Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 12 (11.2.1936)
- Date
- 1936-02-11
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite T2 jrrots'cirf «ONDscifAfj Hr. TJ, H. 1.1936 Reichskonferenz der polnischen Juden in Deutschland Am 9. Februar wurde in Berlin im Logenhaus, Kleiststraße, die erste Reichskonferenz der polnischen Juden in Deutschland eröffnet, zu der sich zahlreiche Delegierte aus Berlin und dem Reiche eingefunden hatten. Der Vorsitzende I. Kornfeld begrüßte die Erschienenen, insbesondere die Vertreter der jüdischen Organisationen sowie den anwesenden Vertreter der Polnischen Botschaft. Die Versammlung beschloß, je ein BeprülhrngstelegTanirn an Nahum Sokolow in hebräischer und an den polnischen Staatspräsidenten in polnischer Sprache abzusenden. We Reihe der Begrüßungen eröffnete der polnische Generalkonsul Dr. Kruczkiewicz, der in polnischer Sprache der Konferenz volles Gelingen für ihre Arbeit wünschte. Für die Reichsvertrcrnrig begrüßte Dr. Leo Baeck die Tagung, der betonte, daß uns alle, woher wir auch stammten, jüdisches Bewußtsein und jüdisches Leben einen. Beides steigt und fällt mit dem Wissen darum, daß Besonderes von uns verlangt ist. — Für den Preußischen Landesverband sprach Kammenrerichtsrat a. D. Wo! ff, für die ZVfD. Dr. Michael Traub; für den Centrai-Verein Dr. Braun und für den Jüdischen Volksbund Rechtsanwalt Kozowcr. In einem ausführlichen Referat über „Die jüdisch-polnische Immigration, ihre. Geschichte und ihre innere Struktur" gab Dr. Jakob M ei 11 i s einen Ucberblick über die Entwicklung des Verhältnisses zwischen westlichem und östlichem Judentum sowie über die geistige und bevölkerungspolitische Bedeutung des Ostjudentums für die westeuropäische Judenheit. Er hob insbesondere die Tatsache hervor, daß in der jüngsten Zeit das Ostjudentum das stärkste Verständnis bei der nationaljüdischen Bewegung gefunden habe. Dr. Michael Traub hielt dann ein eindrucksvolles, mit großem Zahlenmaterial unterbautes Referat über „Die wirtschaftliche I nge der polnischen Juden", in dem er eingehend die soziale und berufliche Struktur der polnischen Juden analysierte und dnrlc.;le, daß «je zur neuesten wirtschaftlichen Entwicklung in Polen in utiSövIichem Widerspruch stehe. Es gebe aus dieser katastrophalen Lage nur einen Weg: die Umschichtung zu Handwerk und l.andwiiNcha't. Palästina könne heufi" noch nicht für die i > Millionen polnischer Juden eine Anhvoit geben, Grolle .Wissen muhten in Polen bleiben. Zu diesem Z\ve>. ke mußten sie sieh den wirtschaftlichen G e setz e h d es I, a n d e s a n p a s s e u. Der polnische Staat aber müsse Unten die Möglichkeit zur I 'iiischiehtutig gehen. Es bestunden so <i;'-"ts,!:i!e Intere o-n Avischen dein polnischen Staat und eleu dort lebenden Juden. N. Juden und Jüdisches im Rundfunk DkrMat«, II. ( thruir , , ■ i i * "1 \>! W I r ( P % 1. — I UM t .1! 1 ' ■ . K 1 1 , .1 Oll 1 h W< ' P >f!. kr Ib S.lull-! ii,; I l i 1' i Mit!hciJ\ 1^! . »ra e: i , , I i! ,N i ' ..il K 10. i l' K\ \ ' Iii. I. ,.1) , % . |i In «i,/ J i i i 1 1 v i ) u r \i „ i ii i.i I I i 1' i i ) * < ' u . 1' . , i \ V . ' (47« ),_-ji l. M i - I *, , i L Kn> si, j;l \,, , uij II h i ,o , g 113 Ii plafcn. u. a. Wuiv kio.u. Donnerstag, 13. Februar: lldvei-um II (312), 10,40: IüU Ivorlcstmg. — Stockholm (1339). 20: U. a. Kurt VYeill: ,,T)irigro,Hit:a«>[x:r". — Söltens (443), 20: U. a. Milieu.). — N'f»rd-JCiiyl.«t«,l (449), 20.30: (.'. a. Mendelssohn. — London (342). 21.15: U. a. Bloch. — Radio Paris (1648). 21.45: 17. a. K.oci: Hcbrui.sche Lieder. Freitag, 14. Februar: I.von 1>. T. T. (463), 18: U. a. Tomasi: Hebräische!.ie<k-r. — Bms,el (uanz., 484), 1D.30: U. a. Mcmltlrtühn, Ru!iin.strin. — Radio I.von (2151, 20: IT. a. Mevcrbeer. — Hinan (3251. 21.2o: Vlokido iu n von C.l.I.nark. Sonnabend, 15. Februar: Straüliiirg (349). 17.30: U. a. Milhaud: „Die S, |,,,;!img der Weh", l'iaü;i.(loa«!.-: Daniel. — lirüssel (franz.. 484), 18.15. Ida« von Mi'mlek«!.n. — Prag (deutsche Sendung, 470), 17.55: .Max Biad lest aus seinem neuen, sotben erschienene» Hu, Ii: ..Ymrllcn;,u< I?.d,nuo.". — Kadi» Paris (1048), 18.30: Knie ha")»- S-.rn.ip >>d al.arg. - p,oi,„d (jUni.ah. 322), 19: U. a. „Kol .Nddrc-, 1'uakae.r (32oi, 22: Aus: „l):c Rauher" von Offen!h. — I.<.n.l..n .Vm.-n.d irvsn, 23: tu a. Maokosvski. — Rari (261), 19.25: N.ohri h'en in iicmüVn Spra, hen, darunter Hebräisch. Aus dem Reich Von unseren Berichterstatter n Augsburg. Die Israelitisch« Kultusgemeinde beging am 1. Februar das 40jälirige Dienst jubiliem ihres Lehren und Chorregenten Dr. phil. Ernst Fi a n kl. Der Gerncindevorsitiende, Dr. Straus, würdigte die Verdienste des Jubilars um die Gemeinde. Gemeindcrabbiiier Dr. Jacob »erlieh Dr. Frank! den Chowcr-TiteL Beutlien (Oberschle*.). Am 30. Januar fand m den Räumen des Hamburger Hofes ein« Mitgliederversammlung des Verbandes polnischer Juden siatt. Erfurt, Am 1. Februar spielt« Boris Schwarz mit unerhörter Bravour und Musikalität. Joseph Schwarz war am Flügel ein ausgezeichneter Begleiter. Göttingen. Am 27. Januar fand ein Edith- Herrnatadt-O ettingen-Aliend statt. Werner Tutcur umrahmte die Vorträge mit Orgelspie!. Haigcrloch (Hoheniollern). Die „Kulhjrgemeinschaft SdiwarzwaM" gab ein Konzert mit Kammersänger Benno Z i e g 1 e r, Frankfurt am Main, Trude Strauß-Se.wald, Frankfurt am Main, sowie Eis«; Rypinslci, Ifeilbronn. Bei einer Gemeindefeier führten Mitglieder den Jugcmlbuwks ein Bild aus „Der junge David" von Richard Becr- Hofmann auf. — In der Zionistischen Arbeitsgemeinschaft sprach Lehrer Spier aber: ,,Oolilgrä!>crrum oder Siedlung'', „Wege zum Zionismus" und „Warum sind wir Zionisten, und was fordert der Zionismus; von uns?" — Im Jüdischen Frauenverein referierte Lehrer Spier aiier: „Siedlungsformen in Erez Israel". Frau Auguste Alfred L e vi gab einen Bericht über die Jugcnd-Alijah. Hamburg. Die Jüd. Gesangverein igunj; „Ha so mir" hielt am 20. Januar ihre Generalversammlung ab. Es wurde die Neuwahl des Vorstandes vorgenommen, der sich aus folgenden Herren zusammensetzt: 1. Vorsitzender: Dr. Leo Meyer, 2. Vorsitzender und Dirigent: Hennann Lieber; ferner: Ludwig Finlccl, Bernard Tarnow&ki, Alfred Bielefeld, Ixro Karger, Alfred Rimberg, David Philipp. Heilbronn. Am 12. Januar hielt der ncugcwälüte Präsident des Wurttembergisidien Obenatcs, Rechtsanwalt Dr. G u m b e 1, Ilcilbrunn, auf Einladung der ZOG. einen Genieindevortrag ü!>er Moses Mcno«U.»'lm. Mine Woche spater fand ein Ausspracheabend über die Ausvvirkungen der Mcndci.s-.olm~.chen Epoche statt, bei welchen) Rab'o.ner Dr. Hermann einleitend referierte. Koblenz. Der Jüd. Kul'urhimd begann im Oktober mit einem Marion- Koegt l-.\'.end. Werner Selig (Haß) begleitete die Künstlerin. — Einer» Konzert-Ainwl galien die Pianistin Erna Mann und die Koloraiur-Sar.gciin A!i,-e Schwari. — Alfred Auerbach, Frankfurt, las an seinem Von rag-abend heilere jüdische Geschichten. — Dela Lipiri -kaja gab, begleitet von Dr. Lamm, einen Kleinkunst - Abend. — Der Frankturter ltariton Hans Assenheün sang, begleitet von Erica Scldcver, Lieder und Arien. Ilse Intnnor, Berlin, brachte „Dichtungen von Heine bis Wcricl". Dr. Kurt Singer hielt einen Vortrag über „Aulbau und Ausbau der jüdischen Kulnrrarlteu in Deutschland". JUBILÄUMS-KUNDGEBUNG des Keren Hajessod MÜNCHEN Sonntag, den 16. Februar, 20 Uhr, Hauptsynagoge, Herzog-Max-Str. 7 Ansprachen: Qberst'andesgerlchtsrat Dr. Alfred Neumeyer, Vor«.d. isr.Kuit.-Gem. Rabbiner Dr. Leo Baerwald, Manfred Sturmann, Vors. d. ZOG. Dr. MICHAEL TRAUB Jüdische Realpolitik in Palästina Kulturbundorchester unter Leitung von Kapellmeister Erich Eisner Israelitische Kultus-Gemeinde München JewishAgency u. Keren Hajessod Ortsausschuß Mönchen Trade Meyer-Boppard leitete den Abend mit Beethovens Andante favori ein. Magdeburg. Am 25. Januar sprach Dr. David Schloßberp über: „Palästina, Zuflucht oder Erlösung". Der Singchor des Ilaboaira und ein Sprechchor des Bachad umrahmten die Veranstaltung. München. Im Kulturbund konzertierte der Chor der Münchener Hauptsynagnge und brachte unter Leitung von Kapellmeister Josef Ziegler ein abwechslungsreiches Programm. Der Berliner Oberkantor Karl Neu mann gefiel mit seinem weichen Tenor, ebenso Else Walther ab Solistin und als Begleiterin an der Orgel. IE L. M.-Gladbach. Am 8. Januar sprach Assessor Guthmann, Düsseldorf, über: „Ein Querschnitt durch die Lage der Juden in der Welt, unter besonderer Berücksichtigung Osteuropas und Nordamerika»4«. Am 22. Januar sprach Dr. Hans Friedenthal, Berlin, über: „Palastina ohne Zionismus?" Am 5. Februar referierte Dr. I.otb, M.-Gladbach, über den 25. Delegiertentag. Neiße. Im Kulturbund gab am 2. Februar Marion K o e g e 1 einen Liederabend. Als Begleiter wirkte Werner S e e 1 i g - B a ß »iL Ratibor. Zwei neutrale jüdisclie Vereine veranstalteten kürzlich gemeinsam einen Vortragsabend, an dem Rechtsanwalt Münzer aus Beut hen über: „Die Jmien im Eilin" sprach. Der Redner benutite die Gelegenheit zu antizionistischen Ausfallen. Die Ausführungen erregten wiederholt den Unwillen der anwesenden Zionisten und w anlaCten auch Zwischenrufe. Der Versammlungsleiter als Vorsitzender beider Vereine nahm nach dem Vortrage Veranlassung, den Redner öffentlich auf die Unhöfliclikcit hinzuweisen, die darin liege, daß er unter Außcracht lassung des Gastiechts aui eurem neutralen Boden die Neutralität verletzt hätte. Ankündigungen Harburg-Wbg.: Am 19, Februar, 20.30 Uhr, im Gcrncindehcim spricht Dr. Fleidi, Hamburg, über: „Jüdische Frage — zionistische Antwort". Familien - Nachrichten Frau Johanna Hammerschlag, geb. Oppenheimer, Essen, Mittwegstraße 8, begeht am 17. Februar den 60. Geburtstag. Herr Isaak Mann, Osthofen (Rhh.), begeht am 24. Februar den 84. Geburtstag. Herr Abraham Scholem und Frau Rosa, geb. Lewin, Königsberg (Preußen), Selkestr. 10, begehen am 15. Febr. die silberne Iiocb«iu Bar Mizwah-Termine Am 15. Februar (22. Schwat): Gerhard K e i i h, Sohn ron Frau Dr. L. Kelch, geb. Schwarz, Konstadt (Ü.-S.), Kreuzburger Str. 10. — Hans Not hm an u, Sohn von R.-A. Hugo Nothmann, Breslau, Hohcraollernstr. 78. Die „Chassldlschen Tänze" des jüdischen Komponisten Heinrich S c h a 1 i t, die, wie uiistr römischer Korrespondent gemeldet hat, Mussolini gewidmet sind und von ihm mit überaus freundlichen Worten entgegengenommen wurden, werden, wie uns mitgeteilt wird, Mitte März im Rahmen des Düsseldorfer Kulturbundes von Ernst Drucker und Erwin Palm aufgeführt werden. Im Kulturbund für Ostwestfalen und angrenzende Gebiete sprach Dr. Max Osborn in den Orten Herford, Hamm, Oldenburg und Rheda über: „Max Licbcrniann"; in Osnabrück, Münster, Bielefeld und Detmold über: „Michelangelo, der Bildner und Maler biblischer Gestalten"; in Minden über: „Jüdisches Kunstschaffen in Deutschland bis 1850". Edvard Moritz hat ein neues Kammermusikstück verfaßt, das eben erschienen ist. Der Preis der „Sonate für Bratsche und Klavier" beträgt 5 RM. Einige wenige, noch vorhandene Vorzugsexemplare, vom Komponisten signiert, kosten 8 RM. Bestellungen sind an die Künstlerhilfe, Berlin- Charloltenburg, Kantstr. 158, zu richten. „Du wirst mehr sein a!.s dies, mehr, als du glaubst zu Sein. Israel bmucht einen Führer. Der Mcs-ins ist noch weit, er steht, am Hände unserer Leiden. Bis <-r in ihre Mitte tritt, muß os Männer gebi n, die wie seine Kinder ihm vorauseilen. Sei du, M.inn, ein Kind des Mcs-nas!" Francisco *< hat'•.■!!c sich, und ging eilig mit Crnr-ia hinflber ins mittlere Hmis. l'-r vvrrii-litcte die Zeremonien des MorgenRcbvls. Die Miinipulierun« mit den Gebotsriemen gnb ihm sein Gleichgewicht wieder. Als er mit Gmein am Früketüekstisch saß, drohte er ihr lächelnd mit dem Finger: „Mach du mir nur den Me^ias nicht klein!" Da hielt sie den Atem nn, sah in die Hohe und sagte •tili, als ob sie dein Himmel eine Trage stclb-n wollte: „Vielleicht trage ich ihn von dir unterm Herzen. Der Heilige sei gepriesen!" Francisco fiel vor ihr nieder und bedeckte ihre Hände and ihren Schoß mit Kü-scn. Dabei stammelte er: „Du Fruchtbar«}, du Gesegnete, du Tochter unserer Vfiter!" Gmein klagte lächelnd: „Oh, daß er doch auf dem Meer oder jenseits dos Meeres geboren werden möchte!" Francisco stand vor ihr und sehlug seine Brust: „Du List Heimat, denn du bist die Mutter." Dann erzählte er ihr, was er gestern vor dem Vorsitzenden der hohen Kommission für die öffentliche Sicherheit getan und gesagt habe, und beteuerte, daß er entschlossen sei, morgen sein Geschäft stillzulegen, wenn mau den Rabbi Isaak und die andern nicht freilasse. Um die Mittagszeit schon erschienen die Männer mit Isaak im Hause Mendez. Die meisten weinten, als sie vor ihrem Herrn standen. Sie sahen aus, als ob sie aus einer Schlacht, kämen. Denn man hatte sie in peinliches Verhör genommen, nicht nur, um zu erfahren, welche von ihnen die tödlichen Schüsse abgegeben hatten, sondern auch uls vermutliche Mitwisser einer Marranen-Verschvvürung gegen den Eortugicsischen Hof. Ihre Körper waren mit Wundmalen edeckt, im meisten der Rabbi Isaaks. Er aber weinte nicht, sondern war fröhlicher als sonst und sagte: „Wir haben iiineu ein Beispiel gegel>en, daß unser Herz noch schwerer zu brechen ist als unsere Knochen." IV. Das Jahr 1530, an dessen Ende Gracia ihr zweites Kind wie einen F.rlöser au» Portugal und seinen BedrüekunRon hoffte gebären zu können, war angefüllt mit Unruhe und Unglück. Reyna schrieb stürmische Briefe voll bitterer Anklagen «nd voll Beschwerden über ihr Leben. Auch an Drohungen ließ sie es nicht fehlen, zumal an der, daß sie sieh für alle Zeit dem christliehen Glauben ergeben werde, wenn man sie nicht jn die Stadt zurückkommen lasse. Gracia gab sich alle Mühe, Francisco umzustimmen, daß er Reynas Verbannung beenden möge, aber er wies darauf hin, daß gerade jetzt nicht die Zeit dazu sei, sondern daß es im Interesse, der ruhigen Entwicklung des Mädchens liege, wenn ihm dio Unruhe und Gespanntheit der Lissabouer Atmosphäre erspart bleibe. Gracia versuchte dies ihrer Schwester begreiflich zu machen, sie nahm sogar während des Sommers wochenlang bei ihr Aufenthalt. Aber je mehr sie von den Gefahren der Hauptstadt für die Mammen sprach oder schrieb, desto größer wurde das Verlangen bei der nach. Abenteuern dürstenden Reyna, an dem bedrohten I.ebc-n teilzunehmen. I'.s war ganz nach ihrem Geschmack. Sie fuhr fort, Gracia zu bestürmen, ohne einen Hehl daraus zu machen, daß sie die Schwester für ihr unverdient hartes Los verantwortlich mache und sie nicht mehr zu lieben vermöge. Sie ging sogar so weit, sich darüber zu beklagen, daß Gracia ihrem Kind ihren, Reynas, Namen gegeben habe. Sie möge das Kind nicht, sie möge überhaupt nichts und niemanden von der Familie Mendez. Sie sei eine Benvoniste und stolz, basta! Francisco hatte den Kopf voll von Duartes Berichten nus Rom. Sie gefielen ihm nicht, soviel Günstiges der Riese auch zu berichten wußte. Es schien festzustehen, daß Clemens VII. seine christliche Geduld und seinen Schutz von den Mammen des Landes Portugal nicht abzuwenden gedachte. Aber Francisco entnahm den Briefen Duartes, daß dieser sich in der römischen Gesellschaft sehr wohl, zu wühl fühlte, daß er sich darin gefiel, im Vordergrund zu stehen und den ritterlichsten Ritter der ewigen Stadt zu spielen. Der nüchterne Kaufmann Mendez erwartete von solchem Auftreten nichts Gutes für die Sache, der jener zu dienen hatte. Er glaubte zu erkennen, daß Duarte mit den Chancen, die sieh ihm darboten, wie ein tollkühner Spieler umsprang und mit jedem scheinbaren oder wirklichen Erfolg seine Einsätze vervielfachte. Dies war auch wörtlich zu verstehen, denn Duartes Geldforderungen an Francisco wurden immer höher und entsprachen bereits den Bedürfnissen einer sehr vornehmen und verschwenderischen Lebenshaltung, auch wenn man dio Summen abzieht, die dazu dienten, Fürspreeher für die Marranen und Gegner der Inquisition zu werden. Francisco hatte alle Hände voll zu tun, um aus seiner und seiner Genossen Kasse die von Duarte gebieterisch verlangten Beträge bereitzustellen. In diesem Jahr ereignete sich auch die furchtbare Ueterschwemmung Roms, die der measiamseh entflammte Salome Moleho, der portugiesische Jünger David REubenis, vorausgesagt hatte. Ein Sturm schien das Meer über die Hauptstadt der Christenheit zu jagen und begrub darunter Haus, Mensch und Vieh. Es gab viele Juden, die darin ein Strafgericht Gottes und eine Ankündigung der messianischen Zeit sahen. Duarte betrachtete das schreckliche Ereignis nüchterner: er benützte die Gelegenheit, um das Geld der Marianen unter die Notleidenden auszustreuen. Das machte seiner Menschlichkeit alle Ehre, aber auch dabei verfuhr er ziemlieh vorschnell und vorlaut, als ob es seine Aufgabe wäre, den unermeßlichen Reichtum der heimlichen Juden vor aller Welt darzutun. Es kam hinzu, daß jener Salomo Mol dio, obwohl er geborener Christ war, sich offen als Jude bekannt und die Aufmerksamkeit der Inquisition auf sich gezogen hatte. Er war zum Tode verurteilt worden, aber der Papst selbst hatte ihm zur Flucht verholfen. An seiner Stelle wurde ein anderer verbrannt. Die aufgewühlten Juden Roms alror waren geneigt, denen zu glauben, die behaupteten, sie hätten mit eigenen Augen gesehen, wie der Jüngling den Scheiterhaufen bestiegen und unversehrten Leibes durch die Flammen geschritten sei gleich einem Propheten. AU dies rührte die Judenfragen überall auf. Man hielt die Juden, auch wo man wahrhaft fromm war, für Zauberer und Verbündele des Teufels. An allen Orten der südlichen Länder wurde in Verbindung damit das Mißtrauen und der Haß geschürt und insbesondere natürlich gegen die, welche sich dem Seheine nach zum Christentum bekannten. Die toUsten Gerüchte langten aus Rom in Portugal an und wurden von den Feinden der Marianen für ihre Zwecke ausgebeutet. Von Lissabon aus gesehen, waren die Juden sogar an der furchtbaren Ucberschwcmmung Roms schuld, die ja doch von einem der Ihrigen vorausgesagt, also vorausgewußt und also von ihnen allen vorausgeplant, mindestens aber herbeigewünscht wurde. Hatten sie nicht die verwegensten Hoffnungen on diese Heimsuchung der christlichen Stadt geknüpft? Pflegten sie nicht das heilige Rom mit dem verhaßten Namen Edom zu belegen? War es also nicht klar, daß diese Ueberschwemmung, die man getrost ein jüdisches Unternehmen nennen dürfe, dazu bestimmt sein sollte, den Heiligen Vater und das heilige Grab Petri und überhaupt die Häupter und Heiligtümer der Christenheit hinwegzuschwemmen? Warum zögerte aber der Heilige Vater, dem Benefecium der Inquisition in Portugal seinen Lauf zu lassen? Weil er ein Gefangener der Juden war! Schlagt sie tot, die Hunde 1 (Fortsetzung folgt