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Jüdische Rundschau · 1936-02-07 · Heft 11 (7.2.1936) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 11 (7.2.1936)
Date
1936-02-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 11, 7.11.1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 5 Kurt Blumenfelds Referat: Zionismus-Palästina-Judenfrage Nachfolge Die Montag-Abend-Sitzungf Nachdem der Bericht des Wahlprüfungsausschusses erstattet und eine Sammlung zur Eintragung des Deiegiertentages in das Goldene Buch des Keren Kajemeth durchgeführt worden war, ergriff Kurt Blumenfeld vor überfülltem Saal das Wort zu seinem Referat über: „Zionismus — Palästina — Judenfrage". Der umfangreiche anderthalbstündige Vortrag kann in diesem Bericht nur andeutungsweise wiedergegeben werden. Blumenfeld sagte einleitend, daß in schwierigen Momenten es für Zionisten vor allem darauf ankommt, sich klar über die Tatsachen, mit denen wir zu tun haben, Rechenschaft abzulegen. Ein Zionist darf nicht Bedenken haben, immer wieder neu zu lernen. Die wichtigste Tatsache unserer gegenwärtigen Position ist die veränderte Lage im Orient, die durch den abessinischen Krieg offenbar geworden ist. In einer solchen Lage kommt es nicht darauf an, sich durch Reden und Proteste Luft zu machen, wie manche Naive meinen, denn so eine Haltung wirkt nur, wenn sie selten und dann mit dem ganzen Ernst angewandt wird. Wir Juden sind in der Welt ein Spielball des Geschicks, und nur in Palästina können wir selbst daran mitgestalten. Aber dazu ist auch eine klare Erkenntnis der Lage erforderlich. Uebergehend auf die aktuelle Politik, behandelte Blumenteld zuerst die Frage des Legislative Council. Dieser ist ein problematischer Versuch der Heranziehung der Bevölkerung zu den Angelegenheiten des Landes, und wir müssen uns die Frage vorlegen, ob dies für uns erträglich ist. Unsere Stellungnahme dagegen ist eindeutig. Der Plan ist für uns unakzeptabel. Dennoch sei es erforderlich, daß dieses Nein von einer Darstellung der tatsächlichen Verhältnisse begleitet werde, weil wir in der Politik ein Volk von Wissenden sein müssen. Es ist zu begrüßen, daß unsere Exekutive zugleich mit unserm Nein ihre Antwort deutlich zeigte, daß sie betonte, es bedeute keinen Verzicht auf Kooperation mit der Mandatarmacht auf anderen Gebieten, wir versuchen, unsere politische Stellung im Lande zu verstärken. Die Immigration geht weiter. Der Zionismus in Deutschland könne Wesentliches leisten, wenn er seine Stimme für Vermehrung der Zertifikate deutlich erhebe. Er kann vieles erreichen, wenn er nicht nur ein Fordernder, sondern als kolonisierendes Element zugleich ein produktiv Schaffender ist. Nur eine sichtbare Leistung kann Eindruck erwecken. Auch in Zeiten geringer Einwanderung hat die Zionistische Organisation Kraft und Festigkeit bewiesen. Wir vertrauen aber darauf, daß das Versprechen des High Ccmmissioners auf Fortsetzung der Einwanderung eingehalten werden wird. Unannehmbar ist jede Erschwerung der Kapitalisteneinwanderung. Denn wir verbinden mit der Vorstellung des Jüdischen Nationalheims den Gedanken einer auch quantitativ großen Judensiedlung, und darum wollen wir stetig die Einwanderung großer Massen von Juden möglich machen. Man muß sich überlegen, was in der Zeit der Prosper ity wirklich geschehen ist. Sie hat gewiß Positives gebracht, aber zugleich Landflucht, Steigerung der Bodenpreise und überhöhte Löhne. Wenn jetzt eine andere Zeit der Entwicklung beginnt, so soll man daran denken, daß sie für die Konsolidierung unserer Stellung fruchtbar werden kann. Diese Zeit kann die Grundlage für spätere neue Expansionen abgeben. Unserer Arbeit in Palästina fehlt die genügende Ausweitung der ländlichen Siedlung. Dazu bedarf es einer inneren und äußeren Vorbereitung der Juden, denn für den Zionismus ist zu allen Zeiten Pioniertum notwendig. Die wichtigste Rolle spiele das nationale Kapital, unsere Fonds. Die Gesamtheit muß so erzogen werden, daß das Leben unter schweren Bedingungen für sie kein Verzicht ist. Dies kann aber nur im Rahmen einer Bewegung geschehen. Anschließend setzte sich Blumenfeld mit den Gruppen auseinander, die entgegen ihren eigenen Worten die nationale Disziplin zerstören und dabei nicht beachten, daß unser Wert als politischer Partner dadurch sinkt. Unsere größte Hoffnung ist es ja, daß das Volk als Ganzes zu einer einheitlichen Aktion gebracht wird. Die Formel „Rettung oder Erneuerung" ist nur ekie scheinbare Antithese, die unser Leben nicht beherrschen darf. Das Volk muß im Lande selbst eine große Umformung durchmachen, und dieser Prozeß ist es, der heute für Palästina typisch ist. Manche halten es bereits für eine zionistische Leistung, daß sie ins Land gekommen sind. Dann lehnen sie die Anforderungen ab, die im Lande an sie gestellt werden, und es mangelt ihnen an Bürgersirin. Auch auf dem Gebiete der Verschmelzung der verschiedenen Gruppen des Volkes im Lande gibt es Gefahren, besonders die einer vorschnellen Assimilation an andere Teile der Bevölkerung, die ja auch ihre Eigenart aus der Gallith mitgebracht haben. Es gibt heute noch keinen Teil des Volkes, der dem Idealbild entspricht, wenn auch die Annäherung bereits bei den Kindern sehr stark ist. Wir müssen uns selbst treu bleiben und lernen, durch Eindringen in die hebräische Kultur zu unsern geistigen Wurzeln zu gelangen. Jeder Lebenskreis muß in seinem Rahmen in das Ganze des Volkes hineinwachsen, er muß imstande sein, eine Zensur über seine Mitglieder auszuüben, die Charakter und Bewährung verlangt. Anschließend wies Blumenfeld auf den schweren Verlust hin, den Palästina gerade in dieser Beziehung durch den Tod einer Reihe führender Menschen erlitten hat und würdigte in diesem Zusammenhang besonders die Gestalten Zu: Kulturdebatte (Schluß von Seite 4) zulegen. Sie müsse anknüpfen an Sitte und Tradition, die der Nationalgeist geschaffen habe. Diese Bräuche aber seien religiös durchtränkt. Die Fragestellung, ob die Anerkennung alt überkommener Bräuche ein Sacrificium intelleetus sei, sei europäisch, aber nicht jüdisch. Heute sei das Jüdische im Bewußtsein unserer Menschen eigentlich nur etwas Zusätzliches, nicht aber bereits ein zentraler Lebensbegriff. Eine Reihe von Rednern standen noch auf der Rednerliste. Wegen der vorgerückten Zeit jedoch beschloß das Plenum, die Kulturdebatte abzubrechen. Im Verlauf der Debatte harte noch Dr. Moses die bereits in voriger Nummer mitgeteilte Erklärung über die Beilegung des Zwischenfalls mit dem Misrachi abgegeben. Es wurde eine Pause vor der Abendsitzung eingeschaltet. Die Montagabend-Sitzung brachte das Referat von Kurt Blumenfeld über die Lage im Zionismus und in Palästina. B i a I i k s und Shmarya L e v i n s, die im Volke lebten und ihm liebend und schonungslos die Wahrheit sagten. Zu diesen Wahrheiten gehört es auch, daß man sich darüber klar wird, wie sehr die unbekannten, geheimnisvollen Kräfte des Lebens, die in der Tiefe schlummern, unser Sein gestalten. Es ist bei unserem Volk wie bei einem Eisberg, von dem nur ein Achtel über die Oberfläche sichtbar hinausragt, während sieben Achtel in unbekannten Tiefen verborgen sind. Damit wir uns nicht an der Oberfläche verlieren, tut unerbittliche Kritik not, wie sie z. B. Bialik immer wieder geübt hat. Gerade darum sind diese Menschen, die auch die große Autorität im Volke genossen, unersetzlich. Der Zionismus ist jung, aber die Zionistische Organisation besteht schon seit Jahrzehnten und ist unter ganz anderen Bedingungen entstanden; eine solche Organisation muß sich immer wieder prüfen, ob ihre Lebensformen noch die richtigen sind. Ein Delegiertentag der ZVfD. muß zu einer solchen kritischen Betrachtung reif sein. Viele äußere Organisations- und vor allem Parteiformen stammen noch aus dem 10. Jahrhundert. Sie gehörten in eine bestimmte Welt, aber vieles, womit wir damals lebten, ist inzwischen verschwunden und es ist eine neue Situation entstanden, wo wir uns auch die Organisationstormen neu zu erobern haben. Wenn wir uns nicht ständig unter die Prüfung der Selbstkritik stellen, so kann es uns passieren, daß wir Sklaven unserer eigenen Formen werden und dann auch weiter ein Sklavendasein führen, ja sogar die Gallith nach Erez Israel mitbringen. Wir wollen in Erez Israel aber der „Rest Israels" sein und nicht der Rest Europas. Wenn wir diese Erkenntnis haben, ist der Beginn der Wandlung bereits da. Das ganze Volk muß von einer Vorstellung umfaßt sein: Hineinwachsen in die Arbeit und Eroberung des Landes durch sie! In diesem Zusammenhange wies Blumenfeld auf die Bedeutung hin, die die „Hitachduth Olej Germania", die Organisation der Einwanderer aus Deutschland, besitzt. Sie gibt den Menschen die Kraft, in das Leben Palästinas hineinzuwachsen, und sie wird in Palästina auch entsprechend gewürdigt. Bei all dem hat die jüdische Welt draußen noch lange nicht die Judenfrage in ihrem Wesen erkannt. Aeußere Ereignisse sind nicht imstande, die Art eines Menschen zu ändern. Wo es geht, will man sich dem Druck des Zionismus entziehen, und man hat noch niemals so sehr nach Ländern gesucht, wohin die Juden gehen können, wenn es nur nicht Palästina ist. Man fragt, ob nicht überall in der Welt für den Juden die Möglichkeit der Umkehr bestehe; die Ursache dieser Ausflucht ist die Entfernung der Juden vom Urquell ihres Lebens. Man setzt sich dagegen zur Wehr, wieder Jude una nur Jude zu sein. Oft stellen wir die Frage, ob unser Leben in Palästina eng oder weit sein wird. Gewiß haben wir nicht die Wahl, da wir in fremden Bezirken niemals wirklich legitim werden, Weshalb kommt es nicht vor, dafe den Gelehrten Söhne entstammen, die Gelehrte sind? Raw Jossef sagt: Damit man nicht meine, die Tora sei ihnen ein Erbe, Raw Sdiischa, der Sohn des Raw Idi sagt: Damit sie nicht gegen die Gemeinde überheblich werden. b. Nedarim 81a (Uehers. v. N. S. Qlaizer) aber wir sagen eines: der Zionismus kommt heute ins Land nicht mit ausrechenbaren Vorstellungen. Etwas Uferloses muß in ihm liegen, wenn er sich die jüdische Welt erobern will. Gerade das Außerordentliche soll in Palästina geschehen. Neben politischer Freiheit ist dort eine menschliche Position zu erobern, die das jüdische Volk ohne Rücksicht auf seine Zahl als formendes und gestaltendes Ganzes in Erscheinung treten läßt. Wir schaffen in Palästina wieder aus den Anfängen heraus, aus dem Chaos, das die Voraussetzung der neuen Ordnung ist. Dort findet auch das Erträumte seinen Ausdruck, und der Einzelne, der inmitten seines Volkes lebt, bekommt die Möglichkeit, sich neu auszuwirken. Für ein solches Lehen kann der Mensch alles erdulden; diese Welt, die wir schaffen, ist unbezwinglieh. Wir sind als Bewegung eine Kraft gerade aus unserer Eigentümlichkeit heraus und nicht durch das, was wir von der Umwelt erborgt haben. Der Zionismus in Deutschland ist durch die Besonderheit ausgezeichnet, daß er postassimilatorisch ist. Er wurde durch Kräfte mitgestaltet, die aus anderen Bezirken stammen. Man muß immer wieder zeigen, wie man die Gedankengänge der Rückkehr zum Volke gestalten kann, denn nur dann ist es leicht, die Menschen zur Umkehr zu führen, wenn eine wirkliche Erkenntnis der Judenfrage vorangegangen ist. Stimmungserfolge reichen für uns nicht aus, sondern Verstehen der Zusammenhänge ist nötig. Es darf wohl eine populäre Form in der Darstellung des Zionismus geben, aber niemals eine verflachte. Blumenfeld schloß mit einer chassidischen Erzählung Bubers, in der in einer Antwort des Baal Schein an einen Palästinareisenden der ganze Inhalt des Zionismus zum Ausdruck komme: Nur der kann Erez Israel erfassen und erreichen, der weiß, daß wir im öolns leben. Man müsse den Juden stets sagen, daß es nur Erez Israel ist, wo wir unsere eigene Vergangenheit wieder erobern können, wo durch den Zionismus das Volk wieder legitim entstellt. Das Glück des neuen Lebens, das wir dort führen, ist das Bewußtsein, daß wir gemeinsam die Last des Neubaus tragen. (Langanhaitender, stürmischer Beifall.) Nachdem Dr. Siegfried Moses den Dank des Delegiertentages an Kurt Blurnenfeld für seine ebenso zu Herzen gehenden wie für die weitere Gestaltung der zionistischen Arbeit und Erkenntnis wegweisenden Ausführungen ausgesprochen hatte, schloß er die Abendsitzung. Palästmafragen auf dem Delegiertentag Dr. Georg: Landauer über die Alijah aus Deutschland Dr. Michael Traub über das nationale Kapital Dienstagvormittag-Sitzung Dr. Egon Rosenberg eröffnete die Sitzung gegen 10 Uhr und erteilte sogleich Dr. Georg Landauer das Wort zu seinem umfangreichen, auf viele Einzelheiten der Siedlungsarbeit eingehenden Referat über: „Ergebnisse und Perspektiven der Alijah aus Deutschland in Erez Israe 1". Dr. Landauer wies zunächst auf die Erfahrungen hin, die wir seit 1933 in Palästina gemacht haben. Palästina war auf eine große Immigration, in einer Zeit des Aufstiegs, vorbereitet. Für diese bestehe grundsätzlich zwei Möglichkeiten der Einordnung, entweder nur der Versuch, in Europa aufgegebene Positionen im Lande wiederzufinden, oder aber, aus der Erkenntnis, daß die Konzentration in bestimmten Positionen für die Galuth charakteristisch und eine der Ursachen ihrer Problematik war, zu versuchen, die Lebensdistrikte für uns zu erobern, die wir außerhalb Palästinas nicht haben konnten. Das Morsche an der Emanzipation war gerade, daß wir uns weite Lebensbezirke nicht erschließen konnten, aber das Wesen des Palästina-Aufbaus ist die fundamentale Umschichtung des Volkes. Man kann im nationalen Leben Wirtschaft und Kultur nichttrennen, so daß eine radikale Umwälzung auch der wirtschaftlichen Grundlagen Voraussetzung jedes Aufbaus ist. Dr. Landauer stellte die Frage, wie weit die Alijah aus Deutschland von diesem Prozeß ergriffen worden ist. Eine erste Voraussetzung hierfür ist Ausbildung der Menschen in der Galuth und auch in Palästina selbst. Wenn getragt wird, ob man sich noch umstellen könne, dann bezieht sich diese Frage oft weniger auf das Alter des Menschen, als auf seine Willensstärke, die dafür maßgebend ist, ob er sich wirklich auf ein neues Leben einrichten kann. Die Juden aus Deutsehland werden in Palästina erst dann verankert sein, wenn sie wirklich mit allen Kräften das Neue wollen, das dort vor sich geht. Dabei gibt es gewisse Hemmnisse. Wir stehen in Palästina trotz alledem noch in den Anfängen, so daß man den Abstand zum geordneten Leber, Europas stark empfindet. Dazu kommt, daß diese Alijah in die Zeit der Prosperity fiel. Allerdings muß man sich gegen den Mißbrauch, der mit diesem Begriff gemacht wird, wenden, da die stürmische Entwicklung nur auf wenige Lebensbezirke beschränkt war (Bodenpreise, Mieten, gewisse Lohngruppen), während im übrigen die ökonomische Entwicklung weit hinter den Bedürfnissen des Landes zurückgeblieben ist. Die Alijah geht eben viel rascher vor sich als die Kolonisation, und Palästina kann sich heute bei weitem noch nicht selbst versorgen. Manche, die ins Land gekommen sind, haben ihr altes Leben fortgesetzt. Der Prozeß der Eingliederung ist langsam und oft schwierig. In der Tat ist ja auch die Eingliederung in die Arbeit ein schmerzhafter Prozeß. Dennoch ist es ein schönes Zeugnis für die Anpassungsfähigkeit der Juden aus Deutschland, daß dieser Vorgang in den letzten drei Jahren erfolgreich verlief. Die Zahl derer, die sich überhaupt keine Existenz schaffen konnten, ist minimal. Es gab auch keine Rückwanderung von deutschen Juden. Welches sind nun die konkreten Resultate dieser Einwanderung? Bisher sind etwa 30 000 Juden aus Deutschland nach Palästina gekommen. Fast die Hälfte kam mit eigenen Mitteln, die anderen als Arbeitsuchende. Der Prozentsatz derer unter ihnen, die aufs Land gegangen sind, ist der größte unter allen Einwanderergruppen, nämlich mehr als ein Drittel. Der Grund hierfür ist, daß das Land in Palästina eine innere Anziehungskraft ausübt, daß man sich zunächst fragt, ob man nicht die Möglichkeit hat, auf dem Lande zu leben. Diese Idee ist natürlich von den zentralen Instanzen gefördert worden. Aber auch in der Industrie haben Juden aus Deutschland eine große Initiative entwickelt. Es wurde weiter mit neuer Energie die Kolonisation des Mittelstandes aufgenommen. Entgegen aller Skepsis haben sich Juden aus Deutschland als chaluzisch wertvolles Element erwiesen und haben wertvolle neue Siedlergruppen gebildet. Besonders viele Akademiker haben die Initiative für die landwirtschaftliche Ansiedlung ergriffen und sie werden dies auch in Zukunft gewiß fortsetzen (dies gilt nicht zuletzt für die Einwanderung von Aerzten). Mit der fortschreitenden sozialen und kulturellen Eingliederung ist das Fremdheitsgefühl vieler dem Jischuw gegenüber gewichen. Der jischuw selbst setzte große Erwartungen in diese Einwanderung und empfing sie mit Liebe. Dennoch ist der Erfolg in erster Linie den eigenen Kräften der Einwanderer zu verdanken. Leidenschaft und Gründlichkeit haben ihn herbeigeführt, nicht zuletzt auch in sprachlicher Beziehung. In diesem Zusammenhange erwähnte Dr. Landauer die Arbeit der Hitachduth Olej Germania, in der sich die besten Kräfte gesammelt und einen Ansatzpunkt für ihre öffentliche Arbeit gefunden haben. Die Zentralstelle zur Ansiedlung deutscher Juden bei der Jewish Agency habe unter Führung von Dr. W ei z mann und Dr. Ruppin ständige Hilfe geleistet. In der ganzen Welt sind bisher über 1 Million Pfund für Hilfe für deutsche Juden aufgebracht worden. Davon kam nur ein Viertel nach Palästina. Wir müssen fordern, daß eine richtige Relation zwischen den Leistungen Palästinas und den Leistungen des Weltjudentums für Palästina hergestellt wird. Es wurden von uns ganz neue Arbeitsgebiete in Palästina erschlossen, z. B. Berufsausbildung, soziale Fürsorge, die besonders den Juden galt, die auf dem Umweg über andere Länder nach Palästina kamen, ferner die Erneuerung der Mittelstandskolonisation. Wenn auf diesem Gebiete die Frage nach den Kosten gesteht werde, so könne man sie nicht mit einer einzigen Ziffer beantworten, da es ganz aut die Menschen mit ihren Fähigkeiten und Ansprüchen und auf das Siedlungsgebiet ankomme. Im allgemeinen bewegen sich die Kosten für die Ansiedlung einer Familie um £ 1000. Eine solche Ansiedlung müsse jedoch vom Gemeinschaftsgeist getragen sein; Menschen, die ihn besitzen, werden immer in Palästina Platz finden. Die Ansiedlung des jüdischen Mittelstandes aus Deutschland in Palästina ist der erste Versuch planmäßiger Mittclstandskolonisation, den wir seit Jahren gemacht haben und dem wir die volle Unterstützung unserer Institutionen widmeten. Ein weiteres Arbeitsgebiet, das neu erschlossen wurde, ist die J u g e n d - A 1 i j a h, die heute auch für andere Länder, besonders des Ostens, wichtig zu werden beginnt. Diese mit Initiative von Frau Recha Freier zurückgehende Aktion

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