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Jüdische Rundschau · 1936-01-17 · Heft 5 (17.1.1936) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 5 (17.1.1936)
Date
1936-01-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 5, 17. ». 1936 BRIEFE AN DIE REDAKTION Liberale und IlcdialllZ leb halte U e u n r u Ii i g u n g zu geben, wenn ich an die maß- Schach Hln.-Sfh.'incbiig. 14. Jan. 1936 Zuuü M. 1 >csch!t >->n. I>ie>ci)i l'estdais e trat kurz, baiaui das Au du Ri ^lakf i'm .. ludi-chen Ruin Nr. 3 vom 1 stell die ..Iii,!. |< dci Ii, ,| r.- hu»- i Milwi.«!• Ii i-. IC I. . i. It36 II" in 1'.:!. - M.< K-'l ik im \.-. rächt halt, ■ Ii, s;hs - i , i V.<32 /'i l'.d l ci/u gf-ocni' n mir zu Ii.-- melkt n; i in,- Ii.,Mi.,|i i .1,1- .U- < i: i.i Ii '< .Li i. i. im St,. vriiibci 1<)32 i.i. h> mein .ingehoi -e. i-' in. Iii i Vi, i~.!i mii .'.«•i Fi-Mem .l.r b .!•.«.•« «;,.. rnc lüde, lue H'l; ,i '> - 11! i. ralt- Fr.4n..n .Irr!«.,••;. r i;V;„. in.ltha: am 23 |>,m 15,32 in im-.n I ,t Ii' ...tl| - j,U i'i t |.h ^!|lll . II' i II des Ile.di.duz m 1 biiuvon i'U-num ilcr Re|>rä,cnlut>icii-Vci- ■-auiuduiig eins! immig bei. Am 30. Juni 1932 wurde dun Heck.duz eine ilie.U'ziigli.-hc Miitri tun;; gemacht. So« eil nu ine aklcliui s I i um l'c.,1 Stellungen. Meiner genauen tu iniict sus^ iiai h. die ich alu einer der innren cn erh.tud nn^ u ».u tner ha e. u iniir m o gc tbc-cs liest hht-ses der IM.Ii de-, l'reu- Lustlieu 1 ..iiidi----. i i i ei i le-. den nie Zinni-rn wegen der I lei iia- Inz- Ud.-Imtiiig in uro abgc- U-hni Im' trn, nie Ii; Täglich an- 1 h. Kurl I ii Ii e r. m-dibc- \ ,,i ui/en 'er dei Irl iiilen I laktion der Ue|n.i in i.m ei Vri -uminlimg «'er Hei - 51ner |ud. (ictiicinile. * « * ' Visit Hinweis auf die tut Ii in dem vors'ehenden Brief nicht in Ahrcd" gest-lltc Episml.' s >///•• zur Illusl-n- Hon dienen, mit welclicm I neer./ändn's ii* it Ki e se der Liberalen noch I<)'.2 </.>m Pabisli tre r'; n vi d in llcchtdnz Kegentibersfwulen. Warum nun /.V. / Irischer die Details dieser Konlroeerse hi'tunih s hwört, nämlich dal') sc teis der /iniiisleii erst zu dem it igewähidiehen Druckin >lt 'I einer llutlgelvem<eig"rung gegni/en tverden mn!e. damit dann nach Iteispiellnseii Kämpfen in der Ii rüner Gemeinde (in diren \ erlauf ein prominent r 1.i' crnler unter Itilli^ang .seiner /• ruht inn r. Ii sagte, eine Su'ic'ntion für den lleehaluz sei für ihn dasselbe, reie für encu Orthodoxen der Genuß verbotener Speisen) die von l>r. Fleischer eneähnte l ersländigung zustande kam, ist uns unerfindlich. It ir knüplten an Dr. I'leischers letzte Aeulierung die Ho/Illing, daß sein jei zia.es /.eugnis über Palästina in den Kreisen seiner Partei an /'klärend wirken werde. A ienwul wird bestreiten, daß dort noch genug derartige AuHilärungsai heil zu leisten wäre, und Herr Dr. I leischer ivyd es uns am wenigsten verübeln, {venu wir auf seine künftige W'irhsamhei' in diesem Sinne groi'e Hol jnungen setzen. (Heil.) Zur Einsihulunf{sfraf{e den 13. I.iuu.,1 l\m dubcUcücu Hu'in. Sehr ueeiuie Kedak'H.n, ieh ^e-ia: le nur hau.Inn h. Sitin eine! Au-, u -u-ih t u im Rh zu flauen, die zuein-ihi-, henie eine Strohe An/ahl von liidiM-hell i'dlein. 111 -,. m - -1,11 d e t e in lU-run, Ml wild. Meine lo.-hier in Mar/ d. J. C Jahre" 1 muh iuuii-ede--.un eile i werden. I.-, i-! nur jei e ii r nii,^*ui h. an n'^endindiuhen Sdiukder Jui 1 it-liu inde lv-r '.\\c eine ' 1 ii -l n zu eneiden.!l wini die An-iilhi.K ,1,-r be'.lell v. ird;ni im }n-,clui .ioel! r einer A u iii i 'eben Meldui nuheiieüende Sehlde völlig tuiellldll mV. vi dull, In r Anl.i!,m'rl.la,..eu kein Raum vorhanden «are. Autu-rdem verwei- -en die Si iuiileiier sehr huldig aui die bevorstehende staailiehe Rcjjfiui'K des jti.li-ahcn Schulwe-eus, über ilie aber bis heule noch iiiehis Kndimh i^es ievts' e! il i.iei'e es sich nicht ermöglichen, ilali von tler lu.iiVlii-ii f ,emeiu!e oder von der Reichsveriieniu^ den iü ü.^elien 1'lH'rn in du-^er!-'i.e;e (icwinneii gc-;n 1 m n wii.l.' I )er Zeil |nmki d<-r liin>ciaiiiin^ iiiit ki in immer ..u-u.'ieie Nda-. iiial muli unier tlen uha-'-.ci aliuew-ie-enen!*'.hern ber\tirrulen, ^^■enn -.ie heule not h nicht vvb-,eii, ob sie in der I-ajjc sein vverilen, ihre Kinder in einer jüdisrheii St nule unlerz.ulirin-^en. Darum glaube ich der S: immun" vieler I'iliein Ausdruck gehenden Steilen den Ap|iell richte: (iebl uns Klarheit über unsere Kinder! IIcK-liaebturiuivoil C h a n a S t e i n m a n u Zu Kultiirbund-Progranimen i",,-.ii. 12. Januar 1930 .'I t m hr'e R.-dak i. n! ,\a 1 i ein ■in Konzert de K lllud um. ie-. in weichem i 1, r;a-,ii e s--n. t r Alean Yr Ki,. .i -, t-ine seil it von I.i dein ,1 ir- Ulli! I ei. h in ru^-i-eher S .1 a ic, UfUlII)' II 1 at, mochte i h lie l-i.t;uaidvtenen, warum k -in einzi ,e , Ix uabches odei ii h- -cillM 1 .ie 1 »t-llll-illl w Ul le. 1 UM d'-n llortan w.lle' I s In \ iele. lie 1 >csonder> gern soa he Lieth r von Ki. nn «ehört h'.ttcn. und der S*üuwand, thd!t uianche ni( hl nebiui-ch \eisielu n, gilt gms ilit nithi, da ja am h RtisY-eh -.oii tlen nieiMtu stiel I ver-tanden w biueue jtidc-, he l*r .gra-nm- Niinunein waren um so mehr am ria ze g we-eii. als da- Koiizer: m euu r St namtae slal1 i:in-h \V aim wild eutlllch der Kultui- I>nii I ilie el tuen ar -n hubsh n Kui' rt'>: leiiiiigeu lieiüt-ksleh'igeu :' 1 i<1 1 ia ii tinusvoi! Jizchak David W e i ß m a n n Menorah als Pflanze x Ai (Cvpcrn), 3. Jan. 1936 lie Redaktion ihr ,.Jud. Run Kt-hau". Merlin \Y 10 Sehr »et-hrte Ke.iahiion! Die pahi^liuensi-ciie Iblanze SaU ia. tieien Abbildung Sie im Artikel „Mcnoiah als Pllaiize" in Nr. 102 1935 brachten, schein! gleit hzehig das Idrbild dt r I tai si eilung eines in ( , ■' n auigetnndenen /vilntlers 7M sein. \\ ie ich kürzlich in einem kleinen Kreis zeigen konnte, dtirfie si, h tlie Menorah autiner als heilig veiehrien I'llanze eruwiciodt haiien. (Iiiuns aui mehreren cvpi i eben / lindern!k.'- gegnci. Ich vt-n-ies in be-ontlere aui Ahl), ld S. 85 des Hiichc-. von ( duiciaisch-Riflner, kjiros. The Hible antl Homer. London 1893. I - ist ein Yertlit-n-t von Robinow Ii ^,-h. gezeigt zu haben, dalli die Pflanze, tlie diesen Abbildungen oiienbar zugrun le lag. noch heute in i'alisfina vorkoiiiuit. In antleren Fallen sind wir nicht so glücklich, noch vorhandene /.eugnb-e ab Beleg, fitr \*ertg:eichiiii':eii e\[ui-'h(-r l*uude mit hihli-„'hcn!)atc ellungen zu besitze n. aber dle-e l-dm-ie linden so liiiulig ihre genaue Hest hreibung in tler Bibel, daü sie In ihrer bulle geradezu als 1 Uiisi ia: ion ihrer meisten Yors!eliung-,kreise dit-nen könn'eii. In manihen Rallen erhallen tlie l'uiitle liewebkraft tlurcii tlirekle- Ilinweisc auf Cvpcrn: ich übergebe viele Stellen aus tler '1 noru und zitiere nur lereinia il. lü, 1,-saia XXIII. 1 und 12. Kzerliiel XXVII. 6. Daniel XI, 30. Das Rionzew a-chl teckeii, da, Dr. Maik \Y i s c Ii n i t z c r erwähnt (Die Juden in der Well, lierlin 1935 S. 78) - - liniim. liclierw-eise verlegt er tlen Fund nach Farnaea. wiihrentl er nach Anrailiu,. tlem h -u igen Fimu--- so! gehdrl —, und da-, .-o genau tler hi! ili,t heil I'e - -in\ il iiiig tler (ieritie tlc- Salomonisch.cn Tempels entspricht, bt nur einer von vielen ähnlichen Funden. Dr. I'i. S i m e n a u e r Mendelssohn-Broschüre. Den Gedenktag für Moses Mendelssohn möchten wir benützen, um aut eine besonders paekende und eindrucksvolle Darstellung hinzuweisen, die Prof. David R a u m g a r d t in seiner Broschüre „Spinoza und Mendelssohn" (im Philo-Verlag für nur 0,80 M.) von diesem jüdischen Aufklärungsdenkcr gegeben hat. Hier wird vor allem die Einmaligkeit der jüdischen Situation und die innere Originalität der jüdischen Haltung Mendelssohns neu beleuchtet. Und auch die gelegentlich kämpferische Kraft seines jüdischen Friedenswillens wird hier in besonders fesselnder Form ans Licht gestellt. Bearbeitet von J. Mieses Die nachstehende Partie wurde im Turnier zu Hastmgs am 4. Januar gespielt. Französische Eröffnung: Mieses Koblenz Weiß Schwarz 1. e2 -m-4 2. <12.....«14 3. c4..;d5 4. I. il d3 5 (*2 - 13 Ii. I) dl 7. I. el- 8. S gl - 9. h2 - h3 10. S e2—14 11. S I4i,.-g0 S hl- '.12 K cl -dl! c2 ga c2 12. 13, In c7—c6 (17—(15 e6X<l5 S b8 -c6 L 18 —(16 S g8 -e7 I,c8-g4 1) (18—d7 I, u4.-h5 I. 1)5 — »6 h7Xg6 D (17—c6f vebc li.gt I. g5 -e3. 0—0.....-0 17-16 I) e6-t!7 S e7—fS S c6—c7 21. S 1)3—a5 L d6—h2 22. Tgl—hl Lh2—d6 Stellung nach dem 22. Zuge vo* Sehwar?. mehr c-t, r F-iiiia ive als 13 ... . 14. I>2l>4 15. T hl —cl 10 F g5—e3 17. S d2 — h3 lkwr wäre S f5>n-3 18. L e3 --(12 S f5 - 1,4 19. T el -gl S c7—15 I) e-e Spi ingerinantiver ei weisen sich als zwecklo.. In Hciiacht kam hier Dd7—a4. Weih beabsich'igle ilarauf L t!2-e3 nel-sl D t'2 t 2 (mit der Dioi,ung F <I3 - bä) zu erwidern, uui den Angriff eventuell mit a2 — a4 und S b3 c5 fortzm-elzen. 20.!)4—b5 T h8—c8 Auf 20..... 1)7 — 1)6 21. a2 - :i4, K c8—b7 dürfte 22. t3 c4 für Weiß recht chanecnreieh sein (lall-, 22....... d5 Xc4. so 23. I. .13 -c4t). 23. D c2 -a4! ..... Der Gewinnzug 23..... S 16 e7 24. S a5—c6! b7Xe8 Wie leicht ersichtlich, hat Schwarz keine ausreichende Verteidigung mehr. 25. I)5Xc6 D d7Xc6 26. L d3 -aöf K c8—b8 Falls 26....., Kc8—d7?, so 27. I. a6—bS. 27. T al—blf Dc6—b6 Oder 27...... K b8—a8. 28. D 44Xr6t, S e7>(c6. 29. L aß —b7f. Ka8 b8. 30. L bTXcßf nebst I. of. eß. 28. T hlxbef c7xb8 29. T hl—el S h4Xg2 30. Tel—e6 ..... Mit der Drohung T e6Xd6. 30..... T e8—h8 31. T c6Xe7 Schwan gibt aal i ii ii imi itMiitiii i;i<riiit>i m iiiiMMiiriintii iii iiMiiirirriiiTiMiiiiiniinrirrniTiiitriiiiiimirrriitMMdl ntrifiMT(i>jmiHi(itiHi»4«rirMMr«n Juden und Jüdisdies im Rundfunk Freitag, 17. Januar: Radio Paris (1648), 13: Jüdische Plauderei.— Wien (500), 17.30: U. a. Mevcrbeer: „Der Prophet". — iiilver- Mim II (302), 17.40: Ü. a. Mahler. — l'oste Parisien (313). 19.21: V. a. Rubinstein. — Ililversum II (302), 20.45: LI. a. Mendelssohn: 22.05: LI. a. Saint-Saens: „Die Sintflut". — Luxemburg (1304), 21.30: Schallplatten. u. a.: Bruch: „Kol Nidrc", Stutschewskv: „Largo". — Brünn (325, Deutsche Sendung), 18.00: Hörspiel „Zeugen" von Dr. Felix Fanger. Sonnabend, 18. Januar: Wien (506): Schallplatten, u. a. Mahler; 20.15: U. a. Oscar Karlweis. — Warschau (1345), 20: Offenbach: ..Die Verlobung bei der Laterne". — Monte ( 'cm ia (225). 20.30: U. a. Mendelssohn. — Renne». Bretagne (288). 21: LI. a. Massenet. — Luxemburg (1304), 22.45: LI. a. Handel: „Samson". — Brüssel (franz. 484), 23.10: LI. a. Milhaud. — Kaschau (259), 16.55: Dr. Weichherz spricht über die 2. Winter-Makkabiah. '.15: Moszkowski. Sonntag, 19, Januar: Luxemburg (1304) Montag, 20. Januar: Rath« Xoraiandie (1113), 11.00: u. i Kol Xidrc. Weinberger. — Luxemburg (1304), 17.45: u. delssolm, F.iuanuel Feuermann; 22.45: u. a. Milhaud. Bruch: i. Menwar \ ersclnv iiiitl.-ii, eindie Tür ins Schloff, fiel. Nach einer NN eile Htiitlt' obt-ii ein Fenster hell, ich slarrle hinauf, ob sie sich in ich einmal zci.'cn wiinle. aber bald wurde auch dies I' eiisli'r wieder tltiiibcl, warf im Lallen Sriiegclglan/, die Schwärze wictlcr in die Vicht zurück, mnl nicht einmal die (laitliiic it-L.dc »ich. Ich ging dann wieder zum Bahnhof, hohe iiu-in (if|)iiek, iiiitl /„« tlen Manie! an, obwohl auch meine l'.mp I im hin:;* IViiiiL.'K'-d Im- \\ iinne uml Kalle (»rlnscheii war wie jedes (ii-fiilti l'iir Miidigkcil. W achlieil, Hunger und Schwache. Ich -tli!c|i|de imiiie Koffer heim, klopfle ans l i-n-li-r. meine \FiMt-r zog die ,labui»ie hncli. erkannte mich »ihI ließ mieli cm. Ich blieb vleizclin luge zu Haus und fuhr dann wieder zur I im crMlht ziiriitk. ra-chcr als nütig, hIm-t ich hielt e» in die.er Siuili Iiier nicht länger aus, zu wissen, dn|f> ne in \|ai|c!ien nur zwei Slraläen weil von mir entfernt, und doch so verloren für mich war, tlalfi ich sie in diesen beiden Stielten uiehi ein ciu/iges Mal aiieli nur von weitem sehen kiinnle. In tlic-cr Zeil \iT»uclitc ich in nnendlirheri, schlaflosen \achleii niul au eiitllti-eu. einsamen lagen mir ein lialbwt-es w ii k I ichkci |s| nuie« niitl gerechlcs Hihi unseres kalaslroilialen Im!eb)i:-ses zu machen. Ich versicherte mir, tlrdj Ihr eberfall auf uns cm \kl lifiliercr Cmwall gewesen wiire, wofür ja auch \ ei>i< lu rungen niehl aulkommen. UelH'rdies war der I eberfall h.irinlos ahgelaiifen. körperlieh wenigstens war keiner Mm uns vorlelzl worden, und ich halte mein Miklclten wohlbehalten wieder heimgebracht. Ich hatte mich nicht gerade als Held erwiesen, aber es wiire \\ uhnsinn gewesen, den Kavalier zu spielen. \ eriiim I Imiiljlg w ar alles in Ordnung, aber die Liebe war zerschlagen, also war alle Vernunft sinnlos, wertlos, eine verteil feile Ausrede. Ks war jiirlierlich, die Schuld auf Sic zu projizieren, der uns. ein blindes Werkzeujr zur Erprobung meiner Liebe, überfallen halle (wenn der krasse Ausdruck .überfallen' auf einen so zivilen Vorgang anwendbar ist ■-. und gleicligiillig, was ich halle tun sollen: was ich getan oder unterlassen halle, war falsch, böse, verbrecherisch, mörderisch, denn damit halle ich, keiner sonst als ieh, die innigste Liebe dieser Well zertreten. Mein Verbrechen, das mich aushöhlte, das ich nicht verwand, liestand darin, daß ich niehl gemordel hatte. Da ich Sie nicht gernordet halle, blich mir nur noch übrig, mich zu morden, das ergab sich mir mit der Sicherlich des logischen Kinma'eins. der gleichen \ erriimft, mii der ich zuvor festgestellt halle, dala mein \ erhalten während Ihres I'eberfalls nicht anders oder nicht ratsamer hätte sein können. Meine Vernunft war auch in der ersten Nacbl, neben der Verzweiflung, mit der ich mich züchtigte, nüchtern genug zu wissen, dalfi mein Bestich im Kasino nutzlos und blamabel für mich ausfallen müßte. Vnil trotzdem ging ich hin. fragte nach Ihnen, warbie, bis Sie mit Ihren Kameraden kamen, fragte, ob einer und welcher von den Herren Offizieren am \bend zuvor im I'ark gewesen, wäre, wußte nicht, ob ich Sie nicht sogleich erkannt hatte oder gar nicht erkennen wollte, ließ mich von Ihnen, dem Major und den anderen auslachen und ging mit dem einzigen (iedanketi aus dem Kasino fort, daß ich nun vor mir selbst keinen \ orwand mehr hätte und handeln müßte. Ai» r. Sie wissen ja, ein Jude mordet nicht, kaum einer sich selbst, und wenn man den einzigen Menschen verliert, gewinnt man die Chance, olle Menschen zu gewinnen. .Man wird von einer Kugel getroffen, kein Arzt kann sie herausschneiden, sie wandert durch den Körper, sie gehl in einem um als ein nicht getaner, nicht zu Kode getaner Mord und umermulet, nach Jahren einmal, scheidet man sie aus imd ist sie los. Jetzt bin ich sie los." „Durch das Erzählen?" warf Taczanowski ein, als wollte er seine Reaktion verbergen und Erwin ablenken. „Dadurch, daß ieh es Ihnen erzählen durfte und meiner Frau erzählen konnte, ist nun alles soweit geklärt, wie es ohne (iewait zwischen le!>enden Menschen möglich ist. Ks ist alles Sagbare ausgesprochen, diesen Hest hatte ieh noch in Europa 'ii begleichen, ehe ich in Palästina von vorn zu leben anfange ... an genau demselben funkt, wo mein Bericht aufhörte, Als ich nach München zurückkam, war ich um den einzigen Menschen ärmer, für den ich gelebt hatte, um einen ungetanen Mord und um die ganze Menschheit reicher. Ich rettete mich nämlich in einen Wirlx»! weltverbessernder, fast« nrchrisllicher, also urjüdischer Ideen, und wenn ich konsequent geblieben wäre, so hätte ich schon damals den Weg angetreten, auf dem wir jetzt sind. Aber ich mußte wohl zuerst für ein halbes Menschenaher noch verbürgert werden, eine kleine Bolle im europäischen Schauspiel mimen, den modernen Zivilisationskomiort auskosten, — ich hätte auch sonst meine Frau nicht, gefunden, und man kann nicht ins verlorene Paradies ziehen, mn es 7.nrückzuerobern, ins Urchristentum, nein, ins Judentum heimkehren, wenn man keine Fran hat.* Man kann nicht für die Zukunft arbeiten, wenn man sich nicht fortpflanzen kann, wenn man keine Frau hat . . . Ihn meine Frau habeich fünfzehn Jahre in Kuropa .Vieli' gehütet wie mein Stammvater um seine Frauen. Und nun setze ich genau das in die Tat um, was mir damals vor fünfzehn Jahren als letzte Rettung erschien." „Und was ist aus dem Mädchen geworden?" fragte Ilse mit einem merkwürdigen Lächeln. „Wir hatten einander versprochen gehabt, an ihrem 21. Geburtstag zu heiraten. Sic wenigstens hat W ort gehalten, nur daß sie nicht mich nahm, sondern einen armen Teufel von Kornmis, der damals in der Inflation einen Haufen Geld hatte. Das Gehl war rasch vertan, er machte Schulden, sie bekam ein Kind, es waren \mhaltbare Zustünde, und sie mußte, wie auch immer, Geld beschaffen, um das Kind nicht verhungern zu lasseii. Wir hörten zehn Jahre lang niehls voneinander, bis ich eines Nachts durch eine entlegene Berliner Straße vom NacJitdienrt heimging und zusammenfuhr, da mieb unvermmutet eine Krau ansprach: .Darf ich Sie auf etwas atifmerksam machen?' .Worauf?' sagte ich mechanisch, und sie lachte: .Auf mich!' und sah mich an. Sie hatte mich nicht erkannt. Sie war — ich kann das heute sagen, ohne mir den Tod zu wünschen — sie war nicht ganz nüchtern. Ihr Lachen war breit, sie halte breite Hüften hekommen, und nur ihre Brüste waren klein geblieben. Ich fragle, ob sie mich denn erkannt hätte, und sie fuhr sich mit der Hechten über die Stirn, wie um ihre Benommenheit oder die Jahre zwischen uns oder das Erlebnis, das wir zuletzt gehabt halten, wegzuwischen, sie sah mich an und fragle. wie es mir denn ginge, leb versuchte, ihr zu helfen, alx'r sie war zu slolz, sich von mir helfen zu lassen, und es sielIle sich heraus, daß wir uns auseitiandergelebt hatten; es gab nichts Gemeinsames mehr /wischen uns. Ich weiß nur, daß sie lebt." „Ich bin länger bei Ihnen gewesen, als ich durfte'', sagte Taczanowski und erhob sich, um sich rasch und übergangsios zu verabschieden. „Ich weiß nicht, was ich Ihnen beiden wünschen sollte, da Sie alles haben, was Menschen brauchen. Der Mord, den Sie nicht, begangen haben, ist eine Art Lebensversicherung für mich —■ ich bin, wie gesagt, kein Moralist. Bleiben Sie gesund!" „Wenn ich noch sehr jung wiire", sagte Ilse, als er gegangen war, „wäre das ein Mann für mich gewesen . . . wenn er nicht mehr so jung gewesen wäre wie damals, als er dir über den Weg lief. Aber er ist. kein Jude, und, ülierhatipt, wir haben Wichtigeres zu tun als derartige Sentimentalitäten zu bereden. Wann geht unser Zug?" „Ja, du hast recht, wir brauchen von all diesen Dingen nicht mehr zu sprechen."" Während des Verhörs ülier das Autobus-Unglück erfuhr Erwin, daß Taczanowski ihm unter eigener Gefahr das Leben, gerettet, halle. Er hatte sich gegen die Bank gestemmt, die von der Seile auf Erwin gestürzt war. mit seinem breiten Rücken die Wucht des Sturzes gehemmt, so daß Erwin mit der Gehirnerschütterung und der Armverletzung davongekommen war, während Taczanowski eine nicht ganz leichte Rückenverwundung davongetragen, von der er, da man den Verband nicht sehen konnte, einfach geschwiegen hatte. „Es ist wie ein Ausgleich", murmelte Erwin. Sie kamen zum Bahnhof, der ihm nun schon ganz fremd und gleichgültig erschien. Der Zug kam, sie sliegen ein, sie verslauten das Gepäck, sie standen am Fenster, Geleise zweigten sich ab, Kohlensehutthnufen blieben am Rande, die Dampfmühle tauchte groß auf und war vorüber, Wiesen, das Flüßchen, von Erlen l^gleitet, die Chaussee. Itübenfelder, Wald, Birken, die vergilbte, regenverwaschene Königskerze am Bahndamm, Lärchen, die Lichtung, das Schwimmbad . . , „Die Heimat kommt erst", lachte Erwin. ENDE

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