Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 10 (4.2.1936)
- Date
- 1936-02-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JODISCHE RUNDSCHAU (Mr. 10, 4.1!. 1936 Aufgabe, Leistung und Bewährung der zionistischen Bewegung in Deutschland Referat von Dr. Siegfried Moses Dr. M oscs wirft zuerst einen kurzen Rückblick auf die Zeit seit dem letzten Delegiertentag vorn September 1932 und verweist auf den gedruckt vorliegenden Bericht der über die Fülle der geleisteten Kleinarbeit Rechenschaft ablegt und zugleich auch ein gutes Maß zionistischer Selbstkritik enthält. Der Redner fährt fort: Dank dem Ihnen vorliegenden Bericht habe ich die Möglichkeit, mich im wesentlichen auf einen Bericht über die Aufgaben und Leistungen der zionistischen Bewegung in Deutschland am den IIa uptge bieten des jüdischen Lebens und unserer zionistischen Arbeit zu beschränken. — Die Auswahl, die hier getroffen werden muß, ist nicht einfach; sie bedeutet keine Wertung der verschiedenen Gebiete. Bewegung und Organisation Die Träger unserer Arbeit sind die zionistische Bewegung und die zionistische Organisation, die einander in weitem l'mfang durchdringen, ohne miteinander identisch zu sein. Das wesentliche Arbeitselcment der zionistischen Bewegung ist von jeher - neben der Erziehungsaufgabe — die Betrachtung der jüdischen Welt und der Umwelt gewesen. Die Schlußfolgerungen, die aus den Ergebnissen der Analyse, aus den Erkenntnissen der Bewegung gezogen werden, gipfeln in der Forderung, die sich zum einen Teil an die Zionistcn richtet, zum anderen Teil an die zur vorurteilslosen Betrachtung der jüdischen Welt bereiten Nichtzionistcn. Die Aufgabe lier Organisation ist es, die Forderung aufzunehmen und sie auszugestalten zur Aktion. Lassen Sie mich zunächst das Arbeitsgebiet betrachten, auf dem mehr als auf allen anderen de bieten in diesem Zeilabschnitt die Aktion in den Vordergrund getreten ist: das Gebiet der Auswanderung nach Palästina und der Auswanderung überhaupt. Der nach außen hervorstechendste Teil unserer Arbeit hängt seit 1933 mit der Auswanderung nach Palästina zusammen. Die Palästina-Wanderang Was die Auswanderung nach Palästina in diesen Jahren für die in Deutsehland lebenden Juden bedeutet hat, das ist oft genug auch von fern Stellenden, ja sogar von Gegnern des Zionismus anerkannt und gewürdigt worden. Wenn seit 1933 ungefähr 30 000 Menschen aus Deutschland nach Palästina ausgewandert sind, so liegt die Bedeutung dieser Tatsache weniger in der Große als in der Struktur und Schichtung dieser Auswandererschar. Es ist uberflüssig, die Ziffer mit den Ziffern der Einwanderungen deutscher Juden nach anderen Ländern zu vergleichen. Zwar sind jene Ziffern winzig gegenüher der Zahl der Palästina-Einwanderer aus Deutschland; aber das Zahlenmäßige ist dabei noch der unwichtigste Faktor. Entscheidend und ausschlaggebend ist, daß im Gegensatz zu den anderen Ländern Palästina den weitaus größten Teil der Einwanderer nicht bloß aufgenommen, sondern auch eingeordnet hat; und daß nach Palästina vor allem zwei Kategorien von Menschen gehen konnten: Menschen, die unbemittelt, aber jung und zu produktiver Arbeit ausgebildet und bereit sind, und Menschen, die ein kleines Kapital als Grundlage einer Existenz-Neugründung zur Verfügung haben und mit tragbarem Verlust mitnehmen können. Palästina ist das einzige Land der Welt, in das unbemittelte junge Juden legitim und geordnet einwandern können, und es ist das einzige Land, in dem sich bisher eine jüdische Mittelstands- Einwanderung größeren Stils als möglich erwiesen hat. Die Voraussetzungen dafür, daß eine Auswanderung nach Palästina in dieser Art und in diesem Umfang bewerkstelligt werden konnte, hatte der Zionismus — der von den in Deutschland lebenden Juden so lange bekämpfte Zionismus in jahrzehntelanger Arbeit geschaffen. Verwirklichen ließ sich die gewaltige Aufgabe, die die Stunde stellte, dadurch, daß die Aufnalunehcrcitschaft Palästinas und die Aktions- und Hilfsbereitschaft der zionistischen Weltorganisation sich vereinigten mit der P a I ä s t i n a - A r b c i t der zionistischen Organisation in Deutschland. ..Der .!«•>!•-dul.;m>)r.vvil)aml Uvchaluz xählt heute mehr als 650 MeiiM-b ii" so heißt es im Bericht an den Frankfurter Delegiertentag vom September 1932. In diesen Jahren ist der Hechaluz zu einer Organisation von mehr als 15 000 Menschen geworden, die imstande war, die jungen Menschen zu erziehen und auszubilden und zur Atiswanderimg reif zu machen, denen Zertifikate für die Arbeiter-Ausuaneieriing nach Palästina erteilt «'erden Konnten. Nächst dem Kreise junger Menschen, die bestimmt und gewillt sind, produktiv a's Arbeitende an dem Aufbau Palästina mitzuwirken, bildet der Mittelstand den Teil der jüdischen Bevölkerung I>eut«rhlands, für den die Auswandcrungsfrage am drei ..•nd-t-n gewesen ist, und dessen sinnvolle Einordnung in den Pa'ästma-Aufbau andererseits am wichtigsten ist. Hier waren und sind uns zwei Aufgaben gestellt: im Zusammenhang mit den deutschen Behörden dafür zu sorgen, daß in den gebotenen Grenzen dem Arzt oder Anwalt, dem Kaufmann oder Ingenieur, der Deutschland verlassen muß, die Möglichkeit gegeben wird, seine Ersparnisse in Palästina zum Aufbau einer neuen Existenz zur Verfügung zu haben; auf der anderen Seite darin, in enger Zusammenarbeit mit den zionistischen Instanzen Ansicdlungs- und Seßhaftmachungsbedingungen in Palästina schaffen zu helfen, die der wirtschaftlichen und persönlichen Leistungsfähigkeit dieses Menschenkreises entsprechen. — Unsere Arbeit auf dem Gebiet der Palästina-Auswanderung liegt offen vor aller Welt mit ihren Ergebnissen; mit den Schwierigkeiten, die sich fortgesetzt gezeigt haben und zeigen, und mit den Erfolgen, die sie aufzuweisen hat. Dali der Zionisten-Kongreß, der im Sommer 1935 in Luzern tagte, eine gewisse Bevorzugung der Auswanderung aus Deutschland bei der Zertifikatsverteilung als angemessen empfunden hat und die Bedenken, die gegen den Transfermechanismus erhoben worden waren, im Interesse der jüdischen Auswanderung aus Deutschland zurückgestellt hat, das ist nicht bloß in den zionistischen Kreisen Deutschlands gewürdigt worden. Und wenn die Zahl der Zertifikate, die zur Verfügung stehen, gegenwärtig — wie wir bestimmt hoffen, nur vorübergehend — geringer geworden ist; wenn die Transferschwierigkeiten, an deren Behebung ständig gearbeitet wird, das Auswanderungstempo für den Mittelstand verlangsamt haben; so ändert das nichts an der überragenden Bedeutung, die die Auswanderung nach Palästina für eine Entlastung und Erleichterung der jüdischen Situation in Deutschland hat und behalten wird. Auswanderung und Ideologie So sehr wir unsere Arbeit naturgemäß auf die Auswanderung nach Palästina konzentriert haben, so klar haben wir von Anfang an erkannt, daß die Auswanderung in andere Länder neben der Palästina-Auswanderung notwendig ist nicht als Beitrag zur „Lösung der Judenfragc", aber als konstruktive Hilfsmaßnahme für einzelne jüdische Menschen. Demgegenüber ist es interessant und charakteristisch, die Haltung zu betrachten, die die Nichtzionisten Deutschlands in der Auswanderungsfrage eingenommen haben und einnehmen. Als die erste unmittelbare Wirkung der Ereignisse des Jahres 1933 vorüber war, zeigte sich sehr bald in weiten Kreisen des nichtzionistischen Judentums das Bedürfnis, die unvermeidbare Anerkennung der zionistischen Leistung zu verbinden mit einer ideologischen Abgrenzung von den Zionistcn. Man wollte als das entscheidende Merkmal gern die Einstellung gegenüber der Auswanderung konstituieren: Im Herbst 1933 tauchte der Vorschlag einer „Arbeitsteilung" auf, auf Grund deren die Zionistcn es übernehmen sollten, die Auswanderung aus Deutschland zu organisieren, während das Arbeitsfeld in Deutschland den nichtzionistischen Gruppen überlassen werden sollte. Es ist bekannt, daß wir diese Vorschläge von Anrang an zurückg e w lese n haben und den Anspruch erhoben und durchgesetzt haben, an der gesamten Neugestaltung des jüdischen Lebens in Deutschland nicht nur mitzuwirken, sondern sie entscheidend zu beeinflussen. Aber in unserem jetzigen Zusammenhang ist das Interessanteste, daß die gleichen nichtzionistischen Kreise, die noch 1933 das üesamtgebiet der Auswanderung uns überlassen wollten, jetzt wiederum, aber in ganz anderer Weise, die Auswanderungsfrage zur ideologischen Abgrenzung gegenüber den Zionistcn benut/en möchten. Die Auswanderung für den nichtzionistischen Teil des Judentums zu verneinen, geht jetzt nicht mehr an. Infolgedessen heißt die Ideologische Insel, auf die sich manche Nichtzionisten gegenüber der zionistischen Flut retten möchten: die Auswanderung nach den Ländern außerhalb Palästinas. Palästina und andere Länder Unsere Haltung gegenüber dem Gesamtproblem der Auswanderung kann durch solche Unternehmungen nicht beeinflußt, kamt von ihrer sachlichen Linie nicht abgedrängt werden. Wir halten es angesichts der jüdischen Situation in Deutschland für geboten, daß neben der Auswanderung nach Palästina auch die Auswanderung In andere Länder systematisch und geordnet betrieben wird, und wir sind der Ansicht, daß die Kräfte der jüdischen Institutionen in Deutschland und die Hilfsbereitschaft des ausländischen Judentums auch in den Dienst dieser Auswanderung zu stellen ist. Wir haben uns von jeher und in der letzten Zeit in besonderem Maße bereit erklärt, an allen dieser Aufgabe gewidmeten Arbeiten teilzunehmen; es gilt, die großen Erfahrungen, die wir Washington, 1. Februar. Die (bereits angekündigte) Ali-amerikanische Palästina-Konferenz, die in Washington am 1. und 2. Februar stattfand, ist mit Beteiligung von 42 jüdischen Organisationen der Vereinigten Staaten zustande gekommen und umfaßte 1200 Delegierte aus dem ganzen Lande. Bei der ersten Sitzung führte der Mitvorsitzendc der United Palestine Appeal, Israel Goldstein, den Vorsitz. Die wichtigsten Reden wurden durch Radio übertragen. Unter allgemeiner Spannung sprach Simon Marks über die Mission der Samuel-Delegation und ihre Beziehung zum Zionismus und zur Jewish Agency. Selbst als Zionist sprechend, — so führte der Redner aus —, muß ich darauf hinweisen, daß die Zionistcn, die stets als Träumer und Phantasten hingestellt wurden, sich als die besseren Realisten erwiesen haben, die ein klares Bild des jüdischen Lebens und eine bessere Abschätzung politischer Faktoren besaßen. Bei der Diskussion der jetzt aufzustellenden Pläne seien manche Zionistcn bestrebt, größeren Anteil für Palästina zu sichern. Es komme in der Tat darauf an, möglichst viele Juden aus Deutschland in Palästina anzusiedeln, aber man dürfe sich auch nicht vor der Notwendigkeit des Humanitätswerks verschließen, Immigranten anderswo unterzubringen, wenn Palästina sie nicht aufnehmen kann. Die Jewish Agencv sei aufgefordert worden, umfassende Projekte vorzulegen. Was die Zusammenarbeit mit den Nichtzionisten betrifft, so müsse man sich erinnern, daß vor einigen Jahren die Zionistische Organisation diese Zusammenarbeit in der Jewish A g e n c y angestrebt hat, aber die Agcncy sei nie zur vollen Auswirkung gekommen, sondern sei gewissermaßen noch im Zustand der Geburt. Die jüdische Situation in Deutschland könne ein Faktor sein, der diese Bestrebungen wieder aufleben läßt und die erstrebte Einheit zustande bringt. Der Redner dementierte mit altem Nachdruck die Gerüchte, daß eine neue große Organisation gegründet werden soll. Es handle sich vielmehr darum, die Maschinerie der schon bestehenden Organisationen in entsprechender Weise nutzbar zu machen, und jede Organisation soll in ihrer Tätigkeit volle Autonomie behalten. So werde auch die Jewish Agency in allen Palästina betreffenden Fragen zu Rate gezogen werden. Im zweiten Teil seines Referats sprach Marks über die Prinzipien einer gesunden Wirtschafts - und Finanzpolitik in Palästina. Der Zionismus könne aut die Setzten Errungenschaften, die sich insbesondere in der gewährten Anleihe von Lloyds und dem hierdurch bewiesenen Vertrauen gezeigt haben, stolz sein. Zu warnen sei dagegen vor spekulativen Unternehmungen, welche das finanzielle Prestige gefährden könnten. Redner besprach verschiedene Aufbau-Aktionen der letzten Zeit und erklärte dann, daß die I c a sich mit einer 2-MilIionen-Dollar-Anleihe am H u 1 e - Projekt beteiligen wolle, abgesehen von ihrem eigenen Anteil. Die Politik der nationalen Fonds müsse darauf hinauslaufen, Rückzahlungen zu erhalten, damit Aktiva geschaffen werden, auf Grund deren eine nationale Anleihe angestrebt werden kann. Die Hauptaufgabe bestehe darin, durch Heranziehung von möglichst vielen geeigneten Partnern die Jewish Agency in ihrem Aufbauwerk so stark als möglich zu machen. Lord Bearsted Wies gegenüber denjenigen, die die Zweckmäßigkeit einer Auswanderungsaktion bezweifeln, darauf hin, daß der Drang nach Auswanderung voraussichtlich weit stärker sein werde als die Möglichkeit, ihn zu befriedigen. Es sei vorgesehen, daß 20 030 bis 25 0C0 Juden jährlich zur Auswanderung gelangen, von denen die Hälft;: in Palästina angesiedelt werden soll. Es werde ein Komitee eingesetzt werden, das voraussichtlich die Bezeichnung „Council for bei der Ausbildung und Auswanderung der Chaluzim und bei der Transferierung jüdischer Mittelstandsvermögen nach Palästina gewonnen haben, für die Aufgaben nutzbar zu machen, die jetzt im Interesse einer Auswanderung in andere Länder in Angriff genommen werden. Wir haben niemals ein Aus Wanderungsmonopol für Palästina gefordert oder vorgeschlagen. Im Gegenteil haben wir es stets auch im Interesse des Palästina-Aufbaus für nötig gehalten, daß Menschen, die für Palästina keine Eignung oder keine Neigung haben, nach anderen Ländern auswandern können. Wir verlangen freilich den Primat für die Auswanderung nach Palästina, weil nur sie mehr ist als Hilfe für individuelle notleidende Juden, zugleich auch national-wirtschaftliche und nationalkulturelle Bedeutung hat. Und wir wehren uns nicht dagegen, daß Nichtzionisten die Auswanderung nach anderen Ländern als Palästina vorbereiten und organisieren und fördern wollen; das ist ja im Gegenteil eine Arbeit, an der wir uns im Rahmen der gesamtjüdischen Institutionen nach besten Kräften und in bester Gesinnung beteiligen. Aber wir werden es uns nicht gefallen lassen, daß Nichtzionisten, von denen ein gut Teil heimliche Gegner des Zionismus und des Palästina-Aufbaus geblieben sind, aus dem Gedanken der Auswanderung in andere Länder eine „Ideologie" zu machen versuchen. Sie möchten sich dem unausweichlichen Auswanderungsbedürfiiis nicht entgegenstemmen und doch eine Haltung erzeugen und rechtfertigen, die der zionistischen Idee, dem Gedanken des Palästina-Aufbaus, nicht bloß ein leises „Nein", sondern ein lautes „So nicht, aber anders" entgegensetzt. Das ist unverantwortbar deshalb, weil das Ressentiment gegen Zionismus und Nationaljudentum kein hinreichendes Fundament für eine Ideologie bilden kann, die von ihren Schöpfern als eine Art jüdischer Ideologie ausgegeben wird. Forderungen in der Auswanderungsfrage Wenn der Versuch einer großzügigen Lösung des Auswan« derungsproblcms, der im Gange ist, Erfolg haben soll, müssen zur Erfüllung dieser gewaltigen Aufgabe alle produktiven Kräfte zusammengefaßt werden und sich mit der Hilfsbereitschaft der zionistischen Weltorganisation, des jüdischen Palästina und der jüdischen Welt des Auslandes vereinigen. Vom Staat erhoffen wir eine Förderung der auf eine geordnete Auswanderung von Juden aus Deutschland abzielenden Bestrebungen. Hand in Hand mit den Teilen des nichtzionistischen Judentums, mit denen wir einig sind sowohl in der Erkenntnis, daß eine Auswanderung nach allen aufnahmeberciten Ländern der Welt notwendig ist als auch über den Primat, den die Auswanderung nach Palästina zu beanspruchen hat, — Hand in Hand also mit der überwältigenden Mehrheit der Juden Deutschlands konzentrieren wir unsere Anstrengungen auf die Faktoren, von deren Erhaltung und Durchführbarkeit eine großzügige Auswanderung abhängt: 1. Die zentralen Institutionen und Gemeinden Deutschlands müssen in ihrer gesamten Arbeit den Gedanken der Auswanderung als Leitstern wählen und in einer entsprechenden Gestaltung des Schulwesens und der Lchrplänc, in der Schaffung und Unterhaltung von Einrichtungen für Berufsausbildung und Berufsumschichtung und in der unmittelbaren Förderung der Auswanderung aller »uswanderungswilligcn und auswanderun-Tsreifen Menschen ihre wichtigste Auf« gäbe sehen. (Fortsetzung nächste Seite) German Jewry" führen wird. Die Auswanderung müsse m voller Ordnung vor sich gehen. Sir Herbert Samuel gab eine Darstellung der sozialen und wirtschaftlichen Voraussetzungen, die die Auswanderung geboten erscheinen lassen und richtete an die Tagung den Appell, die Palästinaarbeit mit allen Kräften zu fördern. Der Präsident des Jüdischen Nationalfonds Amerikas, Dr. I. Gold st ein, der bei der Konferenz den Vorsitz führte, verlas ein Begrüßungsschreiben des Präsiden« ten der Vereinigten Staaten, Franklin D. Roosevelt, in dem der Präsident auf die vom Kongreß der Vereinigten Staaten seinerzeit zugunsten der Errichtung des Jüdischen Nationalheims gefaßte Resolution hinweist und der Zuversicht Ausdruck gibt, daß Amerika das Palestine Appeal fördern werde. In der Botschaft Roosevelts heißt es: „Jeder Amerikaner kennt die Liebe der Juden für das Land, das mit den großen Anfängen ihrer Geschichte verbunden Ist. Jeder Jude muß Freude darüber empfinden, daß diese ewige Treue gekrönt wurde durch die Errichtung des Jüdischen Nationalheims, das auf den sicheren Grundlagen der Gerechtigkeit und Wohlfahrt für alle seine Einwohner beruht. Das amerikanische Volk wird nach meiner Ueberzeugung bereit sein, großzügig an dem United Palestine Appeal mitzuarbeiten, dessen Ziel es ist, heimatlosen Juden ein Heim zu schaffen. Ich hege die zuversichtliche Hoffnung, daß die Mitarbeit des amerikanischen Volkes beitragen wird zu dem weiteren Fortschritt des Heiligen Landes, das, dessen bin ich sicher, auch weiterh'n die ganze Welt crLuchten wird." Die Reichskonferenz beschloß, die Aktion der englischjüdischen Abordnung zu unterstützen und sich dem Programm der Ansiedlung von 100 000 Juden aus Deutschland^ und Polen in Palästina anzuschließen. Es wurde ferner beschlossen, einen Drive zur Aufbringung von 31/» M i 11 i o n e n Dollars zu eröffnen und somit die ursprünglich als Ziel des United Palestine Appeal in Ausficht genommene Summe um eine weitere Million zu erhöhen. Dies geschah auf Grund einer telcgraphischen Aufforderung der Jewish Agency. Große Zeichnungen englischer Juden Bei einem in New York für Sir Herbert Samuel, Lord Bearsted und Simon Marks veranstalteten Empfang sprach der frühere Oberkommissar für Auswandererfürsoge James G. MacDonald, der sich warm für die Pläne Sir Herberts und seiner Mitarbeiter einsetzte. Er teilte mit, daß Simon Marks versprochen habe, 100 000 Pfund für den Auswandcrungsfouds zu zeichnen. Der stellvertretende Vorsitzende des Joint Distribution Committce, James N. Rosenberg, gab bekannt, daß von den 5 Millionen Dollar, die in England für den neuen Fonds aufgebracht werden sollen, eine Million bereits von vier einzelnen englisch-jüdischen Persönlichkeiten allein gezeichnet worden ist. Auch der Präsident des Joint, Paul Bacrwald, und Rabbi Jonah B. W i s e setzten sich nachdrücklich für die Pläne der englisch-jüdischen Abordnung ein. Weitere Nachrichten auf Seite 15 Hauptschriftteitcr: Dr. Robert W e 11 s c h, Berlin - Charlottenburg 0 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Locwenstein. Berlin W 15. Anzrijtenleiter ti. verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Hermann F i n n. Berlin-Tenlpclhcf. (iiiltig: Aiueigen-Preishste 4 vom 15. Oktober 1935 \ ert.rg und An« teigcnverwahutig: Jüdische Rundschau. Berlin W 15 \I Tv.-ktt.tr 10. D.-A. Des. 38 737. — Druck: Siegfried Scholcm, Bln.-Schöneberg. Die Palästina-Konferenz in Washington Eine Rede von Marks — Botschaft Roosevelts