Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 8 (28.1.1936)
- Date
- 1936-01-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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> , . Jm- ■« JÜDISCHE RUNDSCHAU PALÄSTINA-BLATT NR. 8 "? JANUAR lv36 Wirtschaftsankurbelung gl. T c I ■ A w i w, 20, Januar 1936 In der ökonomischen Situation des jüdischen Sektors in Palästina hat sich in den letzten zwei Monaten lichts Wesentliches geändert. Die Senkung der Konjunkturkurve, die zu Beginn des Winters sich bemerkbar machte und über die wir mehrfach ausführlich berichtet haben, hat an einem gewissen Punkte gestoppt. In den letzten Wochen ist keine Verstärkung der Schwierigkeiten mehr zu verzeichnen; die Statistiker behaupten sogar eine gewisse Besserung der Lage im Laufe des Monats L>ezember. Aber diese Besserungen sind zugegebenermaßen nur gering, und es ist bisher nicht gelungen, die Kurve der Konjunktur wieder in die Richtung nach oben abzubiegen. Sie verläuft sich nach etlichen Wochen, nachdem sie zu Beginn des Winters nach unten wies, ungefähr in der Horizontale, deutet also an, daß wir weder zum Besseren noch zum Schlimmeren größere Schwankungen erfahren. Wir liegen also, wenn man s o s a g e n d a r f, in einer stabilisierten Flaute. Es ist fraglos bereits als günstig anzusehen, daß sich die wirtschaftliche Situation in den letzten Monaten nicht verschärft hat und daß nicht weitere große Stillegungen zu verzeichnen sind. Andererseits ist das Hauptziel, das der palästinensischen Wirtschaftsführung durch die Flaute gestellt war, nämlich die Wiederankurbelung der Wirtschaft in vollem Umfange, nicht erreicht worden; es sind auch bisher keine Maßnahmen größeren Stiles zu verzeichnen, die diesem Ziele dienen können. Man muß dabei immer im Auge behalten, daß die Lage der Kurzarbeiter und Arbeitslosen, die von der jetzigen Wirtschaftsschwäehung betroffen sind, mit jeder Woche, in der sie nicht Arbeit finden, sich verschärft, und daß es für sie selbst nicht viel bedeutet, wenn das Lager der vom gleichen Lose Betroffenen sich nicht oder nur minimal vergrößert. Auch heute noch trifft das zu, was wir vor einigen Monaten schrieben, daß die Zahl der freigesetzten Arbeiter im Verhältnis zur Gesamtzahl nicht groß ist. Aber je länger diese Zahl mit den wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, desto stärker und fühlbarer wird ihre Not. Es wird also in nächster Zeit alles darauf ankommen, die Wirtschaft wieder in vollem Umfange anzukurbeln. Es gibt verschiedene Wege zu diesem Ziele, die sich gegenseitig nicht ausschließen. Wir haben einige davon bereits in früheren Berichten behandelt (öffentliche Arbeiten, stärkere Inanspruchnahme der Regierungsarbeiten, Erleichterung des Hypothekenkredits, Erschließung* neuer Investitionsmögüchkeiten). Heute soll hier auf eine weitere Chance hingewiesen werden, die verschiedene Möglichkeiten birgt: die L e v a n t e - M esse 193b, die im April in Tel- Awiw eröffnet werden soll. Die Tcl-Awiwcr Messen haben sich in den letzten Jahren mit bemerkenswertem Erfolg bemüht, Palästina zum U m - schlagplatz für den H a n d e1 zwischen Europa iJjl»d dem Nahen Orient zu machen. Das sprunghafte «"Wachstum dieser Unternehmung, von einer kleinen, provinziell anmutenden Ausstellung in ein paar Räumen einer Tcl- Awiwer Schule im April 1924 zu den großen und geschmackvollen Vcranstaltungeen auf dem Messegelände am jarkon ist vielfach gewürdigt und bewundert worden. Auf den sehr vielversprechenden Start der letzten Jahre gestützt, hat die Messeleitung vor einigen Monaten die Vorbereitung für die diesjährige Messe begonnen. Sie begann damit unter reichlich ungünstigen Voraussetzungen. Palästina durchlebte gerade eine gefährliche Schwankung der Konjunkturkurve. Die internationale Situation schien bedrohlich und einem Unternehmen, das auf internationale Handelsbeziehungen gestützt ist, gefährlich. Dennoch hat man den Plan nicht fallen gelassen, und heute wird mit Volldampf an der Ausgestaltung des Unternehmens gearbeitet. Trotz, aller Schwierigkeiten hat die Messe in Palästina und bei einer großen Zahl ausländischer Stellen großes Interesse gefunden. Und die Hoffnung, daß die Messe ein Sprungbrett zur U e b c r w i n d u n g der gegenwärtigen Flaute werden kann, scheint nicht unbegründet. Was Palästina heute nötig hat, ist eine Beschleunigung des Wirtschaftsablaufs, neue Investitionen, die wieder eine größere Einwanderung ermöglichen und eine neue Hebung des Konsums. Die Messe kann, wenn sie gelingt, einen Anreiz für diese Wirtschaftsprozesse geben. Sie schafft, wenigstens für eine beschränkte Zeit, neue Arbeitsmöglichkeiten in Tel-Awiw bei baulichen Acnderungen und der Neuausgestaltung des Messegeländes. Sie bringt Besucher ins Land und hebt die Touristik, die in diesem Jahre eine erhebliche Schwächung zeigt. Sie vergrößert — zum mindesten im Laufe etlicher Wochen — den örtlichen Konsum und verursacht damit eine Beschleunigung des Wirtschaftsablaufes. Es ist möglich, daß durch diese Momente das ökonomische Leben des Landes einen neuen Anstoß erhält, der uns befähigt, durch einen starken Anlauf die gegenwärtige Flaute zu überwinden. Zeiten der Messe sind immer eine Zeit nicht nur erhöhten Umsatzes, sondern auch der verstärkten Investitionen. Und genau das ist es, was uns heute fehlt. Öffentliche und private Instanzen müssen natürlich dafür sorgen (und wir verhehlen uns nicht, daß hier ein ernsthaftes Problem vorliegt), daß die Investitionslustigen auch ernsthafte Projekte für Anlagen vorfinden, die der Betrachtung wert sind. In letzter Zeit ist von einigen Seiten die Furcht geäußert worden, daß die Messe nicht so sehr der palästinensischen Produktion und ihrem Absatz dienen wird, als der Verbreitung ausländischer Erzeugnisse. Bei der gegenwärtigen Situation im Lande scheint diese Furcht nur in sehr geringem Maße begründet. Es ist richtig, daß Palästina als Einwanderungsland einen weiten Markt für die Produkte aus aller Herren Länder bildet, und daß die junge palästinensische Industrie einen schweren Kampf gegen die ausländische Konkurrenz, manchmal auch gegen ausländisches Dumping, durchficht. Bei der starken Propaganda für palästinensische Produkte (Tozeret Haarez), bei der Industrielle und Arbeiter zusammengehen und für die man auch gerad? die Levante-Messe in weitem Maße benutzen kann, ist jedoch kaum zu fürchten, daß durch dieses Unternehmen gerade eine neue Ucberflutung des palästinensischen Handels mit fremden Produkten verursacht wird. Dagegen Die Unruhen in Syrien Die Nachrichten über die Unruhen in Syrien, die bereits einige Todesopfer gekostet haben sollen, beweisen erneut die starke Bewegung, die heute den ganzen Vorderen Orient durchzieht. Am bemerkenswertesten an den Vorgängen in Syrien ist die Annäherung der syrischen Nationalisten an die christliche Sekte der M a r o n i t c u im Libanon. Bisher bestand zwischen den Christen des Libanons und den mohammedanischen Arabern der anderen Provinzen Syriens ein scharfer Gegensatz, und dies war auch der Grund, warum Frankreich den Libanon, der ja schon vor dem Kriege eine besondere christlich protegierte Verwaltungseinheit in der Türkei gebildet hatte, als besondere Republik konstituierte. Die Vereinigung Syriens mit dem Libanon ist eine der Hauptforderungen der syrischen Nationalisten. Nunmehr wird berichtet, daß eine Botschaft des Patriarchen der M a r o n i t e n in Moschee in Da m a s k u s verlesen akklamicrt worden ist. Dies würde den auch in Syrien durch einen m u s die religiösen (ieecnsatz e z der O in a j a d e n - und dort lebhaft Versuch darstellen, weltlichen N a t i o n a 1 i s - G e g e n s ä t z e z u ü b c r - Vom jüdischen Standpunkt ist vielleicht interessant hinzuzufügen, daß der maronitische Patriarch im Libanon d<*n Juden freundlich gegenübersteht und vor einiger Zeit auch sich zugunsten einer jüdischen Ansiedln n g i n S y r i e n ausgesprochen hat. Man hat diese seine Haltung zuweilen auf den Wunsch zurückgeführt, das Minoritäten-Element gegenüber den Moslems zu stärken. Die Berliner „D. A.Z." versieht die Vorgänge in Damaskus mit einem Kommentar, dem wir nachstehende Zeilen entnehmen: ..Ks linier)»»;! w..U! k.-mtm Zweilel. «laß 'Ii.- Vor«.!»«.: in S; rU-n eine inil'ell.ure Koljje de; il;iIit-i,i-cli- 11n— ini-.cix-ii Kii.:t;r, Mini, der die ganze arabbeb'c \SYi> in Ii,-«, gnn;.; fjel.t.i.!•' hat. Ibe-.'Hvn ^i:!i\v.<.:ii^kciu.-n, denen »i. Ii J■'.ri;•'.ii,<! in AegU'U-n uinl in Palästina fgem-nubei-achi, und dcnm ««•!•,•. i- Au.l.H-ininj; <•» dunis Wihaivl-. Innren mil "t'i an joidaibce und ibu I 1 v 1 -''! 1.1 - zn vcihendiiu simht, ergaben sich in zunehmendem Mai:»,, aurh iur den syrischen Meilbrück Cn . Ferner wird berichtet, daß die syrischen Nationalisten eine besondere Garde als „G r ü n h e m d c n" aufzustellen beabsichtigt haben. Aus diesem Grunde hat die Regierung die nationalistischen Klubs in Damaskus und Aleppo geschlossen und zwei Nationalistcnführer au die syrisch-türkische Grenze deportiert. Bei den darauffolgenden Studenten- Unruhen in Damaskus kam es zur Verbrennung einer Straßenbahn. Die Geschäfte in Damaskus und zum Ted auch in anderen syrischen Städten wurden zum Zeichen des Protestes geschlossen. dann. Man eiimici! di h ihr zabb.iel November und Dezember vnn;ai) Jahn wurden. Krell! .amva he, J*J f11ei -l tni und nrabi'' hen Bewegung siebende I\i ee der Itcmhuldigung, eine Verclivc'utuig vi Ziel, da-. Land v.in d. r llan/- a < bin 11. i dem Libanon zu ehaun >e!baiSndien n wurde in the-cn; /u auaaelihung va: spiaa bei), ab deren Tngi 1 au d.» i b ■. M u i t i von | e i il , a! e in .in-, i» n Zeil .Ulf d( r Iva -e na, h 1 Lima dal ■ cm und znrariJie!. a dei l winden l-e. Aber d (1 1 C k (' i Ii e Hei I! <■ - ' a 1 i;.; u n V - 'i, \V, Set k i r.d. he ii;,an anim Va ma mmnic ll ndere in der!«ch iz.i unier ihen luil bellt nben und mit Tiberias auf dem Wege zum modernen Kurort Von Dr. S. Lach mann, Tiberias L>ic erste Phase der Entwicklung, die da fr Umwicklung, oie ins alte Tiberias und seine Thermen einer neuen Blüte zufuhren soll, ist beendet. Das Recht und die Pflicht zum modernen Ausbau der altberühmten Quellen war bekanntlich noch von der türkischen Zeit her in Händen einer (iruppe von syrischen Arabern, bis vor einigen Jahren eine rein judische I inanzgruppe mit Zustimmung der Mandatsregierung diese Konzession kaufte. Nach längerer Vorbereitung ging man zu Beginn des Jahres 1933 an die Verwirklichung der umfassenden Pläne zum vollständig neuen Ausbau aller Badcaulagen, und entsprechend den Methoden der heutigen Wissenschaft und Technik mußte diese Erneuerung mit eher Neufassung der Quellen selbst beginnen. In fast einjähriger Arbeit ist dieser Arbeitsabschnitt jetzt zu seinem Ende gelangt. Seit einigen Jahrzehnten weiß man, daß Mineralquelle n, und besonders solche, an denen sich, wie in Tiberias, jahrhundertelang die verschiedenen Völker mit Fassu........rsuchen bemüht haben, nur dann „dicht" sind, d. h. 'HHIMWMMM& Ein tiefer Lüngsgrahen folgt der einstigen Erdbchenspalte, aus der die Quelladcrn zutage treten. (Hechts im Hintergrund der Kinereth-See.) unabhängig von allen äußeren Umständen und Veränderungen, wenn sie an der Stelle gefaßt werden, wo sie aus dem noch unberührten ünmdgcstein heraustreten, und daß sie auch auf ihrem weiteren Wege zur Verwenduugssteile gegen neue schädliche Einflüsse von außen her sorgfältig gesichert werden müssen. Die Durchführung dieser Arbeiten wurde in die I fände des berühm'.en Schweizer Mineralquellen-Fachmanns Arnold Scherrer gelegt. Unter dem Schutt zweier Jahrtausende fanden sich zahllose Reste früherer Fassimgsversuehe und wird die Möglichkeit gegeben, dem einheimischen Publikum und der Welt anschaulich zu demonstrieren, welche Fortschritte die palästinensische Produktion, seine Werkstätten, Fabriken und Siedlungen in den letzten Jahren gemacht haben. Es sei zum Schluß noch auf ein Moment hingewiesen, das in der heutigen Lage im Lande als gewichtig veranschlagt werden muß, das psychologische. Der jüdische Wirtschaftssektor im Lande ist immer psychologischen Einflüssen überaus stark zugänglich gewesen, und auch ökonomische Abläufe hängen hier sehr stark — vielleicht stärker als anderswo — mit psychologischen zusammen. S t i m - mung wirkt entscheidend auf Wirtschaftsansichten - und Handlungen. Im vorigen Jahre, als noch Konjunktttrluft herrschte, wurden vielfach Geschäfte durchgeführt, die in „normalen" Zeiten kaum lockend gewesen wären, wahrend heute Investitionen, die objektiv gesund sind, unterbleiben, weil es eben gerade nicht genug „nach Konjunktur riecht". Die Bewegung, die ein so großes Unternehmen in die palästinensische Geschäftswelt bringt, der Besucherstrom, den sie anzieht, die Befruchtung des lokalen Arbeitsmarktes ..... all das ist wohl geeignet, mit zu der Ueberwindung der gegenwärtigen Flaute beizutragen. Und das ist es, worauf es ankommt. *tg<^»>- *!•* . . ,.-<.' Ein in armiertem Beton ausgeführtes Reservoir im Buden wird die Kühlanlagen für 300 chm Quellwasser enthalten, Badeanlagcn: von den wenig geschickten Vorrichtungen aus arabischer und türkischer Zeit bis zurück zu den Römern; es wurde eine ziemlich gut erhaltene Ruine eines rumischen Bades bloßgelegt, die später als Schaustück den fiästen zugänglich gemacht werden wird. Aber unter den Schichten aus diesen historischen Zeiten fand sich jene Spalte, die einstmals in geologischer Vorzeit ein Erdbeben aufgerissen hat, \on vielen (..hierrissen durchsetzt, und ans ihr quollen dann an vielen Stellen in immer größerer Ergiebigkeit die Ii e i Ii v n Q u e I I a d e r 11 hervor, die sich inzwischen an so vielen Generationen von Kranken bewahrt haben. Die reichen Mengen von Kulk-alzen, die diese Thermen enthalten, haben innerhalb der I rdbebenspalte und um sie herum eine Art von N a t n r b e t o n gesihaften, indem sie au> kleinen und größeren Steinen aller Art, untermischt mit Muscheln und Schneckenhäusern, ein so hartes tiestein zu einem Kongiomei at zusammenklebten, daß es mir mit Aufbietung bester Stahlmcißcl möglich war, Lucken darein zu schlauen. Nicht immer war es '"teilt, die gewaltigen Wassel masseii mit ilmr '1 t mperalur von f>0" C so mint werden konnten, s Bild, und schließlich n Quciladerii zu etwa ai, andenen vorlaufig Jen Si e abgeleitet wird, Wochen und Monaten. '■■Ii sclien. Schon die igeiien AtiL'cn einen überzeugen können, in den Schaue läsern 1 a:;, sin enge versorgt den in der spätezu bändigen, daß die Aber mehr und mehr klarte wurden die sehr zahlreichen 20 I asstingsstellen zusammen das Wasser in horizontalen K< über denen aber nun in den Arbeiten fort sieh, d, einzelni ■ enemne hrcii in Ii ichstei die definitiven Ann.itun. Besucher dieses Wintei großen Teil dieses Werl, wie das dampfende, gm richtet wen! ■rde.'i inh e - sehen und «.j.k haltige Wasser u i autsteigt. Meiir ais lun) ebm stehen zur Verfügung. Eine einzige von diese heutigen Badebetrieb, und auch in der ren Wintcrnionatc wird man nur einen I handene Quellwassers ausnützen können die absolute Gewißheit, daß auch bei jetzt als i Quellen l(ochsül-l ' leinen I httür einein Teil des voraber besteht unvorstellbar ' I I 1 Eine der starken (Jucllen strömt, umgehen von einer Üumpjwulhe, aus den provisorischen Ableitungsrohren. 1oioi; Ur, I.achinliiii, Iiiirriii I i i