Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 103-104 (24.12.1935)
- Date
- 1935-12-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 103/104, 24 XII 1935 jüdische Rundschau Seife 3 Heraus aus der Enge! Wandlungen und Wege jüdischer Wissenschaft Von Dr. Gerhardt Neu mann Fasf unbemerkt von der jüdischen Öffentlichkeit hat sich mit dem Beginn des Wintersemesters eine Wandlung innerhalb des jüdischen Wissenschaftsbetriebes vollzogen, die, so geringfügig sic dem Laien auf den ersten Blick erscheinen mag, von außerordentlicher Tragweite für die künftige Gestaltung und Fortführung jüdischer Wissenschaft sein kann. Die Berliner Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums hat soeben eine Erweiterung ihres Lehrbetricbes vorgenommen, die in gewisser Weise schon immer der Traum der Schöpfer der Wissenschaft vom Judentum war: Sie hat zu den judaistischen Fächern ein« neue Fakultät allgemeiner Wissenschaften hinzugefügt, in der geistigen jüdischen Menschen, die zu den deutschen Universitäten keinen Zugang mehr haben, eine Möglichkeit geboten werden soll, ihre Allgemeinbildung bewerkstelligen zu können. Philosophie, Geschichte, Psychologie haben zuerst hier eine neue Stätte gefunden, an der sie von anerkannten Forschern würdig vertreten werden. Es ist interessant und vielleicht sogar ein Symlo 1, daß diese große Bildungschance zunächst vom H ec 11a 1 uz ausgenutzt worden ist, der einige 20 befähigte Chaluzim aus seinen Reihen ausgewählt hat und auf der Lehranstalt eine Reihe von Semestern studieren lassen wird. Die Schwierigkeiten seien nicht unerwähnt. Ein Teil dieser Menschen hat keine abgeschlossene höhere Schulbildung mehr erhalten können, so daß ihm wesentliche Voraussetzungen für die Durchführung eines regelrechten Studiums fehlen. Die Durchführting der wissenschaftlichen Arbeit ist darum, wie uns von seiten der Dozentenschaft der Lehranstalt versichert wird, nicht immer leicht; aber sie ist dennoch eine Freude und ein Gewinn, weil die natürliche Begabung in diesen Menschen und ihr Erkcnntnisstreben so groß sind, daß kleine wissenschaftliche Mängel durch die menschlichen Qualitäten aufgewogen werden. Uns scheint, daß Veranlassung vorliegt, bei der bloßen Mitteilung dieser Veränderung im Charakter der Lehranstalt nicht stelienzubleiben, sondern vielmehr die grundsätzlichen Fragen aufzurollen, die sich von hier aus von selbst ergeben. Es bedarf keiner weiteren Ausführung — denn es ist in den letzten zwei Jahren oft genug gesagt worden —, daß die Neuformung eines jüdischen Lebens nicht vonstatten gelier! kann ohne eine neue Beziehung des jüdischen Volkes zum Geist«, zu den kulturschöpferischen Werten. Im Bewußtsein der Juden in Deutschland hat die jüdische Wissenschaft in den 100 Jahren ihres Bestehens keine sehr feste Stritte gehabt. Man wird sogar sagen können, daß die meisten von der Existenz jüdischer Wissenschaft und ihrer Lehrstätten so gut wie gar nichts gewußt haben. Wenn je eine Zeit reif dazu war, geistige Dinge zum integrierenden Bestandteil des Lebens zu machen, so ist cs wohl die unsere. In den Lehrhäuscrn, die sich überall auf tun, drängen sich die Menschen, weil sie nach Wissen und nach neuen Erkenntnissen dürsten, und in der Tat wird für die Masse der Menschen diese populäre Form des Lernens immer die gegebene bleiben; aber eine gewisse intellektuelle Elite, der heute die Wege allgemein geistiger Betätigung verschlossen sind, wird stets da sein, und für sie zu sorgen ist neben allen drängenden materiellen Nöten eine unabweisbare Pflicht. Die Elite aber ist angewiesen auf das Verständnis der Massen, auf ihre seelische Bereitschaft. Aus diesem Grunde ist das Dasein einer jüdischen Hochschule im allgemeinen Sinne von fundamentaler Bedeutung. Gruppen von natürlicher sozialer Beschaffenheit (und Juden müssen in vieler Beziehung das erst noch werden) haben das unmittelbare Verlangen nach geistiger Autorität. Allein das Gefühl, daß es eine solche Werkstatt des Geistes gibt, in der das jüdische Problem nicht bloß aus der engen Perspektive des Alltags, sondern unter großen Gesichtspunkten gesehen wird, kann eine Beruhigung tind einen sozialen Wert darstellcn. Wenn das jüdische Volk eine solche innere Beziehung zu seinen Hochschulen erlangt, wie sie Völker im allgemeinen zu ihren Universitäten haben, dann wären wir bereits einen entscheidenden Schritt weitergekommen. Als geistige Autorität ins Volk hinein muß eine solche Hochschule, wenn wir sie schon einmal besitzen, wirken. Das legt ihr eine schwere Verantwortung auf. Es kann nicht genügen, daß diese Hochschule sich allein auf die strenge fachwissenschaftliche Arbeit beschränkt, sondern sie muß die a 11 g emcine jüdische Problematik in Angriff nchmen. Es wäre absurd, innerhalb unserer chaotischen Zeit, in der kein Mensch eine Antwort weiß, von der jüdischen Hochschule eine solche zu verlangen. Nicht auf Antworten kann es uns heute ankommen, sondern zunächst einmal auf die wirkliehe Erkenntnis unserer Probleme. Eine solche jüdische Hochschule muß das jüdische Problem in seiner ganzen Schärfe gültig formulieren. Wir sind der lieberzeugung, daß schon aus einer solchen tiefen Einsicht in die Fragen unseres Lebens ein Weg zur Antwort allmählich führen wird. So hätte diese Hochschule eine Gelegenheit, die verwirrende Vielfalt der Antworten, die von allen Seiten her gegeben werden, zu überwinden und vor allem aus dem Tageskampf der Meinungen heraus in eine höhere Sphäre zu erheben. In einer Welt, in der der Mensch von Tag zu Tag geistig einsamer wird, weil —- dies ist das große Paradoxon unserer Epoche — die Fülle des Wissens zu groß geworden ist, muß die jüdische Hochschule den Versuch unlernehmen, das jüdische Leben auf seine echte Fragestellung zurückzuführen. Sie muß dem jüdischen Menschen das Bewußtsein geben, daß das Streben, dem Wesen des Judentums näherzukommen, nicht hoffnungslos ist, sondern im Gegenteil eine fruchtbare Lebensaufgabe. Deshalb wird diese Hochschule vor allem deri^ jüdischen Menschen wieder an die Quellen seines Seins hcranzufiihren haben, sowohl durch eine lebendige Geschichtsbetrachtung, wie auch durch eine Ge- Schichtsphilosophie, die diesen Aufgaben gerecht wird. ״Der Mensch bedarf“, so schreibt Karl Jaspers in seiner Schrift ״Die geistige Situation der Zeit“, ״um selbst zu sein, einer positiv erfüllten Welt. Wenn diese verfallen ist, die Ideen festorben scheinen, so ist der Mensch solange sich verorgen, als er nicht wieder im eigenen Hervorbringen die in der Welt ihm entgegenkommende Idee findet... Fragt man heute verzweifelt, was in dieser Weit denn noch übrig bleibe, so ist für jeden diie Antwort: Was du bist, weil du kannst. Die geistige Situation erzwingt heute den bewußten Kampf des Menschen, jedes Einzelnen, um sein eigentliches Wesen.“ ln nichts unterscheidet sich unsere Fragestellung (und damit auch die Aufgabe deT jüdischen Hochschule) von der Jasperschen Fragestellung. Aus dieser Weite der Probleme ergibt sich auch die Rechtfertigung dafür, daß di« jüdische Hochschule nicht bei den judaistischen Fächern stehen bleibt, sondern ihren geistigen Aktionsradius nach allen Seiten hin ausdehnt. Wohl ist äußere Notwendigkeit ein Anlaß hierfür; aber der tiefere Grund ist doch diese Tatsache einer sich Judengesetze und Gewerbefreiheit Nach § 30 der Gewerbeordnung ist, als Ausnahme von dem Grundsätze der Gewerbefreiheit, für die Unternehmer von Privatkrankenanstalten der Erlaubniszwang eingeführt. Die Erlaubnis darf aus den in § 30 Abs. 1 Ziffer a—d angeführten Gründen versagt werden, z. B. wegen Unzuverlässigkeit. Die ״Mecklenburgische Zeitschrift für Rechtspflege, Rechtswissenschaft, Verwaltung“ vom Dezember 1935 veröffentlieht zu diesem Gebiet eine Entscheidung des Landesvcrwaltungsgericlits Schwerin vom 10. Oktober 1933. Darin wird ausgesprochen, daß die Eigenschaft als Jude den Unternehmer nicht ohne weiteres unzuverlässig im Sinne des § 30 Abs. 1 Ziff. aOe wO. macht. In dem entschiedenen Falle war dem Kläger, einem jüdischen Arzt, durch Bescheid des — hierfür zuständigen —- beklagten Bürgermeisters vom 14. Juni 1935 die nachgesuchte Konzession zum Betriebe einer von ihm käuflich erworbenen Privatkrankenaiisfalt versagt worden, da der Kläger als Nichtarier die für den Betrieb einer solchen Anstalt iin nationalsozialistischen Staat erforderliche Zuverlässigkeit nicht besitze und auch ein Bedürfnis für eine jüdische Krankenanstalt nicht vorhanden sei. Die gegen diesen Bescheid erhobene Klage hatte Erfolg. Die Bedürfnisfrage schied das Landesverwaltungsgericht ohne weiteres aus, da der Mangel eines Bedürfnisses im Gesetz nicht als Ablehmingsgrund genannt ist. Das Gericht führt sodann aus, daß gegen die persönliche Zuverlässigkeit des Klägers (Frontkämpfer, 1919 -1921 Universitätsassistent, 1922—1931 Leiter eines ihm gehörigen Sanatoriums) keine Bedenken bestehen. Bezüglich des hier fraglichen Sanatoriums heißt es in den Gründen des Gerichts u. a.: ״Die Anstalt des Klägers ist bisher, wie nach einer aus Mai 1935 stammenden Liste in den Akten des Beklagten zu entnehmen ist, fast ausschließlich von Juden besucht, und es ist anzunehmen, daß dies mit der Zeit, je mehr sich die nationalsozialistischen Anschauungen iiber die Stellung der Juden im Dritten Reich durchsetzen worden, um so mehr der Fall sein wird, so daß es tatsächlich eine Anstalt für Juden sein wird, insbesondere auch deshalb, weil der Aufenthalt derselben in anderen Krankenhäusern vielleicht unerwünscht ist. Irgendwelche Tatsachen mm dafür, daß die Besucher der klägcri-ohen Anstalt sich staatsfeindlich betätigt haben, oder der Aufenthalt in der Anstalt künftig zur Verfolgung staatsfeindlicher Bestrebungen benutzt werden werde, sind nicht vorhanden. Der Beklagte selbst hat konkrete Tatsachen dafür nicht angeführt. Auch in dieser Hinsicht ist daher eine Unzuverlässigkeit des Klägers nicht dargetan. Im übrigen ist es Sache der Polizei, die Anstalt, wenn sie es für erforderlich lädt, zu überwachen. — —“ Das Gericht kommt zu dem Ergebnis, daß gegen den Kläger speziell nichts vorliegf, und bemerkt sodann: ״Der Beklagte hat denn auch, die Ablehnung allgemein mit der Eigenschaft des Klagers als Nirhtaricr, richtiger wohl als Juden, begründet und dies formell unter 5 30 GewO, als Kall des § 30 Ziff. a GewO, gebracht, indem er ausführt, der Kläger sei unzuverlässig allein schon aus dem Grunde, weil er Jude sei. Dies entspricht, wie ausgeführt ist, nicht der Bcichsgewcrbcordnung, die individuelle Prüfung verlangt, und ist auch sonst nicht irgendeinem Reichsgcsctz ab Ablehnungsgrund für den iieiiicb einer I'rivjthrankenanstalt anerkannt.“ Das Landesverwaltungsgericht wirft nach dieser Erörterting des f o r m a 1 g e s e 111 ic 11 e n Standpunktes die weitere Frage auf, ob es dem Recht der nationalsozialistischen Revohition und des Dritten Reieb.es entspricht» daß die Erlaubnis dem Kläger allgemein, weil er Jude ist, versagt werden kann. In der! eingehenden Ausführungen zu diesem Thema heißt es u. a.; ״Nach dem Programm der nalionabozlali.-ü-clien Partei können Juden weder Volksgenossen noch Staatsbürger sein, sondern sie sollen unter Frcjixlcurccht stehen. Nach § 1 GewO, ist gruixl-älzlich auch Ausländern Gewcibcfreiheit gewährt und cs sind die-en gegenüber auch nur die forinalgesctzli׳h zugrfas-enen Bi-cliiänkiingen und Ausnahmen gestattet. Wenn die Juden ohne weiteres die Mindestrechte der Ausländer hätten, wende dtes auch für die Juden gelten. Es ist nun aber keineswegs so, daß die Juden alle Kehle der Auslinder, die nicht selbst Juden sind, ohne weiteres genießen. •So sind z. B. durch das Gesetz zum Schlitze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre vorn 15. September 1935 die fuden allgemein anders gestellt als andere Personen, mijjjcn die-c Ausländer sein oder nicht. Es ist darnach für die Juden besonders zu prüfen. ol> für sie nach nationalsozialistischem Recht der Grund-atz «des § 1 Gew(), :roch gilt.“ Die Entscheidung erwähnt sodann, daß hinsichtlich der Stellung der Juden durch zahlreiche Gesetze weitgehende Einschränkungen eingeführt worden sind und also bereits «ine umfassende Judengesetzgebuiig vorliegt, ln diesem Zusammenhange beißt cs u. a.: ״Da im mukm. tho/mdiO i-e heil Maate;dir׳ die! 1 mdr! iiM-m, die heim früherer! Staute dmvh Yci in■■ י 11 ־ 1- und I'. irl.muu c .!! i mus 1 >r! der (• e > v 17. (■• 1.11! n g cvur‘,<■■ •n waren Lind uaeh fniMeieni S\1.11 .י ■. h: < msetzesanderunp 01! unm!mlirh m«u in <׳n. r!i .t h! :m hr hr-U dt!1. vielmehr (»esc!ze jetzt ohne f-itm« olle I linden m-«! und S• im :׳.־!! ׳kruen. sowie ein HciKiriuis danir bc-n •hi, v um <;• 11 werdtn ־}"•■■ י 1!- י mrM-r )׳׳■׳; können, muh duvon au-e;c^«inee: o wer den. d ab 1;r״rr,\vnm; Mir ludenfrage im Diiiic!! Re ich jWM'Uii ־•U Ke reiwl! nt und d.tb d.thir, -uweit keine au.-dnieklirhe £t:oe? ziidie r׳MU1 t* ' hrrith• K ' ' Jr' i 111 ■_ ’ V! t] 1 ir״f. der ron früher her bextebrmfr Rn U! ,zu -1,1. 1׳d ein -׳!״her im d..!b er mit den Ah-ielitcn und IM,-ne ti de! ־;pol ־׳ i-ehen 1׳ a: 1! um; vru'udmr ist, al-o vom T’ühre r Giidrbwi ' kmnd i-'rd ul dm wird. I־:n!Im m der Dcwerbeordming gor ekelten dt “it]f!0 k׳ ׳tu!11 jmM n<!eil di«■ wmnue ז Krwagung j״ Brüar hi, dah ■0' 1t dm M.ri 1!nueimk mibnwbe ablindernde Ccm1׳ Ire 1 11 e 1711 eiwi 1E.׳('Ü ei 1 1 d . 1 V r < b M ‘/«nbt-1 jltt; aber bi-her ni! ht tu 1' HO! WCiibl if h!! «indem ihr (irß r! M; 1׳,!isllh!; lliil Riix ksi< hf uni die Ju den und ih H*!)('!w m um! -.'1Midi r 1 nahem und etwa allgemein für!-ir die t lew. eiht lie 11,׳ v ־/■;'!־י! - im,!! M ■n. Am. h dies spricht du!!jr. da r> drt Cec '״d״׳ י mi.? dn! le'/m׳ 11 ׳jnc! 2■ liehen Zustand nh ־ ertr.i^di־־li and«■! it. UM m! 11 -!!!.׳ -m!dr! e (ir!1!U'Ü'i( b von PiivatkiankeiLir!halten an ]«in m. Mt 1 He dien zw«, it'ri -dine von früher her zahlreu h< An-mlien! min r m li .,׳hm I.M'umn An die-nn Z,u>tand hat dor hr wtz-rher 11 ־! 1׳ 1 u! n i d 11 -j udeu wer ׳mir!!. Du.׳׳׳! den in dieser St diu! 1£ geduldet M׳S . kann < ■iahci nieht lie<n׳n, ciafj die Judencim’ii.Mdiau alln’emrin ad .' Ui-eld ieiMin^-nnmd für die Leitun״ solcher Anstalten anerkannt -oi. — immer mehr komplizierenden Problematik, die nur bewältigt werden kann, ■wenn man sie mit allen Mitteln der Wissen- Schaft anpackt. Karl Jaspers hat einmal sehr schön unterschieden zwisehen erweckender und betrachtender Prognose. Er sagt: ״Betrachtende Prognose möchte wissen, was wird, ohne Einsatz des Denkens. Erweckende Prognose spricht aus, was möglich ist, weil der Wille durch diese Möglichkeit sich bestimmen läßt; sic dringt über Betrachhing zum Entschluß des eigenen Wollens.... Erweckende Prognose würde die Antwort auf die Frage möglich machen, für welche Gegenwart ich leben will. Sofern die Prognose den Untergang als möglich zeigt, kann die Antwort sein, scheitern zu wollen mit dem, was Selbstsein des Menschen ist... Was geschehen wird, sagt keine zwingende Antwort, sondern das wird der Mensch, der lebt, durch sein Sein sagen. Die erweckende Prognose des Möglichen kann nur die Aufgabe haben, den Menschen an sich selbst 7.u erinnern.“ Keine wichtigere Aufgabe als eine solche ״erweckende Prognose“, als eine solche Erinnerung des jüdischen Menschen an sich selbst kann unserer jüdischen Hochschule gestellt werden. Ueber ihren Fachbereich hinaus kann sie zutn Künder und Erwccker neuen Lebens werden. Es ist selbstverständlich, daß diese Aufgabe nur in engster Verbindung mit der Hebräischen Universität in Jerusalem gelöst werden kann. Nur der rege Gedankenaustausch und der Kontakt mit dem Leben des Jischuw mit seinen Gefahren und seinen Möglichkeiten wird der jüdischen Hochschule in Deutschland den großen Atem gehen und jene unerläßliche Verbindung mit dem Leben, die Voraussetzungen sind für eine fruchtbare Arbeit. Heraus aus der Enge! So muß unser Kampfruf lauten. Es ist nicht wahr, daß diese Enge erst in den letzten zwei Jahren geschaffen worden ist. Die Indolenz weiter jüdischer Kreise während der letzten Generationen hat das jüdische Geistesleben längst in eine Enge geführt, die man früher nicht zu sehen gewohnt war und die uns erst heute in ihrer ganzen Tragweite bewußt wird. Die Kräfte, die in uns schlummern, sind aber glücklicherweise stark genug, um die räumliche Enge unseres heutigen Daseins in eine gewaltige Weife des Geistes zu verzaubern. Die Wissenschaft ist heute bereit, wieder ins Volk zunickzugehen. Sic soll nicht mehr über den Wolken schweben, sondern eine Angelegenheit jedes kulturbewußten Menschen sein. Wird das jüdische Volk ihr die Hand reichen? Beratung von Auswanderern Die Pressestelle des Zentralbüros für jüdische Auswanderungzangelcgenheiten beim Hilfsverein der Juden in Deutschland teilt mit; Um dem verstärkten Andrang von Auswanderungswilligen nach Möglichkeit gerecht zu werden, hat der Hilfsverein der Juden In Deutschland E. V., Zentralbüro für jüdische Auswanderungsangelegen beiten, Berlin W 35, Steglitzer Str. 9, jetzt neue Kräfte, insbesondere für Auswanderer-Beratung, eingestellt und neue Räume hinzugenommen. Somit wird das Zentraibüro für jüdische Auswandmmgsangelegen lieiteu beim Hilfsverein auch den gesteigerten Anforderungen, die durch die wachsende Zahl von Auswanderungswilligeit gegeben sind, entsprechen können. — Die Auswanderer-Beratungsstelle befindet sich jetzt vorn 2 Treppen. — Die Anmeldung zur Sprechstunde erfolgt täglich von 9—13 Uhr außer Sonn■ abend und Sonntag. Koloaienminister Thomas über die arabische Agitation London, 18. Dezember. (JTA.) Auf eine Anfrage des Abgeordneten Colonel Wedgwood über die in Palästina getroffenen Gegenmaßnahmen gegen die zu Gewalttaten aufreizende arabische Pressekampagne und die von Italien ausgehende anticnglisclie Propaganda erklärte der Minister für die Kolonien, J. H. Thomas, im Unterhaus: ״Ich kann dem geehrten Mitglied des Hauses versichern, daß die Landespressc unter strenger Ueberwachung steht. Eine arabische Tageszeitung ist vor kurzem wegen eines zu Gewalttat aufreizenden Artikels zeitweilig verboten worden. Was den zweiten Teil der Anträge betrifft, so hat die Regierung bei mehreren Gelegenheiten Vorstellungen bei der italienischen Regierung über die von dem Sender in Bari in arabischer Sprache verbreitet« anticnglisclie Propaganda veranlaßt. In letzter Zeit war eine Besserung im Tone dieser Sendungen festzustellen.“ In Beantwortung einer Anfrage des Abgeordneten Ralph B c «1 u nt on 1 erklärte Minister Thomas weiter, er sei noch nicht in der Lage, über den kitr/liciien Waffen- Schmuggel nach T e l - A w i \v eine Mitteilung zu machen Die gesamte Angelegenheit sei noch Gegenstand einer Untersuchung. In der vorangogangeiujci Sitzung des Unterhauses teilte der Handclsuiinister Rtinciman au-f eine Anfrage des Abgeordneten R a 11 - C a i 11 e mit, daß etwa 37 m der Sendüngen von Palästinaorangon nach England durch englische Schiffe befördert werden. Seitens der englischen Schiffahrt würden weiter alle Anstrengungen gemacht, sich diese Transporte zu sichern. _ Budapest er Brief Von unserem Berichterstatter. B11 d a p e s t, 20. Dezember Das ungarische Judentum feiert dieser Tage die 40. Wiederkehr jenes Tages, an dein im Rahmen der sog. kirchcnpolitischen Gesetze der Regierung Wekerlc-Csäky• Szilägyi — die Rezeption der jüdischen Religion attsgesprachen wurde. Heute, eine Generation später, wünscht das offizielle Organ der Turul-Bewegung, der ,,Bajtars“ (der Kommilitone) in seiner Nummer vom 13. Dezember die Ein- Führung eines eigenen Judenzolls, einer Toleranztaxe, wie wir sic vor 200 Jahren unter Maria Theresia als ״Malkcgcld" zum letztenmal hatten. Aber auch ein Memorandum des gemäßigten Landesverbandes der ungarischen Universitäts- und Hochschulhörer beginnt mit der Forderung nach Aufrechtcrhaltung des numerus clausus. Auf Anregung eines Grafen Szechenvi hat eine Kommission des Oberhauses die Denkschritt bereits in Verhandlung gezogen, und mit deren Etnpfehlting soll sie demnächst vor das Plenum des Hauses gelangen. •— Derselbe Graf A. Szechenji interpellierte jüngst wegen der strengeren Durchführung der Sonntagsruhe, gegen die bekanntlich auch die Landcsvcrtrelung der Orthodoxie Stellung genommen hatte. Die Antwort des Ministcrpräsidenten üömbös läßt darauf schließen, daß er für die speziellen Wünsche der strenggläubigen Judenschaft Verständnis hatte. Dieselbe betonte — laut ״Zsidö Ujs.ig“ — den prinzipiellen Standpunkt •der Regierung, doch ״habe das Leben bewiesen, daß in Ungarn die Sonntagsruhe zu hundert Prozent nicht durchgeführt werden könnte“, Dr. a. f. ► Schmuck Uhren ♦ Gold * Silber janrifl Juwelier TJelmcnte« \