Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 6 (21.1.1936)
- Date
- 1936-01-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Saft« 2 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 6, 21.1. 1936 K.::.. von Umständen ungünstig beeinflußt. Durch das Blutschutzgesetz haben viele Haushaltungen auch alter Leute ihre Hausangestellten entlassen müssen, ohne Ersatz finden zu können. Sie müssen daher die Auflösung ihres Haushalts in Bet acht!:e:t. Ebenso wirkt die Auswanderung (!• Kinder für die bisher im gemeinsamen Haushalt lebenden Eltern, die schon aus finanziellen Gründen zur Fortführung des Haushalts nicht in der Lage sind. Weiterhin führt die Binnenwanderung, die Uebersiedlung aus Klein- und Mittelstädten in die Großstädte ebenfalls zur Aufgabe des Haushalts, ohne die Möglichkeit der Begründung eines neuen Haushalts, und endlich und vor allem zwingt die Verengung der L e b e u s b a s i s zur Aufgabe der eigenen Haushaltung. Oerade in dieser Hinsicht hält die Anpassung an neue Lebensbedingungen hingst nicht immer mit der Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage Schritt, führt das Unvermögen, liebgewordene Lebensumstände rechtzeitig aufzugeben, zu einer noch stärkeren Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage, als sie bei vernünftiger Wirtschaftsführung halte eintreten müssen. Der Ausweg aus diesen Schwierigkeiten kann nur in der Schaffung ausreichender und preiswerter U n t e r b r i n g u n g s m ö gIi c h k e i t e n für ältere Leute gefunden werden. Der Neubau von kostspieligen AHcrsanstalten verbittet sich aus finanziellen Gründen und auch aus der Erwägung, da» mit der fortgesetzten Schrumpfung der jü.'Lehen Bevölkerung allmählich auch der Bedarf an Altcrsheimplätzcn -- natürlich längst nicht in dem Tempo wie bei den Schulplät/cn — zurückgehen wird. Scheidet der Neubau von Anstalten aus, so kommt in Großgemeinderl der Umbau von gemeindeeigenen Häusern , Jcr der Ii r u erb von Häusern aus S t i f - t u n gs m i 11 e I n für diesen Zweck durchaus in Frage. Im Gegensatz zu den Altersheimen wird es oft ausreichend sein, wenn die alten Leute in solchen Häusern nun billige Wohnräume — iin Zimmer — mieten können und ihre Mahlzeiten aus einer Zentralküche, die das Essen sehr billig zubereiten kann, erhalten. Ein Bibliotheks- und Gesellschaftsraum soll die Möglichkeit zu geselligem Zusammenkommen und Lektüre geben und die Nachteile der Beschränkung des Lebens auf einen kaum aulhvbeti. Die i-ineindeeigenen Häuser haben den GenieinsehaltNWolmim^eii gi,;enübtr den Vorteil der Billigkeit der Miete, die nur Uic normale Verzinsung des investierten Kapial. und die l;i»tamLctzuiigsko»teii des Hauses zu decken braucht; >ie bieten den weiteren Vorzug, dal! die Zentralküche durch Giotfunkauf und Benutzung von .Maschinen die Kosten für die Mahlzeiten außcrordcutli. h verbilligen kann. Selbstverständlich behalten die G e in e i u s c h a f t s w o h - Hungen überall da ihre Bedeutung, wo die Mittel für eigene Häuser nicht ausreichen. In Breslau sind mit der Unterbringung von alten Leuten in solchen Großwohnungen unter Führung des jüdischen Frauenbundes recht gute Erfahrungen gemacht worden. Die (kxamtkosten für die Unterbringung einer Person betragen 50—60 KM. monatlich. Schließlich kann auch auf eine Unterbringung in geeigneten E i n z e 1 f a in i I i e n sowohl im Interesse der Alten als auch im Interesse der Familie nicht verziehtet werden, weil hier der ständige Kontakt mit jüngeren Menschen einerseits und die bessere Ausnutzung der Wohnungen und des Haushalts andererseits wichtige gegenseitige Vorteile bieten. Hier wird aber oft genug eine Mitwirkung der Allgemeinheit in ähnlicher Form zu empfehlen sein, wie sie bei der Au. icht über Pflegekinder im Reichsjugendwohlfahrfegese'• entwickelt worden ist. Mindestanforderungen an Wohnraum, Essen und Betreuung müßten durch diese freiwillige Unterwerfung unter eine Aufsicht der Gesamtheit — durch die jüdischen Wohlfahrtsstcllen — sichergestellt werden. Die Schwierigkeit der Probleme der Altersversorgung und die durch die wachsenden Anforderungen beschränkten Mittel der Wohlfalirtsinstitiitioneii und Gemeinden verweisen auf den Weg der Selbsthilfe — durch den Vcrsicherungsgcdankcn — überall da, wo die kjpitalm'illigen Voraussetzungen durch eigenes Vermögen oder durch Heranziehung jüngerer Verwandter gegeben sind. Die vorstehenden Anregungen bedürfen zu ihrer Durchführung nicht nur der Mitwirkung der Fachkreise, von denen sie ausgehen, soa.Krn der gesamten jüdischen Bevölkerung. Durch rechtzeitige Aii-nutzung \orhaii.k-er Gestaltungsniöglichkciten können w h der Gv-amtheit helfen, einer Verantwortung zu genügen, die mlien allen anderen auf uns liegt. Versuchte Erpressung Vor dem (iielSeuei Schöffengericht hatte sich lt. „Frank!. Ztg.'' vom 17. Januar ein "ijjahriger Angeklagter wegen v e r s u c h t e r Erp r e s s u n g g e g c n ü b e r einer j ii - d i s c h e n A n g e s t e I 11 e n zu verantworten, thn sich Geld für die Bezahlung' von Schulden zu verschaffen, hatte er an die Angestellte, die er auf dem Weg zu seiner Arbeitsstelle kennengelernt und deren Adresse er dann festgestellt hatte, zwei Briefe gerichtet, worin er mit einein schwülstigen Liebesgeständnis die Forderung verband, sie solle ihm zehn Mark geben, die er unbedingt brauche. Fr gab sich in dem ersten Brie) als Kommunist und Freund der Juden aus und behauptete, der Wahrheit zuwider, er sei im Konzentrationslager gewesen, fugte aber auch die Drohung hinzu, wenn die Adressatin zu dem vorgeschlagenen Termin an die angegebene Stelle nicht komme, werde sie keine Ruhe mehr in Gießen haben. Die Angestellte setzte sich sofort mit der Kriminalpolizei in Verbindung, und dieser gelang es, den Angeklagten bei dem zweiten Stelldichein festzunehmen, zu dem sich das Mädchen auf den Rat der Polizei begab. Vor Gericht gestand der Angeklagte alles ein und suchte sein Vorgehen damit zu rechtfertigen, daß er die Juden in Deutschland für vogelfrci gehalten habe. Der Staatsanwalt beantragte gegen ihn wegen versuchter Erpressung zwei M o n a t e Gefängnis. Es müsse, so sagte er, energisch der Meinung entgegenfetreten werden, daß die Juden in Deutscha n d nicht g e n ü g e n d g c s c b ü t z t s e i e n. Sie genössen denselben Schutz wie die übrigen deutseben Bürger. Solchen verwerflichen Einzelaktionen, die geeignet seien, das deutsche Ansehen im Auslande aufs schwerste zu schädigen, müsse mit aller Schärfe entgegengewirkt werden. Das Gericht folgte dem Antrag des Staatsanwalts und seiner Begründung, brachte aber gleichzeitig zum Ausdruck, daß es auch eine höhere Strafe ausgesprochen hätte, wenn sie vom Staatsanwalt beantragt worden wäre. Wegen Nkhtauszahlung rückständiger Gehälter sind die Angesäten der Warschauer jüdischen Gemeinde und die Lehrer der Genu uideschulen in den Streik getreten. Die Gemeindeämter und Schulen sind geschlossen. Nur die Friedhofsabteilung führt ihre Tätigkeit fort Den Sack schlägt man .,. Katholikenversammlung in Wien Wir haben bereits kurz berichtet, daß in Wien eine katholische Versammlung stattgefunden hat, die zur „Verteidigung der Rechte der Katholiken in Palästina" einberufen war. Die Versammlung war vorbereitet durch einen Artikel der „R e i c h s p o s t" den wir in Nr. 1 der „Jüdischen Rundschau" wiedergegeben haben, wobei wir hinzufügten, da 1! von jüdischer Seite gewiß keine Einwendungen gegen den Schutz der katholischen Rechte und der Heiligen Stätten gemacht werden können. Her Hauptredner der Versammlung, Prof. Czertnak, hat auch, wie wk dem Bericht entnehmen, diese gewiß der allgemeinen jüdischen Haltung entsprechende Stellungnahme der „Jüdischen Rundschau" positiv vermerkt. Um so mehr muh es überraschen, daß in dieser Versammlung auch scharfe anti jüdische Töne angeschlagen wurden, obwohl kein einziger Fall einer Verletzung katholischer Rechte durch Juden angeführt werden konnte,. Es ist bemerkenswert, dal! die Veranstalter dieser Versammlung gerade ietzt den Zeitpunkt für gekommen erachten, wo durch die Unruhe im östlichen Mirtehncer die Verhältnisse wieder labil geworden sind und wo auch eine starke italienische Propaganda in Palästina betrieben wird. (Auch in Italien hört man jetzt gelegentlich antijüdische AcuBerungcn unter Berufung auf den Katholizismus — s. die Berichte unseres römischen Korrespondenten A. d. R.) Die Unzufriedenheit der katholischen Kirche ist in Wahrheit nicht durch die nichtchristlichen Bekenntnisse hervorgerufen, sondern einzig und allein durch die anderen christlichen Kirchen in Palästina. Das Verhältnis der einzelnen christlichen Kirchen zueinander bedeutet tatsächlich ein schwieriges Kapitel. Es ist ja bekannt, daß gelegentlich bei Festen sogar Raufereien und Kämpfe zwischen den Bekennern verschiedener christlicher Konfessionen an den heiligen Stätten stattfinden. Aus demselben Grunde, nämlich der Rivalität der christlichen Kirchen, konnte die in dem Art. Fl des Mandates vorgesehene Kommission für die Heiligen Stätten nicht realisiert werden; in dieser Sache, in der die luden weder etwas dreinzureden hatten, noch auch den Wunsch nach einer Einmischung hatten, konnten sich die verschiedenen christlichen Kirchen, bzw. die Mandatarmacht nicht über die Besetzung der Kommission einigen. Man muß daher notwendigerweise die Wiener Versammlung dahin verstehen, daß hier gegen die Mandatarmacht Stellung genommen werden sollte, und wenn man dabei gelegentlich in einen scharfen Ton gegen die Juden verfiel, so mag das nach dem berühmten Rezept zu deuten sein: „Den Sack schlägt man, und den Esel meint man." Von jüdischer Seite kann man jedenfalls nur nochmals wiederholen, was wir hier schon am 3. Januar sagten, nämlich, daß die Rechte der katholischen Kirche und die Exterritorialität der christlichen Heiligen Statten von jüdischer Seite auf das peinlichste gewahrt werden müssen. Gerade aus dem Vorhandensein dieser Stätten in Palästina und aus der Tatsache, daß das Land drei großen Weltreligionen heilig ist, ergibt sich ja auch die Notwendigkeit einer dauernden Internationalisierung des Landes, bzw. eines internationalen Schutzes, weit über den Rahmen des Mandatssystems hinaus, das bei anderen Territorien ohne derartige Traditionen und derartige Interessenvielheit als ein zeitlich begrenztes gedacht war. Es wäre gewiß Im Interesse des Friedens, des Friedens in Palästina und überall In der Welt, zu begrüßen, wenn die Forderungen der Katholiken im Geiste der Schlußworte des Kardinals Innitzer und nicht anders geführt würden. Wir geben im folgenden den Bericht unseres Korrespondenten über die Wiener Versammlung. JR, Wien, 18. Januar Im Sitzungssaal des Niederösterreichischen Landhauses fand am 16. d. M. eine Katholikenversammlung statt, die sich mit der Lage der Katholiken in Palästina beschäftigte. Die Versammlung, die auch von zahlreichen Juden, insbesondere Zionisten besucht war, wurde von dem „üeneralkommissariat des Heiligen Landes" den „Akademischen Studien- und Pilgerfahrten" und dem Oesterreichischen Pilgerfahrtenkomitee veranstaltet. Diese Versammlung, in der der frühere Unterrichtsminister und christlich-soziale Politiker Dr. Czermak, Prälat Fried und zum Schluß auch Kardinal Erzhischof Dr. Innitzer das Wort ergriffen, brachte in den ersten zwei Reden auch Angriffe gegen den Zionismus und das jüdische Werk in Palästina! Bei Dr. Czermak, der als Autor des vor zwei Jahren erschienenen Buches „Ordnung in der Juden frage", das er gemeinsam mit dem Zionisten Dr. Karbach herausgab und einer „Verständigung von Volk zu Volk" das Wort redete und als objektiver Beurteiler des Zionismus galt, überraschte es, daß er den Eindruck erweckte, den gerade er selbst vermieden haben wollte und den er als unbegründet zurückwies: nämlich den Eindruck, als handele es sich bei dieser Aktion zum „Schutze der bedrohten Rechte der Katholiken in Palästina" um eine durch nichts begründete neue Gegnerschaft gegen das jüdische Aufbauwerk in Palästina. Dr. Czermak mußte in seiner Rede selbst eine ganze Reihe katholischer Beschwerden auf das Konto der protestantischen Gemeinschaft Palästinas buchen. Dr. Czermak gab auch zu, daß es nicht die Schuld der luden sei, daß der Jerusalemer Stadtrat keinen katholischen Vertreter aufweist. Der Redner bedauerte es, daß die katholischen Schulen kontrolliert und der Versuch gemacht werde, der englischen Verwaltung genehme Lehrpläne und Bücher einzuführen. Es sei auch immer wieder die Grundsteuer von den religiösen Orden verlangt worden. Auch sonst wies der Redner auf die wachsende Propaganda der Protestanten in Palästina in der Nachkriegszeit hin. Pf. Czermak beschäftigte sich dann mit der Stellungnahme des Zionismus und der palästinensischen Juden zu den katholischen Wünschen und wies darauf hin, daß schon Herzl in seinem „Judenstaat" den Schutz der katholischen Heiligen Stätten in Palästina zusicherte. Auch vermerkte der Redner mit Genugtuung die Haltung des überwiegenden Teiles der Juden in dieser Frage und erinnerte in diesem Zusammenhang an die in diesem Sinne gehaltene Stellungnahme der „Jüdischen Rundschau" anläßlich des Artikels der „Reichspost". Dagegen habe die Wiener zionistische Presse mit einer überaus heftigen und scharfen Polemik reagiert. Trotzdem fand Dr. Czermak, daß die Berichte der Katholiken aus Palästina mit den Versicherungen von jüdischer Seite nicht ganz übereinstimmen. Er brachte die Besorgnis der palästinensischen Katholiken zum Ausdruck, daß sie vor Zurücksetzungen nicht sicher seien. „Wir lehnen es ab, die Juden einfach gewähren zu lassen. Das können wir weder in Palästina noch in Wien tun. Wenn wir dazu gezwungen werden, müßten wir uns die Anschauungen eines anderen Landes zu eigen machen." — Diese Haltung Dr. Czermaks hat, besonders nach seinen früheren Aeußerungen, lebhaftes Befremden erregt. Einen weit schärferen Angriff enthielt die Rede des Prälaten Fried. Er sagte u. a., daß „der Zionismus eine große Gefahr für den Frieden und die Ordnung in Palästina bedeute" und daß sich die katholische Welt gegen „die Totalität des Zionismus in Palästina" wehren müsse. Wohl mußte Prälat Fried feststellen, daß die evangelischen Schulbestrebungen in Palästina unter offensichtlicher Förderung der englischen Verwaltung immer mehr sich ausbreiten und über die Schule und den Unterricht hinaus protestantische Propaganda machen. Aber besondere Sorge bereiten doch die Juden, weil sie „die Reichen, die Mächtigen, die vom Offensivgeist Erfüllten" sind. Die Schlußerklärung des Kardinal Erzbischof Dr. Innitzer, der die Sorge um die Beobachtung der traditionellen Rechte der palästinensischen Katholiken zum Ausdruck brachte und einen Appell an das Gewissen der Welt richtete, der Völkerbund möge diese überlieferten Rechte der katholischen Kirche in Palästina offiziell anerkennen, hob sich wesentlich von den an deren Reden desAbends ab. Man kann die nachstehenden Worte dieses als großen Friedensfreund bekannten Kirchenfürsten als den Wunsch werten, die jetzt eingeleitete Aktion zum Schutze der katholischen Rechte in Palästina einzig auf diese Aufgabe aufgefaßt zu wissen. „W i r wollen niemanden beunruhigen, wir wollen niemanden angreifen und verletzen... In diesem Sinne soll die heutige Kundgebung aufgefaßt werden." Im Rahmen des Freitagabend-Gottesdienstes am 17. d. M. hielt Oberrabbiner Dr. F e u c h t w a u g eine Predigt, in der er zu der Wiener Katholikenversammlung Stellung nahm. Dr. Feuchtwang erklärte u. a.: „Es ist vollkommen ausgeschlossen und mit den religiösen Gesetzen des Judentums unvereinbar, daß das Judentum irgend etwas gegen eine andere Konfession in Palästina, geschweige denn gegen die katholische Kirche zu unternehmen versucht hätte. Dies gilt für die ganze Judenschaft der Welt und insbesondere für die Judenschaft in Palästina. Die Judenschaft in Palästina hat nichts anderes vor, als Aufbauarbeit zu leisten, die dem jüdischen Volke ebenso zum Segen gereichen soll wie der gesamten Menschheit. Sie ist weit davon entfernt, irgendeine Konfession in irgendeiner Weise zu hemmen oder gar zu schädigen. ... Es ist zu bedauern, daß in dieser Versammlung Worte gefallen sind, die geeignet erscheinen, Instinkte zu erwecken, die sich als gefährlich sowohl für die jüdische Gemeinschaft als auch für die Stadt, in welcher wir leben, erweisen könnten. Es wäre vielmehr zu erwarten gewesen, daß in einer auf religiöser Basis stehenden Versammlung einige Worte für unsere in der Welt verfolgten Brüder gefunden worden wären. Es ist das leider nicht geschehen, was tief bedauert werden muß." Die Rede des Oberrabbiners Dr. Feiichtwang wurde am 18. d. M. von der gesamten Wiener Morgenpresse im Wortlaut wiedergegeben. Die „Rcichspost" schließt an den ihr von bevollmächtigter Seite unter dem Titel „Eine Botschaft des Wiener Oberrabbiners au Kardina! Innitzer" zugekommenen Bericht über die Rede Dr. Feuchtwangs den folgenden Kommentar: Die Erklärungen des Wiener Oberrabbiners werden mit aller Achtung und ohne jeden Zweifel an ihre aufrichtige gute Absicht und Uebcrzeugung auf katholischer Seite aufgenommen werden. Im übrigen wird darauf hingewiesen, daß, wie schon in den Artikeln der „Reichspost", auch in der Donnerstag-Versammlung alles vermieden worden sei, was als Ausfluß konfessioneller Vorurteile oder gar als ein Appell an „böse Instinkte" aufgefaßt werden könnte. Es sei nicht recht zu verstehen, warum man auf jüdischer Seite etwas Beunruhigendes darin erblickt, daß die Katholiken, ohne die Gestaltung der jüdischen Heimstättestören zu wollen, innerhalb der fließenden Entwicklung auf eine Sicherung ihrer bisherigen Rechte bedacht sind. Mehr hätten sie nicht verlangt. Die „Reichspost" gibt zum Schluß der Erwartung Ausdruck, „daß die weitere Behandlung der Angelegenheit aus der Sphäre aufgeregter Vorstellungen zu den Realitäten zurückkehrt". Reichsbürgergresetz und Arbeitsverhältnis Vor dem Arbeitsgericht Kassel fand lt. „Frankfurter Zeitung" vom 10. Januar ein Prozeß statt, bei dem der Einfluß der Nürnberger Gesetzgebung auf das Arbeitsverhältnis im Mittelpunkt stand. Ein kaufmännischer Angestellter, der nach dem Rcichsbürgergesetz als Mischling gilt, weil zwei seiner Großeltern der judischen Rasse angehörten, erhielt nach mehr als zehnjähriger Tätigkeit in einem Betrieb die Kündigung zum 31. März 1036, weil seine weitere Mitarbeit nach der Erklärung des Betriebsführers den Betriebsfrieden gefährde. Auf den Finspruch des Angestellten hin verurteilte das Arbeitsgericht Kassel die Firma zum Widerruf der Kündigung oder zur Zahlung einer Entschädigung von UDO RM. Die Höhe dieser Entschädigung rechtfertige sich, wie die Urteilsbegründung sagte, durch die mehr als zehnjährige Arbeitsdauer, während deren der Angestellte dienstlich und außerdienstlich keinerlei Anlaß zu Beschwerden gegeben habe. Die Kündigung sei als unbillige Härte zu betrachten, denn der Angestellte sei zwar jüdischer Mischling, aber dennoch Reichsbürger und könne entsprechend der jüngsten Anordnung des Führers der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley, Mitglied dieser Organisation werden. Demnach habe kein Grund vorgelegen, den Angestellten wegen seiner Abstammung zu entlassen. Die Reibungen, die zwischen dem Angestellten und anderen Gefolgschaftsmitgliedcrn vorgekommen, seien ebenfalls nicht so schwerwiegend, daß sie die Entlassung rechtfertigten, vielmehr handele es sich nach den Feststellungen des Gerichts um Reibungen, wie sie in jedem Betrieb vorzukommen pflegten. Am 26. Juni 1035 rettete der jüdische Schneidermeister Josef Frölich in Köln bei einem schweren Autounglück unter eigener Lebensgefahr einen Verunglückten aus einem brennenden Kraftwagen, wobei er selbst erhebliche Brandwunden davontrug. Der Regierungspräsident von Köln hat nunmehr dem Lebensretter in einem Schreiben seine Anerkennung ausgesprochen und angekündigt, daß er in der nächsten Nummer des Regierungsamtsblattes ihm eine öffentliche Belobigung aussprechen werde. Hauptschriftleiter: Dr. Robert Wcltsch, Berlin - Charlottcnburg 9 fauch »erar.twortlich für die Aufnahme von BiMern). Stellvertreter: Kurt Locwcnstein, Hrrün W 15. Anirincntriter it. verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen; Hermann F i n n. Ilriiin-Terivwlhof. Gültig: Ameisen-PrcUliste 4 vom 15. Oktober 1935 Verlag und Anlet'genverwaltitnf»; Jüdische Rnrolwhwi. Berlin VV 15 M in k^str, 1.0. D.-A. Dez. 38 737. — Druck: Siegfried Scholen), Bln.-Schöneberg.