Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 5 (17.1.1936)
- Date
- 1936-01-17
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5, 17. 1.1936 JODISCHF RUNDSCHAU Seite 15 Fernost und Palästina Von Dr. Gustav Löffler, Frankfurt a. M. Wir veröffentlichen nachstehenden Aufsatz als Beitrag zur Diskussion, (lled.) Die Nachrichten der letzten Wochen über die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Juden und Arabern in Erez Israel haben bei vielen jüdischen Menschen in Deutschland nicht nur ernste Sorge, sondern zugleich den starken Willen ausgelöst, von hier aus wenigstens planend und ratend an der Ueberwiudung der herrschenden Schwierigkeiten mitzuwirken. Sind wir doch durch den Umstand der räumlichen Distanz und darum geringeren Affekt-Ladung gerade in der Araber-Frage in der Lage, Tendenzen, Gefahren und Möglichkeiten besser zu übersehen als unsere Freunde im Lande selbst. Das Andauern des jüdischen Einwanderer-Stromes nach Palästina zeigt unzweideutig, daß die jüdischen Massen vor den heftigen politischen Gesten der Araber keinerlei Furcht empfinden. Daruni ist aber die Problematik des Verhältnisses zweier stammverwandter Völker auf gleicher Erde um nichts geändert. Das ablehnende und nicht selten feindselige Verhalten der Araber hat dadurch eine so ernste Bedeutung, daß ihm nicht nur „ökonomische" Ursachen zugrunde liegen. Wohl liegt es nahe, in der schnell anwachsenden Bevölkerungszahl der Juden, in ihrer intensiveren, westlichen Arbeitsweise und in ihrer Beherrschung der landwirtschaftlichen Technik ein wesentliches Moment der Beunruhigung in den Kreisen der Araber zu sehen. Aber unter dieser Furcht vor Verdrängung und Ueberflügchmg wogte sicherlich von vornherein das stärker erregende national-volkliche Selbstgefühl mit seinem Pochen auf das natürliche Recht an diesem Lande und seinem Boden. Und dieses, für den geistigen Besehauer erst wahrhaft bewegende Element hat in neuester Zeit durch weltpolitische Vorgänge großen Ausmaßes eine erhebliche Beschwingung erfahren. Da ist zunächst die über alle oder doch die meisten Völker hinbrausende Woge des neu erwachten nationalen Selbstgefühls, vielfach als Nationalismus sich aufbäumend, was auch die Seele der Araber erfaßt hat. Der Krieg in Abessinien ist weltpolitisch zu werten als der Beginn der auch ohnedies bevorstehenden großen Auseinandersetzung zwischen den Mächten des Abendlandes und des Ostens, zwischen Europa—Amerika auf der einen und Asien—Afrika auf der Gegenseite. Im Fernen Osten nutzt Japan die Stunde der neuen und verhängiiisschweren europäischen Zerspaltung, insbesondere der Bindung Englands an mehreren Stellen, um seine weitgreifenden Pläne vorwärts zu treiben. Der scheinbare Streit mit China, jenem riesigen Reich der Mitte, läuft auf ein viel Größeres hinaus: auf die endgültige Ablehnung europäischen Einflusses auf ein asiatisches Volk. China ist zwar zunächst schmerzlich getroffen, aber — England und damit Europa — Amerika und die weiße Rasse ist gemeint. Wer jene, etwa vor 15 Jahren veröffentlichte Schrift des Inders Rabindranath Tagore ,,D e r Geist Japans" kennt, wird begreifen, daß Japan heute mit entschlossener Kraft die Führung Asiens übernimmt und morgen auch die in Afrika als „legitim" beansprucht, die ihm schon lange überlegene Geister in Asien zuerkannten. Die arabisch-mohammedanische Welt mußte unbewußt und bewußt von dieser Unruhe über Afrika und Asien ergriffen werden, und darum die gegenwärtige Erregung der palästinensischen Araber. Solche Erkenntnis aber wäre müßig, versuchten wir nicht, politische Folgerungen daraus zu ziehen. Sie sind schwierig, weil grundsätzlich-wesenswandclndcr Art. Formelhaft dürften sie als Rückkehr zu Asien zu begreifen sein. Es geht also um die Entscheidung zwischen „Europa" und „Asien", -- nicht geographisch, sondern als Haltung verstanden. „Europa" ist die Wirklichkeit des revolutionären Geistes, in dem „Ich und Gegen-Stand unzerlöst ineinander geschmolzen sind", während der Mensch „Asiens" in „ungebrochen historischem Zusammenhang", „schaudernd schauend" mit der Welt eins lebt. Der jüdische Mensch hat bei seinem Verbannungswege durch die Welt viel von der Motorik „Europas" in sich aufgenommen, von der „asiatischen" Harmonie mit dem Kosmos eingebüßt; aber er hat, zumal in seinem Familiensinne, in seiner Pietät für „die Väter" von der Geistigkeit gewahrt, die sich so schön in den Sprüchen des großen Chinesen Kangfutse spiegelt. Da wir als Juden an die gestaltende Macht des Geistes immer glaubten, so dürfen wir auch vertrauen, daß über geistigem Verstehen die Verständigung in der rauhen Wirklichkeit des Alltags fdingen wird. Palästina ist, wenn auch Europa-nahe, ein eil Asiens und seine Araber sind asiatische Menschen. Freundschaft mit ihnen und neue Einwurzelung in Asien kann nur durch Entscheidung für Asien geschehen. Dies aber würde praktisch bedeuten, daß eine Fühlungnahme mit dem Führervolke Asiens, mit den Japanern, versucht würde. Die Fragwiirdigkeit solcher Einsicht liegt auf der Hand, da heute Japan der jungen jüdischen Industrie die Entfaltung erschwert, und da die Mandatarmaeht England zu Japan bald in zunehmende Gegensätzlichkeit geraten dürfte. Und doch — müssen unsere jüdisch-zionistischen Politiker eine Politik auf weite Sicht betreiben. Diese aber gebietet, daß wir nach dem von der „J. R." oft vertretenen Grundsätze, „unser Schicksal selbst gestalten", unser Leben durch die Gesetze des Raumes bestimmen lassen, in dem wir das altneue Leben des jüdischen Volkes wieder begonnen haben. Im Gehorsam gegen diese Gesetze, die letzten Endes die Gesetze „Asiens" sind, wird an der äußeren Gestalt des jetzigen Erez Israel, an seinen Städten zumal, manches zu wandeln sein, wenn ein friedliches Neben-- und Miteinander von Juden und Arabern erzielt werden soll. Weit wichtiger aber ist's, daß wir in der Urheimat im ganzen jenen alten I. e b e n s - R h y t h m u s wiederfinden, den einst die Welt Asiens ins Blut senkte. Nur dann werden mit den führenden Völkern Asiens auch die Araber die beruhigende Ueberzeugung gewinnen, daß wir nicht als Europäer und Verbündete von Europäern an dem eben anhebenden großen Kampfe zweier Welten teilhaben werden. England gegenüber — werden wir Juden aus Gefühlen des Dankes für seine Hilfe wohlwollende Neutralität zu üben haben, Asien aber gilt künftighin unsere Sympathie, Unsere gestaltende Arbeit. Zwi Friedländer, Karte der Haifa Bay, Industrie- und Wohnzone, Maßstab 1 : 10000 (Gr. 90 :!20 cm). Das an die Stadt Haifa im Nordosten unmittelbar angrenzende Gebiet der Haifa Bay im Emek Zebuhin hat sich in den letzten Jahren besonders stark entwickelt. Hier entstanden bereits 60 Industrie-Unternehmungen, die Eisenbahnwerkstaft, der Flugplatz und die Anlagen der Iraq Petroleum Company, in der anschließenden Wohnzone stehen bis jetzt 800 Häuser in der Arbeiterstadt Kirjat Chaim, je ca. 150 in der Siedlung der Juden aus Deutschland, Kirjat Bialik, und in der Mittclstandssiedhmg Kirjat Motzkin; daneben Ir Gauim und Kefar Ata. Weitere Wohnsiedlungen sind bereits parzelliert und befinden sich in Bauvorbereitung. Dieses insgesamt ca. 50 000 Dunum umfassende Gebiet beiderseits der Hauptchaussee Haifa—Akko und an der Eisenbahnstrecke gelegen ist auf der neuen Karte mit allen Einzelheiten dargestellt. Die Fabriken sind mit Nummern eingetragen und am Kartenrande mit genauer Adresse aufgestellt. Die Beschriftung ist hebräisch und englisch. Preis der Karte 4 sh.; zu beziehen vom palästinensischen Buchhandel bzw. von der Firma Felix Nagler, P.O.B. 503, Haifa. Das Neueste in Kürze Politik, Oesellschaft und Kultur An Stelle des verstorbenen Lord Reading ist Sir Herbert Samuel zum Präsidenten der Palestine Electric Corporation (Ruthenberg-Elektrizitätswerk) gewählt worden. In der „Palestine Post" nimmt ein katholischer Einsender Stellung gegen die Einsetzung des Legislative Councils, weil die Katholiken Befürchtungen bezüglich der heiligen Stätten hegen müßten, wenn, wie es in dem Briefe heißt, die Mandatarmacht die Verwaltung des Landes dem Legislative Council ausliefert. Vor dem Richter von S a f e d fanden mehrere Prozesse gegen illegale Einwanderer statt. Einige Araber standen unter der Beschuldigung der Mithilfe bei der illegalen Uebcrschreitung der Grenze gleichfalls vor Gericht. Insgesamt waren 24 jüdische Männer, Frauen und Kinder, sowie einige Christen aus Rußland und Araber aus Syrien und im Libanon angeklagt. Sämtliche Angeklagte wurden zu Gefängnisstrafen von verschiedener Dauer und Landesverweisung verurteilt. Bei den Wahlen zum Kolonialrat von Ched e r a h erhielten die Pflanzer 5 Sitze, die Arbeiter 4 und die Liste der progressiven Mittelklasse 3. In Rischon Le Zion fand eine Zusammenkunft von Repräsentanten jener Institutionen der Arbeiterorganisation statt, die sich mit der Fürsorge für Einwanderer beschäftigen. Die wirtschaftlichen und die kulturellen Fragen der Immigranten wurden diskutiert. Die Frage der Einwanderung aus Deutschland nahm einen großen Raum ein. Alle Redner betonten, daß die Lage der neuen Einwanderer zum Teil außerordentlich schwierig sei und eine umfassende Hilfe zur Erleichterung der Lage ohne Aufschub geleistet werden müsse. Eine Delegation des Waad Leumi diskutierte mit dem Vertreter des High Commissioner, der an den Weihnachtsfeiertagen in Akaoa war, die Subvention der Regierung für das jüdische Schul- und Sanitätswesen im kommenden Jahre. Dr. M. D u n k e 1 b I u m, ein jüdischer Rechtsanwalt aus Tel-Awiw, wurde zum Richter am Kreisge rieht in Haifa ernannt. Er ist seit vielen Jahren der erste Jude, der eine höhere Richterstelle im Norddistrikt erhält. Dunkelblum wurde 1891 in Krakau geboren und kam 1920 nach Palästina. Sir Arthur Wauchope bestätigte die Wahl von Dov Hos und Israel Rokeach als Vizebürgermeister von Tel-Awiw. Die Palestina Land Development Company hat beschlossen, anläßlich des 70. Geburtstags von J c h o s c h u a C h a n k i n , der für die Landkätife der Gesellschaft seit Jahrzehnten verantwortlich ist, ein Haus auf seinen Namen in der Chule-Ebene zu errichten, in dem die Flora und Fauna dieser Gegend gesammelt werden soll. Der Stadtrat von Tel-Awiw hielt anläßlich des 63. G e - burtstages von Bialik am 5. Januar eine feierliche Sitzung ab. Der Pen Club von Tel-Awiw gab Tschernichowski zu seinem sechzigsten Geburtstag ein Bankett. Dr. Nelson Glück, Professor der Bibel-Wissenschaft am Hebrcw Union College in Cincinnatti, der schon im Jahre 1932/33 Direktor der Amerikanischen Schule für orientalische Forschung in Jerusalem war, ist nunmehr neuerlich zu dieser Stellung ernannt worden. Die Schule erhielt von* Felix Warburg eine Spende von 50 00Ü Dollars und denselben Betrag von Rockefcller jr. Der österreichische Konsul in Jerusalem überreichte dem High Commissioner ein Porträt, das der österreichishee Maler Oskar S t ö s s e 1 gemalt hat. Wie ,,Haaretz" berichtet, hat die Zionistische Föderation von Südafrika eine Stiftung in Höhe von 4000 Pfund für die Hebräische Universität aus dem Nachlaß des verstorbenen Morris Kutscher erhalten. Eine Reihe von ausländischen Aerzten, die an dem internationalen A e r z t e - K o n g r e ß in Kairo teilgenommen haben, besuchten im Anschluß daran Palästina. In den arabischen Städten wurde das B a'i r a m - F c s t, das den Fastenmonat Ramadan beschließt, überall in der traditionellen Form, mit Lustbarkeiten und Besuchen begangen. Die Pilgersaison der Moslems nach Mekka hat eingesetzt. Die erste Gruppe der Pilger hat sich von Hebron aus über Amman und Maan nach dem Hedjas begeben. In den letzten Wochen fanden an der Küste südlich von Jaffa Luft m a n ö v e r der in Palästina stationierten Aeroplane statt. Bei Ausgrabungen in der Altstadt von Jerusalem wurde das Fragment einer Inschrift in griechischer Sprache gefunden, die ein Verbot für Christen enthält, das Tempelgebiet zu betreten. Wirtschaft Die landwirtschaftliche Hypothekenbank der Regierung unter der Direktion von Noel E. Crewe hat mit ihrer Arbeit begonnen. Es laufen bereits Gesuche um die Gewährung von Anleihen ein. Die Palästina-Regierung hat eine Aktion zur Aufforstung von 25 000 Dunam im Laufe von fünf Jahren beschlossen. Auch der Oelberg soll noch in diesem Jahr mit Bäumen bepflanzt werden. Die durch Masseuankäufe von .Wehl und Zucker in der Zeit der Kriegspsychose bedingte l 'cbersehwemmung des Marktes mit diesen Produkten hat zu einer erheblichen Senkung der Mehlpreise geführt. Um die einheimisch- Produktion zu schützen, hat nunmehr die Palästina-Regierung den Zoll auf Mehl heraufgesetzt. Die im Ha ifaer Hafen gelöschten Ladungen betrugen im Jahre 10ib 5lK> 105 Tonneu/Diese Zahl zeigt eine große Steigerung gegenüber dem Vorjahre, in dem '.${51 19$ Tonnen gelöscht wurden. Haifa hat damit Jaffa überflügelt, das jedoch in den Ladungen der Schilfe immer noch an erster Stelle stellt. Im Januar wird in einem von der Po>t gemieteten Hause in Tel- A w i w eine n e u e T e 1 e p h o n z e n t r a I e eingerichtet, die den Anschluß einiger Tausend neuer Apparate ermöglichen wird. Das Publikum verlangt seit Jahren eine Vergrößerung des völlig unzureichenden Telephonuct/es. Eine W e r k s t a 11 z ur II e r s f e! 1 u n g v o n Radioapparaten' hat in Tel-Awiw zu arbeiten begonnen. Es werden sowohl große Apparate für die Aufnahme aller Stationen wie auch kleine für den i andesgebrauch hergestellt. 75 lVo des benutzten Materials wird in Palästina beigestellt. Infolge der langen Pause, die in den VVintcrregen eingetreten ist und des damit verbundenen wannen Wetters vermehren sich die Feldmäuse, insbesondere auf den Feldern der Ebene Jesreel. Die Versuchsstation in Rechowotli fordert die Siedler zu sofortiger Bekämpfung der Schädlinge auf, um eine Ausbreitung des Hebels und damit Beeinträchtigung der Ernte zu verhindern. Der Wert des Umsatzes der Konsumgenossenschaft „H a - maschbir H a in e r k a s i" ist von 198«)!) Pfund i. J. 1934 auf 270 000 Pfund i. J. 1935 gestiegen. Die Umsatzsteigerung betrag somit 37 o/o. Die Zigarettenfabrik „M a s p e r o" in Tel-Awiw feierte ihr fünfzehnjähriges Bestehe n. Der Dampfer „T e I - A v i v", der in Triest zur Reparatur lag, nahm am 10. Januar seinen regelmäßigen Dienst von Haifa auf. Mit Rücksicht auf den stark gestiegenen Verkehr zwischen Tel-Awiw und P e t a c h T i k w a wird parallel zu der alten Straße eine neue Chaussee /wischen den beiden Städten angelegt. Nach Fertigstellung der neuen Chaussee wird die alte Straße nur noch für den Frachtverkehr benutzt werden. Scheinehen Aus Tel-Awiw wird uns geschrieben: Einer der Schriftleiter des „Dawar" wendet sich in längeren Ausführungen gegen Auswüchse des gesellschaftlichen Lebens, die sich im Zusammenhang mit den Scheinchen zeigen. Diese Scheinehen werden unter dem Druck der Einwandcrungsgeset/e geschlossen, um Mädchen durch die Heirat mit einem in Palästina Wohnberechtigten die Einreise und den legalen Aufenthalt zu ermöglichen. Es heißt in den Ausführungen u. a.: „Die Sache begann sehr harmlos. Jemand bittet einen befreundeten Palästinenser um die Gefälligkeit, durch Heirat seiner Schwester oder* seiner Verwandten die Einreise zu ermöglichen. Uebcr die Spesen spricht niemand, denn es handelt sich doch um eine „gute Tat", und man weiß ja sehr gut, daß, um Menschen nach Palästina zu bringen, viele ihr Leben riskieren und nicht nur etliche Pfunde. Allmählich aber ist die Nachfrage nach Junggesellen mit Wolinerlaubnis gestiegen, ihre Zahl aber nimmt immer mehr ab, und die eisernen Gesetze des Angebots und der Nachfrage Die Eltern- Alijah Eine der bemerkenswertesten Erscheinungen ist die Einwanderung betagter Eltern, die emi ihren Kindern in Palästina angefordert werden. Die alten Eeute suchen sich nach l'unlichkeit in den Kihbuzitn und sonstigen Siedlungen nützlich zu inate'n. I nser Bild zei;'t ein Elternfiaar in einer palästinensischen Sieillung, das sieh voll «»i«<7>«; / hat und bei der landwir! schuft- 'iiien Arbeit hiitt. eg'ebcn ist, sich an bei den jüdischen Hand und auc;ann. re an ilieser Sache? Daß I'l'olu Orient Press Hiotu Lomp, beginnen sich auszuwirken. Wer daran interessiert ist, sagt: „Ich werde natürlich alle Auslagen tragen" und dies ist die zweite Stufe der Angelegenheit. Soweit ist natürlich alles noch in Ordnung, denn woher soll ein junger Palästinenser das Geld nehmen, um nach Polen oder nach Rumänien zu fahren? Aber diese Stufe ist schon .«Hu elastisch; Auslagen müssen nicht nur der Preis einer Srliiffskarie sein. Man braucht auch Kleider, mau mochte die Hauptstadt sehen, man möchte das Städtchen wiedersehen, aus dem man stammt, und es gibt zudem noch „kh ine Ausgaben". So gelangt man zur dritten Stufe, zum „festen Preise", auf dem man in nüchterner, geschäftlicher Verhandlung sagt: „Ich bin bereit, einem jüdischen Menschen zur I Umänderung nach Palästina zu verhelfen für 30, 40, 60, 8(1 C." Die Sache organisiert sich: es gibt Vermittler, Büros, deutliche Anzeigen in der Presse, besonders in der des Auslands. Und in vereinzelten Fällen wird sogar noch eine letzte Stufe erreicht, und der „Retter" beginnt sein Opfer zu erpressen, das ja durch die Scheinehe völlig in sc' keine Regierungsstelle wenden Institutionen keine Hilfe finden Was ist das Furchtbare an ilieser Sache? Daß wir unanständige Menschen nuter uns haben? Dagegen gibt es in keiner Gemeinschaft ein Mittel. Aber das Furchtbare ist dies: Die Leute, die dies geschäftsmäßig betreiben, sind keineswegs gering an Zahl. Wer ins Ausland fährt, kann sie zu Dutzenden auf den Schiffen treffen. Und sie haben alle Verwandte und Bekannte, die oft sehr genau wissen, in welche Art von Geschäft sie sich eingelassen haben, ja, die oft alle Einzelheiten dieses Geschäftes bis zur letzten Stufe kennen. Und es ist, als ob nichts geschehen wäre! Was ist schon dabei? Jemand besaß eine Ware: sein Ledigsein zusammen mit der Aufenthaltserlaubnis in Palästina, und hat sie verkauft! Der Mann bleibt ein ehrlicher, angesehener palästinensischer Arbeiter und das Geschäft, das er gemacht hat, findet seine Fürsprecher genau wie die Bodengeschäfte: „Erlangt von der Regierung genug Zertifikate für alle, die einwandern wollen! Ihr könnt das nicht? Dann schweigt und stört die Privatinitiative nicht. Wenn der Bruder oder Vater £ 60 oder 80 zahlt, so ist das ein Beweis dafür, daß ihm die Sache das wert ist. Warum gönnt man dem jungen Mann die paar Pfunde nicht, die er doch eigentlich bei einem guten Werk verdient hat?" Im Gegenteil, die Sache hat noch die Gloriole eines „Kampfes" gegen die Einwanderungsgesetze der Regierung, und es ist strenge Pflicht zu schweigen und ihr nicht zu schaden. Der Schaden aber, der unserer Gemen schaff durch eine verstärkte Aufmerksamkeit der Regierung erwachsen könnte, kann nicht im entferntesten an den Schaden heranreichen, der ihr dadurch erwachsen kann, daß unsere öffentliche Meinung solche „Geschäfte" beschönigt unu deckt und den, der sich damit befaßt, u-igcs ort und geachtet leben läßt." (Schluß des Palästina-Teils)