Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 9 (31.1.1936)
- Date
- 1936-01-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2653922-2653932--28161-2689631- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite < JOOtS-CHt RtJNDSCMAtl Nr. 9, 3T. 11936 Geistige Entwicklung und erzieherische Funktion des Zionismus in Deutschland Von Dr. Hans Pomeranz Zionismus und die geistigen Gegenkräfte Der XXV. Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland gibt erwünschte Gelegenheit, nicht nur die organisatorischen Verhältnisse des Zionismus in Deutschland zu überprüfen, sondern zurückzublicken auf die geistige Entwicklung und die erzieherische Funktion desjenigen Teiles des W'eltzionismus, der seinen Anteil au der zionistischen Arbeit von jeher unter besonderen Umständen zu leisten hatte. Das Bildungsproblem der zionistischen Bewegung ist von jeher sehr schwer gewesen. Der Zionismus in Deutschland z. B. redete das deutsche Judentum au, auf das eine hundertjährige Entwicklung in besonderem Malte umformend gewirkt hatte. Je mehr man in den Assimilationsbegriff Ordnung bringt, und Schuld von Schiele... trennt, also in der deutsch-jüdischen Assimilationscutwicklung das Schicksalhafte erkennt, um so schwieriger war die Unterhaltung mit dem ideologischen (iegner, der in seinem Bewußtsein sich als das Ergebnis einer Entwicklung fühlte, die er bejahte. Und je mehr ihn die spätere zionistische Entwicklung zwang, eine jüdische Haltung em/imchmen, um so notwendiger wurde der geistige Angriff auf ein dem Zionismus methodisch nachgebildetes, ihm gleichwertig sein sollendes sogenanntes „positives Programm", das die geistigen Koryphäen seiner Geisteswert ihm formuliert hatten. Selbstbewußte Assimilation - Zionistische Antwort In die^e Situation einer selbstbewußt gewordenen Assimilation (die folgerichtig bestritt, Assimilation zu sein) trat die zionistische Bewegung als die .nationale Bewegung der Juden. Tief beeindruckt von der europäischen Bikiungswelt hatten unsere Menschen den nationalen Gedanken begrifflich zunächst iji jener Gestalt aufgenommen, wie ihn im Laufe der Entwicklung der national gewordene Liberalismus geprägt hatte. So waren sie in gewissem Sinne Schüler ihrer Zeit, aber sie wurden jüdische Schiller und bezogen Begriffe und Parolen, die andere liberal-assimilatorisch verstanden, auf das jüdische Volk, Für den Zionismus in Deutschland galt es gegenüber einer Fiktion der Sicherheit, die Menschen kritisch zu machen. Das war nicht leicht, denn das assimilatorische Chaos des Id. Jahrhunderts war beendet, man hatte sich in feste Turme verpau/ert und sich auf eine bestimmte jüdische Sphäre geeinigt. Die Teilung der jüdischen Persönlichkeit in den nationalen Bürger seines Staates, und den Juden, der sich mannhaft „zum Glauben der Väter" bekannte, war erfolgt. Die judeutumsfreie Zone, die bei dieser Teilung geschaffen worden war, war recht groß geraten, aber in seiner judischen Existenz war er ermutigt durch die ihm zur Verfugung stehenden liberalen Ideologen, die ihm die glaubeusinäbige Grundlage des jüdischen Teiles seiner Persönlichkeit fundierten und sich zugleich bemühten, auch der anderen, weltlichen Sphäre seines Lebens immer noch einen jüdischen Sinn zu geben. Der Assimilant fühlt sich nunmehr „als Jude der Bestimmung'' (Wassermann). Die Schwäche dieser Gruppe lag in der Zweiteilung ihres Lebens. Sie sah eine Judenfrage auf Zeit, die ihres Eracbtens zu losen war durch die ihr zur Verfügung stehende Möglichkeit zu sozialem Aufstieg. Die Minorität wird zum Denken gezwungen Träger der Aufgabe ständiger Auseinandersetzung mit dieser Schicht waren Zionistcn, die sich zum großen Tei! ans einer bildungsfähigen Akademikerschicht zusammensetzten. Sie erhielten Verstärkung aus der langsam wachsenden Gruppe jüdisch fundierter Menschen aus dem Osten, die die Struktur der jüdischen Gemeinden in Deutschland beeinflußten. Sie waren eine Minorität und die Minorität ist „zum Denken gezwungen" (Baeck). Ais ihre Aufgabe empfanden sie es, das ganze jüdische Volk sein Minoritätsdasein erkennen zu lassen und es zu befähigen zu denken. Sie waren Menschen, die zumindest durch ihre familiären Milieus einmal in der gleichen Lage gewesen und bilduugMiiäbig immer noch mit ihnen verwandt waren. Sie lebten nunmehr ..postassimilaferiscfi'" inmitten einer abgelehnten jüdischen Welt. Die seelische Lage dieses v, est liehen 7. ionist en ist die des Heimgekehrten, der mit seinem I mptindeu den Zwiespalt zwischen seinem gegenu artic en Leben und einem freien Menschentum fiilili. Die Gefühlswelt allein aber kann nicht maßgebend sein, die exakte gedankliche I undicrung, die wirkliche Klärung war nötig, damit Wissen und Wollen Teil eines einheitlichen zionistischen Bewußtsein wurden. Die Assimilation „im Dativ" — ich assimiliere „mir" — (B. Jakob), die die Technik der Bildungsaufnahme für sie war, wirkte nicht auflösend, sondern konsci \ lei od, wo ''s galt, aus der Fiktion der Oeisf estreiheit die nationale Bewegung entstehen zu lassen. In diesem seelischen und geistigen Zustand hatte man das Gefühl, die Wahrheit von morgen zu wissen, bevor sie allgemein bekannt ist. Die Erkenntnis der Judenfrage und der Judentumsfrage Die gedankliche Leistung der zionistischen Bewegung (von Rosen/weig ais genial bezeichnet in diagnostischer Hinsicht) fußt zunächst auf den schon vorhandenen literarischen Hilfsmitteln der Bewegung. Aber es ist kein Zufall, daß man sich gerade hier und gerade in diesem Kreise in diesem Maße dieser Waffen und dieser Hilfsmittel bedient. Innerjüdisch benutzte mau die Erkenntnis der Juden frage als ein Thema der So/ialwisscnschaft 'um Angriff auf die ideelichen Grundlagen jener jüdischen Welt, die beim Aufkommen der zionistischen Bewegung mit einem fix und fertigen antizionistischen Gedankengang ideologisch gewappnet war. Der Zionismus hat in dieser Auseinandersetzung den Galuthbegriff zum Gegenstand der Analyse gemacht. Er tat es von zwei Seiten. Die Jndenfrage der Welt, von Pinsker und Herzl beschrieben, regte das Thema der Auf/cigung der Beziehungen der Juden inmitten ihrer Umwelt an und erwies die Grenzen der Möglichkeiten unseres Lebens angesichts der Bremse von außen. Es ist bekannt, daß mehrere zionistische Autoren dieses Thema auf dieser Basis fußend, eingehend soziologisch und psychologisch fortgeführt haben. Die Minorität, die den Takt besitzen mußte, von „Hechten keinen Gebrauch zu machen", war zum Denken gezwungen. Die Judenfrage von innen gesehen aber war die kritische Selbstbetrachtung' Achad Haams, die das eigentliche wirkliche nationale Bewußtsein erzeugte. Unser neuer Nationalismus judaisierte das „Geschenk Europas an das Judentum". Opposition im Zionismus Dieses Problem der Menschenformung, diese Bemühung, Menschen bewußtseinsmäßig herauszureißen aus einer Weh, der sie gutgläubig meinten zuzugehören, hat innerzionistisch erhebliche Spannungen erzeugt, jene Gruppe von Zionistcn, die sich zeitweilig in dem Kreis Binjan Haarez zusammenfand, aber auch später irgendwie bestehend blieben, wandten sich gegen diesen Versuch einer geistigen Erschütterung des jüdischen Lebens und empfahlen eine weniger radikale, leichtere zionistische Begründung mit abgeschwächtem nationalem Bekenntnis. Damit wandte er sieh gegen eine zionistische Auffassung, die tiefgehend beeinflußt und verwandelt worden war von den Ideen des Erziehers Achad Haam. Das Persönlichkeitsproblem wird erkannt!>ie erste Zeit des politischen Zionismus hatte nicht alles gesagt, was zur zionistischen Ideengestaltung zu sagen ist. Hcrzls Satz von der „Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judenland'' war nicht kulturzionistisch gemeint gewesen. Man muß diesen Satz also absichtlich „falsch" verstehen, dann enthält er das wahre zionistische Erzichungsproblem, das dann auch empfunden wurde. Die zionistische Arbeit in Deutschland ist diesen Weg gegangen. Die Parole ihrer Erziehung zu einem wirklich wesenhaft verstandenen, schöpferischen nationalen Gedanken, eine Arbeit, um die sich in Erziehung und Propaganda inner jüdisch und innerzionistisch Kurt Blumenfeld als Lehrer einer Generation entscheidend und erfolgreich bemüht hat, traf auf Menschen, die geschult durch ihre eigene assimilatorische Erfahrung das Problem der zionistischen Erziehung verstanden hatten. Gefühl und Erkenntnis hatten sie die Assimilation der Gesinnung überwinden lassen, sie waren Siegelbewahrer inmitten einer gegnerischen jüdischen Welt, die selbstsicher und rechthaberisch die Warnungen von zionistischer und soziologisch geschulter nichtjüdischer Seite (Sombart!) zurückwies. Synthetischer Zionismus Zionistisch standen sie auf der Seite der jungen zionistischen Opposition Weizmanns, Bubers, Feiwels u. a., die die Zukunft durch „Gegenwartsarbeit" vorbereiten wollten. Sie waren diejenigen, die eine wirkliche zionistische Erziehung der Menschen wollten, freilich selbst nun allerdings zu sehr inmitten einer europäischen Bildungswelt standen, als daß ihnen der Sprung oder der Kücksprung in eine eigentliche jüdische Kultur, der konsequent gewesen wäre, gelungen wäre. Die Verbindung mit den (sei es auch säkularisiert aufgefaßten) Quellen der jüdischen Vergangenheit allerdings ist auch diesem Kreis nicht gelungen, und doch ist er heute in gewissem Maße vorbildlich. Vorbildlich ist der ungetrübte Zionismus der Gesinnung, der damals ausgebildet wurde. Hier wurden Menschen Zionisten unabhängig von den Erwägungen der Zweckmäßigkeit. Zionistische Haltung im Stadium der Verwirklichung In der Etappe der Verwirklichung, der zweiten Etappe der Existenz, zeigte sich, wie weit es gelungen ist, Politik und Erziehung zu verbinden, wie weit also die politische Bewegung eine wirkliche Belegung politisch gereifter Menschen ist. Der Inhalt einer angemessenen Politik kann nicht darin bestehen, zu deklarieren, zu proklamieren und zu schreien. Die Führer der Gesamtbewegung, wahrhaft gläubige und letzten Endes zielsichere Zionisten, sind diejenigen, die gelernt liaben, daß wir politisch so stark sind wie wir stark in Palästina sind. In dieser Etappe bremst die Bewegung ihr Tempo. Der Führer der Bewegung macht Bestandaufnahme und sieht die Zionisten als kämpfende, bauende Minorität und andererseits einen Teil des jüdischen Volkes, den kapitalkräftigsten, in den Ländern der Gallith, mit vielen Sorgen behaftet, nur nicht mit der des Palästinaufbaus, jedenfalls nicht als einer zentralen, Sorge. Verantwortungspolitik — „Dränget nicht das Ende" Er sieht ein verwahrlostes Land, das nach Menschen schreit, und er sieht ein eingesessenes Volk, das die Ankömmlinge mit Mißtrauen empfängt. Die Spanne zwischen Möglichkeiten und Wünschenswertem bringt die Bewegung in eine Krise. In dieser Zeit ist der deutsche Zionismus verantwortlich in der Gesamtbewegung gegen demagogisch erzeugte Strömungen aufgetreten und seine Menschen erwiesen sich relativ immun gegen eine pseudopolitische Volksverführung. In dieser Zeit wird Achad Haam neuerdings zum Lehrer. Nicht als ob man ihm kritikfrei gegenüberstünde; man weiß daß die Bewegung Propheten und Diplomaten letztlich br; ucht, aber es gilt, die Grundsatze einer idealistischen Realpolitik — „Dränget nicht das Ende" — auszubilden und sich nicht durch eine unzulängliche Gegenwart überrennen zu lassen, dem Volke nicht zu schmeicheln, die Kritik an der Mandatarmacht mit Sachkenntnis auf das Berechtigte zu beschränken. Die politische Erziehung ist .weltaufgeschlossen und lernt bei einem der zeitgenössischen besten Menschen unserer Umwelt, daß Politik ein langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich ist, und zu bewähren hat sich der Zionismus als geistige Macht, als Fortsetzung jüdischer Geschichte und als praktische Aufgabe der Bewährung im Umgang mit einem Nachbarvolke, eine Aufgabe, die freilich zum Gutteil noch vor uns liegt und nicht erfüllt ist. Ost und West — Martin Buber Beide Etappen der Bewegung, die Zeit der Zionisten, die die Wahrheit von morgen wissen und die Zeit der Verwirklichung sind einheitlich in ihrer geistigen Grundlage. Sie geben diesem Zionismus ein bestimmtes Gepräge und stellen ihn eng an die Freundesseite jenes östlichen Zionismus, dessen beste Menschen uns flicht zufällig und nicht nur auf dem Treffpunkt der Kongresse so vertraut sind. Dort ist ein jüdisch fundierter Zionismus zu Hause. Die dortige Form der Aufklärung, die Haskalah, war .letztlich nicht entnationalisierend, sie war die Vorstufe der nationalen Auswanderer! Wie transferieren sie Ihr Vermögen? 1) Beratung über die Einwanderungssteafen au» •■B«»ar landailtanntnU (Europa ti. 0 barem) 2) Bestmöglicher und schneller Vermögonstramfer 3) Immobilien-Tausch mit dem Ausland Dr. jur. G. E. Rosendahl (Voll|uris» und Vollkaufmann) Prfinl/fiipi m JUS Sprechstunde und telefonische Anmeldungi rrgnKTUrt a.m. Uebig«tra9e 50, Fernsprecher. 77128 Bewegung, zumal ihre Gedanken in hebräischer Sprache ausgedrückt wurden. Diese Unterschiedlichkeit von Osten und Westen hat Buber vor 30 Jahren in einem Aufsatz „Renaissance und Bewegung" einmal dargestellt. Er hat uns gezeigt, wie die Erkenntnis von dem gehemmten jüdischen Leben im Osten, wo die Luft zum Atmen fehlte, und im Westen, wo die „Gcistesfreiheif" lange das Gefühl für Freiheit ertötete, die nationale Bewegung in dem Zeitpunkt weckte, als die Hemmung ins Bewußtsein trat. Die einheitliche Wirkung der Gegenkraft dort und hier war die zionistische Bewegung. In jenem Teil des Westens aber, wo ein Zionismus wuchs, der gerade weil er seine Unvollkommenheit kannte, dem Bildlingsziel nach Vollkommenheit wollte, mußte die Vorbildlichkeit und die Verwandtschaft mit dem östlichen Zionismus besonders tief empfunden werden. — So wie Martin Buber persönlich jene schöpferische Mischung von Ost und West verkörpert, die dem Zionismus zahlreiche markante Persönlichkeiten als Führer gebracht hat, so trägt auch seine geistige Leistung, mit der er sich bis zum heutigen Tage bemüht, den Zionismus mit dem Judentum kongruent zu machen ^lie Kennzeichen dieser Mischung. Bubers Gedanken und Schriften haben die zionistische Welt schon früh beeinflußt. Seine Auseinandersetzung mit Hermann Cohen, dem Titanen der antizionistischen Seite, ist bis zum heutigen Tag ein ausgezeichnetes Lehrbuch des Inhalts und der Methode zionistischer Gedankenführung. Seine zionistischen Schriften, insbesondere die Jahrgänge der von ihm herausgegebenen Zeitschrift „Der Jude", von der, so lange sie existierte, die stärkste Wiikung ausging, sollten heute wieder diejenigen lesen, die Wert darauf legen, in die mannigfachen Quellen des zionistischen Geistesguts unterzutauchen. Sie finden hier jene Grundlinie des zionistischen Gedankens, wie er im engeren Sinne nicht von Herzl und Pinsker kommt, sondern über die Namen Achad Haam und Moses Heß zurückführt in die geschichtliche Linie des Judentums. Indem die zionistische Bewegung diese gedankliche Linie bei sich beheimatet, entwaffnet sie jene von dem Vulgär-Liberalismus des 19. Jahrhunderts beeinflußten jüdischen Strömungen (die auch in orthodoxer Form auftauchen), die im Namen der geschichtlichen Tradition den säkularisierten Zionismus angreifen. Der neue Nationalismus Die fdee des geläuterten Nationalismus aber, der Gedanke der Bändigung der Leidenschaften, die Verbindung von Ethik und Politik, die Warnung vor einer Verabsolutierung des politischen Gedankens, die gerade von dieser Richtung folgerichtig ausgesprochen wurde, sind Gedanken, die zwar nicht widerspruchslos und ohne Kritik aufgenommen wurden, die aber unzweifelhaft das geistige Bild des Zionismus in Deutschland stark beeindruckt haben. Man darf sagen, daß die kultiviertere Haltung, die einzelne aus dem deutschen Zionismus stammende Revisionisten in ihrem Kreise einnehmen, damit zusammenhängt, daß bei aller Stärke der Gegensätze sich doch irgendwie der Rest einer erzieherischen Orundhaltung erhalten hat, der den „Typ" auch dann kennzeichnet, wenn er sich persönlich, was vorauszusehen ist, gegen den Versuch einer solchen Vereinheitlichung wehrt Chaluziuth — Neue Menschen! Aus diesem geistigen Untergrund, aus dieser Verwandtschaft zwischen Ost und West resultiert die hohe Bewertung der Chaluziuth als Erziehung zur zionistischen Konsequenz. Der erzieherische Ausdruck dieser Tendenz vom akademischen Zionismus zu einem Zionismus der Verwirklichung war die Jugendbewegung des deutschen Zionismus, insbesondere der Blau-Weiß, jene eigenartige und eigenwillige, landsmannschaftlich allzu abgegrenzte Gruppe, der im Moment der Tat der entscheidende Wurf nicht gelang. Diese Tendenz kam aber auch zum Ausdruck in dem Versuche, die Verbindung mit dem Arbeitszionisrnus zu finden. Chajim Arlosoroff hat mit der Gründung des Hapoel Hazair in Deutschland diesen erfolgreichen Versuch unternommen, aber auch der Allgemeine Zionismus in Deutschland, der unter der Führung Blumenfelds, den Grundgedanken dieser Richtung nicht fernstand, hat sich bemüht, Chaluziuth zum Inhalt der Erziehung zu machen, während zugleich der junge Misrachi mit anerkennenswerter geistiger Selbständigkeit den gleichen Weg zu gehen begann. Zionismus in Deutschland heute Ein guter Teil dieser Zusammenhänge, die, da es sich um Gedanken und Probleme handelt, nicht chronologisch aneinandergereiht werden können, ist unseren heutigen Menschen vielfach naturgemäß nicht bekannt, weii sie jung in der Bewegung sind. Der deutsche Zionismus durchlebt heute seine dritte Existenzform. Hat einmal der Bonner Soziologe Schumpcter die soziale Schicht als einen fahrenden Omnibus bezeichnet, der immer besetzt ist, aber immer mit anderen Menschen, so bietet heute unsere Organisation in Deutschland ein ebenso stabiles optisches Bild, wie das soziologische Bild labil ist, entsprechend dem erwähnten plastischen Beispiel. Dabei befindet sich das heutige Judentum in Deutschland, verglichen mit der Problematik, die hier eingangs dargestellt wurde, in einer neuartigen Situation. Wie .ein umgekehrter Magnet stößt die Gallith die Menschen in die jüdische Gemeinschaft und treibt sie vielfach in die Nähe der zionistischen Bewegung. In dieser Zeit gilt es, für den Zionismus in Deutschland von neuem seine Kraft zu erweisen und zugleich die Fähigkeit, die besonderen erzieherischen Probleme zu lösen, vor die er gestellt ist. Ressentiment ist kein Zionismus! Dumpfes Gefühl und Grollempfinden können Antreibet sein, können Menschen hellhörig machen. So sehr wir aber wissen, daß politische Bewegungen zu jeder Zeit Menschen an sich gezogen haben, die vom Ressentiment (Schlier) getrieben waren, so sehr müssen wir wissen, daß Depressionen kein Zionismus sind. Von neuem gilt es, die Minorität zum Denken zu zwingen und den Menschen Sachgemäße u. schleunige Durchführung Ihrer nach Palästina und anderen Ländern O e n e r a 1 r e p r ä § e n t a n 2 in HAIFA Dipl.-Kaufmann Dr. Paul Schnurmachar HOUSE JEW1ÄH l HAMBI R OF COMMtlCE Haifa, P. O. h. 266 « Iclefon 1» ArntsgetvRat a. D. Dr. Aschner Oberreg.-Rat a. D. R. Kempner Berlin W18, Malnakaatr. 9. ) 1 Bismarck 2856 <9',-13u. 16'/»-19 Uhr) VERH&GIMS-LIQU ID ATIOMIN * TRANSFER-PROJEKTE Eigene« Bflro in TBL-AVIV mit Dr. |ur. W. Marx, Tel-Aviv 18 Schalom Aleichem Str., Edte B«i IfhuHa Roid