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Jüdische Rundschau · 1936-02-04 · Heft 10 (4.2.1936) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 10 (4.2.1936)
Date
1936-02-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 10 / Jahrgang 4t Preis 25 RpL JÜDISCHE RUNDSCHAU SchrifU.Itnng, Verlag „. Anzclgcnvarwalttuig Berlin WM, M.Inekeitr.10 F«nrul: b.mmel-Nr. |1 Bismarck 3101/82,7165/70, 7240/42. - ßa.ug.prei, .imchl. B««^lgeld j. Moo.t RM 2,_, Vieneliiht RM 5.75, bei Abholung RM 1,88 brw ff1 W9. - Po.t.ch.ck. Kontra d« Vertrieb. - Abteilung: Berlin 71573 (für Groi -ßerlm) Berlin 17392 (Iii, d.. abri». Reich). In Fällen höherer GewJt b«««ht kein Anspruch aul Nachliefert«^ oder Erat.ming etwa «Aon gerahlter Bezugagebühren. — Krach.Ipt jed.a Dienstag and Fr.ltag. BERLIN V'üin D3t^ DIENSTAG, 4. FEBRUAR 1936 GUlUgt Anzeigenpreis!!vte Nr. 4, Die 12 gespaltene mm - Zeil» 20 Rpft für Familtennachrichten IS Kpt Aufnahm© von Anzeigen an bestimmten Tagen oder Stellen und in bestimmte Aussahen kann niclu gewährleistet werden- Gelegenheit« anzeigen nur bei Vorauwaiilun^ aui Postscheck. Konto Berlin 71618 oder b«r Montag bis Donnerstag 9 —18 Uhr, Freitag 9 — 16 Uhr. AnnahmeschluÄ lür die Dienstag - Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag - Ausgabe Mittwoch 13 Uhr (Für Familienanzeigen am lag vor Erscheinen 12 Uhr) Zlonl8mus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Helmstatte In Palästina. (Baseler Programm) Zionistische Leistung Der erste in Deutschland des Delegiertentages Mehrcrc Redner in der Debatte des ersten Tages dieser zionistischen Konferenz haben mit Recht betont, daß die Veranstaltung ein „Wagnis" war: die zionistische und jüdische Welt hat sich so gewandelt, die personelle Zusammensetzung der Ortsgruppen und damit auch des Delegiertcntages hat durch die Auswanderung und den neuen Mitgliedcrstrom eine so andere Note bekommen, daß man mit vielen Unbekannten rechnen mußte. Zu diesen äußeren Schwierigkeiten kommt aber gewiß eine innere, die — ausgesprochen oder unausgesprochen — jedem Teilnehmer und Zuhörer des Delegiertentages fühlbar war: Mitten in einem Strom geschichtlichen Geschehens von ungeheurem Ausmaß, angesichts eines sich wandelnden und noch unfertigen Weltbildes, in einem Ringen, in dem die Nöte des Lebens, übermächtiges Schicksal und sehnsüchtiger Gestaltungstrieb, über allen durch Formeln gesetzte Grenzen hinaus wirksam sind — in einer solchen Welt empfindet man immer von neuem die Unzulänglichkeit von Instrumenten, die, unmittelbar aus dieser Zeit geboren, auf eine äußere Erscheinungsform angewiesen sind, die nicht der Wirklichkeit in ihrer vollen Schwere adäquat ist. Wir haben diese Empfindung bei den letzten Zionistenkongressen in steigendem Maße gehabt, und wir können auch bei dem Dclcgiertentag der ZVfD. nicht daran vorbeisehen. Das Mittel der Rede und der Debatte ist nicht mehr so zeitgemäß, wie es früher einmal, in der Entstehungszeit des Zionismus war. Und da schließlich Tagungen sich keiner anderen Mittel bedienen können, so bleibt dieses gewiß irrationale und „unvernünftige" Gefühl übrig, daß man gern noch Größeres und noch Bedeutenderes empfangen möchte, als eine solche Tagung ihrer Natur nach geben kann. Die w a h r e geschichtliche Entscheidung, so weiß man, vollzieht sich im Leben, und was gesprochen wird, kann nur Begleitung sein. Diese Einschränkung vorausgeschickt, kann man sagen, daß der Delegiertentag der ZVfD. die schwere Belastungsprobe bestanden hat. Es ist sicherlich als große Leistung der Geschäftsführung der ZVfD. zu werten, daß über alle organisatorischen Hindernisse hinweg die Konferenz zustande kommen konnte. Interessant war schon das äußere Bild. Man sah eine große Zahl neuer Gesichter. Daß die Jugend einen starken Platz einnahm, war eigentlich nichts Neues, da dies stets ein Kennzeichnen unserer Delegicrtentage war. Das zentrale Ereignis des ersten Tages war das Referat des Vorsitzenden der ZVfD., Dr. Moses, das neben einem Rückblick auf die letzten Jahre eine programmatische Darlegung über die zionistische Arbeit in Deutschland enthielt. Man kann wohl von dem Referat sagen, daß es die besten zionistischen Tugenden vereinigte: mit Entschiedenheit der Forderung und Festigkeit der Idee eine vorbildliche staatsmännische Wohlabgewogenheit des Tones, Besonnenheit und Augenmaß, und auch die notwendige, für uns Zionisten unentbehrliche Beimischung von Selbstkritik. Von besonderem Interesse waren die Ausfüllungen des Referenten über die Auswanderungsfrage und die Postulate über die künftige Gestaltung der jüdischen Hilfsaktionen, die gewiß auch außerhalb Deutschlands ein Echo finden werden. In der Generaldebatte wurde, wie zu erwarten war, von einigen Rednern ein schärferer Kurs gegenüber den nichtzionistischen Juden gefordert. Es wurden aber auch die grundsätzlichen Voraussetzungen unserer jüdischen Arbeit erörtert. Die für die zionistische Welt vorbildliche Zusammenarbeit verschiedener Richtungen in der ZVfD. erfordert notwendig ein Maß von Toleranz; jede Strömung darf in positiver Form für ihre Anschauung werben. So stellte der Vertreter des Misrachi, Rabbiner Hoffmann, die Forderungen nach einer stärkeren Verbindung mit dem Religiösen auf, und es war vielleicht ein Mißverständnis, wenn ihm spater in der Debatte vorgeworfen wurde, er wünsche erneu „Zwang zum Religiösen auszuüben; es ist zweifellos das Recht und die Pflicht eines misrachistischen Redners, auf die Bedeutung der Tradition als jüdischer Lebensform im Prozeß der Wiederbelebung des Judentums hinzuweisen. Ebenso muß aber stets die von Dr. Josephsthal hervorgehobene Tatsache gewürdigt werden, daß durch einen historischen Prozeß die Mehrheit der Juden Deutschlands von der Tradition losgelöst wurde und nicht durch Ermahnungen zurückgeführt werden könne, sondern nur durch einen tiefen inneren Prozeß, der heute gewiß noch nicht genügend weit gediehen ist. Dr. Josephsthal betonte die Notwendigkeit der charakterlichen und arbeitsmäßigen Vorbildung für ein Leben jüdischer Erneuerung, die der Hechaluz seinen Menschen zu geben gewillt ist. Im Laufe der Debatte wurden noch hier und da Einwände und Kritik laut. Aber im großen ganzen betrafen diese nur Nebengebiete, so daß aus der Debatte der Eindruck entsteht, daß die große Linie der von der ZVfD. vertretenen Politik, die im Schlußwort Dr. Franz Meyer nochmals wirkungsvoll und überzeugend zusammenfaßte, bei der Mehrheit des Delegiertentages keinen wesentlichen Einwendungen begegnet. Der zweite Tag bringt die Kulturdebatte und am Unter den Ehrengästen in der Lm'jbcmerb.te man Frau Lola llahn-Warhurg, l'rof. <Jtto W'arburi; und Dr. Kurt Singer Abend das Referat Blumenfelds über die Lage im Zionismus. Die Nachmittagssitzung mit der Kulturdebatte ist eben irn Gange, während diese Zeilen in Druck gehen. Mari darf annehmen, daß diese Punkte der Tagesordnung dem Delegiertentag noch stärker sein Gepräge geben werden als der erste Tag. Die Eröffnung f>er Dclcgiertentag wurde in Anwesenheit von weit über 300 Delegierten, die alle zionistischen Ortsgruppen Deutschlands^ vertraten, zahlreichen Ersatzdclegierten, di u Mitgliedern des Gesehäftsführenden Ausschusses und des Landesvorstandes wie Hunderlen von Gasten um Irr i Uhr nachmittags von Dr. Franz P' eyer eröffnet. Er begrüßte besonders die Vertreter der führenden Körperschaften der Judenheit Deutschlands, unter denen er die Repräsentanten der Ueichsvertretung, des Preußischen Landesverbandes und der übrigen Landesverbände, der Jüdischen Gemeinde Berlin, des Reichsverbandes Jüdischer Kulturbünde und der übrigen großen Organisationen hervorhob. Mit besonderer Freude begrüßte er Kurt B 1 u m e n f e 1 d und Dr. Georg Landauer, die als Gäste aus Palästina zum Delegiert entag gekommen waren. Dr. Meyer sprach die Grüße des Delegiertcntages an die Zionistische Exekutive und an unsere Freunde in Palästina aus. Er gab sodann das Wort zu einer Begrüßung an Kurt Blnmenfeld Dieser erinnerte an die Schwere der zionistischen Arbeit in den vergangenen Jahren und betonte, daß der größte Teil der Mitarbeiter vorn letzten Frankfurter Delegiertentag heute in Palästina lebt. Man schätze in Palästina die Leistung sehr hoch ein, die von Zionisten in Deutschland vollbracht wird. In diesem Zusammenhange sprach er besonderen Dank dem Vorsitzenden der ZVfD., Dr. S. Moses, aus. Der Frankfurter Delegiertentag habe, so betonte Blnmenfeld weiter, die Judenfrage so eindeutig wie niemand sonst erkannt. Wir müssen uns jetzt klar werden, ob wir den als richtig erkannten Weg weitergehen wollen. Zum Schluß übermittelte Blumenfeld die Grüße der Hitachdutli Olej Germania und wies darauf bin, daß das Beste, was wir für den Aufbau liefern können, der jüdische Mensch selbst ist. Nachdem Dr. Franz Meyer den ehemaligen Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation Prof. Otto Warburg, der inzwischen erschienen war. begrüßt hatte, erklärte er den Delegiertentag für eröffnet. Es folgte die Wahl des Präsidiums Auf Vorschlag von Dr. Rabau wurden gewählt: Zum Vorsitzenden Dr. Siegfried Moses, zu Stellvertretern Dr. Egon Rosenb e r g, Pabb. Dr. Jakob Hoff naan, Frankfurt a. M., Amtsgerichtsrat a. D.Otto M a y. Köln, und I)r. Josef Neubörger, Düsseldorf. Die Leitung übernahm Dr. Egon Rosenberg, der das Wort Dr. Siegfried Moses nt seinem Referat gab. Blich aufs Podium während der Eröffnungsansprache von Dr. Franz Meyer. Rechts unten: Rahb. Dr. Jakob Hoff mann spricht in der Generaldebatte Fol«: Herbert Sonm.uid

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