Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1936)
- Date
- 1936-01-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 2 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 2, 7.1. 193« Nach Lord Readings Tode werden, was dicer Weltkrieg gewesen tei: «in Krieg der Nationen und be»< •mlers der kleinen Nationen. Und jjini deutlich wird drr Zionis'ojif ühnr in folprnilrn Sätzen: ,Die Welt (jrhl jeUl an rino Umwertung aller Werte, und sollt« in iriretidi'inrm Staat unter irsrcndciiioi» Vorwand — an dem es ni- und nirgends m fehlen schien — hinsichtlich der Juden (!) G' walUe : rs. ha! t, l.iilcrdrückunK und barbarisch« Verfolgung fortgesetzt «erden, dann wird dai große Ideal diese» Woltkriegei ein eillrr Traum Iii* iben." | >.,. heilJt auf gut deutsch ausgedrückt: d> r S i ii n d i e s e Weltkriege» war die unantastbare Herrschaft des Judentums.'' Wir glauben, daß in den zitierten Worten Sokolows kein Streber, nach einer „unantastbaren Herrschaft des Judentums" herauszulesen ist, sondern lediglich der Wunsch, daß entsprechend den nach dem Kriege proklamierten Grundsätzen auch in den Ländern Osteuropas, in denen die Juden damals unterdrückt waren, eine Neuordnung erfolgen müfltc, wobei der Gedanke der Minderheitenrechte die entscheidende Rolle spielte. Iis ist also nicht richtig, wenn Alfred Rosenberg fortfährt: ..' »Ii Millionen der (f 'utsehen Minderheiten verfolgt und inil'i druckt werden, ub ganze Volker ausgesiedelt und vertreten werden, ob Staaten msauunenslüizon, das alles ist gleicht-ülhc, nur die I H.mlaslhaikeit des ,-» 11 j ii d i s e h e n Wirkens ist Jrr wahro Htm und Traum diese« Weltkriege» gewesen, für den Hundert-Millionen-Volker viereinhalb Jahre auf dem Schlacht felde gckiinij.l't haben" —• denn das Streben nach Miudci heitenrechten war damalt den jüdischen und deutschen M i n d c r h c i t c n d urc h aus gemeinsam und die jüdischen Minderheitenvertreter sintl für die Rechte a I I e r Minderheiten eingetreten. In dieselbe Richtung fällt auch das Zitat «Osenbergs aus einer Rede 1. i c h t h e i m s, das leider, worauf wir schon in unserem Artikel vom 1. De/cmber 1031 aufmerksam gemacht haben, unvollständig ist, da ein Zwischensatz fehlt, der die Sache deutlicher macht, Roscnberg zitiert Lichtheim wie folgt: ,,M.i.il"n. die unser nationale-, Wollen zu unterdrücken gnelen. *;:ei;i;e Ii me-p r A<1! 1 <-hu g g-ü-m so barbans, h, wie die ni;!l- ' o'. i h- In ü <!;,.,!. n ... St i a 1 Ii, in d"lier) ein so rücksUmhY' r Ii'!-! heu-,!(!, «iud niriit m-rt, in bestellen." Im Original stellt aber hinter dem Wort .„mittelalterliche Staaten" noch der Zwischensatz. „in ileiii ii die ie-!i/i-Mi des Laiidslierrn auch di« Religion der Lande.4in.ieisein mulite". Lichtheim wandte sich also gegen eine auf die Nationalität angewandte Abwandlung des mittelalterlichen Satzes „cniiis regio eins religio": I.iehtheim vertrat damit einen Gcdankm, du ebenso von der deutschen Volkst u in s b t w r g u n g und den deutschen Minderheiten vertreten worden ist und vertreten werden mußte, ein allgemein! s Prinzip, das für alle Minderheiten gilt. In all diesen Gedanken ist nicht das Geringste von dem Streben nach einer ,,indischen Weltherrschaft" zu entdecken. Wenn man von einer „jüdischen Politik" überhaupt sprechen kann, so ist sie soweit der Zionismus damit gemeint ist — darauf gerichtet. dem jüdischen Volk, das seit Jahrhunderten über die Welt herumgetrieben wird, ein Zentrum der Arbeit und der kulturellen Entfaltung zu schaffen, das ja auch für die anderen Länder — und sogar für judenfeindliche — einen Wert hat, weil es die Juden anderer Länder, die dort nicht mehr leben können oder wollen oder die dort unerwünscht sind, aufzunehmen bestimmt ist. Die A u f n a h in e f ä ii i g k e i t dieses Nationalheims nach Tunlichkeit zu steigern und dadurch zur Erleichterung der Judenfrage beizutragen, ist der einzige Sinn und Zweck dieser — übrigens von der ganzen Welt, vom Völkerbund und von der Mamlatarmacht! nglaud kontrollierten — „jüdischen Weltpolitik". * Im Anschluß an den von uns schon besprochenen Komment a r z u d e n N ü r n b e r g e r Gesetzen von L ö s e - n er-Kunst haben zahlreiche Zeitungen um das Wochenende die R e c h t s s t e 1 i tt n g der J u d c n besprochen. Dabei wird im Anschlug an den genannten Kommentar stark unterstrichen, da Ii die Juden eine „v 6 I k i s c Ii e Minderheit", nicht aber eim- „nationale" Minderheit seien. 7ti einer Nation, so erkl-itt der Kommentar, gehöre ein Staat. Dies ist U. 1.. im Grunde eine terminologische Frage. Bis weit ins pi 0,1)1 -hundert himiu wurden die Juden auch in Deutschland in offiziellen Dokumenten eine Nation genannt, und ebenso sprach man vor 1018 von einer tschechischen oder polnischen Nation, obwohl diese keinen eigenen Staat besahen. Wir Juden sind als solche nicht an dieser staatsrechtlich-ttiss-ciKchaftlichen krage interessiert. F.s kommt nicht so sehr tlataui an, wie man uns nennt. Im völkerrechtlichen Sinne, das heilst im Sinne des positiven Völkerrechts der Miiuleiliegcnverträge, ist der Ausdruck „nationale Minderheit" überhaupt nicht üblich, sondern es ist gewohnlich die Rede von „Staatsangehörigen, die einer ethnischen, religiösen und sprachlichen Minderheit angehören". Das Wort „ethnisch" ist wohl gleichbedeutend mit dem bei Lösener- Knost angewandten Wort völkisch, obwohl infolge des Rassen- Prinzips durch das Wort „völkisch" die Aussonderung noch stärker betont wird. Bei der Rechtsstellung der Minderheiten ist jedenfalls zu unterscheiden die inn ergesetzliche Regelung und die Frage des internationalen Schutzes. Internationaler Schutz gilt nach der Praxis des Völkerbundes nur dort, wo ein Staat sich durch Vertrag ausdrücklich hierzu verpflichtet hat. Polen z. B. hat einen solchen Vertrag unterschrieben, aber in der vorigen Völkerbunds-Versammlung gewissermaßen einseitig aufgekündigt. Deutschland hat eine solche juristische Verpflichtung nur bezüglich des oberschlesischen Abstimmungsgebietes übernommen. Der Schwerpunkt hei der Klärung des Minderhcitenverhältnisses wird also nicht in der internationalen Sphäre zu suchen sein, sondern in der Schaffung eines Modus vivendi im Staate selbst. In dieser Hinsicht spricht der Kommentar von Lösener-Knost von der beabsichtigten Befriedung der Beziehtingen des deutschen und jüdischen Volkes und von dem den Juden gewährten Gesctzcs-Sthutz. Dies sind Anknüpfungspunkte, Trauerfeier und Nachrufe Bei der T r a u e r f c i e r für den verstorbenen Lord Reading in der West London Synagogue, über die wir schon kurz berichtet haben, war gemäß einem Bericht der Londoner „Times" der englische König vertreten durch den Earl of Munster. Der übrigen Anwesenheitsliste, die eine volle Spalte in der „Times" in Anspruch nimmt, entnehmen wir folgende Angaben: Leutnant Col. I'icrs Legh vertrat den Prinzen von Wales, ferner waren der Duke of York und Prinz Arthur of Cumiaught vertreten. Vom d i p 1 o m atischen Korps waren folgende Persönlichkeiten (meist mit ihren Damen) anwesend: die Botschafter von Brasilien, Belgien, Italien, Vereinigten Staaten von Amerika, Frankreich, die Gesandten der Niederlande, Schweiz, Oesterreich, Tschechoslowakei, Jugoslawien, Abcssinien. Ferner waren offizielle Vertreter des Primemi n i s t e r s, sowie folgender Minister anwesend: Innenminister, Gehcimsiegelbewahrer, Indien-Minister, Landwirtscliaftsminister, Außenminister, Lordkanzler. Fs werden sodann in der Liste die wichtigsten Persönlichkeiten der Familie Isaacs und der verschwägerten Familie Melchctt sowie anderer bekannter jüdischer Familien angeführt. Von politischen Persönlichkeiten seien folgende Anwesende erwähnt: der Hochkommissar für Indien, Viscount Sankey, Sir Austen und Lady C h a m b e r I a i n, Sir Robert Vansittard, Viscount Ulfswatcr, Sit Henry Strakosch, Lord Russell, Lord Birkenhcad, Sir Robert Hamilton, Sir Percy Harris, Sir John Fitzgerald, Sardar Balladur Mohau Singh, Abdul Kader, der Larl von Midlcton, Lord Stanmore, Viscount Ratendone, Brigadier Howard, LtGen. Sir Louis Vaughan, Viscount Leverhulmc, Sir Harry McGowan u. v. a. Von bekannten jüdischen Persönlichkeiten und Vertretern jüdischer Organisationen seien erwähnt Nahutn S o k o 1 o w, Chief Rabbi Flertz, Sir Herbert und Lady Samuel, Prof. Brodetsky, Antony und Lionel de Rothschild, Simon Marks u. Frau, Paul Goodman (als Vertreter der English Zionist Federation) und Frau Romana Ooodman, Nevillc Laski (Jcwish Board of Dcputies), Lady üold- 8 in i d, Viscount Bear st ed, Sir Philipp und Lady Hart o g, Sir Francis O ppenheimer, die Witwe Edvin Montagus, Sir Herbert und Sir Benjamin Cohen, Lionel Cohen, Philip O tt c d a 11 a, Sir Cetil K i s c Ii, ferner eine große Anzahl von Vertretern nichtjüdischer und jüdischer Vereine. Die englischen Zeitungen veröffentlichen weiter eine ganze Reihe von Nachrufen und Zuschriften, die dem Andenken des bedeutenden englischen Staatsmannes und Juden gewidmet sind. Nach Berichten aus Indien fanden dort gleichfalls eine Reihe von Trauerfeiern statt. Die i n - dischen Zeitungen würdigen die Bedeutung Lord Rcadings, und auch das Organ der anti-englischen Kongreß- Partei, das notwendigerweise auch Lord Rcadings Haltung dem Kongreß gegenüber kritisiert, preist trotzdem seine überlegene Persönlichkeit und seine Verdienste um die indische Verwaltung, insbesondere auf dem Gebiet der Justiz und der Wirtschaft. Der Korrespondent der Londoner „Times" erklärt zusammenfassend, wenn man die Meinung Indiens, wie sie sich in privaten und öffentlichen Aeußerungen ausdrücke, wiedergeben wolle, so müsse man sagen, es sei eine ehrliche Trauer um einen großen Wohltäter Indien s. Einem Reuter-Telegramm gemäß hat auch Gandhi ein Beileidstelegramm an Lady Reading gesandt. Die hebräische Zeitung „H aar e z" (Tel-Awiw) erinnert anläßlich Lord Rcadings Tod an eine Rede, die er vor genau vier Jahren, Deezmbcr 1931, vor den Gymnasia- Der Jahresbericht des Völkerbundes Auswanderer- und Minderheitenfragen Genf, Auf. Januar. (JTA.) Die Informationsabteilung des Völkerbundes hat einen Bericht über die Tätigkeit des Völkerbundes im Jahre 1035 veröffentlicht, in dem einzelne Abschnitte Gebieten gewidmet sind, die mittelbar oder unmittelbar auch jüdische Belange betreffen. In dem Abschnitt über Auswandererfürsorge heißt es: Während des Jahres 10i") hat das Nansen- Amt über 117 000 Ausgewanderten Beistand geleistet. Die zu diesem Zweck getroffenen Maßnahmen waren verschiedener Art, und zwar Konsulare Beihilfe zur Erlangung von Pässen und Sichtvermerken; Vorbereitung und Ausstellung verschiedener Arten von Dokumenten; Rechtshilfe; Interventionen zugunsten ausgewiesener Flüchtlinge; Steuerbefreiung; verschiedene Formen der l'nterstützung; Gesuche um Befreiung von Beschränkungen für ausländische Arbeitskräfte; Interventionen zur Sicherung von Krankenhausbehaiidlung für erkrankte Ausgewanderte; Zulassung von Kindern zu Schulen usw. Das Amt gewährte "J.KK) Auswanderern aus dem Saargebiet Unterstützung und bemühte sich, das Nansen-Paß- Svstem auf alle diese Personen auszudehnen. Was die Auswanderer aus Deutschland betrifft, so hatte sich das Oberkommissariat in London mit über 80 000 Personen zu befassen. Fortdauernd werden Geldsammlungen für diese Ausgewanderten durchgeführt; es wurden bisher über zwei Millionen Pfund (?) gesammelt und vervon denen aus sich die künftige Stellung der Juden betrachten ließe. Es handelt sich darum, einen Rahmen zu finden, in dein die „völkische Minderheit" der Juden, wenn auch abgesondert, physisch und geistig existieren kann, wobei eine geordnete Auswanderung wohl als ein gemeinsames Ziel der Mehrheit und der Minderheit betrachtet werden darf. * Wohl selten sind einem Juden so viele und hohe Ehren zuteil geworden wie dem verstorbenen Lord Reading bei den Trauerfeiern, die zum Wochenende in England stattfanden. Was uns als Juden dabei besonders interessiert, ist die Tatsache, daß bei der imposanten Fhtldigung des gesamten englischen Volkes niemand auf dje Idee kommt, das Judentum des großen englischen Staatsmannes schamhaft zu verschweigen oder zu bekritteln. Daß dieser Mann ein Jude war, schmälert nicht den gewaltigen Respekt vor seinen Fähigkeiten und Leistungen; man achtet gerade seine Loyalität zum Judentum, aber man verbirgt auch nicht das leichte sten In Tel-Awiw gehalten hat. Damals habe Lord Reading die jungen Menschen aufgemuntert, tüchtig und mkunftsgläubig zu sein. Einem Jungen steht die Welt offen: j,Als ich, so sagte er, so alt war wie ihr, war ich ein Schiffsjunge und ahnte nie, daß ich Vizekönig von Indien werden würde." Einer der vielen Briefschreiber an die „Times", Leutnant Col. Sir Frederick C^Connor, erinnert an eine auch vom jüdischen Standpunkt interessante Episode in einer Bankettrede Lord Readings. Nach seiner Rückkehr aus Indien im Jahre 1926 wurde ihm ein Bankett gegeben, dessen Hauptredner Sir John Simon und der verstorbene damalige Indien-Minister Lord Birkenhcad waren. In seiner Rede erinnerte Lord Birkenhcad daran, daß der Vizekönig von Indien zum ersten Male „als Kabinenjunge" auf einem Handelsschiff nach Indien gekommen sei; darauf erwiderte Lord Reading ungefähr folgendermaßen: Diese Angabe ist nicht ganz richtig. Ein „Kabincnjunge* auf einem Schiff, der in den Offizierskabinen Dienst tut, hat keinen besonders schweren Dienst. Ein „Schiffsjunge" aber hat die schmutzigsten und unangenehmsten Dienste auszuführen. I c h war aber „S c h i f f s j u n g c", und zu meinen Aufgaben gehörte u. a. das tägliche Putzen des Schweinestalls. Nach einer kurzen Pause fuhr Lord Reading, lächelnd um sich blickend, fort: Diese Aufgabe hätte man mir mit Rücksicht auf meine Abstammung ersparen können (große Heiterkeit). Ein anderer Briefschreiber der „Times" hebt als eine besondere Eigentümlichkeit des Verstorbenen sein höfliches und rücksichtsvolles Verhalten gegenüber allen seinen Untergebenen hervor. Er sei von allen Untergebenen bis zu den niedrigsten Dienern hinunter geradezu vergöttert worden. Unter den Zuschriften in der „Times" finden sich auch zwei von jüdischer Seite. Ein russischer Jude erzählt Erinnerungen aus seiner Jugend, als sich in Rußland die Nachricht verbreitete, daß Lord Reading zum britischen Chief Justice ernannt worden ist. Dieser Tag sei im ganzen russischen Judentum wie ein Feiertag begangen worden, und als Lord Reading Vizekönig von Indien geworden ist, hätten sogar die orthodoxen Chassidim eine Freudenfeier veranstaltet. Im ganzen Osten von Rußland über Polen, Ukraine, Tschechoslowakei und Rumänien habe mau die Karriere Lord Rcadings mit größter Aufmerksamkeit verfolgt und jeder seiner Erfolge sei für die dortige Judenschaft ei große Befriedigumge, .-.en. Daß ein Jude in Großbritannien eine solche Laufbahn haben kann, sei einer der Umstände gewesen, die in der ganzen nach Millionen zählenden Judcnschaft Osteuropas die Sympathien für Großbritannien so allgemein gemacht haben. — Rev. Michael Adler erinnert in seiner Zuschrift an das stolze Bekenntnis Lord Readings zum Judentum gerade in der letzten Zeit, wo er öfter bei Kundgebungen im Oberhaus und in Versammlungen Gelegenheit hatte, für das Judentum einzutreten. Daß Lord Reading nach dem Kriege auch bei der Wiederherstellung guter englisch-deutscher Beziehungen mitzuwirken bestrebt war, wurde in den Nachrufen bereits mehrfach erwähnt. Die Zeitung „D e r Freiheitskampf", Dresden, erinnert an diese Tatsache, indem sie schreibt: „Reading hat seine jüdische Abkunft nie verleugnet. Der Weltkrieg bot ihm Gelegenheit, die seiner Ras* eigenen Fähigkeit für Fkuwzfragcn voll auszuwerten.... Die Ernennung zum Vizekönig von Indien war der Lohn für seine geschickten Finanzgeschäfte. Tn der ,.D cutsch- Englischen Vereinigung" hatte der Jude bis zum Frühjahr 1933 den Vorsitz der englischen Gruppe inne. Nach dem Umschwung in Deutschland zog er ti> hpgreiflichfrwfii« vor, sein Amt niederzulege n." teiH, wobei der größte Teil von den jüdischen Organisationen in England und Amerika aufgebracht wurden. Organisationen für Hilfeleistung an ausgewanderte Intellektuelle haben mit Unterstützung der Rockefeller-Stiftung über 300 000 Pfund ge$ammelt. Das Oberkommissariat befaßte sich mit der Sicherung eines regulären Rechtsstatus für Ausgewanderte aus Deutschland in verschiedenen Ländern und mit der Erlangung von Aufenthalts- und Arbeitserlaubnissen für die in Europa verbliebenen Auswanderer. Doch hat die Wirtschaftsdepression diese Bemühungen schwer beeinträchtigt. Demzufolge kam die Völkerbundsversammlung zu der Ansicht, daß die Schaffung einer von der vollen Autorität des Völkerbundes getragenen Organisation wesentlich sei für eine zufriedenstellende Behandlung des gesamten Auswandererprobicms. Die Bildung einer solchen Körperschaft wird gegenwärtig erwogen; sie dürfte an die Stelle des binnen kurzem aufzulassenden Nansen-Amtes treten. In dem Abschnitt über Minderheiten wird festgestellt, daß eine allgemeine Erörterung des Minderheitenschutzes innerhalb der Völkcrbundsvcrsamnilung in diesem Jahre nicht stattfand. Einzelne Fragen standen jedoch bei verschiedenen Gelegenheiten im Völkerbundsrat oder in seinen Kommissionen zur Debatte. In dem Abschnitt über Verwaltungsfragen wird darauf hingewiesen, daß die Mandatskommission in ihren im Frühling und Herbst 1035 abgehaltenen Tagungen die Verwahung der den Mattdatsmächten unterstellten Gebiete überprüfte. Im allgemeinen konnte in den meisten dieser Länder eine Besserung der Wirtschaftslage festgestellt werden. Gefühl der Distanz, das eine natürliche Folge dieser mit Vornehmheit empfundenen IMfferenzicrung ist. Wir Juden wünschen gar nicht, daß dieses Gefühl verwischt würde. Denn unsere These ist ja nicht, daß wir den anderen gleich-geartet sind, sondern daß wir, die Erben einer alten Eigenart, wohl von ihnen differenziert, aber darum nicht minderwertig sind. Weder auf kritikloser Vermischung und Anbiederung, noch auf feindlicher Gegensätzlichkeit läßt sich unser Zusammenleben mit anderen aufbauen; nur auf dem Bewußtsein einer geschichtsgegebenen, nicht unehrenhaften Distanz, über die hinweg ein Vertrauen sich aufzurichten vermag. IlauptKhriftlciter: Dr. Robert Weltsch, Berlin - Charlottenburg S (auch verantwortlich (ür die Aufnahme von Bildern). Stellveitreteri Kurt Loewenttcin, Berlin W IS. Anzcigcnieiter u. verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen! Elise Korn, Berlin-Wilmersdorf. Gültig: Anzeigen-Preisliste 4 vom 15. Oktober 1035. Verlag und Anzeigenverwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin W 15. Meinekestr. 10. D.-A. Dez. 38 737. — Druck: Siegfried Scholem, Bln.-Schöneberg, Bismarck #% Otk J% /Möbeltransport Lagerung. reise\ MPf%t«#»|i £ /billiob sammsi. vbrkehri kach\ #*jf%4%#% Humboldt b^oss. 8888 (s^ää) gepackfahrt <ä äää)8888sr^r Stemplet* WWW \ Obsksbs f B.rii. wms. K«rt0r«t»*tf»mm Ii« \ BAMi f Stetnplaiz