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Jüdische Rundschau · 1936-01-14 · Heft 4 (14.1.1936) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 4 (14.1.1936)
Date
1936-01-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr 4, 14.V. 1936 MODISCHE RUNDSCHAU Seife 3 Unbegreifliches . * Italien im Mittelmeer Antisemitische Aeußerungen auch in Italien Die jüdische Geschichte der letzten Jahrzehnte kennt mehrere große Wellen der Auswanderung von Juden aus einem Lande, weil die politischen und wirtschaftlichen Tatsachen sie zwangen, eine neue Heimat zu suchen. Die Wege dieser Auswanderung waren verschieden, ihr Schicksal war eigenartig, je nach den äußeren Bedingungen, unter denen die Emigration vor sich ging. Die Auswanderung der Juden aus Deutschland, die im Jahre 1933 eingesetzt hat, stellt unter dem besonderen Zeichen, daß Palästina das wichtigste Land für die Scßhaf tmachung der Emigranten geworden ist. Durch eine Verknüpfung historischer Umstände und durch die jahrzehntelange Vorarbeit des Zionismus ist Palästina zu einem Land geworden, das erhebliche Menschenmengen aufnehmen und ihnen Heimat und Arbeitsstätte sein kann. Es hat sich gezeigt, welche Bedeutung der Einsatz nationalen Kapitals in Palästina besitzt, und wie sehr dadurch die Entwicklung der Wirtschaft des Landes und seine Aufnahmefähigkeit für neue Einwanderer gesteigert werden kann. Die öffentlichen Mittel, über die das jüdische Volk verfügt, sind nicht unbegrenzt. Es läge daher nahe, sie dort einzusetzen, wo für das Schicksal des Volkes als ganzem die stärkste Wirkung zu erwarten ist, und wo es sich gezeigt hat, von welch entscheidendem Einfluß das Vorhandensein großer nationaler Mittel ist: in Palästina. Dennoch konnte man in der Vergangenheit und auch in der Gegenwart bis in unsere Tage hinein von einer solchen planmäßigen Aktion nur wenig merken. Gewiß haben die Zionistische Organisation und die mit ihr in der Jcwish Agency verbundenen Kreise durch die nationalen Fonds, insbesondere den Keren Hajessod und Keren Kajemcth, erhebliche Mittel nach Palästina gebracht und mit ihrer Hilfe die Voraussetzungen dafür geschaffen, daß schon in unseren Tagen die Masseneinwanderung zur Wirklichkeit geworden ist. Trotzdem ist damit nur ein Teil der verfügbaren Kräfte des jüdischen Volkes für Palästina eingesetzt worden; große öffentliche Mittel stehen noch völlig außerhalb der Palästina-Arbeit. Wir denken z. B. an die liquiden Mittel der Jcwish Colonisation Association, die — wie man hört — einige Millionen Pfund betragen sollen, und die Mittel, über welche die für die Unterstützung der aus Deutschland ausgewanderten Juden gegründete Rcfugee Corporation verfügt. Was geschieht mit diesen Geldern? Wo finden sie Anlage, und zwar in einem Sinne, der nicht allein ein paar Menschen in ihrer augenblicklichen Notlage Hilfe bietet, sondern der geeignet ist, Tausenden und Zehntausenden von Juden aus Deutschland zu neuer Existenz und neuem Lebensmut zu verhelfen? Erst kürzlich hat Dr. W e i z m a n n in einer Versammlung der Hitachduth Olej Germania in Jerusalem einen dringenden und ernsten Appell an diese Organisation gerichtet (vgl. „J. R." Nr. 1 d. J.). Was geschieht indessen wirklich? Die Kreise, die über diese Mittel verfügen, sind auf der Suche: auf der Suche nach Anlage möglichkeiten, auf der Suche nach Ländern auf dem weiten Erdenrund, wohin sie Juden schaffen können. Nun ist gewiß gegen eine solche Suche nichts einzuwenden, da wir selbst am besten wissen, dafl Palästina nicht alle auswanderungsbedürftigen Juden der Welt oder auch nur Deutschlands aufnehmen kann, und daß nicht die Gesamtheit des jüdischen Volkes für ein Leben der Arbeit in Palästina geeignet ist. Tausende von Einzelschicksalen jüdischer Menschen werden daher außerhalb Palästinas abrollen, und diese Menschen werden sich in der Welt draußen eine Existenz aufzubauen haben. Die Atornisierung des jüdischen Volkes wird dadurch noch gesteigert werden, und die Gefahren der Judenfrage — innere, kulturelle Auflösung und politische Unsicherheit — werden sich zwangsläufig erhöhen. Kann dies nun der Ansatzpunkt für die kollektive jüdische Arbeit sein? Ist dies die entscheidende Aufgabe für die Verwendung der öffentlichen Mittel, die bei aller Bedeutung, die sie haben, im Verhältnis zur Not des jüdischen Volkes doch nur beschränkt sind? Wann hat es jemals größere Chancen gegeben, die für ein Zusammenwirken Palästinas als dem neuen Kristallisationsminkt jüdischen Lebens mit den großen jüdischen Hilfsorganisationen und den auswanderungswilligen Juden selbst sprechen? Und diese Möglichkeit will man ungenutzt vorübergehen lassen? Welcher Jude, der die Dinge mit nüchternem Verstand und warmem jüdischem Herzen betrachtet, kann dies begreifen! Wir müssen diese Fragen an die jüdischen Instanzen stellen, die sie zu beantworten in der Lage sind, nicht allein um Palästinas willen, das durch die Zusammenfassung aller Kräfte des jüdischen Volkes einen ungeahnten Aufschwung nehmen kann, sondern auch im Interesse der Juden Deutschlands und aller, die ihre bisherige Heimat verlassen müssen. Wir stellen diese Frage nicht zuletzt auch darum, weil die Fernhaltung vom Werk der nationalen Regeneration in Palästina seitens dieser Kreise unter denen Illusionen erweckt, die sehnsüchtig darauf warten, in der Welt draußen eine neue Heimat zu finden. Die junge Generation, die in erster Linie diesen Weg gehen muß und will, kann nicht warten. Gewiß ist sie bereit, eine gewisse Zeit der Ausbildung und Vorbereitung zu überbrücken, und sie weiß, daß die Situation der palästinensischen Wirtschaft und Politik es ihr vielleicht auferlegen wird, über das unbedingt notwendige Minimum der Hachscharahzeit hinaus mit ihrer Alijah zu warten. Aber sie hat doch die Gewißheit, daß ihr diese Einwanderung bevorsteht — das Land ist da, und die Aufgabe ist da, sich mit diesem Land materiell und kulturell als Juden zu verbinden. Das Land und die Aufgabe sind da. Dies müssen wir gerade dann feststellen, wenn wir hören, daß in diesen Tagen Projekte realisiert werden, die in gewissen jüdischen Kreisen Deutschlands schon längere Zeit erörtert wurden und das Ziel haben, junge Menschen für eine landwirtschaftliche Siedlung außerhalb Palästinas auszubilden. Gewiß kann eine solche Ausbildung nützlich sein, aber wir fragen: Was soll ein solches Kollektiv- Unternehmen, das mit den Mitteln der Gesamtheit durchgeführt wird, wenn ihm das konkrete Ziel fehlt? Wo ist das Land, für das diese jungen Menschen ausgebildet werden sollen? Wo ist ihre Gemeinschaftsaufgabe, die sie in der Welt zu erfüllen haben werden? Träger weicher Kultur sollen sie sein, wenn sie Deutschland verlassen? Welche Sprache sollen sie sprechen, wenn sie sich wieder mit dem Boden verbinden? Römischer Brief (Von unserem Berichterstatter.) Kr. Rom, 9. Januar. Der italienisch-abcssinische Konflikt und die englischen Flottenbewegungen im Mittelmeer haben die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf die Kräfteverschiebungen im Mittelmeer und einen hier etwa zum Ausbruch gelangenden, durch die jüngsten Ereignisse in bedrohliche Nähe gerückten Konflikt gelenkt. Die militärischen Vorbereitungen Englands in Gibraltar, auf Malta, in Aegypten und auch in Palästina, die in letzter Zeit ein beschleunigtes Tempo angenommen haben, lassen keinen Zweifel darüber, daß England gewillt ist, seine mediterranen Positionen zu verteidigen. Es ist zu hoffen, daß sich die Dinge nicht noch weiter zuspitzen und daß noch in letzter Stunde ein Seekrieg im Mittelmeer, dessen Konsequenzen niemand übersehen kann und der kaum auf das Mittelmeer lokalisiert werden dürfte, vermieden werden kann. Und es muß mit besonderein Nachdruck gesagt werden (was in redaktionellen Artikeln der „Jüd. Rundschau" schon mehrfach betont wurde — A. d. R.), daß, abgesehen von seinen sonstigen Auswirkungen, gerade vom jüdischen Standpunkt und im Interesse einer ruhigen Fortführung des mit so großen Hoffnungen begonnenen Aufbauwerks in Palästina ein derartiger Waffengang aufs tiefste bedauert werden müßte. Das jüdische Volk wünscht nichts sehnlicher als den Frieden, und gerade das Werk der Urbarmachung und Bodenverbesserung in Erez Israel, das von der ganzen zivilisierten Welt mit aufrichtigen Sympathien verfolgt wird, ist ein weithin leuchtendes Symbol des Friedens und friedlicher Betätigung. Auch in Italien hat man an hohen und höchsten Stellen dem jüdischen Aufbauwerk in Palästina die wärmsten Sympathien entgegengebracht. Wir erinnern nur an den seinerzeitigen Besuch Mussolinis im Palästina-Pavillon auf der Levantemesse in Bari und seine bei dieser Gelegenheit getanen Aeußerimgen. Dieses Interesse und diese Sympathie hat nicht nachgelassen. In der letzten Nummer der römischen Zeitschrift „11 Mediterrane o", dem offiziellen Organ des Zentrums für Mittelmeerstudicn, finden wir einen sehr beachtlichen, gut illustrierten Aufsatz über Palästina, in dem mit Lob und Anerkennung für das dort Geleistete nicht gespart wird. Durch die ganze italienische Presse ging vor einiger Zeit die Nachricht, daß einige fünfzig abessinische Juden in der zionistischen Siedlung „Herzlia" der Aufforderung des abessinischen Konsuls, Militärdienst im Heere des Ncgus zu tun, nicht gefolgt seien, sondern erklärt hätten, daß sie in erster Linie Juden seien, sich zur striktesten Neutralität verpflichtet fühlten und ihre Kräfte ganz für den friedlichen Aufbau des jüdischen Nationalhcims in Palästina einzusetzen gewillt seien. Diese aus Jerusalem kommende Meldung wurde hier in Italien außerordentlich lobend kommentiert. (Die Angelegenheit ist uns unbekannt und wir wissen nicht, um was Gewiß ist Berufsumschichtung gut, aber sie wird nur dann die großen Opfer, die sie vom einzelnen Menschen erfordert, beanspruchen können, wenn dahinter eine Idee steht, die sie lohnend macht, und wir bezweifeln, ob bei den Projekten, die bereits in allernächster Zeit eine konkrete Form annehmen sollen, diese Voraussetzungen gegeben sind. Es genügt nicht, daß sich einige jüdische Organisationen, die heute, nachdem ihre alten Aufgaben in Fortfall gekommen sind, nach einem neuen Betätigungsfeld suchen, zu dieser Sache zusammenschließen. Mit Dilettantismus wird man der Jugend nicht helfen. Daruni gilt es, der jüdischen Oeffentlichkeit Aufklärung darüber zu geben, welchem Ziele solche Projekte dienen. Insbesondere muß klargestellt sein, ob hierbei öffentliche Mitte! in der gleichen Weise verwandt werden, wie es bei der beruflichen Ausbildung für Palästina erfolgt. Es geht insbesondere nicht an, etwa den Gedanken einer kostspieligeren Ausbildung unter Verwendung öffentlicher Mittel mit der Begründung zu ventilieren, daß es sich bei den in Frage kommenden Jugendlichen um heute noch etwas besser situierte Kreise handelt. Weiterhin wird der Gesichtspunkt der kulturellen Ausbildung und der jüdischen Erziehung während der Berufsumschichtung eindeutig zu klären sein, da für die Auswanderung in jeden Teil der Welt die jüdische Verwurzelung ein entscheidendes Gebiet der Vorbereitung sein muß. Gerade diejenigen, die ihr Augenmerk zunächst nicht auf Palästina richten, sollten bemüht sein, die jüdische Substanz ihrer Menschen zu stärken, die später — wenn sich ihre Pläne wirklich realisieren sollten — in einer nichtjüdischen Umgebung erheblich gefährdeter sein werden. Mit einer „bequemeren" Ausbildungsmethode ist weder den Menschen gedient, um die es sich handelt, noch auch der jüdischen Sache. — Wir betonen immer wieder, daß jede Möglichkeit einer Rettung der ökonomischen Existenz, von Juden, die sich irgendwo in der Welt bietet, ausgenutzt werden soll. Wir fürchten ab*r, daß ein Experiment, wie es hier jetzt unternommen wird, nicht nach dem Willen seiner Initiatoren ausgehen dürfte. Wer hofft, durch eine an sich nützliche berufliche Ausbildung, deren Ziele aber zunächst im Dunklen liegen, sich in der jungen Generation Freunde zu erwerben, wird sich für die Dauer verrechnen. Er wird aber dadurch, daß er Illusionen erweckt, die Oesamtsituation der Juden Deutschlands erschweren und wird insbesondere den Kreisen im Judentum der Welt Wasser auf ihre Mühlen geben, die sich heute noch von aktiver Palästina-Arbeit fernhalten, ohne in der Lage zu sein, ihre Mitte! für eine auch nur annähernd gleichwertige konstruktive Hilfsarbeit einzusetzen. Darum ist es bedauerlich, wenn bei uns Projekte auftauchen, deren reale Basis äußerst unklar ist. Der Sache der jüdischen Renaissance als ganzer ist damit nicht gedient; von ihrer Verwirklichung aber hängt ja auch das Schicksal der Juden Deutschlands in entscheidendem Maße ab, K. L, für „abessinische Juden" es sich handeln kann. Aber zur Illustration der italienischen Haltung sind die hier berichteten italienischen Presscstinimen gewiß bemerkenswert. —• A.d.R.) Um so mehr muß es befremden, daß eben in diesen Tagen, in denen der englisch-italienische Gegensatz eine; neue Zuspitzung erfahren hat, in einigen nicht unbedeutenden italienischen Presseorganen unter anderem das Judentum für die heute in manchen 1 ändern bestehende; Stimmung gegen Italien verantwortlich gemacht wird. Das römische Mittagsblatt „II Tevere", der zwar als politisches Organ hier nicht sehr ernst genommen wird, aber doch eine ziemliche Verbreitung hat, versteigt sich in seinem Leitartikel vom 8. Januar zu der Behauptung, daß „Freimaurerei und Judentum den eigentlichen Ursprung der infamen Kampagne gegen Italien bilden". Beide, meint das Blatt, blieben natürlich wohlweislich im Hintergrunde, setzten jedoch alles in Bewegung, um gegen Italien Stimmung zu machen und aus einem etwaigen Konflikt den größtmöglichen Profit zu ziehen. Das viel gelesene römische Witzblatt „Marc' A u r e I i o" bringt am gleichen Tage auf der ersten Seite eine sehr üble, „jüdische Hochfinanz" betitelte Karikatur. Man sieht dort eine Gruppe von dickbäuchigen, feixenden, angeblich jüdischen Bankiers, die darüber diskutieren, wieviel wohl am kommenden Krieg zu verdienen sei. Der eine meint, „eine halbe Milliarde. Und wieviel werden sterben, meint ein anderer? Fünf Millionen, Das ist zu wenig. Hundert Lire pro Kopf, das ist kein ausreichendes Geschäft''. Es braucht hier nicht betont zu werden, daß diese Karikatur, die mit bekannten antisemitischen Mitteln arbeitet, das Produkt böswilliger Erfindung ist, und insofern keine Beachtung verdient. Leider vergiften jedoch derartige Presseerzeugnisse die Oeffentlichkeit, und das in einem Lande, das bisher von Antisemitismus nichts wissen wollte und in dem eine große Zahl von ausgewanderten Juden zu allen Zeiten gastliche Aufnahme gefunden und sich als nützliche Glieder des Staates bewährt haben. Wir sind überzeugt, daß diese und ähnliche Presseerzeugnisse von den hierzulande maßgebenden Stellen nicht gebilligt werden. Im italienischen Volk gibt es keinen Antisemitismus. Wenn wir hier trotzdem auf die oben zitierten Presscerzeugnisse hinweisen, so deshalb, weil sie in der hiesigen jüdischen Oeffentlichkeit Bedauern und peinliches Aufsehen erregt haben, ferner um zu zeigen, daß in kritischen Zeiten kein Land, selbst Italien nicht, gegen das plötzliche Aufkeimen eines Antisemitismus oder, sagen wir, zum mindesten antisemitischer Tendenzen gefeit ist. Man kann sich keine gröbere Verdrehung der Tatsachen vorstellen als die, das Judentum für die von 52 Mitgliedsstaaten des Völkerbundes gegen Italien verhängten Sühnemaßnahmen verantwortlich zu machen und das Judentum als den eigentlichen „Kriegshetzer" hinzustellen. Jeder ernsthafte, wirklich unterrichtete Politiker weiß, daß genau das Gegeateil der Fall ist. Das Judentum in seiner Gesamtheit und der Zionismus insbesondere wünschen nichts sehnlicher als endlich in Ruhe gelassen zu werden und mit ganzer Hingabe dem Werk des Aufbaus und des Friedens in der Welt dienen zu können. Die Judenfrage in der Wirtschaft Wie der „Völkische Beobachter" meldet, hatte der Gauwirtschaftsberater für den Gau Köln-Aachen der NSDAP, im Auftrag von Gauleifer Staatsrat Grobe die Vertreter der Partei, der Behörden und tler Wirtschaft aus dem westdeutschen Grenzgebiet zu einem Aussprache-Abend mit Staatssekretär Posse in die Kölner Industrie- und Handelskammer geladen, lieber das Rheinland hinausgehende Bedeutung hatten, wie der „Völkische Beobachter" schreibt, die Auslassungen des Oberpräsidenten der Rheinproviuz, Gauleiter Staatsrat Terboven, über die Juden frage im Wirtschaftsleben. Er hob nachdrücklich hervor, daß der Nationalsozialismus von seinen programmatischen Erklärungen und seiner Stellung zum Judentum nicht im geringsten abgehen wird. Der realpolitischen Einstellung der' Partei entsprechend, sei es dem Endziel jedoch nicht förderlich, durch unnötige Maßnahmen in der Judenfrage die Wirtschaft und letzten Endes auch damit den Staat zu schädigen. Die „Kölnische Zeitung" berichtet über die Ausführungen von Oberpräsident Tcrboven, daß sie, ohne grundsätzliche Konzcssionen zu machen, sehr realpolitisch eingestellt gewesen seien und in der These gipfelten, daß jeder wirtschaftliche Rückschlag, der bei der heutigen schwierigen Wirtschaftslage Auswirkungen auf die Aufbauarbeit haben können, zu vermeiden sei. Er unterstrich bei dieser Gelegenheit die außerordentliche Bedeutung des Exports, der auf jeden Fall sichergestellt werden müsse. Er stellte Weiter fest, daß jegliche Tarnung und damit Unmoral in der Wirtschaft vermieden werden müsse. Staatssekretär Posse schloß sich den Auffassungen des Oberpräsidenten an und erklärte, daß sich der Führer und Reichskanzler eine Erweiterung der Nürnberger Gesetze auf das wirtschaftliche Gebiet vorbehalten habe und daß, solange die Entscheidung nicht gefallen sei, Eingriffe nicht gestattet seien. Die jüdischen Privatbankiers Die „Nationalzeitung" in Essen veröffentlicht einen Artikel über Gegenwart und Zukunft des Privatbankiers, in dem die Entwicklung des Privatbankiergewerbes i. J. 1035 einer Betrachtung unterzogen wird. In diesem Zusammenhange wird auf den Verkauf eines Teiles des Geschäftskreises der Firma Gebr. Arnold Bezug genommen, sowie auf die Tatsache, daß die Commerz- und Privatbank die Geschäfte der Berliner Bankfirma Martin Schiff Marcus Nelken & Sohn i. Liq. übernommen hat, daß die Privatbankfirma Max Marcus in Potsdam ihre Geschäfte aut die Potsdamer Creditbank, Filiale der dem Reichsnährstand nahestehenden Bank für Landwirtschaft übertragen hat, und daß auch noch weiterhin Transaktionen vorgekommen sind. Eine gewisse Rolle bei diesen Vorgängen spielen, so weist das Blatt nach, zweifellos personelle Schwierigkeiten, die dann bestanden haben, wenn Inhaber oder führende Teilhaber N ich tarier waren und wenn vor allem der Anstoß zur Auflösung oder Uebcrtragcn von Geschäften durch Auswanderung der Inhaber gegeben worden ist.

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