Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 8 (28.1.1936)
- Date
- 1936-01-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Sefla 10 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 8, 28. I. 1936 Die Araber in Palastina Aus vielfachen Aeußerungcn unserer Leser, insbesondere auch der Leser in Palästina, entnehmen wir, daß über die Art und Lebensgewohnheitvn der Araber in Palästina große Unkenntnis herrscht. Diese Fremdheit und die Unfähigkeit, die ethischen und religiösen Anschauungen, die Bräuche, Sitten und Lebensgewohnheiten des Volkes, mit dem die palästinensischen Juden in unmittelbarer Nachbarschaft zusammenleben, zu verstehen, ist eine der Quellen der bedauerlichen Spannung zwischen Juden und Arabern. Wir halten eine Information des einen Volkes über das andere für eine der wichtigsten Aufgaben einer praktischen palästinensischen Kulturpolitik, die insbesondere in den Schulen gepflegt werden sollte. Line solche Instruktion, die natürlich auch von der Sprache des anderen Volkes ausgehen müßte, kann durch Zeitungsartikel nicht ersetzt werden. Wir bringen aber, Anregungen aus dem Leserkreis folgend, eine Artikelserie zur Veröffentlichung, die über das Leben und die Sitten der Araber in großen Zügen informieren soll. Von dieser (von einem palästinensischen Fachmann stammenden) Serie bringen wir heute den ersten Artikel zum Abdruck. Red. großen Zustrom künftiger Badegäste aus europäischen und amerikanischen Landern der Bedarf jederzeit mit größter Leichtigkeit zu decken sein wird. Das Problem ist längst nicht mehr die Beschaffung des notwendigen heiiien, sondern nur noch des gekühlten Baiknvnvser». iKslia'b *in<l grolle unterirdische Reservoire angelegt worden, in denen das Wasser des Sees durch Schlangen \< n Kühhobren geleitet werden wird, um jederzeit auch gekühltes Mineralwasser in beliebiger Menge verfügbar zu machen. Und so ist in Aussieht genommen, nicht nur das große neue Badehaus, dessen Plät/e soeben ausgearbeitet werden und mit dessen Bau man in einigen Wochen 7U beginnen gedenkt, mit allen modernen l'.inrichttingen eines Thermalbades auszustatten, sondern auch Logierhäuser und Hotels, die in der Nachbarschaft des Bades entstehen, mit Thermalwasser zu versorgen, so daß sie ihren Gästen Rad er im Hause abgehen können. Auch damit wird noch lange nicht Verwendung für diesen Reichtum an Ouellwasser sein. Unmittelbar nach oder vielleicht sogar gleichzeitig mit dem neuen Badehaus wird ein Inhalatorium und ein (i r a d i e r w e r k erstehen, eine Saline wird das aus den Quellen gewonnene Badesalz verarbeiten und ver-andbereit machen, und eine Reihe pharmazeutischer Präparate wird eine weitere Verwertung der edelsten Bestandteile de» Quellwassers mög'ich machen. Danehen wird die Trinkkur, die bisher bei der nicht einwandfrei hygienischen Fassung der Quellen nur in sehr geringem Umfang betrieben weiden konnte, zu einer besonderen Kurform ausgebildet werden. Denn obgleich die verschiedenen Quelladern sich im großen und ganzen voneinander nur wenig in Temperatur und Zusammensetzung unterscheiden, waren doch einige sehr bemerkensweite Beobachtungen zu machen. So hat sich eine der Quelladern sofort bei ihrem Zutagetreten durch eine reiche Absetzung von Eisenocker ausgezeichnet, und die weitere Untersuchung hat ergeben, daß es sich tun eine scJir wertvolle Eise ii<]uelle handelt, die nun besonders gefaßt und für die Verwendung vorbereitet worden i-t. Die erste Phase i-t abgeschlossen. In etwa! oder U Jahrer: hofft man, mit dem v o I I e ri d e t e n A u s b a u der gesamten Anlage vor die (Vffentüchkeit treten zu kö-tiien. Dann werden die alten und wenig modernen Bauten sämtlich der Spitzhacke /um < >p!<T fallen, und nur n<>ch schone Parkanlagen werden ihren einstigen Ort bezeichnen. Einladung an die Araber Jerusalem, 27. Januar. (JTA.) Der Hlßh Commlssloner Arthur Wauchope hat die arabischen Führer für Mittwoch zu einer weiteren mündlichen Aussprache über den Legislative Council eingeladen. * Die arabischen Führer treten am Mittwoch zu einer Beratung zusammen, um über ihre Haltung im Hinblick auf die Unruhen In Syrien schlüssig zu werden. * Jerusalem. 23. Januar. (JTA.) „El Liwaa", das offizielle Organ der arabisch-palästinensischen Partei (Partei des Großmufti), vcröffent'icht die Meldung, daß die Einsetzung des Legislative Council für Palästina auf ein Jahr zurückgestellt wurde. Das Blatt behauptet, es habe seine Informationen aus Regierungskreisen erhalten. Daß die Einsetzung des l egislative Council aufgeschoben wurde, sei auf eine Verständigung zwischen dem Außenminister Anthony- Eden und dem Minister für die Kolonien, J. H. Thomas, zurückzuführen. Aenderung der Zollgesetze Jerusalem. (Palcor.) Am 22. Januar wurden in der „Officlal Gazette" wichtige Aenderungen der Zollvorschriften veröffentlicht, die dazu dienen, den Wettbewerb der einheimischen Industrie mit dem Ausland zu erleichtern. Diese Zolländerungen sind das Ergebnis der Verhandlungen, die zwischen der Jcwish Agency und den Regierungsstellen in London und Jerusalem geführt worden sind. Es besieht Hoffnung, daß die in der letzten Zelt stillgelegten Textilfabriken nunmehr wieder in Betrieb genommen werden können. Z o I I e r h ö h u n g e n betreffen Ahiminiumwaren, Schratsbenbolzcn, Metalleimer, (iußeisenwaren einschl Mannlochdeckeln, (iitter, Hvdramkästen, Spulkasten, Draht, Nagel, Nieten, Schrauben, Oulieisenrohrc, Pctrolcumöfcn und -kodier, Drahtnetze, elektrische Armaturen und Trockenbatterien, Autoakkuumlaloren und -battcrien, Möbel, Papierservietten, Parfümerien, Bausiegei, Schamottesteine, bedruckte und gefärbte Baumw ollsluckgutwaren, Krepp, merzerisierte Baumwoll-, Wo!!- oder Uemischtwaren, Kunstseidenstrumpfc, Oamenkleidung, Pyjamas, Hemden, Trikot und Wirkwaren. Z o 11 f r e i Ii e i t wurde gewahrt für .Schweißapparate, Blei- und Zinkbarren, Terpentin, Paraffin sowie für Verkehrsflugzeuge. 1 Tußstahldraht und -streifen, soweit sie in Spulen eingeführt werden, und Asphaltspritzmaschinen, Die Vorbereitungen für die Levantemesse Jerusalem (Palcor). Die Leitung der Levantemesse veranstaltete eine Pressekonferenz, bei der der Direktor der Messe, Evserov, erklärte, daß die Messe am 30. April IQ36 eröffnet wird. Die Messe soll nicht nur ein Bild von der Industrie Palästinas, sondern auch von der jüdischen I ,-ndwirtschaft und den Kolonisations-Unternehmungen des nationalen Kapitals geben. Meir Dizengof f, der den Vorsilz bei der Konferenz führte, hielt einen Nachruf auf König Georg und w idmetc Köni^ Eduard Worte der Begrüßung. Der Vorsitzende des palästinensischen Industriellenverbandes, Arie Schenkar, betonte, daß die Importe Palästinas im Jahre 1935 18 Millionen Pftmd betrugen, während im gleichen Jahr in der Industrie 8 Millionen Pfund investiert wurden. Dr. Rottenstreich hob in einem Brief an die Konferenz den Wert der Messe hervor und wies auf die Bemühungen der Exekutive der Jewish Agency zur Stärkung der palästinensischen Industrie hin. Ferner sprach für den Waad l.eumi Bcrligne und für die Ifistadruth David R e m e z, der eine Unterstützung der Landesprodtikte verlangte und forderte, daß Palästina nur von solchen Ländern importiere, die auch gelbst palästinensische Produkte abnehmen. Grundsteinlegung der Palcstlne WIre Company. Uns wird geschrieben: Am 16, 1. fand in der Haifa-Bay die Grundsteinlegung für die Draht- und Kabelfabrik Palcstinc Wire Company statt. Die neue Fabrik soll mit modernsten Maschinen ausgerüstet werden und es ist beabsichtigt, bereits in einigen Monaten mit der Produktion zu beginnen. Der Akt der Giundsteinlcgung wurde von dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Gesellschaft, IV. Majerczik, eingeleitet. Es folgte dann die Vcrsehließung der für den Grundstein bestimmten Kupferrollc, die außer einer Aktie und dem Statut der Gesellschaft, sowie eine Liste der Anwesenden, auch eine Anzahl von Zeitungen, darunter die „Jüdische Rundschau", enthielt. I. Die arabische Bevölkerung und ihre Zusammensetzung Von M. K a p e I j o k Die palästinensischen Araber sind in der Hauptsache Nachkommen jener arabischen Stämme, die in den Anfängen des Islam die arabische Halbinsel verließen und große Gebiete in Asien, Afrika und Europa eroberten. Palästina nahmen sie den Bvzantinern in der ersten Hälfte des VII. Jahrhunderts ab (O'M -tt 10), d. h. also vor etwa 130"! Jahren Ein erheblicher Teil der palästinensischen Bevölkerung, vor allem der Fellachen, stammt jedoch von der Urbevölkerung des Landes ab, von Juden, Syrern usw., auch von Griechen. Römern und anderen Völkern, die im Laufe der Zeit das I and eroberten und eine Zeillang besetzt hielten. Heute unterscheidet man in Pa'ästina die arabischen Bevölkerungsgruppen nicht nach der Abstämmling bzw. Kasse, sondern vor allem nach ihrem Religiousbekennt is: die Moslems f'''ihamnKdaner) und die Christen, die verschiedenen Ki'chen, in ihrer über« i-getidcn Mehrheit aber der gricchisch-oithodoxcn (orientalischen) Kirche angehören. Die Zahl der Araber J'aLjti .as beträgt nach der jüngsten offiziellen Schätzung, die sich auf die Volkszählung im Jahre 1"JI stützt, Ss9 2 M, bei einer (icsa nibcvöikerung von 1 201 2 i6 Seelen, d. h. mehr als 70 »;<>. Die arabische Bevölkern :g gliedert sich in der Hauptsache in drei Schichten: die Fellachen, die Städter und die Beduinen. Fclla.'h heißt auf arab.sch (und auch auf hebräisch) der Pfluger und Bebaiier des Lodens. Die Fellachen stellen zahlenmäßig die größte Bcvölkerungsklasse im Lande dar. Nach der Volkszählung vom Jahre lüJI befanden sich damals 571 b,(7 moslemische Fellachen in Palästina und 22 118 christlich-arabische, hin Teil der Fellachen hat seinen Wohnsitz, in den Kleinstädten: Ludd, Ramich, Bet-Schan usw. Die städtischen Araber (arabisch: Mndani; Medina ~- Stadt) sind Kaufleute, Krämer, Handwerker, Arbeiter; auch in freien Berufen sind sie zu finden als Lehrer, Beamte, Geistliche u. a. In der bereits erwähnten Volkszählung wurden in den Städten 188 075 Moslems und 09 250 arabische Christen gezählt. Die Zahl der städtischen Araber nimmt von Jahr zu Jahr /u, insbesondere in den großen Städten Jerusalem, Jaffa und Haifa, die sich in den letzten Jahren dank der jüdischen Einwanderung und Kolonisation und den dadurch geschaffenen neuen Arbeitsmöglichkeiten, mit Riesenschritten entwickelt haben. Es besteht eine nicht geringe Landflucht bei den Arabern, da der im Vergleich zu den Verdienstmöglichkeiten auf dem Lande hohe Arbeitslohn in der Stadt den Dorfbewohner zur Uebersiedlung in die Stadt verleitet. Auch aus den Nachbarländern (Syrien und Transjordankm) strömen Hunderte und Tausende von Arabern in die Städte Palästinas. Die dritte arabische Bevölkerungsschicht sind die Beduinen. „Badawi", d-js ist der Wüstenbewohner (badijah Wüste), ein Mensch also, der keinen festen Wohnsitz hat, sondern innerhalb weiter Steppengebiete, die zum größten Teil unbebaut sind, von Ort zu Ort wandert. Nach der Volkszählung von 1931 gab es damals 65 553 Beduinen im Lande bei einer Gesamtbevölkerung von 1 055 821, d. h. 6' j »'o. Es muß allerdings berücksichtigt werden, daß diese Zahl angesichts der besonderen Lebensweise der Beduinen und ihrer Scheu vor Zählungen nur annähernd richtig sein kann. Die Beduinen wohnen in Zelten, die von ihnen und den anderen Arabern „Haarwohnungen" genannt werden, da man zu ihrer Herstellung Kamel- oder Ziegenhaar verwendet. Sie sind in Stämmen zusammengeschlossen, deren Angehörige untereinander b'utsverwaitdt sind. Sie treiben hauptsäch'ich Viehzucht, manche auch Ackerbau. Die palästinensischen Beduinen, die hauptsächlich den Süden des Landes (den Bezirk Beer Shcwa) bewohnen, treiben zum Teil auch Landwirtschaft, in der Regel aber verpachten sie jedoch ihre Böden an Fellachen gegen Beteiligung am Ertrag. Die Zahl der Beduinen nimmt mit der fortschreitenden Verminderung unbebauter Bodenflächen ab. Es entwickelt sich ein Typ, der halb Beduine und halb Fellache ist, und der schließlich ganz zum Fellachen wird. Viele Beduinen werden zu Proletariern und bilden als billige Arbeitskräfte für den nicht organisierten, der Ausbeutung ausgesetzten arabischen Arbeiter eine Konkurrenz. Mit der fortschreitenden Zivilisation des Landes sind die Beduinen a I s Die Jugend in den Kolonien In einer Rückschau auf die kürzlich abgehaltene Jahresversammlung der Vereinigung der Kolonisten bespricht M. Smiianski im „Bustenai" die seelische Lage der Jugend in den alten, vor dem Kriege angelegten Kolonien. Die Söhne der Kolonisten, die hier im Lande geboren worden sind, weisen ganz bestimmte Licht- und Schattenseiten in ihren Charakteren auf. Erfreulich ist ihre Vertrautheit mit dem Lande, die schon ganz ins Fiktiv Et, ihre wunderbare Fähigkeit der Anpassung an jede Art von Arbeit, an alle lokalen Bedingungen, ein großes Geschick zu sparen und sich mit wenigem einzurichten, Schattenseiten dieser Jugend sind ihr Mangel an Vertrauen, ein schwach entwickeltes Gemeinschaftsgefühl, Furcht vor jeder neuen Sache, und eine beschränkte Entwicklung des Individuums. Zu dieser im Lande geborenen und erzogenen Jugend kam im Laufe der Jahre eine andere Jugend, die auch in den Kolonien aufwächst: Junge Menschen, die im Auslände geboren sind, die entscheidenden Jahre dort verbracht haben, die vielfach von hochstehenden Kulturen erfaßt und stark beeinflußt worden sind, und tlcren Individualitäten eine weit reichere Entwicklung genommen haben. Diese Jugend hatte eine starke Einwirkung auf die Jugend der ersten Gruppe, sie hob ihr kulturelles Niveau, aber sie beeinflußte sie auch darin, daß sie ihr ein europäisches Sehlagwort-Vokabular brachte, das wenig zu ihr paßte. Die beiden Gruppen waren bisher organisatorisch getrennt: Die erste Gruppe konzentrierte sich in den Bne Benjamin, die zweite in der Gruppe der Aktivisten (Peilim), und zwischen beiden Gruppen bestand ein« große Spannung. Die Bne Benjamin konzentrierten ihre Kräfte ganz, in der Arbeit der Gesellschaft Hanotea, die aus ihren Kreisen hervorgegangen war, und kümmerte sich wenig um das kulturelle Leben in der Kolonie, das so mehr und mehr zur Domäne der Peilim wurde, zum großen Mißvergnügen der Bne Benjamin. Die letzte Konferenz der Kolonisten hat nun die Spannung zwischen besondere Bevölkerungsschicht im Laufe der Zeit zum Untergang verurteilt. Alle Beduinen sind Moslems. Christliche Beduinen gibt es nur in Transjordanien. Ferrit.- vcr-i.nsn einige moslemische Minoritätsgruppen Erwähnung, die zu verschiedenen Zeiten ins Land kamen, sich mit den einheimischen Arabern vermischten und deren Sitten und Sprache annahmen. Da sind zuerst die Aegypter, die vor vielen hundert Jahren einzuwandern begannen, als Aegypten und Palästina unter derselben Herrschaft standen oder als eine ägyptische Dvnastie Palästina regierte. Man findet sie in den Städten, in Jerusalem, Haifa und Jaffa, aber auch auf dem Lande. Fast alle haben sich in Sprache und Sitte assimiliert (der ägyptisch-arabische Dialekt ist anders als der palästinensische), doch gibt es auch Gruppen, die ihre eigene Tradition bewahren und in besonderen Wohnvierteln in den Städten und auf dem Lande wohnen. Als die Engländer das Land eroberten, befanden sich viele ägyptische Arbeiter beim eng'ischeu Heer, die beim Wegebau und anderen Arbeiten Verwendung fanden und die sich dann zum großen Teil im Lande dauernd niederließen. Auch die „M u g r a b i m", die nordafrikanischen Araber, begannen schon in früher Zeit (im 10. Jahrhundert) aus Tunis, Algier und Marokko nach Palästina zu wandern. Viele kamen als Wallfahrer nach Jerusalem und blieben dan i im Lande. Die letzte Einw andeni'igswelle fällt mit der Eroberung der nordafrikanischen Gebiete durch die europäischen Staaten (1820) zusammen. In der Altstadt von Jerusalem befindet sich in der Nahe des Felsendoms und der Klageniauer ein großes Marokkancrvicrtel. In Ober- und Untergaliläa gibt es auch einige mugrabinischc Dörfer mit einer Bevölkerung von etwa 2000 Seelen. Alle sprechen arabisch, manche jedoch unter sich den Berber-Dialekt. Erwähnt seien ferner einige hundert Bosnier, die aus ihrer Heimat auswanderten, als Bosnien vom Osmanischen Reich getrennt und auf dem Berliner Kongreß 1878 der Österreich-ungarischen Monarchie zur Okkupation überlassen wurde. Diese Moslems slawischer Herkunft siedelten sich, teils mit Unterstützung der türkischen Regierung, in der Gegend von Cäsarea an. Man stößt au manchen Orten auf den arabischen Familiennamen Buschnak, der auf bosnische Abstammung hinweist. Dazu kommen noch die Tscherkessen, die, von der türkischen Regierung unterstützt, aus dem Kaukasus auswanderten, als die Russen ihn im vorigen Jahrhundert eroberten. Viele leben in Transjordanien und stehen dort in hohem Ansehen. In Palästina gibt es zwei tscherkessische Dörfer: Kfar Kamah (700 Einwohner) in Untergaliläa, in der Nähe der Kolonien Mesche, Sedjcra und Jawniel, ferner Richanija (über 200 Einwohner) in Ohergaliläa. Der Versuch der türkische« Regierung, Tscherkessen in Samariah bei Cäsarea anzusiedeln, schlug fehl, da die Siedler der Malaria zum Opfer fielen. Mit den Turkmenen und den Kurden, die sich seit Jahrhunderten in Palästina befinden, ist die Zahl der moslemischen Minoritätsgruppen erschöpft, die zum allergrößten Teil im Laufe der Zeit in der arabischen Bevölkerung vollkommen aufgegangen sind. Die Turkmenen sind nomadische Beduinen, die an den Hängen des Emek Jcsreel (bei Mischmar Haemek) und in den s->miritanischen Bergen, bei Cäsarea und Kerlrur, umherziehen. Noch vor hundert Jahren sprachen die Turkmenen türkisch. Jetzt haben sie diese Sprache vollkommen vergessen. Ihre Wanderlager werden allmählich ZU seßhaften Dörfern. Einzelne Gruppen von Kurden sind in Jerusalem und in anderen Städten anzutreffen. In Safed gibt es ein Kurdenviertel. In der Gegend der jüdischen Kolonien Jessod-hama'alah und Ajelet-haschaehar leben etwa 500 Kurden als Schaf- und Rinderhirfen. Früher lebten sie als Nomaden in Zelten. Vor einigen Jahren haben sie sich in einem eigenen Dorf niedergelassen. Um ein abgerundetes Bild von der Zusammensetzung der Araber zu geben, sind noch die Sudanesen zu nennen, die in größeren oder kleineren Gruppen in verschiedenen Städten leben. Ein Teil kam im Gefolge des englischen Heeres als Arbeiter ins Land. Viele Sudanesen (auch Neger) leben bei den Beduinenstämmen und dienen bei ihnen (sei es offen oder unter anderer Bezeichnung) als Sklaven. Sic wurden vor Jahrzehnten von den Beduinen auf ihren Kriegszügen gefangengenommen oder in den Nachbarländern den Sklaven- Händlern abgekauft. den beiden Gruppen beseitigt und die Jugend der Kolonien steht vereint da. Smiianski stellt ihr drei Aufgaben: Organisation, kulturelle Arbeit, Ansiedlung. 2000 junge Leute aus den Kolonien warten darauf, angesiedelt zu werden, ein ausgezeichnetes, erprobtes Material für die Kolonisation der nächsten Jahre. Zionistische Jugendarbeit Jerusalem, 23. Januar. (JTA.) Die K orlinierung der zionistischen Jugendarbeit in Palästina bildete den Gegenstand einer von der Exekutive der jewish Agencv einberufenen Konferenz, an der Vertreter des „Hasenomer Hazair", der „Gordonia", des „Akiba", der „Bne Akiba'', der „Jung Wizo" und anderer Jugendverbände teilnahmen. Von der Exekutive der Jewish Agency nahmen an den Beratungen Ben Gurion, Grün bäum und Rabbi Fischmann teil. Namens des Organisationsdepartements erklärte J. G r ü n b a u m, daß eine Aktion zur Erweiterung der Kooperationsbasis aller Jugendorganisationen in Palästina und in der Galuth unternommen werden soll. Die innere Autonomie der trotz aller Meinungsverschiedenheiten auf gleicher ideologischer und arbeitsmäßiger Basis stehenden Jugendorganisationen bleibt hierdurch unberührt. Das Organisationsdcparfement richtet ein Jugendreferat ein. Verwandten - Zertifikate Jerusalem, 23. Januar. (JTA.) Die Jewish Agency for Palestine gibt bekannt, daß sie vom 1. Februar an bis auf weiteres keine Bewerbungen um Zertifikate für Angehörige in Palästina lebender Juden mehr entgegenimmt mit Ausnahme von Anforderungen Angehöriger aus Deutschland, dem Jemen und Rußland.