Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 11 (7.2.1936)
- Date
- 1936-02-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seif« 4 JODISCHE ROföDSCffA« Nr. fl, 7. ü 193« Der Aufbau der jüdischen Schule es ist, das jüdische Lfhen zu formen. Die objektiven Umstände werden schon in nächster Zeit ein jüdisches Schulwerk zum Entstehen bringen. Die Kraft der zionistischen Bewegung muß dafür eingesetzt werden, dieses Schulwerk entscheidend zu formen. Dies ist eine Hauptaufgabe nicht nur unserer Kulturarbeit, sondern der gesamten Politik unserer Bewegung in Deutschland. Die jüdische Schule muß ergänzt werden durch Einrichtungen wie jüdische Kindergärten, die bereits entscheidende Vorarbeit zu leisten haben. Dazu ist notwendig die Ausbildungvon Kindergärtnerinnen, die ihrer jüdischen Aufgabe gewachsen sind. Die Jugendbewegung ist die notwendige Form des Uebergangs von der Schule ins Leben. Heute schon erwächst ihr die Aufgabe, einen Ausgleich für das Fehlen der höheren Schule zu schaffen. Das Bildungsniveau der jüdischen Schule wird in den nächsten Jahren wesentlich sinken. Hier muß die Jugendbewegung danach streben, den Ausgleich zu finden. Alle Versuche der Mittleren-Hachscharah, der Aufbaugruppen usw. müssen großzügige Forderung erhalten. Freilich erfüllt uns das geistige Leben in der Jugendbewegung heute mit Sorgen. Zionistischer Rckrutenunterricht kann nicht die tiefgreifende Erfahrung der Menschen ersetzen, die früher fiir die zionistische Jugendbewegung charakteristisch war. Hiev muß die Hilfe der ZVfD. einsetzen, die für einen geeigneten Führernachwuchs sorgen und die Bildungsarbeit in den Bünden fördern muß. Auf die Frage der Beziehung zwischen Jugend und Kulturbund eingehend, bemerkte der Referent, dal! Spielplan und Programmgestaltung im Zusammenwirken mit der Kulturarbeit in den Bunden vielleicht diese Verarmung des geistigen Gehalts unserer Jugend überwinden können. — Neben der Schule ist die größte Aufgabe unserer Kulturarbeit die hebräische Bewegung. Der Zionismus; vertritt die Forderung des Hebräischen nicht, weil es Landessprache in Palästina i«t, — sondern es ist umgekehrt unser Streben, dort Hebräisch zur Landessprache zu machen, weil die Renaissance der hebräischen Sprache für uns einen teil der nationalen Wiedergehurt ist. — Dabei dürfen wir nicht in den Irrtum verfallen, daß unser Hcbraismus in Palästina durch ein hebräisches Schulwerk und die hebräisch spi echeiule Gesellschaft allein garantiert werden kann. Die Wiedergeburt unserer Kultur in Palästina muß in der Goiah aut das Gründlichste vorbereitet wilden. Die hebräische Forderung ist für die Zionisten in Deutschland jaln/elmtealt. Sie konnte naturgemäß nicht immer restlos auch intteilialb der eigenen Reihen durchgesetzt werden. Die Entstehung eines kulturellen Eigenbezirks und die Alijah gehen uns' heute die Verwirk- 1i c h u Ii g s in ö g 1 i c h k c i t. Die zionistische Bewegung hat beute die Kraft, radikale hebräische Forderungen in ihren Reihen durchzusetzen. Die Forderung des Hebräischen Die erste Forderung, die sie eWiebt, ist: Lernen. Eh'e Sorge gilt der Sicherung des Hebräischen in der Schule sowie der Hehraisierung des Alijalistromcs. Das bedeutet die Durchführung des obligatorischen hebräischen Unterrichts in den zionistischen Jugendbtimlen und im Hcchaluz. Mit Einsatz größerer Mittel ist die hebraisierte zionistische Jugendbewegung durchaus ein erreichbares Ziel. Sie würde beim Vorhandensein geeigneter hebräischer Erzieher das Gesicht der Alijah wesentlich verändern.. Die hebräische Bewegung in Deutschland ist heute schon so weit, daß ihr Inhalt sich nicht allein im Unterricht erschöpft, -sondern bereits zur Uebermittlung jüdischer Kulturwerte fortschreitet. Der hebräische Lehrer muß zum Volkserzieher werden, zum Träger hebräischer Kultur. Es besteht freilich das Problem der ausreichenden Zahl qualifizierter hebräischer Erzieher. Aufgabe der Lehrerschaft und der ZVfD. ist es, an der Verbesserung und der Erhöhung der qualitativen Befähigung der hebräischen Lehrer zu arbeiten. Fortbildungskurse, Sehulungsveranstaltungen u. ä. reichen aber nicht aus, weil schon heute nicht mehr genügend hebräische Lehrer da sind. Der Mangel an hebräischen Lehrern kann nur durch eine großzügige Tat behoben werden. Hier Hegt eine wichtige Aufgabe, die mit den vereinten Kräften der Universität und der Exekutive, der HOG. und der ZVfD. gelost werden muß: ein palästinensisches Lehrerseminar für hebräische Er/icher in Deutschland. Schule, Jugendbewegung und hebräische Bewegung werden das Leben in unserem Eigenbezirk gestalten und eine neue jüdische Gesellschaft schatten. Bis dahin muß eine a k t i v c K Vi i < u r ,i r h e i; f ü r F. r w a c h s e n e nege» die assimilatorische I eb<-!i«..n;h.i>-:!ng kämpfen. Die jüdischen L e h r h ä ii s c r haben die Aufgabe, eine geschlossene Vorstellung von jüdischer Geschichte und Gegenwart zu vermitteln und die Mcn-cheu in den Gesamtzusammenhang ihrer Gi-chiehte hineinzustellen. 1 ine nicht minder bedeutende Rolle im Kampf um den neuen jüdisch' n Cypus hat die jüdische Zeitung iimc, die vielfältige Interessen in ihren Lesern erwecken kann. Zur „Jüdischen Rundschau"' müsse freilich noch eine Zeit-chrift treten, die in ähnlicher Form zu wirken vermag wie in früheren Jahren „Der Jude". Stellung zum Kulturbund Zum Schluii seines Referats ging Tschertok noch auf die Stellt! n g d e s Z i o ii i s in u s / u m K ti 11 u r b u n d ein. Wir sind der Meinung, daß er zu einem gestaltenden Faktor im I eben der Juden verwandelt werden kann. Aber die Kulturarbeit muß zu einer sihöpferi!»chen Kraft des |udentums werden. Das I heater darf nicht Flucht aus der Wirklichkeit bedeuten, sondern muß seine Aufgabe in der Bildung und Formung des neuen jüdischen Lebens suchen. Die jüdische Gesellschaft muß offen sein für Versuche, eigene Kultur w e r t c zu schaffen. Aber wir dürfen unser eingeborenes Gefühl für Realität nicht verlieren. Lieber noch einige Generationen ohne eigene Kunst, als Minderwertiges als den Ausdruck unseres nationalen Genius zu akzeptieren. Wir müssen ernsthaft suchen, anregen und fördern. Das literarische Schaffen in Hebräisch und Jiddisch soll liebevoll gesichtet und kongenial bearbeitet vom Kulturbund dem jüdischen Publikum zugänglich gemacht werden. Die ZVfD. hat in den letzten Jahren auf dem Gebiete der Kulturarbeit große Erfahrungen gesammelt. Sie hat Teile des hier spezifierten Programms bereits in Angriff genommen. Erforderlich ist eine Zusammenfassung dieser Aufgaben an einer Zentralstelle der ZVfD., der ausreichende Mittel und ein aktionsfähiger Apparat zur Verfügung gestellt werden müssen. Lebhafter Beifall dankte dem Referenten für seine grundlegenden Ausfuhr utigen. Nach dem Referat von Tschertok ereignete sich der Zwischenfall, über den wir bereits in der vorigen Nummer berichtet haben. Nachdem Rabbiner Hoffmann eine Erklärung abgegeben hatte, die der Vorsitzende, Dr. Netiberger, als zu weitgehend bezeichnet hatte, zog sich die Fraktion des Misrachi zurück. In dieser etwas erregten Stimmung erhielt Ha:'- Gärtner das Wort zu seinem Referat. Referat Hans Gärtner Der Redner führte aus, daß die jüdische Schule eine alte zionistische Forderung ist, die aber aus verständlichen Gründen bis 1933 nur in sehr geringem Umfange durchzusetzen war. Die Frage hat in den letzten Jahren die Öffentlichkeit außerordentlich beschäftigt. Noch heute ist ein großer Teil der jüdischen Jugend in öffentlichen Schulen und erst in einigen Monaten wird das jüdische Schulwesen infolge der neuen Regelung einen eigenen Charakter gewinnen. Anfang 1Q33 herrschte im jüdischen Schulwesen ein Chaos. Es war keinerlei Klarheit über seine Gestaltung. Erst der Versuch der Reichsvertretung, Richtlinien für den Unterricht als allgemein verbindlich zu geben, hat in diesen Zustand eine Bresche geschlagen. Zwar sind diese Richtlinien ein Kompromiß aus den verschiedensten Richtungen; aber sie bieten doch die Möglichkeit einer Vertiefung jüdischer Inhalte. Der Widerstand der jüdischen Ocffentlichkeit gegen die Umbildung des jüdischen Schulwesens hat sich heute verringert; selbst die nichtzionistischen Kreise sind dem Gedanken der jüdischen Schule heute schon näher gekommen. So ergibt sich die Notwendigkeit, daß die ZVfD. die Initiative zum Aufbau des jüdischen Bildungswesens ergreift. Zionistische Konzeption der jüdischen Schule Bis 1033 war für die meisten Juden in Deutschland die deutsche Kultur die wesentliche Quelle ihrer Bildung. Heute stehen wir vor einer veränderten Situation. Zwar können wir deutsche Kultur wissensmäßig weiter aufnehmen; aber wir können ihr nicht mehr lebensmäßig verbunden sein. Die Ausgliederung aus der deutschen Kultur hat ein gewisses Maß der Entfremdung mit sich gebracht. Wir suchen darum nach einem neuen Zentrum, das eine Harmonie zwischen Bildung und Leben neu schaffen kann. Diese Forderung ist nicht mit einfachen Formulierungen zu erfüllen. Es stellen sich ihr große Schwierigkeiten bei der Aufstellung von Lehrzielen in den Weg, weil unsere geistige Situation noch zu undurchsichtig ist. Dieses neue Zentrum, um das wir uns bemühen müssen, ist: das Jüdische. Unsere Aufgabe ist es, diesen Begriff ausreichend zu klären, so daß er zu einer brauchbaren Grundlage wird. Hebräisch und Palästinakundc bedeuten noch nicht die wirkliche Lösung. Es handelt sich vielmehr darum, eine totale Umwandlung der Bildungswerte rti vollziehen; eine Aufgabe, deren Voraussetzung die Auseinandersetzung mit der Judenfrage ist. Jüdische Erziehung muß vom Grundsätzlichen her bestimmt und unabhängig sein von der jeweiligen konkreten Zukunft s g c s t a 11 u n g der Jugend. Gleichgültig, ob sie sich entschließt, nach Palästina zu gehen oder in andere Länder — der Gedanke, der in letzter Zeit zuweilen in die Debatte geworfen wurde, besondere Schulen für Palästina einerseits, für Deutschland, Brasilien und dergl. andererseits zu gründen, ist abzulehnen. Wir brauchen eine einheitliche Schule. Man hat jenen Gedanken damit zu begründen verglicht, daß die soziale Struktur der jüdischen Jugend so differenziert sei, daß man jedem dieser Typen gerecht werden müsse. Der Zionismus kann nfeTit zugeben, daß die Struktur der jüdischen Jugend so verschieden sei, daß sie eines so vielfältigen Bildungswesens bedürfte. Wie auch immer ihre Vorstellung von ihrer Zukunft beschaffen sein mag — eine einheitliche jüdische Bildung muß für sie in ihrer Gesamtheit die Grundlage ihrer Zukunft sein. Bildungsgrandlagen der Schule Die erste Grundlage unserer Bildung ist selbstverständlich die hebräische Sprache. Sie darf nicht nur als Umgangssprache vermittelt werden, sondern sie muß der Jugend das Instrument für den Zugang zum jüdischen Kulturgut überhaupt werden. Besonders entschieden wandte sich der Referent gegen die häufige Unterscheidung von „Alt"- und „Neuhebräisch", die dazu geführt hat, daß man eine Scheidung zwischen Religionsunterricht und hebräischem Sprachunterricht vorgenommen hat. Wir können noch nicht die Forderung einer Hehraisierung des jüdischen Schulwesens aufstellen: Hebräisch als Unterrichtssprache ist noch keine konkrete Forderung. Aber die zionistische Bewegung könnte vielleicht Trägerin einer Musterschule werden, in der dieses Ideal der Hehraisierung beispielhaft verwirklicht wird. Weitere Grundlagen unserer Bildung sind die jüdische Geschichte, deren Behandlung in der Schule noch viele Fragen offen läßt, und die jüdische Gegenwartskunde, die ebenfalls im Unterricht noch zu kurz kommt. Das Leben der Jude-i in der Welt wird in den jüdischen Schulen viel zu wenig behandelt, so daß ein großer Teil unserer Jugend noch keine rechte Vorstellung von den Lebensbedingungen der Judenheit außerhalb Deutschlands und Palästinas hat. — Und schließlich ist von ausschlaggebender Bedeutung die Palästinakundc, die noch nicht einheitlich und intensiv genug in den jüdischen Schulen betrieben wird. Es genügt nicht, sie in die Geographie hineinzunehmen, sondern es muß die Anteilnahme der Schüler am Aufbau des Landes erweckt werden und ein lebendiger Kontakt hergestellt werden. Hiervon sind wir noch weit entfernt. Mit der Uebermittlung all dieses Wissens ist aber der Begriff „jüdisch" noch nicht erschöpft. Es läßt sich die Auseinandersetzung mit der religiösen Frage nicht umgehen. Die Orthodoxie hat von ihrer geschlossenen und in sich logischen Weltanschauung aus es leicht, ihren Standpunkt zu vertreten. Für die Mehrzahl der Juden aber liegen die eigentlichen Schwierigkeiten darin, daß sie die echte Beziehung zur Religion durch die geistige Entwicklung der vergangenen 150 Jahre verloren haben. An dieser Tatsache, kann die Erörterung nicht vorbeigehen. Hier geht es um eine Frage des Gewissens; und der Ausgangspunkt der Mehrheit der jüdischen Jugend ist nun einmal ein anderer als der der gesetzestreuen Jugend. Freilich darf sie auch nicht — wie vielfach in der Vergangenheit — an der Auseinandersetzung vorübergehen; sie muß sich vielmehr zunächst einmal in ernsthafter Form und auf einer gediegenen wissensmäßigen Grundlage mit den Fragen der Tradition auseinandersetzen, die notwendige Bereitschaft zu dieser Auseinandersetzung haben. Das Resultat einer solchen Beschäftigung mit den religiösen Problemen ist keineswegs vorauszusehen. Für diese Jugend gibt es keine Möglichkeit, die Frage nach dem Wesen des Judentums endgültig zu beantworten. Für sie gibt es nur eine Möglichkeit, die nicht leicht genommen werden darf: zu lernen und sich ehrlich mit dem Erlernten auseinanderzusetzen. Eine Frage, die noch nicht beantwortet werden kann, heißt: Einheitsschule oder weltanschaulich differenzierte Schule. Die schwierige Bildimgssituation könnte es nahelegen, die letztere zu bejahen. Aber da die Fronten in dem Kampf um die jüdische Schule sich heute noch vielfältig überkreuzen, der Angriff gegen sie noch stark von politischen Motiven bedingt wird, muß der Zionismus in diesem Augenblick an dem Gedanken der Einheitsschule festhalten. Das wird Kompromisse notwendig machen, die aber aus dem gemeinsamen Ideal der zionistischen Erneuerung der jüdischen Schule getragen werden müssen. Die soziale Situation unserer Jugend Die soziale Situation der jüdischen Jugend ist charakterisiert durch den sozialen Niedergang der ludenheit in Deutschland und den Aufbau Palästinas. Allgemein ist heute die Notwendigkeit einer beruflichen Umschichtung und Zurückführung zu den manuellen Berufen anerkannt. Diese Tatsache freilich schließt noch nicht in sich einen Verzicht auf eine höhere Bildung. Der Versuch, die neuen Berufsideale zum integrierenden Bestandteil der jüdischen Schule zu machen und zugleich damit ihr Niveau nicht absinken zu lassen, liegt in einzelnen Voiksschul-Typen vor, die mit ihrem neunten und zehnten Schuljahr wahrscheinlich die Vorbilder für die Zukunft sein werden. Neben diesem Schultypus bleiben natürlich die Mittelschulen und einzelne höhere Schulen erhalten, deren Aufgabe aber sein wird, in ihrem Lehrplan weitgehend der Möglichkeit zur körperlichen Arbeit Raum zu geben. Wenn bisher bei der vorherrschenden Aufgabenteilung zwischen Schule und Jugendbewegung dieser die eigentliche Charakterbildung vorbehalten blieb, so ist es notwendig, zu neuen Formen der Zusammenarbeit zu gelangen. Auch jetzt noch stehen der jüdischen Schule, so wie wir sie sehen, mancherlei Hindernisse entgegen. Es ist darum die Forderung zu erheben, daß in den Geineinden die Schuldezernate sich in zionistischen Händen befinden. Dies allein aber würde nicht ausreichen. Entscheidend ist die Frage der Lehrerschaft Diese ist heute noch nicht geeignet, die Ziele einer wirklich jüdischen Schule in die Tat umzusetzen. Sie ist infolge ihrer noch ungenügenden Durchbildung in jüdischen Dingen und ihrer Fremdheit gegenüber dem zionistischen Gedanken sogar das eigentliche Hemmnis für einen baldigen Erfolg der zionistischen Schulidee; deshalb muß der Zionismus die Lehrerausbildung und Lehrerfortbildüng, die bis heute noch nicht unseren Ansprüchen geniigen, beobachten und beeinflussen. Die Lehrerschaft muß /ionisiert werden. Diese Forderung ist nicht nur der Schule wegen, sondern auch um der zionistischen Bewegung willen wesentlich, weil in der Lehrerschaft das letzte intellektuelle Reservoir vorhanden ist, aus dem die Kräfte kommen können, die für eine Weiterführung der zionistischen Arbeit und der Entwicklung der zionistischen Ideologie zur Verfügung stehen. (Lebhafter Beifall.) Die Diskussion Dr. Kaleko, Berlin, betonte teils in hebräischer, teils hl deutscher Rede, daß die Trägerin in der hebräischen Arbeit die Zionistische Organisation sein müsse. Das Erlernen desu Hebräischen sei zwar die Pflicht aller Juden; die hebräische Arbeit als hebräische Bewegung aber könne nur von der Zionistischen Organisation getragen werden. Er wandte sich auch gegen das Chaos in den Unterrichts-Methoden und verlangte straffere Organisierung der hebräischen Arbeit. Ernst Bauer (Hechaluz) warf die Frage des kulturellen Problems der Juden in Deutschland auf. Wir müssen eine Tradition wiederaufnehmen, die uns fremd geworden ist. Es sei klar, daß sich mit Zwang hier nichts erreichen lasse. Wir müssen uns in voller Freiheit mit diesen Fragen auseinandersetzen. Eine geistig begründete Ablehnung sei immer noch fruchtbarer als eine kritiklose, ungeprüfte Annahme. Die Tradition kann nicht als bloße Forin übernommen werden, weil das religiöse System nicht mehr das unsere ist und wir im Laufe der letzten Generationen eine Wandlung der Einstellung zu diesem Bereich erfahren haben. — Wir hätten uns ferner mit der Frage unseres deutsch -jüdischen Erbes auseinanderzusetzen. Wir müssen anerkennen, daß sehr vieles Gute in diesem deutsch-jüdischen Bildungsgut von Mendelssohn und Rießer bis Rosenzweig und Buber enthalten ist, das wir nicht nur nicht aufgeben können, sondern dem ganzen jüdischen Volk zugänglich machen müssen. Wenn man spöttisch zuweilen von den „Zionisten von Goethes Gnaden" gesprochen habe, so müsse er von seinem Standpunkt aus sagen, daß es immerhin nichts Geringes gewesen sei, sich an Goethe assimiliert zu haben. Von der klassischen Kultur haben wir unvergängliche Werte empfangen, die nicht nur verstandesmäßig," sondern auch seelisch die Menschen ausfüllten. Kulturelle Arbeit kann nur fruchtbar sein, wenn sie an die tiefsten Schichten im Menschen appelliert. Wir müssen uns fragen, ob der Zionismus es nicht versäumt habe, in diese seelischen Bezirke des Menschen einzudringen, weil er mit zu rationalistischen Methoden arbeitete. Schließlich gedenkt Redner dankbar der Leistung der „Mittclstelle für Erwachsenenbildung" bei der Reichsvertretung. In dieser Mittelstelle sei unter führender Mitwirkung von Zionisten sehr Wertvolles geleistet worden. Dr. Burg (Jung-Misrachi) plädierte im Namen des „Bach ad" (religiöser Chaluzbund) dafür, daß das religiöse Gespräch zwischen allen Chawerim wieder aufgenommen werde. Der Bachad wolle in allen Dingen, die uns im Zionismus einen, mittun; aber in religiösen Gesiniumgsfragen lehne er jedes Kompromiß und jeden Zwang ab. Der Redner besprach ferner allgemeine Fragen der Kultur-Politik und der Erfassung der Menschen. Inneres Ziel der jüdischen Erziehung sei die Synthese zwischen alten und neuen Werten oder (in der Formulierung Ernst Simons) die Synthese zwischen Talmid Chacham und Chaluz. Jakob Stiebe!, Berlin, äußerte Kritisches zur Erziehung in den Bünden, insbesondere über den Zwiespalt zwischen der Erziehung in Bund und Haus. Vor allem sei die Vernachlässigung der religiösen Erziehung im Bund zu bemängeln. Die jüdische Schule sei eine religiös-nationale Schule. Hebräisch solle nicht nur als lebendige Sprache gelehrt werden, sondern es dürfe auch als Gcbctssprache nicht vernachlässigt werden. Zur Frage der Einheitsschule stünde er heute nicht mehr ganz so positiv wie früher; er neige vielmehr der konservativen Schule zu, die innerhalb des jüdischen Schulsystems aufgebaut werden müsse. Die ZVfD. müsse für die Ausbildung von Lehrern sorgen, die eine echte Beziehung zum Judentum haben. Rabb. Dr. Harry Leyy (Misrachi) suchte den Inhalt der jüdischen Kultur vom misrachistischen Standpunkt aus klarr k Schmuck Uhren * Gold Silber tttäZ vä&iier 'Belmcntez