Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 103-104 (24.12.1935)
- Date
- 1935-12-24
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2651273-2653827-2653920--27966-2689427- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seife 14 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 103/104, 24. XII.!?35 Schule und Beruf Um das Schicksal der Jugend Von Dr. L. P e r i t z, Haifa Eine der wichtigsten Fragen, die jedem Einwanderer gestellt werden, ist die Schulfrage. Viele machen sich die Beantwortung leicht. Sie melden ihre Kinder in einer der bestehenden Schulen an. Die Aufmerksamkeit gilt dann ausschließlich der Qualität der Schule. Man kritisiert und berät mit den Lehrern. Im ganzen verfolgen Eltern lind Lehrer das gemeinsame Ziel, ihre Schule baldmöglichst dem entsprechenden Schultyp in Europa oder den im Lande bestehenden Musteranstaiteri anzugleichen. Die Schule der Einwanderungsländer ist das Erinnernngsbild, nach dem die Konstitution der hiesigen bestimmt wird. Eine Bereicherung in Richtung auf eine spezifisch jüdische oder gar palästinensische Schule brachte das Hebräische als Unterrichtssprache, das Studium des Tcnach und die Verschiebung des Schwerpunktes im Oeschichtsuntcrricni nach der Lebenssphäre des jüdischen Volkes . hin. Auch die palästinensische Landschaft ist nicht nur der naturgegebene Rahmen der Schulen, sondern die Kinder werden auch durch Wanderungen und Jugendläger mit ihr vertraut gemacht. Kritik am Bestehenden Und doch sind viele in irgendeiner Weise mit diesen Schulen nicht zufrieden. Ihre Kritik richtet sich nicht gegen die Methoden, den Lehrstoff oder die Lehrer, sondern sie sagen: Solche Schulen kennen wir aus Europa. Wenn wir sie dort frequentierten, dann wußten wir wenigstens, daß sie die Vorbereitung für ein bestimmtes Berufsleben dar• stellten, daß sie die Pforten zu einem bestimmten sozialen Leben waren. Dieses soziale Leben existiert hier nicht. Auch wenn wir Eltern hier unser bisheriges Leben fort• zuset/en stielten, so ist doch vielen von uns klar, daß es in Palästina keine Zukunft haben wird. Wozu also diese Schulen? Einige Anstalten im Lande gehen bereits andere Wege. Es gibt Schulen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, den landwirtschaftlichen Nachwuchs zu fördern. Ben Schemen, Pardcß Ghana, Mischmar Haemek sind bekannte Beispiele. Diese Schulen sind landwirtschaftliche Sehnigemeindrn und fuhren ihre Kinder direkt ins Leben und in die Arbeit der Landwirtschaft hinein. Sie sind die einzigen, die dem Lande und seinem Aufbau entsprechen, d. h. die sich ein Stück des palästinensischen Lebens 7 11 m Ziel ihrer A r n e i t an den Kindern gemacht haben. Müßte das nicht die Richtlinie für alle unsere Schulen sein? Mußten sie nicht alle ein konkretes Ziel für ihre Erziehungsarbeit haben, das dem palästinensischen Leben angehört? Müßte nicht die erste Frage der Eltern und Lehrer die sein: Wohin wollen wir unsere Kinder führen? In welche Berufskatcgori«? In welch soziales Leben? Die Sorge um die Schule ist die Sorge um die Zukunft unserer Kinder. Darum sollten unsere Schulen nicht nach Erinnerungsbild dern, sondern nach Zukunftsbildern gestal• tet werden. Noch in einer anderen Beziehung offenbart sieh die Weltfremdhcit unserer Schulen, nämlich in der Art, wie sie versuchen, den ihnen fehlenden Zusammenhang mit dem Berufsleben künstlich herzustellen. Sie schaffen diesen Zusammenhang durch Ausstellung von Abschlußzeugnissen, die die formale Berechtigung zum Besuche der höheren Bcru fsschu• len und damit zu sozialem Aufstieg verleihen. — Diese rein formale Berufsbcziclumg der europäischen Schulen, die, wenn nichts Entscheidendes eiritritt, die gesamte Schulpolitik bestimmen wird, hat in Europa zu Zu• ständen geführt, die vielerorts untragbar geworden sind. Denn in Ermangelung eines natürlichen, d. h. ins Leben des Volkes hincinfuhrenden Schul/ielos trat immer stärker allenthalben der unspezifische schulische Auftrieb hervor. Die Schulen verbesserten sieb nur noch quantitativ. Noch eine Klasse mehr, noch ein jKjar Pensen mehr und die Schule galt als eine höhere. Ls stieg die Zahl der hohen Schulen. Fs stieg entsprechend die Zahl der alljährlich zur Entlassung kommenden höheren Schiller, bis sie für das normale Berufsleben der Völker unverdaulich groß wurde. Die Folge war ein dauernd wachsendes, rettungsloses akademisches Prole• tnriat. Man sieht hier, welche Macht die Schulpolitik für das Leben der Allgemeinheit bat und welche Cicfahr hei mangelnder Obacht aus diese!׳ Quelle einem Volke kommen kann. Die Bedeutung dieser falschen schulischen Zielsetzung der europäischen Schulen für unsere Zukunft ist so groß — da sie den unseng.,1 bis jetzt als Vorbild dient —, daß noch ein Wort über die Herkunft dieser Schulen gesagt werden soll, um ihre grundsätzliche Ungeeignetheit für uns völlig klarz!;stellen. — Die Aufgabe der europäischen Schule ist trotz vielen Modifikationen der letzten Jahrzehnte seit ihrer Entstehung die gleiche geblichen. Sie will das Denk e n und die Moralität ihrer Zöglinge nach mehr oder minder feststehenden Anschauungen formen. Die ״Berufsschule•• Die Festgcfügtheit der Berufe und die diesen entsprechenden sozialen Traditionen sind demgegenüber die Rettung des Volkes zu allen Zeiten und der Halt der Jugend gewesen. Ein Volk, das diesen Halt entbehren muß, ist im tiefsten gefährdet gerade dann, wenn es sich aus den sozialen Gliederungen fremder Völker loslöst. Das jüdische Volk, das heute nach Palästina strömt, ist nicht so glücklieh, ein allseitiges Berufsleben zu besitzen, das ihm einen unbedingten Rückhalt gibt. Unsere schulentlassene Jugend findet keinen Halt in einem festgefügten Berufsleben und steht den Fragen des Lebens noch viel hoffnungsloser gegenüber als die Jugend anderer Völker, Wenn anderen Ortes die Berufsplätze übersetzt und der Zugang vorübergehend gesperrt sind, so sind bei uns diese Berufsplätze in den entscheidenden Berufen überhaupt nach nicht vorhanden und müssen erst geschaffen werden. Darum ist die Zielsetzung der Schulen und ihr Erziehungserfolg im Neuaufbau des jüdischen Volkslebens ungleich schwerwiegender als anderswo. Die Schulen in Pa* lästina dürfen sich nicht damit begnügen, abseits vom Volks* leben nach altem Schema Wissen zu vermitteln, auch wenn die Themen des Lehrstoffes teilweise dem palästinensischen Leben entnommen sind. Sondern sie haben die Aufgabe, die Jugend zu bestimmten Berufsgruppen zu führen. Das können sje nur, wenn sie sich für eine lange Periode unserer nächsten Geschichte ganz in den Dienst des Aufbaus der leheriswichtigen Berufsgruppen stellen, wenn sic versuchen, in ihrer Mitte eine berufliche Tradition zu entwickeln, die allenthalben fehlt und doch unersetzlich ist. Sie müssen in diesem Sinne Milieu-scliaffend sein und können dementsprechend nicht zwischen Schulbänken, sondern nur im Berufsarbeitsgang ihre entscheidende Wirkung ausüben. Die Lehrer dieser Schulen müssen nicht nur Pädagogen, sondern Berufspädagogen, d. h. Meister sein. Wenn es einleuchtet, daß nichts anderes als ein gediegenes Berufsleben unserer schulentlassenen Jugend den Weg ins Leben weisen kann, und ferner fcststeht, daß dieses Berufsleben noch im Anfang seiner Entwicklung in Palästina steht, dann liegt es nahe, die Konstruktion der Schulen so zu gestalten, daß sie eine doppelte Aufgabe erfüllen: Stätten der Bildung von Menschen und Stätten der Bildung von Berufen zu sein. Wenn man unter Erziehung etwas Lebensvolles und unter Beruf vor allem die geistige Haltung des Menschen zu seinem Werk versteht, ist die Vereinigung dieser Aufgaben eine natürliche. Es muß hier darauf verzichtet werden, die Entwicklung des Berufslebens in Palästina darzulegen. Nur soviel sei hier vermerkt, «laß alle Institutionen im Lande, und seien sie von den besten Fachleuten geleitet, u. a. an einer Erscheinung leiden, d. i. der Zwang zur Improvisation. Es mangelt überall an geschulten Kräften und verständnisvoll mitschaffenden Mitarbeitern, wo Berufskenntnis und Präzision herrschen sollten. Ein modernes Wirtschaftsleben ist ohne Facharbeiter in hoher und niederer Stellung nicht zu führen. Die Folge davon ist, daß keine einzelne Fabrik oder kein Vervvaltungskörper die Frage seiner Belegschaft gesondert lösen kann, sondern dies Problem nur mit allgemein durchgreifenden Mitteln und mit Anteilnahme der Allgemeinheit bewältigt werden kann. So verlangt die Not der schulentlassenen Jugend wie auch die Not unseres Berufslebens Stätten, in denen beiden abgeholfen wird. Diese Stätten können nur Schulen hestimmtcr Konstruktion sein. Die Schulen sollen unsere Kinder nicht nur Lesen, Schreiben und Rechnen, nicht nur die Geschichte unseres Volkes und den Geist unseres Landes lehren, sondern gleichzeitig die Kinder zu schaffenden Mensehen in diesem Lande machen. Kindheit und Berufsleben sollen aufhören, durch falsche schulische Zielsetzung voneinander getrennte Sphären des Daseins zu sein, sondern lediglich durch den Grad der Verantwortung voneinander unterschieden sein, wie Spiel und Ernst. Das Kind wächst in den ßerut hinein, fast ohne es zu merken, und erhält in der Zeit seiner stärksten Eindrucksfähigkeit die entscheidenden Richtlinien für die Arbeit und das Denken seines Lebens. Prinzipiell ist eine solche Zielsetzung der Schule nichts neues. Ben Schemen, Pardeß Ghana und auch die Schulen unserer Kwuzoth haben diese Zielsetzung. Auch im Schulgebiet der europäischen Schulen begann in der Errichtung von Fortbildungsschulen als Ergänzung der Volksschule eine ähnliche Entwicklung. Das Ziel dieser Schulen ist eindeutig dahingehend, dem Bedürfnis nach Verlängerung und Ver- Stärkung der Schulausbildung ein natürliches gegenständliches und befruchtendes Ziel zu geben, um so allmählich die unspezifische Entwicklung der Schulen zu ״höheren“ Schulen abzubremsen. Denkt man sieb diese beruflichen Fortbildungsschulen als obere Klasse jeder Volksschule untrennbar angegliedert, so entsteht der Schultyp, den unsere Jugend und unser Wirtschaftsleben nötig hat. Von diesem Einheitstyp der Berufsschule werden drei verschiedene Arten notwendig sein. Allen gemeinsam ist, daß in der Schule den Kindern die Berufsarbeit nahegebracht wird. Verschieden sind sie nach den drei großen Berufskategorien, zu denen sie führen sollen. Die eine soll in die Landwirtschaft, die zweite in Handwerk und Industrie, die dritte in das Beamtentum führen. Die landwirtschaftliche Berufsschule Aut dem Lande, auch in den größeren Mosehawoth, müssen sämtliche Schulen auf diese Art der Berufsschule umgcstellt werden. Die Kinder aller auf dem Lande wohnenden Menschen dürfen nicht mehT eine unspezifische Schule nach städtischem Muster haben, sondern sie sollen in und durch die Schule jene seelische und berufliche Vertrautheit mit der Landwirtschaft erhalten, daß diese Schulen die Hauptträger und Schöpfer des landwirtschaftlichen Lebens sind. Gerade in den Mosehawoth mit ihrer schon merklichen Neigung mr städtischen Entwicklung und ihren vielen nichtlandwirtschaftlichen Existenzen ist nur durch die Schule die Möglichkeit gegeben, dieser Entwicklung zu begegnen und alle Elemente zu stärken, die bisher vergeblich das landwirtschaftliche Milieu zu entwickeln sich bemühten. Diese landwirtschaftliche Schule ist nicht nur auf dem Lande möglich, sondern auch in den Städten. Auch hier besteht am Stadtrand die Möglichkeit, solche Schulen zu errichten. Die innere Konstruktion dieser Schulen wird den europäisehen Landheimen oder Ben Schemen ähneln. Ein Gutsnof mit allen Zweigen der Landwirtschaft bildet Rahmen und Inhalt des. SchuTlebeus. Der Lehnlan enthält einmal alle jene Elemente, die den Kindern Lest >, Schreiben, Rechnen, Heimatkunde und Geschichte, Ten;, h und Naturkunde vermitteln, und außerdem eine ernste spr *chliche Vorbereitung in Englisch und Arabisch. All dies ist umgeben und durchtränkt von den PH ichten, die Feld und Stadt an die Menschen stellen und einen besonderen Jahres- und Tagesrhythmus bedingen. Die Erzeugung und Festlegung dieses ländlichen Lebens rhythmus ist die entscheidende Aufgäbe dieser Schulen. Dia Berufaachule für Handwerk und Industrie Ihre Aufgabe liegt darin, die Hände der Kinder zn Werkzeugen des kindlichen Schaffensdranges za machen. Die Kinder sollen mit ihren Händen formen lernen. Damit soll auch das Auge des Kindes jene Schulung erhalten, die es als Aulnahmeorgan und Bindeglied zwischen Außenwelt und Gedankenwelt nötig hat. Das Tastgefühl der Hände und das geübte Auge sind unerläßliche Helfer im Leben jedes werktätigen Menschen. An dieser Hilfe fehlt es unseren Arbeitern in hohem Maße. So vorsichtig sie bei jeder Gefahr sind, die sich durch Geräusche anracldet, so erstaunlich leichtsinnig und wagehalsig sind sie dort, wo Gefühl und Gesicht sie warnen sollten. Viele Arbcitsunfällc haben darin ihre Erklärung und werden für die Zukunft nur durch eine Erziehung verhindert werden können, die Tastgefühl und Auge von Kindheit an schult und damit auch zu Organen der Kritik macht. Damit verbunden ist die Lehre, mit den verschiedenen Baustoffen und Materialien, die unser Leben umgeben, vertraut zu werden. Nicht um die Kenntnisse in der Chemie und Physik anschaulicher zu machen, sondern im umgekehrten Lehrgang sollen diese theoretischen Fächer die Ergänzung der primär wichtigen Arbeits- Übungen mit diesen Baustoffen darstellen. Erst fühlen, was Holz und Eisen für unsere Hände im praktischen Leben sind, danach die gedankliche Verarbeitung, Der innere Aufbau dieser Schulen wird eine Kombination zwischen Volksschule und Fortbildungsschule sein. Auch hier alle jene Elemente wie Lesen, Schreiben, Rechnen, Tcnach Geschichte und Naturkunde, sowie englischen und arabischen Unterricht. Aber all das umgeben und durchtränkt von der Arbeit mit allen Materialien des handwerklichen Berufslebens. Ein geschultes Auge und eine geübte Hand sind die einzigen zuverlässigen Ketten, die den Menschen im handwerklichen Beruf festhalten. Denn sie erzeugen die notwendige Berufsachtung und das berufliche Selbstbewußtsein, die stärker sind als der Drang zum unspczifischen sozialen Aufstieg. Die Berufsschule der Beamten Unter Beamten wird hier nicht nur der Angestellte der Regierung oder der Kommunalgemeinde verstanden, sondern all die Menschen, die in jeder Art von öffentlichen oder privaten Betrieben: Fabriken, Banken, in allen Organisationen der Wirtschaft, das organisatorische und verwaltende Rückgrat sind, vom Türhüter bis zum Verwaltungsdirektor. Die Aufgabe dieser Schulart ist, diese Beamtenschaft zu erziehen, d. h. der Geist der Kinder dieser Schulen soll schon früh mit Verständnis dafür erfüllt werden, daß die Organisation des Lebens um so besser sein muß, je größer der Voikskörper ist, daß in einem dichten und großen Wirtschaftsleben die Arbeit des Einzelnen in ihrem Ertrag dezimiert wird, wenn die vielen Reihungen nicht auf ein Minimum herabgesetzt sind. Ordnung und Einordnurig bedeutet daher größte Sparsamkeit, ist größte Tugend. Alle Charakterzüge, die diesen dienen, sind am stärksten zu schulen: Exaktheit der Arbeit, Gleichmaß des Gemütes, Unparteilichkeit und Unbestechlichkeit, so daß die Schüler dieser Anstalten den hohen Wert einer solchen Beamtenschaft für das Volksganze erkennen und darin den Preis finden, um dessentwillcn die Pflege dieser Tugenden lohnt. Der innere Bau dieser Schulart wird einmal all jene Elemente wie Lesen usw. umfassen wie bei den beiden anderen Schularten. Darauf fußend, soll Mathematik und eine Vervollkommnung in Englisch und Arabisch bis zur fehlerfreien Beherrschung dieser Sprachen hinzukommen. Ferner muß aus der Struktur und dem Arbeitsgang aller allgcmeinen und spezifisch-palästinensischen Organisationen der öffentlichen Hand und der privaten Wirtschaft ein Lehrplan geschaffen werden. Eisenbahn, Post, Polizei, Bankwesen und Großindustrie, Verwaltung der Stadt und der Regierung, Kupath Cholint und Kwuzoth — sie alle sollen Lehrstoff für diesen Lehrplan geben. Die Lehrerschaft Eine wesentliche Frage für die Verwirklichung dieses schulischen Aufbaus ist die Frage der Lehrerschaft. Gemäß dem Geiste dieser Schulen muß die Leitung aller drei Schularten in Händen von Menschen liegen, die mit den praktischen Berufen fest verbunden sind, am besten selbst lange Landwirt oder Handwerker oder Beamter gewesen sind. Außer profundem Berufswissen muß auch ein starkes Erzichungstalent vorhanden sein. Die vorhandenen bisherigen Lehrkräfte sind natürlich als Lehrer ihrer Fächer unentbehrlich. Ein solches Schulwerk kann aber nur zu einem organischen Ganzen «׳erden, wenn in einer Lehrerschule der Geist und das Pensum aller drei Berufsschulen zusammengefaßt «׳erden und eine Lehrerschaft herangebildet wird, die zur Leitung dieser Schulen befähigt ist. Von dieser Lchrcrscliulc, die der erste Stein im Bauwerk dieses Schulwerkes sein müßte, kann die Umgestaltung der inneren Konstitution unseres Volkes ausgehen. Schon einmal war es eine Lehrerschule, von der die Umgestaltung unserer Lebensformen ausging. Es wäre daher nicht verwunderlich, wenn auch in der neuen großen Wende unseres Volkslebens gerade eine Schule die zentrale Führer- Stellung einnehmen würde. Die Finanzierung Die Finanzierung dieses Schulwerkes kann selhstverständlieh nur eine zentrale sein und muß in drei Kategorien aufgebaut sein: 1. durch eine S c h u 1 s t c u e r aller Elfern, die Kinder auf der Schule haben; diese Steuer wird wie bisher durch die Schulleitungen eingezogen; 2. durch eine Schulsteuer aller Betriebe des wirtschaftlichen und öffentlichen Lehens, gemessen an der Zahl der bei ihnen arbeitenden Kräfte jeder Art; 3• durch einen Zuschuß der Regierung. Die Leitung des Schulwerks In gleicher Weise wie die Lehrerausbildung und die Finanzierung muß auch die Leitung dieses Schul- Werkes eine zentrale sein. Diese Leitung hat die Aufgaben, eigene Erfahrungen und die anderer Völker zu sammeln und zu verarbeiten, die Entwicklung des Jischuw zu beobachten, Nachwuchs und Zuwanderung, Nachfrage und Entwicklungskicken der Berufe ununterbrochen zu beobachten und danach die jeweilige Proportion zu bestimmen, in der die drei Schultypen zu errichten sind. Die Freiheit der individuellen Wahl unter den drei Schularten garantiert jedem die Berücksichtigung persönlicher Verhältnisse. Jedoch kann diese Freiheit immer nur in dem Rahmen sich bewegen, der durch die Notwendigkeiten de* Lebens der Gesamtheit gezogen ist. fRENMUEIfa Zentrale für Deutschland, Berlin W 15, Meinekestraße 10 / Postscheck; Berlin 104951