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Jüdische Rundschau · 1935-12-20 · Heft 102 (20.12.1935) · page 27

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 102 (20.12.1935)
Date
1935-12-20
Page
– (sequence 27)
Language
German
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Sette 6 KIND RUNDSCHAU Nr. 19 Das Trendel Eine Chanukkah-Geschichte Wißt ihr, was ein Trendel ist? Das ist ein dicker, behäbiger Würfel, oben mit einem langen, unten mit einem kurzen Bein. Auf dem kann er tanzen, und wenn seine Zeit gekommen ist, dreht er sich lustig wie ein Kreisel. Es gibt ganz feine Trendel aus Elfenbein mit schwarzen Augen, aus Silber, aber auch gewöhnliche aus Holz oder Blei. Aber alle müssen dasselbe tun — tanzen, und alle haben die gleichen Buchstaben an den vier Seiten eingegraben: •״נס גדו־ל היה עזם״ נ• ג■ ה• ש ״)'Ein großes Wunder geschah dort/') Damit wir am Chanukkahfeste nicht die großen Wunder vergessen, die einst unserem Volke geschehen sind! Eines Abends in der Dämmerstunde — es war der erste Chanukkahabend — stand auf einem weißgedeckten Tisch eine Menorah. Sie war nicht sehr groß, auch nicht kostbar, aber sie glänzte so hell, daß sie wie ein Spiegel die letzten Strahlen des Tageslichtes auffing und alles andere im Zimmer verdunkelte. So war auch das kleine Trendel, das neben ihr lag, ]hustig dreht sich das Trendel nicht ZU sehen. ״Schalom", sagte da Uas Trendel mit einem feinen, hohen Sümmchen. ״Schalom“, brummte die Menorah. ״Warum bist du so unfreundlich?" sagte das Tren- ,del. ״Wir gehören doch zusammen/denn immer, wenn die Kinder an Chanukkah denken, denken sie an dich Und an mich." ״Mit dir will ich keine Gemeinschaft", sagte die Menorah, ״ich bin aus .altem, adeligem Stamme, und schon vor Tausenden von Jahren lebten meine Vorfahren im!jüdischen Volke. Und wenn meine Lichter brennen, dann leuchten die Kinderaugen heller, und feierlich werde ich gesegnet und angesungen. Aber du? Wer bist du denn? Woher kommst du? Du bist so klein und unansehnlich, über dich können alle nur lachen!" ״Oh", rief das Trendel schmerzlich. Es war im tiefsten Herzen gekränkt, denn so klein es war, es hatte doch seinen geheimen Stolz, weil es eben zur Freude geschaffen war. Und wenn es gedreht wurde und tanzen konnte, wurde es froh und lustig, und alle Menschen freuten sich mit ihm und wurden auch lustig! Gibt es etwas Schöneres,־ als den Menschen Freude zu machen? So dachte das Trendel und beschloß, sich nicht mehr um die hochmütige Menorah zu kümmern. Da hörte man Schritte, es wurde Licht gemacht, *und der ChanukkahäbenÜ begann mit dem Anzünden sieg der Menorah. Man segnete das erste Licht, und die Kinder hörten ernsthaft und still der altbekannten Chanukkahgeschichte zu. Aber — von Zeit zu Zeit schielten sie doch nach dem Trendel und guckten Immer verstohlen zum Tische, ob die Mutter genug Nüsse zum Spiele herausgegeben habe. In den Fingern zuckte es, weil die schon das Trendel drehen wollten, aber — sie mußten warten und מעיז צור ordentlich singen. Kaum war es zu Ende, stürzten die Kinder zum Tisch und packten das Trendel. Beinahe kam es zu einer Baigerei, denn jeder wollte beginnen. Hochmütig sah die Menorah auf das Treiben der Kinder und dachte: ״So geht es zu, wenn das Trendel mit seinen Dummheiten beginnt. Solange alles um mich versammelt war, ging es ordentlich zu. Aber jetzt! . . ." Die Menorah hätte gerne ihre Wut gezeigt, aber wie konnte sie das? Sie war eben nur aus glänzendem Metall und konnte sich doch nicht bewegen oder gar mit den Füßen stampfen. Das ging nicht! Die Kinder setzten sich zum Spiele, teilten die Nüsse und verfolgten Einsatz, Gewinn und Verlust. Das war erst ein riehtiges Fest! Das Trendel freute sich mit, wurde dicker und aufgeblasener und drehte sich immer kunstvoller im Kreise. Ein Junge schnellte es geschickt ab, ließ es springen und tanzen, daß es eine Lust war. ״Ach", dachte das Trendel, ״wie schön ist das Leben! Das kann die Menorah doch nicht, den Kindern so viel Lachen und Freude bringen. Ich muß die Menorah ein bißchen ärgern!" Und es tanzte schneller und wilder zur Menorah hin, um sie ein wenig zu stoßen und zu necken. Bums! Da lag die Menorah, die auf drei dünnen Füßen stand, und das Licht war plötzlich verlöscht. Es wurde still, die Kinder verstummten, sahen ängstlich auf den dunkel daliegenden Leuchter, und beinahe wäre ihre Freude verflogen. Aber die Mutter nahm die Menorah weg und vertröstete die Kinder auf den nächsten Abend. ״Heute freut euch mit dem Trendel", sagte sie. Das ließen sich die Kinder nicht zweimal sagen, und schon ,tanzte das Trendel auf dem Tische. ׳/re• /!, V Huf “ einem u>ei00d€ckt&n Tisch ־.* * ־״» ־»s’ ׳ . "ע*^ *reamf eine'Mehorah

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