nannte einige aufschlußreiche Zahlen. Wahrend im Dezember 25 000 Personen betreut wurden, waren es im Januar 27 000. Das Verhältnis von Einzelpersonen und Familien gibt ein Beispiel für den bevölkerungspolitischen Niedergang des Judentums in Deutschland: 1935 wurden im Durchschnitt pro Familie 2,3 Personen, jetzt nur noch 1,9 Personen betreut. Das bedeutet, daß die Familien mit einem bzw. keinem Kind die überwiegende Mehrzahl darstellen und ist zugleich eine Illustrierung für die Ueberalterung. Freilich differenziert sich dies nach der sozialen Struktur: Im Zentrum Berlins ist der Durchschnitt 2,3, im Norden 2, im Westen 1,5. Die Verteilung von Kohlen, Lebensmitteln, Kartoffeln, Pfundpaketen weist beachtliche Quantitäten auf. Es wurden bisher in der Pfundspende eine halbe Million Pfund Lebensmittel verteilt, 20 000 Zentner Kartoffeln, 300 030 verbilligt abgegebene Brote, 100 000 Zentner Kohlen und 150 000 Lebensmittelscheine. Tausenden wurde auf diese Weise über die Not der Zeit hinweggeholfen; und auch die verschämten Annen, die immer noch nicht den Entschluß fassen können, den Weg zur Winterhilfe anzutreten, wurden durch den Einsatz besonderer Fürsorgerinnen und besondere individuelle Methoden in das Hilfswerk miteinbezogen. Eine Rundfahrt durch verschiedene Ausgabestellen legte Zeugnis für die liebevolle Arbeit ab, die insbesondere durch jüdische Frauen geleistet werden kann. Wir sahen eine Küche in der Holsteinischen Straße, in der täglich rund 200 Menschen des .Mittelstandes an hübsch gedeckten Tischen verpflegt werden. Der Weg führte weiter zu dem Ausgabekeller für Pftmdspende und Lebensmittel in der Babelsberger Straße, wo man ebenfalls Menschen sah, denen man äußerlich die Bedürftigkeit nicht anmerkte: hier erweist die Gemeinschaft ihre brüderliche Hilfe den berufslos gewordenen Akademikern und Kaufleuten. Ein ganz anderes Publikum traf man im Norden in der Ausgabestelle Chcriner Straße, wo Arbeiter, Handwerker und kleine Kaufleute die Pfundpa'kete in Empfang nehmen. — Anschließend erfolgte nach eine Besichtigung der Kleiderkammer, bei der 8000 Anträge laufen, von denen bis jetzt 3000 erledigt sind. Insgesamt hat die Kleiderkammer einen Bedarf von etwa 25 000 Kleidungsstücken zu befriedigen. Täglich werden bis zu 300 Personen bedient. Dieser Weg durch die praktische Arbeit der Winterhilfe?eigte die großen sozialen Aufgaben, die uns heute gestellt sind, und die vielleicht morgen noch größer sein werden. Der Weg der jüdischen Kunst Vortrag im Lehrhaus Der vorletzte Vortrag in der Donnerstag-Reihe des Jüdischen Lehrhauses war dem Problem der Kunst gewidmet. Leo Hirsch unterzog sich der Aufgabe, in seinem Vortrag „Kunst als Kulturschöpfung" die Funktion und die künftige Aufgabe der Kunst im jüdischen Leben darzustellen; er tat es in feinsinnigen, in ihrer Subtilität nicht allen Zuhörern immer gleich zugänglichen Ausführungen. Er ist der Ansicht, daß es in Musik und Architektur keinen jüdischen Stil gebe; in der Literatur könne man wohl eher davon reden; die höchste Kunstform, das Drama, freilich hat bei uns noch keinen Vertreter gefunden. Und es sei ferner eine typische Erscheinung, daß jüdische rein künstlerische Leistungen erst da aufgetaucht sind, wo wir das eigene Kulturleben aufgegeben haben (Beispiel: Heine), so daß also die Kunst eine Art Kulturersatz für uns wurde. Hier liegt aber die eigentliche Problematik. Kultur ist etwas Lcbensumfassendes, und ihr Träger ist die Gesellschaft. Auf der Gemeinschaft liegt ihr Akzent. Kultur ist also nicht Organisation, Zivilisation, sondern eine Aufgabe. Das Ktilturideal ist nicht etwas Utopisches, sondern Erreichbares; und Gemeinschaftskultur hat es immer in der jüdischen Geschichte gegeben (z. B. der Chassidismus). In Anlehnung an die ältere Kulturaurfassung stellte Hirsch zwei Kultlirbegriffe auf: in Niedergangszeiten sammelt sich die Ucbenriaclit des Geistes in einzelnen Menschen; aus dem Propheten spricht das gemeine Wohl und Wehe. In wirklichen Knltiirzeiten ist alles Menschliche Kultur, und Kunst eine natürliche Kulturschöpfung, so daß man sich ihrer „Künstliehkcit" nicht bewußt wird. In Niedergangszeiten ist die Kultur nicht gemeinschaftsverbunden, so daß die Pro phetie nicht als eine Gestaltung der Gemeinschaft, sondern als der Ruf nach Gemeinschaft aufzufassen ist. Ueberdies konnten die eigentlichen Quellen der Kunst (wie z. B. der Eros) nie frei bei uns ausströmen. Diese Tatsache wie der Vwltist des eigenen Landes bedingen die künstlerische unschöpferische Haltung der Juden. Wir müssen in der Beurteilung unserer Kultur umlernen: sie nicht mehr nach westlichen, sondern nach östlichen Maßstäben messen. Unsere Leistungen sind nicht geringer, sondern andersartig. Der Osten hat eine unmittelbarere Art des Produzierens und eine andere Weise des Erzählens. Heines Harmonie zwischen Poesie und Ironie, die vielen westlichen Menschen fremd ist, findet man bei östlichen Dichtern häufig vor. Im Westen ist Kulturgestaltung souveräne Schöpfung; im Osten wurzelt sie im Boden der Oesamtkultur. So ist der Schabbat etwa ein Stück jüdischer Kultur, aus ihm erwächst eine bestimmte Musik. Aber die Kunstformen objektivieren sich und wirken selbständig weiter: auch die Musik macht den Schabbat. Zum jüdischen Lebensstil gehört es so, daß der Kulturkern kontinuierlich bleibt. Die Kunst wird für uns kulturschöpferische Kraft haben, wenn sie zu einer Aufgabe wird. Unserem Lebensstil entsprechend, ist die religiöse Bestimmtheit das eigentliche Kriterium für die Kunst. Es muß darum an die kommende jüdische Kunst die Forderung gerichtet werden, daß sie religiös bestimmt bleibt, das bedeutet zugleich: gemeinschaftsbetont. Dr. N. Konzerte Das Programm des Orchesterkonzerts des Kulturbunds in diesem Monat ist eins der einheitlichsten und vielfältigsten der drei Jahre seiner Arbeit. Es ließ eine musikalische Epoche erstehen, die durch die Stilwende um 1750 in zwei Teile geschieden wird; zu der ersten gehören zwei Meister des musikalischen Barocks: Johann Rosenmüller und als Höhepunkt J. S. Bach, zu der zweiten die Wiener Klassiker Haydn und Mozart. Beethoven ließ man mit Recht weg, es kam auf eine historische Abrundung gar nicht an. Gerade den Werken eines reifen Stils die kiiospeuhaften und frischen Anfänge eines neuen folgen zu lassen, — da» beleuchtet scharf die ewige Verwaudlungs- und Verjüngungskraft der europäischen Kulturentwicklung. — Berthold Sander hat im Kulturbund eine fruchtbare Tätigkeit als Chorleiter ausgeübt. Wenn er mm als Vertreter von Rosenstoclc eine Reihe von Orchesterkonzerten leitet, so begegnet er dort neuen Aufgaben, zu deren Lösung auch neue (noch nicht gezeigte Qualitäten) notwendig sind. Sander kann ein Ftarkes Temperament ausspielen, eine Wildheit und Zügellosigkeit, wie man sie von einem Musiker, der sich suggestiv übertragen will, erwarten muß. Ihr überläßt er sich ganz; er bringt so in seine Musik einen dramatischen Zug: geballte Akkorde, wanne melodische Linien, füllige Klangflachen. Das Orchester, das an die besondere Exaktheit Rosenstncks_ gewöhnt ist, ging mit dem Dirigenten noch nicht so mit, wie es erforderlich war. In der Sonata von Rcsentnüllcr ergaben sich dadurch unpr.vise Einsätze und Verschiebungen. Wichtiger als diese technischen Dinge, die sich beheben ließen, waren die stilistischen. Mit den Ritardandi bei fast jeder Kadenz im vierten Brandenburgischen Konzert kann man nicht einverstanden sWn, auch nicht mit der Massivität des Klanges. Die Schlußfuge, dieses Wunderwerk an Konstruktivität und Musizierfreudigkeit, kam jedoch gut heraus, von einigen zu schwarhen themeneinsär/en abgesehen. Vorzüglich und in jeder Beziehung zu loben waren die Solisten: die beiden Flötisten Schleyer und Hecht, ferner der Geiger Frey. Seelig-Raß betreute sorgfältig seinen Cembalo- (bzw. Klavier-)part. Die Milit'irsinfonie von Havdn nahm Sander recht frisch und unbeschwert, jedenfalls ' im ersten Satz. Aber auch hier konnte man nicht die Derbheit des Menuetts, das zu schnelle und zu virtuose Tempo des letzten Satzes überhören. Rita Atlasz sang eine Konzertarie von Mozart; sie besitzt einen munteren, flüssigen Sopran; ihre Höhe war diesmal nicht so frei und elastisch, wie wir es schon von ihr gehört haben. Veranstaltungen der Bezirke und Gruppen der BZV. Diffnstas'. <-!. 11. Februar 2030 Uhr Dienstagd. 11. Februar 2030 Uhr Dieontajj, d. U Februar 20.30 Uhr Sonnabend, den 15. Febr. 2030 Uhr Sonnabend, den 15. Febr. 20.30 Uhr Sonnabend, den 15. Febr. 2030 Uhr Sonnabend, den 15. Febr. 20.30 Uhr Sonnabend, den 15. Febr. 20.30 Uhr Sonnabend, den 15. Febr. 20.30 Uhr SonnabenrS, den 15. Febr. 20.30 Uhr Bfroiina-Festisäk, Schönhauser Allee 28 Obers chön* weide, AnderWuh.heid.e202 {Ruderclub Obernpr.] B/.V.Hoim Neukölln, jagerstr. 6 Log-enhau*, Kleistftr. 10 BZV-Heim Rosen!haier Str. 44 BZV-Heim Jägerstr. 6 BZV-Heim, Brückenstr. 9 BZV-Heim Ro*enthal«r Str. 44 Konditorei Hansa Flensburger Str. 19 BZV-Heim Kflntstrfiße 54 A. Pollakt Konjunktur und Krise In Palästina. Rabb. Dr. Max Noaabanmi Die Begegnung de« Juden mit der europälachen Welt. Palästina im Bilde: Monatschau und Hula * Büdrtreifee BegleitvortraftT Dr. Hardi Swnraemky. Oneg Schabbat —- Ausverkauft i Oneg Schabbat* .«Mir fohm kan Erez Jisroal". Karten xu 50 Pfg. im Vorverkauf bei Salles, Kimmelfeld, Adlersteio. Oneg Schabbat. Oneg Schabbat. Teil nahm« der Machanota Hajeladitu. Jaakow Fink: H* de rech «I hatanadu Chng iwrf Hebräischer Abend. Dr. Broaer, Dr. BoredlaneW Palästina-Bil'lermnriatÄScliau. Nordrin* Obenrprao Heraao&pkts Stadtpark Z*otrum Hermannplatt Sudcat Chuffiwri Zentrum Hansa KulturabtailöOf H Dr. Leo Jacobsohn —i VORTRAG ZUGUNSTEN DER WINTERHILFE 20. FEBRUAR, 20.30 UHR LOGENHAUS, KLEI8TSTR. 10 Magnetismus Suggestion Hypnose Kaplan RM C— wtd 1.80 Im Vorverkauf der JUdlechen Winterhilfe, Roaenetr. 8, T»l. 0 1 Norden «711, Apparat 39, »owla balm Philo-Verlag, Parlier StraBe 44, Tel, J 2 Oliva 1375. An dar »bendkaeei RM 0.25 Zuechlag. Eintritt nur lOr Mitglieder dtp Jüdischen Gemalnachart KINO-SPIELPLAN VON DIENSTAG BIS DONNERSTAG Kammer. Lichtspiele ». Lehniner PI. Wo. 4.45, 7,9.15. StjJ. ab 3 Uhr Rcalna- I.ichttp.. Wilmersdorfs Str.95 Künstlerliebe Mazurka Cafe Trianon Keuc hönigstt. 4 (am Königstor) E3 2066 7<5 glich ab S Uhr, nußer Freiing, Konzer/ I 1 A \'Z Sonnabena und Sonntag ruuhm. 4.IS, Tee I Täglich nadmi, SkaUirkcl Eintritt frei Nur für Mitglwaer dar iüd. (ivmeirtidia// gegen Atuweü I Atizeigen - Annahme - Schluß für die Dienstag-Nummer Montag, 10 Uhr für die Freitag -Nummer Mittwoch, 13 Uhr für Familien-Nachrichten bis zum Tage vor Erscheinen 12 Uhr Ghettodämmerung Jüdische Geschichte im Bilde der Zeit (mit Lichtbildern) Rabb. Dr. Joachim Prinz 1. Abend „Dokumente der Emanzipation" Montag, d.17. Febr. 2. Abend „Begegnungen und Ereignisse" Montag, d. t. Mir* 3. Abend „Bücher, die Jüdische Montag,d.i6.M8r* Geschichte machen" Hörerkarte für Mitglieder der BZV. 90 Pfjf., für Nicritmitjrlioder RM!,50, Eirir.elabende 75 Ffjf. im Vorverkauf bei: Jüdische Rundschau, Meinelcestr. 10; BZV.. Heim, Kantstr. 54; Buchhandlung Salles, Grenadierstr. 30; Konditorei Haniui, Flensburger Str. 19; Papierhandlung Hepner, letalstr. 8a Auskunft und Prospekte Im Sekretariat: Kulturarbteilunfr der BZV-, Mviaake- Straß» 10. Telephon: J 1 BiKmorck 7165, App. 44 POK'IJJI rnii mi'xa flinnonn *'u Ju^Ji^sh^t^ Biodlk cie/BeAj'njtzr- JZjfrruAtscJuz-H, Ücr-einjciunxi VERMIETUNGEN; ANGEBOTE Pension Braun lür 4—6 Wochen 1 — 2 Zimmer mit Pension abzugeben. Grunewald, WailotstraOe 10 J7 IS 4. I snrlhoiie 2u-£. Wohn.,z«nwh., Laiiuiiaud,, , h1 ful m5„i. z. mit u. ohne Pen»., 1—2 Per»., ö«tl. Vorort, Nahe Stadtb. Off. u. J 667 an die Anl-Abll*. Ein möbl. Zimmer mit aiiem Kenten, Momm»en«tr.23,Vorderhauj, per aofort zu verm. B««ichtS.18-20l)hr. Anruf :Nor4.ttSa Leipziger Messe Schön möbl. Schlaft, m. Bad lowie t Bettz. in ruh. /enlr. an Mesaeauisteiler zu verm. Ohr«nateln, Leipzig, AuemtraBa 26 III. Ar/Ihaushall Zimmer f. pflegebedOrft. Dauerpensionäre. Schweiler im Haust. Jeder Komfort. Kratklaaelff« DIMtkBeh«. DR. A. MARCK Facharzt für Innere Krankheit»!! Wl.landatroBe 27,I. J1 Oliva 4377 In OD8r-ScnreiDerhau 1. Rsgb. i«t ab Anfanj- Apri eleff. möbl. Baikonzimmar(ivtL2Zim.) in eiaer Vill.-Wahnune mit herrl. 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Februar, gelöste Karten haben Gültigkeit Vorverkauf: Buchhandlung Gortzer, Oranienburger Straße 26; Buchhandlung Salles, Grenadierstraße 30; Atlantic-Express, Friedrichstr, 100: laden der Jüdischen Rundschau, Meinekestraße 10; Zigarrenhau» Epstein, Jerusalemer Straße 9; BZV-Heim, Kantstr. 54; Papierhandlung lippmonn, Traulenauttraßa 16; Restaurant Kimmnlfeld, Rosenthaler Straß« 32) Finder, Alte Schönhauser Straße 54, und an der Kasse Berliner Zionistische Vereinigung PALÄSTINA-FILMSTELLE der Zionistischen Vereinigung für Deutschland

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