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Jüdische Rundschau · 1936-01-03 · Heft 1 (3.1.1936) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 1 (3.1.1936)
Date
1936-01-03
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 1, 3.1.1936 JODISCHE RUNDSCHAU Seite 13 \ ""*•»>., Foto: Orulhkei Eine Feier in Erez Israel Der „Vater der Locken" als Siebziger Jehoschua Chankin, dem nun Siebzigjährigen, werden In diesen Tagen viele Reden und Zeitungsartikel gewidmet, Sie berichten von dem Manne, der vor 50 Jahren als Sohn eines Bilu-Vaters ins Land kam und seitdem unaufhörlich von einer Idee getrieben, fast möchte man sagen besessen ist, dem heimatlosen jüdischen Volk Boden unter den Füfkn zu schaffen. Nicht von Chankins Lebenswerk soll hier nochmals berichtet werden, auch nicht von der offiziellen Feier, die dem Jubilar von den zionistischen Körperschaften bereitet wurde, sondern von einer ganz privaten Feier am Tage seines Geburtstages, bei der ein Stück von der Geschichte des lischuw in lebendige Erscheinung trat. In Tel-Awiw, wo Chankin lebt, gibt es natürlich die verschiedensten Festsäle, aber um ihn — diese äußerlich und innerlich so ungewöhnliche Persönlichkeit — zu feiern, erschienen sie alle seinen Freunden zu konventionell und alltäglich. Hinter Tel-- Awiw und hinter der Landwirtschaftsschule Mikveh Israel, einem der ältesten Institute des Landes, wo die Meeresdüne tief ins Land hineinragt und alles Leben unter ihrem Sand begraben hat — dort ist es Freunden von Chankin, die dieses Gebiet gekauft haben, eingefallen, ein 9chönes und elegantes C a f e h a u s zu bauen. Das ist wie ein Wahrzeichen für die eigenartige Entwicklung des Landes, bei der Chankin, der große Landkäufer der nationalen Institute, eine so überragende Rolle gespielt hat: wo mit seiner Hilfe unter jahrelangen Mühen für das jüdische Kolonisationswerk versandeter Meeresstrand erworben wurde, verkarstetes Gebirge, verlorener Fiebersumpf — entstand überall nach kurzer Zeit aus dem Nichts buntes, wirbelndes Leben mit den mannigfaltigsten Bedürfnissen. Auch um dieses Cafehaus, das jetzt den Tcl-Awiwcrn als Ausflugsort gilt, werden sich gewiß bald Zelte, Felder, Villen, Gärten, Fabriken und Schulen scharen, und an die Düne wird kaum eine Erinnerung bleiben. Zum Festessen in dieses Cafe' sind 150 Menschen eingeladen worden, und am Abend sausen die Autos aus Tel- Awiw, Jerusalem, Haifa und den Siedlungen in allen Teilen des Landes, sogar aus der Siedlung der Wächter des Hulehsees im Norden, durch die Straßen im Dünensand. Drei Generationen von Palästina-Siedlern kommen an: von den Bilu-Vätern und ihren Gefährten freilich sind nur wenige noch, aber ihre Söhne und die Gatten ihrer Töchter sitzen im Lande, als Pflanzer in den Siedlungen, als Kaufleute und Bankiers in den Städten, ihre Kinder als Anwälte. Regierungsbeamte, elegante junge Frauen über das Land verstreut. Schon unter den Eltern tragen nur wenige noch Spuren der Not und Leiden, die sie in jungen Jahren mit ihren Pionicreltern im Lande ertrugen. Die dritte Generation sind gutgepflegte, vom Sport gestählte und von der Sonne gebräunte, ansehnliche Erscheinungen, denen freilich der visionäre und asketische Zug fehlt, den die Großeltern besaßen. Unter diesen Verwandten und Freunden des Jubilars sind die ältesten Männer des Landes — jeder ein Stück Geschichte des Jischuw: da ist der seit langen Jahren immer wieder gewählte Bürgermeister von Tel-Awiw, der die wie ein Riesenpilz aus dem Meeresstrande aufgeschossene Stadt vom ersten einstöckigen Häuschen und von der ersten schmalen Straße ab, die hier vor fast drei Jahrzehnten um das Hebräische Gymnasium herumgebaut wurde, betreut und mit seiner Liebe großgezogen hat. Der Bruder des Jubilars, der mit ihm die schwere, von Entbehrungen und Gefahren umlauerte Kindheit im fremden, wüsten Lande ertrug und dann jahrzehntelang die von ihm mitgegründete Siedlung gegen Fieber und Räuber verteidigte. Der erste Direktor der offiziellen zionistischen Bank, der sie schon in den Jahren vor dem Weltkriege leitete, als sie noch ein ganz unbedeutendes kleines Bänklein war. Ein alter Kolonist, der vor Jahrzehnten mit seinem eignen und seiner Freunde Geld den Boden von Rischon-le-Ziou für das jüdische Kolonisationswerk erwarb. Der Senior der hebräischen Schriftsteller im Lande, der viel dazu beigetragen hat, die scheintote Sprache zu neuem Leben zu erwecken und die erste hebräische Tageszeitung nach dem Kriege zu schaffen. Einer der ältesten Aerzte des Landes, der vor Jahrzehnten unter den schwierigsten Bed:,"vmgcn seine Arbeit in den Kolonien begann und daneben in seinem Garten Erdbeeren zog, die, da sie die ersten im Lande waren, von Besuchcrscharen bestaunt wurden. Neben diesen und anderen Greisen aus der Verwandtschaft und Freundschaft des Jubilars gibt es Jüngere, die aber auch schon Jahrzehnte der Arbeit im Lande hinter sich haben: seine Arbeitsgenossen von der Palestine Land Development Company, mit denen ihn Jahre der Sorge, Jahre der Erfüllung und neuen Plauens verbinden: der Leiter der Landwirtschaftlichen Versuchsstation, der, als er vor Jahrzehnten als junger Arbeiter ins Land kam, noch nichts von einem solchen Institut ahnen konnte; Landarbeiter und einige Arbeiterführer, die aber hier nicht als Parteivertreter erschienen sind (Chankin selbst gehört keiner politischen Partei an), sondern als alte Mitstreiter des Gefeierten im jahrelangen Kampf für die Errichtung der neuen Volksgemeinschaft. Junge Verwandte von Chankin; Beamte der Bodengcsellscliaft, an deren Spitze er steht, und Söhne, Enkel alter Freunde — unter ihnen der Leiter des politischen Departements der Zionistischen Exekutive, der -- von offiziellen Verpflichtungen belastet —- erst nach Mitternacht eintrifft, um liebevoll dem Freunde seines eigenen Bilu-Vaters an diesem Abend nahe zu sein. Als die ganze Gästeschar versammelt ist, setzen die Musikanten mit Begeisterung zu einem Tusch an; durch die Saaltür tritt der Jubilar und neben ihm seine viel greisere, von Krankheit und Alter zusammengeschrumpfte Lebensgefährtin. Chankin geht hochaufgerichtet, wie immer, durch den Saal. Sein berühmtes langes Haar — die Araber nennen ihn mit einer gewissen ehrfürchtigen Zärtlichkeit den „Vater der Locken" — wallt über den neuen schwarzen Rock von dem individuellen, ein wenig dem Priestergewande verwandten Schnitt, den er sich seit Jahren zu eigen gemacht hat. Schweigend wie er den größten Teil seines Lebens geschwiegen hat, würdig geht Chankin durch die ihn jubelnd begrüßende Gästeschar, setzt sich mit leichtem, ernstem Gemeinschaftswerk der Aerzte Neues Krankenhaus in Tel-Awiw Von unserem palästinensischen Korrespondenten gL, Tel-Awiw, 20. 12. 35 In einer der stillen Ecken des Nordens der Stadt, wo man noch über weite Horizonte und große Flächen blickt, ohne sich an den kantigen Wänden der gerade aus dem Boden gestampften Mietsblocks zu stoßen, ist im letzten Jahre ein ungewöhnlich klarer und einladend anmutender Hauskomplex entstanden, der in einem — freilich noch embryonalen — großen Garten liegt. Das ist das neue Krankenhaus „Assutah", das vor einigen Wochen in Betrieb genommen und jetzt unter Teilnahme der Regierung, der nationalen jüdischen Institutionen und der Aerzteschaft eröffnet wurde. Ucber die Notwendigkeit weiterer Hospitalisierungsmög- Iichkeiten in der wachsenden Stadt Tel-Awiw, wo Tag für Tag auch Schwerkranke an den Toren der städtischen Krankenhäuser abgewiesen werden müssen, weil keine Betten frei sind, braucht nichts mehr gesagt zu werden. Es ist im Interesse des Publikums zu begrüßen, daß sich eine Anzahl von Aerzte n gefunden hat, die sich zur Errichtung eines großen gemeinsamen Hospitals zusammenschlössen. Die Finanzierung erfolgte durch Aktien (die nur in den Händen von Aerzten sein dürfen) und durch eine Hypothek. Die Aerzte, die ihre Patienten im Hause unterbringen, sind für die Behandlung verantwortlich. Es seien im Zusammenhang mit der Eröffnung von „Assutah" zwei Momente besonders hervorgehoben: Hier ist ein Institut entstanden, das mit allen Mitteln europäischamerikanischer Technik ausgestattet wurde. Für alle Anforderungen, die ein erstklassiges Hospital stellen kann, ist gesorgt, und darüber hinaus ist den speziellen Bedürfnissen des subtropischen Klimas Rechnung getragen, durch Spezialanlagcn für Kühlung und Heizung, für Entfeuchtung und Lüftung. Die Anlage macht einen qualitativ hervorragenden Eindruck und das Ganze ist als ein technischer Fortschritt großen Stils zu werten. Daneben ist es von Interesse, daß dieses Institut zu einem beträchtlichen Teil mit Hilfe der aus Deutschland eingewanderten Aerzte erbaut worden ist, die hier ein Projekt hatten, das sie interessierte, wo sie Geld und Kräfte investieren und zugleich die Arbeitsbedingungen schaffen konnten, die eine entwickelte medizinische Wissenschaft verlangt. Das Krankenhaus „Assutah" ist ein Beispiel für die großen geistigen und materiellen Kräfte, die in der Einwanderung aus Deutschland aufgespeichert waren, und zugleich für die Möglichkeiten, die sich aus der Zusammenarbeit dieser neuen Aerzte mit den „alten Palästinensern" ergeben. Der Leiter des Krankenhauses, der auch zu einem großen Teil für die innere Gestaltung des Instituts verantwortlich ist, Dr. Hirschowitz, steht seit Jahren in der sanitären Arbeit des Landes und hatte großen Anteil an der Entwicklung des Krankenhauses der Arbeiterkrankenkasse im Emek. Der gute Eindruck, den das neue Institut macht, kann die Not nicht verdecken, mit der trotz der Eröffnung neuer Privatkliniken gerade die arme Bevölkerung in Krankheitsfällen zu kämpfen hat. Ein Privatkrankenhaus wie „Assutah", das in der dritten Klasse 650 Müs pro Tag verlangen muß, weil es sonst nicht zu existieren vermag, kann seiner Natur nach nur den oberen und mittleren Schienten der Bevölkerung dienen. Den Armen aber muß die Öffentlichkeit zu Hilfe kommen; sie, die es am nötigsten haben, sind heute nach wie vor ohne genügende Hospitalisierungsmöglichkeiten und sanitäre Aufsicht. Eine private Institution wie „Assutah" wird einem lange gefühlten Bedürfnis der Mittelschichten entgegenkommen. Das Problem der Hospitalisierung in Tel-Awiw kann es jedoch nicht lösen; dies können nur die öffentlichen Institutionen, sei es nun die Munizipalität oder die Regierung. Urber die Ausgestaltung des neuen Krankenhauses „Assutah'' erhielten wir ferner einen längeren Bericht von Prof. Dr. Ii. Chajes, dem ivir folgende Angaben entnehmen: ....Nach dem Aufschwung, den Erez Israel in den letzten beiden Jahren genommen hatte, schien mir der Zeitpunkt gekommen, eine große Privatklinik zu schaffen, die es den Aerzten ermöglichen sollte, ihre Kranken in einer allen modernen Ansprüchen entsprechenden Klinik zu betreuen. Ein kleiner Kreis von Aerzten — Dr. Berg, B e r g - P I a t a u, Boss, C h w o i n i k, H irschowitz, Pulvermach e r, Professor Rosenbaum — führte mit mir zusammen alle Vorarbeiten, besonders die Kapitalbeschaffung, durch. Nach einem Monat nach Gründung einer Aktiengesellschaft wurde bereits das Grundstück in Größe von 8 Dunam (8000 qm) erworben. Es liegt zirka 2 km von der Allenbvstreet, der Hauptverkehrsstraße, in völlig ruhiger Umgebung, knapp 1 km vom Meeresstrande, entfernt. Dank dem Entgegenkommen der Stadtverwaltung und des Oesundheitsdepartemems der Regierung wurde schon am 16. November 1034 mit dem Bau begonnen. Nach genau 11 Monaten konnten bereits die ersten Kranken aufgenommen werden. Die Klinik wurde nach den Planem des Architekten Neufeld unter intensivster Mitarbeit des Direktors der Klinik, Dr. Hirschowitz, ausgeführt. — Maßgebend für die Planung und Durchführung des Baus und der Errichtung war der Grundsatz, alle Erfahrungen des modernen Krankenhauses, soweit sie sich in der Praxis und im subtropischen Klima bewährt hatten, auszunutzen und auch höhere Investitionen nicht zu scheuen, wenn sie der Qualität und der Rationalisierung des Betriebes zugute kamen, dagegen jeden Luxus zu vermeiden. Das Krankenhaus besteht aus einem Hauptgebäude von über 85 m Front, dem Aufnahmepavillou, in dem sich die Geschäftsräume und ärztlichen Untersuehungszimtner befinden, einem großen zweistöckigen Wirtschaftsgebäude und einem Gebäude für Infektionskrankheiten. Da das Krankenhaus an drei Straßen gelegen ist, haben alle drei Gebäude besondere Zufahrten von verschiedenen Straßen, Alle Krankenzimmer liegen nach Westen, der hauptsächlichen Windrichtung, und haben eine ständige Durchlüftung; sie sind mit Zentralheizung, fließendem warmen und kaltem Wasser und zur Hälfte auch mit einer automatischen Knhl- und Entfcuchtungsanlage verschal. Diese ist auch in sämtlichen Operations- und Entbindungsränmen sowie in dem Zimmer der Neugeborenen vorhanden. Gerade die Kühlung und Entfeuchtung der Krankenzimmer ist in den wannen Monaten und bei der hohen relativen Feuchtigkeit der Luft in I cl Awiw In sonders wichtig; sie ist in der „Assutah"-Klinik zum erstenmal im Lande durchgeführt worden. Alle Krankenzimmer sind mit großen gedeckten Terrassen versehen. In der ganzen Anstalt ist eine Lichtsignalanlage; eine Ratlioeiariclitung ermöglicht es jedem Kranken, in seinem Bett einen Kopthörer zu benutzen. Am Norderide des Hauptgebäudes liegen im Erdgeschoß drei mit den modernsten Einrichtungen versehene Operationsriiumc für Chirurgie usw. Im < »beigcsch<>i; sind drei voneinander abgesonderte, mit schalldichten Türen, Decken und Wänden versehene Entbindungsz.nmuer. In der Nordostecke l-'oto; Cerda Lufl des Hauptgebäudes liegt der große Saal für ilie Neugeborenen, der 36 Kinderbettchen enthalt und außen von einer Galerie umgeben ist. Außer Aerzten und dem Pflegepersonal hat niemand zu diesem Raum Zutritt, um Infektionen zu vermeiden. I>ie Angehörigen können die neuen Erdenbürger durch die großen Fenster'sehen. Selbstverständlich ist ein mit der modernsten Apparatur ausgestattetes Röntgeninstitut und Laboratorium vorhanden. Die Schwesternschaft besteht zunächst aus 30 Schwestern, die zum Teil an deutschen Krankenhäusern tätig waren, zum Teil aus erfahrenen und mit den Landessprachen vertrauten Schwestern, die schon lange im Lande sind. Die Einrichtung einer eigenen Schwesternschule mit dreijähriger Ausbildungszeit ist vorgesehen. Drei Hausärzte, darunter eine Aerztin, bilden neben dem Direktor das ständige ärztliche Personal der Klinik. Lächeln nieder, besorgt um seine gebrechliche alte Frau, die in dem Polstersessel neben ihm fast versehwindet. Dann beginnt das Mahl, das derbe Festmahl russischer Judcnstadtchcn, dessen Tradition die Frauen und Mutter der Bilu vor Jahrzehnten mit ins Land brachten und weiterpflegten. Es beginnen die Tischreden der Verwandten, der Freunde, der Mitarbeiter und Adepten - feierliche Reden, gerührte und rührende Reden, witzige Reden. Und nach jeder Rede setzt Musik und Gesang ein was für Musik und Gesang! Die Musiker in den feschen weißen Tanzboden-Uniformen spielen chassidische Weisen, aber in ihren Jazzinstrumenten verwandeln sich die übermütigen jüdischen Volksweisen mit dem schluchzenden Unterton in moderne Tan/rhvthmen. Diese Musiker spielen nicht nur, weil sie dafür engagiert sind, sondern weil jeder einzelne von ihnen mit seinem ganzen guten Willen und mit der Fülle seines Temperamentes den Jubilar feiern will. Kaum aber schweigen die Instrumente, da bricht ein lautes Singen los: am Ende der Ehrentafel sitzt einer der Arbeiterführer, ein kleiner, behender, von Lebenskraft übersprudelnder Mann, der in nie ruhender Energie Tag und Nacht für die Organisation der ländlichen Siedlungen wirkt auch ein von der Idee des Volksaufbaucs Besessener, aber ein fröhlicher Besessener. Er besitzt einen unerschöpflichen Schatz von hebräischen Volksliedern, die in den Kwuzoth erstehen und alle wie Märsche einer aufbrechenden Armee klingen. Mit unbeschwerter Naivität beginnt der alternde Arbeiter in jeder Pause zwischen den Reden und Orchesterstücken ein hebräisches Lied zu singen. Seine Tischnachbarn fallen e n, dann die ferner Sitzenden, zuerst die Jungen, dann die Alten; wer nicht singt, klatscht im Takt in die Hände, die jungen Musiker lauschen begierig der Melodie, nehmen sie auf, erst die Geige, dann die Bratsche, dann das Klavier, die Chauffeure im anstoßenden Raum fallen ein, und mit jeder Strophe des strophenreichen Liedes steigert sich das Tempo des Gesanges, steigert sich das Händeklatschen, bis der ganze Saal mit all den Jungen und den weißhaarigen Alten wie ein tosendes Meer ist. Dieses Singen mag melodisch sein oder nicht — es verlockt jeden einzelnen und reißt ihn mit in den Strudel. Tief in ihren Lehnsessel versunken sitzt die alte Frau des Jubilars, in den Augen ein Leuchten und Blitzen wie eine Zwanzigjährige, und mit Kopf, Händen, dem ganzen Körper wiegt sie sich im Takt des Liedes und läßt sich auch von dem besorgten Gatten nicht beschwichtigen, einer Pionierfamilie vor Jahrzehnten in: Gatten durch alle Hoffnungen. Siege, 1 teuer und Gefahren seines Lehens bis gleitete, hat mit wachen Augen alles entstehen sehen: das Leben, das aus d dem Sumpf erstand, den ersten Wem Orangenhain, der gepflanzt wurde, die Städte mit Fabriken, Hochschulen, Tin Sprache und das hebräische Lied. Sie, die als Tochter; Land Lau', und den nt'anschlingen, Aben- /ii diesem Tage bezüsammcii mit ihm ,t \\ liste, ticin Karst, berg und den ersten judisilicn Dörfer und :ateni, die hebräische In dem übermütig sich wiegenden Körper, den fftgendlich blitzenden Augen der Alten, in der von Würde und unbeugsamer Entschlossenheit gestrafften Gestalt des Jubilars, seinem immer wie auf ein unwandelbares Ziel gerichteten Blick hat sieh wie in einem Spiegel das gefangen, was den Grundzug des neuen Lebens in Palästina ausmacht: die unbändige, trotz aller über die Generationen hereingebrochenen Not und Prüfungen niemals erstickte, unsterbliche jüdische Lebenskraft. Diese Lebenskraft berauscht — trotz mäßigen Weingenusses — die (iäste und entlädt sich in ihrem tosenden Gesang, ihrem Händeklatschen und Sich- Wiegen. Diese selbe Lebenskraft bat den Jubilar sein ganzes Leben lang von Traum zu Erfüllung und von Erfüllung zu neuem Traum geführt - schon morgen früh vielleicht wird der Siebzigjährige seinen Mitarbeitern einen neuen Kolonisationsplan von verblüffender Kühnheit vorlegen, der mitten in dem Festestrube! in ihm entstand. Spät in der Nacht erst geht das überschäumend fröhliche Fest zu Ende, und die Autos rollen durch die Sandwüste zurück nach den Städten und Siedlungen des Landes. In dieser späten Nachtstunde geht im Emek Jesree! ein junger Wächter durch die Siedlung an der Herodesquelle und blickt in der mondhellen Nacht auf zum Berge Oilhoa: dort oben liegt das Grab, das Chankin für sieh und seine Gattin bauen ließ, in dem er hoch über dem Emek Jesree!, den er als wüste Steppe erwarb und der nun ein blühendes Tal mit vielen jüdischen Bauerndörfern ist, von seiner Lebensarbeit ausruhen will. Helene Hanna Thon Jerusalem (Palcor). Am 22. Dezember fand in Jerusalem eine von den nationalen Institutionen veranstaltete offizielle Feier zu Ehren von Chankin statt.

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