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Jüdische Rundschau · 1936-01-28 · Heft 8 (28.1.1936) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 8 (28.1.1936)
Date
1936-01-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 8, 28.1.1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 5 Mit oder ohne Mädchen? Der jüdische Haushalt — heute Ergebnisse einer Umfrage Unsere Mitarbeiterin hat auf unsere Bitte eine Reihe von Haushaltungen besucht und mit zahlreichen llanajrauen uml Hausangestellten sowie mit dem jüdischen Arbeitsnachweis gesprochen. Die Ergebnisse dieser Umfrage sind in dem nachfolgenden Artikel zusammengefaßt. (Red.) Der 31. Dezember 1935 setzte in vielen jüdischen Haushaltungen einen Strich unter das bisher gewohnte Leben: Mit der Neige des alten Jahres mußten die jüdischen Haushaltungen, soweit sie nicht männerlos waren, ihre deutschblutigen Hausangestellten, die das 45. (bzw. bei Tätigkeit schon vor dein 16. 9. 35 das 35.) Lebensjahr noch nicht erreicht hatten, entlassen. Viele jüdische Frauen sind, soweit sie nicht selbständige Berufe ausüben, gewohnt, ihren Männern Stütze und Mithilfe Tu sein. Bridgenachmittage und ähnliche Unterhaltungen, die in vergangenen Jahren eine Mode der Mii"i'jgän.ieri'iiieii waren, blieben in letzter Zeit vorwiegend älteren oder alleinstehenden Damen vorbehalten. Und wer sich Hausangestellte leistete, hatte in den meisten Fällen diese auch wirklich nötig und wird den Mangel nun besonders hart empfinden. Die Hilfskräfte, die den jüdischen Haushaltungen zu beschäftigen erlaubt sind, sind knapp. Da sind zunächst die arischen Frauen und Mädchen ü b c r 45 Jahren. In diesem Alter sind die meisten versorgt. Diejenigen, die nun wieder arbeiten wollen, sind meist verheiratet gewesen und die Arbeit in grölicreii Haushaltungen nicht mehr gewohnt. Die wenigen im Beruf verbliebenen wirklich tüchtigen Kräfte, nach denen begreiflicherweise große Nachfrage herrscht, sind durchschnittlich nur bis etwa 55 Jahre noch voll arbeitsfällig. Auf die älteren Frauen und Mädchen — es melden Bich jetzt häufig Sechzigerinnen — muß viel Rücksicht genommen werden, so dali sie meist nur für leichtere Hausarbeit in Frage kommen. In vereinzelten Fällen sind männliche arische Dienstboten engagiert worden. Es handelt sich dabei allerdings nur um Haushaltungen größeren Stiles (Arztwohnungen usw.) und dürfte selbst als Teillösung keine Norm bilden. Das Gleiche gilt für das Beschäftigen von Diener-Ehepaaren , das auch nur vereinzelt und meist nur da, wo Gewerbe mit Haushalt verknüpft ist, in Frage kommt. Hier spielt, abgesehen von der Kostspieligkeit, das Alter der Frau, das dann auch über 45 sein muß, eine erschwerende Rolle. Wo sind die jüdisdien Mädchen? Sieht man sich den Inseratenteil der jüdischen Zeitungen an, so findet man, daß es von Stellenangeboten wimmelt, während in der Rubrik der Stellung s u c h e n d e n sich höchstens ein oder zwei jüdische Hausangestellte zu gehobenen Stellungen oder in frauenlosem Haushalt empfehlen. Das gleiche Bild haben wir in der Sprechstunde des jüdischen Arbeitsnachweises: Das Wartezimmer für die Arbeittgeberinnen ist bis auf den letzten Stuhl besetzt, während im Raum für die Stelluugsuchenden gähnende Leere herrscht und nur ein paar abgebaute Kontoristinnen oder Verkäuferinnen auf einer einzigen der vielen leeren Bänke sitzen. Dennoch ist von Seiten der vermittelnden Instanzen nicht zu unterschätzende positive Arbeit geleistet worden. Das Büro der Arbeitsvermittlung Lindenstraße hat schon seit 1933 rege zu tun. Arbeitswillige junge Mädchen und jüdische Hausfrauen haben sich schon vor Publizierung der Nürnberger Gesetze zusammengefunden. Die Nachfrage nach jüdischen Hausgehilfinnen ist schon seit drei Jahren groß, und es bestand auch zunächst ein ganz gutes Angetot, das sich jedoch mit der allzu rapid steigernden Nachfrage verringerte, um jetzt, nach dem Ansturm des 1. Januar, ziemlich erschöpft zu sein. Daß aber der Berliner Nachweis Lindenstraße im Jahre 1935 etwa 31X10 Stellen mit jüdischein Hauspersonal besetzen konnte, ist in Anbetracht der außerordentlich schwierigen Lage als große Leistung zu verbuchen. Doch das Heer suchender H a u s f r a u e n ist so groß, daß selbst diese beträchtliche Zahl nicht annähernd den Bedürfnissen Rechnung trägt. Manche Hausfrauen verstehen nicht, daß es ein gerechtes Prinzip ist, daß der Arbeitsnachweis nicht nach dem Satz: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst", handelt, sondern daß er Dringlichkeitsfälle kennt, wonach schwangere Hausfrauen, Wöchnerinnen und Kranke usw. bevorzugt werden. Man darf auch nicht vergessen, daß die Position der Arbeitsverniittlungsstcllen in Zeiten eines einseitigen Ueberangebotes immer geschwächt ist. Wer sich „gefragt" weiß, macht sich rar, er scheut den Weg zum Arbeitsnachweis, das Warten, den Gang mit der Karte in der Hand. Wer bietet sich nun für den Haushalt an? Diese Frage, die so oft mit Achselzucken und Mißbilligung erörtert wird, mutet uns wie ein Vorwurf an. Jedoch hier soll er keineswegs als ein solcher ausgesprochen werden. Wir müssen den Dingen gerecht zu werden suchen: Daß der Beruf der jüdischen Hausangestellten bisher schwach vertreten war, liegt zunächst an der sozialen Struktur der jüdischen Vorkriegsgeneration. Die ländliche Bevölkerung, namentlich die bäuerliche, aus deren Kreisen vorwiegend die Mädchen in städtische Haushaltungen gehen, fehlte unter den Juden. Und das ehrgeizige Verlangen, die Lcbcnscigri'.ing der jüdischen Menschen, auch des Mädchens, vor der Umwelt beweisen zu können, konzentrierte sich vorwiegend auf geistige Arbeitsleistungen. Heute ist die überiteigerte Bewertung geistiger Leistungen wieder zur Norm gebracht worden, und im jüdischen Volke tat vor allem der Wiederaufbau Palästinas das Seine, um die ehrgeizigen Wünsche der um ihr Prestige ringenden Menschen wieder auf Erprobung in praktischer und manueller Arbeit zu richten. Der akute Mangel an Hausangesteilten hängt auch mit der Auswanderung jüdischer Mädchen zusammen. Es sind indeß auch noch wertvolle Kräfte hier geblieben, die zur 11 m 8 c Ii i chtung in den hauswirtschaftlichen Beruf geeignet wären, doch der Anteil der aus kaufmännischen und anderen Berufen abgebauten jüdischen Menschen fällt gerade bei den Mädchen geringer als bei den Männern aus. Dazu kommt, daß die Mädchen oft eine Scheu vor der Umschichtung haben, was im allgemeinen keine Abneigung vor dem hauswirtschaftlichen Berufe bedeutet, sondern meistens Unsicherheit ist, ob man sich in seinem künftigen Wirkungskreise ebenso bewähren wird, wie in seinem seit Jahren erprobten Betätigungsgebiet. Aus dieser Unsicherheit erklärt sich auch die Nachfrage der jüdischen Stelluugsuchenden nach frauenlosen Haushaltungen. Die betreffenden Zeitungsinserate muten oft wie verkappte Heiratsgesuchc an. Indessen lehrt die Erfahrung, daß es sich hier nur um den Wunsch handelt, von keiner erfahrenen Hausfrau zu Anfang auf die Finger gesehen zu werden. Man möchte in Ruhe, mittels Kochbuch und anderer Hilfsmittel, seine Erfahrungen sammeln. Man glaubt es besser bewerkstelligen zu können, wenn keiner daneben steht, der einem in der Leistung überlegen ist. £5 gibt auch eine ganze JJnzahl lern- und arbeitswilliger Junger Mädchen. Den besten Tvp bringt die b ü n d i s c h e Jugend hervor. Mit den Mädels, die als Hachscharah ein halbes Jahr im Privathaushalt lernen, macht man, soweit man es heute schon übersehen kann, die besten Erfahrungen. Die Gesundheitsprüfung, der sich die Qialuzoth wegen ihrer Eignung für den Aufbau Palästinas unterziehen müssen, schließt von vornherein Kränkliche und Schwächliche aus. Die weltanschauliche Erziehung, die der Bund den Mädchen gibt, prädestiniert sie zur Arbeitswilligkeit. Sie legen — im Gegensatz zu den unbündischen Hausgehilfinnen — keinen Wert auf Komfortwohnung; sie wollen sich stählen und nicht verweichlichen, auch bürgerliche Vorurteile liegen ihnen fern. Allerdings sind die Hausfrauen, die solche Mädchen aufgenommen haben, ihrerseits zu Konzessionen gezwungen. Sie müssen diesen Mädchen viel Freizeit zur Weiterbildung in Hebräisch und anderen Fächern sowie zur bündischen Zusammenkunft gewähren. Sie müssen ebenso wie die Mädchen selbst auch an die S a c h e denken, die der Gemeinschaft dienen soll. Hausfrauen, die diesen Gesichtspunkten Rechnung fraßen, finden sich meist sehr gut in die für beide Teile anfangs oft schwierige Situation, so daß Arbeitgeberin wie Angestellte meist recht zufrieden sind. Es ist bedauerlich, daß, da der Anteil au weiblichen Kräften im Hechaluz nur ein Drittel der männlichen ausmacht und da außerdem die Mädchen für Hachscharah-Kibbu/im benötigt werden, nur verhältnismäßig wenig derartige Mädchen für die jüdischen Haushaltungen in Deutschland zur Verfügung stehen. Der männliche Hausangestellte, Mangel erfordert Selbsthilfe, und so erstand eine Zeiterscheinung: der männliche Hausangestellte. Er wird zum Teil auch vom Hechaluz gestellt; so hat man in Hamburg junge Leute, die auf ihr Zertifikat warten, für diese Zwecke herangezogen. Zum anderen, sicher größeren Teil werden sie von den jüdischen Jugendfürsorgeämtern und von den Berufsiimschichtungsstellen der Gemeinden vermittelt. Einige Lern- und Umstellungswillige meldeten sich auf Annoncen und Privatempfehlungen von selbst. Sehen wir uns einmal einen Haushalt, der einen solchen jungen Mann und ein jüdisches Tagesmädchen beschäftigt, an: Da ist die 9-Zimmerwohnimg des Ehepaares H., Berlin, Kurfürstendamm. Von den neun Zimmern, die die Familie früher allein bewohnte, sind jetzt sieben an Logiergäste, darunter an einige Vollpensionäre, vermietet. „Wir haben uns schon lange umgestellt", sagt Frau H. mit dem berechtigten Stolz des Menschen, der sich in die veränderte Lebenslage zu schicken weiß, „schon vor nahezu zehn Jahren, als wir unser Vermögen verloren hatten, ..." Die in ihrem Temperament jugendlich erscheinende Sechzigerin ist zu jeder gewünschten Auskunft bereit. Das bei ihr tätige junge Mädchen, ehemalige Bürosekretärin, ist seit 1. Januar als Tageshilfe tätig. Sie scheint willig, arbeits- und lerneifrig zu sein, doch man kann in der kurzen Zeit noch nicht viel über sie urteilen. Der junge Mann ist schon seit zwei Monaten hier beschäftigt. Er ist Anfang zwanzig, gelernter Gärtner, doch da er keine Aussicht mehr auf Anstellung in seinem Berufe hat und seine Angehörigen nicht allein hier zurücklassen möchte, nahm er gern die Haushaltstelle an. Er muß jeden Morgen um 6 Uhr aufstehen, die Schuhe und Kleider der Gäste reinigen, die Zimmer aufräumen. Bei der Erzählung von Frau H. fällt unser Blick auf das Parkett: Es ist spiegelblank. „Zuerst hatte er keine Ahnung von der Behandlung der Fußböden, noch von sonst irgend etwas," sagt Frau H. „Da bin ich jeden Morgen mit ihm in die Zimmer gegangen und habe jede Arbeit systematisch mit ihm zusammen gemacht. Jetzt kann er es schon sehr schön allein. Auch in der Küche beim Abwaschen, Gemüseputzen usw. stellt er sich ganz gut an. Nur das Servieren bei Tisch sieht noch ein bißchen linkisch aus. Aber da nimmt man Rücksicht darauf. Es gibt selbstverständlich auch noch so manches, was man mit Nachsicht bemerken muß." „Zum Beispiel?" Frau H. zögert etwas, dann sagt sie: „Nun, als er am ersten Abend mit der Arbeit fertig war, klopfte er an unsere Wohnzimmertür. Ganz hilflos stand ei* da, verlegen, ich sah, daß er etwas auf dem Herzen hatte, was ihm schwer auszusprechen war. Ich ermunterte ihn, es zu sagen. Er fragte, ob er sich nun, da er mit der Arbeit fertig sei, ein wenig zu uns setzen und sich mit uns unterhalten dürfe. Das war alles." „Sie haben ihm doch sicher auf geschickte Weise das, was man Distanzgcfühl nennt, beizubringen versucht!" Frau H. sieht uns ernst an. „Nein, das habe ich nicht versucht. Vor einigen Jahren, da hätte ich es vielleicht noch fetan. Aber heute habe ich vom Leben zu viel gelernt, heute ann ich das nicht mehr. Gibt es denn einen Abstand, da uns alle das gleiche schwere Schicksal vereint? Ich dachte, vielleicht möchte mein Sohn (er ist Zahntechniker in Palästina) das Gleiche zu seinem Lehrherrn sagen, doch er wagt es vielleicht nicht, weil er hier gelernt hat, was Distanzgcfühl vor dem Arbeitgeber ist. Und so sagte ich zu dem jungen Manne: Aber gern, setzen Sie sich nur hierher und erzählen Sie uns ein bißchen von zu Hause." Wir sehen Frau H. mit Sympathie an, man kann sie um diesen Hausgehilfen und ihn um seine vortreffliche Lehrmeisterin beneiden. Ein anderer Fall: Bei einer jungen Frau, die in kurzer Zeit ein Baby erwartet, ist als Hilfe ein junger Mann tätig, der früher Gctreidekaufmann, jetzt vier Jahre arbeitslos war und in dieser Zeit die verschiedensten schweren Arbeiten zu machen versuchte. Dieser 29jährige junge Mann macht die gesamte Hausarbeit (einschließlich großer Wäsche) zur vollständigen Zufriedenheit seiner Arbeitgeberin und zeigt auch großes Interesse für Fortbildung. Die Hausfrau gibt ihm Gelegenheit, dreimal wöchentlich einen Kochkursus zu besuchen. Der junge Mann ist sehr zufrieden, und zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer besteht ein angenehmes und freundliches Verhältnis. Er wünscht, sein eigenes Leben gesondert zu führen, und legt keinen Wert auf Familienanschluß. lassen wir audt einige Mädchen zu Worte kommen 1 In dem Arzthaushalt Dr. S. ist eine Chaluzah beschäftigt. Sie ist 25 Jahre alt, war mehrere Jahre Bibliothekarin an einer mitteldeutschen Universitätsbüchcrci. 1933 wurde sie abgebaut. Dann war sie fast drei Jahre ohne feste Stellung. Sie ist Waise, völlig mittellos, und möchte mit ihrem Bruder nach Palästina. Verwandte haben sie nach Berlin gerufen und ihr die Mittel zum Besuch einer I laushaltungsschule bereitgestellt. Nach Absolvieriing des Lchrkursus nahm sie die Stelle bei Dr. S. an. Anfangs hatte ihr vor dem großen Arzthaushalt, der 8-Ziniineiwohnung, den vierjährigen Zwillingsmädchen, die noch viel Wartung gebrauchen, gebangt. Sie hatte diese Stelle nur als Aushilfe angenommen, um der Dame, die leidend ist, vorübergehend behilflich zu sein. Nun aber hat sie sich so gut eingelebt, daß sie die ganze Zeit, also mindestens ein halbes Jahr, hier zu bleiben gedenkt, und sie wäre, wie sie sagt, resttos glücklich, wen« nicht immer noch die materiellen Sorgen wären. Der Lohn ist gering und die Bestimmungen des Hechaluz lauten auf hohe Abgaben für den Gemeinschaftsfond. Elli L. ist wirtschaftlich besser dran. Sie ist verlobt, wird vor der Alijali noch heiraten und auf Kapitalistenzertifikat ins Land gehen. Sie war bis zum 31. Dezember bei einem Anwalt als Sekretärin tätig und hat ihre langjährige Stelle aufgegeben, um sich noch einige Kenntnisse im Haushalt zu erwerben. Sie hatte bis jetzt noch niemals 1 lausarbeit gemacht und diese fällt ihr recht schwer. Aul unsere Frage, wie die Behandlung seitens ihrer Hausfrau ist, lächelt Fräulein I— ein wenig verlegen, und wir denken mit ihr, daß es besser ist, nicht nur aus der Theorie heraus zu kritisieren. Was tun die Hausfrauen, die keine ständige Haushalthilfe gefunden haben? Sie arbeiten, und die ganze Familie hilft mit. Jeder hat seine bestimmten Tagespflichten, und nach dem üblichen schweren Anfang geht es meistens mit der Zeit ganz gut. Erfreulich ist die Erfahrung, die man mit den Kindern macht. Während sie früher zur Unselbständigkeit erzogers waren und infolge mangelnden Au-gct'iiiliscins oft auf Ungezogenheiten verfielen, gliedern sie sieh jetzt nutzbringend in die Hausgemeinschaft ein. Sie haben me hr Respekt als früher vor der Mutter. Um sie zu schonen, nehmen sie ihr so viel Arbeit wie möglich ab. Es ist entzücken 1 zu sehen, wie die Kleinen mit flinken Händen Töpfe scheuern, Messer und Türklinken putzen, die Schuhe reinigen und die Steinfußböde« aufwaschen. Sie ermüden viel weniger als die Erwachsenen, und es ist zu erwarten, daß mit ihnen eine Generation heranwächst, die hier wie in Palästina die manuelle und häusliche Arbeit wieder als Selbstverständlichkeit betrachten und ausführen wird. freilich, so umständlich wie früher darf die Hausarbeit nicht eingerichtet sein. Ordnung ist der beste Helfer, aber Pedanterie ist eine Arheitserschwerung. Die Hausfrauen machen die Erfahrung, daß vernünftige Verteilung und Einteilung der Arbeiten die beste Zeitersparnis bringt. Es gibt eine Reihe von kleiner» Tricks, die sich die Hausfrauen mit der Praxis ganz von selbst angeeignet haben: Kochen für zwei Tage, wobei kleine Variationen in der Beigabe zur I lauptspeise genügend Abwechslung bieten. Das Anrichten mittels einer größeren Platte erspart Geschirrabwaschen mehrerer Gefäße. Auf empfindliche Schlafzimmerläufer kann man abends Schondcckcn legen, die man ausschütteln kann, um nicht jeden Tag Teppiche bürsten zu müssen, u. a. mehr. In den Großstädten sind die Bedingungen für die Hausarbeit wesentlich leichter als in den Kleinstädten, da es dort Grofiwaschaustalten, Fensterrcinigungsinstitute u. a. mehr gibt. Auch sind Aushilfen aller Art bei den jüdischen Arbeitsnachweisen eher zu haben als ständige Hausangestellte. Es gibt eine Reihe indischer Frauen, die selbst einmal einen guten Haushalt geführt haben und die sich zu stunden- oder tageweisen Aushilfen zu grober wie zu feiner Arbeit, wie zu Nachtwachen bei Kindern anbieten. Außerdem hat das Jugeudfürsorgeamt Rosenstraße eine Anzahl arbeitsfreudiger junger Burschen ausgebildet, die zu schweren Haushaltarbeiten, wie Teppichkloni'en, Möbeltragcn, Parkettboden abziehen und bohnern u. a. mehr gebraucht werden. Der Jüdische Frauenbund hat schon lange eine „Haus* pflege" eingerichtet. Hausfrauen, die vorübergehend arbeitsunfähig sind, insbesondere Wöchnerinnen und Kranke, können sofort durch das Büro des Frauenbundes zuverlässige tüchtige Kräfte zur vollständigen I l.uisversorgung. wie auch ruf Krankenpflege gegen verhältnismäßig geringes Entgelt (nötigenfalls mit Unterstützung des Jüdischen Wohlfahrtsamtes) zugewiesen bekommen. Diese Hautpflege hat sieh schon seit einer Reihe von Jahren bewährt. Dennoch bleibt für die Hausfrau noch eine Menge zil tun, und es ist oft -- boomlers wenn Nie noch nebenbei berufstätig ist —erforderlich, daß sie den ganzen Haushalt verkleinert. Gleich nach Bekanntgabe der Nürnberger Gesetze versuchten viele Inhaber großer Wohnungen diese gegen kleinere zu tauschen, was aber in den seltensten Fällen gelang.. Leider sind Kleinwohnungen, namentlich in Berlin, nur schwer zu haben. Aber auch hier wußte man sich zu helfen. Wohnungsteilungen, Wohnungsgemeinschaften, Zimmervermietungen wurden vorgenommen. Manche Hausfrauen haben kurz entschlossen, wenn sie nicht vermieten wollten, die Möbel der Speisezimmer und Salons verkauft und die Leerzimmer abgeschlossen. Umstellung der ganzen Lcbenseinstellung ist das Hauptgebot. Auf manche Gewohnheiten der Lcbensverfeiiierung muß wieder verzichtet werden. Menschen, deren Blick auf das jüdische Gesamtschicksal und auf das Werk des Wiederaufbaus Palästinas und der jüdischen Regeneration gerichtet ist, nehmen diese Dinge leichter und fügen sich freudiger ein. Sie wissen, daß Lebensbewährung nicht in äußeren Gewohnheiten, sondern in der charakterlichen Orundeinstcllunj atisgeprägt wird. Marcelle Blank SCHALTERSTUNDEN der Annahmeatelfe in onaerem Vtrla jshaust MEINEKESTRASSE 10 Montag bis Donnerstag 9-18 Uhr am Preitag Jetzt wieder 9 — 16 Uhr JÜDISCHE RUNDSCHAU

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