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Jüdische Rundschau · 1936-01-24 · Heft 7 (24.1.1936) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 7 (24.1.1936)
Date
1936-01-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Mr. 7 24. i. 1936 JODISCHE RUNDSCHAU Seife 3 Die Juden in Südamerika Von Dr. Arthur Ruppin Wir beginnen heule mit dem Abdruck einer Artikelserie von Dr. Ruppin über seine Eindrücke in Südamerika. Dr. Ruppin wird über die Juden in Südamerika und ihre Struktur, über die Einwanderung aus Deutschland und schließlich über die bisherigen landwirtschaftlichen Kolonisalionsversuche und ihre Ergebnisse berichten. Da in der letzten Zeil Südamerika neben Palästina immer stärker als das Einwanderungsziel vieler Juden aus Deutschland in den Vordergrund tritt und zahlreiche Pläne in bezug auf eine künftige jüdische Siedlung in Südamerika diskutiert werden, glauben wir, daß eine Information über das Leben der Juden in diesem Weltteil unseren Lesern besonders willkommen sein wird. Dr. Ruppin, der Verfasser des zweibändigen Werkes „Soziologie der Juden", ein genauer Kenner der jüdischen Lebensverhältnisse in der ganzen Weit und zugleich der Schüpfer der praktischen Sicdlungsarheit in Palästina, ist wie kein zweiter berufen, eine objektive Abschätzung dieser Verhältnisse zu geben. Red. Die Entstehung des jüdischen Jischuw in Südamerika Wie es auf geographischen Karten weiße Stellen gibt, mit der Aufschrift „unerforscht", so gibt es auch in der Soziologie der Juden solche Stellen. Die größte von ihnen ist Südamerika. Ueber die Juden Südamerikas sind nur sehr wenige und sich vielfach widersprechende Angaben vorhanden. Vielleicht hangt dies damit zusammen, daß sie erst im letzten halben Jahrhundert nach Südamerika kamen und sich als Gemeinschaft noch in statu nascendi befinden, in dein sie noch kein bestimmtes Gesicht haben. Die Reise nach Südamerika, die ich in den Monaten September bis November 1935 unternahm und die mich nach Brasilien, Uruguay, Argentinien und Chile führte, hatte den Zweck, mir einen Einblick in das Leben der dortigen Juden zu verschaffen. Ich fand Verhältnisse vor, die durchaus eigenartig sind und einen interessanten Ausschnitt aus dem leben der Juden in der Gegenwart bedeuten, Einige dieser Eindrücke und Erfahrungen lege ich hierdurch den Lesern vor. 1. Die Emigranten aus Spanien In das Jahr 1192 fällt bekanntlich nicht nur die Entdeckung Amerikas (Südamerikas), sondern auch das Dekret, durch weiches Ferdinand und Lsabella die Juden aus ihren spanischen Reichen auswiesen. Ein Teil der Ausgewiesenen wanderte zu Lande oder /u Schiff nach Portugal, nach Südfrankreich, nach Italien und der Türkei; der andere Teil ließ sich taufen und durfte in Spanien bleiben. Aber damit war ihr Schicksal noch nicht endgültig bestimmt. In Portugal und Südfrankreich mußten viele spater von neuem zum Wanderstabe greifen und gelangten nach Holland, nach England, nach Hamburg, und in geringerer Zahl auch nach Paris, Böhmen, Süddeutschland, Polen. Viele von denjenigen, welche in Spanien (und später auch in Portugal) zum Christentum übergetreten waren, waren dem Wüten und den Scheiterhaufen der Inquisition ausgesetzt, die sie beschuldigte, nur zum Schein Christen zu sein, i.inerlicli aber weiter der jüdischen Religion anzugehören. Ein Teil dieser Scheinchristen (Marannos) fand den Weg in die N e u e W e! t, wo die Inquisition keine oder geringere Macht hatte. Sic nahmen als Kaufleute, Pflanzer, Rheedcr an der wirtschaftlichen Entwicklung der südamerikanischen Länder unter spanischer, portugiesischer und holländischer Herrschaft im 16. und 17. Jahrhundert bedeutenden Anteil, sowohl in den Staaten der atlantischen wie der pazifischen Küste. Sie stiegen fast durchweg zu Wohlstand auf. Die jüdische Gemeinde in Recife (Pernambuco) in Nordbrasiiicn nahm in den 31) Jahren holländischer Herrschaft (1624—1651) einen großen Aufschwung und war in Europa gut bekannt. Aber im Laufe von Generationen vermischten die Einwanderer sich selbst dort, wo sie sich anfänglich offen als Juden bekannten, mit der übrigen Bevölkerung und hörten auf, als Juden zu existieren. Zwar gibt es vielerorts, z. B. in Brasilien und Chile, bis heute unter den ersten Familien des Landes noch solche, die ihren Ursprung auf Juden oder Mammen zurückführen. In Bahia (Nordhrasiücn), wo im 17. und 18. Jahrhundert eine bedeutende Gemeinde bestand, finden sich unter den Vornamen der Christen jüdische Namen wie Abigail, Malki/edek, Eleasar, Sehoschana, die wahrscheinlich noch das Erbe jüdischer Vorfahren sind. Aul dem luxuriösen christlichen Friedhof Rccoleta in Buenos Aires, der mit seinen prächtigen Grabmalen zu beiden Seiten gepflasterter Straßen dem berühmten catnpo santo in Genua ebenbürtig zur Seite stellt, fand ich ein Grabmal, auf dem eine große M e n o r a h neben dem Kreuz in den Stein gehauen war. Aber das alles hat nur historische Bedeutung; "kulturell und sozial sind diese Juden völlig mit den Christen verschmolzen und haben nur einige verfallene Friedhöfe und Synagogenruinen zurückgelassen. Nur in Holländisch-Guyana (besonders auf der Insel Cura?ao) finden sich noch heute jüdische Gemeinden von insgesamt etwa 1000 Seelen, die ihren Ursprung auf die spanischen Emigranten des 16. und 17. Jahrhunderts zurückführen. 2. Nene sefardischc Einwanderer ans Süd. nnd Westeuropa Erst in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts setzte von neuem eine kleine jüdische Einwanderung ein. Sie bestand aus sefardischen Juden aus England und Holland, die mit Südamerika Handelsbeziehungen hatten, oder aus Nordafrika (Marokko), die in den sprachverwandten und verhältnismäßig nahen Ländern Südamerikas leichter fortzukommen hofften als in den Vereinigten Staaten, die das Wanderziel der aschkenasischen Juden waren. Es kam zur Bildung kleiner sefardischer Gemeinden in den Hafenstädten Brasiliens und Argentiniens. Ihre Mitglieder widmeten sich dem Klein- und Großhandel und gelangten bei ihrer geringen Zahl ziemlich rasch zu einer guten Existenz. Ihnen schlössen sich gegen Ende des 19. und' noch mehr seit Beginn des 20. Jahrhunderts zahlreiche sefardischc Juden aus Syrien (Aleppo, Damaskus), aus Saloniki, Monastir, Smvrna und aus Marokko an. Sie faßten besonders im Handel mit Kleiderstoffen aus Seide und Baumwolle Fuß und haben in Buenos Aires einen großen Teil dieses Geschäftes, sowohl des Großwie des Kleinhandels, in ihren Händen. In Brasilien bilden sie besonders in Para eine Gemeinde von etwa 21'00 Seeleu und übertreffe:! an Zahl die Aschkcnasün. Sie sind seit etwa 1S70 eingewandert, hauptsächlich aus Marokko, und sind wohlhabende und wegen ihrer Redlichkeit hochgeachtete Großkautleute geworden. Seit dem Weltkriege hat sieh die Einwanderung von Sefaradim sehr vergrößert. Während um 18S0 die Zahl aller Sefaradim wahrscheinlich kaum KMM) betrug, war sie bis 1000 auf ungefähr 10 OCH, gestiegen und ist ' im Jahre 1035 auf 80 (ILO bis 100 000, d. h. auf etwa 1 , aller Juden Südamerikas zu schätzen. Die Sefaradim sind bis jetzt mit den aschkenasischen Juden nicht verschmolzen. Auf meine Frage an aschkenasis„die;uden, wieviel Juden es in der Stadt gehe, wurde mir meist nur die Zahl der aschkenasischen Juden genannt und erst auf nochmalige Frage w urde mir geantwortet, daß es a u ß c rdem noch so und so viele Sefaradim gebe. Die Sefaradim haben fast überall ihre eigenen Bethäuser, Friedhöfe, Wobltätigkeitsanstaltcn. Erst in der letzten Zeit bahnt sich durch gemeinsame Interessen (Zionismus, Einwände; erfürorge, Brie Brith-Logcn) eine gewisse Annäherung an. 3. Einzeleinwanderuno; aschkenasischer Juden aas West- und Mitteleuropa Zu gleicher Zeit wie die sefardischen Juden, d. h. etwa von der Mitte des 10. Jahrhunderts bis zur Gegenwart, wanderten vereinzelt auch a s c Ii k e n a s i s c h e j u d e ri aus Deutschland, England, Frankreich (Elsaß) nach Südamerika. Sie kamen dahin aus Reiselust oder aus Sehicksalsschlägen in der europäischen Heimat oder als Vertreter und Angestellte europäischer Firmen, die mit Südamerika Handel trieben. Viele von ihnen brachten Kapital, fast alle Bildung und Kenntnisse mit, so daß es ihnen leicht wurde, sich im neuen Lande eine geachtete Stellung zu schaffen und wirtschaftlich vorwärtszukommen. Allerdings war ihre Anhänglichkeit an das Judentum schwach. Sie bemühten sich nur wenig darum, ein jüdisches Gemeinckleben zu schaffen, hatten gegen Mischehen ihrer Kinder wenig einzuwenden und ließen sich — im Gegensatz zu den Sefaradim, liie für eigene jüdische Friedhöfe sorgten — meist auf christlichen Friedhöfen begraben. Die Zahl dieser Einwanderer war nicht groß und nahm durch Taufe und Mischehen noch ab. Im allgemeinen überdauerte iure zugetiorigkeit zum juuei.u,,,, uicnr tue zweite oder dritte Generation. Sic sind ein gutes Beispiel für die allgemeine Erscheinung der Assimilation. In kleiner Zahl und ohne feste Gemeindeorganisation werden die Juden in einer kulturell gleichstehenden und toleranten Bevölkerung in der zweiten oder dritten Generation absorbiert und hören auf zu existieren. Manche dieser Juden hielten und halten sich den jüdischen Kreisen ganz fern und lassen es ungewiß, ob sie Juden sind oder nicht. Die gesamte Zahl dieser aschkenasischen Juden aus West- und Mitteleuropa in allen südamerikanischen Ländern dürfte 5000 nicht übersteigen; sie bilden aber die reichste und einflußreichste Schicht. Zwischen ihnen und den osteuropäischen Einwanderern des 20. Jahrhunderts besteht so gut wie kein gesellschaftlicher Verkehr. Die Kluft zwischen „Westjuden" und „Ostjuden" ist noch tiefer als in den Vereinigten Staaten oder in den westeuropäischen Einwanderungsländern. Erst die Katastrophe, die seit 103'-* über die deutschen Juden hereinbrach, hat das Gefühl der jüd.sehen Schicksalsgemeinschaft wieder etwas geweckt. In manchen Orten sind die Spuren dieser (sefardischen und aschkenasischen) Einwanderer des 10. Jahrhunderts bereits vergessen. In Bahia (Nordbrasilien) sagten mir die jetzt dort vorhandenen, seit 1005 aus Osteuropa eingewanderten Juden, daß zwischen ihnen und der sefardischen Finwanderuig des 17. Jahrhunderts ein vaciuun gewesen sei und daß zur Zeit ihres Kommens keine Juden in Bahia wohnten, ich habe jedoch auf dem sogenannten englischen Friedhof in Bahia eine beträchtliche Zahl jüdischer Grabsteine (in hebräischer, daneben auch spanischer und französischer Srrache) aus dem 19. Jahrhundert gefunden, z. B. eines „Isnclita" Benjamin Benetar, gestorben 1815, eines Luis Anizar, gestorben in dein benachbarten Santo Arnaro im Jahre IST). Die meisten dieser Grabsteine stammen aus den Jahren 18"5 bis 1S81. Die Grabsteine (in hebräisch und französisch) eines AIphonso Loch, gestorben 1875, und eines Rafael Schwab, geboren 1868 in Wittersheim (Elsaß) und gestorben 1026 in Bahia, beweisen auch die Anwesenheit westeuropäischer Juden. 4. Die osteuropäischen Einwanderer Bei weitem die Mehrheit aller Juden in Südamerika bilden die aschkenasischen Juden aus Osteuropa, die in kleiner Zahl seit 1870 und in größerer Zahl seit 1801 einw anderten. ■■ Der Beginn dieser Einwanderung bildet bis heute das „Gespenst" im Hause des südamerikanischen Judentums. Brasilien und Argentinien litten wie alle jungen Kolouialländer Mangel an weißen Frauen. Gewissenlose Agenten benutzten dies, um Mädchen aus den armen Bevölkerungsklassen in Osteuropa, aber auch aus Italien und Frankreich, nach Brasilien und Argentinien zu bringen, indem sie ihnen ein leichtes und angenehmes Leben und manchmal auch die Ehe oder gute Stellungen versprachen. In Wirklichkeit war das Ende dieser Mädchen die Prostitution. Unter den Mädchen aus Osteuropa waren viele Jüdinnen, ebenso unter den Agenten, so daß dies Gewerbe geradezu als „jüdisch" erschien und Schande über den jüdischen Namen brachte. Alle späteren jüdischen Einwandeier (oder „Russos", wie sie von den Christen genannt DER MITMENSCH Rabbi Elasar ben Schammua sagt: Die Ehre deines Schülers sei dir so teuer wie deine eigene, die Ehre deines Genossen wie die Furcht vor deinem Meister, die Furcht vor deinem Meister wie die Furcht vor Gott. Aboi IV. « Ucbcrsetzt von N. A. GMzet wurden) in die großen Städte hatten unter diesem Geburtsniakel der jüdischen Einwanderer zu leiden, selbst wenn sie absolut ehrenhaft und arbeitsam waren und sich von den Mädchenhändlern und deren Genossen so scharf absonderten, daß sie in zwei völlig geschiedene Gruppen, die „Reinen'' und die „Unreinen", zerfielen. Die „Reinen" schlössen die andern von jedem Verkehr und von der Teilnahme an allen sozialen und religiösen Funktionen mit größter Strenge aus, verheirateten sich nicht mit ihnen, ihren Kindern und Enkeln, verweigerten ihnen das Begräbnis auf ihren Friedhöfen und den Besuch ihrer Bethäuser, so daß die „Unreinen" sich eigene Friedhöfe und Bethäuser errichten mußten. Obwohl gegenwärtig die Zahl der Juden, die noch direkt oder indirekt von der Prostitution leben, im Vergleich zu der ehrenhaften jüdischen Bevölkerung verschwindend gering geworden _ ist, hat sie bis heute auf die Juden in Argentinien und Brasilien einen großen psychologischen I in Muß. Sie leiden au einer Art I n f c r i o r i t ä t s k o m p I e x, besonders im Verkehr mit europäischen Juden. Eine ihrer häufigsten ('ragen ist, was man in Europa über sie denkt. Sie fürchten immer, die Schande der ersten osteuropäischen Einwanderung weide noch heute dem ganzen Judentum dieser Länder zur I a^t gelebt. Während in den Vereinigten Staaten die große jüdische I in Wanderung aus Osteuropa, die ISSI begann, eine sehr geachtete und wohlhabende Schicht von deutschen luden \ ort and, deren guter Ruf auch ihnen zu statten kam, hatten die osteuropäischen Einwanderer in Aigentinicn und Brasilien den schlechten Ruf ihrer Vorgänger gegen sieh und mußten sich gegen dieses Vorurteil ihren Weg bahnen Einen großen und Wirtschaft'!-h gesunden An-toß erhielt die jüdische Einwanderung aus < >stcur<>pn nach Argentinien durch den Entschluß des B a r o n s M a u r i c e de 11 i r s c h (1S0U), Juden aus den Ländern der Judein ei toigungeu in Argentinien landwirtschaftlich anzusiedeln. Die gewaltigen Mittel, die der Baron dafür der von ihm gegründeten Jewish Colonisation Association zur Verfügung stellte (gut) Millionen Goldfrancs), ermöglichten es in kurzer Zeit, Boden zu kaufen und mit der Ausiedlung zu beginnen. Zwar hat die Zahl der Ansiedler nicht im entferntesten das Ausmaß nreicht, das Baron Hirsch erträumte. Statt der huuuci itauseude von jüdischen Familien sind in der ganzen Zeit von 1800 bis 1035 nur et w a 3000 K o I o u i s t e u s t e I I e n g e schaffen worden und selbst 'diese Kolonisten sind zum Teil noch in einer sehr schweren und unsicheren I .'ige. Wir werden darüber in einem späteren Kapitel sprechen. Aber eines ist klar: ohne diese durch das Geld des Ilarons Hirsch ermöglichte und kunstliche und kostspielige landwirtschaftliche Kolonisation wäre Südamerika nicht zu einem großen jüdischen Eiinvanderungsgebiet geworden, in dem heute über 35(1 (MX) Juden leben. Durch die landwirtschaftlichen Siedler wurde ä rfcoitMk ii Iii O.sKiuujM 1) e k a i! II t; tue V. j e. andteil lind Bekannten der Siedler kamen ihnen nach und liehen sich zum größten Teil in den großen Städten nieder oder gründeten — zusammen mit den Siedlern, welche die Landwirtschaft verließen —■ kleine Städtchen in der Nähe der landwirtschaftlichen Siedlungen. Sie lebten meist vom Handel, anfänglich vom Hausierhandel und Abzahlungsgeschäft, später auch vom Ladengeschäft, und schufen für das Abzahlungsgeschäft besondere Organisationsformen. Die Zahl der osteuropäischen Juden in Argentinien, die von Handel, Handwerk, Industrie, "ircien Berufen leben, ist heute mehr als zehnmal großer als die Zahl der landwirtschaftlich Erwerbstätigen: aber bei den allermeisten läßt sich feststellen, daß ihre Einwanderung auf irgendeine Verbindung mit den landw irtschaftlichen Ansiedlern ziini; k/utuhren ist'. Wie es so oft in der Geschichte der Fall ist, hat auch die Tat des Baron Hirsch Nebenwirkungen ausgelöst, die die ursprünglich beabsichtigte Witkung an Wuhtigk.it!>• i weitem übertrafen. Der Mann, dessen Denkmal in Bahia Manca in Südargentinien steht und dessen Andenken überall bei d in Argentinien noch lebendig ist, gilt mit kvcht Schöpfer des jüdischen jisehuw in .Arg' n'imVr. t Darüber hinaus ist "Argentinien das Murin Land iur die jüdische Einwanderung nach vielen anderen Landern Südamerikas geworden. Juden au- Vg-eutinii u sind, in geringer Zahl schon vor, in größerer Zahl nach dem Weltkriege nach Chile, Peru, (.oliunhiu, Uruguay gern en, wenn sie dort bessere Frwerbsaussiehfen erhofften, und haben hier den Grund für einen jüdischen |Musw geh gl. Line Ausnahme machte Brasilien, wohin neben den „irr-einen" auch ehrenhafte jüdische Einwanderer direkt aus Osteuropa kamen. Auch hier hat die Errichtung zweier kleiner landwirtschaftlicher Siedlungen durch die J.C. A,, so wenigerlulgicich sie sich auf die Dauer erwies, die I.in wändeui>; gestutzt. 5. Zahl der Juden in den einzelnen Ländern In den Ländern Südamerikas wird bei den Volkszählungen die Frage nach der Religionszugehörigkeit nicht gestellt. Wir sind deshalb zur Feststellung den Zahl der Juden auf Kien der angewiesen. Für Buenos Airc: Statistik der Sterbefallc be- oder Schätzungen nutzten Wir auch die genauer der Begrabenen. Im Jahre 1031 35 wurden auf jüdischen Friedhofen 1153 Juden begraben (03) auf dem aschkenasischen, etwa 220 auf dem sefardischen Friedhofe). Dazu kommen ungefähr 40 Verbrennungen, 100 Beerdigungen von Juden auf dem munizipalen, dem deutschen und englischen Friedhof, etwa 100 auf dem Friedhof der „Unreinen", insgesamt 1303. Die allgemeine Sterbeziffer der Bevölkerung j\on Buenos Aires ist 11 «v,, die jüdische dürfte - mit Rückzieht auf die stärkere Vertretung der jüngeren Altersklassen juntcr dieser typischen Eiiiwanderungsbevolkeruiig - etwas |geringcr, etwa 10 <>,, sein. Das würde auf eine Zahl von 1140 000 Juden schließen lassen, die mit den Schätzungen [125—150 000) ungefähr übereinstimmt. Für ganz Argentinien kommt Herr Simon Weiß, pirektor der ICA in Buenos Aires, auf Grund der Statistik des jeschatzten) Geburtenüberschusses und der Einwanderung, nTentur^erkau Landeshufer Leinen- und Göb.ldweböiei F. V. GRUNFELD Uipiiger Strafe« 20-22 1 K»rlürs!endamm 227

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