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Jüdische Rundschau · 1936-01-31 · Heft 9 (31.1.1936) · page 16

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 9 (31.1.1936)
Date
1936-01-31
Page
– (sequence 16)
Language
German
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S*t»* 1* Modische Rundschau Nr. 9, 31. I. 1936 Das Problem von 'Aqaba Von M. Y. Ben-gavriel Eine Meldung der letzten Tage besagt, daß im Februar neue Verhandlungen zwischen England und der Ssaudiye betreffs des Hafens von 'Aqaba stattfinden werden. Diese*Nachricht, besonders in Verbindung mit der Tatsache, daß der High Commissioner Palästinas, General Wauchope, seinen Wcihnachtsurlaub in diesem nichts weniger als einladenden Wüstenstädtchen verbrachte, läßt erkennen, dali dieses auch für Palästina wichtige Problem wieder einmal, diesmal anscheinend endgültig, aufgerollt wird. Der kleine, aber außerordentlich günstig gelegene Hafen am Nordost zip fei des Roten Meeres — das Ezeongaber der Bibel —, dessen Schlüsselstellung die transjordanische Stadt Ma'an ist, war schon im Weltkrieg durch die Deutschen, welche die enorme strategische Wichtigkeit des Platzes erkannt hattetbefestigt worden. N'ach dem Kriege gehörte 'Aqaba wie das die Hedschasbahn deckende Ma'an zum neugeschaffenen Staat Hedschas des Scherifen von Mekka, wurde aber dann, als die Wahhabi unter König Ibn Saud den Scherif vertrieben, stiil und ohne Aufheben von den Engländern zu Transjordanien geschlagen. Natürlich gab der Wahhabi dazu keineswegs seine Zustimmung; da er aber mit der Konsolidierung seiner Herrschaft überaus beschäftigt war, wozu er Englands Hilfe brauchte, unternahm er, abgesehen von zwei durch englische Flieger in aller Freundschaft abgehaltenen Vorstößen seiner Katnolreitcr, keinen ernsthaften Versuch, die Sache zu regeln. Auch nachher, 1025, im Abkommen von lladdah, erhob er zwar Protest, erklarte sich aber mit der Grenzregulierung als Provisorium einverstanden, wobei eine spatere Regelung, ähnlich wie in Sachen der Hedschasbahn. vorbehalten blieb. Transjordanien hatte nun einen — wenn auch nicht ail/n eifrig benutzten — Ausgang zum Meer, die wichtige Stadt Ma'.-in und die aus den Kämpfen zwischen den Deutschen und Türken und dem Oberst Lawrence bekannte 1 i>enb,i!iiistaiioti Mudowarah. Wenn nun auch in den letzten Jahren /wischen Transjordanien und den Wnhluhi em uukIin vivendi geschaffen wurde, nrufi aber dennoch schließlich die 'Aqaba-I'rage geregelt werden; die Wichtigkeit des Platzes drängt, besonders in dieser Zeit der Spannung im Vorderen < trient und im Mittclmccr, gchicteri-ch da/u. Worin nun bestellt diese Wichtigkeit? In erster und letzter Linie in seiner überragenden geographischen Situation zwischen Aegypten und dem englischen 'Aden, zwischen England um! Indien, also als Scheitelpunkt des arabischen Sichcrheitsdreiecks, dessen anderer Scheitelpunkt 'Aden im Süden und Kowet im Osten lieibt. 'Aqaba aber ist auch gleichzeitig der Endpunkt einer Linie, die im neuen englischen Großhafen Ilaifa ihren Ausgangspunkt nimmt und die eine*. I nges den Suc/kanal wenn nicht gerade zu ersetzen, aber für 'I riippentiatNportc entbehrlich machen kann. Die Idee, vorn Südende de-. Toten Meeres in Palästina eilten Kanal nach 'Aqaba am Roten Meer zu bauen, ist wohl noch nicht ausführbar, aber der Ausbau einer großen Autostraße auf dieser Strecke ist beinahe vollendet. Ist aber diese Angelegenheit einmal erb. Jigt, dann bedarf es gar keines Krieges, um die überragende Wichtigkeit 'Aqabas zu* beweisen. Dann wird nämlich die Potash Co am Toten Meer ganz Ostasien und vielleicht auch Amerika mit Kaüdcrivatcn versorgen können, ohne die großen Kanalgebühren einkalkulieren zu müssen. Es scheint, als würde das Provisorium von 'Aqaba bald in ein Definitivum umgewandelt werden. Daß dieses Definitivum aber englisch und nicht wahhabisch sein wird, kann schon daraus entnommen werden, dali die Engländer in 'Aqaba Kasernen bauen und dali die Strafte durch die Sinai-Wüste so gut wie benutzbar ist und nicht zuletzt daraus, daß die unter englischer Kontrolle stehende Potash Co. ein sehr großes Werk auch am Südende des Toten Meeres erbaut hat, das wohl bald die Zentralförderungsstelle für die wichtigen Produkte dieser Gesellschaft sein wird. Es ist primär durchaus nicht wichtig, ob 'Aqaba dauernd und offiziell m Transjordanien kommt oder aber ob es, wie gewisse cngh<che Kreise vorschlagen, als englische Kolonie erklärt wird, wichtig ist mir, daß es die Ergänzung des Hafens Haifa sefn wird. Es wird ein englischer Hafen sein, zumindest so lange, als England Interessen in Indien und in Arabien hat, solange englische Kriegsschiffe mit Oed gefeuert werden ~ und solange nicht Japan die asiatische Monrc c-l >oktrin nn die Tore Bagdads nagelt. Ihn Saud aber wird K o m p e n s a t i o n e n in anderen (legenden bekommen, denn Ibn Sand ist heute eine Macht von großer Wichtigkeit, er ist d i e Macht Arabiens. Panarabische Solidarität Weiteren Nachrichten zu den Vorgängen in Serien («s. vorstehend* Seite) entnehmen wir: Es liegen Meldungen vor, denen zufolge der als Rebell verbannte Drusen suitan E! A t r a > h nach 1 ühluugn ih.r.ie mit den transjordatiischcn Extremisten sich bcrcitei klart haben soll, nach Syrien zurückzukehren, um die Führung des Aufwandes zu übernehmen. Aus Damaskus wird gemeldet, daß der Vorsitzende der syrischen NatioiwlMcnpartvi, Anton S a a d, wrr/en antifran/ö-i-eh. z Betätigung zu einem halben Jahr Gefängnis venu teilt wordtn ist. Di» Arahdbctt-vtmg g. gen die fianzö-Kche Mandatsherrschaft hat auch in Transjordanien, dem englischen Mandats;: i hn t, Svmpathie gefunden. Am Dienstag ist in Transjordanien der Generalstreik proklamiert worden. In Damaskus allein haben sich 50 Geschäftsleute gezwungen gesehen, Konkurs anzumelden. Jerusalem, 28. Januar. (JTA.) Die Tageszeitung „El Liwaa'' berichtet, daß in dem neuen Freu n dsch .ifts vertrag zwischen Irak und dem Reiche des Königs Ibn Saud eine Klausel enthalten sei, deraifolge beide Regierungen sich verpflichteten, auf Großbritannien dahin einzuwirken, daß es das P a 1 ä s t i n a p r o b I e m entsprechend den Zusagen, die die Araber erhalten hätten, löse. Das Neueste in Kürze Dr. Weizmann, Dr. Ruppin, Ben Ourion und Mosche Schertok besuchten am 26. Jarfuar Sir Arthur Wauchope in dessen Privatwohnung und hatten mit ihm eine mehr als einstündige Unterredung. Bei der letzten Sitzung des Senats der Hebräischen Universität Jerusalem erklärte der Rektor Prof. Dr. -Hugo Bergmann gegenüber der Meldung der arabischen Zeitung „El Liwaa", derzufolge er, Dr. Magnes und Dr. Lurie zum High Commissioner berufen gewesen und zum Legislative Council zustimmend Stellung genommen haben sollen, es sei zwar richtig, daß er vom High Commissioner eingeladen wurde, doch seien in dem betreffenden Gespräch ausschließlich Angelegenheiten der Universität, wie Diplomverteiluagen u. dgl. besprochen worden. Politische Fragen habe man überhaupt nicht berührt. Aus Metulla wird berichtet, daß im Laufe des letzten Monats 60 illegal eingewanderte Araber aus dem nordgaliläischen Grenzgebiet nach Syrien zurückgeschickt wurden. Nach Rosch Pina wurden zwei Beamte entsandt, die die Grenzwache bei der Ausforschung illegal Eingewanderter unterstützen sollen. Die J c r u s a le m e r Stadtverwaltung teilte mit, daß sie bereit sei, eine Konzession für Gasversorgung für Kochzwecke, jedoch nicht für Beleuchtungszwecke, zu erteilen. Es wurden Anträge von drei Gruppen eingereicht. V'izebürgermeister R o k ca c h hat dem Stadtrat von Tel- Awiw den Haushaltsvoranschlag fn der Höhe von 539 172 Pfund vorgelegt. Die größten Ausgabeposten sind die für Schulwesen (i2jSI2 Pfund) und für Gesundheitswesen (130 170 Pfund). Das vorjährige Budget der Stadt Tel-Awiw betrug 455 313 Pfund. Die Wohnungskommission der Tel-Awiwer Stadtverwaltung beschloß, die Verlängerung der Bestimmung über Mietsbeschränkungen für ein weiteres Jahr zu empfehlen, da in Tel-Awiw auch weiterhin eine Tendenz zur Steigerung der Mieten besteht. Die Jerusalem er Kehilla hat einen Rat gegründet, dem die Frage des rituellen Schächfcns sowie die Synagogenangelegenheiten unterstellt sind. In dem. Rat sind alle jüdischen Richtungen vertreten. Die Bestrebungen Dr. Chaim Weizmanns und des Vorsitzenden des Kolrmistenverbandes Mosche S m i I a n s k y, die innere Einheit des, palästinensischen Jisehuw zu fördern, haben zu dem Abschluß einer Vereinbarung geführt, derzufolge die jüdischen Kolonisten sich verpflichten, die Zahl der jüdischen Arbeiter in ihren Betrieben nach Möglichkeit zu erhöh e u. Nach längeren Verhandlungen des Kolonistenverbandes mit der Regierung sollen nunmehr beschleunigt Erhebungen übe/ die durch die Verkleinerung der Orangen-Ernte bedingten Verluste durchgeführt werden. Von dem Ergebnis dieser Untersuchung wird es abhängen, in welchem Ausmaß die Landwirtschaffssteuer herabgesetzt werden soll. In der „Palestine Gazette" wird angekündigt, daß die Regierung für die landwirtschaftliche Ausstellung auf der Levante-Messe ein besonderes Komitee unter Leitung-von M. T. Dawe, dem landwirtschaftlichen Rcgicrungsinspektor, eingesetzt hat. Gesetzliche Einschränkung des Bodenverkaufs? Einspruch Dr. Weizmanns Jerusalem, 2S. Januar. (JTA.) Die Palästina-Regierung bereitet ein Gesetz vor, durch das der Verkauf von landwirtschaftlichem Besitz, bis zu einem gewissen Höchstausmaß, das je nach der Lage des Bodens im Gebirge oder in der Ebene, den Bewässerungsverhältnissen und der Entfernung von städtischen Siedlungen mit 120 bzw. 85 oder 50 Dunam festgesetzt wurde, verboten wird. Von diesen Bestimmungen soll der Distrikt Beer Schewa, der wasserarm ist und in dem es keine jüdischen Siedlungen gibt, ausgenommen werden. Es wird berichtet, daß Dr. Chaim Weizmann dem High Commissioner Sir Arthur Wauchope im Hinblick auf diesen Gesetzentwurf die Einwände, die vom jüdischen Standpunkt gegen ein solches Gesetz erhoben werden müssen, bekanntgegeben und dabei auch die Frage des Legislative Council zur Sprache gebracht habe. Dr. Weizmann machte den High Commissioner darauf aufmerksam, daß die von der Regierung in letzter Zeit befolgte politische Linie die Grundlagen des Jüdischen Nationalheims zu zerstören drohe Wie verlautet, wird die Errichtung dnef syrisch« palästinensischen Handelskammer geplant Die Phoenlcia Glaswerke in der Haifa-Bay haben mit Sprengarbeiten im Zusammenhang mit der Erweiterung der Maifaer Hafenanlage begonnen. Die Seidenfabrik Sachs in Ramat Gan, die vor einiger Zeit wegen japanischen Dumpings geschlossen wurde, wird wieder eröffnet, nachdem ein Zollschutztarif in Kraft getreten ist. In Kürze wird in Palästina eine neue Schokoladenfabrik eröffnet werden. Die Einnahmen des Keren Hajessod in den ersten drei Monaten des Jahres 5696 beliefen sich auf £ 63 000, so daß der Voranschlag des Kongresses für diese Zeit um £ 6000 überstiegen wurde. Der amerikanische Orden Brit Abraham beschloß, auf Boden des Jüdischen Nationalfonds in Palästina eine „Brit Abraham-Kolonie" für deutsche und polnische Juden aus eige» nen Mitteln zu gründen. Der in Haifa lebende 80jährige Zeew N ei man erklärte, er habe das Geheimnis der alt-ägyptischen Baisami e r u n g aufgedeckt. Die Angelegenheit wird jetzt von Chemikern der Jerusalemer Universität untersucht. Im Tel-Awiwer Altersheim wurde der hundertjährig e Geburtstag eines der Insassen gefeiert In Tel-Awiw fand am 23. Januar, dem 9. Todestage Ach ad Haattis, am Grabe eine Versammlung statt. Traditionsgemäß wurden keine Reden gehalten, sondern dem Toten eine schweigende Huldigung dargebracht. Die palästinensische Großloge der Bne Brith hat eine neue Loge gegründet, die nach Chaim Nacliman Bialik benannt ist. Der Vorsitzende der von dem vorletzten ZionistenkongreB in Prag eingesetzten Kommission für die Ueberführung der sterbliehen ueberreste Theodor Herzls nach Palästina, Dr. Michael Ringel, ist von der Zionistischen Exekutive in Jerusalem zu einer Anfang Februar stattfindenden Sitzung eingeladen worden, in der die endgültigen Beschlüsse über die Beisetzung Theodor Herzls in Palästina gefaßt werden sollen. Der vor einem Monat aus Deutschland eingewanderte 23jährige Mendel Nagel fand bei einem Unfall im Steinbruch nahe Rishon le Zion, wo er in Arbeit war, den Tod. Das Jaffaer Bezirksgericht verurteilte vier jüdische Falschmünzer, deren Ergreifung vor einigen Monaten großes Aufsehen im Lande erregte, zu Gefängnis von je via Jahren. Der Leiter des Er/iehungsdeparternents der Regierung, Bowman, sandte an die Schriftsteller, die die Preise des Bialikinstituts erhalten haben, Glückwunschschreiben. Die hebräischen Schauspieler David Vardi und Chawa Joalit haben in Tel-Awiw eine Hochschule für Schauspielkunst gegründet, die den Namen Chasijon (Schauspiel) führt. Die neue Schule soll einerseits Kräfte für die palästinensischen Bühnen, andererseits lnstruktorcn für die mit der Schule in Verbindung stehenden Jugendorganisationen und dramatischen Zirkel der Diaspora ausbilden. Zur Geschichte der „Haschomer"-Bewegung In dem seit kurzem erscheinenden Organ des „Archiwion ha-awoda", des Archivs der Arbeiterbewegung, veröffentlicht Israel S c h o c h a t, einer der Gründer des „Haschomer", Erinnerungen an die Frühzeit dieser Bewegung. Der Vorläufer des Haschomer war der Orden Bar G i o r a, der 1907 gegründet wurde. Zu den Zielen des Ordens gehörte schon damals die Verteidigung des Jisehuw und die Uebcrnahme des Wachtdienstes durch die Juden, die später die Ziele der I laschoiner-Bewegung wurden. Der Orden hatte bei seiner Gründung acht Mitglieder, die sich verpflichten mußten, ihre bisherigen Beschäftigungen aufzugeben und jede Verbindung zu ihren Familien zu lösen, um sich ganz den Zielen des Ordens zu widmen, der unbedingten Gehorsam von ihnen verlangte. Der Orden wurde in einer arabischen Plantage gegründet, wo eines der Mitglieder wohnte. Der erste Refehl, der ausgegeben wurde, gebot den Anhängern,- ins Galil zu gehen und den Wachtdienst zu übernehmen. Der SOEBEN ERSCHIENEN 3 JT j%. H JE iE ZIONISTISCHE BEWE6IIJICI IM »EUTiCHLAIVD Sonderdruck des Berichts der ZV/D an den XXV. Delegierten -Tag VERLAG JÜDISCHE RH Ii DSC HAU HF.HL1N W 15 MEtNRKESTR. 10 Wachtdienst war in den meisten jüdischen Kolonien bisher so organisiert gewesen, daß man sich einen Wächter durch den benachbarten Beduinenscheich mietete, der sich dafür bezahlen lieb", daß die Leute seines Stammes nicht bei den Juden stahlai. Der Wachtdienst selbst war so eine bloße Formalität. Die Anhänger des Ordens sahen darin eine Tributzahlung an die Araber und eine Entwürdigung der Juden. Sie wollten den Wachtdienst selbst übernehmen. Dem standen aber folgende Schwierigkeiten entgegen: 1. Sie waren selbst Intellektuelle und im Gebrauch der Waffen unerfahren. 2. Die jüdischen Kolonisten waren nicht willens, ihnen den Wachtdienst zu überlassen, weil sie blutige Zusammenstoße mit den Aiabern und afs Folge daraus eiire Blutfehde zwischen Juden und Arabern fürchteten. 3. Die Araber waren nicht bereit, auf die einträglichen Abmachungen mit den Juden zu verzichten. Sechs Monate lang arbeiteten die Mitglieder des Ordens daran, sich mit der Waffe auszubilden und sich an den Wachtdienst in der Nacht zu gewöhnen. Eine kurze Zeit des Wachtdienstes in Sichre» Jakow endete mit einem Ueberfall der arabischen Wächter auf die jüdischen. Diese hielten zwar tapfer stand, aber die erschreckten Kolonisten, die weitere Verwicklungen fürchteten, entließen die jüdischen Wächter. Doch gelang es ihnen nun, in Sedjera Fuß zu fassen. Um dem Leiter der Kolonie zu beweisen, daß die Tscherkessen, die dort den Wachtdienst versahen, nur Lösegeld für unterlassene Raubzüge nahmen, stahlen die jüdischen Wächter ein Maultier, das sie außerhalb der Kolonie laufen ließen. Daraufhin wurde der erste jüdische Wächter angestellt. Er versah seinen Dienst aber nicht allein, sondern 14 Mann teilten freiwillig seine gefährliche Arbeit. Die Araber versuchten die jüdischen Wächter von der neuen Aufgabe abzuschrecken, und es kam zu größeren und kleineren Zusammenstößen, denen ein einzelner Mann nicht gewachsen gewesen wäre. Den 15 Männern aber gelang es, den jüdischen Wachtdienst in Sedjera zu sichern, und im Jahre 1°08 war die Idee der jüdischen Wacht schon |x>pulär geworden und die Zeit war reif, aus dem Stadium des geschlossenen Bundes herauszutreten. Man gründete die Organisation Haschomer (Der Wächter), die auch noch sehr strenge Aufnahmebedingungen hatte und nur bewährte Leute nach zweijähriger Probezeit aufnahm. Dem Neuaufgenommenen wurde in feierlicher Weise ein Eid abgenommen, nachdem er durch zwei Reihen seiner mit Gewehren bewaffneten Gefährten hindurchgeschritten war. Die Arbeitsbedingungen im Wachtdienst waren sehr schwierige. Die Wächter mußten durch Kühnheit und Geistesgegenwart den Beduinen imponieren, aber sie durften unter keinen Umständen, wenn sie angegriffen wurden, einen Menschen töten, um nicht die Gefahr der Blutrache über alle jüdischen Kolonisten heraufzubeschwören. Um ihrer Aufgabe genügen zu können, paßten sie sich den Arabern in der Kleidung an, sie lernten auch ihre Sprache und ihre Sitten, sie wetteiferten mit ihnen in schönen Pferden, wilden Ritten und guten Waffen. Sie waren nicht nur Wächter, sondern sie führten auch Verhandlungen mit den Arabern und sie wurden in kurzer Zeit die Machthaber in den Kolonien in allen Fragen der Sicherheit. Sie verboten den Besitzern in der Wachtzeit, ihre Weinberge und Plantagen zu betreten, sie allein ergriffen Maßnahmen, wenn verlaufenes oder auf dem Felde gebliebenes Vieh dem Besitzer von arabischen Findern gegen Lösegeld angeboten wurde. Ja sie erreichten sogar die Rückzahlung schon gezahlten Lösegeldes für solche unterschlagenen Funde, als sie mit Repressalien drohten und sie sogar durchführten. Die Araber, die sie zuerst scheel angesehen und verfolgt hatten, lernten sie respektieren, und sie kamen in nahe freundschaftliche Beziehungen zu vielen Beduinen stammen.

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