Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1936)
- Date
- 1936-01-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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1fr. 2 / Jahrgang 41 Preis 25 Rpi. judische Rundschau •cbrif Uettnng, Verlag u. AnMlg«n Verwaltung i Barlln W15, Melnakettr.10 Kemrul Samm«l-Nr. Jl Bismarck 3181/82,7165/70,7240/41 - Beius^rel« «inacM. ßcnellgeld j* Moni! RM 2,-, fe Vierteljahr RM 5,75, b« Abholuni; RM 1,88 kiw. RM 5^9. — Posncheck-Konten der Vertrieb» - Abteilung Berlin 71573 (Hir GroS - Berlin), Berlin 17392 (für dat. übrige Reich). In Fällen höherer Gewalt belieht kein Anspruch aul NachllelerunJ oder Erstattung etw« schon gezahlt« BemragebOhren. — Eraehtilnt J«den Dlenitai and Freitag. BERLIN i"snn nnto DIENSTAG, 7. JANUAR 1936 Gültig. AazeigenpreUUlt* Nr. 4, Di« 12 gespalten« mm . Zeile 20 Hpl, für Familien nach richten 15 Kpt Aufnahm« von An/Pigen an bestimmten Tagan oder Stellen und in bastitrimte Ausgaben kann nicht gewährleistet wenden. Gelegenheitsanzeigen nur bei Vorauszahlung aul Postscheck - Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Donnerstag 9—18 Uhr, Freitag 9 — 16 Uhr. Annahtneechluß für die Dienstag - Ausgabe Montag 10 Uhr, tür die Freitag - Ausgabe Mittwoch 13 Uhr (Für Familien an zeigen am Tag tot Erscheinen 12 Uhr) Der Zionismus erstrebt für das {Hellsehe Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) James MacDonalds Rücktritt Wochenschau DNB. zu seinem Begründungsschreiben Das „Deutsche Nachrichtenbüro" meldet zu dem von uns bereits in der letzten Ausgabe erwähnten Demissions- Schreiben des Auswandererkommissars James MacDonald an das Völkerbundssekretariat folgendes aus Genf: „Der Flüchtlingskommissar des Völkerbundes, der Amerikaner James MacDonald, hat am 31. Dezember vorigen Jahres sein Amt niedergelegt. In einem langen Schreiben an das Völkerbundssekretariat legt Herr MacDonald die Gründe dar, die ihn zu diesem Entschluß gebracht haben und für die er die deutsche Rassegesetzgeb u ti g verantwortlich macht. MacDonald regte eine neue Prüfung des gesamten Emigrantenproblems durch den Völkerbund an. MacDonald spricht dabei von der ständigen Loyalität der deutschen Juden während der Kaiserzeit und während des Krieges. Die jüdischen Wirtschaftier und Geschäftsleute hätten in hohem Maße dazu beigetragen, daß Deutschland den Kampf fortsetzen konnte. Der Völkerbundsbeamte versteigt sich weiter zu der Behauptung, daß unter der Republik die jüdischen Führer einige der schlimmsten Wirkungen der Niederlage von Deutschland hätten abwenden helfen (!) Nun sei es Zeit, daß das moralische Ansehen des Völkerbundes und der ihm angehörenden Staaten zum Ausdruck komme in einem Appell an die deutsche Regierung, im Namen der Menschheit und der Grundsätze des internationalen Rechts zu handeln. Wo die Wirkung innerpolitischer Maßnahmen Hunderttausende von Menschen zu demoralisieren drohe, da müßten die Erwägungen diplomatischer Maßnahmen verschwinden, um der einfachen Menschlichkeit Platz zu machen." Dazu wird vom DNB. hinzugefügt: „Siebzehn Jahre nach dem Abschluß des Weltkrieges besinnt sich eine maßgebende Stelle im Völkerbundssckrctariat auf die Pflichten der Menschlichkeit. Die Hunderttausende von Angehörigen der im Weltkrieg unterlegenen Staaten, die nach Kriegsende teilweise unter brutalen Umständen heimatlos oder existenzlos gemacht worden sind, haben — trotz des Bekenntnisses aller Völker zu den Wilsonschen Grundsätzen — kein Mitleid in der Welt zu erregen vermocht. Weil Deutschland endlich einen inneren Ausgleich gegenüber Mißbrauch und Ueberfremdung zu schaffen sucht, glaubt man mancherorts in der Welt, deswegen zu einer abfälligen Kritik und entsprechenden Ratschlägen Deutschland gegenüber befugt zu sein, während die gleiche Welt geschwiegen hat und noch schweigt zu all jenen mit ausdrücklichen internationalen Verpflichtungen nicht zu vereinbarenden Verfolgungen deutscher Menschen von Versailles an bis zu der kürzlichen Ausweisung und Ausbürgerung von Eupen-Malmedyern aus ihrer angestammten Heimat. In Deutschland ist man überdies der Auflassung, daß der Völkerbund zunächst einmal allen Anlaß hätte, sich darum zu kümmern, wie innerhalb des Völkerbundsstatutes selbst die Minderheiten und Konfessionen behandelt werden, bevor er eine Aktivlegitimation für sich in Anspruch nehmen kann, sich darum zu kümmern, wie Deutschland aus den materiellen und moralischen Erfahrungen seines Zusammenbruches heraus den inneren Aufbau seines Volkes vollzieht." Ein Kommentar des „V.B." Der „Völkische Beobachter" vom '!. d. M. widmet dieser Meldung einen Artikel, in dem es heißt: „Die Begründung, die der Flüchtling.skomniis,,jr des Völkerbundes, MacDonald, für seinen Rücktritt gibt, bt naiinlirh in keiner Weise stichhaltig. Denn wäre es wiiklich so, daß die Einstellung des nationalsozialistischen Deutschlands zu Jen Ra^efrajjcn der Hauptgrund der Schwierigkeiten ist, dann wäre es ja die doppelte Pflicht eines FlächtI i n»-Kommissars des Völkerbundes, den atig.i-.- liehen Opfern dieser deutschen Haltung tax Seite zu stehen. Dir ungezählte. Zahl der Klagen aus allen Landern Europas in den letzten Jahren ü I) e r das Auftreten deutscher Emigranten seheint uns ein viel bes-ercr Hinweis datnr ta sein, weshalb MacDonald den Geschmack an seinem Posten trotz seiner hohen Bezüge verloren hat. Nach fast dreijalu iger „Wirksamkeit" der deutschen Emigration im Ausland ist es auch weitesten Kreisen außerhalb Deutschlands klar geworden, für welchen Abschaum der Menschheit man -i< h zucm aus l'nkenntnis, zum Teil mit Feuereifer, eingesetzt hat. Hati ilie>c Erwachen die Tätigkeit des Herrn Khirlu ling s's< m>m i -.-ars nicht ctlctclitrrt hat, Ut gerade uns durchaus verständlich. l»e»h.slb jedoch sind wir andererseits keinesfalls bereit, nun als SüiidcnUickc zu dienen in einer Angelegenheit, die erheblich anders auswicht, als man sie in Gent wieder einmal darstellen mochte. Angesichts der Erfahrungen, die das Au-land selbst seit 1933 hat inachen können, halten wir es nicht für notwendig, uns mit den Redensarten von der Loyalität der Juden in Deutschland unter d. m Kaiserreich und während des Krieges lange vt •H'-.-hSftigen. oder noch einmal wieder darzustellen, welcher Art die „Verdi-n-te jüdischer Führer" während der Nachkriegszeit wirklich waren. Solche Behauptungen werden heute bereits ohne unser Zutun in weiten Kreisen des Auslandes als das anerkannt, was sie sind, nämlich als der Versuch, von den eigentlichen Tatsachen abzulenken. Was uns bei den Ausführungen MacDonalds in viel stärkerem Maße berührt, ist die Tatsache, in welch herausfordernder Weise, sieh hier ein Organ des Völkerbundes mit den inneren Ausländen Deutschlands zu beschäftigen wagt. Wenn man schon in Genf angesichts seiner anderen Mißerfolge glaubt, es nötig W haben, wenigstens in Fällen, die nicht gefährlich erscheinen, den Menschheitsbeglücker zu spielen, dann empfehlen wir dafür doch andere Objekte als die deutsehe Gesetzgebung zum Schutze des deutsehen Blutes. Immer wiederkehrende Berichte über Fälle von Lynchjustiz, (.' h r i s t e n v e r f o 1 g u n g c n. tätlit hc Angrihe auf Geistliche christlicher Konfessionen, blutige Judenpogrome und Demolicrungen von Kirchen und Klöstern, die aber in keinem Falle aus Deutschland stammen, scheinen uns da bessere Hinweise für eine Beglückertätigkeit zu geben. Und falls man hieran noch nicht genug haben sollte, dann könnte man sich ja auch noch mit dem Blutsystem des Bolschewismus best Itä ft igen, das sicherlich Arbeit für viele Völkerbumlskornmissare zu bieten hätte. In allen diesen Failen aber hat der Völkeibund geschwiegen und wird auch weiter schweigen. Gerade dadurch aber beweist er, daß tlie .Aktion des Fiiicht hng-kommi-ssars gegen Deutschland rein politischen G esichtspunkten entsprungen i-t, die mit der Frage der Emigration an sieh am allei wenigsten zu tun haben. Der Nationalsozialismus und das neue Deutschland sollen wieder einmal getroffen werden, und wenn es nicht anders geht, dann sogar durch falsche Behauptungen, die ein Organ des Völkerbundes im Namen der „Menschlichkeit" abgeben muß." Auch eine Reihe von anderen deutschen Zeitungen, wie z. B. „Berliner Börsen-Zeitung", der „Berliner Lokal- Anzeige t", das „H a in b u r g e r F r e m denblatt" u. a. besprechen den MacDonaki-Bricf in eigenen Artikeln, wobei u. a. der Meinung Ausdruck gegeben wird, daß dieser Brief dem Einfluß bolschewistischer Kreise zuzuschreiben sei, die in immer höherem Maße Genf zu einem Werkzeug ihrer Politik machten. Echo in England Die „Frankfurter Zeitung" vom 3. Januar berichtet über den Eindruck, den MacDonalds Rücktritt in London gemacht hat, folgendes: „Die Genfer Nachricht von dem Rücktritt des Amerikaners James G. MacDonald ist von der englischen Presse in sehr großer A u f m a c h u n g veröffentlicht worden. Viele Blatter druckten das an den Generalsekretär des Völkerbündegelichtete Sehreiben in extenso ab und widmeten dem Gegenstand Leitartikel von beträchtlicher Schürfe. Im Sinne der Au-(uhrungcn M.iell->i:aMs wird argumentiert, daß das Problem der Abwandelung aus Deut-chland wegen seines Umlangs nun einen politischen Charakter angenommen habe und deshalb nicht mehr allein mit privaten und philanthropischen Methoden behandelt werden könne, sondern auch auf politischem Wege bearWuet wer len müsse." Die geplante Neuordnung Bekanntlich muß, wie wir vor einiger Zeit berichtet haben, die Fürsorge für die Auswanderer nach dem Rücktritt des Kommissars MacDonald neugeregelt werden. Die Expertenkommission, die vom Völkerbund zur Beratung dieser Frage eingesetzt wurde, tagte Anfang Dezember in Gent unter dem Vorsitz des tschechoslowakischen Völkcrbiindsdclcßiortcn Osusk y. Dieses Komitee hat einen Bericht ausgearbeitet, der dein V0lkerbiituisr.it zu seiner nächsten Sitzung am 20. Januar vorgelegt und dann auch veröffentlicht werden wird (Komitee-Berichte des Völkerbundes werden stets erst bei ihrer Vorlage an den Rat veröffentlicht). Es wird vorgeschlagen, der nächsten Völkcrbundsversammlung im September lü'Sa einen neuen Plan vorzulegen; nur die Völkerbunds v e r s a m m 1 u n g (und nicht der Rat) kann über die Einrichtung eines neuen Völkerbundsaintes beschließen, weil auch die Einsetzung des Kommissariats lö ii durch die Völkerbunds versa m m 1 u n g beschlossen wurde. Bis Herbst 19'Jb soll der Rat eine provisorische Regelung treffen, wahrscheinlich durch Ernennung eines neuen Kommissars an Stelle des zurückgetretenen MacDonald. Das bisherige Kommissariat war kein offizielles Völkerhundsamt, sondern nur lose mit dem Genfer Apparat verbunden. Das Komitee hat alternativ eine Angliedcrung des ehemals MacDonaklsciien Ktf m s-a: iales an das „Nansen-Amt", das andere Emigranten betreut, vorgeschlagen. Die Aufgaben des Kommissars sind nicht politisch, vielmehr hat er die Fürsorge technisch und organisatorisch zu leiten. Die Bemühungen MacDonalds, außer Palästina noch andere Einwandertingsläniler zu erschließen, sind bekanntlich gescheitert. Dies ist der Hauptgrund für seinen Rücktritt, da er glaubt, der Aufgabe insbesondere wegen der zu erwartenden künftigen jüdischen Emigration aus Deutschland nicht gewachsen zu sein. Zum Delegiertentag der ZViD. Letzter Termin für Abführung von Zionistensteuer und Landesbeitrag: 10. Januar Die Hauptwahlkommission der ZVfD. macht nochmals darauf aufmerksam, daß die Wahlberechtigung zum Delegiertentag von der Bezahlung der Zionistcnsteuer abhängt. Es ist Pflicht jedes organisierten Zionisten, seinen Zionistensteuer- bzw. Landesbeitrag bis zum 10. Januar an seine Ortsgruppe oder an die ZVfD., Berlin W15, Meinekestr. 10, abzuführen. Die Frist kann nicht verlängert werden, da die Wahlen bereits ab 16. Januar stattfinden. Wahlberechtigt ist jeder organisierte Zionlst, welcher am Wahltag a) seiner Ortsgruppe oder an Orten, wo keine Ortsgruppe besteht, dem zugehörigen GruppenverLand seit drei Monaten angehört, b) das 18. Lebensjahr erreicht hat, c) den Schekel und d) Zionistensteuer (wenigstens in Höhe des Landesbeitrages) an die ZVfD. abgeführt hat Der MacDonald-Brief — Ein Artikel Alfred Rosenbergs — Die Juden als „völkische Minderheit" — Trauer um Lord Reading Das Wochenende stand im Zeichen einer Auseinandersetzung über den Brief, mit welchem der Flüchtlings- Kommissar James MacDonald sein Amt in die Hände des Völkerbundes zurückgelegt hat. MacDonald war (wie in der „J. R." oft dargelegt wurde) außerstande, die ihm geset/te Aufgabe zu erfüllen, und er fuhrt dies teilweise auf den Umstand zurück, daß der Völkerbund nicht mit seiner ganzen Autorität hinter ihm stand. Wir haben schon mehrmals darauf hingewiesen, daß die 22 Staaten, die sieh im Oktober 1933 an der Schaffung dieses Kommissariats beteiligten, nicht viel positive Hilfe für die Unterbringung der Emigranten geleistet haben. Wir Juden betrachten das Gebiet, iur das der Kommissar MacDonald bestellt worden ist, als einen T eil d e s grollen j ü d i s e Ii e n Vi' a n d e r u n g s p r o 1) I e m s, das in unseren Tagen so akut geworden ist. Zahlreiche Juden, ilie ihren Beruf verloren halten und auf keine andere Weise ihren Lebensunterhalt erwerben können, sind zur Auswanderung gezwungen, und zahlreiche Stimmen aus dem deutschen Lager lassen erkennen, dal! hier die Auswanderung von Juden aus Deutschland erwünscht ist. Diese Menschen wollen arbeiten, wollen sich eine Existenz aufbauen, und wenn in deutschen Zeitungen von den Emigranten manchmal verallgemeinernd in herabsetzendem Inn gesprochen wird, so können wir eine solche Charakteristik, soweit die Mehrzahl der jüdischen Emigranten in Betracht kommt, nicht gelten lassen. Auswandernmüssen ist — um ein Wort von Nordau zu variieren — vielleicht ein Unglück, aber keine Schande. Wir hallen kürzlich an die Völker appelliert, sie mögen etwas großherziger die Tore ihrer Länder öffnen, um arbeitsamen Einwanderern einen Platz zu gewähren. Der Kommissar MacDonald bemühte sich zwei Jahre lang in dieser Richtung, und er ist schließlich zurückgetreten, weil alle Mühe erfolglos war. Wenn an diese Episode auch politische Kommentare geknüpft worden sind, so können wir uns in diese nicht einmischen. Wir Juden sind auch hierbei nur Objekte der Diskussion, nicht deren Träger. Die Angelegenheit hat aber auch Anlaß zu allgemeinen Betrachtungen über die Judenfrage gegeben. Unter der auf den lTüchtlings-Konimissar gemünzten Ueberschrift „Uebcrlcbtc Gouvernanten" veröffentlicht Alfred Rosen berg im „Volkischen Beobachter'' vom 4. Januar einen Leitartikel, in welchem er an die Behauptung MacDonalds anknüpft, Tu Deut sc id I' K n wahrend der Kaiserzeit und ■ I.ov.iü'..! Lew ir.cn, hauen in g des diU'^'c-n Kantptes hei- K viel" Oer s, himims-en Wirkurthohem Maiv für s|i getragen wahren, gett tl'-r deutschen Niederbgt ahgevooek Demgegenüber erklärt Rosenberg, daß es gelungen sei, „das ganze ik-uNehe Volk von der Gefährlichkeit des Gcsamtjudentums für sein Dasein zu über/engen", und fuhrt dann aus, daß die „Weltpolitik des Judentums und namentlich seiner zionistischen Spitzengruppe" gegen I »eutsehland gerichtet gewesen sei. In dem Artikel werden im wesentlichen die gleichen Anschauungen dargelegt, die derselbe Verfasser am 1. Dezember 10')t gelegenflieh des Berner Prozesses wegen der „Weisen von Ziem" im „Völkischen Beobachter" dargelegt hat und auf die wir in der „Jüdischen Rundschau" vom L Dezember 10i 1 mit einer ausführlichen Darstellung der Tatsachen unter Heranziehung der Originalqucllen geantwortet haben. Wir haben damals festgestellt, daß während des Krieges die J u d e n jeder St a a t s g r u p p e völlig loyal zu dem Staate stände n, dem sie angehörten, und daß auch, was Palästina betrifft, beide kriegführenden Teile sich für die jüdischen Kolonisationspläne interessierten, wobei die deutsche und österreichische Regierung offizielle Sympathie-Erklärungen für die zionistischen Bestrebungen abgaben. Wenn Alfred Rosenberg in seinem letzten Aufsatz schreibt: „es war kein Zutat!, daß der Präsident der Zionistischen Weltorganisation und damit der Leiter der zionistischen Weltpoiitik in London amtierte", so ist dem die Tatsache entgegenzusetzen, daß die zionistische Leitung bis 1Ü'2() ihren Sitz in Berlin hatte und daß Dr. Weizmann, der 1921) dann freilieh zum Präsidenten gewählt wurde, damals ein einfacher Privatmann war, der sich in England für die zionistische Idee einsetzte. Das Ziel war aber keineswegs „die Verstärkung des jüdischen Weltkapitals", oder „die Niedctlegung des starken Deutschlands", sondern lediglich die völkerrechtliche Anerkennung des Rechtes auf Schaffung eines Jüdischen Nationalheims in Palästina, das — abgesehen von kulturellen und religiösen Erwägungen, die hier nichts zur Sache tun •— den Zweck haben sollte, für Juden, die in ihren Heimatländern nicht bleiben können, eine Zuflucht zu bieten; ein Ziel also, das durch den weiteren Verlauf der Geschichte nach dem Weltkrieg vollauf gerechtfertigt wurde. Im weiteren Verlauf seines Artikels zitiert Alfred Rosenberg S o k o 1 o w wie folgt: „Und die jüdische Triebfeder zum Weltkrieg bezeith- •et Sokolow mit folgender Bemerkung: ,Ks soll nie vergessen