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Jüdische Rundschau · 1935-12-20 · Heft 102 (20.12.1935) · page 31

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 102 (20.12.1935)
Date
1935-12-20
Page
– (sequence 31)
Language
German
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Nr. 102, 20. XII. 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 25 Das Neueste in Kürze Eifer und welcher aufrichtigen Bemühung die Olim aus Deutschland sich der neuen, zunächst ihnen doch ganz fremden Materie zuwandtcn. Der Prozentsatz der von der Kulturarbeit erfaßten deutschen Olim überstieg, wie mehrfach nachgewiesen wurde, den aller früheren Alijot. Trotzdem wird man sagen müssen, daß gegenüber all der Mühe, dem Aufwana an Zeit, Geld und Nerven seitens Lehrer und Lernenden, das tatsächliche Ergebnis noch stark zurückbleibt. Das Empfinden der Fremdheit gegenüber dem, was im Lande gerade in kultureller Hinsicht geschieht, und gegenüber den nicht aus Deutschland stammenden Kreisen des Jischuw ist auch bei den Olim aus Deutschland, die äußerlich — sprachlieh — hebraisiert sind, nicht geschwunden. Es scheint mir, daß das heutige allgemeine Mißbehagen auf beiden Seiten, bei den Olim wie im Jischuw, die notwendige Folge einer falschen psychologischen Einschätzung des neuen Alijah-Elemeirts und des daraus resultierenden falschen Zieles der bisherigen Kulturarbeit war. Wir schulden dem russischen Zionismus, der auch diesmal in erster Linie die Träger der neuen Kulturarbeit stellte, Dank für die Verantwortung und Hingabe, mit der diese sich um das neue Element im Jischuw׳ bemühten. Wenn aber ihr Ziel war, den deutschen Juden in die bestehende und von diesen Lehrern selbst ja erst geprägte palästinensisch-jüdische Geisteswelt cinzugliedcrn, so mußten sie notwendig scheitern, weil damit die Aufgabe falsch gestellt war. Der Olch aus Deutschland war eben nicht das u n - beschriebene Blatt in allem Jüdischen, wie es ihnen, ihm selbst häufig, schien, sondern lebendiger Träger einer eigenen und eigentümlichen jüdischen Entwicklung, mochte auch die Geschichte diese in wesentlichen Teilen desavouiert haben. — Der Verfasser könnte aus seiner eigenen Praxis über die Fülle von oft ungeahnten Anknüpfungsmöglichkeiten berichten, die dafür jede Kursusstunde bietet. — Mehr oder weniger bewußt empfinden es — bis auf die üblichen Gruppen früherer Assimilanten reinsten Wassers, die, nun in Palästina, mit einem Saltomortalc glauben, ihre ganze Vergangenheit abschiiltcln zu müssen und sich nun hundertprozentiger als alle Palästinenser und alten Zionisten gebärdent — wohl alle Kreise der Alijali aus Deutschland, die ein Verantwortungsgefühl für die jüdische Zukunft des Landes besitzen, daß sie nicht nur die Nehmenden zu sein brauchen, sondern daß es auch in ihrem jüdischen Erbe Dinge gibt, die sie dem geistigen Bilde des Jischuw hinzufügen könnten. Sie glauben nicht, daß das heutige Gepräge des Jischuw das Endgültige ist, sondern sehen nicht mir ein Recht, sondern ihre zionistische Pflicht darin, an dieser Prägung mitzuwirken. Nicht in der bedingungslosen Eingliederung in den geistigen Typ des heutigen Palästinensers, sondern in gleichberechtigter Mitarbeit an dem werdenden ״oberen Jerusalem'• sehen sie die Aufgabe der Juden aus Deutschland in Erez Israel. Worin liegt aller das Eigene, das der Beitrag des Oleh aus Deutschland zum jüdischen Leben in Erez Israel sein könnte? Es ist das, was ihn schon seit je auszcichnctc, die Haltung gegenüber der religiösen Seite des Judentums. Auch der assimilierteste und in seiner Lebenshaltung freieste deutsche Jude stellt dieser Seite des Judentums noch immer offener, weniger doktrinär gegenüber, als der ostjüdische Freigeist, der Cliofschi, im allgemeinen, und der Durch- Schnittsjude aus Deutschland vermißt in dem Fehlen des religiösen Elements im palästinensischen Jischuw, wenn man von der ausgesprochenen Orthodoxie absieht, nicht nur etwas, was jlmi vertraut und teuer ist, sondern das, worin er den letzten Grund gerade seiner jüdischen Existenz zu sehen gewohnt ist. Auch ich glaube nicht, daß die Religion im heutigen Stadium des Auf haus das bindende, volksbildende Elcment des Jischuw sein kann. Aber der deutsche Jude in Palästina kann gerade hierin für weite Kreise des geistig heimatlosen palästinensischen Jischuw befreiend und verbildhaft wirken. Er hat hier vielleicht seine Hauptaufgabe gegenüber dem Jischuw zu erfüllen, der zum ersten Male staunend sieht, daß modernes Leben und akademische Bildüng kein Gegensatz zu religiöser Gesinnung und Tut! zu sein braucht, daß, um konkret zu sprechen, der Herr Doktor aus Deutschland Festtags und vielleicht auch gar an jedem Schabbat in die Synagoge geht, nicht aus gesellschaftlichem Zwang, sondern aus eigenem Bedürfnis. Die Erkenntnis von der Eigenwertigkeit des deutschjüdischen Elementes im Jischuw und seiner besonderen Aufgaben beginnt in immer breiteren Kreisen und den verschiedensten Lagern der deutschen Alijah Raum zu gewinnen. Sie kam zu öffentlichem Ausdruck sowohl in der deutsch-jüdischen Arbeiterschaft innerhalb der Histadruth wie in eigenen Zusammenschlüssen, z. B. dem unter Führung von Rabb. Emil Levy stehend 11־ Tel-Awiwer ״Ichud“ und ähnlichen Bestrebungen an anderen Orten. Es scheint auch der Weg, auf dem unser Beitrag zur Formung des Jischuw fruchtbar werden, könnte, immer allgemeiner iin Kulturellreligiösen gesehen zu werden. Die Ali jah aus Deutschland wird in kleineren oder größeren Kreisen auf diesem Wege zu Auswirkung ihrer Eigenart kommen können, sei es in klärender Aussprache, sei cs in Feier oder gemeinsamen] Gottesdienst oder in religiösen Liebesdiensten. Sie kann allerdings aut diesem Wege sehr gefährlich und unfruchtbar sieckenbleibcn, wenn sie das Gepräge einer landsmannschaftlich-deutschen Angelegenheit nicht zu vermeiden versteht. Jede aus deutsch-jüdischem Geiste getriebene religiöse Kulturarbeit muß in immer weiterem Maße ihr Publikum in den breiten Kreisen des nicht aus Deutschland stammenden Jischuw sehen. Diese Verbindung zu schaffen, gebietet uns unsere zionistische Pflicht und unsere Existenz irn Jischuw, dem wir ja nicht mehr nur für die Statistik anehören wollen. Das bedeutet aber die weitestgreifende Heraisierung der deutschsprachigen Alijali, wenn anders sic mit Recht glaubt, der palästinensischen Allgemeinheit Wege weisen zu dürfen. Dann allerdings dürfen wir hoffen, daß die Alijali aus Deutschland durch ihren eigenen Einsatz nicht nur sich selbst ihren Platz im Jischuw schaffen, sondern der Gesamtheit des palästinensischen Judentums und der nationalen Renaissance der Jtidenlieit an der zentraisten Stelle gedient haben wird. Die kulturelle Einordnutig wird dann aber auch auf einer höheren Ebene erfolgt sein, nicht als Assimilation an ein von anderen getonntes Bild des Jischuw, sondern als freie Bejahung eines jüdischen Palästina, zu dessen Gestaltung eigene Mitarbeit einen wichtigen Anteil gegeben hat. Tm ״Anzeiger für Maschinenwesen“, Essen, vom 10. 12. stand ein Artikel über Palästina, der sich mit den Exportmöglichkciten dorthin beschäftigt. —MAGISTER KIRSCH- »er gute Likör Magisler-Likörfabrik, München VII Dr. Chaim Weizmann hat mit den Mitgliedern der Leitung des Misrachi-Weltverbandcs eine Besprechung über die religiöse Situation in Palästina abgchalten. Erörtert wurden Probleme der Kaschrut in den Arbeiterküchcn, die Einhaltung der Schabhatvorschriften in den auf Nationalfondsbodcn errichteten Siedlungen und die Frage der Gewährung von Beihilfen aus den Mitteln der Palästina- Regierung für die rabbinischen Gerichte. Die Exekutive der Jewish Agency ist in einer ausführlichen Erklärung der insbesondere von revisionistischer Seite gegen die ״H a a v a r a h“ gerichteten Kampagne entgegengetreten. Die Exekutive gibt eine Darstellung der Zwecke und der Tätigkeit der ״Haavarah", die jetzt gemäß dem Kongreßbeschiuß offiziell der Aufsicht der Exekutive unterstellt ist. Nach einer Berechnung der Statistischen Abteilung der Jewish Agency gibt es in Palästina heilte annähernd HK) 000 Juden, die länger als zwei Jahre im Lande leben und bis heute die palästinensische Bürgerschaft nicht erworben haben. Im Gefolge dieser ungewöhnlichen Situation werden jetzt verstärkte Bemühungen gemacht, diese Juden dazu zu bewegen, daß sie so schnell wie möglich palästinensische Staatsangehörige werden. (Palcor.) Der seit langer Zeit geführte Streit um den Boden von C.hcf ziba ist letztinstanzlich zugunsten der jüdischen Partei entschieden worden. Meldungen der arabischen Presse zufolge, ist «in neuer Bodenkonflikt zwischen dem Keren Kajemcth und dem Scheich El Zinati entstanden, der Eigentunisanspriichc auf Grundstücke des Keren Kajemcth im Kreis Bet Sclieam erhebt. Die Behörden haben beiden Streitteilen die Bearbeitung des betreffenden Bodens bis zur Klärung des Konfliktes untersagt. Die Palästina-Regierung hat mehreren arabischen Dörfern im Kreis Nablus (Sichern) Kredite zum Bau von Wasserbehältern gewährt. Für diesen Zweck wurden 3985 Pfund bewilligt. Der Bürgermeister der arabischen Stadt Khalkilijc und sein Sohn wurden unter dein Verdacht, mit der kürzlich ausgehobenen arabischen Terroristengruppe verbunden zu sein, verhaftet. Die revisionistische Tageszeitung ״Hajarden“ in Tel- Awiw hat aus finanziellen Gründen ihr Erscheinen eingestellt. Die Zeitung, die gerade in der letzten Zeit häufig den Charakter eines Skandalblattes annahm, hatte nur eine sehr geringe Verbreitung. Am 15. d. M. wurde in Tel-Awiw eine in hebräischer Sprache geführte Wählerversammlung der Hitaclulutli Olej Germania im Habimali-Saal von einer Gruppe re vis ionistischcr Bcthar-Jugcnd ii b e r f a 110 n, wobei Glasscheiben zerbrochen und mehrere Teilnehmer leicht verletzt wurden. Pressemeldungen zufolge beabsichtigt die Paläsfina-Regicrung, Filmstreifen von erzieherische m Wert vom Einfuhrzoll zu befreien. Kürzlich wurde der Rcgieriuigskominissar für die Jugendgerichte zum Mitglied der Filmpriifstcllc bestellt. Anscheinend plant die Regierung eine polizeiliche Ueberwachung des Kinobesuchs Jugendlicher; bisher bestanden in dieser Hinsicht keinerlei Beschränkungen. Die technische Abteilung der Kolonicvcrwaltung von Pctach Tikwa hat in den beiden letzten Wochen Bau- Bewilligungen in ungefähr der gleicher! Zahl erteilt, wie dies vor drei bis vier Monaten der Fall war. Die Irak Petroleum Comp, prüft die Pläne für die Errichtung der ersten O e l - R a f f i n c r i e im Nahen Osten. Ein Grundstück an der Straße Haifa—Akko wurde bereits erworben. Gegenwärtig ist der Zustand der, daß das Rohöl aus dem Irak, das nach Haifa fließt, dort verschifft wird und das raffineriertc Petroleum dann vorn Ausland importiert wird. L>ie neue Raffinerie wird au Ort und Stelle den Bedarf Palästinas und der Nachbarländer decken. Die palästinensische Ausfuhr von frischen und gefrorenen Fischen hat in den ersten sechs Monaten Nachdruck verbot#» Dreihundert Millionen hungern freiwillig Von M. V. Ben-gavriel Seit einigen Tagen fällt in jeder Stadt Palästinas (wie in der ganzen muslimischen Welt), die mohammedanische Bcwohncr hat, vor Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang je ein Kanonenschuß, dessen Bedeutung vielen, besonders den Neuein Wanderern unbekannt ist und immer wieder zu Irrtiiineni Anlaß gibt. Es ist daher vielleicht am Platz, kurz die Bedcutunp dieser für Leute, die aus dem Westen kommen, ungewohnten Sitte zu erklären. Der Kanonenschuß, der in dem Augenblick gelöst wird, da die Sonn« vom Horizont auf steigt, respektive jenseits des Horizontes hiiiunfersinkt, bedeutet nicht allein für die Mohammedaner Palästinas, sondern für rund dreihundert Millionen Anhänger der Religion Mohammeds Anfang und Ende einer täglich sich erneuenden gewaltigen physischen Anstrengung. Der Kanonenschuß ist das tägliche Zeichen, daß wir irr! Monat R a m a d 11 a 11 sind, in jenem Monat, der nicht allein das Leben des muslimischen Privatmannes vollkommen umstellt, sondern insofern auch in die Politik einreift, als während dieser Zeit in den muslimischen Ländern eine Parlamcntstagungen stattfinden. Es heißt in der zweiten Sure des Qor’än: ״Der Monat Ramadhan, in welchem der Qor’än herabgesandt, als eine Leitung dem Menschen .... wer von euch den Mond sieht, der beginne das Fasten in ihm.... Allah wünscht, es euch leicht und nicht schwer zu machen usw.“ l!1 diesem Monat Ramadhan also, dem nennten des mohammedanischen Mondjahres, hebt in dem Augenblick, da <lie junge Mondsichel am Ersten des Monats erblickt wird, das große Fasten an, das dreißig Tage lang, vom Sonnenaufgang bis zum Sonnen- Untergang gehalten werden muß und auch absolutes Rauch- und Trink verbot während der Tagesstunden, ja sogar das Verbot, an Blurnen oder an duftenden Spezereien zu riechen, in sich schließt. Fällt aber vor Sonnenuntergang der Kanonenschuß, dann füllen sich die Bazare und die Garküchen mit überraschender Schnelligkeit. Für den arbeitenden Menschen ist der Fastenmonat doppelt schwer zu ertragen, da er ihm ja auch einen Teil der Nachtruhe raubt, die er am Tag nicht einbringen kann; der zweite Mahlzeit findet nämlich in der Nacht, Kurz vor Sonnenaufgang, statt. Wie streng die Fastenvorschrift überwacht wird, 1935 weiterhin erheblich zugcnonimeii und den Gesamt« export des Vorjahres bereits überschritten. Auf die Gerüchte, daß die neue von der Regierung errichtete Hypothekenbank einen Zinsfuß vor! 8";״ zu erheben gedenkt, haben die Landwirte Vorstellungen erhoben, da ihnen der Zinsfuß zu hoch erscheint. Der ״Ei!dienst für Außenhandel und Atislanciswirtschaft“, Berlin, vom 11. 12. berichtet über die Steigerung der Läsen- und Metallwarencinfuhr nach Palästina und den Anteil Deutschlands. Die Regierung von Transjordanien hat einer j ii d i sehen Gesellschaft die Bewilligung zur Errichtung einer Eis- und Sardinen-Konscrvenlabrik in A k a b a erteilt. Die Gesellschaft beabsichtigt, demnächst mit dem Bau der Fabrik zu beginnen. Nach Berichten aus Amman wurde im Gebiet von Akaba mit der Katastrierung des Bodens begonnen. Der Hafen Akaba am gleichnamigen Golf ist bekanntlich zwischen Hodschas (Saudi,•1) und Transjordanien (englisches Mandatsgebiet) strittig. Doch untersteht das Gebiet jetzt der transjordanischen י Verwaltung. Bekanntlich hat Ben Gurion auf dem letzten Kongreß dieses große, fast menschenleere Gebiet als einen der zukunftsreichsten Räume einer jüdischen An- Siedlung bezeichnet. Albert W. Scott wurde zum amerikanischen Kon• sul in Jerusalem ernannt. Ahmad Ramsi Bcv, der neue a g v p f i s e 11 e Konsul für Palästina, traf am 12, Dezember in Jerusalem ein. Das erste Konzert von B r o n i s 1 a w lln licritiann aut seiner diesjährigen palä-tinensiselien Tournee fand in Jerusalem vor überfülltem Saale statt und hatte den Charakter eines künstle!ischen Eriignisscs. Der hebräische Dichter Saul T s r 11 e r 1t i e 11 o w s k i er• hielt dieser Tage aus Finnland die Medaille des Ordens der Weißen Rose. Tschernicliowski hat bekanntlich das finnische Nationalepos ״Kalivala“ ins Hebräische übersetzt. Bei Kanalisationsarbeiten in Jerusalem wurden in der Nähe des Stephan-Tors einige alte jüdische Münzen (Schekel) aus dem 1. Jahrhundert v, (dir. ausgegraben. Schlechte Orangensaison Der ״EiUlionst für Außenhandel lind Atisla ndswirtschaft“ (Berlin) meldet in seiner Ausgabe vom 17. I )ez. aus Pa- I ä s t i n a: Nach neuesten Schätzungen wird für 1035, für das man vor der Hitzeperiode des Frühjahrs mit einer Ernte von etwa 8 Mill. Kisten Orangen rechnete, nur ein exportfähiger Ertrag von 5,5 Mill. Kisten dran g e 11 erwartet, was einen Rekord t i e f s t a 11 d bedeuten würde, zumal auch die Landwirtschaftsabteilung der Palästina-Regierung noch vor kurzem eine Schätzung auf 6,5 Mill. Kisten Urangen vornahm. Auch die G r a p <׳ f r 11 i t - Ernte soll niedriger werden als man bisher annahm: statt 1,25 Mill. reennct man mit einem Ertrag von nur 0,75—1 Mill. Kisten. Die Baisse der Grapefruit preise an den europäischen Märkten hat in den letzten Tagen weiter angehalten. Iss scheint, daß der Grapefruitabsatz auf dem Kontinent und in England noch nicht hinreichend organisiert ist lind die Grapefruit dort und in den nordischen Ländern als ein Ltixtisnahrungsmittel betrachtet wird, das sich nur wenige leisten. In den palästinensischen Pflanzerkreisc-n verlautet, daß in dieser Saison 1935'36 nur rund 300 000 Kisten Orangen nach Deutschland zur Verschiffung gelangen werden. In der Saison 1933/3-1 nahm Deutschland 1,3 Mill. und in der Saison 1934 35 noch 507 000 Kisten aus Palästina auf. Die letzte Entscheidung in der! rage der Orangenverhandhingen mit Deutschland ist jedoch noch nicht gefallen, Vertreter der verschiedenen fnteresseuteiigriippen begaben sich abermals nach Deutschland. beweist der Umstand, daß alljährlich Leute von den orderrtliehen Gerichten mit Strafen belegt werden, weil sie öffentlich rauchten oder aßen. (Selbstredend betrifft dies nur Mohamme» daner.) Dieser schwere Monat, der dreifach schwer ist, wenn er in die heilte Jahreszeit mit den I.׳tilgen Tagen fällt, endet mit dem sogenannten kleinen Bairamfest oder ’Id el futr, Fest des Eastcnbrecheiis, welches ein dreitägiges E reiulenfest ist. Die Moscheen sind illuminiert, die Bazare sind mit Laubwerk geschmückt und festlich gekleidete Menschen überfüllen sie, man macht einander Besuche und ilif dabei utiglaubliche Mengen von Zuckerzeug. In den Moscheen findet ein großer Gottesdienst statt, an dem auch die Regierung taul die Vertreter der fremden Machte, sowie die Häupter der verschiedenen nicht-mohammedanischen Religionen und Sekten feihiehnien. die in festlichem Aufzug hinter ihren Kawasscn sich in die Moschee begeben. Nach dem Gebet, während dessen die Geschäfte geschlossen sind, sammeln sieh große Meitsclieiiniassen, zumeist 'erschleierte Frauen, auf den F r: edb ü f!1! ׳, nicht alter, um zu trauern — wenn auch Gräber mit 11almen/weigen geschmückt werden — sondern, tun sich zu unterhalten. Fliegende Kaffeehäuser säumen den Friedhofsraml und auf dem Gräberfeld selbst, so sehe ich es alljährlich, werden Karussells aufgestellt, die von Hunderten Kindern und [Tauen, aber auch Männern umlagert sind, lieber dem ganzen Friedhofsfeld, das ja schon infolge des absoluten Mangels an Bäumen nichts mit einem europäischen Gräberfeld zu tun hat, zumindest was die äußere Stimmung betrifft, liegt fröhliche kindliche Festesfreude. Drei Tage noch zeigen die Kanonen die fünf Gebets- Zeiten des Tages an, drei Tage noch wird gefeiert, ohne Alkohol und infolgedessen auch zumeist ohne Exzesse — ausgenommen natürlich gewisse alte Familienkämpfe, die bei allen Festgelegcnbeiten ausgetragen werden — und dann, am dritten Tag des Monats 811awvr.1l beginnt wieder der Alltag, der, ohne wöchentlichen Ruhetag, sich erstreckt bis zum Großen Bairainfest, dem Opferfest, da die Pilger in Mekka den heiligen Stein umschreiton und die ganze mtislimischc Welt zur gleichen Zeit ihr alljährlich« Opfer bringt. Es ist fast wie ein Wunder: in dieser, allem Religiösen feindlichen Zeit nehmen noch immer an die dreihundert Millionen Menschen freiwillig eine sehr schwere Bürde auf sich, die Bürde, dreißig Tage lang unter schweren körper* liehen Anstrengungen, ihren Tag in Nacht und ihre Nacht in Tag zu verwandeln. Und was das Wunderbarste daran ist, dabei zu arbeiten, wie an allen Tagen des Jahres. Btamarck Barbaiossa Stcinplatz 8888< MÖBELTRANSPORT. LAGERUNG. REISE■ GEPACKREFÖRD.. *LAVIERE. FLÜGEL SPEOIUQN tU INLAND. AUSLAND UND ÜBERSEE > GEPXCKFAHRT < ■ •rllnwis, KarlOritudtnR »11 ' BILLIGE S/t MM EL ■ VERK EHRE NA CH PARIS. BRÜSSEL PRAG, BUDAPEST. VIEN, AMSTERDAM. LONDON. TR/EST. BASEL a». )8888 Humboldt Oberbaum Stcinplatz

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