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Jüdische Rundschau · 1936-02-07 · Heft 11 (7.2.1936) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 11 (7.2.1936)
Date
1936-02-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 11. 7 II. 1936 jnO'SCH* 9UN0SCHAU Solle 7 Gl MAGISTER KIRSCH— Der int« UkOr Magister.Likftrfabrlk, Mönchen VII für die Schaffung der Jugend-Alijah hin. Der Delegiertentag bereitete der auf der Galerie, anwesenden Frau Freier eine Ovation. — Schließlich wurden auch die Statuten in der neuen Fassung nach einer kurzen Aussprache angenommen. Es folgen die Wahlen, Ober die auf S. 1 berichtet wird. Ein Appell der Zionistischen Organisation Rechtsanwalt Benno Cohn brachte hierauf eine Resolution zur Verlesung, die einen Appell an die Juden in Deutschland zur Mitarbeit in der Zionistischen Organisation enthält. Der Antrag fand einstimmige Annahme. Der Aufruf ist an anderer Stelle des Blattes abgedruckt. Die Schlußreden , Damit war die sachliche Arbeit des Deleglertcntaßes beendet. Dr. Franz Meyer hielt das erste Schlußwort. Er würdigte die umfangreiche Arbeit des Delegiertentages und betonte, daß die Tagung ihrer Aufgabe Herr geworden ist. Auch die Differenzen, die auf ihr zutage getreten seien, könnten «in Baustein für die zukünftige Arbelt werden. Insbesondere wies er auf den neuen Anfang In der Oemeindearbeit bin und sprach die Hoffnung aus, daß der Weg auf diesem Gebtete jetzt frei von Hemmnissen sein werde. Der Zionismus Jn Deutschland glaube, daß er den Juden keinen besseren Dienet erweisen könne, als seine Arbeit fortzusetzen, die zugleich die Sache des ganzen jüdischen Volkes ist. Ebenso wie die Jugend zu uns gekommen ist, so hoffen wir, daß auch die anderen Kreise den Weg zu uns finden werden. Wir sind Träger des jüdischen Voiksgedankens und fühlen uns verantwortlich für dä« Sache aller Juden, well In uns die motorische Kraft des jüdischen Volkes Hegt. (Lebhafter Beifall). Kurt Blumenfeld dankte auch Im Namen von Dr. Georg Landauer für den Empfang, den ihnen der Delegiertentag bereitet hatte. Er betonte den Wert der Zusammenarbeit verschiedenartiger Kielst innerhalb der Organisation und wies auf die auch in Palästina anerkannte Bedeutung der „Jüdischen Rundschau" in allen Fragen Palästinas hin. Die Enge mancher Debatten müsse hinter dem Wesentlichen versinken; jede Tagung sei ja der Anfang einer weiteren Behandlung der verschiedenen Fragen. Fr beglückwünschte den Delegiertentag nir Wiederwahl des Vorsitzenden und hob die Leistungen von Benno C o h n, Dr. Franz Meyer und Betty Frankenstein hervor, der der Delegiertentag eine herzliche Ovation bereitete. Mit dem, was wir uns erarbeitet haben, so betonte Blumcnfeld, müssen wir weiter arbeiten. Wir sehen heute in Palästina, wie sich Menschen aus unserem Kreise auch in den kleinen Dingen des Tages bewähren und ein neues Leben beginnen, das schwerer Ist, aber auch reicher. Diese Oesinnung müssen wir weiter bilden in gemeinsamer Arbelt mit denen, die in Palästina aus unserem Kreise leben, (Starker Beifall). Dr. Siegfried Moses dankte allen, die die Tagung möglich gemacht haben, besonders aber auch Blumenfeld und Dr. Georg Landauer sowie allen Delegierten und Gästen. Wir haben den Delegiertentag für unsere Arbeit und für unsere Herzen gebraucht und sind ein großes Stück weitergekommen. Damit schloß Dr. Moses die Verhandlungen. Delegierte und Gäste stimmten die Hatikwah an, der Techesa kna folgte. Nachts 1.15 Uhr war damit die Tagung beendet. Die Delegierten und viele Hunderte von Gästen folgten den Verhandlungen bis zum letzten Augenblick in gespannter Aufmerksamkeit, Im Vorraum löste «ich die Spannung in Gesang und Horra-Tanz der Chaluzim. Anläßlich des üeleglertcntages fand Im Bach-Saal eine Ausstellung statt, die fn anschaulicher Form über die Zionistische Organisation In Deutschland an Hand von statistischem und photographischem Material berichtete. Entwurf und Leitung der Ausstellung hatte Harry Los, Berlin. Resolutionen Von den Beschlüssen des Delegierten tage», He in einer gesonderten Publikation erscheinen werden, veröffentlichen wir nachstehend die grundsätzlichen Resolutionen zur Arbeit in Deutschland und zur Palästina-Politik. Jüdische Arbeit in Deutschland I. Der Delegiertentag billigt die Erklärung des Geschäftsluhrenden Ausschusses vom 10. Januar 1936. II. Der Delegiertentag stellt fest, da» der berechtigte Führunjsanspruch der zionistischen Bewegung In vielen jüdischen Körperschaften in Deutschland noch nicht verwirk- Fcht ist. Eine Mitverantwortung für die Arbeit der jüdischen Körperschaften erscheint dem Dobrrlertentag nur dann tragbar, wenn den Zionlsten ausschlaggebender Einfluß gesichert ist. Falls dieser Forderung nicht genügt werden sollte, ermächtigt der Dela|<Iertontar/ den GeschHftsführcnc'cn Ausschuß, die zionistischen Vertreter aus den betreffenden Körperschaften zurückzuziehen. Einwanderung und Siedlung I. Die Judenheit in Deutschland, insbesondere ihre Jugend, sieht sich in weitgehendem Maß« auf den Weg der Auswanderung verwiesen. Die hierfür vorhandenen Müe<- Fchkeiten s'nd allenthalben erkennbar begrenzt. Der XXV. L*c!eg!ertentag der Zion'sfischen Vereinigung für Deutschland stellt mit großer Befriedigung fest, daß Palästina In den letzten Jahren in der Lage war, eine ständig wachsende jüdische Einwanderung, insbesondere auch aus Deutschland, aufzunehmen. S\\t um so größerer Besorgnis betrachtet der Delegiertentag die emofnriliche Einengung der Ein wander ungsrnö glich keiten, wie sie in der hinter den wirkl chen Bedürfnissen der Palästina-Wirtschaft weit zurückbleibenden Zuteilung von Arbeiterzertifikaten zum Ausdruck gekommen ist. Neuerlich bekanntgewordene PIHne der Mandatarmacht, darüber hinaus auch die Einwanderung anderer Kategorien, insbesondere durch HeraufseUunß der bisher gültigen Vermögensyrenze, einzuschränken, müsien stärkstes Befremden erwecken. Tausende ausgebildete und in Aus'i'blunn; bef ndücher Chaluzim warten darauf, daß ihnen die Tore des Landes geöffnet werden. Taufende jüdischer Famil'en, die über ausreichende Mittel und wirtschaftliche Erfahrung verfügen, warten darauf, sich in Palüstina eine neue Existenz errichten zu können. Der Dcleglerfentap der Zionistischen Vereinigung für Deu'sch'ard fordert die Exekutive der Jewlsh A«er»cv auf, sich m 11 aller Entschiedenheit solchen PIHnen zu widersetzen und dafür Sorge zu tragen, daß entsprechend den ständig sich verstärkenden Bedürfnissen der Golah und der fortgesetzt sich vergrößernden Aufnahmefähi"keit des Landes die jüdische Einwanderung weiterhin wachsen kann. II. Der Delegiertentag anerkennt die Notwendigkeit der Bemühungen, den auf Immigration angewiesenen Juden au6 Deutschland auch außerhalb Palästinas Aimwanderungsmöglichkeiten zu erschießen. Er weist auf die Notwendigkeit n'n, die gesamte Auswanderung planmäßig zu gestRl'en, die Auswanderer beruflich vorzubereiten und Ihr Vermögen durch geordnete Liquidation zur Errichtung einer neuen Existenz verfügbar zu machen. Der Delegiertentag betont jedoch, daß nur die Auswanderung nach Palästina und ihre Verwurzelung mit dem Boden in Palästina zu einer Lösung der Judenfrage führen kann. Wie Palästina als die völkerrechtlich anerkannte Heimstätte des jüdischen Volkes In den letzten Jahren den weitaus größten Teil der jüdischen Auswanderung aus Deutschland endgültig aufgenommen hat, so müssen auch künftighin alle Anstrengungen gemacht werden, um die auswanderungswillifen Juden auf Palästina vorzubereiten und ihnen die Älijah und Eingliederung in das Land zu ermöglichen. Der Delegiertentag begrüßt die Bemühungen ] ii d i - icher und zionistischer Persönlichkeiten in England, eine großzügige Aktion zugunsten der beruflichen Vorbereitung und Auswanderung von Juden aus Deutschland durchzuführen. Er gibt der Hoffnung Ausdruck, daß diese Arbelt von Erfolg gekrönt sei und dazu beitragen wird, daß ein großes Ansiedlungswerk In Palästina unter Führung der Jewlsh Agency entsteht. III. Der XXV. Delegiertentag der Zionist- Vereinigung für Deutschland nimmt mit Befriedigung zur Kenntnis, daß die Exekutive der Jewlsh Agency in Ausführung der Beschlüsse des XIX. Zionisten-Kongresses die volle Verantwortung für die Durchführung des Transfers des Vermögens jüdischer Auswanderer aus Deutschland nach Palästina übernommen hat. Der Delegiertentag betont die Notwendigkeit, daß dementsprechend die Arbeit für Palästina- Transfer in allen ihren Verzweigungen, wie in Palästina, so auch in den Ländern der Golan der Aufsicht der zionistischen Instanzen unterstellt wird. IV. Der XXV. Delegiertentag der ZVfD. dankt der HIt a c h d u t h OI e j Germania für ihre erfolgreiche Tätigkeit Im Dienste der wirtschaftlichen und kulturellen Einwanderung aus Deutschland in Land und Jlschuw, und gibt der Bereltschaft der zionistischen Bewegung in Deutschland Ausdruck, sie bei dieser wichtigen Arbelt weiterhin zu unterstützen. V. Der XXV. Delegiertentag der ZVfD. spricht der Z e n - tralstelle für Ansiedlung von Juden aus Deutschland in Palästina bei der Exekutive der Jewish Agency seinen Dank jus und hofft, daß die Zentralstelle ihr Werk auf breiter Grundlage und '{sstutzt auf die Ergebnisse der Anstrengung, die gegenwärtig insbesondere in England und Amerika unternommen werden, ausgestalten wird. Begrüßungstelegramtne Unter den z a Ii I r e i c Ii e n H e g r ü ß u n g s t c I e e t a m - men, die an den IX-legiertcntag gelangt waren, geben wir folgende zwei Telegramme wieder: Der Delegiertentag steht vor einer großen Aufgabe für Palästina. Den Beitrag, den die deutschen Juden zum Aufbau des Nationalheims leisten, wird Palästina durch eine immer steigentie Aufnahme jüdischer Einwanderer aus Deutschland vergelten. Wir betrachten eine befriedigende Antwort Palästinas auf die deutsche Judenfrage als das zentrale Problem der zionistischen Arbelt der Gegenwart. Wir wünschen den Beratungen des Delegiertentages vollen Erfolg. Exekutive der Jewlsh Agency, Dr. W c i z m a n n. Ich wünsche dem Delegiertentag erfolgreiche Beratung für die großen konstruktiven Aufgaben, die vor uns stehen. Palästina wird das Aeußerstc legten, um in gemeinsamer Arbeit die zionistischen und jüdischen Probleme, die sich aus der Lage der deutschen Juden ergeben, zu lösen. ___ Arthur Kuppln. Der Tag der Wizo Es war ein glücklicher Gedanke, im Anschluß an den Delegiertentag der /.VlD. rim-n „Tag der Wizo" zu veranstalten, der die Mitarbeiterinnen von fern und nah zu Gedankenaustausch und neuer Anregung vereinigte. Am Mittwoch Vormittag f.-nut sich eine beträchtliche Anzahl von Wizo-Frauen in den schönen Räumen des neuen Vi'i/o-Hclms am Wittenbergplatz zusammen, ["in äußerst sachkundiges und klares Referat von Dr. Georg Joscphsthal gab ihnen zunächst ein übersichtliches Bild der politischen Strömungen in Palästina. In der anschließenden Diskussion wurden Einzelfragcn vertieft und so weit wie möglich geklärt. Am Nachmittag wurden Fragen der Werbung und Probleme der praktischen Arbeit behandelt. Aber der Abend brachte noch eine Uebcrraschung: rasche Frauenbünde hatten die strengen Arbcitsrüutne in festliche Gemächer verwandelt. An gedeckten Tischen fand sieh wieder alles zusammen, um von einer der Tätigsten und Verdienstvollsten unter den hiesigen Mitarbeiterinnen, Frau Margarethe Moses, einen halb fröhlichen und halb traurigen Abschied zu nehmen. Frau Her» g e 1 gab in frischen und launigen Worten mit ernstem Unterton und Frau Nathansohn in bewegten und bewegenden Worten den Gefühlen der Mitarbeiterinneu und Freundinnen Ausdruck; und Margarethe Moses erwiderte in kurzen Worten, die einen Abriß ihrer eigenen Entwicklung zur Wizo-Arbeit vermittelten. 1 lei venswärme und Dankbarkeit lebte in den Aettfierungcn der Bleibenden wie der Scheidenden, lind alle diese Gefühle fanden noch einmal Abdruck in den Liedern, die I ran 11 a n n e s - (i a * t» i r e r, von Herrn Blumenfeld eindrucksvoll am Cello begleitet, nachher Frau Moses, der leidenschaftlichen Freundin der MumI; und ausübenden Künstlerin, widmete. -bs- Dle Abenteuer der Gracia Mendez Roman von HERMANN SINS II EIMER l Fttit'iwt Aua der Stadt und ßUi ihrer Umgebung kamen in den folgenden Wochen Freund« de» Haus««, niefit nur heimliche Juden, sondern auch gutgesinnte Christen, um den Ort der Ausschreitung und Zerstörung ku besichtigen. Francisco beließ ihn in dem Zustand, in den Ihn die Brav» vorsetzt hatten. Er tat dies schon deshalb, um für die gerichtliche Untersuchung den augenscheinlichen Beweis für das Ihm »ugefügte Unrecht sicherzustellen. Er tat noch mehr; er legte ein Dutzend bewaffneter Manner In da» Vorderhaus, um neuen Angriffen vorzubeugen oder gegen sie gerüstet au sein. Er wollte damit seine und seiner Gesinnungsfenossen Entschlossenheit zur Gegenwehr bekunden. In der 'at blieb er bis auf weiteres von Belästigungen verschont;, E» sprach »ich herum, daß viele reiche Marrunen l>emüht waren, soviel Besite wie nur möglich Ober die portugiesischen Grenzen zu schaffen, um Ihn an sichern Platzen und in sichern Geschäften des Auslandes anzulegen. Da* war iwav verboten, aber bei dem großen Außenhandel Portugals schwor tu kontrollieren und noch schwerer zu verhindern. Francisco selbst war seinen Schicksalsgenossen bei der Sicherstellung Ihres Geldes behilflich und fand Möglichkeiten genug. Im Rahmen 4er herrschenden Gesetze jüdisches Kapital dem Zugriff der portugiesischen Gewalt zu entziehen. Er hatte sogar Interesse daran, aus wichen Transaktionen kein Geheimnis, zu machen. Denn nur!» ,sie waren ein Teil der jüdischen Gegenaktion, und picht der unwichtigste. Mehr noch als bisher wurde das Haue Mindez der Mittelpunkt des Leben* und der Hoffnungen der Marranen. An Stelle der Verhafteten hatte sieb rasch dl« nötige Anzahl von M(Innern gefunden, die Francisco die Abhaltung de« ihm unentbehrlichen Gottesdienste» ermftfillohton, Die Resten und Frömmsten, die auf ei» Entgelt nicht KU sehen brauchten, stellten sich ihm zur Verfügung, Er selbst war nunmehr der Vorbeter, und oft war statt Am vorgeschriebenen zehn M (inner die doppelte und dreifache Anzahl zum Beten versammelt. Es herrscht« unter flinen ein so starkes Gefohl der Schicksals« und Glaubensverbundenheit, daß sie daraus Mut und Zuversicht genug fOr ihren Kampf zogen. Die» blieb natürlich den Hetzern und heimlichen Draht» zieher« auf der Gegenseite nicht unbekannt Es mehrten sich auch die Stimmen unter den Klerikern, von denen freilich nicht wenige selbst jüdisches Blut hatten. man solle den Zwungsgetnuftan die Abhaltung des jüdischen Gottesdienstes und die Beobachtung ihrer rituellen Gebrauche gestatten und ihnen nur verbieten, damit die Oeffeullkhkeit zu behelligen. Sognr bis zum Hof erstreckten sich diese- Anwandlungen von Toleranz, wozu übrigens die päpstlichen Anmnhnungen, den Marrunen Zeit zu lassen, sieh mit dem Christentum zu befreunden, sehr wesentlich beitrugen. Papst Clemens VII. war ein Feind überstürzter und übertriebener Proselytenmucherei. Du arte da/. Pa* schickte sehr hoffnungsvolle Berichte. Er streute das Marranengeld in Rom aus, er sammelte gute Beziehungen, er begann eine Macht zu werden. Die gerichtlich« Untersuchung ging so vonstatten, wie es sich Francisco vorgestellt hatte. Es geschah scheinbar viel, aber in Wirklichkeit nichts. Alle Anstrengungen, den zu Unrecht Verhafteten wieder eur Freiheit zu vorbeifen, blieben fruchtlos. Francisco erschien noch oft vor der Kommission für die öffentliche Sicherheit, aber man errichtete gegen ihn eine Wand von Paragraphen, vor der er machtlos war. Auch seine Bitte um eine Andiene beim König wurde dilatorisch behandelt. Jofto III., der junge Herrscher, wer Immer wieder, wie dem Bittsteller bedeutet wurde, verhindert. Das dinierte solange, bis das llmis Mende» Gegenmaßrepcln ergriff. Es sollte «um Bau dreier Fregatten, die den Verkehr mit Indien zu erweitern bestimmt waren, hunderttausend Golddukaten bereitstellen. AI-er — sie waren nicht da! Der Bau der Sohiffe wnr in Frage gestellt. Die Interessenten, r.u denen auch hohe Beamte gehörten, liefen dem Bankier Francisco das Haus ein. Er neigte Ihnen seine leeren Hflnde und teilt* ihre Besorgnisse und ihre Verzweiflung, aber wie kann man Geld gaben, das man nicht hat? Man könnte es höchstens bei der Filiale in Antwerpen anfordern, aber das würe kaufmännisch höchst unklug angesichts der so wenig gesicherten Verhältnisse in LissabonI Die Interessenten verstanden Francisco« Anspielungen, Er bekam die Audienz, in. Gracia lebte mit dem Kinde. Das tut jede Mutter, ehe* Gratia tot es auf ein« besondere Weis«. Di« schlimme 7*it halte ihr das Lachen au« dem Gesicht gewischt, Melancholie wurde die Atmosphäre, in der sie mit ihrem Mann Verkehrte, in der da» Sprechen und Schweigen der beiden sich vollzog. AU aber die kleine Reyn* m lachen anfing, da lernte es Gracia von ihr, wie wenn sie es vorher nie gekonnt hätte. So lernte sie, wie es schien, alles mit und von dem Kind, Sic freute sich mit ihm am F.shun, Schlafen und sogar am Schreien, Nochmals trat olles Kindliche, alles Geheimnis der Kindheit an sie heran, in sie ein und schuf sie um. Sie träumte davon, und dies durchaus nicht im Sehlim» men, daß wieder einmnl Tumult, Angriff, Gefahr in» Haus k&ine, daß sie dünn ihr Kind und einige Hube dazu in die Arme nithme und davonginge — /um Hafen, auf ein Schiff, in die Ferne. Francisco? Fr würde ihnen nachfolgen. Sie sah sieh mit dem Kind auf dem Meer, unter einem großen nächtlichen Himmel, da* Schiff und sie bohle gehoben von den Wullen wie von Gottes unbegreiflich weiten Armen, In eine neue glückliche Zukunft, gehoben, in die Vorbereitung eines seligen Endes. Das Kind band Gmein in einen engen Kreis des Animalischen, aber über dieser Kngo schwebten und glänzten immer größer werdende Krel.se, die »ich ans Licht rundeten und ins Lieht hinein bis ins Große und Unendliche — bis in* Große und Unendliche. Die Frömmigkeit Gmeins wurde neu, weil ihr das Mütterliche und Kindliehe nun beigemischt war, was da« Geheimnis der tiefsten Frömmigkeit ist. Durch da« Kind eröffnete «ich der Mutter ein neuer heller Weg z.u Gott, wie ja euch in den heiligen Büchern jeder Vater und jedo Mutter in ihren Nachkommen ihr eigenes Kommen au Gott, dorn Schöpfer bin erkannt hatten. So bekam der Drang Gmeins zum Glauben der Väter und Mütter nun erat recht «eiim elementare Kraft. Was bedeutete dem gegenüber der kleine und der groß« Krieg, den Francisco tun den Glauben führte? Höchstens einen Bruchteil, wenn nicht einen Bruch. Gracia war nun weiter als je entfernt, in die Geheimnisse dieser Kriegsftth» rung eingeweiht sein zu wollen. Sie belächelte ihre Forderung von früher, sie konnte sie selbst nicht mehr begreifen. Sie begriff al>er auch Francisco (sieht, der sich in den Strudel von Intrigen, Komplotten, Kreuz- und Queizügcn der Taktik hineinstürzte, wie wenn er dadurch Israel erretten könnt«. Er war beim König gewesen, er hatte -sich vor ihm mutig und klug ausgesprochen, Der König hatte seltsamerweise den Fall Pa« nicht erwähnt. Dies konnte bedeuten, daß er den Marranen das Recht zugestand, sich ihrer Haut in Rom eu wehren, «s konnte aber auch bedeuten, daß e» m aller Heimlichkeit Rache zu nehmen gedacht» Jedenfalls versprach er die Freilassung der Verhafteten und die Bestrafung der Schuldigen,

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