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Jüdische Rundschau · 1936-01-31 · Heft 9 (31.1.1936) · page 17

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 9 (31.1.1936)
Date
1936-01-31
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 9, 3U. 1936 JODISCHE RUNDSCHAU Seite T7 Kulturarbeit der Hitadiduth Olej Germania in Haifa Den Erstaunen der allen Zionisten im Jahre 1933 darüber, daß plötzlich so viele Juden aus Deutschland den Weg nach Palästina fanden, die noch vor kurzer Zeit jede Mitarbeit in der Zionsitischen Organisation verweigert hatten, folgte bald die Erkenntnis, daß man gerade diese Menschen mit den Problemen des Landes und des Aufbaus vertraut machen müsse. Die früheren aktiven Mitarbeiter der ZVfD. sahen ein, daß ihnen auch in Palästina keine Ruhepause in ihrer zionistischen Arbeit beschieden sei, und daß sie unter demselben Menschenmaterial wie früher in Deutschland auch in Palästina an die zionistische Arbeit zu gehen hätten. So nahm die HOO. von ihren ersten Anfängen an die Kulturarbeit in ihr Programm auf, denn die Einordnung der neuen Menschen bedeutet ja fiehr, als ihnen bei der Erlangung einer Position, der Begründung eines Betriebes usw. behilflich zu sein. Man muß den Njchtzionisten klarmachen, daß es für das Land erforderlich ist, in die zionistischen Reihen einzutreten, und mit der verspäteten Rückkehr zum Judentum nach der Rückkehr ins Judenland die wirkliche Verwurzelung zu vollziehen, die allein aus Emigranten Vollbürgcr machen kann. Daß hierbei die hebräische Sprache das wichtigste Instrument der Einordnung ist, wurde von der HOO. von Anfang an mit aller Deutlichkeit betont, einmal, weil es ohne die Sprache keine endgültige Verschmelzung der verschiedenen Teile des Volkes gibt, und weil ohne sie dem Unkundigen ja auch dauernd die Rückkehr zu den Quellen des Judentums versagt ist. Ohne diese Rückkehr zu den Quellen wird aber das jüdische Volk im Orient immer gefährdet sein, der Assimilation an den Levantinismus, d. h. an die Unkultur, anheimzufallen. Selbstverständlich war und ist es notwendig, die neuen Olim zur Erlernung des Hebräischen in deutscher Sprache aufzurufen, und zwar solange, wie noch neue Einwanderer kommen, die die Sprache nicht verstehen und daher immer von neuem ermannt werden müssen. So muß die HOO. auch weiter Veranstaltungen in deutscher Sprache abhalten, wird aber dabei in immer stärkerem Maße für die wachsende Zahl der hebräisch Verstehenden zu hebräischen Vorträgen, Kursen und Seminaren übergehen. In Haifa finden zur Zeit 9 hebräische Kurse in den verschiedenen Stadtteilen statt; etwa 300 Schüler lernen in diesen Kursen. Daneben bestehen noch weitere Veranstaltungen von verschiedenen Organisationen, wie z. B. der Histadruth, und einiger Vereine, an denen ebenfalls Olim aus Deutschland teilnehmen, abgesehen von denjenigen, die allein oder in kleineren Privatzirkeln lernen. Etwa 12 hebräische Lehrer dürften von dieser Tätigkeit in Haifa ganz oder teilweise ihren Lebensunterhalt beziehen. Kurse gibt es für Anfänger und Fortgeschrittene, wie z. B. einen Tcnach- Kurs und Stilübungen. Das Verständnis für das gesprochene Hebräisch wird geweckt und verstärkt durch eine hebräische Vortragsfolge. Es sprachen: Dr. Rileski über „Die östlichen und westlichen Strömungen im palästinensischen Judentum" und P r e ß mann über den Dichter Tschernikowski. Am Schabbat findet eine hebräische Lesestunde statt; das erste Thema heißt: „Humor in der hebräischen Literatur". Die deutsche Vortragsfolge beschäftigt sich zur Zeit mit aktueller. Fragen. Dr. Auerbach sprach über die „Araberfrage", Dr. Bileski über „Englische Politik in Palästina". Es folgt ein Vortrag von Dr. S o 1 ow e i t s c h i k: „Die Krise des deutschen Judentums im Rahmen der Geschichte". Zwei Vorträge von Dr. Kastein über „Die Sage von Ahasver" und „Das Geschichtserlebnis des Juden" gingen voran. Neben dieser Tätigkeit der HOG. geht eine weitere Beschäftigung mit kulturellen Fragen in weiteren Kreisen und Vereinen. Dr. Elk (früher Stettin) hat in Haifa eine Gemeinde „Beth Jisracl" gegründet, die das religiöse Gefühl ihrer Mitglieder wecken soll, Gottesdienste und belehrende Vorträge, insbesondere für die Jugend, veranstaltet. Auch der Verein „Agudath Achim" belehrt seine Mitglieder durch hauptsächlich jüdische Themen. Cle Einwanderer aus Deutschland stellen auch einen nicht unerheblichen Prozentsatz der Besucher allgemeiner kultureller Veranstaltungen, z. B. der Haifaer Volks Universität, die auch in diesem Wintersemester wieder eine Reihe von interessanten Vorträgen aus dem jüdischen und allgemein-wissenschaftlichen Gebiet geboten hat, ohne allerdings eine zweite Ausstellung zu veranstalten. Sie besuchen auch die Theaterauftührungen von „Habimah", „Ohel" und pMatatee" und sind an der Gründung eines eigenen hebräischen Theaters für Haifa eifrig beteiligt. Sie nehmen teil an den Konzerten und Ausstellungen. Letztere werden jetzt in den Buch- und Kunsthandlungen von Nagler und Ringart veranstaltet. Bei Ringart sah man den Maler Jitzchak Frankel, die Malerin ff a m m e r s c h I a g - B e r g e r, die Gebrauchsgraphikerin Berlin-Joel; bei Nagler den Maler Merom Sima, Plastiken von Lilo Gumperz, Photo- -raphien von Fern bach-Puch s und die Malerin Sarah "Jener. Dr. Albert Ba er, Haifa ir; Der Leiter der Abteilung für Industrie-Förderung bei der Jewish Agency in Jerusalem N. T i s c h b y feierte kürzlich seinen 50. Geburtstag, und aus diesem Anlaß haben eine Anzahl von Freunden in Jerusalem ein Heft herausgegeben, worin die Verdienste Tischbys um die Entwicklung der Industrie in Palästina dargestellt werden. Tischby war schon unmittelbar nach dem Kriege in London in der Wirtschaftsabteilung der Zionistischen Organisation mit der Zusammenstellung verschiedener Projekte betraut und hat einen großen Reichtum an Einfällen und Ideen bewiesen, die er seit seiner Uebersiedlung nach Palästina unmittelbar in die Praxis umzusetzen versucht. Die Experimente Tischbys, der Versuch, geeignete Einwanderer für die Ausführung von mutigen Plänen auf dem Gebiet der Industrie zu gewinnen, die Beschäftigung mit allen die Industrie angehenden Fragen wie Zoll, Absatzmärkte und nicht zuletzt Ausstellungen haben Tischby nicht nur zu einem erfahrungsreichen Spezialisten gemacht, sondern auch in unzähligen Fällen, unbemerkt von der großen Oeffentlichkeit, zu praktischen Resultaten geführt, die für das Wirtschaftsleben des Landes von Bedeutung waren. Es ist daher berechtigt, wenn man an einem solchen Tage dem Jubilar für die geleisteten Dienste dankt und ihm eine weitere segensreiche Tätigkeit wünscht. A NEUE BAUTEN Links: Die neue Stadtbibliothek von Tel-Awiw, die von Prof. Heinrich Loewe, früher Berlin, geleitet wird — Mitte: Das neue Belh Olim in Jerusalem, eine Stiftung der Bne Brith-Loge — Rechts: Das neue Museum in Tel Awiw. Fotoi; P«!-Pr«u Mit Huberman in Palästina Wir haben mehrfach über die Konzerte Hubermans in Palästina und auch über seine Bemühungen, ein Orchester in Palästina zusammenzustellen, berichtet. Es ist sicherlich in künstlerischer ebenso wie in jüdischer Beziehung eine bedeutende Tatsache, wenn ein so großer und auf der ganzen Welt anerkannter Künstler wie Huberman , sich der Organisierung des Musiklebens in Palästina widmet. Huberman hat über seine Idee auch bereits außerhalb Palästinas eine Reihe von Vorträgen gehalten. Mit welcher Energie und Hingabe sich der Künstler seinen Plänen widmet, entnehmen wir einem Bericht, der uns aus dem engsten Mitarbeiterkreis Hubermans zugeht. Die Verfasserin des Berichtes, die auch an der Organisation des Palästina-Orthesters aktiv beteiligt ist, hat Huberman auf seinen Reisen durch Palästina begleitet und schildert nun ausführlich die Eindrücke dieser Fahrten durch das Land und die gewallige Resonanz der Huberman-Konzertc. Wir entnehmen dieser Darstellung die nachfolgenden Zeilen: . . . Während die Gegend wie ein Traum an uns vorübcrgleitet, sind die Gespräche, die wir ununterbrochen in äußerster Angcspanntheit führen, klar und wach. Sic haben manchen wichtigen Gegenstand: die hebräische Sprache, die jüdische Religion, die nie zu Ende diskutierte Frage der „jüdischen Musik", sie kommen aber zwangsläufig immer zurück auf das eine uns alle in Atem haltende Thema, auf den Aufbau des palästinensischen Musiklebens, der seinen großen bestimmenden Anfang in der Gründung des Palästina-Orchesters finden soll. Die Verwirklichung dieser Idee, der die bereits vielen von namhaften Musikern geleisteten Vorarbeiten dienen, ist die Kardinalaufgabe, die sich Huberman gesetzt hat, ihr gilt sein wiederholter Aufenthalt in Erez-Israel, ihr gilt, wie es scheint, sein ganzes Leben. Für sie werden die einzigartigen weitausgestreckten internationalen Beziehungen des Künstlers ausgewertet, für sie steht er jeden Abend avif dem Podium, reißt das die Säle überfüllende Publikum zu begeistertem Beifall hin. Für seine Idee spricht er in den Pausen seiner Konzerte wie ein geborener Volksredner, der in nachtwandlerischer Sicherheit spontan den Kontakt mit seinen Hörern herstellt, für sie hält er bei Presseempfängen improvisierte Ansprachen, in denen durch die Klarheit seiner Vorstellung und seines Willens jedes Wort abgewogen und ins Schwarze treffend ist. Dieser Gedanke hält ihn wach und fähig zu unablässigen Verhandlungen mit den bedeutendsten Vertretern des palästinensischen Musiklebens, mit den maßgebenden Finanzleuten und mit den Führern der Arbeiterschaft. Ist schon die Fahrt in dem dichtbeset/ten Auto keine Erholung, so fängt nach der Ankunft in einer Kolonie oder Stadt erst recht ein Leben ohne jede Pause an. In der Hotelhalle wartet stets eine Menge von Allerweltsfragern, von bereits zur Verfügung stehenden Mitarbeitern und von Musikern, die sich für das Probespiel zum Orchester gemeldet haben, uiid die alle angehört werden müssen. Jeder wird beachtet und von Huberman und seinem engsten Mitarbeiterkreis gründlich geprüft, und wenn der Musiker fürs Orchester geeignet befunden wird, dann hat er zugleich den Stempel der besten Klasse. Denn es wird ein mit durch die intertcrritorial-judiNchen Verhältnisse und dann durch die nach den strengsten Qualitätsmalistaben durchgeführten Personen-Auslese bestimmtes Kennzeichen dieses Palästina-Orchesters sein, daß es sieh vornehmlich aus Solisten, aus Konzertmeistern, kurz aus Instrumcntalisten von hohen Graden zusammensetzt. „Das hervorragendste Orchester im kleinsten Lande", dies ist die Formulierung, die Huberman für seine Ansprüche gefunden hat. Dr. Else Lewertoff-Th alheimer. VOM FIRST Hoch vom Bergfirst tauchte meine Liebe oft Ins Land hinab, Wo es frei von Grenz zu Grenze seinem Sehenden sich gab, Und ich riet mit langen Blicken träumende Gewaiten wach Und Ich horchte, wie das Land In Gründen und in Lullen sprach. Bote seiner ganzen Breite, hob sich her die weifee Stadt, Runde Hange eul und nieder wanderte mein Herz sich satt, Tie! In mütterliche grüne Schluchten schmiegte sich mein Sdiaun, Steigend spülte es sich klar und kühl im windig weiten Bleun. Westlich schlug das Sieingewoge eui ein ungeheures Tor, Und des Tieflands ackerselige Fleche flügelte empor. Dann ein Lichtstreit gelber Dünen; dann ein schwindendes Ge weh; Dunstumhauchte Silberplatien schwebten in der groben See. Oeslllch über sinkenden Kuppen, ein entrücktes Wolkenfliehn' Sah ich Moabs rosene Höhen ihre Himmelsuter ziehn. Hin und wider wob mein Segen zwischen tief- und hohem Strand, Und wie einen Gürtel schlang Ich meine Seele um das Land. Jerusalem LUDWIG STRAUSS tMII!MinimillllHIMHMMIIMi;MMIirrUIMIlMMMIIlM1[!ttIlirM1MfHmttMH1IMI)IIIU((IIMIIMllltMMlllllHllinillll4lll:niUlllllillt4l(ll1 Lin Schabbat-Buch Die Gesellschaft „Oneg Schabbat" in Tel Awiw kündigt die bevorstehende Herausgabe eines Schabbat- Buches an. Fs handelt sich um eine ausführliche Bibliographie über Wesen und Wert des Schabbat im Leben des jüdischen Volkes, im Denken, Dichten und in der Praxis, von der Zeit der Thora bis auf unsere Tage. Der Gedanke der Herausgabe des Buches stammt von Bialik, der auch zu seinen Lebzeiten noch den allgemeinen Plan des Buches und die Richtlinien für die Herausgabe aufgestellt hat. Das Buch ist in 15 Abteilungen eingeteilt und umfaßt mehr als 30 Druckbogen. Die Redaktion besorgte Rabbiner Dr. Jacob Nacht unter Beteiligung des Schriftstellers Salman Epstein. Kunstausstellung in Jerusalem. Am 18. Januar eröffnete der bereits seit über zehn Jahren im Lande ansässige, als Gebrauchsgraphiker und Innenarchitekt bekannte Künstler M. L e n d e r eine Ausstellung in der „Galeriah Hechadaschah". Die Stärke Lenders liegt in den Landschaftsaquarellen; vor allem seine Ansichten der Stadt Safed sind überaus anmutig. Aber über das Anmutige steigert sich Lender nie. Seine Akte, vor allem die Oelmalereien, sine" durchaus schülerhaft, oft dilettantisch. Schalora Ben-Chorin DR. HILLEL JOFFE der soeben in Palästina gestorben ist, war als Arzt und Mensch ein echter Pionier, der sich die größten Verdienste um das Jüdische Nationalheim erworben hat. Joffe war seit dem Jahre 1891 in Palästina und seit 1895 dort als Arzt tätig, also zu einer Zeit, wo von Baifour - Deklaration und Mandal nicht die Rede war, ja llvrzls ,,Judenstaat" noch nicht einmal erschienen war. Das Land war damals in einem Zustand trostloser Hüehstündigheit und Verseuchung. Joffe hat insbesondere den Kampf gegen die M al ar ia mit großer Aufopferung geführt und hat die ganzen Jahre hindurch dem wachsenden Jischuw als Helft r und echter Mi nschenjreund zur Seite gestanden, I eher seine medizinischen Forschungen hat er eine Heilte eon wissenschaftlichen Arbeiten veröffentlicht. Auch um die Entwicklung der chowewe-zionislischcn Kolonisation hat er sieh große Verdienste erworben. ^_K. to r»r«!.«.-h fc F.rht, Haiti „Hanna Gitel'' in Haifa. Jizchaks Landsbergs originalpalästinensische Komödie „Hanna Gitel sucht Arbeit", die in der Inszenierung von Alfred Wolf Anklang beim Publikum findet, wird am lü. Februar auch in H a i f a gezeigt. N 6 U 6 VePtPßtUntj: iiiwimiHiiMuMiHiimniimiimnimimiiiiMtifflif MÜNCHEN Palestine Express Co. Vertretung für Bayern: Reisebüro Bierschenk Nflg. Kariapiiti 3. Telefon I 296 032 niiiiiiiimiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiHMiiimim Abi-Leiterin: Frau Holzinger w ™ zuKuntt Ihrer Kinder ™ Sa die« Landschulheim Florenz Höhere Schule und Internat 1. Schulbildung bis zum Abiturium 2. Für Knaben und Mädchen von 6—18 Jahren 3. Unter Leitung bewährter Pädagogen 4. Studienberechtigung in fast allen Staaten 5. Werkunterricht, Landarbeit, Haushaltkunde 6. Vorbereitung för Palästina 7. Aerztliche Ueberwachung, individuelle Förderung 8. Schönste Umgebung, gutet Klima, Sport 9. Erstklassige Verpflegung 10. Zeitgemäße Preise — keine Transferschwierigkeiten Auskünfte und Prospekte durch die Leitung: Oberreg.-Rat Dr. uferner Peiser Dr. IYI. Goldstein Florenz, Villa Pazzi, Pian dei Guillari Neuaufnahmen zum 1. III. und 1. IV. 1936

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