Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1936)
- Date
- 1936-01-03
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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S«M»e 14 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 1, 3.1. 1936 I USCH VI Siedlungswesen / i>. h. Emst Import landwirtsdiaftlidter Produkte Die sich ständig vergrölkTiulo Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten, die durch die Linwandening verursacht ist, bring! eine starke Sti'iixerun^ des Imports landwirtschaftlicher Pr(Kiukte nach Palästina. Die linportzahlen über tlie vier ersten Monate Januar- April des Jahres Id .It, verglichen mit denselben Zahlen des Vorjahres, zeigen eine sprunghaft wachsende Tendenz. Eine Ausnahme bildet der Oetreideimport, was auf die gute Ernte des lahres 143t zurückzuführen ist. Alle anderen Produkte, wie Butter, Kiise, liier, (lernüse, trockene und frische Früchte, Schlachtvieh, haben einen sowohl dem l'mfan^ wie dem Werte nach beträchtlich gesteigerten Import. So hat Palästina zum Beispiel in diesen ersten vier Monaten des Jahres 1')T» ca. "(X) Tonnen Butter eingeführt " im Werte von £ 55 (KH) gegen ca. v:<) Tonnen in derselben Periode des Vorjahres im Werte von C 'IStXW. Käse wurde für C 1S000 );eyen C!2()Ol> des Vorjahres importiert. Eier betrugen im Vorjahre im Import 2<> Millionen Stuck im Werte von C 47 (K)0, gegenüber 21 Millionen Stuck im Werte von C 'JS(KK). Aehnhch liefert die I »in^e bei Früchten und (iemusen. Eriscbe Iru.htc wurden für!£ 67«»» einiiefiihr!. trc;:cHiibcr £ 4«)IKK) im Yorphie. (icniuse für U 13 5(K) gegenüber .C 81XX). Die ver«r<">IVrtc Nachfrage öffnet selbstverständlich neue nml bedeutende llori/onte für eine ver^iulhrtc Li ie 1\\ 1 rt-ehe: du he Sie.Muii).'.*- t.iti^'kcH. die im lH4cii-at/ zu der in letzter Zeit haiint - :i, hlu h ani /hni-bm ba-.-rrttii k*<>lonisati'm ,v.>i •jeniKvhien ücitkbeii begründet i>t. Import von Rassckühcn Lines der Mclith.•r-ien /eiclien dieser T«-ntlenz. M i!i- \ ei grvle Na. b'raj'i n.nli W,i «.-•»•. kiiln-n. Die u.'itui Ii,, le- Venneiirun.' in den beste!)r!:den Stdhn Ii.dt uiebt Seh'; itt mit der \ cre'i Wu-l't i u \';n hli,!.;e nach Mih hprodllkten, und die .inzieli. n.b n I'iei-c für MoM.i reipmiluMibilden rjiicii Am ei/ zur Vcn»r«4Serii!i${ des Viehhe-dandce. I s sei nur ab Beispiel hier angeführt, d.i» -.Ii. Preise, die die Siedlungen im letzten J.ihrc idir \tikb und Milch- Produkte ■• r/h-llen, Meli in den ( iren/en von H) - Ks Mil pro I iier piodu/ierter .Milch gehalten habt Ii, wählend in den [.ihren vor der Prospcntiv die Prci-c kaum 11 Mil pro Liter überschritten. Wir linden daher auch in den Import/ahlen ein M mdi.jcs W,ich»en de.-, Imports von Milchknlien. In den cie-dm vier Monaten dieses Jahns wurden :'0;i Stiu. k Vieh eingeführt (gegenüber 1 i3 Stuck in derselben Zeit des Vorjahres!. Seit April des Jahres 1*135 hat sich jedoch der Import noch bedeutend gehoben. Die Initiative dafür ging tun den Siedlungen aus, die im ' invertiehnicn mil dun Sicdhingsdeparteinent der JewKh Agencv und mit I leranzichung von Sachverständigen der Versuchsstation iu Rccbowoth die ersten größeren Transporte in tlie Wege leiteten. Die guten Erfolge des Vorjahres, sowohl v\ a den Preis wie auch die Akklimatisierung' de< Viehs anbelangt, haben zur Gründung einer Milchviehimportgesellschaft (Haboker Ltd.) durch die landwirtschaftliche Arbeiterorganisation getuhrt. Die Gesellschaft hat bis jetzt Bestellungen auf etwa KKX) Stück erstklas. igen Passe iehs entgegengenommen und tätigt zur Zeit Kaufe in II ul- I a II d, der S c h w e i / und 1) c u Ischl a n d. Die ersten Transpoite, dne insgesamt über;<i() Kulte umiabten, >ind lueciN anneiannt, die anderen sind nuteru egs, und es Ist an/imehmeii, dal* bis hnde Ei ■'■••:! durchgeführt •■• m w ir d.-iü ,\,;i im ganzen hervorzuheben, d' r iifl I letc ua» Oer zi Ii. i .uMiili' l i;::, fuhrt Würde, au -gzee h-e'e }■'■ -.[Meie i'igt hat. |.Vii:ra-sig.- In,! ,nii he Knie mg aul'erordenthidi Ii. iier I ei-! u:i"s!.dug ' Ii und hohem Eettgi halt dei MIL h lu.imti' den <*«•«! Yni zu einein bWirr tiubei-.annt niedrigen Priisc (ca. Ii 53 pro Knpfi geie'erd werden. Das Problem der gemischten Wirtsdiafi das Problem der gemischten Wirw. hdt im Vordergründe ei!, ' i )u nhei mlidr- 1 \:s!« ititng der I'eüitjg.. n, die lniite mit Absatz- M-lnvierigk. iteü der /itni-prrvlu^t.- zu l. mrirti haben, vim i*>-it> und d'c mit <b i slugeinlen Einwandet ung ua inende Nniilmine naeli landwirtschaltii; Inn Pi> did.ea andri iis, .-chliclilich die Suche muh neicn Inve-titionsmoglieh. keifen haben e-. mit i h gebrat Ist, dali das Interesse fnr grmKhtr Wirt-, haften starker ist als je vorher. Man mini >ich jedoch bei Beurteilung der Möglichkeiten der gemischten Wirtschaft vor einer oberflächlichen Betrachtung der Probleme hüten. Wir sind in Palästina an l'cbcrtreibtitigen in der Abschätzung der Möglichkeiten der verschiedenen Kulturen gewöhnt und die Kolonisationsgeschichte ist voll von Beispielen für das begeisterte Aufgreifen einer Kultur, die später wieder fallen gelassen wird. Wir kennen die Anlage von Mandeln und Wein, die später ausgeholzt wurde, den Anbau von Tabak und in der letzten Zeit die überaus starke Investition in Orangen, die jetzt von Hühnerzucht und Milchwirtschaft abgelöst zu werden droht. Nun liegen die Dinge, speziell bei diesen beiden letzten Zweigen der Landwirtschaft, ganz anders als bei Anlage und Führung einer Orangenplantage. Die Kenntnisse, die zur Führung einer Plantage, wenn sie erst einmal sachgemäß angelegt ist, nötig sind, kann man sich zur Not in einer relativ kurzen Zeit aneignen. Die sehr modernisierte und komplizierte Technik des gemischten landwirtschaftlichen Betriebes dagegen verlangt sehr große fachmännische Kenntnisse und Umsicht. Der kleinste Fehler, Unvorsichtigkeit oder Mangel an Fachkenntnissen, kann den Betrieb gefährden. Aber auch dort, wo es gelungen ist, wie zum Beispiel in den nationalen Siedlungen, die Wirtschaft auf ungewöhnlich hohes Niveau zu bringen, erlauben die Erträge nur ein recht bescheidenes und sorgenvolles Auskommen. Eine rein kommerzielle Betrachtung einzelner Zweige, besonders unter dem Aspekt einer S t e i g e r u n g der Preise für landwirtschaftliche Produkte und ohne Berücksichtigung der inneren Zusammenhänge der verschiedenen Zweige in einem landwirtschaftlichen Betrieb, führt leicht zu falschen Schlüssen. Es ist zum Beispiel interessant, festzustellen, daß auch in vielen landuirtscbaft'ichcn Betrieben, die bereits einen selir hohen Standard und Entwicklungsgrad erreicht haben, der G e m ü s c b a u und die O e - f 1 ii g e I z u c h t kaum die Unkosten d e c k e n, zum Teil sogar mit einem Defizit abechlicP) ti - trotz der guten Konjunkturpreise, die für die Produkte erzielt werden. Ihr Bestehen und ihre Weiterentwicklung ist mir aus Gründen rationeller Ausnützung der gegcheikni Arbeitskräfte erklärlieh. Eine kommerzielle Untersuchung der Rentabilität dieser Zweige und sogar der Milchwirtschaft, die heute im Zckhcii der Prosperity steht, würde erweisen, dal) die Verzinsung des investierten Kapitals eine recht niedrige ist. So kommen war zu dem überraschenden Schluß, dal) ein gemischter landwirtschaft'icher Betrieb entweder dann reüssiert, wenn er als ein (1 im I! u u t e r n e Ii m e n mit moderner Einrichtung, sachgemäßer Leitung und hoher lnvestifionssmnme dasteht oder wenn es sich um Kleinbetriebe handelt, die auf S e 1 b s t v e r s o r g u n g und eigener Arbeit des Siedlers und seiner Familie beruhen. Hilfswirtschaften für Koloniearbeitcr Im Zusammenhang mit der Tendenz zur stärkeren Entwicklung gemischter Wirtschaften gewinnen die Pläne zur Schaffung von Hiifswirtschaften für Arbeiter in den Kolonien besondere Bedeutung. Der Grundgedanke dieser Pläne ist die Schaffung besserer ExMcnzmögüchkeiten für den Koloniearbeitcr, dessen Lohn sehr niedrig ist und verschiedensten Schwankungen infolge von Peno.leu der Arb.its'.osigkeit unterliegt. Durch die Schaffung derartiger I liifsbctnebe ergibt sich jedoch zugleich die .Möglichkeit, einen nicht unerheblichen Teil der in der I lilfswirtsehaft erzeugten Produkte, nachdem die eigenen Bedürfnisse des Siedlers befriedigt sjntl, auf den Markt zu bringen. Derartige Pläne zur AnSiedlung von Kolonieaibcitcni in I bewirtschaften werden jetzt veruirk'i.-ht. Die Jewish Agencv zusammen m't der Aibeitersiedlungsgcsel'sehaft „Nr" und der Ihp'tin.ie Knill de- Pale-tine Eeoiifeuic Corl'oretnm schreiten an die Anset/tmg der ersten zn eihnnde: t I ami i n Der lu\e :titi mseia't umfaßt den Hau eines Hauses, der Wirtschaftsgebäude (Stall (Hier I luhnerhof), GemüseiMiteinustallation, Umzäunung der Parzelle. Die Kostui belaufen sich auf 11 220 pro Einheit, w ovon etwa 70 <•„ von der! Ivpothekenbank oder „Nu" beigestellt werden, der Pest vernilt sich auf die lewish Agencv und die 1 inzahiungen der Siedler. Die Bodcncinhcit bilrigl K . 2- .• Dunam pro Wirtschaft. Der Boden ist Eigentum des KKL. Das ist der erste Anfang eines Projektes, das die Absiedlung von 2 01 Eami ien umfaßt. Wählend der Boden fnr VA)') Einheiten bereits gesichert ist, sind die Geldmittel für die Siedlung noch aufzubringen. Bck ihunq von Erbpaditbödcn Ein Gesetzentwurf der Regierung, der bisher nicht bestätigt War, wurde auf administrativem Wege in Kraft gesetzt. Es war bisher möglich, Bauten und landwirtschalt'k he Objekte, iuf gepachtetem Boden errichtet waren, nicht auf den Namen des Bodencigentumers, sondern auf den des Pächters zu registrieren. Dadurch ergab sich für den Pächter die Möglichkeit einer hypothekarischen Beleihung seiner Bauten und Anlagen. Durch eine administrative Verordnung des Leiters des Landdepartements wurde dieser Status geändert. Von jetzt an werden derartige Immobilien auf den Namen des Bodeneigentümers eingetragen. Diese Neuordnung gab Anlaß zu mancherlei Bedenken. Für die jüdische Siedlung und speziell für ihren nationalen Sektor bedeutet die Verordnung eine grundlegende Aenderung. Ist doch der größte Teil dieser Siedlung auf Böden, die in Erbpacht an Siedler vom Keren Kajemcth Lejisrael abgegeben wurde, errrichtet. Die hauptsächlichste Frage, die nun entstand, war, ob es auch in Zukunft möglich sein wird, aut das so eingetragene Besitztum Anleihen gegen hypothekarische Sicherheiten aufzunehmen. Folgerichtig ergab sich auch die weitere Frage, ob durch diese Verordnung die Interessen des Keren Kajemcth insofern beeinträchtigt werden können, als die Last der Steuern und Abgaben nicht mehr auf die Wirtschaften, sondern aut den Fonds, als den eigentlichen Bodeneigentümer, fallen kann. Die Sachlage ist bis heute nicht in allen Einzelheiten geklärt. Es scheint aber, als ob die Meinung der Sachverständigen und der interessierten Banken dahin geht, daß diese Neuordnung für Bclcibung kein Hindernis bedeuten muß. In England besteht die Möglichkeit, Pachtverträge, die nicht einmal Frbpachfvcrträge sind, hypothekarisch zu beleihen. Sogar Mietsverträge können dort auf dieselbe Weise beliehen werden. Immerhin verlangt das Problem weitere Untersuchung. die Geistige Bewegung / Escha s c h o i e m Die Verwurzelung Auf keinem Gebiete des palästinensischen Lebens macht sich der werdende dynamische Charakter des gegenwärtigen Zeitabschnitts so bemerkbar wie auf dem geistigen Gebiete. Geistiges Leben ist Gestaltung — Formung. Wenn die Bevölkerung sich binnen weniger Jahre durch Einwanderung aus allen Ländern, allen Kulturen und allen Sprachen verdoppelt, und wenn dieses schnelle Wachstum noch immer anhält, so wird die Formung schwer. Was sich kristallisiert und gestaltet, ist immer wieder in Gefahr, zerrissen zu werden. Andererseits aber bedeutet diese Vielfältigkeit, die hier zur Einheit werden will, einen ungeheuren Reichtum und fast grenzenlose geistige M >g'i:hkei,e:g wenn das eine gelingt: die Vielfalt zur Einheit zu verschmelzen, durch den Willen zur Volkswcdung zu einer Einheit in beztig auf Land und Sprache, Vergangenheit und Zukunft zu formen. Kürzlich schrieb der hebräische Dichter Sch. Scha- 1 o m im „Dawar" eine Art Einleitung zur hebräischen Dichtung, in der er sich über dieses Thema: Vielfa't und Einheit des längeren verbreitet. Vielfalt und Einheit Schalom betont das Ineinander-Verschränktsein, das sich gegenseitig Durchdringen aller Teile der Welt, des Raumes und der Zeit. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, der Mensch und sein Nächster, aber auch der Mensch und die Natur seien eine Einheit. Der Mensch, der in seine eigene Liefe niedersteigf, finde den Nächsten in sich und in dem Nächsten findet er wieder .ach selbst. So sind auch Traum und Wirklichkeit ineinander verwoben, alles ist ineinander verschlungen. Ein Syvbol der Ve hundemheit alles Krcatürlichen wi'l Schalom auch in der Rückkehr der luden nach Palästina sehen: „Ein Volk, das der Vielfa't der Welt angehört hat, das über 70 Länder /erstiiekt ist, rammt hier seinen Pfahl ein in e;,i kl ines Land. Die Seele, in deren Prisma sieh alle Regenbogen der menschlichen Kulturen brachen, wählt durch die Bestimmung des Schicksals eine Farbe, die eine einheitliche Farbe der Heimat und der Sprache. Aber all die vielen Reflexe der vielen Länder werfen ihren Glanz auf dieses Stuck Land und die Spuren der vielen Wanderungen ergeben eine Beg'eitmclodie zu der eiah Hachen Melodie der Heimat." Im Lichte dieses Widerspruchs von Einheit und Vielheit muß das geistige Leben Pale stinas gesehen werden. Geistiges Leben in Palästina ist nicht Import fremder Kulturgüter, der vielfach wahllos betrieben wird, sondern organische Entfaltung der in der Zionsliebe enthaltenen menschliehen Werte und das unentwegte Streben nach Gestaltung unseres lebendigen Gutes. ß. D. Gordon Wer die Ge chi hte des Pa'ä tina-Oedankens kennt, weiß, daß es die Bewegung des „Hapocl Hazair" war, die vor dem Kriege, wäh- B........."»«j B&nrf» ^ITW'oÖ DEINE ORGAKISATIOr- Jfeöf|ü^/e4 ißl,. ^^cler'Jku^ in.- i&e^tfdMd tivk:J c*«t6uu b l f Mischet ■ , SS^h''v\ ^1 \J kfc:L:„- rend des Krieges und während der ersten Nachkriegsjahre immer wieder diese Gedanken vertreten hat: die innige Verbindung von Volk, Heimat und Boden. Es war vor allem A. D. Gordon, der in einer großen Anzahl von Aufsätzen diese Losung verkündet hat. Seine Gedanken — eine Auswahl aus seinen Werken ist unter dem Titel „Erlösung durch Arbeit" in der deutschen Uebcrsetzung von Viktor Kellner im Jüdischen Verlag erschienen — waren 15 Jahre lang die herrschende Gesellschaftsphiiosophic des arbeitenden Palästina. Heute sind sie im Getriebe der rapiden Entwicklung des Palästina - Atifbaus hinweggeschwemmt worden, trotzdem seine Anhänger und Freunde seine Aufsätze unmittelbar nach seinem Tode in einer großen vielbändigen Ausgabe gesammelt haben. Es war ein guter Gedanke, daß die Vereinigung der Kwuzoth und die Organisation „Gordonia" (im Verlag A. J. Stybei in Tcl-Awiw) jetzt eine Aus w a h 1 aus den Werken Gordons veröffentlicht hat, die die wichtigsten Aufsätze Gordons zum Thema Volk und Mensch, Nationalismus und Sozialismus, Arbeit, Geist und Materie, Mensch und Natur enthalten. Gordons nationale Philosophie kommt am besten in dem von ihm gebildeten Terminus „Am-Adam" (Volk-Mensch) zum Ausdruck, welcher von den Herausgebern als Kapitelüberschrift für das erste Kapitel gewählt worden ist. Gordons Gedanke ist, daß das Volk genau so gut wie der einzelne Mensch der Ethik unterworfen ist, ja daß der Einzelne nicht sittlich leben kann, solange nicht sein Volk sittlich lebt. Die Inspiration zu einer solchen Uebeitragung der sittlichen Forderungen vom Menschen auf das Volk nahm Gordon aus der Sittlichkeit der Propheten. Im Zionismus sieht er die Verwirklichung des prophetischen Ideals: „Wenn wir jetzt von neuem daran gehen, unseren eigenen nationalen Weg in der Familie der Völker zu wählen, so sind wir verpflichtet, unsern Weg zu keimen, ein neues Volk, ein Mensch-Volk zu werden, das ein menschlieh-brüderüches Verhältnis zu den übrigen Volkern hat, und ein lebendiges und schöpferisches Verhältnis zum Aufbau der eigenen Nation. Die ganze Kraft unserer Geschichte, das ganze Leid, das sich in der Seele unserer Nation angesammelt hat, drängt uns iu diese Richtung." Es ist gut, daß gerade jetzt, wo die palästinensische lugend mehr als je Führung und Richtung braucht, die Stimme dieses großen Erziehers zu einem wahrhaft jüdischen Nationalismus ertönt. Hapoel-Hazair In dieselbe Richtung weist eine andere große Veröffentlichung, eine Auswahl aus den Bänden der Zeitschrift „Ilapoe! Hazair". Die Partei des „llapoel Ha/air" ist vor fünf Jahren in die große Arbeiterpartei aufgegangen. Auf ihrer letzten Tagung wurde beschlossen, eine Auswahl aus der Partei-Zeitschrift herauszugeben, die seit 1907 als Arbeiter-Zeitschrift in Palästina erschienen ist und in deren Bänden die ganze geistige und materielle Geschichte des jüdischen Palästina und des Zionismus sich spiegeln. Die Auswahl ist von Elieser Schochat und Chajim Schurer besorgt und von N. Twcrski herausgegeben worden. Es sind bisher fünf Bände erschienen und einige weitere Bände sind in Vorbereitung. Hier ist in kürzeren Korrresponclenzcn, in theoretischen Aufsätzen, in Polemik und Dichtung das Leben der palästinensischen Pioniere jener Jahre dokumentiert. Da ist der Aufruf Josef Witkins aus dem Jahre 1005, der die jüdische Jugend auffordert, die Tage der Bilu — der ersten Pioniere in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts — zu erneuern, Gruppen zu bilden, die zuerst als Lohna b.iter in den Kolonien leben und sich später in Kwuzoth ansiedeln werden, um von ihrer eigenen Hände Arbeit zu leben. In kleinen lokalen Korrespondenzen aus den Kolonien und den verschiedenen Arbeitsstätten ist der Cieist der Pioniere jener Epoche festgehalten, jener Geist, den zu erneuern und lebendig zu erhalten erste Aufgabe einer geistigen Bewegung in Paiä-. stina ist. (Schluß des Palästina-Teils) Pianos Radio Kurfürstendamm 205 z J1 Bism. 3716 N E U N AN N G«ir- 1903 .. 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