Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 102 (20.12.1935)
- Date
- 1935-12-20
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Berliner Rundschau NR. 102, 20. DEZEMBER 1935 Jüdische Musik Schüler feiern Chanukkah Festlage, die so wie die Chanukkalitage lebensbejahend sind, jjeben den fechten Qrundton für Feierstunden jüdischer Schulkinder. Wenn auch diesmal aus technischen Gründen die Feiern der Schüler vorvetlegt werden mußten, weil die Ferien vorher beginnen, so zeigt doch das, was wir aut den von uns besuchten Veranstaltungen erlebt und gesehen haben, daß in den jüdischen Schulen iierlins der Geist eines lebend 1 g e n, gegenwartsnahen Judentums eingczogen ist, und daß ein großer Teil der Berliner jüdischen Lehrer CS vereteht, den Kindern jüdisches Leben nahezubringen. Ein sehr reichhaltiges Programm servierte die Knabenv 01 k ssc 11111 e in der K a i s er s t r a ß e am 14. Dezember. Nach einer Begrüßungsansprache ihres Leiters, M. R e s c h k e, wurden an einer selbstgefertigten Menorali die Lichter entzündet. -- Die erste Klasse stellt einen Sprechchor mit dem ״Wir ziehen“ von Karl Wolfskehl, von den Vierzehnjährigen ־ ungemein packend und rhythmisch deklamiert. — Viel Beifall fand ein kleines zweiaktiges Spiel aus der Joscnhslegende: ״Joseph deutet die Träume“, das von den Scheuern sorgfältig und originell ausgestaltet worden ist, CHANUKKAH HAUSJAMMLUNS fürdie jüdische WderfUtk SONNTAG 22DEZEMBER die auch alle Kulissen für dieses und die anderen Spiele selbst hergestcllt haben. Der Versuch, Kinder zwischen zehn und vierzehn Jahren in kleinen hebräischen Dialogen und gcspielten Liedern auftreten zu lassen, ist gelungen, ja, die Kinder haben fast ohne jede Hemmungen gesprochen. (Ein humoristisches Gespräch auf dem Felde, ein Sprechchor: ״Limdu iwrith?“ und ein Spiel um das Lied ״Od 10 ochalnu“.) Abschluß dieser Veranstaltung war eine sehr nette Sclniloper mit der Musik von Paul Hülfe!■: ״Johann der Seifensieder“ (Text Robert Seit/). Der Gesanglehrcr Alt hat mit seinen jungen eine sehr nett ausgestaltete, von den anwesenden Eltern mit Beifall aufgenomrnene Kurzoper dargeboten, die sowohl in den wenigen Solopartien wie im Chor gut einstudiert worden ist. Das Schulorchester wurde unterstützt von Erwin Rosenthal am Flügel. Mit einer Veranstaltung ganz anderer Art wartete die Mädchen Volksschule in der Auguststraße am 15. Dezember auf. Die Mädchen spielten in der Aula eine Zwei Abende, dicht hintereinander, waren mit jüdischer Musik angefüllt und zwangen erneut zur Befrachtung dieses Problems. Im Osten gibt es keine Diskussion über jüdische Musik, weil man dort ganz anders in dieser Welt des das jüdische Dasein erfüllenden Melos lebt. Man sträubt sich von dorther gegen eine wissenschaftlich-kritische Betrachtung dieser Musik und fordert bedingungslosen Glauben wie für eine religiöse Angelegenheit. Es wird aber doch notwendig sein, durch strengste kritische Sichtung die durch die starken Einfliisse der Umwelt oft bis zur Unkenntlichkeit umgeformfen melodischen Urbilder wiederlicrzustellen oder zu den seit vielen Jahrhunderten verschütteten Quellen der älteren Zeit zurückzugehen. Ein kultureller Aufbau in diesen imisikalischen Dingen wird in Europa wie in Palästina nur dann möglich sein, wenn man sicli wirklich befreit von der imjüdischen Stimmungs-Romantik, die vorläufig noch der Grundzug fast alles dessen ist, was an jüdischer Musik geboten wird. Fast alles, was Chernjo Winawer mit seinem ausgezeichnet geschulten Chor (für die Disziplin dieser Sängerschar und für ihren Dirigenten ist kein Wort des Lobes zu 11 och), sang, war Musik dieser Art, in Gefühl zerflössen, in Stimmung getaucht, interpretiert. Einmal aber horchte man auf: als der Solist (Herr Bestimmt sang sehr schön) ohne jede Begleitung unrhytlmiisch, atonal, linear, kurz orientalisch das Lied des palästinensischen Hirten sang. Hier ist der Weg zur jüdischen Musik, nicht im komplizierten verfeinerten Chorsatz, den man natürlich pflegen soll, der aber nicht Selbstzweck sein darf. unter Leitung ihrer Lehrerinnen Behrend und Cohn seihstinszenierte Legende: ״Der Hirt Akiba wird zum Rabbi“ von Emil Bernhard Cohn. In einem in den Treppenräimien aufgestellten Bazar wurden viele und nette Sachen, die die Schülerinnen seihst licrgestelit haben, Decken, Biichtiiiisciilägc, Untersätze, Schürzen und Dinge des Kultus wie Barcliesdecken, Tattelbeutel, geschnitzte Chanukkahleuchtcr zugunsten der Jüdischen Winterhilfe verkauft. Zum 17. Dezember hatte die Volksschule Ryke- Straße zu einem Liederabend geladen, der durch die’Auswähl der Vorträge auf die Chanukkalitage abgestimnit gewesen ist, insbesondere durch die Aufführung einiger Szenen ans dem zweiten Akt der ״Makkabäer“ von Otto Ludwig (Leitung: Frl. Samuel). Die Liederfolge ist bunt: deutsche Volkslieder, hebräische Lieder und ein jiddisches Volkslied als Abschluß: ״Oj, Chanukke“. — Die Chöre der Oberldassen leitet Oberkantor Schreiber, die Lieder der anderen Frau Fried und Fr!, (iuttmann, die auch ein kleines Singspiel mit den Achtjährigen eingeiibt hat. Die Chamikkahfeier der Waldschule Kalis Li am IS, Dezember hat nach einigen Liedern zwei Aufführungen Manches überspitzt Winawer zu sehr. Seine Stärke liegt im Rhythmischen; w׳arum bringt er davon nicht mehr? Der Abend war im Ganzen ein großer Genuß, beeinträchtigt nur durch die überaus schlechte Akustik in der Synagoge Prinzregentensfraße. — Zwei Tage vorher gab es im B e c 11 s t e i n s a a I ״J11disclie Musik unserer Zeit“ in einem Liederabend, cingcleitet von Dr. Hans Nathan, der das Programm kurz erläuterte. Die folgenden Gesänge, die Leo Barczinski mit schöner, in der höheren Lage noch der Stütze ermangelnder Summe und mit intelligentem Vortrage sang, waren Kunstmiisik und bearbeitete Volkslieder. Die Kunstlieder wurzeln noch völlig in der Umwelt der romantischen und ausgehenden rofflantischen Epoche. Wie sehr der zu interpretierende Text die Komposition beeinflußt, zeigte das tcxtlosc ״Ornament“ von Alexander Krein, das sofort, trotz unverkennbar starken slawischen Einschlages, doch die Empfindling eines a teil Nigun autsteigen ließ. Hier wäre vielleicht ein Weg, weg von den Texten rein lineare Ornamente zu schreiben. Volksliedbearbeitungen :müssen stets ein Kompromiß bleiben. Dicjcnigen werden die besten sein, die nur eine ganz dürftige rhythmische Untermalung gehen. Dieses K0n2ert war schlecht, das Winawerschc etwas besser besucht. Es ist sehr bedauerlich, daß das jüdische Publikum solche Veranstaltungen, in denen 11111 eine neue Form des jüdischen kulturellen Lebens gerungen wird, nicht besser besucht. Dr. O s k a r (} u f t in a n n der Schüler und Schülerinnen gebracht, die von den Lehrern geschaffen worden sind. (Beglcitmu-ik und! ie " O ppositionen von Erwin Jospe, soweit nicht die Lieder anderer, wie das Erneklied, verwendet worden sind.) ״Unsere Menorali‘‘ von Ruth Ehrmann, ein nettes Gianukkahspirl für die jüngeren Schüler. Weiter gab es: ״Die blinden Passagiere“ (Dr. Raul J a c o b). Das sind wilde Jungen und Mädel, die sich an Bord eines Paliistniaschiffes begegnen, einem Bodenspekulauten einige lustige Streiche spielen, die sie dann, als sie auf abenteuerliche Weise sieh im I.niule begegnen, fortsetzen, um den ״Herrn Bwlcnkaiif“ zur Senkung der Bodenpreise 7t1 zwingen. Aber das allein soll nicht ihr Ziel sein, sie wollen arbeiten, um das Land für das Volk zu besitzen. Die ״blinden Passagiere“ werden in Heu Schemen aufgcnoinmen. Hier erreicht sie Herr ״Bodenkauf“, um sie der losen Streiche willen bestrafen zu kosen, aber er wird lltrlgewandelt lind schenkt den Ausreißern Hoden. Die fünf sehr gut gespielten Bilder enden mit einem wirklichen happy etid, das eigentlich zu schön ist, um wahr zu sein. H cin zw erncr O oIdst ein (OfPQ&aci/i O KurlUntendemm 72., Ecke Wallzslr. J e »leibireu 3475 Auch 11% den Festtagen zu Ansbach r&güchmittags u. abends große Fest-MeriUs Am 31. Dezember bei Ansbach TiachbeStellungen rechtzeilig erbeten Sonnabend״ den ai. Dezember 1035 Oakar (Oeia Karoiy) Leisten■ Chanukkah fest in Gesamt«Etablissement das Logenhauses, Kleiststr. 18 Li € llterweih e / Herr Rahb. Dr Solomon 1k!, Oberkantor Lewandcwskl und Oberkantor Sfiuler LMM H«in«mann / Wall! Winter (Hlver), Walttr Goldstein (Steiner) / Jenny Ballan (Berber) 3 Kapeil Oll Oskar (Gez3 Karoiy) Leisten F>H1 Lach• / Kap. Lewinntok / Gesang: Alexander Modi! Chanukkah - Tombola zugunsten der jüdischen Wintertiilfe Beginn 9 Uhr. Vorverkauf RM 1.25 bei Oekonom Rottenbsum, KleiiUtr.lö; Kaufmann, Kleintilr• 14; Pmku •,Weher- »traße 59, E9 4271; Leisten, Landsberger Str• 15, Lathmunn, Bayer. PL 14. Abendw.1,75. Nur tü» Mitgl, d. jüd. Gemein. Sonntag, den 22. Dezember, 20.30 Uhr Löjfenhaus, KleiststraßclG Rabt. Dr. MAX NUSSBAUM ״Makkabäertum — das Leben für eine Idee" Charlotte Holms, Rezitation Oberkantor Karl Neumann, Gesang Dr. Hans Nathan, Klavier Chor des IJadiad F.lntrittik arten zu 60 Rpf <f0r Mitglieder der BZV> und 75 Kpf <für NidumUgtkdcr) im Vorverkauf bei! Uppmann, TrautcnsuatraHe 16, im BZV״ Heim, KantstraOe 54, und im Laden der |fldis<hen Rundschau, Mcinckcstraße 1Ü Berliner Zionistische Vereinigung Westliche Bezirke törfreieAntennen Radio - Reparaturen PuanenitnOe 18 |||B|ta1l Cflhfllt gesjenübcrdSynagoro 10.OIIOI Owllvll Blimarck J1 3062 l«ht vergotten — oft iragalarlscli und Fisch« •■■•n nur »m Vegetarisch•(! und Fisch-Reetaurant am Zoo Eingang Kok« Jo.chlm.thil.r Str.B*. hoekplr. Veranstaltungen der Bezirke und Gruppen der BZV. | | Sonotbeod, d. 21. Daa. BZV-Heim. ClaattuB1fcah«At>en41f Miiwirkendc : Alice Hannes-Kas- Roisnthaler PL 1 20.30 Uhr Roienlhaler Sir. 44 sierer, Jo». Glo winskl, Walt er Werth c*imer. Siegbert Slcinteld. Guitar •>abel. Karten zu 45 Ffg. im Vorverkauf hei Salles, Grenadierstr. 30; bei Finder, Roaentbaler Str. 42 und Mitt• Sonisabend, d. 21. Dea, BZV■־Heim, GhanuSlIiah'AhCfkdL Aasorache: R.-A. Dr.Allred Raben, Gesang, Rezitation. Josef lirlowlnski, Kantor Tischauer* Chor des Habonim u.a. Südost 20.30 Ubr; Oramenstraßc 170 Sosd abeotl. den 21. De z. BZV-Heim, CtsanuBikah-Abend, ״Rfnchadasch lachst haschemcsch" Op«r 20.30 Ubr Kantstraße 54 Scenen ,von A. Tobias, Regie: Fred Goldberg, — Frau Mandels1amm־B׳l!ig, eigen«! Novellen. — Charlotte Salomonski- Rosenbaum (trüberer Künstlername Charlotte Rosen), Geige. — Am Klavier: Kapellmeister Adoii Daus. Sonntag, den 22. Der. BZV-Heim, Brückeniir. 9 Kinderfest. Chöre, Singspiel, die lebende Menorah, Südoat 15 Uhr ״Von den Makkabäern“ u. Sonntag, den 22. Dez. 20.30 Uhr Logenhaui, KieisUtraOe!0 CbeniUkkali-Abend, s. Anzeige Westliche Bezirk« Sonntag, den 22. Dez. 15.30 Uhr Logenhaus, KleistitraB« 10 Kinderfest, 1. Anzeige BZV. Sonntag, den 22. Dez. BZV-Hclm, Kinderfest. Palästinensische• Allerlei, Kinder-Vor- Zentrum 16 Ubr Rosenthaier 5itf. 44 lübruQgen, Kinderkapelle u, a. Montag, den 23. Dez. 20.30 Uhr Logenhaus■ KleirtstraOe 10 Hebräische Chanukkafr’Fcfer, 1. Anzeige Kulturabteilung Sonnabend, d. 28. Der. Passage-FcsU&l«, Chanukkah*AbendU Ansprache: Dr. Leo Scherek. Mitwirk «!de: Lcilh Jacob, Marcel Belai, Hilde Saiinger. Werner Simon, Sprcchchor. Karten zu 50 und 75 Pfg. im Vvjrverkau! b. Leopold, Kaiser Friedrieh-Str. 59; Nussbaum, Bergstr-28; Kohan, Jahnstr- 6; Schwalb, llernjannstr. 46 Neukölln L ,O 20.30 Uhr Bergstr. 151-152 Soneabend, d. 28. Dez. BZV-Heim, י Chanukkah-Abend. ״Hjn chadasch tachathaichemesch“ Friedrichihaln 20.30 Uhr Landsberger Str. 87 i Scenen aus der Makkabäerzeit voa A. Tobias. Regie: Fred Goldberg. Dr. Leo Barczinski, Gesang. Dr. Hans Nathan, Klavier. Josel Glowinski, Rezitation. Karten zu 50 u, 73 Big. bei Feig, St1־ausb«rger Str. 24, Salimjer, Neue KönigstT. 74 und Haubenstock, üoldaper Str. 9 a 1 Sonnabend, d. 28, Daa. BZV-Heim. Chanukkah Abend. Mituirksnde: Alice Hannes- Zentrum 20.30 Uhr Rosenthaier Sir. 44 Kassierer, Josel Glowinski, Walter Wertheimer, Siegbert Steiotcld, Frl Leichtentritt. Unkostenbeitrag 45 Pfg. KINO-SPIELPLAN VON FREITAG BIS MONTAG ADMIRALS- Kino, FriedrichetraÖ« 101 10 Uhr vorm.bis 1 UhrnachD Sonntags ab 2,30 Uhr Eine Seefahrt, die ist innig (S.IdaWGst, Paul Henkels ASTRA- Lichtspiele, Cbausseestr. H 11 Uhr vorm, bis llUhrnacht* Sonntag* ab 3 Uhr ALHAMBRA- Lichtspiele, Koppenstr. 29 Beginn 5, 7, 9 Uhr Sonntags ab 3 Uhr Knox und die lustigen Vagabunden mit Adele Sandrock Leo Slezak, Hans Moser und Pat und Patachon Jugendfrei ffl ARCHE {!BRUNrfEtl- Lichtspiele Am Frietlrichshain 29 Beginn 5, 7, 9.10 Uhr Sonntag! ab 3 Uhr Es dtsdifih in einer Nadtt mit Ct&udette Colbert« Clark Gable in deutscher Sprache Kant- 9f Viktoria“ Sonnt ab 3 Uhr. Jugend!. über 14 Jahren haban Zutritt Kamme•- Lichtspiele a. 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